Monday, March 30, 2026

Ashley Audrain - Der Verdacht

Ashley Audrains Roman Der Verdacht ist eine dunkle Geschichte. Als Psychothriller würde ich es nicht bezeichnen, auch wenn es so gelabelt wird. Der Originaltitel The Push fokussiert auf das schwer zu ertragende dramatischste Moment des Romans, aber dazu später. 

Blythe ist Tochter und Enkelin zweier disfunktionaler Mütter, beide  sind (vermutlich) psychisch krank, vom Leben enttäuscht, und entscheiden sich dagegen, für ihre jeweilige Tochter da zu sein. Liebesentzug und sogar klare Vernachlässigung bestimmen diese Kindheiten. Das alles will Blythe überwinden und sie freut sich maßlos auf ihr erstes Kind. Doch als es zur Welt kommt, fühlt sich das nicht richtig an. Als extrem subjektive Erzählerin kann man ihr nicht so recht trauen, was zuerst da war - ihre eigene, vielleicht durch postnatale Depression ausgelöste Ablehnung der Tochter, oder das schwierig zu deutende Verhalten derselben. Kann ein Kleinkind so planend agieren? Die Mutter ablehnen und destruktives Verhalten zeigen und beim Auftritt des Vaters komplett anders zu agieren? Ist Blythe Wahrnehmung realistisch oder geprägt von eigenen Ängsten und familiären Traumata? Wächst da ein zweigesichtiges Monster in ihrer Familie auf? 
Feststeht, Blythe ist in der Lage zu lieben, denn sie erlebt kurzes Mutterglück bei ihrem zweiten Kind, bis dieses im Kinderwagen an einer Ampel in den vorbeifahrenden Verkehr rollt und stirbt. Hatte ihre Tochter zuvor ihre Hand am Griff des Kinderwagens? War es wirklich ein Unfall? Blythe zweifelt an sich und an der Tochter, der Mann sucht sich stillschweigend eine neue Frau und einen neuen Sohn für seine Traumfamilie. 
Interessant an Der Verdacht ist die Vielschichtigkeit. Blythe ist eine subjektive, vermutlich auch eine unzuverlässige Erzählerin. Sie zweifelt an sich selbst, ist sich dann wieder sicher über das Böse (oder das Gute) in ihrer Tochter, trifft zweifelhafte Entscheidungen, belügt sich selbst, verweigert professionelle Hilfe, kommuniziert miserabel und vieles mehr. An manchen Stellen kann man entnervt sein darüber, aber es ist auch eine umfassende Darstellung der Komplexität und der allgegenwärtigen Selbstzweifel über die Identität als Mutter und Frau. 

Ashley Audrain, Der Verdacht. Penguin 2021. 

Saturday, March 28, 2026

Brian Jay Jones - Jim Henson: The Biography

Die Jim Henson Biography von Brian Jay Jones schildert detailreich den beruflichen Werdegang des Ausnahmekünstlers Jim Henson. Natürlich werden auch die persönlichen, familiären Meilensteine beleuchtet, vor allem wird immer wieder seine enge Beziehung zu seinen fünf Kindern hervorgehoben, sie steht aber nicht im Zentrum des Buches. 
War man Kind im Zeitraum der 60er bis 80er Jahre, so ist man zwangsläufig mit Jim Hensons Figuren aufgewachsen, sei es mit der Sesamstraße, der Muppet Show oder Fraggle Rock. Dies sind seine bekanntesten Kreationen, wenngleich Henson selbst immer auf der Suche nach kreativem Ausdruck auch jenseits der Muppets/Puppets war, wovon zahlreiche alternative (Film-) Projekte zeugen. 
Ich lese selten Biografien, doch diese hat mich berührt. Hensons Figuren und Geschichten sind fester Bestandteil meiner eigenen Geschichte, in gewisser Weise bin ich ein Fan. Es war spannend, herauszufinden, was für ein Mensch dahinter stand. Henson war Workaholic, jonglierte mit verschiedenen Arbeitsbereichen, verschienenen Projekten und Verantwortlichkeiten an mehreren Standorten (hauptsächlich NYC und London). Im Vordergrund stand dabei immer der Spaß, für ihn war es keine Arbeit im eigentlichen Sinne, er war freundlich, gütig, begeisterungsfähig. Am Ende des Buches hatte ich den Eindruck, ihn kennengelernt zu haben, die Schilderung seines plötzlichen Todes im Alter von 53 Jahren wegen einer Streptokokkeninfektion und der Trauer, die dies auslöste, war ergreifend. Meines Erachtens wird Brian Jay Jones mit seiner Biografie Jim Henson und seinem kreativen Vermächtnis in jeglicher Hinsicht gerecht. 

Brian Jay Jones, Jim Henson: The Biography. Ballantine 2013. 

Friday, March 27, 2026

Robert Galbraith - Der Tote mit dem Silberzeichen

Robert Galbraith (alias J.K. Rowling) veröffentlicht mit Der Tote mit dem Silberzeichen den achten Fall um die Privatdetektei von Cormoran Strike und Robin Ellacott. Sie ermitteln im Auftrag einer Frau, die bewiesen haben möchte, dass der Tote, der im Tresorraum eines Ladens für Silber extrem verstümmelt aufgefunden wurde, ihr verschwundener Lebensgefährte ist. Die Polizei geht von einem anderen Opfer aus und so sehen sich Cormoran und Robin einer komplexen Aufgabe gegenüber, da auch noch andere vermisste und verschwundene Männer in Frage kommen. Wie immer wird äußerst detailliert ermittelt und nebenbei auch noch andere belanglosere Fälle bearbeitet, so dass alle Mitarbeiter:innen der Detektei sehr beschäftigt sind mit Überwachungen, Überprüfungen und Recherchen. Während ich normalerweise nachvollziehbare Ermittlungsarbeit in Krimis schätze, bei der kein plötzlicher Deus ex machina den Fall löst, verliert sich in Der Tote mit dem Silberzeichen alles in kleinen Kleinigkeiten, vielen Namen und Gedankengängen, das man leicht irgendwann den Faden verlieren kann (erstrecht beim Audiobook, das übrigens fast 32 Stunden umfasst). Das wäre vielleicht nicht so schlimm, wenn dabei die persönliche Beziehung der beiden Ermittler nicht so unfassbar anstrengend mitzuerleben wäre. Dieses Hin und Her ist nahezu lächerlich und ließ mich mehr oder weniger alle paar Kapitel genervt die Augen verdrehen. Eine gescheiterte Ehe hat Robin hinter sich, bei der sie wusste, dass der Typ nicht der richtige war. Nun bleibt sie mit einem rückfälligen und jähzornigen Alkoholiker zusammen, nur weil er sich nicht wie ein Arsch verhalten hat, als es ihr schlecht ging. Cormorans Gedankengänge/Eifersucht sind nicht nachvollziehbar, immerhin weiß er, dass er ein Depp ist. Ihre Freundschaft ist kaum glaubhaft, wenn sie auch nach Jahren der engsten Zusammenarbeit immer noch unsicher sind, was der jeweils andere für ein Mensch ist und voneinander das Schlechteste annehmen. Wie immer bedroht auch diesmal wieder die Presse den Ruf der Detektei und wie immer wird Robin von fiesen Männern verfolgt und bedroht. Achja, der Beinstumpf tut auch wieder weh, Exfreundinnen sind böse und Cormoran muss sich prügeln, rettet aber trotzdem die Welt. --- ich werde zynisch, sorry. Aber tatsächlich war mir die Aufklärung des Falls / der Fälle am Schluss so gut wie egal. Das sollte nicht so sein. Die eigentlich toll angelegten Charaktere der ersten Bände verkommen in diesem achten Band zu einer Karikatur ihrer selbst und die Krimihandlung bekommt an vielen Stellen zu absurde Züge. Nein, das kann ich nicht mehr wirklich als gut bewerten.  

Robert Galbraith, Der Tote mit dem Silberzeichen. Random House Audio 2025.

Sunday, March 15, 2026

Ruth Ware - Im dunklen, dunklen Wald

Mal wieder: Popsugar made me read this.
Der Prompt lautet "A book about a bachelorette trip" - da war ich froh, dass ein Thriller von Ruth Ware mit auf der Liste war (Romance wäre schlimmer). Also kam das Audiobook auf die Liste, auch wenn mir die anderen Bücher, die ich bisher von der Autorin gelesen habe, nicht allzu sehr gefallen haben: Woman in Cabin 10, Das Chalet und Hinter diesen Türen. Alle sind in einer Form "Locked-Room" Szenarien, dabei macht auch Im dunklen, dunklen Wald keine Ausnahme.

Die sehr isoliert lebende Schriftstellerin Nora erhält eine Einladung zum Junggesellinnenabschied ihrer besten Highschool-Freundin Clare, obwohl sie diese jahrelang nicht mehr gesehen (und nicht vermisst) hat. Aber es gäbe keinen Roman, wenn sie nicht dennoch hinfährt, zusammen mit einer anderen Schulfreundin. Das Haus Im dunklen, dunklen Wald soll mit seiner Glasfassade und Abgeschiedenheit wohl schon Beklemmung auslösen, doch die Anzahl an merkwürdigen Charakteren, allen voran die Ich-Erzählerin Nora, macht von Beginn an klar, was geschehen wird. Offen bleibt nur noch das wie. Denn neben dem Bericht von diesem Wochenende steht ein Erzählstrang, bei dem Nora mit Gedächtnislücken im Krankenhaus liegt - was ist nur geschehen? Die Polizei ermittelt, sagt aber nichts. Sie erinnert sich teilweise, denkt aber nicht nach. Sie erinnert sich ein bisschen mehr, handelt aber kopflos und dumm. Sie schlussfolgert ein bisschen, handelt aber immer noch kopflos und dumm. Am Ende ist sie mehrmals halbtot durch den Wald gerannt, aber immerhin überlebt sie. 
Insgesamt ist der ganze Roman schrecklich vorhersehbar, klischeehaft und man hat die ganze Zeit das Gefühl, das alles doch schon einmal irgendwo gelesen zu haben. Gerade die Einfältigkeit der Protagonistin hat mich massiv gestört, auch die Aufbauschung eines Teenagerdramas von vor zehn Jahren ist als Motiv einfach nicht plausibel. Nicht zu empfehlen, passt aber hundertprozentig zu meinen Einschätzungen ihrer anderen Romane. 

Ruth Ware, Im dunklen, dunklen Wald. DAV 2016.

Saturday, March 14, 2026

Goodreads Winter Challenge - finished!

Parallel to the normal goodreads reading challenge (how many books do you want to read this year?) they implemented more specific challenges. There are twelve bookmarks to be earned for every season, every three months. I finished the "winter challenge". For most categories there was a specific list of books, pre-selected. If you read a book from the list, the bookmark was added. I was able to cross of some with books from my to-read-list, some I especially read for the challenge - sometimes it is nice to leave your comfort zone. 

 


Claire Mitchell + Zoe Venditozzi - How to Kill a Witch

Claire Mitchell and Zoe Venditozzi haben gemeinsam ein Buch geschrieben mit dem Titel How to Kill a Witch mit dem Untertitel A guide to Patriarchy. Wie gut, dass sie dies in ihrem Vorwort erklären.

Beide Autorinnen begannen mit einem Interesse, Frauen im Stadtbild Edinburghs bzw. Schottlands mehr mit Denkmälern und Standbildern zu repräsentieren. Dies führte sie schließlich zum Thema der Hexenverfolgungen, zu dem sie einen erfolgreichen Podcast mit dem Titel Witches of Scotland starteten. Sie recherchierten, knüpften Kontakte zu Geschichts- und anderen Wissenschaftlern und hatten schließlich die Idee zu einem Buch. Das verfolgte zunächst die sarkastische Idee, eine Art Anleitung zu schreiben - von der Identifizierung von Hexen bis hin zur Entsorgung ihrer Körper nach der Exekution. In Teilen folgt das folgende Buch auch noch dieser Idee, ergänzt mit fiktionalen, tagebuchartigen Abschnitten (von Opfern und Tätern) und Berichten von der Recherchetätigkeit der Autorinnen in verschiedenen Bereichen. 
Der Großteil des Buches bezieht sich auf die Hexenprozesse in Schottland (hauptsächlich 17. Jahrhundert) und ihrer Einordnung in den historischen Kontext. Am interessantesten ist unter anderem die Argumentation, dass es natürlich die unbequemen, die auffälligen, aber zugleich wehrlosen Mitglieder der Gesellschaft - meistens Frauen - waren, die leichte Opfer der Verfolgungen waren und in schlechten, politisch unsicheren Zeiten gute Sündenböcke abgaben. Und so zieht sich das Thema der Hexenverfolgungen aus genau diesen Gründen auch in die heutige Zeit. Hier führen die Autorinnen aktuelle Geschehnisse in afrikanischen Ländern an, in denen Frauen als Hexen geächtet, verfolgt und sogar getötet werden. 
Zusammenfassend kommen sie zu dem Schluss, dass durch den aktuellen Bezug und auch durch die weiterhin fehlende Gleichberechtigung (auch in den westlichen Gesellschaften) und Unterdrückung von Frauen der Erinnerung an die Geschichte der Hexenverfolgungen und der Aufklärung über Beweggründe und Zusammenhänge große Bedeutung zukommen muss, um zu verhindern, dass Geschichte sich wiederholt. In ihrem Schlusswort rufen die Autorinnen ihre Leser:innen dazu auf:

"[...] we urge you: embrace the title of 'quarrelsome dame' in your daily lives. Take up space, get involved in grassroots politics, educate people around you what happened during the witch trials and draw the parallel with today. When you are met with resistance, call it out.
Do not let the patriarchy silence you.
We need to make sure we elect those who will actively protect our safety and the rights we have and promote real equality going forward."

Claire Mitchell + Zoe VenditozziHow to Kill a Witch: A Guide for the Patriarchy. Monoray 2025.

Friday, March 13, 2026

Linda Castillo - Brennendes Grab

In Linda Castillos 10. Fall Brennendes Grab um Kate Burkholder im beschaulichen Painters Mill sind wir zu Beginn Zeug:in eines Mordes. Daniel Gingerich, ein junger amischer Mann, wird in eine Sattelkammer eingesperrt, das Gebäude wird angezündet und brennt ab. Auch den Ermittlern ist schnell klar, dass es Brandstiftung war und Kate beginnt, alle zu fragen, mit denen Daniel zu tun hatte. Bald kommt heraus, dass das Bild vom freundlichen, hilfsbereiten Mann nicht stimmen kann - zu viele Mädchen und junge Frauen verschweigen Kate etwas.  
Brennendes Grab zeichnet sich aus durch solide Ermittlungsarbeit und Kates Hartnäckigkeit, ihr Mitgefühl für die besonderes Lebensumstände der amischen Mädchen und Frauen. Auch wenn sie selbstverständlich gegen Ende wieder persönlich in Gefahr gerät, so ist dies plausibel und nicht grob leichtsinnig wie in anderen Fällen. Die Atmosphäre zwischen Kate, ihrem Partner und ihren Kolleg:innen gefällt mir nach wie vor, weswegen ich immer wieder nach Painters Mill zurückkehre.

Linda Castillo, Brennendes Grab. Argon 2019.

Monday, March 09, 2026

Martin Walker - Französisches Roulette

Bruno, Chef de Police, in St. Denis ermittelt in seinem nun schon 13. Fall. Das ist für jede Krimireihe eine große Zahl von Fällen und oft zeigen sich dann Ermüdungserscheinungen. So scheint es, als seien auch Martin Walker die Ideen ausgegangen für plausible Fälle in seinem beschaulichen Perigord. So geht es in Französisches Roulette zwar um einen ungeklärten Todesfall, erste Spuren weisen auf eine betrügerische Versicherungsgesellschaft hin. Dann kippt das Ganze aber und bekommt eine weltpolitische Schräglage mit russischen Oligarchen, Flüchtlingen und ukrainischen Konflikten (der Band erschien 2021, vor dem russischen Angriffskrieg). Plötzlich sind wieder nationale Polizeikräfte/Geheimdienste involviert und Bruno wird quasi zum Handlanger. Dieser Plot geschieht aber bis zum letzten Drittel mehr so "nebenbei". Mehr Erzählzeit, viel mehr Erzählzeit, wird für Einkäufe, Kochen, Ausritte, Schwimmunterricht, dem Bau eines Hühnerstalls und (!) dem Deckvorgang seines Hundes Balzac verwendet. Nebenbei die immer gleiche Leier, dass Bruno Isabelle liebt, aber sie ihren Job mehr liebt. 
Diesmal geriet das ganze wirklich in einer absolutes Ungleichgewicht - wenn man denn (wie ich) eine halbwegs stringente Krimihandlung erwartet. Vielleicht ist es nun also Zeit, die Reihe allein zu lassen. An Johannes Steck gewohnt guter Lesung lag es jedenfalls nicht. 


Martin Walker, Französisches Roulette. Diogenes 2021. 

Saturday, March 07, 2026

Monika Helfer - Die Jungfrau

Ein weiterer Fall von "Popsugar Reading Challenge made me read this": Monika Helfers kurzer Roman Die Jungfrau handelt von der Freundschaft zweier Frauen, Monika, der Ich-Erzählerin, und Gloria. Sie wachsen in Bregenz auf, Monika kommt aus ärmlichen und beengten Verhältnissen, während Gloria nur mit ihrer Mutter in einer Villa und mit viel Geld aufwächst. 
Anlässlich eines Wiedersehens als beide schon 70 Jahre alt sind, schreibt Monika ihre Erinnerungen an ihre Freundschaft auf. Sie springt dabei zwischen Kindheitsszenen, Abenteuern ihrer Teenagerzeit und Betrachtungen über ihre Beziehung allgemein. Dabei kommt in der Retrospektive weder die Freundschaft noch Gloria selbst besonders gut weg, so mein persönlicher Eindruck. Gloria mit der Neigung zur Schauspielerei ist selten ehrlich zu ihrer Freundin, nutzt sie quasi als Projektionsfläche ihres Lebens, das nun recht armselig endet. Beziehungslos (außer der Betreuung durch eine Nichte, die nur auf das Erbe aus ist) und ohne in ihrem Leben gearbeitet oder etwas anderes erreicht zu haben, vegetiert sie - wie ihre Mutter vor ihr - in der Villa vor sich hin. Eines ihrer Hauptthemen: Sie ist noch Jungfrau. Daher der Titel. Monika stellt dem zwei Ehen, die letzte glücklich, und vier Kinder entgegen, Mitleid und eine Art sentimentale Verbundenheit wegen ihrer gemeinsamen Geschichte sind die maßgeblichen Gefühle, die sie für Gloria aufbringt. Kritisch sieht sie auch ihre persönlichen Gründe für die Freundschaft - warum hat sie keine anderen Freundschaften mehr verfolgt, sondern sich nur mit Gloria zusammengetan? Eine definitive Antwort erhalten wir nicht. 
Die Jungfrau ist eine Art zufällig zusammengesetzter Rückblick auf eine Freundschaft, die zwar überdauert hat, aber an deren Qualität man zweifeln kann. 

Monika Helfer, Die Jungfrau. Hanser 2023. 

 

 

Wednesday, March 04, 2026

David Baldacci - Memory Man

David Baldaccis Memory Man ist der erste Band seiner Reihe um Amos Decker, die immerhin sieben Bände umfasst. Deckers Besonderheit ist, dass sein Gehirn nach einem Zusammenstoß beim Football umstrukturiert wurde und er nun synästhetisch denkt und nichts vergisst. Das machte ihn zu einem hervorragend Ermittler, doch der brutale Mord an seiner Familie wirft ihn komplett aus der Bahn, umso mehr, weil der oder die Täter nie gefunden wurden. Für einige Zeit ist er sogar obdachlos, bis er sich wieder aufrafft und als Privatdetektiv kleine Jobs übernimmt, mit denen er sich wenigstens das Nötigste leisten kann. Der Wendepunkt tritt ein, als eines Tages ein Mann in seine alte Polizeiwache tritt und den Mord an Deckers Familie gesteht. Fast gleichzeitig erschießt an der lokalen Highschool jemand mehrere Menschen und entkommt. Die Ermittlungen überschlagen sich und Decker wird als externer Berater angestellt, um mit seinen besonderen Fähigkeiten zu helfen. 
So weit, so gut. Dann findet der Memory Man irgendwie hier einen Hinweis und dort einen Hinweis und dann klickt wieder eine Erinnerung puzzlestückartig an die richtige Stelle. Währenddessen stehen Polizei und FBI und dann auch noch eine zufällig herbeigelaufene Journalistin daneben, sehen und finden nix. Im Prinzip laufen ihm alle hinterher, es ist fast ein bisschen zum Fremdschämen. Das alles wäre vielleicht okay, wenn nicht auch noch die Motive und der Modus Operandi der Täter so unglaubhaft wären. Zugegeben, viele Psychothriller haben einen unglaubwürdigen Plot und Täter, die unfassbar schräge Motive und Denkweisen haben. Sonst wären sie vermutlich keine Serienmörder. Aber hier? Symbolhafte Rachemorde? Und dieser Showdown? Meh. 
Prinzipiell finde ich Amos Decker als Protagonisten nicht uninteressant, aber der Rest des Buches lässt einiges zu wünschen übrig. Die Lesung von Dietmar Wunder allerdings nicht, die hat mich bis zum Ende durchhalten lassen. 

David Baldacci, Memory Man. Random House Audio 2015.

Tuesday, March 03, 2026

Nnedi Okorafor - Binti - Nachtmaskerade

Nach Allein und Heimat bringt Nachtmaskerade die Sci-Fi-Trilogie von NNedi Okorafor zu einem Abschluss. 
Binti ist noch aufgewühlt von der neuen Erkenntnis und Erfahrung, dass sie DNA einer außerirdischen Rasse in sich trägt, die ihr neue Erinnerungen und Kommunikationsmöglichkeiten bringt, als sie von einem Angriff der Khoush auf ihr Himbadorf und ihren Medusenfreund Okwu erfährt. Nun droht wieder Krieg zwischen den Khoush und den Medusen. In dem Glauben, ihre ganze Familie sei tot, eilt sie zurück und ihr bleibt nur das eine Ziel, endlich Frieden zu stiften. Doch der Ältestenrat ihres Dorfes akzeptiert sie nicht mehr, zu andersartig und fortschrittlich ist sie. Allen Unwahrscheinlichkeiten zum Trotz gelingt ihr die Vermittlung zwischen dem König der Khoush und dem Medusenhäuptling, doch etwas geht schief und die Khoush greifen trotzdem an. Binti stirbt. Doch die Autorin zaubert mit den lebenden Raumschiffen, mit denen Binti schon in den ersten beiden Bänden gereist ist, ein Wunder aus dem Hut - und Binti wird gerettet. Allerdings muss sie dafür noch eine Verbindung eingehen und wir erleben das All aus der Sicht eines garnelenartigen Schiffes!

Es sind sehr fantastische Strukturen und Welten, welche die Autorin in ihrer Trilogie erschafft, das ist faszinierend und man würde gern mehr erfahren, länger verweilen. Binti als Protagonistin ist zusammen mit der Leserin ein wenig überfordert mit allem, was geschieht. Ein vollkommen geschlossenes Bild ergibt sich nicht, es entstehen logische Lücken und Fragezeichen. Insgesamt ist es aber ein erzählerisches Feuerwerk, eine wilde Reise - und die kann man genießen, wenn man will. 

Nnedi Okorafor, Binti - Nachtmaskerade. CrossCult 2018.