Sunday, August 02, 2026

Enid Blyton - Fünf Freunde verfolgen die Strandräuber

Diesmal sind die fünf Freunde in Cornwall auf einem Bauernhof. Anne würde es bevorzugen, wenn es diesmal kein Abenteuer geben würde, aber nachdem der alte Schäfer ihnen von dem Licht im Strandräuber-Turm erzählt, das wie früher in Sturmnächten leuchtet, ist es mit der Ruhe geschehen. Die Erkundungen bringen die Kinder wie immer zunächst in Schwierigkeiten, doch der kleine Sidekick namens Jan, der ihnen eigentlich eher auf die Nerven geht, rettet sie aus der misslichen Lage, sodass die Verbrecher dingfest gemacht werden können. 
Fünf Freunde verfolgen die Strandräuber
sticht nicht sonderlich aus der Reihe hervor und ist sehr durchschnittlich mit den gewohnten Elementen, die die Vielschreiberin Enid Blyton immer verwendet. Dazu ein bissche Unwohlsein in Bezug auf den entlarvten Täter, der natürlich unter dem fahrenden Volk (hier eine Schaustellertruppe namens Scheuner) zu finden ist. Also genau das, was man erwartet.

Enid Blyton, Fünf Freunde verfolgen die Strandräuber. cbj 2016.  

Martha Wells - Der Netzwerkeffekt

Martha Wells hat mit ihrem Roboter-Mensch-Hybriden einen ungewöhnlichen und interessanten Protagonisten geschaffen, der mich bereits in Tagebuch eines Killerbots angenehm überrascht hat. Während die ersten vier Teile eher Novellen als Romane darstellen und in einer deutschen Gesamtausgabe (#1-4) zusammengefasst sind, ist Der Netzwerkeffekt ein Roman mit einem komplexen Plot. Der Killerbot mit seinen hypersarkastischen und dennoch allzu menschlichen Sichtweisen und Emotionen (auch wenn er das nie zugeben würde) wird zusammen mit einem Menschen (noch dazu der minderjährigen Tochter seines Lieblingsmenschen) bei einem Angriff auf das Raumforschungsschiff, auf dem sie sich befinden, entführt. Sie erwachen auf einem anderen Raumschiff, das Killerbot seltsam vertraut vorkommt - denn er ist befreundet mit dem Steuerbot des Schiffes, doch der scheint ...tot... zu sein, denn er kann keine Signale von ihm empfangen. Stattdessen sind bizarr handelnde Alienmenschhybriden auf dem Schiff und machen Killerbot das Leben und vor allem dias Beschützen seines Menschen schwer. Dahinter verbirgt sich eine komplizierte Geschichte von Kolonien, Korporationsfirmen, Alienvirusbefall und vielem mehr. 
Der Netzwerkeffekt ist ein Rausch von Actionszenen, dem besonderen Humor von Killerbot, sensiblen Blicken auf Freundschaft unabhängig von Gender und "Rasse" und einem spannenden Rätsel, das Schicht für Schicht aufgedeckt wird. 
Ich gebe zu, der Anfang war ein verwirrendes Durcheinander, weil ich mich erst einmal wieder in Killerbots Narrativ einlesen musste und die Tech-Begriffe und die Namensgebung der Gegner generell gewöhnungsbedürftig sind, aber insgesamt halte ich die zahlreichen Preise, die der Roman erhalten kann, für gerechtfertigt. (Die da wären: Hugo Award for Best Novel 2021, Nebula Award for Best Novel 2020, Locus Award for Best SF Novel 2021 - beachtlich!)
Weiterhin klare Leseempfehlung für die Reihe. 

Martha Well, Der Netzwerkeffekt. Random House Audio 2021. 

Saturday, August 01, 2026

Ursula Knoll - Zucker

Ein weiterer Fall von "Popsugar Reading Challenge made me read this!" -  es sollte pop oder sugar im Titel vorkommen. :)
In Ursula Knolls Roman Zucker werden mehrere Frauenschicksale in einem Zeitrahmen von 1828 bis heute verwoben. Einige sind verwandt, einige erfahren voneinander, andere tragen nur den gleichen Vornamen. Alle haben entfernt etwas mit Zucker und der Zuckerproduktion zu tun. 

Die ehemalige Sklavin Mary Prince, eine historische Figur, veröffentlicht einen ersten Erfahrungsbericht über ihr Leben, das sie auch auf einer Zuckerrohrplantage auf Antigua verbrachte. Auch der Erzählstrang über die Zuckerfabrik in Hirm, Österreich, über die Familie Rothermann basiert auf realen Begebenheiten. Die Erfahrungen von Paula aus Wien und ihre Liebesbeziehung zu Frances aus London bekommen erst später einen Bezug zum Zucker, als Frances später als Journalistin über Zuckerrohrplantagen berichtet und Paula in einem Startup-Unternehmen arbeiten, das Zucker als Energielieferant in Batterien erforscht, während ihre Tochter Kaja für ein Schulreferat versucht, die Bedeutung des Zuckers in der Menschheitsgeschichte zu erfassen. 
Ich bin mir nicht sicher, ob letzteres auch das Bestreben der Autorin war, denn in vielen Episoden wird dem Zucker und seiner Produktion viel Raum gegeben. Parallel dazu sind die Protagonistinnen (es gibt nur eine Männerperspektive, die des Industriellen Reyer, dem ebenfalls eine Zuckerfabrik in Österreich gehörte) allesamt starke Persönlichkeiten, die sich in ihren historischen Kontexten durch ihr selbstbewusstes Verhalten hervortun. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob dies Zucker zu einem emanzipatorischen Roman macht, aber insgesamt bin ich mit nur wenigen der Charaktere warm geworden und auch die Geschichte des Zuckers hat mich nicht so sehr in den Bann gezogen. Sicher ist der Roman geschickt kostruiert mit den Querverweisen der einzelnen Perspektiven, aber begeistert hat mich das nicht. 

Ursula Knoll, Zucker.  Edition Atelier 2025.