Anlässlich eines Wiedersehens als beide schon 70 Jahre alt sind, schreibt Monika ihre Erinnerungen an ihre Freundschaft auf. Sie springt dabei zwischen Kindheitsszenen, Abenteuern ihrer Teenagerzeit und Betrachtungen über ihre Beziehung allgemein. Dabei kommt in der Retrospektive weder die Freundschaft noch Gloria selbst besonders gut weg, so mein persönlicher Eindruck. Gloria mit der Neigung zur Schauspielerei ist selten ehrlich zu ihrer Freundin, nutzt sie quasi als Projektionsfläche ihres Lebens, das nun recht armselig endet. Beziehungslos (außer der Betreuung durch eine Nichte, die nur auf das Erbe aus ist) und ohne in ihrem Leben gearbeitet oder etwas anderes erreicht zu haben, vegetiert sie - wie ihre Mutter vor ihr - in der Villa vor sich hin. Eines ihrer Hauptthemen: Sie ist noch Jungfrau. Daher der Titel. Monika stellt dem zwei Ehen, die letzte glücklich, und vier Kinder entgegen, Mitleid und eine Art sentimentale Verbundenheit wegen ihrer gemeinsamen Geschichte sind die maßgeblichen Gefühle, die sie für Gloria aufbringt. Kritisch sieht sie auch ihre persönlichen Gründe für die Freundschaft - warum hat sie keine anderen Freundschaften mehr verfolgt, sondern sich nur mit Gloria zusammengetan? Eine definitive Antwort erhalten wir nicht.
Die Jungfrau ist eine Art zufällig zusammengesetzter Rückblick auf eine Freundschaft, die zwar überdauert hat, aber an deren Qualität man zweifeln kann.
Monika Helfer, Die Jungfrau. Hanser 2023.










