Ein weiterer Fall von "Popsugar Reading Challenge made me read this!" - es sollte pop oder sugar im Titel vorkommen. :)
In Ursula Knolls Roman
Zucker werden mehrere Frauenschicksale in einem Zeitrahmen von 1828 bis heute verwoben. Einige sind verwandt, einige erfahren voneinander, andere tragen nur den gleichen Vornamen. Alle haben entfernt etwas mit Zucker und der Zuckerproduktion zu tun.
Die ehemalige Sklavin Mary Prince, eine historische Figur, veröffentlicht einen ersten Erfahrungsbericht über ihr Leben, das sie auch auf einer Zuckerrohrplantage auf Antigua verbrachte. Auch der Erzählstrang über die Zuckerfabrik in Hirm, Österreich, über die Familie Rothermann basiert auf realen Begebenheiten. Die Erfahrungen von Paula aus Wien und ihre Liebesbeziehung zu Frances aus London bekommen erst später einen Bezug zum Zucker, als Frances später als Journalistin über Zuckerrohrplantagen berichtet und Paula in einem Startup-Unternehmen arbeiten, das Zucker als Energielieferant in Batterien erforscht, während ihre Tochter Kaja für ein Schulreferat versucht, die Bedeutung des Zuckers in der Menschheitsgeschichte zu erfassen.
Ich bin mir nicht sicher, ob letzteres auch das Bestreben der Autorin war, denn in vielen Episoden wird dem Zucker und seiner Produktion viel Raum gegeben. Parallel dazu sind die Protagonistinnen (es gibt nur eine Männerperspektive, die des Industriellen Reyer, dem ebenfalls eine Zuckerfabrik in Österreich gehörte) allesamt starke Persönlichkeiten, die sich in ihren historischen Kontexten durch ihr selbstbewusstes Verhalten hervortun. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob dies Zucker zu einem emanzipatorischen Roman macht, aber insgesamt bin ich mit nur wenigen der Charaktere warm geworden und auch die Geschichte des Zuckers hat mich nicht so sehr in den Bann gezogen. Sicher ist der Roman geschickt kostruiert mit den Querverweisen der einzelnen Perspektiven, aber begeistert hat mich das nicht.
Ursula Knoll, Zucker. Edition Atelier 2025.