Jennifer Egan, Der größere Teil der Welt. Schöffling 2013.
Saturday, April 04, 2026
Jennifer Egan - Der größere Teil der Welt
Friday, April 03, 2026
Arthur Conan Doyle - Eine Studie in Scharlachrot
Interessant an diesem ersten Fall ist jedoch die ausführlich dargestellte Hintergrundgeschichte für das Rachemotiv der Morde, die vor dem Hintergrund der frühen Mormonengemeinde von Salt Lake City spielt. Dafür verwendet Arthur Conan Doyle viel Erzählzeit, vielleicht auch um Verständnis für den Mörder zu wecken, der dann gnädig noch vor seinem Prozess an einem Aneurysma stirbt. Ansonsten bietet dieser erste Roman bereits viele bekannte Charakteristiken der folgenden Holmes-Geschichten, auch wenn der Protagonist noch nicht vollständig ausgearbeitet zu sein scheint. Dazu passt aber die bereits angelegte subjektive Erzählperspektive des treuen Dr. Watson, welcher den Detektiv auch gerade erst besser kennenlernt.
Wahre Begeisterung für die Geschichte konnte ich nicht aufbringen - ich kann mich in der Tat nicht erinnern, sie schon vorher einmal gelesen zu haben, wenngleich es interessant war, diesen ersten Band und damit die Anfänge Sherlock Holmes kennenzulernen.
Die Lesung durch Peter Kortz-Frankemoelle hat mir persönlich nicht so gut gefallen, wirkt sie doch streckenweise sehr nüchtern und gleichbleibend. So stelle ich mir Sherlock Holmes eigentlich nicht vor, aber vermutlich ist das nur eine persönliche Präferenz.
Arthur Conan Doyle, Eine Studie in Scharlachrot. Publius 2023.
Simon Beckett - Knochenkälte
Erwartet man in Knochenkälte einen sauberen Kriminalfall mit Ermittlungen, so wird man zwangsläufig enttäuscht. Hier sind das Wetter, Zufälle und marodierende Dorfbewohner die Handlungstreiber, bei denen Hunter nur sein Bestes tut, um den Kopf über Wasser zu halten und maximalen Schaden abzuwenden, damit eine gerechte Aufklärung möglich bleibt. Dennoch entstehen allerhand spannende Momente, in denen Hunter an seine physischen und zum Teil auch moralischen Grenzen kommt. Die Schilderung der düsteren, schneeumtosten Wälder und der dort verborgenen Geheimnisse haben mich durchaus gefesselt. Als Kritikpunkt bleibt, dass die Zusammenhänge am Ende dann durch detaillierte Geständnisse aufgeklärt werden, so dass einiges schon viel früher hätte bekannt sein können. Das ist eine erzählerische Krücke, die mir nicht sonderlich gefallen hat. Erzählstil und der Protagonist sind aber gewohnt überzeugend, weswegen die Reihe auch nach diesem siebten Band nach wie vor zu meinen Favoriten zählt.
Simon Beckett, Knochenkälte. Argon 2026.
Wednesday, April 01, 2026
Kelly Mullen - Die Einladung
Anlass für die Versammlung ist die Einladung von Jane Ireland, die in einem Herrenhaus auf Mackinac Island, Michigan, lebt. Viele der Gäste sind Opfer von miesen Erpressungsschreiben und deswegen dort. Unter ihnen auch die 76jährige Rosemary "Mimi" McLane, die vorsichtshalber ihre Enkelin Addie mitbringt. Diese ist Krimiexpertin und Entwicklerin von Onlinespielen für eben dieses Genre. Natürlich zieht auch der passende Schneesturm auf, der die Gäste im Herrenhaus einschließt. Die Gastgeberin erwischt es als erstes und so beginnen die Befragungen...
Um es kurz zu machen: Prinzipiell ist nichts grundlegend verkehrt an Die Einladung. Die Protagonistinnen sind nicht uninteressant und haben auch privat noch einige Reibungspunkte, die ihre Dialoge und Interaktionen bereichern. Auch die übrigen Charaktere sind bunt gemischt, es gibt geheime Räume und Beweise, die nach und nach entdeckt werden, die Aussagen und Hinweise, die man mit Mimi und Addie zusammen aufdeckt, bauen aufeinander auf. Vielleicht ist das alles zu glatt konstruiert, vielleicht hat man es auch schon zu oft so gelesen, obwohl die Protagonistinnen selbst damit spielen und sich darüber lustig machen, dass das alles wie aus einem Agatha Christie Roman zu sein scheint. Jedenfalls sprang bei mir kein Funke über, entwickelte ich kein echtes Interesse an dem Fall und im Grunde war es mir egal, wie es ausging. Natürlich gut, das war von Anfang an gesetzt. Auch die privaten Probleme und Unstimmigkeiten werden ideal aufgelöst. Tatsächlich hätte dies auch tatasächlich ein Krimicomputerspiel sein können, die Pfade vorgegeben, man muss sich nur hindurchklicken, um ans vorhersehbare Ende zu kommen. Zurück bleibt der Gedanke, dass es an vielen Stellen einfach "besser" und spannender hätte sein können.
Achja: Popsugar made me read this - A book set in Michigan or written by an author from Michigan.
Kelly Mullen, Die Einladung. Mord nur für geladene Gäste. Argon 2025.
Monday, March 30, 2026
Ashley Audrain - Der Verdacht
Blythe ist Tochter und Enkelin zweier disfunktionaler Mütter, beide sind (vermutlich) psychisch krank, vom Leben enttäuscht, und entscheiden sich dagegen, für ihre jeweilige Tochter da zu sein. Liebesentzug und sogar klare Vernachlässigung bestimmen diese Kindheiten. Das alles will Blythe überwinden und sie freut sich maßlos auf ihr erstes Kind. Doch als es zur Welt kommt, fühlt sich das nicht richtig an. Als extrem subjektive Erzählerin kann man ihr nicht so recht trauen, was zuerst da war - ihre eigene, vielleicht durch postnatale Depression ausgelöste Ablehnung der Tochter, oder das schwierig zu deutende Verhalten derselben. Kann ein Kleinkind so planend agieren? Die Mutter ablehnen und destruktives Verhalten zeigen und beim Auftritt des Vaters komplett anders zu agieren? Ist Blythe Wahrnehmung realistisch oder geprägt von eigenen Ängsten und familiären Traumata? Wächst da ein zweigesichtiges Monster in ihrer Familie auf?
Feststeht, Blythe ist in der Lage zu lieben, denn sie erlebt kurzes Mutterglück bei ihrem zweiten Kind, bis dieses im Kinderwagen an einer Ampel in den vorbeifahrenden Verkehr rollt und stirbt. Hatte ihre Tochter zuvor ihre Hand am Griff des Kinderwagens? War es wirklich ein Unfall? Blythe zweifelt an sich und an der Tochter, der Mann sucht sich stillschweigend eine neue Frau und einen neuen Sohn für seine Traumfamilie.
Interessant an Der Verdacht ist die Vielschichtigkeit. Blythe ist eine subjektive, vermutlich auch eine unzuverlässige Erzählerin. Sie zweifelt an sich selbst, ist sich dann wieder sicher über das Böse (oder das Gute) in ihrer Tochter, trifft zweifelhafte Entscheidungen, belügt sich selbst, verweigert professionelle Hilfe, kommuniziert miserabel und vieles mehr. An manchen Stellen kann man entnervt sein darüber, aber es ist auch eine umfassende Darstellung der Komplexität und der allgegenwärtigen Selbstzweifel über die Identität als Mutter und Frau.
Ashley Audrain, Der Verdacht. Penguin 2021.
Saturday, March 28, 2026
Brian Jay Jones - Jim Henson: The Biography
Die Jim Henson Biography von Brian Jay Jones schildert detailreich den beruflichen Werdegang des Ausnahmekünstlers Jim Henson. Natürlich werden auch die persönlichen, familiären Meilensteine beleuchtet, vor allem wird immer wieder seine enge Beziehung zu seinen fünf Kindern hervorgehoben, sie steht aber nicht im Zentrum des Buches.
War man Kind im Zeitraum der 60er bis 80er Jahre, so ist man zwangsläufig mit Jim Hensons Figuren aufgewachsen, sei es mit der Sesamstraße, der Muppet Show oder Fraggle Rock. Dies sind seine bekanntesten Kreationen, wenngleich Henson selbst immer auf der Suche nach kreativem Ausdruck auch jenseits der Muppets/Puppets war, wovon zahlreiche alternative (Film-) Projekte zeugen.
Ich lese selten Biografien, doch diese hat mich berührt. Hensons Figuren und Geschichten sind fester Bestandteil meiner eigenen Geschichte, in gewisser Weise bin ich ein Fan. Es war spannend, herauszufinden, was für ein Mensch dahinter stand. Henson war Workaholic, jonglierte mit verschiedenen Arbeitsbereichen, verschienenen Projekten und Verantwortlichkeiten an mehreren Standorten (hauptsächlich NYC und London). Im Vordergrund stand dabei immer der Spaß, für ihn war es keine Arbeit im eigentlichen Sinne, er war freundlich, gütig, begeisterungsfähig. Am Ende des Buches hatte ich den Eindruck, ihn kennengelernt zu haben, die Schilderung seines plötzlichen Todes im Alter von 53 Jahren wegen einer Streptokokkeninfektion und der Trauer, die dies auslöste, war ergreifend. Meines Erachtens wird Brian Jay Jones mit seiner Biografie Jim Henson und seinem kreativen Vermächtnis in jeglicher Hinsicht gerecht.
Brian Jay Jones, Jim Henson: The Biography. Ballantine 2013.
Friday, March 27, 2026
Robert Galbraith - Der Tote mit dem Silberzeichen
Robert Galbraith, Der Tote mit dem Silberzeichen. Random House Audio 2025.
Sunday, March 15, 2026
Ruth Ware - Im dunklen, dunklen Wald
Der Prompt lautet "A book about a bachelorette trip" - da war ich froh, dass ein Thriller von Ruth Ware mit auf der Liste war (Romance wäre schlimmer). Also kam das Audiobook auf die Liste, auch wenn mir die anderen Bücher, die ich bisher von der Autorin gelesen habe, nicht allzu sehr gefallen haben: Woman in Cabin 10, Das Chalet und Hinter diesen Türen. Alle sind in einer Form "Locked-Room" Szenarien, dabei macht auch Im dunklen, dunklen Wald keine Ausnahme.
Die sehr isoliert lebende Schriftstellerin Nora erhält eine Einladung zum
Junggesellinnenabschied ihrer besten Highschool-Freundin Clare, obwohl sie diese jahrelang nicht mehr gesehen (und nicht vermisst) hat. Aber es gäbe keinen Roman, wenn sie nicht dennoch hinfährt, zusammen mit einer anderen Schulfreundin. Das Haus Im dunklen, dunklen Wald soll mit seiner Glasfassade und Abgeschiedenheit wohl schon Beklemmung auslösen, doch die Anzahl an merkwürdigen Charakteren, allen voran die Ich-Erzählerin Nora, macht von Beginn an klar, was geschehen wird. Offen bleibt nur noch das wie. Denn neben dem Bericht von diesem Wochenende steht ein Erzählstrang, bei dem Nora mit Gedächtnislücken im Krankenhaus liegt - was ist nur geschehen? Die Polizei ermittelt, sagt aber nichts. Sie erinnert sich teilweise, denkt aber nicht nach. Sie erinnert sich ein bisschen mehr, handelt aber kopflos und dumm. Sie schlussfolgert ein bisschen, handelt aber immer noch kopflos und dumm. Am Ende ist sie mehrmals halbtot durch den Wald gerannt, aber immerhin überlebt sie.
Insgesamt ist der ganze Roman schrecklich vorhersehbar, klischeehaft und man hat die ganze Zeit das Gefühl, das alles doch schon einmal irgendwo gelesen zu haben. Gerade die Einfältigkeit der Protagonistin hat mich massiv gestört, auch die Aufbauschung eines Teenagerdramas von vor zehn Jahren ist als Motiv einfach nicht plausibel. Nicht zu empfehlen, passt aber hundertprozentig zu meinen Einschätzungen ihrer anderen Romane.
Ruth Ware, Im dunklen, dunklen Wald. DAV 2016.
Saturday, March 14, 2026
Goodreads Winter Challenge - finished!
Parallel to the normal goodreads reading challenge (how many books do you want to read this year?) they implemented more specific challenges. There are twelve bookmarks to be earned for every season, every three months. I finished the "winter challenge". For most categories there was a specific list of books, pre-selected. If you read a book from the list, the bookmark was added. I was able to cross of some with books from my to-read-list, some I especially read for the challenge - sometimes it is nice to leave your comfort zone.
Claire Mitchell + Zoe Venditozzi - How to Kill a Witch
Beide Autorinnen begannen mit einem Interesse, Frauen im Stadtbild Edinburghs bzw. Schottlands mehr mit Denkmälern und Standbildern zu repräsentieren. Dies führte sie schließlich zum Thema der Hexenverfolgungen, zu dem sie einen erfolgreichen Podcast mit dem Titel Witches of Scotland starteten. Sie recherchierten, knüpften Kontakte zu Geschichts- und anderen Wissenschaftlern und hatten schließlich die Idee zu einem Buch. Das verfolgte zunächst die sarkastische Idee, eine Art Anleitung zu schreiben - von der Identifizierung von Hexen bis hin zur Entsorgung ihrer Körper nach der Exekution. In Teilen folgt das folgende Buch auch noch dieser Idee, ergänzt mit fiktionalen, tagebuchartigen Abschnitten (von Opfern und Tätern) und Berichten von der Recherchetätigkeit der Autorinnen in verschiedenen Bereichen.
Der Großteil des Buches bezieht sich auf die Hexenprozesse in Schottland (hauptsächlich 17. Jahrhundert) und ihrer Einordnung in den historischen Kontext. Am interessantesten ist unter anderem die Argumentation, dass es natürlich die unbequemen, die auffälligen, aber zugleich wehrlosen Mitglieder der Gesellschaft - meistens Frauen - waren, die leichte Opfer der Verfolgungen waren und in schlechten, politisch unsicheren Zeiten gute Sündenböcke abgaben. Und so zieht sich das Thema der Hexenverfolgungen aus genau diesen Gründen auch in die heutige Zeit. Hier führen die Autorinnen aktuelle Geschehnisse in afrikanischen Ländern an, in denen Frauen als Hexen geächtet, verfolgt und sogar getötet werden.
Zusammenfassend kommen sie zu dem Schluss, dass durch den aktuellen Bezug und auch durch die weiterhin fehlende Gleichberechtigung (auch in den westlichen Gesellschaften) und Unterdrückung von Frauen der Erinnerung an die Geschichte der Hexenverfolgungen und der Aufklärung über Beweggründe und Zusammenhänge große Bedeutung zukommen muss, um zu verhindern, dass Geschichte sich wiederholt. In ihrem Schlusswort rufen die Autorinnen ihre Leser:innen dazu auf:
"[...] we urge you: embrace the title of 'quarrelsome dame' in your daily lives. Take up space, get involved in grassroots politics, educate people around you what happened during the witch trials and draw the parallel with today. When you are met with resistance, call it out.
Do not let the patriarchy silence you.
We need to make sure we elect those who will actively protect our safety and the rights we have and promote real equality going forward."
Claire Mitchell + Zoe Venditozzi, How to Kill a Witch: A Guide for the Patriarchy. Monoray 2025.
Friday, March 13, 2026
Linda Castillo - Brennendes Grab
Brennendes Grab zeichnet sich aus durch solide Ermittlungsarbeit und Kates Hartnäckigkeit, ihr Mitgefühl für die besonderes Lebensumstände der amischen Mädchen und Frauen. Auch wenn sie selbstverständlich gegen Ende wieder persönlich in Gefahr gerät, so ist dies plausibel und nicht grob leichtsinnig wie in anderen Fällen. Die Atmosphäre zwischen Kate, ihrem Partner und ihren Kolleg:innen gefällt mir nach wie vor, weswegen ich immer wieder nach Painters Mill zurückkehre.
Linda Castillo, Brennendes Grab. Argon 2019.
Monday, March 09, 2026
Martin Walker - Französisches Roulette
Diesmal geriet das ganze wirklich in einer absolutes Ungleichgewicht - wenn man denn (wie ich) eine halbwegs stringente Krimihandlung erwartet. Vielleicht ist es nun also Zeit, die Reihe allein zu lassen. An Johannes Steck gewohnt guter Lesung lag es jedenfalls nicht.
Martin Walker, Französisches Roulette. Diogenes 2021.











