Thursday, July 30, 2026

Linda Castillo - Quälender Hass

Man könnte meinen, Amish County würde irgendwann seinen Reiz verlieren, aber irgend etwas bringt mich immer wieder zurück zu Kate Burkholder. In Quälender Hass verliert sie sich glücklicherweise nicht allzu sehr in Selbstzweifeln, sie bleibt hartnäckig an ihrem Fall dran. Und der ist selbstverständlich wieder einmal höchst brutal. Eine amische Großmutter wird mit zahlreichen Messerstichen abgeschlachtet, eine Enkelin entkommt dem Täter verstört, die andere wird entführt. So stehen alle Ermittlungsbeamten unter hohem Zeitdruck, um das Mädchen - und natürlich auch den Mörder - zu finden. Schnell wird klar, dass die Ursprünge des Falls in der Vergangenheit liegen und die Beteiligten geben ihr Wissen nur widerwillig preis. 

Dieser elfte Band von Linda Castillos Reihe weist ein hohes Erzähltempo und mit hohem Spannungsniveau auf. Ein Kritikpunkt ist allerdings die Plausibilität des Motivs hinsichtlich der hohen Gewaltbereitschaft des Täters, besonders vor dem Hintergrund des amischen Glaubenssystems.

Linda Castillo, Quälender Hass. Argon 2019.

Wednesday, July 29, 2026

Louise Penny - Lange Schatten

Armand Gamache und seine Frau sind anlässlich ihres Hochzeitstages in einem alten, aber edlen Hotel mitten in den kanadischen Wäldern. Alles könnte sehr friedlich sein, wenn nicht gleichzeitig die nicht sehr harmonische Familienfeier der Finneys dort stattfinden wird. Zunächst beobachtet Gamache die Familienmitglieder interessiert, schließlich soll auch noch eine Statue zu Ehren des Patriarchen errichtet werden. Doch kurz nach der Enthüllung kippt die Statue von ihrem Sockel und erschlägt eine der Töchter. Ein Unfall kann ausgeschlossen werden, aber was für eine bizarre Mordmethode? Motive lassen sich innerhalb der verkrachten Familien zahlreiche finden, aber das "Wie" lässt Gamache lange keine Ruhe, bis ihm der Besuch bei einem Fest in Three Pines (das Dorf kann ja nicht nicht vorkommen) den Geistesblitz zur Lösung des Falls beschert. 
Lange Schatten bietet die üblichen sympathischen Elemente der Reihe von Louise Penny, mit langem Anlauf, einigen Irrwegen und vielen menschlichen Abgründen. Solide.

Louise Penny, Lange Schatten. DAV 2008.

M.L. Wang - Blood over Bright Haven

M.L. Wang Fantasy-Dystopie Blood over Bright Haven hat mich positiv überrascht. Das ein oder andere Fantasy-Epos der letzten Jahre hat sich als eher schwach erwiesen, hier passt alles gut zusammen. Einziger Kritikpunkt, um dies vorwegzunehmen, ist einmal mehr die etwas ausufernde Länge des Romans, mit denen auch einige erzählerische Längen einhergehen und die stellenweise etwas, aber nicht zu sehr klischeebelasteten Charaktere, aber beides fällt nicht allzu sehr ins Gewicht. 

Tiran ist eine industriell geprägte Stadt, die durch eine magische Kuppel von der sie umgebenden unwirtlichen Welt geschützt wird. Außerhalb ist das Überleben so schwer geworden, dass die dort lebenden Völker versuchen in die Stadt zu fliehen, auch wenn der Weg gefährlich ist und ihnen von den Tiraner eher Diskriminierung und Ausbeutung droht. Thomil ist einer der wenigen, der den Weg in die Stadt schafft, während seine Sippe vom Feuerbrand - vom Himmel herabschießende, tödliche Blitze - ausgelöscht wurde. Es sollte eigentlich nur ein Scherz von einem fiesen Magier sein, als ausgerechnet Thomil als Assistent für Sciona eingeteilt wird, denn eigentlich arbeitet er als Hausmeister. Sciona ist die erste weibliche Hochmagierin, deren besondere Begabung und hartnäckiger Ehrgeiz sie in den elitären Kreis gebracht hat. Doch Sciona betrachtet auch Thomil als Herausforderung, führt ihn an die Magie heran und findet in ihm einen argumentativen Gegner und Partner, der sie bei ihren Projekten voranbringt. 
Die Magie Tirans scheint in Mathematik und Ingenieurswissenschaften verwurzelt. Zugrunde liegen ihr zahlreiche Formeln, mit deren Hilfe Energie für die Wirtschaft und das alltägliche Leben der Stadt gewonnen werden kann. Dabei ist dies fest verwoben mit dem Glaubenssystem der Gründer der Stadt, das voraussetzt, dass die Regeln der Magie gottgegeben und unumstößlich sind. Der Wissens- und Erfolgsdrang Scionas bringt sie aber dazu, die Grenzen des Systems zu überschreiten und entdeckt die schockierende Wahrheit über die Basis für Tirans Wohlstand. 
Auch wenn das Worldbuilding und vor allem die Erklärungen zu dem Magiesystem anfangs viel Raum einnimmt, treten schon bald die großen Fragen des Romans in der Vordergrund. 

  • die Rolle der Frau in der Gesellschaft: starke Restriktionen, patriarisch definierte Rollenbilder, die von Religion und Staat rigoros aufrecht erhalten werden
  • Diskriminierung von angeblich minderwertigen Bevölkerungsgruppen im beruflichen und im sozial-gesellschaftlichem Umfeld und sogar in der Rechtsprechung, wobei alles getan wird, um die weitverbreiteten Vorurteile und Bildungsrückstand aufrechtzuerhalten
  • rücksichtslose Ausbeutung von Natur und Menschen für den Wohlstand einzelner Personengruppen ohne die Begrenztheit der Resourcen zu berücksichtigen

Die beiden Protagonisten sind in ihren Gegensätzen gut konstruiert, um in einen argumentativen, aber auch emotionalen Dialog zu treten, der diese Probleme beleuchtet. Die Gegensätze sind vielleicht ein bisschen offensichtlich, aber darüber kann man hinwegsehen. Gut gefallen hat mir, wie dabei ihre außerdem wachsende Beziehung ihre Sichtweisen nach und nach verschiebt und ihnen reflektiertere Handlungen ermöglicht. Während in den ersten zwei Dritteln des Romans die Handlung hauptsächlich dialogbasiert voranschreitet (entsprechend dem Dark Academia Genre), zieht das Erzähltempo und die Ereignisse im letzten Teil deutlich an und daraus entwickelt sich ein deutlich überraschendes Finale. Auf der Plusseite verbuche ich außerdem das Fehlen von unpassenden romantisch-sexualisierenden Szenen - hier tut die Autorin ihrem Genre einen Gefallen und driftet nicht ins (sich zur Zeit so gut verkaufende) Romantasy ab. Sehr gut ist auch Sprecherleistung von Uta Simone – sie verleiht dem Hörbuch eine  zusätzliche Atmosphäre und Qualität. 
Insgesamt ist Blood over Bright Haven ein empfehlenswerter Roman für Fantasyliebhaber, die kritische Bezüge zu unseren eigenen gesellschaftlichen Defiziten nicht scheuen. 

M.L. Wang, Blood over Bright Haven. Silberfisch 2025.

Tuesday, July 28, 2026

Jay Asher - Tote Mädchen lügen nicht

Jay Ashers Jugendroman  Tote Mädchen lügen nicht ist inzwischen fast 20 Jahre alt, dennoch hat er nichts an Dringlichkeit und Authenzität eingebüsst. 
Hannah Baker begeht mit Tabletten Selbstmord, nimmt aber zuvor Audiokassetten auf, die sie den Personen zukommen lässt, denen sie eine Teilschuld an ihrem Selbstmord gibt. Wir begleiten Clay, der in Hannah verliebt war, bei seinem Weg durch die Stadt, während er Hannahs Aufnahmen anhört. Dabei wird klar, dass es nicht ein großes, sondern viele kleine, teils miteinander verkettete Begebenheiten waren, die dazu führten, dass Hannah ihr Leben nicht mehr lebenswert fand. Dabei beschönigt sie nicht, nimmt auch
durchaus wahr, dass sie an manchen Stellen anders hätte handeln oder denken können. Erschreckend daran ist, dass die Ereignisse von einer Alltäglichkeit an einer Highschool oder auch an jeder beliebigen anderen Schule sind, so dass jede:r Ähnliches erlebt hat oder erlebt haben könnte. Jede:r könnte Hannah begegnet sein oder ihr noch begegnen, jede:r könnte teilhaben an dem, was geschicht, Falsches getan und Richtiges unterlassen haben. Darin liegt die eindringliche Botschaft des Romans und Jay Asher hat mit Clay einen guten Erzähler oder vielmehr Zuhörer gewählt, der Hannahs Botschaft zu mehr Empathie und Aufmerksamkeit anderen gegenübern noch verdeutlicht. 
Meines Erachtens hat der Roman zurecht vielfache Auszeichnungen in dem Bereich Jugendroman erhalten. 

Sunday, July 26, 2026

Kristina Ohlsson - Die Tote im Sturm

Kristina Ohlssons neue Krimireihe spielt im beschaulichen Südschweden. In der gleichen Nacht in der August Strindberg (nein, nicht der berühmte Autor, wie er selbst mehrfach erklären muss) in dem kleinen Ort Hovenäset ankommt, verschwindet Die Tote im Sturm. Nachdem ihr Mann Agnes Eriksson vermisst gemeldet hat, starten Polizistin Maria und ihre Kollegen die Suche und ihre Ermittlungen, kommen jedoch kaum weiter, weil es keine Spuren zu geben scheint. 
Die Erzählung wechselt zwischen mehreren mehr oder wenig Beteiligten, der Familie Eriksson, einer befreundeten Familie, Maria und August. Der Untertitel des Romans "August Strindberg ermittelt" ist eher irreführend, denn August hat gar keine Ambitionen zu ermitteln, er gerät nur durch seine außergewöhnliche Situation mitten ins Geschehen. Er hat nämlich das Gebäude eines alten Bestattungsunternehmen erworben, um dort einen Second-Hand-Laden zu eröffnen und sein altes Stockholmer Bänkerleben hinter sich zu lassen. Er wohnt außerdem in einem Haus mit finsterer Vergangenheit, denn vor 30 Jahren wurde dort die zerstückelte Leiche einer ebenfalls zunächst vermissten Person gefunden. Das findet er aber erst nach zahlreichen mysteriösen Bemerkungen und Andeutungen heraus. Zudem bieten ihm einige der Anwohner Dinge zum Verkauf an, die alle irgendwie mit den Geschehnissen damals und/oder heute zu tun haben. Er ermittelt also weniger, sondern ihm werden die Dinge vor die Nase gehalten, sodass er sich zwangsläufig damit beschäftigen muss. Praktisch aber auch, dass er Maria sehr sympathisch findet, wenngleich die erst noch durch einen Kollegen von dem gewalttätigen Ehemann getrennt werden muss (weil sie selbst es nicht hinbekommt, argh!). Dazu kommt noch ein höchst problematisches Liebesverhältnis und einige sehr gestörte Familiendynamiken. Alles in allem wirkt Die Tote im Sturm ein bisschen zu überladen auf der emotional-sozialen Seite und ein bisschen blass bzw. zu konstruiert in Bezug auf den Kriminalplot. Auf der Plusseite würde ich - neben dem Setting in dem wilden, schwedischen Kaff - den Protagonisten August verbuchen, der ausreichend anders und skurril ist, um vielleicht in den nächsten Bänden eine gute Figur abzugeben, so ganz ausgereift ist dieser erste Band aber nicht. 

Kristina Ohlsson, Die Tote im Sturm. DAV 2022. 

Friday, July 24, 2026

Jean-Luc Bannalec - Bretonischer Glanz

Bretonischer Glanz ist nun schon der 15. Fall um Kommisar Dupin, leider merkt man ihm dies auch an. Diesmal wird in Roscoff gemordet und gegessen. Es geht um ein Krimifestival, eine Fährgesellschaft und die Roscoff-Zwiebeln. Dupin muss den Fall übernehmen, weil der zuständige Beamte vor Ort in den Ruhestand geht. Dennoch kennt er sich ein wenig aus, denn er kommt öfter mit seiner Frau Claire in den Ort. Der Plot überzeugt leider nicht: Zwar geht Dupin systematisch vor und führt ein Gespräch mit den Beteiligten nach dem anderen, immer wieder unterbrochen vom Klingeln des Telefons, wenn der nächste dramatische Zwischenfall/Mord geschieht. Dann setzt er wieder neu an mit den Gesprächen, kommt nicht weiter, der nächste Zwischenfall, ... Schließlich nimmt der Autor ihn mit Hilfe einer Holzlatte hinterrücks aus dem Rennen, so dass er mit einer Gehirnerschütterung im Hotelbett bleiben muss -  damit dann die Lösung des Falls Deus ex Machina aus dem Nachbarzimmer herüberkommen kann. Das konnte mich trotz einer gewissen Anhänglichkeit an Setting und Charaktere nicht überzeugen und war gelinde gesagt etwas langweilig. 

Jean-Luc Bannalec, Bretonischer GlanzKiepenheuer & Witsch 2026.

Thursday, July 23, 2026

E.M. Forster - A Room with a View

A Room with a View was first published in 1908 by English writer E. M. Forster. It deals with a young woman named Lucy who struggles with her place in the society of early 20th century England. 

The novel starts in Italy where Lucy and her cousin and chaperone Miss Charlotte are on a cultural vacation. They are disappointed because they didn't get A Room with a View as promised which leads to Mr Emerson and his son George giving up their rooms to them. They accept but only after having discussed in length if it is appropriate to do so. From this moment on "something is going on" between Lucy and George but of course this is not appropriate and many complications including an engagement to another (apparently wrong) young man, bathing naked and some kissing.
From today's point of view the whole thing is kind of boring as we watch Lucy trying to find her way out of an entanglement that her family or rather society has woven for her. Seen in its context the novel does a very good job to show the extreme contrast between how women at the time were supposed to behave and how they were expected to do and even think what men wanted them to and the slow awakening of Lucy's own mind as she starts to realize that she can have her own knowledge, opinions and at last the life she wants to lead. Of course she isn't really free or emancipated at the end of this novel but she gained new perspectives and some happiness in her life - even though it costs her the loss of some people in her life.

Wanda McCaddon’s narration makes this audiobook a pleasure to listen to and brings life to the story. 

 

 


Tuesday, July 21, 2026

Terry Pratchett - Der Club der unsichtbaren Gelehrten

Re-read als deutsches Audiobook im Juli 2026, ursprünglich gelesen Oktober 2010: An meiner Bewertung würde ich nichts ändern, das Audiobook wurde gekonnt gelesen von Volker Niederfahrenhorst. Es ist dennoch nicht der beste Pratchett. Hier meine damalige Einschätzung:

Mit der Scheibenwelt, also Pratchetts literarischer Welt, verhält es sich so, dass man sie entweder liebt oder grundsätzlich nicht versteht, warum man so einen Blödsinn lesen soll. Ich gehöre zur ersten Kategorie: Hexen, Trolle, die Wache, die Magier,... - das alles ist großartig und fantastisch in jeder Hinsicht. Pratchett schafft eine Welt, in der alles möglich ist, die aber der unseren ähnlich genug ist, um sie ironisch zu kommentieren und den Finger genau auf unsere eigenen bizarren Wirklichkeiten zu legen.
In "Unseen Academicals" geraten die Magier von Ankh-Morpork in den Zwang, Fußball spielen zu müssen, was eigentlich ein Spiel des Volkes ist, das brutal und nahezu regellos auf den Straßen der Stadt gespielt wird. Nun braucht es ein neues (teilweise schwachsinnig anmutendes) Regelwerk (nette Episode zur Abseits-Regel!) und vor allem eine Mannschaft. Pratchett kontrastiert die Welt der kleinen Leute, die kochen, Fußball spielen und die Kerzen in der Unsichtbaren Universität austauschen, mit der Welt der Magier und Reichen.
Zunächst: Es war ein Pratchett und die Charaktere waren liebevoll entwickelt und sprachlich war es im Original ein Genuss.
Die Geschichte gefiel mir aufgrund der Fußballthematik nicht besonders, auch entwickelte sich die Handlung eher langsam, laut lachen konnte ich dennoch, etwa ab dem letzten Drittel, ab da wurde es auch spannender. Wenn man den amazon-Rezensionen Glauben schenken kann, muss die deutsche Übersetzung jedoch katastrophal ausgefallen sein. Wer kann, lese also im Original.

Terry Pratchett, Der Club der unsichtbaren Gelehrten. Random House Audio 2022.

Thursday, July 16, 2026

Kathy Reichs - Die Spur der Angst

Kathy Reichs hat mit Die Spur der Angst den 24. Band einer vormals großartigen Reihe um die forensische Anthropologin Tempe Brennan veröffentlicht. Was war daran großartig? Die Protagonistin, die sich mit wissenschaftlicher Akribie und viel Anteilnahme den unidentifizierten Toten widmete, überzeugte durch Wortwitz, Empathie und ihrer Fähigkeit, sich gegen die vor männlichem Ego strotzenden Ermittler zu behaupten und mit ihnen gut zusammenzuarbeiten. Dazu kamen spannende Fälle, bei denen man sich dem Täter Schritt für Schritt näherte mit solider Ermittlungsarbeit. Die Nebencharaktere wurden nach und nach ausgestaltet und wuchsen den Lesenden ans Herz, inklusive Katze Birdy und dem Chowchow. 

Was Die Spur der Angst bietet, ist leider ein schwacher Abgesang darauf. Während die ursprüngliche Idee eines Täters, der zunächst Tierkadaver makaber dekoriert und dann in seinen weiteren Taten eskaliert, recht interessant ist, verschwimmt dieser Fall in einem Gemisch aus Familiengeplänkel, nutzloser Auseinandersetzung mit dem leicht abstoßenden Detective Slidell und Tempes hirnlosem und ignorantem Verhalten. Schon in einigen der letzten Bände rannte sie im Showdown kopflos in die Falle, hier geht sie nachts allein ihren Kater suchen, obwohl sie weiß, dass ein Killer und ein Stalker unterwegs sind. Die persönlichen Probleme ihrer Familienmitglieder werden von ihr ignoriert und abgetan, es bleibt wenig übrig von ihrer Empathie und Besonnenheit. Die Forensik und die Wissenschaft bekommt keinen Raum in diesem Fall, stattdessen muss man ausführlich psychologischen Gemeinplätzen und philosophischen Ideen über das wahre Böse beiwohnen. Über die Auflösung des Falls will ich besser nichts sagen - nur so viel, dass er mit dem Rest des Romans fast nichts zu tun hat. 
Es tut mir wirklich leid um diese Protagonistin und eine meiner Lieblingsreihen, aber es ist nun einmal kein gutes Buch. 

Kathy Reichs, Die Spur der Angst. Random House Audio 2026.

 

Monday, July 13, 2026

Colson Whitehead - The Nickel Boys

Colson Whitehead’s The Nickel Boys is a precisely crafted novel that shows why he is a prominent voice in contemporary fiction. Following The Underground Railroad, Whitehead revisits the theme of systemic racism, yet finds a sharper, more personal focus here by centering the narrative on the claustrophobic environment of a juvenile reformatory in the 1960s in Florida.

The Pulitzer Prize (2020) it received is warranted. Whitehead dissects the brutality of the institute without using pure sensationalism. He captures the suffocating atmosphere of the Nickel Academy. It is a fictionalized version of the real-life Dozier School for Boys, which operated until the early 2000s. The descriptions of the abuse suffered by the students are drastic and leave little room for comfort.
At the center of the story is Elwood Curtis, whose idealism serves as the novel’s moral anchor. He is a dedicated follower of Martin Luther King Jr., and finds hope in the Civil Rights movement. This idealism makes his experience at the academy especially grim. While his friend Turner advises him to prioritize survival through compliance, Elwood’s refusal to abandon his principles makes him a target. Watching an optimistic character be systematically broken by the institution is a very effective way of showing the brutality and injustice of the system. 
I am a bit less convinced by the plot twist following the climactic showdown when Elwood and Turner try to get away. It feels somewhat detached, just to show the long-lasting effects the Nickel Academy had on its victims. 
Ultimately, The Nickel Boys is a disquieting read. By grounding the narrative in the lives of two distinct teenagers, Whitehead demonstrates how systemic racism destroys
individual lives. It is a cynical, yet necessary, look at a dark chapter of history.

Colson Whitehead, The Nickel Boys. Penguin Random House Audio 2019.

Sunday, July 12, 2026

Charlotte McConaghy - Die Rettung

Nach Zugvögel erhält auch der neue Roman von Charlotte McConaghy einige Aufmerksamkeit. Die Rettung (besser im Original Wild Dark Shore) spielt auf einer verlassenen Insel zwischen Australien und der Antarktis namens Shearwater. In der von der Autorin geschaffenen dystopischen Welt, die unter den Folgen des Klimawandels leidet, hat man dort einen Bunker mit Pflanzensamen angelegt. Da das Wasser zunehmend steigt, ist dieser nicht mehr sicher und das dazugehörige Forscherteam ist bis auf Dominic Salt und seine drei Kinder bereits abgereist. Dominic fällt die Aufgabe zu, die Samen noch zu verpacken, bis auch seine Familie in Kürze abreisen soll. In einer Sturmnacht wird dann eine Frau angespült, schwer verletzt, ihr Boot inklusive Bootsführer haben den Sturm nicht überlebt. Die Familie in ihrem Leuchtturm nehmen sie auf, aber alle misstrauen einander. Was will die Frau, Rowan, auf Sheerwater? Wer ist sie? Was verschweigt Dominic? Welche Geheimnisse haben die Kinder vor ihrem Vater? Hinzu kommen noch zwei Personen, die das Geschehen beeinflussen, ohne anwesend zu sein: Der Geist von Dominics Frau und Hank, Rowans Ehemann.

Ähnlich wie in Zugvögel habe ich nach dem Beenden des Romans das Gefühl, die Autorin wollte zuviel. Das Setting auf der wunderschönen, von bezaubernden Tieren wie Albatrossen und Seelöwen bevölkerten Insel ist atemberaubend. Dazu der Leuchtturm, interessant charakterisierte Kinder, die ihre eigenen Forscherwege gehen, vor dem Hintergrund einer zutiefst misshandelten Umwelt. Nun gut, der unkommunikative Dominic, der mit seiner toten Frau spricht, hat schon von Beginn an etwas hölzern Klischeehaftes. Rowan kämpft mit ihren eigenen Dämonen ihrer Kindheitstraumata und dem Verlust ihres Hauses an einen Buschbrand, auch nicht gerade wenig an Ballast. Wie diese beiden miteinander interagieren, sich annähern, wäre schon eine ausreichend interessante Geschichte gewesen. Doch die Autorin packt noch eine Kriminalgeschichte obendrauf: Was ist mit Hank auf der Insel passiert, nachdem er einen Hilferuf per Mail an Rowan abgesetzt hat? Die Auflösung dieser Frage wirft gleich noch mehrere Fragen nach psychischen Erkrankungen, Missbrauch und Gerechtigkeit auf.  --- ich glaube, damit wird deutlich, was ich mit "zuviel" meine. Dabei ist die Geschichte schön, phasenweise poetisch erzählt. Man möchte diese Charaktere, besonders die Kinder, besser kennenlernen, wünscht ihnen eine Zukunft, die das durchaus geschickt kreierte Ende aber offen lässt. Mich hat Die Rettung trotz der zu großen Fülle an Themen und Blickwinkeln durchaus gefesselt und ich fand es lesenwert.

Charlotte McConaghy, Die Rettung. Bonnevoice 2025.