Friday, July 10, 2020

Tana French - Grabesgrün

Vielleicht ist die Story für die Hörspielfassung zu sehr gekürzt worden, jedenfalls konnte mich Grabesgrün von Tana French nicht sonderlich fesseln und den weinerlichen Protagonisten mit seinem schlimmen Kindheitstrauma (das noch nicht einmal aufgeklärt wird) habe ich auch nicht gut leiden können.
Nunja, vermutlich keine Reihe, die ich weiter verfolgen möchte.


Tana French, Grabesgrün. Argon 2012.

Thursday, July 09, 2020

Agatha Christie - Dreizehn bei Tisch

Hastings erzählt uns die Geschichte der schönen Schauspielerin Jane Wilkinson, deren ungeliebter Ehemann erstochen aufgefunden wird, nachdem sie sich lautstark darüber ausgelassen hat, dass sie ihn um jeden Preis loswerden möchte, um neu heiraten zu können. Doch sie kann es nicht gewesen sein, war sie doch gleichzeitig bei einem Dinner mit zwölf Zeugen für ihr Alibi. Und gibt es einen Zusammenhang zu dem Tod von Carlotta Adams, ebenfalls Schauspielerin und bekannt für ihre gelungenen Imitationen von Prominenten aller Art?
Ein bunter Strauß von Charakteren und Motiven bringt selbst den cleveren Poirot auf gedankliche Abwege, denn erst der dritte Mord bringt ihn auf die richtige Spur und er präsentiert die Lösung auf seine typische prahlerische Art vor Zeugen und dem ahnungslosen Kommissar Japp.

Dreizehn bei Tisch ist ein klassischer Poirot-Fall mit leichten Längen im Mittelteil und einer etwas plötzlich eintretenden Auflösung, was jedoch der Lesefreude keinen Abbruch tut.

Agatha Christie, Dreizehn bei Tisch. Atlantik, Hamburg 2015.

Tuesday, July 07, 2020

Tom Rob Smith - Kind 44

Als ehemaliger Kriegsheld ist Geheimdienstoffizier Leo Demidow ein geachteter Mann in Moskau im Jahr 1953. Sein Linientreue gerät ins Wanken, als ein offenkundiger Mord an einem kleinen Jungen, der nackt und verstümmelt auf den Bahngleisen gefunden wird, zum Unfall erklärt wird - denn offiziell gibt es unter Stalin in der Sowjetunion keine Verbrechen. Gleichzeitig versucht ein gekränkter Kollege ihn zu denunzieren, was nicht nur Leo, sondern auch seine ganze Familie in Gefahr bringt. Doch auch nach seiner Strafversetzung und -degradierung ermittelt er weiter, denn es stellt sich heraus, dass noch viel mehr Kinder auf die gleiche Weise ermordet worden sind. Leo muss weiter viel riskieren, bis er schließlich den Mörder findet.

Kind 44 von Tom Rob Smith ist ein düsteres Buch, das eindringlich die deprimierenden Zustände der sowjetischen Gesellschaft dieser Zeit veranschaulicht. Dabei geht es nicht nur um die Arbeit der Geheimpolizei mit ihren Denunzierungen und Foltermethoden, sondern auch um die Strafverfolgung allgemein, die Problematik der Homosexualität und der allgemeinen Ungerechtigkeit des Systems. Deutlich wird, dass der Staat es zugunsten der Ideologie billigend in Kauf nimmt, dass Unschuldige verbannt, versklavt und getötet werden, um den Schein einer funktionierenden Gesellschaft zu wahren.
Dem Serienmörder liegt der historische Fall des Andrei Romanowitsch Tschikatilo zugrunde, der zwischen 1978 und 1990 über 50 Menschen tötete, den der Autor mit einer persönlichen familiären Geschichte verknüpft.
Die Auflösung und der Showdown hatten meines Erachtens nach Schwächen und es lief dann alles ein kleines Bisschen zu glatt für Leo Deminow und das Ende driftete ins Klischeehafte/Kitschige ab. Insgesamt ist Kind 44 aber zurecht mehrfach ausgezeichnet worden.

Tom Rob Smith, Kind 44. Lübbe Audio 2008.

Monday, July 06, 2020

Poesiealbum 22 - Erich Fried

1967 wurde in der DDR die Lyrik-Reihe Poesiealbum gegründet. Sie erschien bis 1990, also 23 Jahre lang, im Verlag Neues Leben Berlin und wurde mit der Wende aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Seit 2007 veröffentlicht
der Märkische Verlag Wilhelmshorst die Autoren-Hefte, inzwischen gibt es über 350 Ausgaben.  
Bereits 1969 erschien ein Poesiealbum über Erich Fried unter der Nummer 22. Enthalten waren damals 23 Gedichte. 
Als Betreiberin von erichfried.de erhielt ich freundlicherweise ein Rezensionsexemplar.In dieser Neuauflage sind nun insgesamt 40 Gedichte abgedruckt, die einen guten Überblick über Frieds Schaffen geben. Es sind politische sowie Liebesgedichte enthalten, die Auswahl wurde ergänzt mit einigen nach 1969 erschiedenen Gedichten.
Herausgekommen ist ein kleiner, feiner Band mit Erich Frieds Lyrik, in dem man Vertrautes wiederfinden, aber auch Neues entdecken kann. 
Links:
Klaus Siblewski (Hrsg.), Poesiealbum 22 Erich Fried. Märkischer Verlag, Wilhelmshorst 2020. 

Friday, July 03, 2020

Kathy Reichs - Das Gesicht des Bösen

Auf den 19. Band der Reihe um Tempe Brennan musste die Leserschaft etwas warten, weil Kathy Reichs wegen der Behandlung eines Aneurysmas nicht schreiben konnte. Diese Erfahrung übertrug sie kurzerhand auch auf ihre Protagonistin.

Tempe traut sich und ihrer Wahrnehmung nicht recht, Migräne plagt sie und sie ist verunsichert und verärgert wegen ihrer neuen Vorgesetzten in Charlotte, als sie anonym Fotos von einer Leiche ohne Gesicht zugespielt bekommt. Obwohl ihre Mithilfe nicht offiziell angefordert wird, beginnt sie zusammen - zum Teil mit Skinny Slidell, der jetzt eigentlich für Cold Cases zuständig ist -  ihre Ermittlungen. Trotz mehrfachen Fehlentscheidungen und viel Ärger mit Skinny und der Vorgesetzten macht sie weiter und deckt auf vielen Umwegen und unter persönlichem Risiko tatsächlich die Hintergründe des Todesfalls auf. 
Im Nachwort des e-books erläutert Reichs ihre Herangehensweise beim Schreiben eines neuen Tempe-Thrillers: Sie sammelt verschiedene interessante Themen und Charaktere und entwickelt aus den Komponenten den Fall. Genau dieses Gefühl drängt sich beim Lesen von Das Gesicht des Bösen auf - es gibt viele zusammengewürfelte Aspekte und Ideen, von denen am Ende viele verworfen werden bzw. unter der Überschrift Verschwörungstherien zusammengefasst werden. Als roter Faden kann höchstens der unbändige Drang Tempes gelten, im Alleingang riskante Ermittlungen anzustellen, für die sie keine Befugnisse hat. Der Plot ist ansonsten etwas holprig, am Ende werden die Fäden aber dennoch ordentlich zusammengeführt und auch Tempe fasst wieder Hoffnung, dass ihr aus den Fugen geratenes Leben dennoch glücklich weitergehen kann. Die Dialoge mit Skinny und Ryan und die inneren Monologe Tempes machen nach wie vor Freude, die Charaktere sind einem im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen, so dass man die Plotmängel weitgehend verzeihen kann.

Kathy Reichs, Das Gesicht des Bösen. Blessing, München 2020.

Wednesday, July 01, 2020

SuBAP-Challenge: Stand Juni 2020

Der Monat Juni hatte eine Monatsaufgabe, die sich gut erfüllen ließ, denn Bücher mit Einworttiteln bzw. ein Wort plus Artikel, habe ich reichlich auf dem SuB. Zum Monatsthema (#LiterarischeQuartett) hatte ich auch noch einige Ideen, allerdings hat sich die Lektüre von Tyll dann doch etwas hingezogen, so dass die anderen Bücher nicht mehr in den Monat passten. Zwei der Bücher habe ich spontan gelesen, obwohl sie nicht auf dem SuB lagen, aber sie passten immerhin zur Monatsaufgabe und gaben dafür nach den Regeln dennoch Punkte. Insgesamt komme ich im Juni auf 26 Punkte, womit ich ganz zufrieden bin.

Buch 1: Agatha Christie - Fata Morgana
-liegt seit vor 2019 auf dem SuB: 2 Punkte
Buch 2: Alex Capus - Königskinder
- liegt seit vor 2019 auf dem SuB: 2 Punkte
- erfüllt die Monatsaufgabe: 2 Punkte
Buch 3: Kristina Ohlsson - Tausendschön
- liegt seit vor 2019 auf dem SuB: 2 Punkte
- erfüllt die Monatsaufgabe: 2 Punkte
- hat über 400 Seiten: 1 Punkt
Buch 4: Jostein Gaarder - 2084 - Noras Welt
- liegt seit vor 2019 auf dem SuB: 2 Punkte
Buch 5: Claudia Ahlering und Julian Voloj - Die Judenbuche
- erfüllt die Monatsaufgabe: 2 Punkte
Buch 6: Carys Davies - West
- erfüllt die Monatsaufgabe: 2 Punkte
Buch 7: Siegfried Lenz - Das Wrack
- erfüllt die Monatsaufgabe: 2 Punkte
- seit 2019 auf dem SuB: 1 Punkt
Buch 8: Daniel Kehlmann - Tyll
- erfüllt die Monatsaufgabe: 2 Punkte
- seit vor 2019 auf dem SuB: 2 Punkte
- über 400 Seiten: 1 Punkt
- passt zum Monatsthema: 1 Punkt

Tuesday, June 30, 2020

Daniel Kehlmann - Tyll

Daniel Kehlmanns Roman Tyll spielt in der Zeit des 30jährigen Krieges (1618-1648) und schildert verschiedene Geschehnisse um (bekannte) Persönlichkeiten dieser Zeit, darunter verschiedene Wissenschaftler, Autoren, aber auch der "Winterkönig" Friedrich V. und dessen Frau Elizabeth Stuart. Verbindendes Element der einzelnen Kapitel, die nicht chronologisch erzählt werden, ist die Figur des Narren Tyll, die Kehlmann offenkundig an Till Eulenspiegel anlehnt. Geboren als Sohn des später als Ketzer hingerichten Claus Ulenspiegel, reist Tyll mal als Schausteller durch das Land, mal ist er Hofnarr und auch in den Krieg wird er hineingezogen. Immer wenn die Situation bedrohlich wird, zieht er weiter.
Die Schilderung der historischen Figuren und Ereignisse entspricht im groben Abriss den wahren Geschehnissen, aber es geht dem Autor vielmehr um das subjektive Erleben der Figuren. Die Grenzen zwischen historischer Erzählung und der rein fiktionalen und oft fantasievollen Schelmendichtung sind immer fließend. So ergeht es auch den Charakteren selbst, die in Momenten der Bedrängnis in ihren Erinnerungswelten entschwinden und nicht mehr unterscheiden können, was Traum und was Wirklichkeit ist. Außerdem wird an verschiedenen Stellen darauf hingewiesen, dass die Wissenschaftler und Autoren jener Zeit oft Erfundenes als Bewiesenes ausgaben, hemmungslos bei anderen abkupferten und das Geschriebene als absolut unzuverlässig gelten muss.
Die Figur des Tyll selbst ist kein Sympathieträger, er ist clever, durchaus humorvoll natürlich, er gibt nie auf, aber er ist a. Vielleicht muss er dies auch, bedenkt man, in welche Zeit Kehlmann seinen Narren versetzt hat. Tyll beinhaltet auch die intensive Schilderung der kruden Lebensbedingungen für die einfachen Leute und natürlich auch die Brutalität der Kriegshandlungen. Zwar reflektiert einer der Erzähler, der dicke Graf, darüber, dass das Schlachtengeschehen derart schrecklich sei, dass niemand Worte dafür finden kann und will, und auch er als Autor entschließt sich, dafür die Schilderungen eines anderen zu verwenden, aber das Entsetzen wird dennoch offenkundig. Im Gegensatz dazu stehen die teils naiven, teils eitlen Beweggründe, die die Herschenden der Zeit antreiben, den Krieg fortzuführen, dargestellt durch die emotional-menschliche Sichtweise von Friedrich und Elizabeth.
uch stets auf seinen Vorteil, sein eigenes Überleben, bedacht und setzt dafür alle ihm gegebenen Mittel ein
Die nicht chronologische Erzählweise ermöglicht zahlreiche Querverweise, inhaltlich und metaphorisch, die zeigen, wie spielerisch und geschickt Kehlmann seinen Roman konstruiiert hat. Tyll ist kein einfaches, kein schönes Buch, aber durchaus lesenswert.

Daniel Kehlmann, Tyll. Argon 2017.

Monday, June 29, 2020

Hummingen 2020

Dannebrog
Hummingen strand
Sonne und Meer
Wegelagerer am frühen Morgen
#morningrun @Kramnitse
Abendstimmung


Saturday, June 27, 2020

Siegfried Lenz - Das Wrack

In Siegfried Lenz' kurzer Geschichte Das Wrack geht es um den armen Flussfischer Baraby. Wir lernen ihn in einem Moment großer Hoffnung und Optimismus kennen: Er entdeckt ein Wrack in der Flussmündung, das noch niemand vor ihm entdeckt hat und das er auszuschlachten hofft. Mit seinem Sohn zusammen versucht er die Ladung zu heben. Nach ersten kleinen Erfolgen beginnen die Enttäuschungen. Baraby muss erkennen, dass das Wrack ist ohne Tauchzubehör nicht zu betreten ist, und er tauscht seinen Außenbordmotor - eine der Grundlagen für seine Fischerei - dafür ein. Der Tauchgang gelingt, aber seine Wünsche auf eine gewinnbringende Ladung im Wrack erfüllen sich nicht. Am Ende treiben Vater und Sohn hilflos und enttäuscht auf dem Wasser.

Das Wrack ist meisterhaft aufgebaut, die verschiedenen Stufen von Hoffnung und Enttäuschung übertragen die Anspannung des Protagonisten mit auf den Leser. Die sachliche, berichtartige Sprache steht in krassem Gegensatz zu der dramatischen Enttäuschung, die der Protagonist erfährt. Übrig bleiben, wie bei jeder guten Kurzgeschichte, gewichtige Fragen nach dem Fortgang der Geschichte und dem Schicksal der Figuren. Siegt die Verzweiflung, in der sich Vater und Sohn am Ende befinden, oder gibt es Hoffnung auf eine Wende, auf einen Neuanfang?

Siegfried Lenz, Das Wrack. Hoffmann und Campe, Hamburg 2013.

Carys Davies - West

In einer Zeitung liest der Maultierzüchter Cy Bellman 1815 in Pennsylvania von einem außergewöhnlichen Fund: Weit im Westen sind riesige Knochen gefunden worden. Der Gedanke an unfassbar große, unentdeckte Tiere lässt Bellman nicht mehr los. Er will diese Tiere suchen gehen, lässt dafür seine Tochter Bess bei ihrer Tante zurück und reitet mit einem Zylinder und großer Sehnsucht los.
Parallel wird ab dann die Geschichte von Bellmans Entdeckungsreise und die seiner Tochter erzählt.
Bellman reist später mit einem indianischen Jungen, der seine Sprache nicht versteht, anfangs ist er noch getrieben von der Sehnsucht und dem Entdeckergeist, später kommen ihm Zweifel, ob er nicht besser zuhause in seinem bescheidenen Leben und bei seiner Tochter hätte bleiben sollen.
 “He began to feel that he might have broken his life on this journey, that he should have stayed at home with the small and the familiar instead of being out here with the large and the unknown.”
Währenddessen erlebt Bess mit der Tante und einem ihr nachstellenden Nachbarn wenig Gutes, sie hofft lange und vergebens auf die Rückkehr des Vaters.
Sprachlich und stilistisch ist West von Carys Davies durchaus beeindruckend. Interessant ist der Gegensatz der zwei Figuren Bellman und dem indianischen Jungen, deren unterschiedliche Denkstrukturen und Lebensgrundlagen deutlich zutage treten. Bess' Schicksal, die Halbwaise, die auch noch vom Vater zurückgelassen wird, ist anrührend und ihre Perspektivlosigkeit als junges Mädchen in dieser Zeit an diesem Ort bedrückend.
Trotz dieser Vorzüge konnte mich West von Carys Davies nicht sonderlich fesseln, die Charaktere wuchsen mir trotz ihrer guten Ausarbeitung nicht ans Herz. Vielleicht liegt es daran, dass es wenig Anlass zu Hoffnung oder Freude gibt in dieser Geschichte - der starke Entdeckerdrang und der Wunsch nach Neubeginn kippen um ins Bittere angesichts der Auswirkungen, die diese auf alle Beteiligten haben. Insgesamt aber ein lesenwertes Buch.


Carys Davies, West. Luchterhand, München 2019.

Tuesday, June 23, 2020

Jean-Luc Bannalec - Bretonische Spezialitäten

In seinem neunten Fall ist Kommissar Dupin zunächst schwer genervt, dass er ausgerechnet mit seinem nervigen Präfekten Locmariaquer zu einer Fortbildung in die Nord-Bretagne. Einziger Trost - es sind auch einige sehr exklusive kulinarische Events im Programm. Doch als Dupin in der Mittagspause durch die Markthallen von St. Malo schlendert, geschieht beinahe direkt vor seinen Augen ein Mord: Zwei Star-Köchinnen, noch dazu Schwestern und Rivalinnen, streiten sich, die eine sticht die andere nieder und flieht.
Erst soll sich Dupin aus allem heraushalten, doch als die Ermittlungen durch das beharrliche Schweigen der verhafteten Täterin und weitere Morde erschwert werden, wird ein Sonderermittlerteam aus drei Kommissaren gebildet. Die Zusammenarbeit fällt dem einzelgängerischen Kommissar Dupin natürlich nicht leicht und lange ist nicht klar, was das Motiv für die Morde sein könnte, was zusätzlich frustrierend ist.
Wie immer schildert Bannalec die Landschaft und die Köstlichkeiten seiner bretonischen Wahlheimat kennerhaft und detailliert, was die Grundlage für die atmosphärische Krimireihe ist. Dupin ist ein Genießer und gut in seinem Job, selbst wenn er nicht in seiner Heimat und mit seinem Team arbeiten kann. Bretonische Spezialitäten besticht atmosphärisch und auch das Erzähltempo reißt den Leser mit, so dass der Roman ein echter Pageturner ist. Der Fall selbst hingegen beginnt zwar vielversprechend in der kulinarischen Szene, man wartet auf Enthüllungen in dem Bereich der Sterneküche. Das tatsächliche Motiv, das auf den letzten Seiten aufgedeckt wird, ist dagegen reichlich konstruiert. Es ist zwar soweit plausibel, will aber nicht so recht zum Thema (und Titel) des Buches passen. Die Täterin, obwohl als besonders skrupellos gezeichnet, bleibt unscharf und fremd, die vielen Toten unverhältnismäßig. So ist dieser neunte Fall sicherlich nicht der am besten konstruierte, aber ein Lesevergnügen aufgrund des sympathischen Kommissars und des Lokalkolorits.

Jean-Luc Bannalec, Bretonische Spezialitäten. Kiepenheuer und Witsch, Köln 2020.

Saturday, June 20, 2020

Claudia Ahlering und Julian Voloj - Die Judenbuche

Die Judenbuche von Annette Droste-Hülshoff erschien erstmals 1842. Die Autorin legt ihrer Novelle eine wahre Begebenheit zugrunde, einen Mordfall in einem westfälischen Dorf. Dennoch handelt es sich nicht allein um eine Kriminalgeschichte, sondern Die Judenbuche wird als Milieustudie der Zeit verstanden.
Claudia Ahlering und Julian Voloj nehmen sich in ihrer Graphic Novel dem bekannten Werk an und auch wenn einige inhaltliche Veränderungen erfolgten (beispielsweise in der Abfolge der Ereignisse - der Mord wird vorweggenommen), bemühen sie sich um eine adequate Umsetzung des Stoffes. Wie die Novelle enthält die Graphic Novel die wesentlichen Fragen - die nach Antisemitismus und die nach Gesetz, Recht und Gerechtigkeit.
Künstlerisch umgesetzt in schwarz-weißen, düsteren und häufig Personen-zentrierten Bildern wird der Leser in diese raue, von Armut durchzogene Vergangenheit versetzt. Nicht immer sind die Charaktere eindeutig wiederzuerkennen, was vielleicht durchaus beabsichtigt ist, zumindest in Bezug auf den Protagonisten Friedrich Mergel und seinen Halbcousin Johannes Niemand, der eine Art Alter Ego darstellt. Erzählerische Lücken werden durch passende Erklärungen vor Orts- und Zeitwechseln in den Panels geschlossen. Die Zeitsprünge entsprechen den verschiedenen Teilen der Vorlage.
Sperrig bleibt die Erzählung dennoch, Fragen bleiben offen.
Doch dies passt durchaus zur literaturkritischen Rezeption des Romans, wie ein kurzer Aufsatz von Dr. Jochen Grywatsch, Leiter der Droste-Forschungsstelle, nachweist, der die "Rätselhaftigkeit des Textes" als elementares Charakteristikum benennt (S.125). Auch zu dem historischen Fall, den lokalen Gegebenheiten in Ostwestfalen und den Überlegungen zur Adaption durch Claudia Ahlering und Julian Voloj geben erläuternde Texte im Anhang Auskunft und werten damit das Buch und das Verständnis für diese Umsetzung deutlich auf. Insgesamt weckt die Graphic Novel Interesse für diesen Klassiker der deutschen Literaturgeschichte, ist aber in der Lektüre auch keine reine Freude.

Claudia Ahlering und Julian Voloj, Die Judenbuche. Knesebeck, München 2017.

Thursday, June 18, 2020

Jostein Gaarder - 2084 - Noras Welt

Das Thema von Jostein Gaarders Roman 2084 - Noras Welt könnte nicht wichtiger sein. Es geht der Protagonistin um Klimaschutz und Artenerhaltung. Nora in der Jetztzeit ist besorgt, denn sie fürchtet, das bald immer mehr Arten aussterben werden und ihre Nachfahren ihr dies zum Vorwurf machen werden. Diese Ängste werden dadurch befeuert, dass sie sehr lebhafte Träume von ihrer Urenkelin namens Nova hat. In diesen Träumen ist sie Nova und sieht sich selbst sozusagen aus der Zukunft. Daraus entsteht der starke Wunsch, etwas zu tun, so dass sie eine Aktivistengruppe zusammen mit ihrem Freund gründet.
Das wäre ein ganz ordentlicher Plot, aber leider nur wäre... Denn die einzelnen Elemente der Geschichte werden derartig wirr und zusammenhanglos aneinandergereiht, dass keine zusammenhängende Geschichte entsteht. Mal ist die Protagonistin Nora, dann Nova, dann begegnen sie sich, dann wird eine weitere Geschichte, um eine entführte Umweltaktivistin in Afrika eingeschoben, an deren Schicksal Nora Anteil nimmt, weil diese die Tochter ihres Psychologen ist, der ihr trotz ihrer Wahrträume bestätigt, mit ihr sei alles in Ordnung und den sie fortan bei jeder Gelegenheit privat anruft... Dazwischen werden diverse Artikel/Essays/Aufsätze zum Thema Artenschutz und der Einstellung der Menschheit zu den Konsequenzen des eigenen Handelns für kommende Generationen eingefügt. Hier fühlt man sich an Sofies Welt, den Erfolgsroman des Autors erinnert, in dem philosophisches Wissen kindgerecht verpackt wurde. Doch hier gibt es keine im Entfernten interessante Geschichte, um diese Wissenspäckchen zu verknüpfen.
Der mysteriöse Ring, die Wahrträume und natürlich auch das Klimaproblem, das alles bleibt ungelöst und unerklärt.
Die Intention ist ehrenwert, auch die Informationen sind wichtig und wissenswert, die Story selbst hingegen funktioniert - leider - gar nicht.

Jostein Gaarder, 2084 - Noras Welt. Hanser 2013.

Sunday, June 14, 2020

Kristina Ohlsson - Tausendschön


Als das Ermittlerteam um Alex Recht zwei neue Fälle zugewiesen bekommt, ein Unfallopfer und ein erschossenes Ehepaar, vermutlich ein erweiterter Selbstmord, scheint es, als wäre beide Fälle relativ klar und damit schnell zu erledigen. Doch bereits nach den ersten Ermittlungen stellen Recht, Frederika Bergman und Peder Rydh in beiden Fällen Unstimmigkeiten fest - hängen die beiden vielleicht sogar zusammen?
Gleichzeitig erfahren wir Teile der Geschichte aus der Perspektive einer der zwei Töchter des toten Ehepaars, die beide unauffindbar sind. Wie hängen die Morde, denn als solche stellen sich die Tode heraus, mit dem Engagement für Flüchtlinge zusammen?

Als Leser hat man durch die verschiedenen Perspektiven zum Teil schon mehr Wissen als die Ermittler, dennoch balanciert die Autorin ihre Andeutungen, Vorgriffe und Rückblenden so aus, dass man sich bis zum Ende nicht ganz sicher sein kann, wie alles zusammenhängt. Dies ist phasenweise interessant, kann aber auch als störend empfunden werden. Wie schon im ersten Band liegt ein Fokus auch auf dem persönlichen Leben und Erleben der Ermittler, die allesamt persönliche Krisen durchleben, die sich gegen Ende teils relativieren und teils dramatisieren. Dabei ist das berufliche Tun definitiv etwas, dass alle Charaktere antreibt und in dem sie gut sind - ungeachtet der privaten Schwierigkeiten. Es wird ermittelt, es werden Schlüsse gezogen, Verhöre geführt und Theorien entwickelt und überprüft. Die Lösung fällt nicht wie in manch anderen Krimis vom Himmel und, wenngleich sie vielleicht im Vorfeld zu erahnen war, so ist sie plausibel. Das macht Tausendschön zu einem guten Kriminalroman mit menschlichen Ermittlern und einem ordentlichen Spannungsbogen.

Kristina Ohlsson, Tausendschön. Random House Audio 2012.

Tuesday, June 02, 2020

Alex Capus - Königskinder

Alex Capus' Königskinder ist eine doppelte Liebesgeschichte. Max und Tina schneien auf einem Alpenpass ein und anstatt sich wie sonst immer andauernd zu streiten, erzählt Max Tina die Geschichte von Jakob und Marie. Die Geschichte nimmt ihren Anfang genau an eben diesem Alpenpass, der arme Kuhhirte aus dem Greyerzerland verliebt sich in Marie, die Tochter des reichen Bauern, der ihre Verbindung zu verhindern sucht. So wird Jakob erst Söldner und kommt dann an den (Bauern-) Hof des dem Untergang geweihten Ludwig XVI. Erst über diesen Umweg können die zwei Liebenden sich zusammentun, während auf dem Pass wieder die Sonne aufgeht und die Schneefräse Max und Tina befreit.
Es ist ein großer Spaß, wie Capus sprachlich den Bogen zwischen heute und damals schlägt, seine Erzähler Max gegenüber der kritischen Tina die Schwachstellen der Geschichte - aus heutiger Sicht - verteidigen lässt und gleichzeitig der Liebe in ihrer Schlichtheit - sie ist einfach - heute wie damals Raum gibt.

Alex Capus, Königskinder. Hanser, München 2018.





Agatha Christie - Fata Morgana

Miss Marple wird von einer Freundin beauftragt, auf dem Anwesen der gemeinsamen Freundin Carrie Louise nach dem Rechten zu sehen. Das Anwesen Stonygate ist merkwürdig genug, da seine Nebengebäude von Carrie Louises drittem Ehemann zu einer Erziehungsanstalt für straffällige Jugendliche umfunktioniert wurden, die dort unter anderem in Theaterproduktionen eingebunden werden. Zahlreiche Familienangehörige aus den diversen Ehen leben ebenfalls dort und Miss Marple ist irritiert von den vielfältigen Charakteren und Beziehungen und der für sie leicht unwirklichen Stimmung. Als der Stiefsohn von Carrie Louise, gleichzeitig der Vermögensverwalter für die Stiftungsgelder der Anstalt, ermordet wird, ist klar, dass es nur jemand von Stonygate gewesen sein kann.
Miss Marple wirkt etwas irritiert, fast deplaziert, in diesem für sie ungewohnten, theatralischen Setting, indem ihr alles aufgesetzt und gespielt vorkommt - eine Empfindung, die ihr schließlich zur Lösung des Falles verhilft. Die Lösung erschien mir nach den vergleichsweise langen Schilderungen der Personen und ihren Beweggründen im ersten Teil des Romans dann etwas rasch und sogar holprig, besonders die briefliche Zusammenfassung des Endes durch Carrie Louises Enkelin.
Nichtsdestotrotz ist es immer eine Freude, Miss Marple zu begegnen.

Agatha Christie, Fata Morgana, Atlantik, Hamburg 2015.

Monday, June 01, 2020

SuBAP-Challenge: Stand Mai 2020

Im Monat Mai habe ich einige Bücher gelesen, die noch nicht lange auf dem SuB lagen, so dass ich nur mickrige drei Bücher für die SuBAP-Challenge verbuchen konnte.  Zwei erfüllten die Monatsaufgabe (erschienen vor 2000), dazu hätte ich natürlich deutlich mehr Bücher auf dem SuB finden können. Zum Monatsthema #Krankenpflege passte natürlich Einer flog über das Kuckucksnest, was mir gut gefallen hat und was ich schon lange lesen wollte, aber das auch keine leichte Lektüre war und sich deswegen hingezogen hat. Die Gesamtpunktzahl beläuft sich für diesen Monat auf nur 13 Punkte-

Buch 1: John Grisham - Die Firma
- liegt seit vor 2019 auf dem Sub: 2 Punkte
- hat über 500 Seiten: 2 Punkte
- passt zur Monatsaufgabe: 2 Punkte
Buch 2: Ken Kesey - Einer flog über das Kuckucksnest
- liegt seit 2019 auf dem SuB: 1 Punkt
- passt zur Monatsaufgabe: 2 Punkte
- passt zum Monatsthema: 1 Punkt
Buch 3: M.E. Stedman - Das Licht zwischen den Meeren
- liegt seit vor 2019 auf dem SuB: 2 Punkte
- hat über 400 Seiten: 1 Punkt

Sunday, May 31, 2020

M.E. Stedman - Das Licht zwischen den Meeren

Die australische Westküste in den 1920er Jahren: Tom Sherbourne ist Leuchtturmwärter auf Janus Island und lebt dort mit in großer Abgeschiedenheit mit seiner Frau Isabel. Ihre Beziehung wird durch drei Fehlgeburten auf die Probe gestellt, Isabel ist verzweifelt und fühlt sich unverstanden. Als eines Tages ein Boot angespült wird mit einem toten Mann und einem noch lebenden Baby, überredet Isabel Tom dazu, das Baby als ihr eigenes auszugeben und den Toten stillschweigend zu begraben. Diese Entscheidung belastet den rechtschaffenden, prinzipientreuen Tom sehr, aber er mag sich nicht gegen das Glück seiner Frau stellen. Als sie nach einiger Zeit herausfinden, wer die wahre Mutter des kleinen Mädchens ist, das sie Lucy nennen, werden Toms Gewissensbisse immer größer und er trifft die folgenschwere Entscheidung, diese wissen zu lassen, dass ihre Tochter noch lebt.
Während der erste Teil des Romans den beiden Protagonisten und ihrer Beziehung viel Raum lässt und die Atmosphäre der einsamen Insel mit ihrem Leuchtturm eine sehr besondere ist, geht es im zweiten Teil um Schuld und Verantwortung und die Geschichte verliert sich dabei ein wenig in langatmigen Auseinandersetzungen verschiedener Charaktere. Auch die "Geschichte danach" wirkt ein wenig aufgesetzt und bringt nicht viel Neues. Die Quintessenz ist, dass auch gute Menschen in gewissen Situationen und Lebensumständen falsche Entscheidungen treffen können, die dann schwer wieder gutzumachen sind und mit denen die Beteiligten dann zu leben lernen müssen. Mir haben das Setting der Leuchtturminsel und die beiden Protagonisten anfangs sehr gut gefallen, die moralischen Auswirkungen ihrer Entscheidung werden meines Erachtens in einer ermüdenden Weise ausgedehnt und erörtert, die die Geschichte nicht nötig gehabt hätte, um rund zu sein.

M.E. Stedman, Das Licht zwischen den Meeren. Random House Audio 2013.

Friday, May 29, 2020

Ken Kesey - Einer flog über das Kuckucksnest


Ken Kesey (1935-2001) veröffentlichte Einer flog über das Kuckucksnest im Jahr 1963. In dem Roman kommen seine persönlichen Erfahrungen mit halluzinogen Drogen (für klinische Studien) und seine Arbeitserfahrungen in Kliniken mit psychisch kranken Menschen zum Tragen.

Einer flog über das Kuckucksnest wird erzählt aus der Perspektive eines Patienten indianischer Herkunft in einer Anstalt für psychisch Kranke. Er gehört augenscheinlich zu den chronischen Fällen, ohne Aussicht auf Heilung, durch Krankheit oder Medikamente in einem Dämmerzustand befindlich. Alle um ihn herum glauben, er sei taubstumm, doch dies täuscht er nur vor, ebenso wie seinen eigentlich geistigen Zustand.
Die Situation auf der Station ändert sich maßgeblich mit der Ankunft eines neuen Patienten namens McMurphy, der nach einer Verurteilung wegen Körperverletzung und Betrugs dem Straflager entkommen will, indem er sich in die Klinik einweisen lässt. Vom ersten Tag an untergräbt er den stark reglementierten Alltag und vor allem die Herrschaft der Schwester Ratched und löst damit massive Veränderungen aus, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. 
Der Roman schildert intensiv die absolute Machtausübung der Autoritäten gegenüber den Individuen der Klinik. Es wird deutlich, dass psychische Krankheit schwer zu definieren ist, die Grenzen sind fließend, Medikamentierung und Therapieoptionen dieser Zeit scheinen mehr willkürliche Folter als Mittel zur Heilung zu sein. Und auch die Heilung selbst muss relativiert werden, wenn sie nur als absolute Anpassung an die gängige gesellschaftliche Norm definiert wird. 
McMurphy macht den Insassen klar, dass es innerhalb der Klinik nur die Wahl zwischen Unterwerfung oder bei Widerstand das Erdulden von Strafe gibt, da ersteres für ihn nicht in Frage kommt, geht er große Risiken ein, um das System auf die Probe zu stellen. Dadurch erreicht er bei einigen der Patienten eine innere und äußere Veränderung, insbesondere beim Erzähler selbst, der den Weg zurück ins Leben außerhalb der Klinik wagt. 
Erzählerisch interessant sind die verschwimmenden Grenzen von Wirklichkeit, Halluzinationen, Erinnerungen und Visionen. Der Erzähler ist sich seiner eigenen Unzuverlässigkeit hierbei bewusst, er weiß, dass seine psychischen Probleme und die Medikamente ihn beeinflussen und er nicht immer eine verlässliche Wahrnehmung der Welt um ihn herum hat. Dabei stellt sich die Frage, was denn überhaupt eine verlässliche Wahrnehmung wäre. Was ist real, was nicht? 
Und während über die unmenschliche und unzulängliche Behandlung psychisch Kranker in den 60er Jahren nicht mehr viel mehr zu sagen ist, so ist die Frage, was normal, gesund oder konform ist, nach wie vor aktuell.

Ken Kesey, Einer flog über das Kuckucksnest. Rowohlt, Reinbek 1983.





Friday, May 22, 2020

John Grisham - Die Firma

John Grishams Die Firma erschien 1991, 1993 der gleichnamige Kinofilm von Sydney Pollack mit Tom Cruise in der Hauptrolle.

Mitch McDeere hat sein Jurastudium so erfolgreich absolviert, dass er sich seinen ersten Arbeitsplatz, seine erste Kanzlei, aussuchen kann. Das beste Angebot macht die  Anwaltskanzlei Bendini, Lambert & Locke in Memphis. Zwar muss er dort hart arbeiten, aber er kann seiner Frau Abby alles bieten. Doch schon bald merkt er, dass in der Firma nicht alles mit legalen Mitteln zugeht - sie verdient zuviel Geld. Doch erst als das FBI ihn kontaktiert, erfährt er, dass die Firma für die Mafia Geld wäscht. Beunruhigend sind vor allem die Todesfälle unter den Anwälten der Firma, wer nicht mitmachen will, bezahlt mit dem Leben.
Mitch versucht das Unmögliche - Beweise gegen die Firma zu sammeln mit Hilfe einiger Verbündeter und gleichzeitig das FBI so zu steuern, dass er die höchstmögliche Sicherheit erlangt. Am Ende kommt es zu einer dramatischen Verfolgungsjagd, an deren Ende Mitch schließlich die Akten dem FBI überlässt, so dass die Mitglieder der Firma verurteilt werden können.

Auch an diesem sehr erfolgreichen Thriller der 90er ist inzwischen ein wenig die Zeit vorbeigegangen, dennoch ist es eine spannende Geschichte mit gut gezeichneten Charakteren.

John Grisham, Die Firma. Random House Audio 2005.

Thursday, May 21, 2020

Das große Torfmoor

Startpunkt der Tour war am Freibad Gehlenberg bzw. am Besucherzentrum Moorhus des NABU, wo man sich für ein Entgelt von 2,50€ ein wenig über Moore generell und das große Torfmoor informieren kann. Dort gibt es auch Toiletten und ein Besuchercafé, das Corona-bedingt zurzeit geschlossen ist.
Nach einem kurzen Stichweg am Besucherzentrum vorbei gelangt man auf Rundweg, der in etwa 8,5km um und durch das Moorgebiet führt. An verschiedenen Stellen gibt es Aussichtstürme. Der Weg ist komplett eben, Komoot hat nur zehn Höhenmeter gemessen und das war vermutlich der eine Aussichtsturm, den ich bestiegen habe.
Die Tour dauerte bei mir etwas weniger als zwei Stunden, aber man kann sich vermutlich mit Pausen und mehr Aussichtstürmen auch länger in dem Gebiet aufhalten.
Weg und Landschaft sind definitiv sehr schön und lohnen auch eine etwas längere Anfahrt.

 


Thursday, May 07, 2020

Tess Gerritsen - Das Schattenhaus

Der Klappentext verspricht von Das Schattenhaus von Tess Gerritsen folgendes:
Ein unheimliches altes Haus, eine verschwundene Frau und ein dunkles Geheimnis, das tief in die Vergangenheit reicht ...
Nach einem tragischen Ereignis flüchtet Ava von Boston auf eine abgelegene Halbinsel an der Küste Maines. Dort mietet sie ein altes herrschaftliches Haus und hofft, endlich zur Ruhe zu kommen und Inspiration für ihr neues Buch zu finden. Obwohl das Haus zunächst düster und unheimlich wirkt, übt es doch eine unerklärliche Anziehungskraft auf sie aus. Dann beginnt sie plötzlich seltsame Geräusche zu hören, und eines nachts glaubt sie eine schattenhafte Gestalt hinter den Vorhängen in ihrem Schlafzimmer zu sehen. Von den Dorfbewohnern erfährt sie von dem mysteriösen Verschwinden ihrer Vormieterin. Als Ava beginnt nachzuforschen, kommt sie hinter ein verstörendes Geheimnis, das verzweifelt gewahrt werden soll.
Natürlich ist das kein Thriller. Natürlich erwarte ich nicht die Spannung, die ich an der Rizzoli und Isles Serie der Autorin so mag. Aber ich hatte dennoch Besseres erwartet.
Sie schafft es auch in diesem Buch, Atmosphäre zu schaffen und auch Ava, wenngleich eine sehr unzuverlässige Erzählerin mit ihrem Alkoholmissbrauch, ist eine interessante Protagonistin. Geistergeschichten sind (von Lockwood  und Co abgesehen) nicht unbedingt mein Lieblingsgenre, aber Das Schattenhaus nahm da eine sehr unerwartete Wendung - BDSM Szenen mit dem Geist waren nicht das, was ich von einem Tess Gerritsen Roman erwartet hatte! Sie waren nicht sonderlich störend, haben aber nicht zu mehr Spannung oder zu einer Verbesserung des Plots beigetragen. Ich fand auch den Zusammenhang zwischen Avas sexueller Neigung in diese Richtung und ihrer empfundenen Schuld für den Tod ihres Schwagers sehr an den Haaren herbeigezogen und es scheint mir eine unzulässige, nicht plausible Verknüpfung zu sein. Der Showdown und die Auflösung lassen dann auch einiges zu wünschen übrig und wirken erzwungen, zumal Avas Grundkonflikt ungelöst bleibt, sie entscheidet dann einfach es "auszuhalten" und am Ende scheint die Sonne auf Brodie's Watch. Ich weiß nicht, wie Fans von romantischen Mystery-Geschichten den Roman bewerten würden, mir hat er eine herbe Enttäuschung bereitet und die Bewerbung des Romans durch den Verlag verspricht etwas, dass das Buch nicht halten kann.
Allen Fans von Tess Gerritsens Krimis kann ich nur von diesem Buch abraten.

Tess Gerritsen, Das Schattenhaus. Limes, München 2020.


Tuesday, May 05, 2020

Leigh Bardugo - Goldene Flammen

...das Cover gefällt mir hingegen ganz gut...
Leigh Bardugo, amerikanische Bestseller-/Fantasy-Autorin erschafft in ihrer Shadow and Bone-Trilogy eine an russische Landschaften und Gebräuche angelehnte Fantasywelt. Goldene Flammen ist der erste Band. Ich wusste nichts über Autorin und Reihe, sondern war schlichtweg auf der Suche nach einem passenden Buch für einen Popsugar-Reading-Prompt (a book with a made-up language) und dies stand in einer der goodreads-Listen, es klang nicht uninteressant und es gab das Audiobook bei der Onleihe.

"Grischa" - so der zusätzliche deutsche Titel - sind diejenigen Menschen in Ravka, die über besondere magische Fähigkeiten unterschiedlichster Art verfügen. Die Protagonistin Alina weiß lange nicht, dass sie Grischa ist und als sie es herausfindet, findet der mächtigste Grischa, der Dunkle, Gefallen an ihr. Während ihrer Ausbildung hat sie ein besonderes Verhältnis zu ihm, während sie gleichzeitig versucht, ihr Kindheitsliebe Mal zu vergessen. Bei dieser Dreieckskonstellation ist der weitere Verlauf des Plots bereits vorherbestimmt. Jemand, der der Dunkle genannt wird, kann in keiner Fantasy-Welt der Gute sein und die Naivität Alinas schmerzt phasenweise sehr.  Und auch wenn die Welt Ravkas stellenweise interessant geschildert wird und einige Details liebevoll erdacht sind, so bleiben doch Zusammenhänge und Ursprünge dieser Welt unklar. Man wird hineingeworfen, sieht sich darin um, findet es ganz okay, aber der zugrunde liegende Konflikt, die Ursache für den herrschenden Krieg, die Mythologie, warum es die Grischa gibt, all dies bleibt im Diffusen.
Das mag sehr kritisch sein und vermutlich wird das Universum der Grischas in anderen Bänden plausibler, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich die Geduld dafür habe. Gut vorstellen kann ich mir aber die visuelle Umsetzung in der geplanten Netflix-Serie - vielleicht schaue ich dann die an!

Leigh Bardugo, Goldene Flammen. Silberfisch 2012. 


Friday, May 01, 2020

SuBAP-Challenge: Stand April 2020


Im Monat Aptil konnte ich 13 Bücher für die SuBAP-Challenge verbuchen. Vier erfüllten die Monatsaufgabe (Debutroman). Zum Monatsthema #Antike habe ich angefangen Kassandra von Christa Wolf zu lesen, habe es aber abgebrochen, weil es mich zu wenig interessierte. Die Gesamtpunktzahl beläuft sich für diesen Monat  auf 34 Punkte, auch in diesem Monat hatten die meisten der Bücher unter 400 Seiten, weswegen es keine Zusatzpunkte für die Seitenzahl gab.


Buch 1: René Goscinny - Asterix bei den Olympischen Spielen 
- liegt seit 2019 auf dem SuB: 1 Punkt
Buch 2: N.H. Kleinbaum - Der Club der toten Dichter
- liegt seit vor 2019 auf dem SuB: 2 Punkte
Buch 3: Charles Dickens - Great Expectations (nach 125 Seiten abgebrochen)
- liegt seit vor 2019 auf dem SuB: 2 Punkte
Buch 4: Tove Jansson - Winter im Mumintal
- liegt seit vor 2019 auf dem SuB: 2 Punkte
Buch 5: Robert Galbraith - Weißer Tod 
- liegt seit 2019 auf dem SuB: 1 Punkt
- über 600 Seiten: 3 Punkte
Buch 6: Johannes Bröckers - "Schnauze, Alexa!"
- liegt seit 2019 auf dem SuB: 1 Punkt
- erfüllt die Monatsaufgabe: 2 Punkte
Buch 7: Charlie Jane Anders - Alle Vögel unter dem Himmel
- liegt seit 2019 auf dem SuB: 1 Punkt
- erfüllt die Monatsaufgabe: 2 Punkte
- über 400 Seiten: 1 Punkt
Buch 8: Toni Morrison - Sehr blaue Augen
- liegt seit 2019 auf dem SuB: 1 Punkt
- erfüllt die Monatsaufgabe: 2 Punkte
Buch 9: Enid Blyton - Fünf Freunde auf dem Leuchtturm
- liegt seit vor 2019 auf dem SuB: 2 Punkte
Buch 10: Jussi Adler Olsen - Miese kleine Morde
- liegt seit vor 2019 auf dem SuB: 2 Punkte
Buch 11: John Grisham - Die Akte
- liegt seit vor 2019 auf dem SuB: 2 Punkte
- über 400 Seiten: 1 Punkt
Buch 12: George Orwell - Farm der Tiere
- seit vor 2019 auf dem SuB: 2 Punkte
Buch 13: Delia Owens - Der Gesang der Flusskrebse
- liegt seit 2019 auf dem SuB: 1 Punkt
- erfüllt die Monatsaufgabe: 2 Punkte
- über 400 Seiten: 1 Punkt

Thursday, April 30, 2020

Delia Owens - Der Gesang der Flusskrebse

Delia Owens nimmt uns mit in die einsame und wunderschöne Marschlandschaft North Carolinas. Kya, die Protagonistin, das "Marschmädchen", wächst dort unter schwierigsten Bedingungen nahezu allein auf, nachdem ihre Familie der Reihe nach vor dem gewalttätigen Vater flieht. Als dieser eines Tages auch nicht mehr nach Hause kommt, schlägt sie sich allein durch und schließt Freundschaft mit der Natur um sich herum. Die Menschen im nächsten Ort begegnen ihr mit Misstrauen und Ablehnung, lediglich zu einigen wenigen baut sie eine fragile Beziehung auf - erfährt aber immer wieder Enttäuschung.
Parallel dazu wird von der Ermittlung in dem Todesfall des jungen Chase Andrews berichtet, der eines Nachts von einem Turm in den Marschen in den Tod gestürzt ist. Hat Kya etwas damit zu tun?
Owens bewegt sich in ihrem Debütroman mühelos von Naturbeschreibungen zur Coming-of-Age-Story, vom Krimi zur Liebesgeschichte. Dabei bleiben wir immer nah bei Kya, eine glaubwürdige, einsame Protagonistin, wir betrachten die Welt beinahe ausschließlich durch ihre Augen, nur während sie älter wird, erkennen wir mit ihr die Zusammenhänge und die Beweggründe der übrigen Charaktere.
Lediglich die letzten Seiten wirken erzwungen - was die Geschichte abrunden sollte, wird durch den Wechsel der Perspektive und der Enthüllung eines Aspekts der Protagonistin, der unglaubwürdigerweise verschwiegen wurde, gebrochen.
Dennoch ist Der Gesang der Flusskrebse ein sehr schöner, sensibler Roman, der mich beeindruckt und berührt hat.

Delia Owens, Der Gesang der Flusskrebse. Hanser, München 2019

Tuesday, April 28, 2020

George Orwell - Farm der Tiere

 “All animals are equal, but some animals are more equal than others.”

“The creatures outside looked from pig to man, and from man to pig, and from pig to man again; but already it was impossible to say which was which.”

George Orwells Farm der Tiere ist ein Klassiker und auch die Botschaft ist universell: Eine Revolution kann zwar die Machtverhältnisse verschieben, die Grundstruktur, das Streben nach Macht und eigenem Vorteil durchdringt aber schnell auch wieder die neue Gesellschaft, so dass sich zwar Unterschiede in der Prämissen des Systems ergeben, aber kein dauerhaftes Gleichgewicht herzustellen ist.
Auch wenn Orwell seine Geschichte damals als Satire auf die kommunistische Revolution in Russland schrieb, was vor allem an sprachlichen Wendungen und den von den Schweinen errichteten Strukturen erkennbar bleibt, so hat sie auch heute noch Gültigkeit und viele versteckte und offensichtliche Botschaften, die uns auch heute noch etwas zu sagen haben.
Die Hörspielfassung mit namhaften Sprechern aus dem Jahr 1981 (Deutschlandfunk) ist sehr lohnenswert und wurde vom DAV neu aufgelegt.

George Orwell, Farm der Tiere. DAV 2019. 

Monday, April 27, 2020

John Grisham - Die Akte

Nachdem zwei Richter des obersten Bundesgerichts der USA ermordet werden, stellt die Jurastudentin Darby Shaw eine Theorie auf, wer die Schuldigen hinter den Morden sein könnten. Sie verfasst die Pelikan-Akte, die - wenn sie sich als wahr erweisen würde - für die darin erwähnten Beteiligten dramatische Folgen hätte. Es droht ein politischer Skandal mit Ausmaßen wie Watergate. Die Akte gerät in die falschen Hände und plötzlich sieht sich Darby einer tödlichen Bedrohung gegenüber. Ihre einzige Chance ist, so lange zu überlegen, bis sie genug Beweise für ihre Theorie hat. Doch auch ihre Helfer und Zeugen sind in Gefahr...

Dieser Justizthriller von John Grisham stammt aus dem Jahr 1992 (verfilmt 1993), funktioniert hinsichtlich Spannungsaufbau und Plot aber durchaus noch. Besonders zu Anfang gibt es einige Längen, viele Figuren, viele Schauplätze, die sich erst nach und nach zu den Protagonisten und der Haupthandlung verdichten. Insgesamt spannend und unterhaltsam.

John Grisham, Die Akte. Random House Audio 2015.

Sunday, April 26, 2020

Erich Fried - Angst vor der Angst

Gedicht auf Aquarell by InBetween, 04/2020

Neuer Blogbeitrag auf meiner Autorenwebsite erichfried.de zur digitalen Aussstellung KEINE | ANGST vor der Angst der Internationalen Erich Fried Gesellschaft. 

Irgendwie passt das Gedicht (das auch die Grundlage für die Ausstellung darstellt) zur Lage der Welt... 

Friday, April 24, 2020

Jussi Adler Olsen - Miese kleine Morde

Bei Miese kleine Morde handelt es sich um eine Kurzgeschichte von Jussi Adler Olsen von etwas mehr als 100 Seiten.
Der Protagonist Lars Hansen ist schwer getroffen, als seine Frau ihn verlässt, weil sie ihn für einen Langweiler hält! Das kann er nicht auf sich sitzen lassen und entscheidet sich zunächst für ein Makeover in einem Beauty-Salon. Dort tratscht er mit dem schwulen Friseur über alles Mögliche, am liebsten aber über die reichen Damen, die sich völlig unzufrieden und frustriert über ihre schwerreichen Ehemänner beklagen und diese am liebsten los wären. Lars braucht dringend Geld, denn mit dem, was ihm zur Verfügung steht, kann er sich nicht den Lebenswandel leisten, der ihm vorschwebt - die Lösung: Er wird Auftragskiller.
Dass das schiefgehen muss, ist klar, so ist es eher mildes Interesse und vielleicht sogar ein leises Fremdschämen, mit dem man dabei zuschaut, wie sein Scheitern sich vollzieht. Trotz dieses recht vorhersehbaren Plots schafft es der Autor am Ende doch noch ein wenig zu überraschen, wenngleich Miese kleine Morde keine Geschichte ist, die man unbedingt gelesen haben sollte.

Jussi Adler Olsen, Miese kleine Morde. dtv, München 2018.

Monday, April 20, 2020

Enid Blyton - Fünf Freunde auf dem Leuchtturm


There's a rainbow around every corner is a well known saying and is supposed to make negative people positive.
- Enid Blyton


In schlechten Nächten sind die Fünf Freunde ein Heilmittel gegen kreisende Gedanken und sinnloses Wachliegen. Eine Art "feel-better-soon"-Arznei, ein kleines Abenteuer, Freude am Draußensein und an der Natur und vor allem geht es immer gut aus. Was will man denn mehr?

Enid Blyton, Fünf Freunde auf dem Leuchtturm. cbj, München 2016. 

Toni Morrison - Sehr blaue Augen

Sehr blaue Augen (Original: The Bluest Eye) ist der Debütroman von Toni Morrison, nach Menschenkind ist dies der zweite Roman der Autorin, den ich lese. 
Die Geschichte der kleinen Pecola Breedlove ist schrecklich mitzuerleben - wir sind Zeugen, was ihr äußerlich und innerlich zustößt, wie ihre Situation als junges schwarzes Mädchen in einer rassistischen Gesellschaft und in einer geschädigten, dysfunktionalen Familie unausweichlich katastrophal ist. Morrison wählt unterschiedliche Perspektiven, Augenzeugen, Rückblenden, Erinnerungen bis hin zum traumhaften, inneren Monolog, um Pecola von allen Seiten zu durchleuchten. Verstehen wir sie deswegen besser? Ich fürchte nein, aber Entsetzen packt uns, nicht nur Mitleid, sondern der starke Wunsch, etwas ändern zu wollen an den fatalen Zusammenhängen dieser Geschichte.
In ihrem Nachwort zweifelt Morrison selbst an, ob ihr Roman mit den gewählten Mitteln das erreichen kann, was sie selbst ausdrücken wollte (und es war sehr hilfreich beim Verständnis des Romans die Ideen der Autorin dargelegt zu bekommen), kommt aber auch zu dem Schluss, dass dies nicht unbedingt an ihrer eigenen Unzulänglichkeit zu Beginn ihrer schriftstellerischen Karriere lag, sondern der Thematik selbst geschuldet ist. Selbsthass ist etwas, dessen Ursprung schwer zu begreifen und noch schwerer darzustellen ist. Außerordentlich deutlich wird aber der Zusammenhang mit dem herrschenden Rassismus, unter dessen Einfluss Selbstliebe deutlich schwerer fällt.
Mich hat Sehr blaue Augen sehr beeindruckt, stilistisch und inhaltlich. Es ist kein leichter Roman, er ist im Gegenteil kantig, unbequem und teilweise brutal - darin liegt seine Stärke.

Toni Morrison, Sehr blaue Augen. Rororo, Reinbek 2019. 

Wednesday, April 15, 2020

Charlie Jane Anders - Alle Vögel unter dem Himmel

Gern hätte ich Charlie Jane Anders' Alle Vögel unter dem Himmel mehr gemocht. Es ist eine schräge Geschichte, deren Inhalt schwer zusammenzufassen ist.
Die zwei Protagonisten Patricia und Laurence symbolisieren den Gegensatz von Natur und Technik, sie ist eine Hexe, er ein Technikfreak. Als sie noch Kinder sind, werden sie durch ihre Andersartigkeit zu Außenseiten, was sie aneinander bindet. Diese Bindung, so sehr sie sie auch immer wieder auflösen wollen, bleibt bestehen. Ihr Gegensatz wird durch ihr jeweiliges Umfeld forciert - doch sie selbst empfinden dies im Grunde anders und dies wird zu einer großen Chance.
Was mir prinzipiell gut gefallen hat, ist das schräge Setting des Romans, das eine wilde Mischung aus Realem, Dystopischem, Fantastischem und SciFi ist. Die Protagonisten sind in ihrem Gegensatz gut konstruiert, auch einige der Nebenfiguren sind interessant. Der Plot und auch die Auflösung hingegen lassen viele Fragen offen, einiges bleibt vage, bei einer Vielzahl an Figuren ist man sich über ihre Funktion nicht im Klaren. Einige Teile des Romans spülen wie in einem bunten Farb- und Klangrausch über einen hinweg, man behält wenig, verliert ein wenig die Orientierung, um sich dann wieder die Fäden der Handlung zusammenzusuchen, damit das ganze wenigstens ein bisschen Sinn ergibt.
Alle Vögel unter dem Himmel ist anders als andere Romane und das kann man wertschätzen und nicht ohne Grund hat das Buch verschiedene Preise gewonnen. Ich mag "schräg" in vielen Facetten, dies hier war aber nicht meins.

Charlie Jane Anders, Alle Vögel unter dem Himmel. Fischer TOR, Frankfurt a.M. 2017.