Saturday, October 23, 2021

Rudyard Kipling - The Jungle Book

This edition of The Jungle Book by Rudyard Kipling ist part of the Stirling Unabridged Classics series. All the books have wonderful illustrations and do their content justice - beautiful edition for book lovers...
Although familiar with Mowgli's story (not only because of Disney, but of course I saw the movie) I didn't know all the stories of The Jungle Book and was surprised by the variety of characters and topics. I am not so fond of the poems but I liked the story telling and the humour in some of the animals' dialogues.
Because of the underlying concepts of colonialism and racism which is to be expected because of Kipling growing up partly in India in the 19th century some aspects in the stories may cause discomfort. But there are also critical voices - animals wanting their freedom back or characters triumphing over their much stronger enemies - in the stories that can compensate for that.
It's a classic worth reading anyway! 
Rudyard Kipling, The Jungle Book. Stirling Unabridged Classic 2007.

Tuesday, October 19, 2021

Neil Gaiman - Niemalsland

Neil Gaiman publizierte Niemalsland (Original: Neverwhere) auf der Basis des Skripts für die gleichnamige TV-Serie (BBC, 1996).

Es handelt von dem eher unauffällig-langweiligen Richard Mayhew, dem eines Tages ein verletztes Mädchen direkt vor die Füße fällt. Er entscheidet sich, ihm zu helfen. Das Mädchen namens Door ist in jeder Hinsicht ungewöhnlich, denn sie entstammt nicht der uns bekannten Realität, sondern aus "Unter-London", einer Parallelwelt, in der die Grenzen der Zeit und Realität verschwimmen und die deutlich gefährlicher ist als Richards bisherigen Leben. Durch seine Begegnung mit Door wird er in die Welt von "Unter-London" hineingezogen und durchlebt mit ihr und einigen anderen schillernden Gestalten ein Abenteuer jenseits aller Vorstellungen. 

"Unter-London" ist eine faszinierende Idee, seine Bewohner und Eigenschaften fantasievoll und einzigartig. Trotz der geschilderten Brutalitäten der zwei Assasinen-Gegenspieler hat auch das Dunkle dieser Welt seine Reize und bildet den Kontrast zu den liebenswerteren Charakteren. Dennoch lässt sich nur schwer sagen, wer gut oder wer böse ist, denn zu fassettenreich sich Gaimans Figuren angelegt und je mehr man sie kennenlernt, desto interessanter werden sie. Den Plot hingegen habe ich nicht immer als stringend empfunden, er hat stellenweise Brüche und die einzelnen Schauplätze wirken etwas gewollt aneinandergereiht, wenngleich sie wunderbar abwechslungsreich und gut beschrieben werden, beispielsweise der Court in der U-Bahn.
Gaiman ist in jeder Hinsicht ein sehr einfallsreicher und lesenswerte Autor, soviel ist sicher. 

Neil Gaiman, Niemalsland. Bastei Lübbe, Mülheim 2016.


Monday, October 18, 2021

Jodi Picoult - Große kleine Schritte

Wieder einmal ein Buch, das eine Kategorie für die Popsugar Reading Challenge erfüllen sollte: A book with an oxymoron in the title - ich fand Kleine große Schritte, unter anderem weil ich die Autorin kannte (andere Challenge, Beim Leben meiner Schwester). Ich wusste nichts über das Buch.

Kleine große Schritte erzählt die Geschichte eines Gerichtsprozesses, in dem die Geburtskrankenschwester Ruth Jefferson (schwarz, verwitwet, alleinerziehend) des Mordes an einem kleinen weißen Baby angeklagt ist. Die rassistischen Eltern des Babys hatten zuvor erwirkt, dass sie aufgrund ihrer Hautfarbe von der Behandlung ihres Kindes ausgeschlossen werden sollte. Ihre Vorgesetzte entspricht diesem Wunsch und verbietet Ruth, das Baby weiter zu versorgen. In einer Situation von Unterbesetzung und einem Notfall bleibt sie aber dennoch mit dem Baby allein, als es zu einem Atemstillstand mit Todesfolge kommt.
Die weiße Pflichtverteidigerin Kennedy McQuarrie versucht in ihrer Verteidigungsstrategie den Rassismus, der bei der Behandlung des Babys eine so große Rolle gespielt hat, auszuklammern, sehr zum inneren Ärger von Ruth - Rassismus habe im Gerichtssaal keine Rolle zu spielen. Geschickt weist Kennedy nach, dass eine Erkrankung, die noch nicht nachgewiesen war, zum Tod des Babys führte, so dass sie den Fall so gut wie gewonnen hat - als Ruth darauf besteht, ihre Wahrnehmung des Vorfalls zu schildern und damit die rassistischen Aspekte doch noch thematisiert werden.
Parallel dazu wird auch noch die Sicht des rassistischen Vaters geschildert, die, obwohl zunächst für den Leser abstoßend, aber dennoch weiterentwickelnd seinen Charakter beleuchtet.
Um die Geschichte zu einem positiven Ende bringen zu können, bedient sich Jodi Picoult meines Erachtens nach eines erzählerisch fragwürdigen Tricks, eine sehr unwahrscheinliche Enthüllung ändert das Mindset des rassistischen Vater und führt zu einer Form der emotionalen Gerechtigkeit beim Leser.

Wie schon bei anderen Romanen zum Thema des amerikanischen Rassismus weiß ich nicht genau, ob ich die Perspektiven genau nachempfinden kann, Europa kämpft mit anderen Formen des Rassismus und der Vorurteile. Nicht weniger ätzend, aber anders.
Der systemische Rassismus, wie man ihn wohl nennt, ist durchaus eine Besonderheit der USA. In vielen der Rezensionen wird gelobt, wie Jodi Picoult diesen ihren Lesern vor Augen führt. In dem Charakter der Kennedy McQuarry vollzieht sich eine Wandlung ihres Verständnisses, obwohl sie beruflich ständig Schwarze verteidigt, aber erst mit Ruth zusammen wirklich versteht. Andere empfinden die Darstellung besonders der Vorkommnis
se im Krankenhaus als unpassend und abstoßend, die Reaktionen im Folgenden also teils als unrealistisch. Nachvollziehbar ist für mich, dass Ruths Stimme vielleicht nicht deutlich genug gehört oder nicht drastisch genug spricht. Vielleicht wird ihre Perspektive erneut von dem überheblichen Recht der Weißen überdeckt, alles am besten beurteilen zu können.
Ähnlich wie bei den unterschiedlichen Rezensionen bleibt auch meine Meinung zwiegespalten. Einerseits legt Picoult hier den Finger in die Wunde - auch offenkundig tolerante Weiße können sich nicht davon freisprechen von dem systemischen Rassismus zu profitieren und weiter zu dessen Erhalt beizutragen. Hier gibt es keine einfachen Antworten - aber es ist richtig zu fragen. Nach der Lektüre von beispielsweise Ta-Nehisi Coates gehen die Fragen der Autorin aber längst nicht weit genug. Aber vielleicht ist es in Ordnung, zumindest Schritte in die richtige Richtung zu gehen - für viele mag es ein wichtiges Buch zu richtigen Zeit gewesen sein, wenn man den vielen positiven Rezensionen glaubt. 

Jodi Picoult, Kleine große Schritte, Audiobuch 2017.

Wednesday, October 13, 2021

Gottfried Keller - Kleider machen Leute

Der Schneidergesellen Wenzel Strapinski aus Kleider machen Leute ist arm und zu Fuß unterwegs, als er von einem Kutscher eingeladen wird, in der leeren Kutsche mitzufahren. So gelangt er nach Goldach, und weil er gute Kleidung trägt und in der Kutsche vorfährt, hält man ihn für einen polnischen Grafen.
Aus verschiedenen Gründen unterlässt er es immer wieder, das Missverständnis aufzuklären und fügt sich in die Rolle, die ihm zunehmend gefällt. Dramatisch wird es, als er sich in die Tochter des Amtsrates verliebt und sie sich verloben. Sein Konkurrent findet heraus, wer er wirklich ist, und stellt ihn auf seiner Verlobungsfeier bloß. Doch der Skandal führt nicht zum gewünschten Erfolg, denn seine Verlobte gibt Wenzel nicht auf und heiratet ihn dennoch. Mit ihrer Hilfe baut er sich eine erfolgreiche Existenz als Schneider auf.

Ich glaube nicht, dass ich Gottfried Kellers Klassiker zuvor gelesen hatte, wenngleich der Inhalt natürlich bekannt ist. Es war relativ kurzweilig anzuhören in der Audiobook-Fassung. Der Wikipedia-Artikel liefert noch einige interessante Bezüge... Eine Klassiker-Leselücke geschlossen.

Tuesday, October 12, 2021

Terry Pratchett - Jingo

Bemerkung zum Titel: Für das englische Jingo bietet LEO zwei Übersetzungen an, Hurrapatriot und Chauvinist. Bei dieser Auswahl vielleicht nicht überraschend, dass weder das eine noch das andere zum deutschen Titel für Terry Pratchetts viertem Scheibenwelt-Roman über die Wache Ankh-Morporks ausgewählt wurde. Fliegende Fetzen gibt allerdings auch nicht viel her. 

Eines Tages taucht eine kleine Insel im Meer zwischen Ankh-Morpork und Al-Khali (der Hauptstadt von Klatsch) auf - natürlich erheben beide Städte/Länder Anspruch darauf und schon bereiten sich alle auf einen Krieg vor - trotz guter diplomatischer Verbindungen und Handelsbeziehungen. Kommandeur Mumm wird von den Kriegstreibern seines Amtes enthoben, bildet aber mit Hilfe der Wache sein eigenes Regiment und begibt sich auf den Weg nach Klatsch, um Schlimmeres zu verhinden.
(mehr zur Handlung hier...) 

Auch wenn der Plot an der ein oder anderen Stelle Lücken hat und oft scheinbar wahllos zwischen den einzelnen Protagonisten wechselt, so sind die Dialoge wie gewohnt voller Ironie und Sarkasmus und führen das Absurd-Sinnlose des Krieges wunderbar vor. Die Anspielungen sind zahlreich und das Setting auf See und im Wüstenstaat Klatsch bietet reichlich Möglichkeiten für die Mitglieder der Wache witziges zu erleben. Es ist sicher nicht der beste Roman über die Wache, aber er macht Spaß - so sehr wie ein Buch über den Krieg eben Spaß machen kann - ein weiterer Beweis für Pratchetts Genialität.
Die Lesung im Original von Nigel Planer ist sehr empfehlenswert.

Saturday, October 02, 2021

Jenny Lawson - Irre glücklich

Das Cover von Jenny Lawsons Buch Irre glücklich zeigt ihren ausgestopften Waschbären, der den Titel wirklich gut illustriert...
 
Ich habe Lawsons Buch ausgewählt, weil ich für meine Popsugar Reading Challenge noch eines brauchte von einem "blogger, vlogger, YouTube video creator, or other online personality". Lawson ist in den USA ausgesprochen erfolgreich und bekannt.
Die Autorin leidet unter anderem unter Depressionen und Angststörungen und kämpft dagegen an mit einer Lebenseinstellung, di zu allen verrückten und ungewöhnlichen Möglichkeiten im Leben ja sagt (zum Beispiel eine Beziehung zu einem ausgestopften Waschbären zu haben). Besonders im häuslichen Dialog mit ihrem Mann, aber auch auf Reisen oder bei Besuchen beim Arzt oder Therapeuten folgt sie impulsiven Gedankensträngen und erzeugt dadurch oft absurde und lustige Situationen. 
Ihre Positivität angesichts ihrer durchaus schwerwiegenden Erkrankung, die sie oft hindert, aus dem Haus gehen zu können, und Selbstmordgedanken auslöst, ist bewundernswert. Sie bietet anderen, die unter Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen leiden, Hoffnung und Empathie. Ihre Erinnerung an die verrückten und besonderen Momente helfen ihr (und vermutlich auch anderen) die dunkelsten Stunden durchzustehen. 
Auch wenn ich diesen Ansatz absolut positiv finde und Bewunderung finde für ihren Mut, ihr "Verrücktsein" so auszuleben, konnte ich die Geschichten selbst leider nicht immer witzig finden. Mir gefiel ihr Ansatz, aber nicht ihr Humor. So habe ich die einige der geschilderten Episoden nur überflogen und quer gelesen, was aber durchaus reicht, um einen Eindruck von Stil und Inhalt zu bekommen. Ich freue mich für jeden, dem dieses Buch hilft!

Jenny Lawson, Irre glücklich. Kailash, München 2016.


Sunday, September 26, 2021

Martin Walker - Provokateure

Provokateure, der siebte Band von Martin Walker um Bruno, Chef de Police, in dem beschaulichen Saint-Denis, beginnt mit einem Leichenfund im Wald. Der Nordafrikaner wurde gefoltert und es stellt sich heraus, dass er ein verdeckter Ermittler war, der in der Dschihadisten-Szene in Toulouse recherchiert hat. Zeitgleich erfährt Bruno, dass in Afghanistan ein autistischer Junge namens Sami aufgetaucht ist, der aus Saint-Denis stammt und nun zurückgeholt werden soll. Noch während Bruno sich um die Rückkehr der Jungen kümmert, der in Afghanistan Bomben gebaut haben soll, wird klar, dass die Mörder auch hinter Sami her sind.
Nun kümmerm sich auch die Geheimdienste um den Fall, auch der amerikanische Geheimdienst schickt eine Agentin, Nancy Sutton. Zwischen ihr und Bruno entwickelt sich bei der Zusammenarbeit eine starke Anziehung.
Während der Anhörungen um Sami um die Frage, ob er Opfer oder Täter, ausgenutztes Kind oder Dschihadist ist, muss sich Bruno auch noch um einen Fall aus dem zweiten Weltkrieg kümmern. Die Halévy Geschwister waren in Saint-Denis versteckt worden, bevor sie nach Israel auswanderten. Nun will die wohlhabende Schwester Maya Halévy sich mit einer großzügigen Spende bei der Kleinstadt bedanken, sofern diese ein entsprechendes Konzept für eine Gedenkstätte oder ein Museum vorlegt. Als Maya nach Saint-Denis reist, wird auch sie plötzlich zur Zielscheibe für die Dschihadisten, die immer noch Sami zum Schweigen bringen wollen, wofür jedes Mittel recht ist.
Es kommt zu einem großen Showdown mit viel Waffeneinsatz, bei dem Nancy schwer verletzt wird. 

Der Band erschien im Original 2014, auf Deutsch erst 2015, nach dem Attentat auf Charlie Hebdo, wodurch die Thematik hohe Aktualität erhielt - muslimische Extremisten, die in französischen Moscheen rekrutieren. Das Thema wird allerdings nur oberflächlich behandelt, die persönlichen Belange und Lebensumstände von Bruno und den Bewohnern der Kleinstadt stehen stärker im Vordergrund. Dies steht in Kontrast zu dem massiven Einsatz von Waffen und Gewalt, zu der es in diesem Band immer wieder kommt. Das mag nicht zu Saint-Denis und zu Bruno passen. Auch der Zweitplot um die jüdischen Geschwister wirkt zum Teil aufgesetzt und fügt sich nicht ins Ganze. Zwar hat mich Provokateure dennoch gut unterhalten, aber der Fall wirkt holprig und nicht immer schlüssig. 

Martin Walker, Provokateure. Diogenes, Zürich 2015.

Saturday, September 25, 2021

Kan Takahama - Zwei Espresso

Kan Takahama ist eine japanische Zeichnerin, Illustratorin und Autorin. Seit 2003 werden ihre Bücher auch international veröffentlicht. 

Die Story von Zwei Espresso ist schnell zusammengefasst: Der französische Comiczeichner Benjamin reist ins japanische Hinterland, um nach einer Japanerin zu suchen, mit der er vor Jahren eine Nacht in Paris verbracht hat. Sie hat ihm damals zu seinem ersten beruflichen Erfolg verholfen, aber nur vage Hinweise auf ihre Identität hinterlassen. Er findet sie daher erst einmal nicht, sondern hilft einem Japaner, der dort im Nirgendwo ein Cafe betreibt, endlich Kaffeekochen zu lernen. Im Gegenzug hilft er ihm bei der Suche...
Der Zeichenstil ist eher europäisch als typisch japanisch, weswegen die Autorin auch bekannt geworden ist. Die schwarz-weißen Bilder sind ansprechend gestaltet (nur die Geräusche sind etwas übertrieben dargestellt, so dass man sie versucht zu übersehen/-lesen). Die Story ist unterhaltsam, aber birgt wenige Überraschungen. Andere Bände der Autorin (wie Der Liebhaber oder Stille Wasser) scheinen - glaubt man den Rezensionen - beeindruckender zu sein.  

Kan Takahama, Zwei Espresso. Carlsen, Hamburg 2016.



Saturday, September 18, 2021

Nikolai Gogol - Tote Seelen

Obwohl Nikolai Gogols Tote Seelen schon lange auf der Leseliste stand, wusste ich bisher sehr wenig über diesen Roman. Bei Librivox ist eine deutsche Aufnahme von Teil 1 und 2 vorhanden, gelesen von Eva K., der man gut zuhören kann.
Mit Satire und Zynismus wird die Geschichte des Pawel Tschitschikow erzählt, der einigen Grundbesitzern auf dem Lande tote Seelen (=Leibeigene) abkauft. Er biedert sich zunächst bei allen gesellschaftlich wichtigen Menschen an, um dann seine Geschäfte abzuwickeln. Die Handlung ist dabei weniger entscheidend als die umfassende Darstellung der korrupten, russischen Gesellschaft. Unverblümt kritisiert er offen russische Eigenarten und gewohnheiten, bindet den Leser stellenweise kumpelhaft in seine Beobachtungen ein und macht sich beständig lustig über seine stereotypen Charaktere.
Das macht über einen gewissen Zeitraum Spaß, in der Tat, aber ich muss auch zugeben, den fragmentierten Roman (für die Details siehe den wikipedia-Artikel) nicht zuende angehört zu haben. Für einen (guten) Eindruck hat es gereicht. 

Nikolai Gogol, Tote Seelen. LibriVox 2017.

Friday, September 17, 2021

Ta-Nehisi Coates - Zwischen mir und der Welt

Ta-Nehisi Coates, amerikanischer Autor und Journalist, geboren 1975, veröffentlichte Zwischen mir und der Welt im Jahr 2015 und erhielt dafür den National Book Award im Bereich Sachbuch. In Briefform erzählt Coates seinem Sohn in teils autobiographischen Episoden, teils in erklärenden Passagen, was es heißt, als schwarzer Mann in den USA zu leben. Sein Fokus liegt dabei auf der rassistischen Gewalt, die seiner Überzeugung und seinen Erfahrungen nach stets präsent und tief in der amerikanischen Kultur verwurzelt ist. "White Supremacy" ist etwas, gegen das Schwarze immer werden ankämpfen müssen, die Ungerechtigkeit ist Teil der amerikanischen Gesellschaft. Sprachlich (und inhaltlich) eindrücklich ist dabei, dass er von der Zerstörung schwarzer Körper spricht - natürlich auch in Bezug auf Polizeigewalt (“The destroyers will rarely be held accountable. Mostly they will receive pensions.”), aber auch in anderen Lebensbereichen und besonders auch im Gefängnis. Seine Beispiele und Erzählungen sind anschaulich, aus meiner europäisch-weißen Sicht musste ich mich trotzdem manchmal anstrengen, die beschriebenen Ungerechtigkeiten als Realität anzuerkennen und so manches Mal schlucken.

An den Brief an seinen Sohn schließt sich ein zweiter Sachteil an, der "Plädoyer für Reparationen" betitelt ist und eine Übersetzung eines Essays aus dem Magazin The Atlantic ist. Am Beispiel des Immobilienmarktes zeigt Coates darin auf, wie Politik und auch die Gesetzgebung über Jahrzehnte Schwarze beim Hauskauf nicht nur benachteiligten, sondern regelrecht ausbeuteten, und was die dadurch entstehende  Einschränkung des Wohnortes für Folgen (Ghettobildung) auf den gesellschaftlichen (Nicht-) Aufstieg hatte. Er greift eine Forderung nach Reparationen für die jahrhundertelange Ausbeutung der Schwarzen auf und führt positive Effekte deutscher Reparationszahlungen für den begangenen Völermord an den Juden an Israel an. Entsprechende juristische Versuche werden jedoch abgeblockt, statt dessen findet weiterhin Ausbeutung und Segregation statt, wofür er erschreckend aktuelle Beispiele anführt. 

Für mich war es kein leichtes Buch, einiges blieb mir fremd. Ich habe aber viel gelernt, eine andere Perspektive eingenommen, Wissensinseln verbunden - eine lohnenswerte Lektüre. 

Ta-Nehisi Coates, Zwischen mir und der Welt. Hanser, Berlin 2014.