
Volker Klüpfel und Michael Kobr, Lückenbüßer. Hörbuch Hamburg 2024.

Volker Klüpfel und Michael Kobr, Lückenbüßer. Hörbuch Hamburg 2024.
Ewald Arenz, Alte Sorten. Dumont 2019.
Leonie Swann, Glennkill. Random House Audio 2006.
Versunkene Gräber von Elisabeth Herrmann ist der vierte Fall um den Anwalt Joachim
Vernau und seine Freunde. Zwar arbeitet er nicht mehr mit seiner Ex-Partnerin Marie-Luise zusammen, aber es taucht eine Anwaltskollegin aus Polen auf und sucht Marie-Luise. Es stellt sich heraus, dass sie Jazek, einen gemeinsame Freund, vertritt, der in Polen mit einer Mordanklage im Gefängnis sitzt und seine Unschuld beteuert. Kann Marie-Luise Jazek entlasten oder ist sie am Ende die Schuldige? Vernau ist
entschlossen, sowohl Jazek als auch Marie-Luise zu helfen, und reist nach Polen. Parallel dazu tauchen wir ein in die Vergangenheit im Jahr 1945 mit Flucht- und Vertriebenengeschichten. Die Deutschen haben den Krieg verloren und müssen fliehen, ihr Besitz geht in polnische Hand. Schon bald werden auch weitere Personen in die Geschichte hineingezogen, denn das Weingut, das nun Jazek und seinem Vater gehört, steht im Zentrum der Schicksale von damals und heute.
In Versunkene Gräber gelingt Elisabeth Herrmann die Mischung von Geschichte und Gegenwart, sie weckt Interesse und Anteilnahme für die verschiedenen Perspektiven auf die Vergangenheit. Lediglich die Auflösung und das etwas unglaubhafte Motiv für all die Ereignisse erschien mir im Showdown etwas unpassend. Der Roman hätte auch ein leises Ende vertragen.
Elisabeth Herrmann, Versunkene Gräber. Hörverlag 2013.
Joachim Vernau:
#1 Das Kindermädchen
#2 Die 7. Stunde
#3 Die letzte Instanz
#4 Versunkene Gräber
#5 Totengebet
#6 Requiem für einen Freund
#7 Düstersee
#8 Blutanger
Wie schon im ersten Band, sind der Autorin ihre Charaktere sehr wichtig und besonders Waechter und Hannes Brandl stehen hier im Fokus. Letzterer geht hohe Risiken ein bei seinen Nebenermittlungen, überschreitet seine Kompetenzen und geht bewusst über seine physischen und psychischen Grenzen. Dadurch wird er als Ermittler fast unglaubhaft, denn mit einer Neigung zu so offensichtlichem Fehlverhalten könnte er diesen Job nicht innehaben, schlichtweg unprofessionell, egal, in welchen psychologisch-biografischen Kontext man das einbettet. Waechter ist auch hochgradig problematisch, bleibt aber deutlich menschlich. Am Ende stellt sich die Frage, welche Krise eigentlich die dramatischere war: Der Fall mit seinem fanatischen Mörder oder die Sinn- und Beziehungskrise des Ermittlungsteams. Insgesamt war der Fall schon okay, aber so ganz begeistern konnte mich dieser zweite Band nicht.
Nicole Neubauer, Moorfeuer. Random House Audio 2016.
Mir hat dieser erste Band gut gefallen, eine gute Mischung aus fantastischen Elementen und klassischen Jugendthemen. Die Idee der Gestaltwandler überzeugt, auch wenn der Plot wenig komplex ist. Hier ist schon deutlich, dass die Geschichte als Serie angelegt ist, der Faden soll weitergesponnen werden.
Katja Brandis, Carags Verwandlung. Arena Audio 2018.
Erzählt wird der Roman durch ständige Perspektivwechsel aller Beteiligten. (Beim Audiobook führt dies dazu, dass man besonders auf die Namensnennung zu Beginn jeden neuen Abschnitts achten muss, aber nach einer Weile gewöhnt man sich daran...) Man erhält also weitgehende Einblicke in die emotionale Verfassung und Haltung der Charaktere. Nach und nach werden die Schichten des (Ver-) Schweigens um den Tod des Jungens und die Geschehnisse der Vergangenheit aufgedeckt. Gefallen hat mir die dichte Atmosphäre und die anhaltende Spannung, was am Ende alles aufgedeckt werden wird. Der leicht politische Anstrich mit Bezugnahme auf die Proteste zu Castor-Transporten (Gorleben, Ende der 70er) hat sich mir nicht ganz erschlossen, ebenso die Verortung von Mara in dem freilebigen Christiania. Vielleicht ist ersteres nur dem Setting im Wendland geschuldet.
Insgesamt ist Unter Wasser Nacht ein lesenswertes Romandebut.
Kristina Hauff, Unter Wasser Nacht. DAV 2021.
Iris Wolff, Die Unschärfe der Welt. Klett-Cotta 2020.
Kellerkind ist der erste Band der Reihe um Wächter und sein Team und die Charaktere werden gut eingeführt, sie sind vielschichtig, kontrastreich und interessant. Den Fall selbst empfand ich als eher mäßig spannend, das innere Erleben Olivers empfand ich zum Teil überzogen und es wird auch nicht konsequent zuende geführt, sondern bleibt gewollt ambivalent. Auch die Auflösung hat mich nicht ganz überzeugt. Insgesamt ist aber mein Interesse an den Charakteren geweckt, vielleicht lese ich also noch einen zweiten Band.
Nicole Neubauer, Kellerkind. Random House Audio 2015.
Die szenische Lesung von Eifel-Träume von Jacques Berndorf wird bestimmt durch Dietmar Bärs sonore Darstellung eines unzufriedenen Siggi Baumeister, der nur widerwillig in den neuen Fall einsteigt. Ein junges Mädchen wird tot in einem Waldstück gefunden. Doch der Fundort der Leiche wird nur unzureichend gesichert, so ist lange nicht klar, ob es sich um eine Sexualtat handelt. Baumeister dringt wie gewohnt tief in das Umfeld des Mädchens und den Eifelfilz ein, verschiedene Zusammenhänge sind denkbar. Doch erst als er das ganze aus der Sicht des Opfers und ihrer Freunde betrachtet, findet er den Schlüssel zum Fall.
Es wäre kein echter Eifel-Fall, wenn nicht auch noch Privates ins Spiel käme, so stehen gleich zwei Frauen aus Baumeisters Vergangenheit vor der Tür, Vera und seine Tochter. Emotional kommt er damit und mit dem Fall an seine Grenzen.
Dieser Inszenierung merkt man die Kürzungen deutlich an, hier ergeben sich zwischendurch erzählerische Lücken, wenn man den Stil von Jacwues Berndorf kennt und weiß, wie detailliert seine Fälle sonst erzählt werden. Dies wird aber durch die stimmungsvolle Umsetzung der Charaktere durch die verschiedenen Sprecher und durch die Musikelemente aufgewogen.
Jacques Berndorf, Eifel-Träume. Eichborn 2005.
Tashim Durgun, »Mama, bitte lern Deutsch« : Unser Eingliederungsversuch in eine geschlossene Gesellschaft. Argon 2025.
Thomas Krüger, Es rappelt in der Kiste. Schall und Wahn 2025.
Die teils sehr schönen, aber auch sehr verschachtelten Satzgebilde führen meistens nirgendwohin. Dazu kommt die völlige Abwesenheit einer Handlung. Über weite Teile des Buches passiert nichts, Koldewey liegt mit Bauchschmerzen in seinem Zimmer, Koldewey geht hinaus zur Grabungsstelle und tut dort nichts (die Landschaft wirkt auf ihn). Bei der Fahrt nach Berlin, bei der eine gedanklich halbwegs interessante Parallele zwischen dem immer wieder überbautem Babylon und dem zur Großstadt anwachsenden Berlin errichtet wird, passiert auch fast nichts. Hinzu kommen aneinandergereihte Briefe (immer nur eine Seite des Dialogs) und Listen z.B. mit Chiffren oder Arbeiternamen. Dieses Babel war nicht so sehr sprachverwirrend als vielmehr ein verwirrender Querschnitt intellektuellen Gedankenguts zu dieser Zeit mit absurden und sehr vereinzelt weisen Erkenntnissen, die darin versteckt liegen. Wäre das Buch nicht relativ kurz gewesen, hätte ich es vermutlich abgebrochen. Ich habe Hochachtung vor der Arbeit, die Babel zugrunde liegen muss, aber als Lesende hat es mich nicht überzeugen können und mir wenig Freude bereitet.
Kenah Cusanit, Babel. Hanser 2019.
Ewald Arenz Roman Zwei Leben spielt in einem Dorf in Süddeutschland im Jahr 1971. Roberta ist 20 und hat in der nächsten Stadt eine Schneiderlehre gemacht. Doch anstatt ihre Träume von interessanten Kleidern, Mode und Paris anzugehen, kehrt sie pflichtschuldig auf den Hof der Eltern zurück. Ihre Liebe zum Pfarrerssohn Wilhelm ist ihr Gegenpol zur Arbeit mit Vieh und Acker. Parallel wird zudem die Geschichte von Gertrud, der Pfarrersfrau, erzählt, die sich nichts sehnlicher wünscht, als dem für sie freudlosen Leben auf dem Land zu entkommen.
Arenz entwirft zwei gegensätzliche Frauenfiguren, die schlussendlich aber doch ähnliche Erfahrungen machen und ähnliche Lebensentscheidungen treffen müssen. Mir haben die Figuren und ihre Situationen zunächst gut gefallen: Gertrud, die aus Loyalität heraus nicht aus ihrem Leben ausbrechen will, aber es schließlich tun muss. Roberta, die noch so jung ist, dass sie sich erst vorsichtig herantasten muss, was ein gutes, erfülltes Leben für sie bedeutet. Während Pfarrer und Robertas Eltern nur umrissen werden und als Charaktere keine Bedeutung erlangen, gefällt mir Robertas Großvater als Figur gut. Doch schon bei dem gemeinsamen Nenner der Frauen, nämlich Wilhelm, habe ich Schwierigkeiten. Er ist zu gut, um wahr zu sein, er ist für seine Zeit den Frauen gegenüber sehr rücksichts- und verständnisvoll. Er traut Roberta mehr zu als sie sich selbst, seine Mutter unterstützt er vorbehaltlos. Und das in einem konservativen Umfeld 1971. Ein halbes Wunder von einem jungen Mann, der von beiden Frauen idealisiert wird. Dabei driftet der durchaus tragische Plottwist für meinen Geschmack dann auch zu sehr ins Kitschige ab. Nun erlaubt der Autor seinen Protagonistinnen, Lebensentscheidungen zu treffen, an die sie vorher kaum zu denken wagten. Insgesamt ist Zwei Leben ein durchaus unterhaltsamer Roman mit Einblicken in Ort und Zeit, der aber ungenutztes Potential in Bezug auf die Frauenperspektive (finanzielle Unabhängigkeit, Abtreibung...) hat.
Ewald Arenz, Zwei Leben. DAV 2024.
Zykunov stellt diese Aussagen in typische Kontexte, erläutert sie, beleuchtet mit Hilfe von Studien und anderen Quellen (Nachweise folgen immer am Kapitelende) die Hintergründe und Fakten und hebelt den Bullshit argumentatorisch aus. Dabei schlägt sie einen bewusst leichten Ton an, vieles liest sich wie eine Unterhaltung mit einer guten Freundin, wobei sie oftmals die Gegenargumente vorwegnimmt und das fiktive Gegenüber auflaufen lässt. Zu den meisten Themen hat man eine vage Ahnung, wie die Realität im Jahr 2025 aussieht, allein die Zahlen lassen einen aber mit Kloß im Hals verstummen bzw. durchaus wütend werden. Das Patriarchat lebt und es gibt noch viel zu tun. Dabei lässt die Autorin durchaus gelten, dass Dinge in Bewegung sind, von einer tatsächlichen Gleichberechtigung, gesellschaftlich, rechtlich und finanziell, aber noch lange nicht die Rede sein kann.
Ich würde das Buch allen empfehlen, Männern und Frauen, um den Bullshit zu erkennen und ihm mit Verstand und Faktenwissen entgegentreten zu können. Für junge Mütter sollte es Pflichtlektüre sein, um nicht in die vielen Fallen zu tappen, die die Gesellschaft für sie bereit hält.
Alexandra Zykunov, Wir sind doch alle längst gleichberechtigt. Ullstein 2022.
Ben Kryst Tomasson, Sylter Affären. Aufbau Audio 2016.