In der Kleinstadt Linares findet die alte Nana Reja ein Baby unter einer Brücke. Er hat eine Missbildung - einen gespaltenen Gaumen, wegen dem er vermutlich ausgesetzt wurde. Außerdem ist er von einem Bienenschwarm umhüllt, die Bienen schützen ihn und verletzen ihn nie. Die Familie der Hazienda Morales nimmt den Jungen auf und nennt ihn Simonopio. Der Junge hat besondere Gaben und obwohl er sich nur schlecht verständigen kann, bewahrt er die Familie vor einigem Unheil. Zu dem spät geborenen Sohn Francisco der Familie entwickelt er eine besondere Beziehung. Doch auf der Hacienda leben auch Arbeiter, die der Familie den Landbesitz nicht gönnen und Simonopio für den Teufel halten. Der über Jahre unterdrückte Zorn eskaliert schließlich und führt zur Katastrophe. Zuende erzählt wird Simonopios Geschichte von Francisco, der als alter Mann zur Hacienda zurückkehrt und alles verändert vorfindet, aber sich in seine romantischen Erinnerungen zurückziehen kann.
Das Flüstern der Bienen hatte beträchtlichen Erfolg von seinem Erscheinen 2015 bis heute. Ich kann nachvollziehen, dass die Geschichte dieses besonderen Jungen mit seinen Bienen und seiner vorbehaltslosen Loyalität sehr anrührend, berührend ist. Beide Erzähler jedoch haben einen sehr begrenzten Blick durch die Brille der Gutsbesitzer, die als weitsichtig und sozial-bemüht dargestellt werden. Die Landreformbemühungen und die Auswirkungen des Bürgerkriegs sind klares Feindbild, besonders ersterem wird mit viel Geschick ausgewichen durch Tricks und Kniffe. Die Arbeiter:innen sind entweder treu ergeben und ordnen sich der Familie unter, oder sind der Feind, der aber nicht erkannt wird, weil es natürlich nicht sein kann, dass die durch den Patron so großzügig behandelten Arbeiter sich auflehnen und etwas anderes wollen als ihre Leibeigenschaft. So liegt die Stärke des Romans sicherlich nicht in einer differenzierten Darstellung der geschichtlichen Ereignisse, sondern bei der Darstellung der Charaktere. So ist Simonopio mit seinen erweiterten Sinnen eine interessante Figur, doch kann mich der naive, in seiner Betrachtung eingeschränkte Francisco nicht überzeugen. Auch die als starke Frauenfigur angelegte Mutter Beatrice agiert ihre Trauer und Wut schlussendlich an der Nähmaschine aus, anstatt wirklich etwas zu bewegen. Insgesamt ist dieser Roman mit seinen Wundern und dem magischen Realismus nicht ganz nach meinem Geschmack.
Sofia Segovia, Das Flüstern der Bienen. HörbuchHamburg 2021.









