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Monday, June 23, 2025
Homer - Odyssee
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich wirklich sagen kann, ich habe Homers Odyssee gelesen bzw. gehört. Meine mit Geräuschen und Musik angereicherte Fassung war definitiv eine gekürzte Fassung und mir blieben vielfach Details erspart. Die Grundelemente der Geschichte sind durchaus Allgemeinwissen, einiges davon habe ich jetzt vertieft. Ich weiß mehr über den Zyklopen und die Sirenen und Odysseus' Rückkehr nach Hause. Angesichts der Entstehungszeit (8. Jh. v. Chr.) habe ich Hochachtung vor dem Stoff und dem Einfluss, den die Odyssee auf Literatur und Kultur hatte und hat. Dennoch konnten mich die Gottheiten, die ständigen Missgeschicke und vor allem die durchaus alles beherrschende Gewalt nicht begeistern. Es war eher ein Durchleiden von noch einer göttlichen Einmischung und noch zahlreicheren Opfergaben und noch mehr brutalen Kämpfen. So denn, ich bin dem Werk begegnet - auf offener See und irrfahrend.
Monday, May 30, 2011
Geschenk (aus Homo Faber)

Gegen fünf Uhr das erste Dämmerlicht: Wie Porzellan!
Von Minute zu Minute wird es heller, das Meer und der Himmel, nicht die Erde; man sieht, wo Athen liegen muß, die schwarzen Inseln in hellen Buchten, es scheiden sich Wasser und Land, ein paar kleine Morgenwolken darüber: Wie Quasten mit Rosa-Puder: findet Sabeth, ich finde nichts und verliere wieder einen Punkt. 19:9 für Sabeth!
Die Luft um diese Stunde: Wie Herbstzeitlosen! Ich finde: Wie Zellophan mit nichts dahinter.
Dann erkennt man bereits die Brandung an den Küsten: Wie Bierschaum! Sabeth findet: Wie eine Rüsche!! Ich nehme meinen Bierschaum zurück, ich finde: Wie Glaswolle! Aber Sabeth weiß nicht, was Glaswolle ist
– und dann die ersten Strahlen über dem Meer: Wie eine Garbe, wie Speere, wie Sprünge in einem Glas, wie eine Monstranz, wie Fotos von Elektronen-Beschießungen.
Für jede Runde zählt aber nur ein einziger Punkt; es erübrigt sich, ein halbes Dutzend von Vergleichen anzumelden, kurz darauf ist die Sonne schon aufgegangen, blendend: Wie der erste Anstich im Hochofen! finde ich, während Sabeth schweigt und ihrerseits einen Punkt verliert...
Ich werde nie vergessen wie sie auf diesem Felsen sitzt, ihre Augen geschlossen, wie sie schweigt und sich von der Sonne bescheinen läßt. Sie sei glücklich, sagt sie, und ich werde nie vergessen: das Meer, das zusehends dunkler wird, blauer, violett, das Meer von Korinth und das andere, das attische Meer, die rote Farbe der Äcker, die Oliven, grünspanig, ihre langen Morgenschatten auf der roten Erde, die erste Wärme und Sabeth, die mich umarmt, als habe ich ihr alles geschenkt, das Meer und die Sonne und alles, und ich werde nie vergessen, wie Sabeth singt!
aus: Max Frisch, Homo Faber. Stuttgart 1957.
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