Sunday, May 08, 2022

Martha Wells - Tagebuch eines Killerbots

Mit dem Titel Tagebuch eines Killerbots und der Seitenzahl (573) hätte ich wahrscheinlich sonst nie zu Martha Wells' Buch gegriffen - wieder einmal suchte ich aber etwas für die Popsugar Reading Challenge 2022. Es sollte ein Buch sein, dass den Hugo Award gewonnen hat - so landete der Killerbot auf der Liste.

Obwohl ich Science Fiction mag, lag der Roman auch thematisch leicht außerhalb der Komfortzone mit all dem Techzeug, aber ich wurde positiv überrascht. Protagonist der Serie (denn in diesem Band werden die ersten vier Novellen/Kurzromane zusammengefasst) ist der "Killerbot", der sich sarkastisch selbst so nennt. Eigentlich ist er ein Hybrid, als Roboter konzipiert, aber mit menschlichen Komponenten ausgestattet. Gesteuert wird er computerbasiert durch verschiedene Routinen, die ihm ermöglichen als SecUnit für die Sicherheit von menschlichen Klienten zu sorgen, Panzer und integrierte Waffen tun das übrige. Doch diese SecUnit hat ihr firmenbasiertes Überwachungsmodul gehackt und sich damit von bestimmten Aspekten ihrer Programmierung abgekoppelt. Sie versieht weiterhin ihren Job, hat aber gleichzeitig mentale Freiheiten (zum Beispiel das exzessive Anschauen von Unterhaltungsserien). Natürlich birgt die fehlende Steuerung bzw. die langsam zunehmenden Empfindungen, die mit ihrer Freiheit einhergehen, neue Herausforderungen bei der Interaktion mit den menschlichen Klienten. Im Grunde ist diese SciFi-Geschichte also ein hochtechnisierte Coming-of-Age-Geschichte mit einem sehr zynischen, selbstkritischen Protagonisten.
Dazu kommt ein sich durch die vier Bände ziehender Plot von fiesen Großfirmen, die für ihren Profit vor nichts zurückschrecken. Hätte die SecUnit nicht ihren Job extrem gut erledigt, wäre die Gruppe der alternativen, selbstbestimmt lebenden Menschen um Dr. Mensah schon im ersten Band bei ihrer Forschungsmission von ihnen getötet worden. Dr. Mensah kauft deswegen die SecUnit von ihrer Betreiberfirma frei - woraufhin diese erst einmal untertaucht, weil sie nicht weiß, was sie mit ihrem plötzlich gewonnenen Leben anfangen soll. An manchen Stellen geht es zwar etwas zäher voran, viele Seiten, auf denen es darum geht verschiedene Sicherheitsvorkehrungen auszuschalten, aber es gibt auch actionreiche Szenen, die sehr anschaulich geschildert werden und gleichzeitig durch die ironischen Kommentare der kämpfenden SecUnit recht witzig sind. 

Alles in allem bin ich sehr angetan von Tagebuch eines Killerbots und kann es jedem, der Science Fiction nicht komplett von seinem Lesemenü gestrichen hat, empfehlen.

Martha Wells, Tagebuch eines Killerbots. Heyne, München 2019.

Saturday, May 07, 2022

Johannes Mario Simmel - Ein Autobus groß wie die Welt

Johannes Mario Simmel ist ein inzwischen oftmals belächelter Autor, der bei einer bestimmten Generation beliebt und - oft in Buchclub-Ausgaben - Schrankwandregale füllte. Ich kann dazu eigentlich nichts sagen, weil ich nichts von ihm gelesen habe. Bis auf eine Geschichte, die ich als Kind als Hörspiel so oft gehört habe, dass die Wiederbegegnung viel Freude gemacht hat. 

Ein Autobus groß wie die Welt (1951) erzählt die Geschichte einer Kinderverschickung (heute würde man Freizeit sagen...), bei der eine Gruppe von 19 Kindern mit einer Erzieherin und dem Busfahrer aufbrechen, um die Kinder in den Winterurlaub zu bringen. Erstes Highlight - sie nehmen wirklich ein Schaf mit in den Bus! Das hat ein Mädchen als Lamm geschenkt gekriegt und nun soll es vielleicht doch besser nicht mehr im Kinderzimmer wohnen...! Dann dramatische Szenen, als eine Lawine in der Nähe des Busses niedergeht und der Bus festsitzt. Noch viel dramatischer: Eines der Kinder hat Diphtherie und muss zu Fuß ins Krankenhaus gebracht werden, was schließlich dazu führt, dass die Kinder allein im Bus zurückbleiben... 

Die kurze Geschichte hat leicht stereotype Charaktere, was vielleicht nicht anders zu erwarten ist: Der Schlaumeier mit den guten Ideen, der Unruhestifter, der egoistische Dicke usw.  Ungewöhnlich ist, dass die Erwachsenen die Kinder in den Entscheidungsprozess mit einbeziehen und sogar abstimmen lassen. Die Kinder verinnerlichen dies und treffen gemeinsam sinnvolle Entscheidungen. Das ist vielleicht Lernen mit dem Holzhammer, aber dennoch ist es alles in allem eine anrührende und vor allem spannende Geschichte. Mir hat sie als Kind gut gefallen und sie gefällt mir auch heute noch. 


Martin Walker - Grand Prix

In Martin Walkers Serie um Bruno, Chef de Police, geht es selten hauptsächlich um den Kriminalfall, es sind eigentlich idyllische Romangemälde über eine fiktive französische Kleinstadt mit liebenswerten Charakteren und Berichten von gutem Essen und Wein. Es sind Wohlfühlbücher und ich glaube, das macht auch den Erfolg der Serie aus. Auch ich lese/höre sie schließlich deswegen. Leider scheint es auch dafür Grenzen zu geben, denn Grand Prix war für mich ein echter Tiefpunkt der Reihe. 

Es geht um Autos - zunächst muss Bruno als Beifahrer bei einer Oldtimer-Rallye einspringen. Die Schilderung der Straßenbeläge und Kurvenlage war schon mäßig spannend für mich. Persönliches Desinteresse, zugegeben. Dann kommt nach und nach heraus, dass sich der ganze Fall (inklusive zweier Morde) um die Suche nach einem verschwundenen Oldtimer (einem Bugatti 57) dreht. Für mich trotz des Wertes des Fahrzeugs ein eher sehr schwaches Mordmotiv. Nebenbei geht es auch mal wieder um ein bis zwei Jugendliche, die Bruno kraft seiner Person persönlich rettet und die sonst natürlich Berufskriminelle geworden wären. Achja, und die übliche Frauengeschichte - eigentlich heult er Isabelle hinterher, die auch einen plot-technisch völlig unverständlichen Auftritt hat, aber verliebt sich selbstverständlich neu und selbstverständlich auch wieder in eine Frau, die St. Denis und ihn tags drauf wieder verlässt. Am Plot kann ich nicht viel Überzeugendes, nur viel Sentimental-Auto-Schwärmerisches finden, die Auflösung hat mich wenig interessiert. 

Natürlich werde ich dennoch nach St. Denis zu Bruno zurückkehren, aber dieser Band war kein Treffer.

Martin Walker, Grand Prix. Diogenes 2017. 

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