Wednesday, July 28, 2010

H.M. Enzensberger: Josefine und ich

"Huch - Literatur!" dachte ich, als ich den Namen des Autors, Hans Magnus Enzensberger, auf dem Cover erblickte. Ich bekam Josefine und ich vor einiger Zeit geschenkt. Es ist betont stilvoll in schwarzen Samt gebunden, das Titelblatt eingeprägt, ganz schick. Schade, dass mich immer das kalte Grauen überläuft, wenn ich Samt anfassen muss, das kann ich nicht haben. Diese Art von Flausch ist mir unangenehm, egal ob es sich um Bucheinbände oder die Blätter von Zimmerpflanzen handelt. Aber das nur am Rande.
Ich will nicht viel schreiben: Protagonist rettet alte Dame vor Handtaschendiebstahl und ist fortan immer dienstags bei ihr zum Tee und führt abwegige Diskurse über alles und die Welt.
Es ist ein dünnes Bändchen, einige Gedanken interessant, das meiste leider nicht.
Erschütternd war es, die Rezensionen zu dieser Erzählung zu lesen, die in den großen deutschen Tageszeitungen erschienen sind (zusammengefasst bei perlentaucher.de). Die hatten auch irgendwie ein Problem mit dem Samt (was mich ehrlich verblüfft hat) und waren inhaltlich nur mäßig beeindruckt, man könnte auch von Verriss sprechen. Nix Literatur?!

Hans Magnus Enzensberger, Josefine und ich. Eine Erzählung. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2006.

Tuesday, July 27, 2010

Camilla Läckberg: Die Eisprinzessin schläft


Die Eisprinzessin schläft ist der erste Krimi der Schwedin Camilla Läckberg um den Kriminalbeamten Patrik und die Autorin Erica. Das Setting ist die Geburtsstadt der Autorin, Fjällbacka, ein 1000 Seelen Dorf im Westen von Schweden nahe der norwegischen Grenze.
Erica schreibt Biografien und räumt gerade das Haus ihrer Eltern nach deren Unfalltod auf. Ihre ehemalige Kinderfreundin wird tot in ihrer Badewanne aufgefunden, es stellt sich aber heraus, dass sie ermordet wurde. Erica soll zunächst nur einen Nachruf verfassen, gerät aber dabei immer tiefer in die Geschichte hinein und trifft dabei auf Patrik, der als einziges Mitglied der Polizei tatsächlich ermittelt.
Camilla Läckbergs Roman liest sich flüssig, sie schildert die Figuren lebendig, unabhängig davon, ob es sich um die Reichen und Schönen oder die Armen und die Zerbrochenen handelt. Sie beleuchtet das Geschehen vielschichtig und man merkt, dass sie das Ambiente gut gewählt hat, das Dorf Fjällbacka wird dem Leser vertraut.
Einige Wendungen in der Geschichte (gefundene Dokumente, plötzliche Geistesblitze der Protagonisten) wirken konstruiert und nicht aus der Geschichte erwachsen, zumal sie dann auch noch erst nur angedeutet und dem Leser erst einige Seiten später erklärt werden ("Aha, Patrik hat etwas verstanden! - aber man darf noch nicht wissen was!"). Das ist manchmal mühsam bis nervig.
Die Liebesgeschichte wirkt etwas erzwungen, wird aber sicher in den folgenden Bänden symbiotischer werden. Insgesamt liegt der Fokus der Autorin wohl eher in der Entwicklung ihrer Personen, bei den Beziehungen der Personen untereinander und ihre Wechselwirkung mit der schwedischen "Dorfidylle", weniger in dem Erzeugen von gruseliger Spannung.
Alles in allem aber ein harmonischer, spannender Krimi, der angenehm unterhaltend ist. Gute Ferienlektüre, nicht nur für den Schwedenurlaub.
Camilla Läckberg, Die Eisprinzessin schläft. Aufbau, Berlin 2008.
Webseiten der Autorin - hier besonders interessant: ihre Tipps zum Schreiben eines Krimis!

Monday, July 26, 2010

C.R. Zafon: Das Spiel des Engels




Carlos Ruiz Zafón wurde 2001/2002 mit der Veröffentlichung seines Romans Der Schatten des Windes bekannt, der sich als Bestseller verkaufte und in viele Sprachen übersetzt wurde.
Der Folgeroman Das Spiel des Engels erschien 2008 und hat mit ersterem einige Schauplätze (Barcelona, der Friedhof der vergessenen Bücher) und auch einige Figuren gemein. Jedoch spielt er zahlreiche Jahre vor Der Schatten des Windes, man braucht aber keine inhaltlichen Kenntnisse um den Nachfolger zu verstehen.
Neun CDs umfasst die Hörbuchfassung mit Gerd Wameling, der ruhig und gelassen liest.
Die Story ist schnell zusammengefasst:
Der junge Autor David Martín geht einen (Teufels-) Pakt mit dem seltsamen Andreas Corelli ein, der ihm Heilung von seinem Hirntumor und viel Geld verspricht im Gegenzug für das Schreiben eines religiösen Buches. Eine große Rolle spielen Martíns Beziehungen zu seinen Mentoren und zwei sehr unterschiedliche Frauen. Deren Leben werden aber nach und nach zerstört, je weiter Martín sich mit den Hintergründen und Machenschaften von Corelli beschäftigt, bis ihm selbst am Ende nur die Flucht bleibt.
Zafón erzählt spannend und flüssig, gerade die Beschreibungen Barcelonas und des seltsamen Ortes, den er Friedhof der Bücher nennt, sind überzeugend und spannend. Die Geschichte selbst konnte mich nicht ganz fesseln, zu verworren bleibt am Ende Sinn und Auflösung des Ganzen. Zum Beispiel bleibt auch das so zentrale religiöse Pamphlet stets ein Rätsel, da der Leser nicht erfährt, was wirklich darin steht, oder welchen Zweck der Auftraggeber Corelli verfolgt. Auch der Erzählstrang der Liebesgeschichte fügt sich nicht schlüssig zusammen, die Frauen handeln zum Teil völlig unverständlich und bleiben ohne Tiefgang.
Mich hat Zafòn nicht völlig überzeugt, aber vielleicht gebe ich Der Schatten des Windes dennoch bei Gelegenheit eine Chance. Hier war ich froh, dass ich den Roman hören konnte, da ich vermute, dass ich beim einfachen Lesen bei einigen Passagen geschwächelt hätte, Hören geht flüssiger.
Carlos Ruiz Zafón, Das Spiel des Engels. Argon 2008.

Sunshine's whisper

Sie ist wiedergefunden.
Was?
Die Ewigkeit.
Es ist das Meer
verbunden mit der Sonne
in eins.
postcrossing Karte von Zheng Yi aus China

Saturday, July 24, 2010

Annie Proulx: Hinterland


Ich war einmal in Wyoming. Die National Parks Grand Teton und Yellowstone liegen ganz oder teilweise in diesem nahezu quadratischen Bundesstaat der USA. Große Weite. Viele Berge, Prärie. Büffel am Wegesrand. Soweit meine Erinnerungen.
Annie Proulx lebt seit 1995 in Wyoming, was bislang zu drei Bänden mit Kurzgeschichten über die Menschen dort geführt hat:
  • Close Range, 1999 („Weit draußen“)
  • Bad Dirt, 2004 („Hinterland“)
  • Fine Just the Way It Is, 2008 („Hier hat's mir schon immer gefallen“)

Bekannt wurde Proulx durch den Roman Schiffsmeldungen (großartig verfilmt von Lasse Hallström, 2001) und die sehr erfolgreiche Verfilmung ihrer Kurzgeschichte Brokeback Mountain, 2005, durch Ang Lee mit Heath Ledger.

Die Geschichten in Hinterland bieten einen Querschnitt durch die Bevölkerung von Wyoming: Wildhüter, Bardamen, Rancher, Cowboys und ausgestiegene New Yorker - um nur einige zu nennen. Einige der Personen tauchen in mehreren Geschichten auf und man freut sich darüber, wie über ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Annie Proulx bringt einem die Verschrobenen und die Gescheiterten, die Guten und die Bösen gleichermaßen nahe, man empfindet Sympathien, erhält aber gleichzeitig einen unverstellten Blick auf die Unbarmherzigkeit, aber auch auf die teils dramatische Schönheit dieses schwach bevölkerten und unwirtlichen Bundesstaates.
Sicherlich kein gewöhnliches Buch, das selbst mir als nicht so großen Fan von Kurzgeschichten Freude bereitet hat.

Interview mit Annie Proulx, geführt in Wyoming (!), bei abendblatt.de
Annie Proulx: Hinterland. Neue Geschichten aus Wyoming. Luchterhand, München 2005.

Friday, July 23, 2010

Tove Jansson: Geschichten aus dem Mumintal



Im Zuge der postcrossing Postkarten aus Finnland bin ich den Mumins wiederbegegnet und habe jetzt den ersten Band der Geschichten mit den Trollen von Tove Jansson gelesen. Es sind faszinierende, traumhafte Geschichten mit großen und kleinen Wahrheiten, eine schöner als die andere, mit Charakteren, in denen man sich wiederfindet und zustimmend nickt und vielleicht sogar etwas lernt. Zauberhaft.

Tove Jansson, Geschichten aus dem Mumintal. Arena, Würzburg 2007.

Tuesday, July 20, 2010

Mind travelling again



Today's postcard came from Canada.
New Brunswick rang a bell and so my mind wandered and met Anne of Green Gables on the neighbouring Prince Edward Island.
I saw the fields, the little rivers and ponds, the forests, the coast. And the coast in my mind looks just like the one on this card.

Thanks to Shino from Fredericton in New Brunswick.

Judith Hermann: Alice

Judith Hermann lebt und schreibt in Prenzelberg in Berlin. Wenn man jemals dort gelebt hat, dann findet man das auch beim Lesen von Alice heraus, ohne es vorher zu wissen. Selbst bei den Geschichten, die nicht in Berlin spielen. Prenzelberger Flair. Irgendwie. Genauer kann ich es auch nicht fassen.
Judith Hermanns erster Erzählband Sommerhaus, später war sehr erfolgreich, verkaufte sich gut, wurde in 17 Sprachen übersetzt und gilt als Verkörperung des Lebensgefühls einer ganzen Generation. Vielleicht lebt diese Generation in Prenzelberg? :)
Alice ist die Protagonistin der fünf Geschichten, die jeweils mit einem Männernamen betitelt sind: Micha, Conrad, Richard, Malte und Raymond. Gemeinsamkeit dieser fünf: Sie sterben alle.
Die Geschichten drehen sich um das Sterben, das Warten darauf, den Umgang damit und auch um das Weiterleben danach. Gemein ist ihnen, dass nach dem Weggang dieser Menschen sich für alle, die sie kannten, alles ändert.
Judith Hermanns Erzählstil ist nach wie vor knapp, kurze Sätze, eliptisch, klar - und erzeugt damit viel von der Atmosphäre ihrer Erzählungen.
Zu beneiden ist diese Alice nicht um ihre Erfahrungen, so denkt man, dennoch bleibt etwas haften, wirken die Geschichten weiter und lassen uns nachdenklich auf die Menschen, die uns wichtig sind, blicken.
Judith Hermann, Alice. Fischer, Frankfurt a.M. 2009.

Arnaldur Indridason: Frevelopfer


Klappentext:
"In einer Wohnung mitten in Reykjvik wird ein Mann tot aufgefunden - mit durchtrennter Kehle. Der Täter scheint das Opfer gekannt zu haben, nichts weist auf einen Einbruch hin. Kommissarin Elinborg findet am Tatort einen Kaschmirschal, der einen merkwürdigen Geruch verströmt, und in der Jackentasche des Opfers eine Vergewaltigungsdroge. Erlendurs Kollegin ahnt, dass dieser Mord die Rache für ein brutales Verbrechen war - für Freveltaten, die nie gesühnt werden können..."

In diesem neuen Indridason-Roman ermittelt Kommissarin Elinborg, die sonst nur als Mitglied von Erlendurs Team war. Der Fall benötigt vielleicht auch eine Frau, denn die Geschichte dieses Verbrechens ist brutal-grausam, auch psychisch. Umso schwerer ist auch Elinborgs Spagat zwischen der eigenen Familie und deren Problemen und den Vorkommnissen, die sich zum Teil weit entfernt in einem abgelegenen isländischen Dorf abgespielt haben. Doch gerade letzteres ist einer der spannenden Momente von Frevelopfer, eine kleine Gesellschaftsstudie und zugleich eine Betrachtung dessen, zu was Menschen fähig sind, wenn sie um die Bewahrung ihres Status Quo fürchten.
Gut geschrieben, spannend erzählt und eine gute Portion Island. Prima.
Arnaldur Indridason, Frevelopfer. Lübbe, Köln 2010.

Tuesday, July 13, 2010

"Stuff" - and what to do with it

Endlich habe ich dieses Buch auch zuende gelesen: David Allen, Wie ich die Dinge geregelt kriege.
Ich bin für gewöhnlich ein schlechter Sachbuchleser und ein noch schlechterer Ratgeberleser. Dieses Buch habe ich gezielt ausgewählt, weil ich immer mal wieder das Gefühl hatte, die Fülle meiner Aufgaben überrennt mich und ich bekomme die Dinge eben nicht mehr alle geregelt.
Das im Buch beschriebene Unbehagen, dass man eigentlich auch nicht so genau weiß, was man alles gerade machen müsste und nicht schafft, empfand ich stark. Ich glaube, dass David Allen recht damit hat, dass unerledigte Aufgaben im Kopf wertvolle Ressourcen blockieren, weil man sich unbewusst und bewusst ständig im Kreis dreht, aber nicht wirklich weiterkommt. Lähmung.
Obenstehende Flowchart gibt im Grunde die im Buch vermittelte simple Technik der Organisation von Vorhaben und Projekten wieder. Dabei vertritt Allen die Ansicht, dass zunächst alles gleichwertig erfasst werden muss, egal ob beruflich oder privat.
Hinzu kommen verschiedene simple Hilfsmittel und die banale, aber entscheidende Frage bei allen (!) Projekten:
Was ist der nächste Schritt?
Warum fragt man sich das so selten?
Die Erfassung aller losen Enden im Kopf ist eine sehr erleichternde und klärende Übung, auch die Strukturierung von Arbeitsplatz und Listenführung ist hilfreich. Die Rigorosität, mit der Allen seine Philosophie vertritt, mag vielleicht manchmal übertrieben erscheinen. Aber ich denke, es gibt einiges mitzunehmen aus dem Buch.
Allerdings hat Wie ich die Dinge geregelt kriege die große Schwäche, redundant zu sein, etwas, dass gerade bei einem solchen Ratgeber vermutlich schwer zu verzeihen ist. Da wird Zeit vergeudet mit der ständigen Wiederholung und Ausleuchtung der gleichen Aspekte, daher hat es wohl auch so lange gedauert, bis ich das letzte Viertel des Buches hinter mich gebrachte habe.
David Allen, Wie ich die Dinge geregelt kriege. Selbstmanagement für den Alltag. Piper, München 2002.

Saturday, July 10, 2010

Postcrossing

In half a year I got more than 70 postcards from 24 different countries (the most exotic ones being New Zealand with a travelling distance of nearly 18000km (!) or United Arab Emirates, it was actually from Abu Dhabi) and sent the same amount of cards out into the world to 27 different states.
I can't decide whether I like getting or writing cards more.
It's perfect to come home from work and find a little piece of the world in form of greetings from far away in your mailbox, with nice photos of foreign places, different stories told and beautiful stamps to look at.
But I also love the moment when the next adress appears on the screen, along with a few lines of profile notes, maybe some interesting wishes what should be on the postcard. You can wonder what that person is like, where he or she lives, what life he or she leads... And then I can browse through my box of cards and try to choose the perfect card for that person.
I guess I'm really happy with this new hobby of mine. :)
Happy postcrossing indeed!
PS.: Picture is a postcard sent from the USA by PollyJ!

Das Meer ist alles


Das Meer ist alles.
Es bedeckt sieben Zehntel der Erde.
Sein Atem ist rein und gesund.
Es ist eine immense Wüste, wo ein Mann nie allein ist, in dem er fühlen kann, wie das Leben aller in ihm bebt.
Das Meer ist nur ein Behälter für alle die ungeheuren, übernatürlichen Dinge, die darin existieren; es ist nicht nur Bewegung und Liebe; es ist die lebende Unendlichkeit.
aus: Jules Vernes (1828-1905), 20.000 Meilen unter dem Meer (1874)
Foto (Südwestküste von Island): Rainer Kidrowski

Wednesday, July 07, 2010

Let's talk stamps

Postcrossing connects people, makes people think and be creative. The card I sent to Vijay Kapre in India made it on his blog called Let's talk stamps. I think it's amazing what he found out about the lighthouse on the card and the stamps I put on it.

Saturday, July 03, 2010

Krtek


Wer immer fleißig Die Sendung mit der Maus gesehen hat, kennt Krtek.
Das ist tschechisch und heißt Maulwurf. :)
Aus der Slovakei bekam ich nun eine Postkarte mit Krtek.



Ich hatte fast vergessen, wie niedlich und fröhlich dieser Zeichentrickcharakter ist. Auch ohne gesprochenes Wort drückt der kleine Maulwurf all seine Emotionen wunderbar aus, zum Beispiel in der Geschichte, wie er eine U-Bahn baut und mit seinen Freunden ans Meer fährt.
Geschaffen wurde der kleine Maulwurf 1957 vom Prager Zeichner Zdeněk Miler (mehr dazu bei wikipedia).