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Das Besondere an diesen Mordfällen ist, dass sie zu außerordentlicher Berühmtheit gelangten, weil Truman Capote, zu diesem Zeitpunkt bereits ein bekannter Autor (Breakfast at Tiffany's, 1958), sich des Themas annahm. Er las einen Artikel in der New York Times über die Morde und recherchierte daraufhin mehrere Jahre für das Buch, dass er als "nonfiction novel" bezeichnete. Er sprach mit allen Beteiligten und baute auch eine Beziehung zu den beiden Tätern auf, die er im Gefängnis besuchte, während sie auf ihre Hinrichtung warteten. Truman zeichnet ein facettenreiches Bild der Ereignisse, beleuchtet vor allem die psycholgischen Aspekte der Tat, die Erlebnisse und Erfahrungen der Täter, auch in ihrer Kindheit, die Einfluss darauf hatte, dass das Verbrechen so geschehen konnte.
Der Plot der Geschichte ist von Anfang an klar und man spürt starkes Unbehagen vor allem zu Beginn, als die bilderbuchartige, vorbildliche Familie Clutter in ihrem Zusammenleben und ihren Beziehungen zu den anderen Einwohnern der kleinen Stadt Holcomb dargestellt wird, und man doch schon weiß, was ihnen geschehen wird. Mit Widerwillen begleitet man die beiden Täter auf ihrem Weg zum Tatort und im Anschluss auf ihrer fast arglosen Flucht durch Mexico und zurück bis zu ihrer Festnahme. Dabei ist Capote stets um einen sachlichen, teils journalistischen Ton bemüht, selbst wenn er die Emotionen der zum Teil sehr stark involvierten Ermittler schildert, bleibt er auf Distanz. Die psychologischen Analysen, die sich an die Verurteilung von Dick und Perry im letzten Drittel der Romans anschließen, sind teils schwer verdaulich, ebenso wie die Überlegungen, ob den beiden ein fairer Prozess gemacht wurde. Letztere Frage führte auch zu der verzögerten Hinrichtung, wenngleich alle Versuche, den Prozess wieder aufzunehmen, scheiterten.
Die Mischform zwischen Roman und Sachbuch ist Capote in beeindruckender Weise gelungen und trotz der teils umfangreichen Erläuterungen bleibt es eine spannende Lektüre bis zum Ende. Man kann sich vorstellen, welch akribische und emotional belastende Recherche dafür nötig war. Die so lange andauernde Beschäftigung scheint Capote auch nachhaltig belastet zu haben, zumindest gehen viele davon aus, dass dies auch zu seinen Drogen- und Alkoholproblemen beigetragen hat. Capote beendete danach keinen weiteren Roman und schrieb nur noch kleinere Artikel und kürzere Geschichten.
Kaltblütig wurde bereits 1967 unter dem gleichen Titel verfilmt, dabei wurde u.a. am Tatort, also auf der Clutterfarm gedreht. Der Film hält sich in der Darstellung eng an Capotes Buch. 2005 erschien der Film Capote (mit Philip Seymour Hoffman in der Hauptrolle), der sich mit der Beziehung Truman Capotes zu Perry Smith beschäftigt. Beide Filme sind sehenswert.
Truman Capote, Kaltblütig. Weltbild 2005.
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