Saturday, September 12, 2026
Thursday, September 10, 2026
Ann Patchett - Whistler
After being apart for more than 40 years they catch up and realize that the events of that night are not only important to them but tied a connection between them that is easily renewed today. Together, they reflect on what happened in their lives, what choices they made, good and bad ones, and what impact other people's decisions had on them. In remembering and retelling the details of the accident they reconnect not only to themselves but also to other members of their family. Embedded within the plot is a tale that Eddie tells young Daphne to distract her. It is one he had as a book proposal on his desk. Being an editor he knows the power of stories but is not sure if this one - the story of Whistler, a special horse - was a good choice in the situation they are in. Whistler's owner suffers an accident too and is close to dying. While lying outdoors, unable to move (just like Eddie), she sees her favourite dog, an old friend and other people - all of them being dead in real life. Although it is a sad tale there is a good ending to it because of Whistler, the great horse.
While Daphne still has to tell her family the last part of Eddie's and her accident story, Eddie's health takes a bad turn due to leukemia and his old age. Loss, grief and death are recurring themes in Whistler but also love and being known by a person are important topics.
It is not an overly complicated story but the way Ann Patchett intertwines the two perspectives with Eddie and Daphne's relationship then and now is extremely well done. There are symbols and themes that reoccur and relate to one another and add another layer of meaning to the story. Both protagonists are interesting characters, Daphne even more so as she reconnects with her younger self while meeting Eddie again and by telling the story of the accident. The ending is very moving, quiet, but brilliantly done, and made me listen to the last part of the novel for a second time. This audiobook is read by the author, not always the best choice, but she brought her story to life perfectly. I thoroughly enjoyed Whistler.
Ann Patchett, Whistler. Harper 2026.
Saturday, September 05, 2026
Stephen King - Blutige Nachrichten
In "Mr. Harrigans Telefon" arbeitet der junge Craig bei dem alten Mr. Harrigan. Die beiden erleben zusammen die Einführung der ersten iphone Generation, so dass Craig Mr. Harrison bei dessen Begräbnis das iphone mit in den Sarg legt. Craig ruft im Laufe seines weiteren Lebens dieses Telefon an, wobei er mysteriöserweise auf den Anrufbeantworter sprechen kann und Mr. Harrison ihm per Textnachricht und mit Schicksalsschlägen gegen Craigs Widersacher antwortet. Diese Geschichte empfand ich als relativ langatmig für eine Kurzgeschichte.
"Chucks Leben" besticht dagegen durch das dystopische Setting, bei dem Naturkatastrophen und zusammenbrechende Technologie das Leben einschränken, aber in dem Chuck durch Werbeanzeigen, Videos und auf weiteren auffälligen wegen gelobt und gedacht wird. In zwei weiteren Kapiteln wird Chucks Leben erzählt, wobei sozusagen anti-chronologisch aufgedeckt wird, was es mit seinem Tod auf sich hat. Diese Story hat mir wegen des Aufbaus gut gefallen und sie war emotional anrührend.
"Blutige Nachrichten" ist der Grund, warum ich den Band überhaupt gelesen habe. Es handelt sich um eine Geschichte mit Holly Gibney als Protagonistin. Bei einer Fernsehberichterstattung über eine Explosion in einer Schule fällt Holly der erste Reporter vor Ort auf. Er erinnert sie an den Outsider aus dem gleichnamigen Roman, ein Wesen, das sich von den schlechten Emotionen leidender Menschen ernährt. Der Verdacht lässt sie nicht los, dass sie auf ein weiteres dieser Wesen gestoßen ist. Ihr Weg in die Ermittlungen wird ihr dadurch erleichtert, dass bereits andere die Informationen und Beweise zusammengetragen haben, ihr fällt nur noch die Aufgabe zu, mutig zu sein und das Wesen zur Strecke zu bringen. Nebenbei geraten auch wieder ihre Freunde in Gefahr und sie kämpft gegen ihre inneren Dämonen wegen den Konflikten mit ihrer Familie. "Blutige Nachrichten" hat einerseits Längen, was Hollys Psyche und Gedankengänge angeht, andererseits ist der Plot stellenweise verkürzt, was eine gewissen Unausgeglichenheit mit sich bringt. Dennoch war das Wiedersehen mit Holly es wert.
In "Ratte" kämpft Drew Larson mit der Tatsache, dass er zwar ein erfolgreicher Literaturdozent und Verfasser von Kurzgeschichten ist, aber ihm in seinem Leben kein Roman gelungen ist. Als ihm eines Tages eine zündende Idee dazu kommt, zieht er sich in das abgelegene Landhaus der Familie zurück. Das Schreiben gelingt ihm zunächst, gerät aber dann erneut ins Stocken, wie auch schon bei seinen früheren Romanversuchen, was ihn an den Rand eines Nervenzusammenbruchs brachte. Zusätzlich erliegt er einer Grippe und ein heftiger Sturm erschüttert das Haus. In seinem Fieberdelirium sieht er eine Ratte, die ihm einen Deal anbietet - der fertiggestellte Roman gegen den Tod eines Freundes. Drew geht den Deal ein, weil er fälschlicherweise an den nahen Krebstod des Freundes glaubt. "Ratte" spiegelt eindrücklich die Getriebenheit des Autors und seine Bereitschaft, alles für sein Ziel zu opfern, ist beängstigend.
Die vier Kurzgeschichten zeigen Stephen Kings Stärke, überzeugende, vielschichtige Protagonisten in ein paranormales Setting einzubetten und dabei starke Emotionen zu wecken. Insgesamt waren die Geschichten allesamt lesenswert, auch wenn ich den Kurzgeschichten wohl immer einen Roman vorziehen werde. Die Lesung von David Nathan hat den Geschichten wieder einmal besonderes Leben gegeben.
Stephen King, Blutige Nachrichten. Random House Audio 2020.
Saturday, August 22, 2026
Jenny Han - Der Sommer, als ich schön wurde
Ich habe knapp die Hälfte des Audiobooks gehört und lasse dieses Buch nun ziehen. Es ist seicht, das war zu erwarten. Die Gedankengänge, denen Belly sich hingibt, und ihr Verhalten sind schlichtweg nervig. Sie definiert sich nur über die Reaktionen der Jungen auf sich, die Anekdoten ihrer Erlebnisse sind banal und bisher ist auch keine echte Coming-of-Age-Geschichte (wie man bei dem Titel erwarten könnte) erkennbar. Sie wächst nicht, zumindest nicht innerlich, sie wirkt unreif und oberflächlich auf mich, als besonderes Beispiel fallen mir hier die fehlenden Emotionen bezüglich der Krebserkrankung der Freundin ihrer Mutter ein. Auch als sie sich an den Besuch ihrer Freundin im Sommerhaus erinnert, geht es zwischen den beiden nur um die Jungen. Ja, natürlich ist das das Konzept des Buches, aber ein bisschen mehr Charakterstärke hätte man ihr schon geben können anstatt sie sich ständig weinerlich über die Ignoranz der Jungen beschweren zu lassen als alleiniger Lebensinhalt. Jedenfalls gebe ich das Audiobook nun auf, es ist mir die Lebenszeit nicht wert.
Jenny Han, Der Sommer, als ich schön wurde. Audio Verlag München 2022.
Wednesday, August 19, 2026
Fredrik Backmann - Die Gewinner
Die Zutaten des Romans sind dieselben wie zuvor, und das sind nicht wenige: die rivalisierenden Vereine, die Bedeutung eines Sports als Symbol der Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft, Korruption und Gemauschel, der Ehrgeiz, dies aufzudecken, um für sich (oder den favorisierten Verein) Vorteile zu schaffen bzw. das Überleben zu sichern, Freundschaften und - mit zunehmend größerer Bedeutung - die Übergriffe und Vergewaltigungen von jungen Männern auf die jungen Frauen des Romans. Die Vergewaltigung war die Katastrophe im ersten Band, aber das Opfer geht dank intensiver Unterstützung durch die Familie trotz großer Schwierigkeiten und weiterem Mobbing mit gewisser Gerechtigkeit aus der Situation hervor, obwohl sie nicht völlig heil ist und vermutlich niemals sein kann. Dieses Glück einer Chance auf Gerechtigkeit wird nicht allen zuteil und dies nutzt Backman als Triebfeder für die Katastrophe von Die Gewinner. Alle Charaktere des Romans haben Fehler in ihrem Leben gemacht, wir sehen ihnen zu, wie sie neue Fehler machen und auch die alten bereuen. Können Fehler wieder gut gemacht werden? Kann man Ausgleich schaffen für das Schlechte, was man getan hat? Wie vergibt man, wie wird einem vergeben? Und wie entsteht Hass und Zerstörungswut, wie Zusammengehörigkeit und Loyalität? Backman beleuchtet diese Themen in und an seinen Charakteren, facettenreich, meistens interessant und emotional angreifend, nur manchmal etwas langatmig. In dem Bemühen, allen Charakteren den Raum und den Ab- und Anschluss zu geben, den sie verdienen, verliert sich die Geschichte manchmal im Kleinen, wird auch in Details kitschig oder zu symbolträchtig. Man gönnt es diesen besonderen Menschen, dass ihre Geschichte erzählt wird, aber die Stringenz des Plots leidet darunter. Dennoch habe ich das Wiedersehen mit Björnstadt und seinen Menschen sehr genossen und wer die ersten beiden Bände mochte, der wird sich auch auf die emotionale Achterbahnfahrt mit Die Gewinner machen wollen.
Fredrik Backmann, Die Gewinner. Der Hörverlag 2023.
PS: Backman war das Thema Vergewaltigung wichtig, dazu hier noch das passende Zitat aus dem letzten Teil des Romans:
“Parents always think they have to talk to their daughters about
guys. We shouldn’t wear short skirts and shouldn’t go out alone and
shouldn’t get drunk and shouldn’t let guys like us too much. But you
don’t have to talk to us about guys because we already know all that,
for fuck’s sake, because we’re the ones they rape!! Talk to your damn
sons instead!!! Teach them to talk to one another and teach them to stop
one another. Raise just one fucking boy somewhere who can become a head
teacher who understands that when boys pull girls by the hair, it’s the
fucking boys there’s something wrong with. Tell your sons that if they
have to THINK about whether or not they’ve had sex with a girl who
didn’t want it, then they HAVE!!! If you can’t understand if the girl
you’re having sex with wants it or not, then you’ve never had fucking
sex with a girl who wants it. Stop telling your daughters. We already
know it all.”
Tuesday, August 11, 2026
Kazuo Ishiguro - Was vom Tage übrig blieb
Wie Kathy in Alles, was wir geben mussten haben wir einen sehr subjektiven personalen Erzähler: Stevens ist Butler. Damit ist schon viel über ihn gesagt, denn sein Beruf ist es, über den er sich definiert. Der Roman ist eher handlungsarm, auch wenn Stevens ungewöhnlicherweise eine Reise mit dem Auto in den Süden Englands unternimmt. Es ist 1956 und er bekommt das Auto von seinem Dienstherrn geliehen, einem neureichen Amerikaner, der Darlington Hall nach dem Tod von Lord Darlington gekauft hat. Stevens gehört als Butler zum Inventar, tut sich aber schwer damit, sich an die neuen Gegebenheiten mit amerikanischer Lebensweise, Humor und vor allem der geringeren Personaldecke zu gewöhnen. So sind es auch hauptsächlich seine Erinnerungen an seine Dienstzeit unter dem Lord, die den Roman füllen. Im Zentrum stehen immer wieder die Themen Würde und Loyalität, hier sieht sich Stevens in der Rolle eines großen Butlers, wie es sie nur in Großbritannien geben kann. Hinzu kommt die Beschäftigung mit dem politischen Engagement seines Herren in den Jahren zwischen den zwei Weltkriegen. Dieser sympathisierte mit den Deutschen, zunächst hinsichtlich der Lockerung der Reparationszahlungen, später aber auch mit den Nationalsozialisten - als dies herauskam, war Lord Darlington ein geächteter Mann. Diese Tatsache findet Stevens zutiefst ungerecht, wobei er sich der Fehleinschätzungen Darlingtons zwar bewusst ist, diese aber nicht als solche akzeptieren kann, denn er als großer Butler kann keinem Mann gedient haben, der derart befleckt ist. Die Fassade, die Optik muss stets erhalten bleiben. Zutiefst verstörend ist dies, weil Stevens dies auch auf seine persönlichen Beziehungen ausweitet. Er bewundert seinen Vater, auch Butler, als sein großes Vorbild, doch als dieser alt wird und schließlich erkrankt und stirbt, kann er nicht aus seiner Rolle und sich nicht verabschieden - eine herzzerbrechende Szene. Seine Reise, eigentlich ein unnötiger Luxus in seinen Augen, begründet er vor sich selbst auch mit der Tatsache, er könne dann Mrs Benn (ehemals Miss Kenton und Haushälterin auf Darlington Hall) aufsuchen, ob sie vielleicht wieder mit ihm zusammenarbeiten möchte. Unausgesprochen bleibt, dass die beiden eine große Sympathie verband, bei der es Stevens versäumt hat, die nötigen Schritte zu unternehmen, um seinen Gefühlen Ausdruck zu geben. Dies schafft er noch nicht einmal bei der Rückschau auf die zahlreichen Gegebenheiten, in denen Miss Kenton versucht hat, ihm diese Gefühle zu entlocken. So verstreicht auch das Treffen mit ihr in einer geradezu schmerzhaften Sachlichkeit.
Bewunderswert an Was vom Tage übrig blieb ist die sprachliche Kontinuität, die distinguierte Sprache des Butlers, seine Unfähigkeit, sich seinen Emotionen auch nur zu nähern, und seine missgeleitete Vorstellung von Würde, die ihn in einem freudlosen Leben verharren lässt. In der letzten Szene rät ihm ein Unbekannter, nicht an der Vergangenheit festzuhalten, sondern in der Gegenwart zu leben, doch es bleibt ungewiss, ob dies für Stevens im Bereich des Möglichen liegt.
Die exzellente Lesung von Gert Heidenreich passt inhaltlich hervorragend zu diesem Roman und hat beim Hören sehr viel Freude gemacht.
Kazuo Ishiguro, Was vom Tage übrig blieb. Random House Audio 2017.
Monday, August 10, 2026
Samuel Burr - Das größte Rätsel aller Zeiten
In einem parallen Erzählstrang folgen wir Pippa bei den Ereignissen von der Gründung der Gemeinschaft bis zu Claytons Ankunft in Creighton Hall als Baby in einer Hutschachtel.
Auf der Proseite des Romans stehen die illustren, verschrobenen Charaktere, die der Autor zusammenwürfelt, um jede:r auf ihre/seine Weise zum Gelingen der Gemeinschaft und zu Claytons Erziehung beizutragen. Vielleicht kann man auch die durch den Roman verteilten Rätselfragen (im Audiobook natürlich nur eingeschränkt) positiv verbuchen, die sicher zum Miträtseln anregen.
Leider haben mich die beiden Protagonisten der Erzählstränge nicht überzeugt, obwohl sie in ihrer Grundanlage durchaus Potenzial hatten. Clayton ist aufgrund des Aufwachsen unter den ältlichen Rätselmachern ein wenig aus der Welt gefallen, was soweit noch glaubhaft scheint, aber dass dies dazu führen soll, dass er sich der wesentlichen Emotionen (und seiner eigenen sexuellen Orientierung) im Alter von 25 nicht gewahr sein soll, ist nicht plausibel. Pippa startet als starke Persönlichkeit, die sich als Frau unter Männern durchsetzt und ihre Ideen und Träume gegen Widerstände umsetzt. Dann fällt ihr jedoch ein, dass sie doch noch ein Kind will, eigentlich auch einen Mann, aber auf gar keinen Fall kann sie überblicken, dass sie für Finanzielles kein Händchen hat, und führt die Gemeinschaft fast in den Ruin. Damit wird ihre angeblich so hohe Intelligenz und Durchsetzungkraft ad absurdum geführt und auch sie ist als Charakter im Wesentlichen unglaubhaft. Auch finde ich die Grundprämisse des Romans schwierig: Die Pflegemutter Claytons kennt seinen Hintergrund und kann ihm das ersehnte Wissen beschaffen, aber sie hält es vor ihm verborgen, um es dann in einem Rätselspiel posthum zu enthüllen? Das gibt der Botschaft der selbstgewählten Gemeinschaft für das Zusammenleben, die vielleicht sogar vorteilhafter sein kann als die genetische Familie, einen seltsamen, fast grausamen Beigeschmack in dem sonst aber ganz unterhaltsamen Roman.
Samuel Burr, Das größte Rätsel aller Zeiten. Dumont 2024.
Sunday, August 09, 2026
Jacqueline Harpman - Ich, die ich Männer nicht kannte
Insgesamt ist Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman eine sehr dunkle, sehr niederschmetternde Erzählung. Sprachlich hat sie mir nicht sonderlich gefallen, die Gedankengänge sind teils redundant, was aber sicher gewollt ist. Was bleibt übrig in einer derart entmenschlichten Welt? Welche kulturellen Elemente schimmern durch die Not hindurch, wie begegnen sich Frauen unter diesen Bedingungen? Es sind die Fragen, die das Buch ausmachen, weniger die weniger Antworten, die man erhält.
Jacqueline Harpman, Ich, die ich Männer nicht kannte. Klett-Cotta 2026.
Saturday, August 08, 2026
M.L. Stedman - Ein weites Leben
zweiter Roman. Auch dieser spielt in Australien, auf einer Schaffarm im Westen Australiens. Er erzählt vom Schicksal der Familie MacBride, beginnend mit dem fürchterlichen Moment 1958, als der Vater mit seinen zwei Söhnen im Jeep einen durch ein Känguru verursachten Unfall erleidet. Nur der jüngere Sohn Matthew überlebt, allerdings mit schweren Folgen, die längere Therapie benötigen. Doch dies ist nicht der einzige schwere Schicksalsschlag, den die Familie erleidet. Die Tochter Rosie sieht nach der Geburt ihres unehelichen Sohnes keinen Ausweg und springt mit dem Kind in einen Minenschacht. Doch das Baby überlebt und ist Belastung und Hoffnung der Familie zugleich.
Allein dies würde in anderen Romanen bereits völlig für einen Plot ausreichen, doch Stedman mutet den MacBrides und den Nebencharakteren noch einiges mehr zu. So erstreckt sich die Erzählung mit einigen Sprüngen bis in die 2000er Jahre und endet mit positiven Aussichten und einem versöhnlichen Ende.
Es ist eine lange und zum Teil emotional belastende Reise, zu der man in Ein weites Leben aufbricht. Das Schicksal, aber auch menschliches Versagen, Unachtsamkeit und hohe Emotionalität treffen hier schonungslos, aber auch aufrichtig aufeinander. Zeitgleich erleben wir die Historie des australischen Hinterlands authentisch mit, Flora, Fauna und Menschen, was für mich ein interessanter Nebenaspekt war. Einige der Tiefschläge für die MacBrides sieht man kommen und denkt sich „nicht das auch noch“, aber interessant ist dennoch, wie die Autorin ihre Protagonisten darüber hinauswachsen lässt. Nicht immer sofort und offensichtlich, aber die Botschaft tritt deutlich hervor: Auch wenn die Katastrophe übermächtig erscheint, so lohnt es immer, daran zu glauben, dass das Leben weiter lebenswert bleibt und auch wieder Gutes geschehen wird. Trotz der unvermeidlichen Längen, die dieser Roman mit sich bringt, allein wegen der Zeitspanne, den er umfasst, hat mir auch diese zweite Geschichte von Stedman sehr gut gefallen.
M.L. Stedman, Ein weites Leben. Random House Audio 2026.
Thursday, August 06, 2026
Riley Sager - LAKE - Das Haus am dunklen Ufer
In LAKE - Das Haus am dunklen Ufer geht es um die Schauspielerin Casey Fletcher, die nach dem Tod ihres Manns dem Alkoholismus verfallen ist und sich in ihr Haus am Lake Greene in Vermont zurückzieht. Wir haben es also mit einer höchst unzuverlässigen Erzählerin zu tun, die Sorte kann ich meistens nicht gut leiden, aber ich war bereit ihr eine Chance zu geben. Sie beobachtet in ihrem Rausch den See und das gegenüberliegende Haus (mit Glasfassade), in dem Katherine (Ex-Model) und Tom (Boss einer Tech-Firma) wohnen. Sie rettet Katherine vor dem Ertrinken, lernt sie ein bisschen kennen, beobachtet einen Streit zwischen dem Ehepaar, dann verschwindet Katherine spurlos. Achja, hatte ich erwähnt, dass zuvor schon andere Frauen in der Gegend verschwunden waren? Der Plot scheint also recht vorhersehbar. Aber. Und das Aber kam nach ungefähr zwei Dritteln des Romans. Casey enthüllt ihr Wissen über ihren verstorbenen Ehemann (Serienkiller) und ihre eigene Schuld (Mörderin besagten Ehemanns), womit viele der vorangegangenen Andeutungen völlig bedeutungslos werden, aber hinzu kommt auch noch die paranormale Besetzung des Körpers von Katherine durch besagten nicht-toten Ehemann. Ich hätte beinahe den e-reader an die Wand geworfen über soviel Bockmist. Ich habe nur noch zuende gelesen, um zu sehen, wie der Autor den Sch... zu einem plausiblen Ende bringen kann. Es gibt sogar irgendwie auch noch ein Happy End und sie findet aus ihrem Alkoholismus und wie durch Magie sind dann auch die Probleme mit ihrer Familie behoben, blablablas. Über die Sprache habe ich dabei noch gar nicht gesprochen. Puh. Schlimmes, schlimmes Buch.
Riley Sager, LAKE - Das Haus am dunklen Ufer. dtv 2025.









