Monday, March 20, 2017

Enid Blyton - Fünf Freunde auf der Felseninsel

Fünf Freunde auf der Felseninsel ist die sechste Folge der beliebten Reihe von Enid Blyton und besonders bei dieser Geschichte, bei der Onkel Quentin die Felseninsel besetzt, um Experimente zu machen, deren Ergebnisse ihm natürlich gestohlen werden sollen, hatte ich die Hörspielfassung deutlich im Ohr. Ganze Dialoge und Erzählpassagen sind fast wortwörtlich aus dem Buch entnommen, so dass mein Gehirn noch die Soundeffekte der sirrenden Drähte im Turm und Timmys Gebell im Tunnel dazu einblenden konnte. Wunderbare, unterhaltsame Wiederbegegnung mit einem Buch, das im Original erstmals 1947 (!) erschien.

Enid Blyton, Fünf Freunde auf der Felseninsel. cbj, München 2015.

Sunday, March 19, 2017

Andreas Suchanek - Das Erbe der Macht - Band 1: Aurafeuer

Bei einer Verlosung zur Leserunde habe ich auf wasliestdu einen Sammelband mit den ersten drei Bänden der Reihe "Das Erbe der Macht" von Andreas Suchanek gewonnen.
Es handelt sich um eine Urban Fantasy Reihe, bei der Magier und Menschen durch einen magischen Wall voneinander getrennt leben. Die guten Magier, die Lichtkämpfer, werden bedroht von den Schattenkriegern, den bösen Magiern.
In Aurafeuer wird der Leser Hals über Kopf in diese magische Welt gestürzt und muss sich in einer Vielzahl neuer Begriffe und Gegebenheiten zurechtfinden. Ein Glossar am Ende des Buchs (aus irgendwelchen Gründen nicht alphabetisch) und auch ein Neuling in der Magiergruppe, dem auch einiges erklärt werden muss, helfen dabei.
Die Magie ist so alt wie die Welt, daher gibt es einen Rat der Unsterblichen. Hier wählte der Autor bekannte historische Figuren wie Johanna von Orleans, Leonardo da Vinci oder Albert Einstein, vermutlich um den Charakteren gleich eine bestimmte Färbung und Geschichte zu geben. Als Gegenspieler dient der Graf von Saint Germain, um den sich zahlreiche Legenden ranken (u.a. auch in der Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier verwendet), und eine mysteriöse Schattenfrau, deren Identität ungeklärt bleibt.
Insgesamt skizziert der erste Band die Charaktere nur in Ansätzen, es werden bestimmte Typen angelegt, die nun darauf warten, in den Folgebänden vertieft zu werden. Gleiches gilt für den Grundkonflikt zwischen Gut und Böse, zahlreiche Andeutungen werden gemacht, Geheimnisse aufgezeigt und Legenden und die Existenz eines Verräters erwähnt.
Betrachtet man Aurafeuer als Einzelband, so bleibt man über den Plot und den Spannungsbogen recht frustriert zurück. Kaum hat man sich in dieser Fantasy-Welt orientiert, endet der Band bereits mit zahlreichen aufgeworfenen Fragen und keinen Antworten. Das finde ich besonders für das Intro in eine umfangreiche Reihe problematisch. Meines Erachtens sollte ein Bogen gespannt, eine vollständige (Teil-) Geschichte erzählt werden. Statt dessen liegt mit Aurafeuer eine Art Einleitung zur Reihe vor, deren Charaktere mich nur halbwegs interessierten können. Besonders die Verwendung der historischen Figuren finde ich fragwürdig, da sie ins Geschehen hineingeworfen werden, kein Bezug zu ihrer Persönlichkeit oder ihrer geschichtlichen Bedeutung hergestellt wird und sie damit auf ihren Namen reduziert werden. Provokant gefragt: Konnte der Autor keine eigenen markanten Charaktere erdenken? Warum dieses Name-Dropping?  Die Gedankenwelt und Lebenswelt der übrigen Charaktere entspricht ihrem jugendlichen Alter (Freundschaft, Liebe, Sex, Discos, ---) und lässt etwas die Tiefe vermissen, zumal sie sich doch offensichtlich am Anfang einer dramatischen Veränderung oder Bedrohung in ihrer magischen Welt befinden...
Abgesehen von diesen Schwächen hinsichtlich der Charaktere und des Plots ist Suchaneks Schreibstil flüssig zu lesen, nicht komplex, aber klar, und die Ideen zu seiner magischen Welt sind interessant und haben Potential. Dennoch bin ich mir noch nicht sicher, ob ich den zweiten Band (obgleich ich ihn im Sammelband vorliegen habe) lesen werde. 
Das Buch selbst ist ein sehr schöner Hardcoverband und die Illustration der Feuer schaffenden Hand von Nicole Böhm ist ansprechend.

Andreas Suchanek, Das Erbe der Macht. Schattenchronik 1. Greenlight Press, Karlsruhe 2016.


Sunday, March 12, 2017

Ceramic art from South Africa

Innocence - ceramic by Richard Bollers
After these many years it is still surprising how a little postcard can make an impression on you. I don't know that much about South Africa. This card shows a ceramic work by an artist who lives and works there. Richard Bollers addresses "everyday issues affecting the urban poor" so a website of an art initiative tells us about him. There was an information text on the artist on the card too, it was good to get to know more.

The card was sent by Jaco and Johanet who told me a bit about their weekend and I liked that they enjoyed the same things on weekends as I do - although living more than 9000 km away.

Saturday, March 11, 2017

Beijing bicycle

bicycle in an alley in Beijing, China
postcrossing card sent by Vicky, China







There are nine million bicycles in Beijing
That's a fact
It's a thing we can't deny
Like the fact that I will love you till I die

We are twelve billion light years from the edge
That's a guess
No one can ever say it's true
But I know that I will always be with you

I'm warmed by the fire of your love everyday
So don't call me a liar
Just believe everything that I say

There are six billion people in the world
More or less
And it makes me feel quite small
But you're the one I love the most of all

We're high on the wire
With the world in our sight
And I'll never tire
Of the love that you give me every night

There are nine million bicycles in Beijing
That's a fact
It's a thing we can't deny
Like the fact that I will love you till I die

Nine million bicycles by Katie Melua, from the album Piece by Piece, 2005

Tuesday, March 07, 2017

Loch Ard Gorge

Loch Ard Gorge, Victoria, Australia
text on the card explains: "Located on the ragged coastline followed by the Great Ocean Road, Loch Ard Gorge is named for the iron clipper ship Loch Ard wrecked there in 1878 with the loss of all but two of those on board after a three-month voyage from Britain."
postcrossing card by Tanja, a German living in Australia

Monday, March 06, 2017

Colin Cotterill - Dr. Siri und die Geisterfrau


Dr. Siri wird älter und ist offiziell pensioniert, das Laos der 70er Jahre hat damit keinen Leichenbeschauer mehr. Doch dann wird in einem abseits gelegenen Dorf eine Frau ermordet - aber kurz nach ihrer Einäscherung taucht sie wieder auf und steht nun im Kontakt mit der Geisterwelt. Das will sich die Frau eines laotischen Generals zunutze machen, sie will herausfinden, wo sich die sterblichen Überreste ihres verschollenen Bruders befinden. Der General beordert kurzerhand Siri, der Exkursion in das Dorf den Mekong hinauf zu folgen. Mit dabei sind auch Siris Frau Daeng und sein Gehilfe Geung.
Gleichzeitig taucht daheim ein mysteriöser Franzose auf, der auf der Suche nach Daeng ist und absolut nichts Gutes im Schilder führt.
Parallel zu der eigentlichen Geschichte um die seltsame Geisterfrau und die Suche nach den Gebeinen erzählt Madame Daeng ihre Lebensgeschichte, aus der ersichtlich wird, warum der Franzose hinter ihr her ist. Gleichzeitig wird damit ein weiterer Teil der laotischen (Besatzungs-) Geschichte näher beleuchtet aus der Sicht einer Frau - eine durchaus ungewöhnliche Perspektive.
Für die zwei Perspektiven werden auch zwei Sprecher eingesetzt, Peter Weis und Traudel Sperber. Obwohl beide die Personen gut verkörpern, fehlte mir Jan-Josef Liefers, der die anderen Cotterill Krimis gelesen hat, doch.  
Einmal mehr gelingt es Cotterill, den sympathischen Siri in einen vielschichtigen und spannenden Fall zu verwickeln, trotz seiner mystischen Fähigkeit, Geister zu sehen, ermittelt er mit Verstand und viel Witz wie immer. Die Portion laotischer Geschichte macht diesen Band zu einer runden Sache.

Colin Cotterill, Dr. Siri und die Geisterfrau. Hörverlag 2016.

Learning songs

Learning a song in the Gorky Park, Moscow 1950s, Russia
- apparently a typical leisure activity at the time!
 postcrossing card by Lana from Russia

Saturday, March 04, 2017

Manfred Mai - Wunderbare Möglichkeiten

 Manfred Mais Biografie weist einen verschlungenen, keinesfalls geradliniegen Weg auf, eine Tatsache, die sich auch in Wunderbare Möglichkeiten wiederspiegelt.
Auf knappen 127 Seiten erzählt Mai aus dem Leben von Maximilian. Er ist elf, liest viel, mag seinen besten Kumpel Yasin und seine Schwester Leonie und ist oft genervt von Schule und den Erwachsenen, die ihn nicht ernst nehmen. Denn er denkt viel darüber nach, warum das Leben so ist, wie es ist - warum ihm bestimmte Dinge passieren und wer sein Leben eigentlich lenkt. Er stellt viele Fragen, philosophische Fragen und rennt damit bei den Erwachsenen so manches Mal vor die Wand, weil diese zum Teil auch keine Antworten haben, nicht nachdenken wollen oder zu sehr in ihrem eigenen Stress verhangen sind, um sich Zeit zu nehmen. Trotzdem lässt Maximilian nicht locker, fragt weiter, denkt nach, liest nach und findet Antworten an den unterschiedlichsten Stellen.
Es ist verblüffend, wie sensibel und treffsicher der Autor in dieser Kürze die typische Lebenswelt eines jungen Menschen umreißt (bei der Schilderung von Lehrern und Schulalltag war seine eigene Lehrtätigkeit sicher hilfreich) und die Unsicherheit und die vielen inneren Fragen gekonnt darstellt. Dabei finden große Themen wie Liebe, Freundschaft, Glaube und der Sinn des Lebens Platz und bleiben dabei verständlich auch für Kinder.
Das Coverbild stammt von Quint Buchholz und ist sehr gut gewählt, da Maximilian in Büchern neue Welten entdeckt, sie ihn prägen und er dort Antworten findet. Sie weiten seinen Blick auf die Welt - wie das "Buchfernglas" in Quint Buchholz' Bild. 

Wunderbare Möglichkeiten ist ein weises, zum Nachdenken anregendes Buch, das Kindern Mut machen kann, selbst zu entscheiden und einen eigenen Weg zu gehen - hat mir sehr gefallen!

Manfred Mai, Wunderbare Möglichkeiten. Fabulus, Fellbach 2016.

Friday, March 03, 2017

Kurz Vonnegut - Schlachthof 5

Höchstwahrscheinlich ist dies ein Buch, das ich nie gelesen hätte, wenn sie nicht auf der Liste der Bücherkulturchallenge bzw. auf Radcliffe's Rival 100 Best Novels Liste gestanden hätten. Die Wurzeln des amerikanisches Autors liegen nur um die Ecke, beide Elternteile stammen aus dem Münsterland. Kurt Vonnegut war als Schriftsteller zunächst wenig erfolgreich und erst mit Schlachthof 5 erlangte er Beachtung. Er verarbeitet darin seine eigenen Erlebnisse als amerikanischer Kriegsgefangener, als der er die Bombardierung Dresdens im Februar 1945 in den Kellern eines nicht mehr benutzten Schlachthofs überlebte.
Vonnegut bedient sich eines schwer zu beschreibenden Erzählsstils. Er ist als Autor präsent, erklärt, was er erzählen will und erschafft sich einen Protagonisten namens Billy Pilgrim, der die Dinge erlebt, die Vonnegut zum Teil selbst erlebt hat. Hinzu kommen Billys weitere Schicksalschläge, die zum Teil im Science Fiction Genre anzusiedeln sind (Entführung von Außerirdischen, Zeitsprünge) und außerdem zynische Schilderungen der amerikanischen Gesellschaft der 60er Jahre enthalten. Heraus kommt ein sehr gewöhnungsbedürftiges Storytelling, dass durch die Zeitsprünge des Billy Pilgrim auch nicht chronologisch erfolgt. Viele der geschilderten Kriegsgeschehnisse und Derstellung der Menschen in der Kriegssituation beziehen klar Stellung gegen den Krieg - andererseits sind diese durchweg wenig emotional, trotz des Horrors, und werden durch die Science Fiction Elemente gebrochen.

Vonneguts Buch ist verstörend und irritierend, selbst über 40 Jahre nach seinem ersten Erscheinen. Es ist vielschichtig und verdient vermutlich eine intensivere Beschäftung, um seine Bedeutungsebenen besser zu erfassen. Andererseits bleiben Billy Pilgrim und der Erzähler auf Abstand, berühren den Leser wenig. Das immer wiederkehrende, fatalistische "So geht das."  ("So it goes."), mit dem der Autor die Schilderung der grausamsten Ereignisse sprachlich abschließt, um zum nächsten überzugehen, rückt alles in eine enervierende Beliebigkeit, die mich vermutlich von einer zweiten Lektüre abhalten wird. Dennoch war Schlachthof 5 eine interessante Leseerfahrung.

Kurz Vonnegut, Schlachthof 5. rororo, Reinbek 2000.