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Thursday, August 06, 2026

Riley Sager - LAKE - Das Haus am dunklen Ufer

Bisher hatte ich nichts von Riley Sager gelesen. Vielleicht hätte mich jemand warnen sollen. Ich spoiler in dieser Rezension den gesamten Plot - wer das also unter Umständen noch lesen möchte, sei gewarnt.

In LAKE - Das Haus am dunklen Ufer geht es um die Schauspielerin Casey Fletcher, die nach dem Tod ihres Manns dem Alkoholismus verfallen ist und sich in ihr Haus am Lake Greene in Vermont zurückzieht. Wir haben es also mit einer höchst unzuverlässigen Erzählerin zu tun, die Sorte kann ich meistens nicht gut leiden, aber ich war bereit ihr eine Chance zu geben. Sie beobachtet in ihrem Rausch den See und das gegenüberliegende Haus (mit Glasfassade), in dem Katherine (Ex-Model) und Tom (Boss einer Tech-Firma) wohnen. Sie rettet Katherine vor dem Ertrinken, lernt sie ein bisschen kennen, beobachtet einen Streit zwischen dem Ehepaar, dann verschwindet Katherine spurlos. Achja, hatte ich erwähnt, dass zuvor schon andere Frauen in der Gegend verschwunden waren? Der Plot scheint also recht vorhersehbar. Aber. Und das Aber kam nach ungefähr zwei Dritteln des Romans. Casey enthüllt ihr Wissen über ihren verstorbenen Ehemann (Serienkiller) und ihre eigene Schuld (Mörderin besagten Ehemanns), womit viele der vorangegangenen Andeutungen völlig bedeutungslos werden, aber hinzu kommt auch noch die paranormale Besetzung des Körpers von Katherine durch besagten nicht-toten Ehemann. Ich hätte beinahe den e-reader an die Wand geworfen über soviel Bockmist. Ich habe nur noch zuende gelesen, um zu sehen, wie der Autor den Sch... zu einem plausiblen Ende bringen kann. Es gibt sogar irgendwie auch noch ein Happy End und sie findet aus ihrem Alkoholismus und wie durch Magie sind dann auch die Probleme mit ihrer Familie behoben, blablablas. Über die Sprache habe ich dabei noch gar nicht gesprochen. Puh. Schlimmes, schlimmes Buch. 

Riley Sager, LAKE - Das Haus am dunklen Ufer. dtv 2025.

Thursday, July 30, 2026

Linda Castillo - Quälender Hass

Man könnte meinen, Amish County würde irgendwann seinen Reiz verlieren, aber irgend etwas bringt mich immer wieder zurück zu Kate Burkholder. In Quälender Hass verliert sie sich glücklicherweise nicht allzu sehr in Selbstzweifeln, sie bleibt hartnäckig an ihrem Fall dran. Und der ist selbstverständlich wieder einmal höchst brutal. Eine amische Großmutter wird mit zahlreichen Messerstichen abgeschlachtet, eine Enkelin entkommt dem Täter verstört, die andere wird entführt. So stehen alle Ermittlungsbeamten unter hohem Zeitdruck, um das Mädchen - und natürlich auch den Mörder - zu finden. Schnell wird klar, dass die Ursprünge des Falls in der Vergangenheit liegen und die Beteiligten geben ihr Wissen nur widerwillig preis. 

Dieser elfte Band von Linda Castillos Reihe weist ein hohes Erzähltempo und mit hohem Spannungsniveau auf. Ein Kritikpunkt ist allerdings die Plausibilität des Motivs hinsichtlich der hohen Gewaltbereitschaft des Täters, besonders vor dem Hintergrund des amischen Glaubenssystems.

Linda Castillo, Quälender Hass. Argon 2019.

Wednesday, July 29, 2026

Louise Penny - Lange Schatten

Armand Gamache und seine Frau sind anlässlich ihres Hochzeitstages in einem alten, aber edlen Hotel mitten in den kanadischen Wäldern. Alles könnte sehr friedlich sein, wenn nicht gleichzeitig die nicht sehr harmonische Familienfeier der Finneys dort stattfinden wird. Zunächst beobachtet Gamache die Familienmitglieder interessiert, schließlich soll auch noch eine Statue zu Ehren des Patriarchen errichtet werden. Doch kurz nach der Enthüllung kippt die Statue von ihrem Sockel und erschlägt eine der Töchter. Ein Unfall kann ausgeschlossen werden, aber was für eine bizarre Mordmethode? Motive lassen sich innerhalb der verkrachten Familien zahlreiche finden, aber das "Wie" lässt Gamache lange keine Ruhe, bis ihm der Besuch bei einem Fest in Three Pines (das Dorf kann ja nicht nicht vorkommen) den Geistesblitz zur Lösung des Falls beschert. 
Lange Schatten bietet die üblichen sympathischen Elemente der Reihe von Louise Penny, mit langem Anlauf, einigen Irrwegen und vielen menschlichen Abgründen. Solide.

Louise Penny, Lange Schatten. DAV 2008.

Sunday, July 26, 2026

Kristina Ohlsson - Die Tote im Sturm

Kristina Ohlssons neue Krimireihe spielt im beschaulichen Südschweden. In der gleichen Nacht in der August Strindberg (nein, nicht der berühmte Autor, wie er selbst mehrfach erklären muss) in dem kleinen Ort Hovenäset ankommt, verschwindet Die Tote im Sturm. Nachdem ihr Mann Agnes Eriksson vermisst gemeldet hat, starten Polizistin Maria und ihre Kollegen die Suche und ihre Ermittlungen, kommen jedoch kaum weiter, weil es keine Spuren zu geben scheint. 
Die Erzählung wechselt zwischen mehreren mehr oder wenig Beteiligten, der Familie Eriksson, einer befreundeten Familie, Maria und August. Der Untertitel des Romans "August Strindberg ermittelt" ist eher irreführend, denn August hat gar keine Ambitionen zu ermitteln, er gerät nur durch seine außergewöhnliche Situation mitten ins Geschehen. Er hat nämlich das Gebäude eines alten Bestattungsunternehmen erworben, um dort einen Second-Hand-Laden zu eröffnen und sein altes Stockholmer Bänkerleben hinter sich zu lassen. Er wohnt außerdem in einem Haus mit finsterer Vergangenheit, denn vor 30 Jahren wurde dort die zerstückelte Leiche einer ebenfalls zunächst vermissten Person gefunden. Das findet er aber erst nach zahlreichen mysteriösen Bemerkungen und Andeutungen heraus. Zudem bieten ihm einige der Anwohner Dinge zum Verkauf an, die alle irgendwie mit den Geschehnissen damals und/oder heute zu tun haben. Er ermittelt also weniger, sondern ihm werden die Dinge vor die Nase gehalten, sodass er sich zwangsläufig damit beschäftigen muss. Praktisch aber auch, dass er Maria sehr sympathisch findet, wenngleich die erst noch durch einen Kollegen von dem gewalttätigen Ehemann getrennt werden muss (weil sie selbst es nicht hinbekommt, argh!). Dazu kommt noch ein höchst problematisches Liebesverhältnis und einige sehr gestörte Familiendynamiken. Alles in allem wirkt Die Tote im Sturm ein bisschen zu überladen auf der emotional-sozialen Seite und ein bisschen blass bzw. zu konstruiert in Bezug auf den Kriminalplot. Auf der Plusseite würde ich - neben dem Setting in dem wilden, schwedischen Kaff - den Protagonisten August verbuchen, der ausreichend anders und skurril ist, um vielleicht in den nächsten Bänden eine gute Figur abzugeben, so ganz ausgereift ist dieser erste Band aber nicht. 

Kristina Ohlsson, Die Tote im Sturm. DAV 2022. 

Friday, July 24, 2026

Jean-Luc Bannalec - Bretonischer Glanz

Bretonischer Glanz ist nun schon der 15. Fall um Kommisar Dupin, leider merkt man ihm dies auch an. Diesmal wird in Roscoff gemordet und gegessen. Es geht um ein Krimifestival, eine Fährgesellschaft und die Roscoff-Zwiebeln. Dupin muss den Fall übernehmen, weil der zuständige Beamte vor Ort in den Ruhestand geht. Dennoch kennt er sich ein wenig aus, denn er kommt öfter mit seiner Frau Claire in den Ort. Der Plot überzeugt leider nicht: Zwar geht Dupin systematisch vor und führt ein Gespräch mit den Beteiligten nach dem anderen, immer wieder unterbrochen vom Klingeln des Telefons, wenn der nächste dramatische Zwischenfall/Mord geschieht. Dann setzt er wieder neu an mit den Gesprächen, kommt nicht weiter, der nächste Zwischenfall, ... Schließlich nimmt der Autor ihn mit Hilfe einer Holzlatte hinterrücks aus dem Rennen, so dass er mit einer Gehirnerschütterung im Hotelbett bleiben muss -  damit dann die Lösung des Falls Deus ex Machina aus dem Nachbarzimmer herüberkommen kann. Das konnte mich trotz einer gewissen Anhänglichkeit an Setting und Charaktere nicht überzeugen und war gelinde gesagt etwas langweilig. 

Jean-Luc Bannalec, Bretonischer GlanzKiepenheuer & Witsch 2026.

Thursday, July 16, 2026

Kathy Reichs - Die Spur der Angst

Kathy Reichs hat mit Die Spur der Angst den 24. Band einer vormals großartigen Reihe um die forensische Anthropologin Tempe Brennan veröffentlicht. Was war daran großartig? Die Protagonistin, die sich mit wissenschaftlicher Akribie und viel Anteilnahme den unidentifizierten Toten widmete, überzeugte durch Wortwitz, Empathie und ihrer Fähigkeit, sich gegen die vor männlichem Ego strotzenden Ermittler zu behaupten und mit ihnen gut zusammenzuarbeiten. Dazu kamen spannende Fälle, bei denen man sich dem Täter Schritt für Schritt näherte mit solider Ermittlungsarbeit. Die Nebencharaktere wurden nach und nach ausgestaltet und wuchsen den Lesenden ans Herz, inklusive Katze Birdy und dem Chowchow. 

Was Die Spur der Angst bietet, ist leider ein schwacher Abgesang darauf. Während die ursprüngliche Idee eines Täters, der zunächst Tierkadaver makaber dekoriert und dann in seinen weiteren Taten eskaliert, recht interessant ist, verschwimmt dieser Fall in einem Gemisch aus Familiengeplänkel, nutzloser Auseinandersetzung mit dem leicht abstoßenden Detective Slidell und Tempes hirnlosem und ignorantem Verhalten. Schon in einigen der letzten Bände rannte sie im Showdown kopflos in die Falle, hier geht sie nachts allein ihren Kater suchen, obwohl sie weiß, dass ein Killer und ein Stalker unterwegs sind. Die persönlichen Probleme ihrer Familienmitglieder werden von ihr ignoriert und abgetan, es bleibt wenig übrig von ihrer Empathie und Besonnenheit. Die Forensik und die Wissenschaft bekommt keinen Raum in diesem Fall, stattdessen muss man ausführlich psychologischen Gemeinplätzen und philosophischen Ideen über das wahre Böse beiwohnen. Über die Auflösung des Falls will ich besser nichts sagen - nur so viel, dass er mit dem Rest des Romans fast nichts zu tun hat. 
Es tut mir wirklich leid um diese Protagonistin und eine meiner Lieblingsreihen, aber es ist nun einmal kein gutes Buch. 

Kathy Reichs, Die Spur der Angst. Random House Audio 2026.

 

Sunday, July 05, 2026

Lars Kepler - Der Nachtgänger

Im zehnten Band der Reihe um Joona Linna kehrt das Autorenduo Lars Kepler (alias Alexander and Alexandra Coelho Ahndoril) in gewisserweise thematisch zum ersten Band Der Hypnotiseur zurück. Den Einstieg damals in die Reihe fand ich nicht ganz so gelungen, aber inzwischen ist einem Joona irgendwie ans Herz gewachsen, wie das bei manchen Krimireihen so ist, wobei diese zusätzlich auch noch ausgesprochen brutal ist. 
Da macht auch Der Nachtjäger keine Ausnahme: Diesmal werden die Opfer des Serientäters mit einer Axt brutal zerstückelt - nicht nur ein bisschen... Beim ersten Fall wird ein junger Mann verdächtigt, der am Tatort, einem Campingwagen, schläft und erst von den Polizisten geweckt werden muss. Nach einigem Hin und Her kann etabliert werden, dass er Schlafwandler ist (Originaltitel Sömngångaren) und wird fortan als Hauptzeuge betrachtet. Um seine Aussage zu bekommen, ist Erik Berg, der Hypnotiseur, zur Stelle und in mehreren Sessions kann der Zeuge tatsächlich Hinweise geben, wer der Täter ist. Es wird mit den verschiedenen Ebenen von Traum und Schlaferwandel-Erinnerung gespielt, vieles bleibt erklärlicherweise vage, und Joona folgt auch falschen Spuren, die den Täter aber immer mehr in die Enge treiben. Parallel verändert sich der Schlafwandler von einem unsympathischen Kotzbrocken zu einem verantwortungsvollen Menschen. 
Wenn man, wie ich, die sehr blutig-detailreichen Schilderungen der Zerstückelungen ausblendet, so bleibt eine Geschichte mit einem etwas erzwungenen psychologischen Hintergrund (Motiv), einem gewohnt temporeichen Fall mit fähigen Ermittlern (leider ohne Saga Bauer) und erneut einem überzogenen Showdown (Schneesturm). Muss man mögen. 😉 

Lars Kepler, Der Nachtjäger. Lübbe Audio 2025.

Tuesday, June 30, 2026

Tess Gerritsen - Die Sommergäste

Nach dem Ende der Rizzoli und Isles Serie von Tess Gerritsen hat sie mit dem Martini-Club eine neue Reihe geschaffen. Mit Die Spionin legte sie bereits das Setting in eine beschauliche Kleinstadt in Maine namens Purity. Die Protagonisten sind eine Gruppe von Ex-CIA-Agent:innen, die als Nachbarn und Freunde regelmäßig Buchclub-Treffen abhalten, bei denen scheinbar aber mehr gegessen und getrunken als gelesen wird. Im zweiten Band sind es Die Sommergäste des touristischen Puritys, die in den Fokus der Gruppe geraten. Ein Mädchen verschwindet spurlos aus dem Sommerhaus am See seiner wohlhaben Familie. Die Spuren sind verwirrend und leiten sowohl den Martini-Club als auch die ermittelnde Polizeichefin in spe Jo Thibodeau auf diverse falsche Fährten, von denen die meisten etwas mit der offenkundig dunklen Vergangenheit der Familie zu tun haben. 

Die Sommergäste
wird aus verschiedenen Erzählperspektiven erzählt, nicht nur Maggie Bird als zentrales Mitglied des Martini-Clubs, sondern auch Jo aus ihrer polizeilichen Perspektive oder auch die Mutter des verschwundenen Mädchens kommen zu Wort. Dadurch wird stellenweise das Erzähltempo gebremst oder auch vorangetrieben, die Nebenschauplätze und falschen Fährten bekommen ihren Raum und schaffen eine spannende Atmosphäre, mehr als ich das im Vorgängerband wahrgenommen habe. Und auch wenn es humorvolle Szenen der pensionierten Agenten mit einer guten Portion Selbstzweifel im Wechsel mit strotzendem Selbstbewusstsein gibt, so hat der Fall doch eine bessere Dichte als Die Spionin. Inzwischen habe ich auch Sympathien für die Charaktere und die Atmosphäre des beschaulichen Purity entwickeln. Bald erscheint Band 3, vermutlich im August 2026. 

Tess Gerritsen, Die Sommergäste. DAV 2025.

 

Wednesday, June 24, 2026

Volker Klüpfel und Michael Kobr - Lückenbüßer

In seinem 13. Fall ist Klufti immer noch Interims-Polizeipräsident und bei seiner erste Anti-Terrorübung in den Bergen wird plötzlich ein Kollege tot aufgefunden. Ein Unfall oder Mord? Die Ermittlungen laufen an, aber Kluftinger ist oft abgelenkt, denn er kandidiert für den Gemeinderat. Er ist der titelgebende Lückenbüßer, um die Liste der Partei zu füllen. Doktor Langhammer kandidiert für die Gegenseite, so kommt es zum üblichen Gerangel zwischen den beiden, bei dem man sich nicht entscheiden kann, ob man von Langhammers Arroganz oder Kluftis Dummdreistigkeit genervter ist. Es ist wieder der schon in den Vorgängerbänden vorherrschende Klamauk, wobei Kluftis Antworten und Ahnungslosigkeit im Interview zu aktuellen Themen eher zum Fremdschämen als zum Lachen anregen. Ich bringe diesen Charakter, der phasenweise in den Fällen schlau kombiniert, nicht mit diesem Dorfdeppen von altem weißen Mann zusammen, der sich dafür feiert, dass er für seine Frau ein Fertigmenü aufwärmt. Noch schlimmer, dass diese ihn auch noch für das leckere Essen lobt. Immerhin positionieren die Autoren Klüpfel und Kobr ihren Protagonisten deutlich gegen Nazis und die AfD, auch wenn Gleichberechtigung oder Nachhaltigkeit Fremdwörter für Klufti bleiben. Die Aufklärung des Mordes mäandert so neben dem Wahlkampfgeplänkel her und wird am Ende recht unspektakulär abgeschlossen. Gewohnt hervorragend ist die Umsetzung des Romans in der Lesung von den Autoren und Martin Umbach, so dass man Freude an den Dialogen haben kann. 

Volker Klüpfel und Michael Kobr, Lückenbüßer. Hörbuch Hamburg 2024. 

Thursday, June 18, 2026

Michael Kobr - Sturm über Christiansø

In Michael Kobrs Sturm über Christiansø ist der Bornholmer Ermittler Lennart Ipsen in die Inselhauptstadt Rønne umgezogen. Eigentlich geht es gerade gemütlich zu, Lennart drückt sich vor dem Üben für seine Segelscheinprüfung, zu der ihn seine Tochter überredet hat, und sein Vater hat einen Besuch angekündigt. Doch dann wird die Umweltaktivistin Anna als vermisst gemeldet: Sie hat sich intensiv für den Vogelschutz eingesetzt und dabei sieht sie den Windpark vor der Küste Bornholms als Bedrohung für die Tiere. Die Ermittlungen führen dabei auch auf die Erbseninsel nördlich von Bornholm, wo Annas Familie ansässig ist. 
Durch den vorangestellten Prolog wird dem Roman einiges an Spannung genommen, denn so ist im Grunde das Motiv klar, bevor überhaupt ein Verbrechen begangen wird. Ansonsten ist die Ermittlung weitgehend solide aufgebaut, Schritt für Schritt folgen Lennart und sein Team den Hinweisen und befragen die Beteiligten. Eingestreut sind wie immer einige Wohlfühlannekdoten zu den inzwischen liebgewonnenen Charakteren. Auch die Schilderungen der Insel und ihrer Landschaften und Eigenarten, diesmal inklusive der Ærtholme (also Christiansø und Frederiksø, wobei der Name von ært, dänisch für Erbse, stammen soll), sind nach wie vor ein Plus der Reihe. Die Lesung von Axel Milberg ist gewohnt überzeugend.


Michael Kobr, Sturm über Christiansø. Hörverlag 2026.

Lennart Ipsen Reihe: 

Sonne über Gudhjem, 2023
Nebel über Rønne, 2024
Schatten über Sømarken, 2025
Sturm über Christiansø, 2026 

 

 

 

Saturday, June 06, 2026

Leonie Swann - Glennkill

20 Jahre nach dem ersten Erscheinen ist Leonie Swanns Schafskrimi Glennkill verfilmt worden (The Sheep Detectives), weswegen auch der Roman wieder Aufmerksamkeit erhält. Ich hatte es vor Jahren gelesen, erinnerte mich aber nur noch daran, dass ich die wolligen Charaktere sehr liebenswert fand, aber nichts mehr von der Story. Nach dem Hören des von Andrea Sawatzki liebevoll gelesenen Audiobooks würde ich genau das sagen: Die Schafe mit ihren Eigenarten und Gedankengängen sind definitiv das Plus dieses Krimis, die ungewöhnliche Perspektive macht den Plot erst möglich, der sonst vermutlich niemanden wirklich umgehauen hätte. Die Wiederbegegnung hat Spaß gemacht.

Leonie Swann, Glennkill. Random House Audio 2006.

Friday, June 05, 2026

Elisabeth Herrmann - Versunkene Gräber

Versunkene Gräber von Elisabeth Herrmann ist der vierte Fall um den Anwalt Joachim Vernau und seine Freunde. Zwar arbeitet er nicht mehr mit seiner Ex-Partnerin Marie-Luise zusammen, aber es taucht eine Anwaltskollegin aus Polen auf und sucht Marie-Luise. Es stellt sich heraus, dass sie Jazek, einen gemeinsame Freund, vertritt, der in Polen mit einer Mordanklage im Gefängnis sitzt und seine Unschuld beteuert.  Kann Marie-Luise Jazek entlasten oder ist sie am Ende die Schuldige? Vernau ist entschlossen, sowohl Jazek als auch Marie-Luise zu helfen, und reist nach Polen. Parallel dazu tauchen wir ein in die Vergangenheit im Jahr 1945 mit Flucht- und Vertriebenengeschichten. Die Deutschen haben den Krieg verloren und müssen fliehen, ihr Besitz geht in polnische Hand. Schon bald werden auch weitere Personen in die Geschichte hineingezogen, denn das Weingut, das nun Jazek und seinem Vater gehört, steht im Zentrum der Schicksale von damals und heute. 
In Versunkene Gräber gelingt Elisabeth Herrmann die Mischung von Geschichte und Gegenwart, sie weckt Interesse und Anteilnahme für die verschiedenen Perspektiven auf die Vergangenheit. Lediglich die Auflösung und das etwas unglaubhafte Motiv für all die Ereignisse erschien mir im Showdown etwas unpassend. Der Roman hätte auch ein leises Ende vertragen. 

Elisabeth Herrmann, Versunkene Gräber. Hörverlag 2013.

Joachim Vernau:
#1 Das Kindermädchen
#2 Die 7. Stunde
#3 Die letzte Instanz
#4 Versunkene Gräber
#5 Totengebet
#6 Requiem für einen Freund 
#7 Düstersee
#8 Blutanger 

Sunday, May 31, 2026

Janice Hallett - Der Twyford Code

Das Bemerkenswerteste an Der Twyford Code von Janice Hallett ist sicherlich seine ungewöhnliche Form. In lautsprachlichen Transkripten von Audioaufnahmen auf einem alten iPhone4 erzählt Steven Smith die Geschichte des Twyford Codes. Adressiert sind diese Aufnahmen an seinen Sohn und seine Bewährungshelferin. Stevie hat so einige Gefängnisaufenthalte hinter sich, bedingt durch seine Mitgliedschaft in einer Londoner Gang, war Analphabet und hat erst kürzlich bei einem Gefängnisprogramm lesen gelernt. Nun will er ein geregeltes Leben führen und sehnt sich nach Kontakt zu seinem ihm fremden Sohn. Dieser lehnt dies jedoch ab - deswegen nimmt Stevie seine weiteren Gedanken auf dem alten Handy auf. 
Inhaltlich geht es um seine Lebensgeschichte und was ihn auf den falschen Weg gebracht hat, aber auch um das Mysterium eines Kinderbuches von der fiktiven Autorin Edith Twyford, das er als Kind in einem Bus fand. Verknüpft ist dieses Buch mit Erinnerung an seine Lehrerin Miss Trout, die überzeugt war, dass es den Schlüssel zu einem Code enthielt. Kurz darauf verschwand Miss Trout spurlos und Stevie geriet auf die schiefe Bahn. 
Die Audiotranskripte erzählen einerseits die spannende Geschichte einer Spurensuche, sind gespickt mit geheimen Hinweisen, unter anderem in Buchtexten versteckten Akrostichons, andererseits geht es auch immer um Freundschaft, Loyalität und Familienbande. Am Ende kommt schließlich, auch in Form von Sprachnachrichten, Stevies Sohn zu Wort, der als Mathematikprofessor den Hinweisen in den Audioaufnahmen seines Vaters zu folgen versucht. 
Wie eingangs bereits festgestellt, ist die Form des Romans ungewöhnlich - das ist anfangs fesselnd, aber in der Gesamtheit auch etwas ermüdend. Die bewusst eingebauten Schreibfehler durch falsche Transkription stören den Lesefluss, haben aber natürlich ihre Bedeutung. Hier ziehe ich den Hut vor der Übersetzerin Stefanie Kremer, denn die in gewisserweise relevanten "Fehler" und auch die Akrostichons waren sicher eine besondere Herausforderung bei der Übersetzung. 
Einige von Stevies Aufnahmen waren verwirrend, wie sich herausstellte, so gewollt, um die Wendung am Schluss plausibel zu machen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob mir die ursprüngliche Geschichte mit den Verschwörungen und Codes der unliebsamen Kinderbuchautorin nicht besser gefallen hat als der zugegeben clevere Plottwist. Das Erzähltempo schleppte sich im Mittelteil ein wenig dahin, aber insgesamt ist Der Twyford Code ein interessanter, andersartiger Roman. 

Janice Hallett, Der Twyford Code. Atrium 2024. 

Saturday, April 18, 2026

Lisa Jewell - Kein Hauch von Wahrheit

Lisa Jewells Thriller Kein Hauch von Wahrheit trägt seine Prämisse im Titel - den Aussagen der Protagonisten ist nicht zu trauen. Podcasterin Alix feiert in einem hippen Londoner Restaurant ihren 45. Geburtstag - genauso wie die eher unscheinbare Josie, die dort mit ihrem Ehemann zu Abend isst, der eher wie ihr Vater aussieht. Aus der Zufallsbegegnung mit dem "Geburtstagszwilling" entwickelt sich ein zutiefst düsteres Verwirrspiel von (un)wahren Erzählungen und Erfindungen, als Josie vorschlägt, Alix solle einen Podcast über sie und ihr Leben machen.  
Erzählt wird chronologisch, mal aus der Perspektive von Alix, mal aus der von Josie, durchbrochen aber durch vorweggenommene "Einblendungen" einer Netflix-Dokuserie, die auf der Basis ihrer Geschichte gedreht werden wird und die verschiedene Podcast-Aufnahmen anderer Personen einschließt. Das ist nicht so verwirrend, wie es klingt, denn eigentlich macht die Autorin durch bedeutungsschwangere Andeutung und Alix' "Bauchgefühl" von Anfang an klar, dass Josies Geschichte nicht die Wahrheit ist. Diese entwickelt eine Geschichte von ihrer eigenen Verführung als Minderjährige durch ihren jetzigen Ehemann, der sich auch an weiteren Mädchen und seiner eigenen Tochter vergriffen haben soll. Alix ist entsetzt über die Teilnahmslosigkeit, mit der Josie von diesen Taten berichtet, greift aber dem Podcast zuliebe nicht ein, sie tut nichts. Dabei erschleicht sich Josie immer mehr Zugang zu Alix' Leben, bis schließlich alles - wie geplant? - eskaliert. 

Ja, Kein Hauch von Wahrheit erzeugt eine gewisse voyeuristische Spannung. Man weiß, dass gruselige Dinge geschehen sind, geschehen werden, nur lässt die Autorin lange darauf warten. Beide Protagonistinnen sind unzuverlässige Erzählerinnen, man kann ihnen nicht trauen, man weiß, dies alles ist nicht die Wahrheit. Ja, es kommt zu einer Auflösung, einer Aufdeckung der Gräueltaten, aber dies bleibt zutiefst unbefriedigend, zumal die Schuldige entkommt und sogar noch das Schlusswort erhält. Die Themen Missbrauch von Minderjährigen, Gewalt in der Ehe und Alkoholismus sind präsent, werden aber unter den Teppich gekehrt. Die eine würde den Alkoholismus und die Unzuverlässigkeit des Gatten liebend in Kauf nehmen, wenn sie ihn wiederbekäme - der Missbrauch steht im Raum, aber niemand thematisiert, wie sehr alle Beteiligten (Mutter, Bekannte, Josie selbst, Alix...) wegschauen und untätig bleiben. 
Auf dem Cover der deutschen Ausgabe steht der Kommentar von Katherine Heiny (selbst Autorin): "So spannend, so klug, so einfühlsam." Dem kann ich nur widersprechen: Spannend vielleicht noch, wenngleich mir die Sicht der Voyeuristin, die sich an dem sich ankündigenden Drama ergötzt, in die ich als Leserin gedrängt wurde, nicht gefallen hat. Klug handelt keine der Protagonistinnen, ihr Verhalten ist sogar abstoßend naiv, - und in Bezug auf den Aufbau möchte ich auch nicht von klug sprechen, denn die meisten der Ereignisse sind schrecklich vorhersehbar bzw. werden vorher zaunpfahlwinkend vorbereitet. Einfühlsam? Was soll das in Bezug auf diese Charaktere heißen? Soll ich Verständnis aufbringen, mitfühlen für diese verantwortslos bzw. im Fall von Josie böse berechnend handelnden Frauen? Das kann ich nicht. Die Geschichte wirkt nach, das vielleicht schon, aber auf eine sehr bittere, dunkle Weise, die mir persönlich nicht gefällt.

Lisa Jewell, Kein Hauch von Wahrheit. Ronin 2025.

Saturday, April 11, 2026

Stephen King - Der Outsider

In Flint City, Oklahoma, wird Terry Maitland, Englischlehrer und Coach der Jugendbaseballmannschaft, verdächtigt, einen elfjährigen Jungen misshandelt und getötet zu haben. Mehrere Augenzeugen haben ihn blutbefleckt und in der Nähe des Tatorts gesehen. Detective Ralph Anderson lässt ihn in aller Öffentlichkeit festnehmen. Erst danach kann Maitland sich verteidigen, denn er hat ein stichhaltiges Alibi, dass er mit Kollegen auf einer Tagung in der Nachbarstadt war. Wie kann das sein? Maitland scheint schuldig und unschuldig zur gleichen Zeit zu sein. Hat er einen Doppelgänger mit gleicher DNA? Unmöglich? Nachdem Maitland auf schreckliche Weise vor dem Gerichtsgebäude vom Bruder des Opfers getötet wird, kommen Anderson Gewissenbisse und Zweifel. Er beginnt anders über den Fall zu denken und arbeitet mit dem Anwalt von Maitland zusammen an neuen Indizien. Weil eine Spur in einen anderen Bundesstaat führt, wird Holly Gibney beauftragt, dieser nachzugehen. Diese findet einen weiteren Mord, bei dem nach den Spuren gesicherte Täter ein Alibi vorweisen konnte. Als Filmgeek erinnern sie diese Fälle an etwas und sie äußert schließlich eine gewagte These: Der Täter, den sie den Outsider nennen, ist kein gewöhnlicher Mensch. Nachdem sie auf beeindruckende Weise die anderen Ermittler und Beteiligten überzeugt, dass sie dieser Idee nachgehen müssen, um weitere Morde zu vermeiden, kommt es schließlich zu einem Showdown mit beeindruckendem Setting.

Was in Der Outsider als Kriminalfall beginnt, nimmt schon bald die Wendung ins Übernatürliche, womit man bei Stephen King immer rechnen muss.  Holly Gibney ist mit ihren Erfahrungen mit Brady Hartsfield aus Mr Mercedes und  Mind Control vermutlich die einzige, die diese Interpretation glaubhaft vermitteln kann. Leider muss man in diesem Band lange warten, bis sie ihren Auftritt hat, und endlich Bewegung in die Sache kommt. Natürlich baut der Beginn mit den immer merkwürdiger werdenden Diskrepanzen von Zeugenaussagen und Spurenlage und den dramatischen Fehlentscheidungen der Ermittler und der Justiz Spannung auf. Das wäre aber auch mit einigen Seiten weniger auch noch plausibel möglich gewesen. Es gibt wieder einmal reichlich Charaktere, die der Autor gekonnt anlegt - wiederum: einige weniger hätten es vielleicht auch getan. Es ist ein bedrückendes und athmosphärisch dichtes Szenario in Der Outsider und das Wiedersehen mit Holly zeigt ihre Stärken als verletzliche, ambivalente Protagonistin, aber der Plot rechtfertigt meines Erachtens nicht die ausufernde Länge des Romans. 

Stephen King, Der Outsider. Random House Audio 2018. 

Monday, April 06, 2026

Jeffery Deaver - Wahllos

Wahllos ist der vierte Band von Jeffery Deavers Reihe um Kinesik-Expertin Kathryn Dance. Leider ist sie in diesem Band keine Expertin. Zu Beginn soll sie ihre Expertise an einem Zeugen ausüben, was leider misslingt, sie "liest" den Zeugen falsch. Bizarrerweise wird sie deswegen vom ganzen Fall abgezogen und soll nur noch einen Fall von Brandstiftung, der leider in eine Massenpanik ausartete, überprüfen. Dabei stellt sie fest, dass der Täter genau diese Massenpanik herbeiführen wollte, und steckt damit gleich in einem neuen Fall. Parallel dazu müssen wir die Beweggründe des Täters, der sich am Leid und Tod anderer ergötzt, miterleben. Das ist eine Perspektive, die Dea
ver seiner Leseschaft des öfteren zumutet. Natürlich folgen weitere Taten und als der Täter in Bedrängnis gerät, nimmt er Kathryn selbst ins Visier. Vielleicht sind die logischen Lücken in der Erzählung den Kürzungen für das Hörbuch geschuldet, aber dieser Band stolpert durch zahlreiche Nebenhandlungen, wie die Erlebnisse der zwei Kinder von Kathryn, den emotionalen Verwicklungen mit gleich zwei Männern (m.E. sehr unglaubwürdig), einer Eskapade in US-amerikanischer Geschichte (Internierung japanischstämmiger Amerikaner) und ähnlichem. An einigen Stellen sehen Kathryn und ihr Team einige der Bedrohungen kommen und können elegant dagegenhalten - allerdings wird nur unzulänglisch erklärt, wieso. 
Insgesamt erscheint mir Wahllos auch ein bisschen planlos zu sein, welche Geschichte es nun eigentlich erzählen will, gleich zwei Thriller-Handlungen konkurrieren mit Familiendrama und Romantik. Dazu kommen die wirklich fürchterlichen Schilderung, wie sehr der Täter Gewalt und Tod genießt und wie einfach dies doch via Internet alles zu haben sei. Puh. Die Stärke und Hauptmerkmal der Protagonistin kommt in diesem Band nicht zum Tragen und sie konnte mich absolut nicht überzeugen. Der Fall auch nicht. Dieser Deaver ist eher am unteren Ende der Skala einzuordnen. 

Jeffery Deaver, Wahllos. Random House Audio 2016. 

Friday, April 03, 2026

Arthur Conan Doyle - Eine Studie in Scharlachrot

In Eine Studie in Scharlachrot (1887) hat der berühmteste Detektiv der Literaturgeschichte seinen ersten Auftritt. Gemeinsame Wohnungsnot und mangelnde Finanzen bringen Dr. Watson und Sherlock Holmes in die gemeinsame Unterkunft in der Baker Street. Watson ist - wie auch in den folgenden Geschichten - schlichtweg begeistert von Holmes' Fähigkeiten, während er selbst manchmal leicht begriffsstutzig wirkt. 
Interessant an diesem ersten Fall ist jedoch die ausführlich dargestellte Hintergrundgeschichte für das Rachemotiv der Morde, die vor dem Hintergrund der frühen Mormonengemeinde von Salt Lake City spielt. Dafür verwendet Arthur Conan Doyle viel Erzählzeit, vielleicht auch um Verständnis für den Mörder zu wecken, der dann gnädig noch vor seinem Prozess an einem Aneurysma stirbt. Ansonsten bietet dieser erste Roman bereits viele bekannte Charakteristiken der folgenden Holmes-Geschichten, auch wenn der Protagonist noch nicht vollständig ausgearbeitet zu sein scheint. Dazu passt aber die bereits angelegte subjektive Erzählperspektive des treuen Dr. Watson, welcher den Detektiv auch gerade erst besser kennenlernt. 
Wahre Begeisterung für die Geschichte konnte ich nicht aufbringen - ich kann mich in der Tat nicht erinnern, sie schon vorher einmal gelesen zu haben, wenngleich es interessant war, diesen ersten Band und damit die Anfänge Sherlock Holmes kennenzulernen. 
Die Lesung durch 
Peter Kortz-Frankemoelle hat mir persönlich nicht so gut gefallen, wirkt sie doch streckenweise sehr nüchtern und gleichbleibend. So stelle ich mir Sherlock Holmes eigentlich nicht vor, aber vermutlich ist das nur eine persönliche Präferenz. 

Arthur Conan Doyle, Eine Studie in Scharlachrot. Publius 2023. 

Simon Beckett - Knochenkälte

In Knochenkälte von Simon Beckett verschlägt es den forensisches Anthropologen David Hunter in einem Schneesturm und bei ausgefallenem Navi ungeplant in ein walisisches Kaff. Ein bisschen konstruiert ist es schon, dass nicht nur die einzige Zugangsstraße weggeschwemmt wird, sondern auch noch mangels Strom sämtliche Telefonverbindungen ausfallen. Hunter sitzt fest, landet in einem gruseligen alten Hotel, wo ihn die Besitzer nur widerwillig aufnehmen. Überhaupt ist die Atmosphäre in dem Dorf latent aggressiv, untereinander und auch gegenüber dem fremden Hunter. Auf der Suche nach einem Telefonsignal wandert er am nächsten Tag in den Wald und findet - natürlich - menschliche Überreste. Von da an entwickeln sich die Ereignisse dynamisch, die verfeindeten Dorfbewohner scheinen an keinerlei Gesetz und stattdessen an Selbstjustiz zu glauben, so dass nicht nur Hunter um sein Leben fürchten muss. 
Erwartet man in Knochenkälte einen sauberen Kriminalfall mit Ermittlungen, so wird man zwangsläufig enttäuscht. Hier sind das Wetter, Zufälle und marodierende Dorfbewohner die Handlungstreiber, bei denen Hunter nur sein Bestes tut, um den Kopf über Wasser zu halten und maximalen Schaden abzuwenden, damit eine gerechte Aufklärung möglich bleibt. Dennoch entstehen allerhand spannende Momente, in denen Hunter an seine physischen und zum Teil auch moralischen Grenzen kommt. Die Schilderung der düsteren, schneeumtosten Wälder und der dort verborgenen Geheimnisse haben mich durchaus gefesselt. Als Kritikpunkt bleibt, dass die Zusammenhänge am Ende dann durch detaillierte Geständnisse aufgeklärt werden, so dass einiges schon viel früher hätte bekannt sein können. Das ist eine erzählerische Krücke, die mir nicht sonderlich gefallen hat. Erzählstil und der Protagonist sind aber gewohnt überzeugend, weswegen die Reihe auch nach diesem siebten Band nach wie vor zu meinen Favoriten zählt. 

Simon Beckett,  Knochenkälte. Argon 2026.

Wednesday, April 01, 2026

Kelly Mullen - Die Einladung

Kelly Mullens Die Einladung bedient sich eines klassischen Krimisettings: Eine Gruppe von Leuten mit unterschiedlichsten Lebensgeschichten und Hintergründen verschlägt es an einen abgeschiedenen Ort und ein Mord geschieht - einer von ihnen muss der Täter sein. 
Anlass für die Versammlung ist die Einladung von Jane Ireland, die in einem Herrenhaus auf Mackinac Island, Michigan, lebt. Viele der Gäste sind Opfer von miesen Erpressungsschreiben und deswegen dort. Unter ihnen auch die 76jährige Rosemary "Mimi" McLane, die vorsichtshalber ihre Enkelin Addie mitbringt. Diese ist Krimiexpertin und Entwicklerin von Onlinespielen für eben dieses Genre. Natürlich zieht auch der passende Schneesturm auf, der die Gäste im Herrenhaus einschließt. Die Gastgeberin erwischt es als erstes und so beginnen die Befragungen... 
Um es kurz zu machen: Prinzipiell ist nichts grundlegend verkehrt an Die Einladung. Die Protagonistinnen sind nicht uninteressant und haben auch privat noch einige Reibungspunkte, die ihre Dialoge und Interaktionen bereichern. Auch die übrigen Charaktere sind bunt gemischt, es gibt geheime Räume und Beweise, die nach und nach entdeckt werden, die Aussagen und Hinweise, die man mit Mimi und Addie zusammen aufdeckt, bauen aufeinander auf. Vielleicht ist das alles zu glatt konstruiert, vielleicht hat man es auch schon zu oft so gelesen, obwohl die Protagonistinnen selbst damit spielen und sich darüber lustig machen, dass das alles wie aus einem Agatha Christie Roman zu sein scheint. Jedenfalls sprang bei mir kein Funke über, entwickelte ich kein echtes Interesse an dem Fall und im Grunde war es mir egal, wie es ausging. Natürlich gut, das war von Anfang an gesetzt. Auch die privaten Probleme und Unstimmigkeiten werden ideal aufgelöst. Tatsächlich hätte dies auch tatasächlich ein Krimicomputerspiel sein können, die Pfade vorgegeben, man muss sich nur hindurchklicken, um ans vorhersehbare Ende zu kommen. Zurück bleibt der Gedanke, dass es an vielen Stellen einfach "besser" und spannender hätte sein können. 

Achja: Popsugar made me read this - 
A book set in Michigan or written by an author from Michigan.

Kelly Mullen, Die Einladung. Mord nur für geladene Gäste. Argon 2025.

Friday, March 27, 2026

Robert Galbraith - Der Tote mit dem Silberzeichen

Robert Galbraith (alias J.K. Rowling) veröffentlicht mit Der Tote mit dem Silberzeichen den achten Fall um die Privatdetektei von Cormoran Strike und Robin Ellacott. Sie ermitteln im Auftrag einer Frau, die bewiesen haben möchte, dass der Tote, der im Tresorraum eines Ladens für Silber extrem verstümmelt aufgefunden wurde, ihr verschwundener Lebensgefährte ist. Die Polizei geht von einem anderen Opfer aus und so sehen sich Cormoran und Robin einer komplexen Aufgabe gegenüber, da auch noch andere vermisste und verschwundene Männer in Frage kommen. Wie immer wird äußerst detailliert ermittelt und nebenbei auch noch andere belanglosere Fälle bearbeitet, so dass alle Mitarbeiter:innen der Detektei sehr beschäftigt sind mit Überwachungen, Überprüfungen und Recherchen. Während ich normalerweise nachvollziehbare Ermittlungsarbeit in Krimis schätze, bei der kein plötzlicher Deus ex machina den Fall löst, verliert sich in Der Tote mit dem Silberzeichen alles in kleinen Kleinigkeiten, vielen Namen und Gedankengängen, das man leicht irgendwann den Faden verlieren kann (erstrecht beim Audiobook, das übrigens fast 32 Stunden umfasst). Das wäre vielleicht nicht so schlimm, wenn dabei die persönliche Beziehung der beiden Ermittler nicht so unfassbar anstrengend mitzuerleben wäre. Dieses Hin und Her ist nahezu lächerlich und ließ mich mehr oder weniger alle paar Kapitel genervt die Augen verdrehen. Eine gescheiterte Ehe hat Robin hinter sich, bei der sie wusste, dass der Typ nicht der richtige war. Nun bleibt sie mit einem rückfälligen und jähzornigen Alkoholiker zusammen, nur weil er sich nicht wie ein Arsch verhalten hat, als es ihr schlecht ging. Cormorans Gedankengänge/Eifersucht sind nicht nachvollziehbar, immerhin weiß er, dass er ein Depp ist. Ihre Freundschaft ist kaum glaubhaft, wenn sie auch nach Jahren der engsten Zusammenarbeit immer noch unsicher sind, was der jeweils andere für ein Mensch ist und voneinander das Schlechteste annehmen. Wie immer bedroht auch diesmal wieder die Presse den Ruf der Detektei und wie immer wird Robin von fiesen Männern verfolgt und bedroht. Achja, der Beinstumpf tut auch wieder weh, Exfreundinnen sind böse und Cormoran muss sich prügeln, rettet aber trotzdem die Welt. --- ich werde zynisch, sorry. Aber tatsächlich war mir die Aufklärung des Falls / der Fälle am Schluss so gut wie egal. Das sollte nicht so sein. Die eigentlich toll angelegten Charaktere der ersten Bände verkommen in diesem achten Band zu einer Karikatur ihrer selbst und die Krimihandlung bekommt an vielen Stellen zu absurde Züge. Nein, das kann ich nicht mehr wirklich als gut bewerten.  

Robert Galbraith, Der Tote mit dem Silberzeichen. Random House Audio 2025.