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Sunday, August 02, 2026

Martha Wells - Der Netzwerkeffekt

Martha Wells hat mit ihrem Roboter-Mensch-Hybriden einen ungewöhnlichen und interessanten Protagonisten geschaffen, der mich bereits in Tagebuch eines Killerbots angenehm überrascht hat. Während die ersten vier Teile eher Novellen als Romane darstellen und in einer deutschen Gesamtausgabe (#1-4) zusammengefasst sind, ist Der Netzwerkeffekt ein Roman mit einem komplexen Plot. Der Killerbot mit seinen hypersarkastischen und dennoch allzu menschlichen Sichtweisen und Emotionen (auch wenn er das nie zugeben würde) wird zusammen mit einem Menschen (noch dazu der minderjährigen Tochter seines Lieblingsmenschen) bei einem Angriff auf das Raumforschungsschiff, auf dem sie sich befinden, entführt. Sie erwachen auf einem anderen Raumschiff, das Killerbot seltsam vertraut vorkommt - denn er ist befreundet mit dem Steuerbot des Schiffes, doch der scheint ...tot... zu sein, denn er kann keine Signale von ihm empfangen. Stattdessen sind bizarr handelnde Alienmenschhybriden auf dem Schiff und machen Killerbot das Leben und vor allem dias Beschützen seines Menschen schwer. Dahinter verbirgt sich eine komplizierte Geschichte von Kolonien, Korporationsfirmen, Alienvirusbefall und vielem mehr. 
Der Netzwerkeffekt ist ein Rausch von Actionszenen, dem besonderen Humor von Killerbot, sensiblen Blicken auf Freundschaft unabhängig von Gender und "Rasse" und einem spannenden Rätsel, das Schicht für Schicht aufgedeckt wird. 
Ich gebe zu, der Anfang war ein verwirrendes Durcheinander, weil ich mich erst einmal wieder in Killerbots Narrativ einlesen musste und die Tech-Begriffe und die Namensgebung der Gegner generell gewöhnungsbedürftig sind, aber insgesamt halte ich die zahlreichen Preise, die der Roman erhalten kann, für gerechtfertigt. (Die da wären: Hugo Award for Best Novel 2021, Nebula Award for Best Novel 2020, Locus Award for Best SF Novel 2021 - beachtlich!)
Weiterhin klare Leseempfehlung für die Reihe. 

Martha Well, Der Netzwerkeffekt. Random House Audio 2021. 

Saturday, July 04, 2026

Ryka Aoki - Das Licht ungewöhnlicher Sterne

Ryka Aokis Das Licht ungewöhnlicher Sterne widersetzt sich einer Genre-Einordnung, was für ein Mash-up! 
Da haben wir einmal die transgender Protagonistin Katrina, die dem Missbrauch und der Missachtung ihrer Familie entflieht, um Violinistin zu werden. Dann ist da die Geigenlehrerin Shizuka, die einen Pakt mit einem Dämon eingegangen ist und ihm sieben Seelen in Form von ihren von Ehrgeiz getriebenen Schüler:innen bringen muss. Und zu guter Letzt ist da eine Familie von Außerirdischen, die inkognito auf der Erde einen Donut-Laden betreiben, der Riesendonut auf dem Dach ist ihr Sternentor. Deren Kommandantin Lan ist sehr besorgt wegen der Endzeitseuche, die alle Zivilisationen kurz vor ihrem Untergang befällt. Hinzu kommen diverse Nebencharaktere. Zentrales Thema ist außerdem die Musik und ihre Wirkung, sowohl als Ausdruck des eigenen Selbst als auch in der Vermittlung von Emotionen für andere. Nebenbei lernt man mehr über Geigen und Gebäck als man dringend benötigt. Vieles an dem Plot ist bizarr, auch die Charaktere handeln oft nicht so, wie man es erwartet angesichts der unerklärlichen Geschehnisse um Dämonen und Außerirdische. Man passt sich an und nimmt es so hin. Einige der Passagen über die Wirkung der Geigenmusik sind langatmig, hier muss man schon viel Verständnis für die Musikerinnen mitbringen, die in ihrer eigenen Welt verhaftet sind. Auch die oft abrupten Perspektivwechel inmitten von Kapiteln sind gewöhnungsbedürftig. Ja, vermutlich hat Das Licht ungewöhnlicher Sterne einige Schwächen, aber andererseits ist es so anders, dass man darüber hinwegschauen mag, der wilden Geschichte folgt und den Charakteren nur das Beste wünscht. 

Ryka Aoki, Das Licht ungewöhnlicher Sterne. Heyne 2024.

Thursday, April 30, 2026

Kaliane Bradley - Das Ministerium der Zeit

Okay. Hmm. 
Das Ministerium der Zeit von Kaliane Bradley trägt das Thema Zeit bereits im Titel und zu Beginn des Romans scheint es auch darum zu gehen. Die Ich-Erzählerin übernimmt den Job der Betreuerin/Integrationsbeauftragten/Überwacherin eines Zeitreisenden. Die britische Regierung hat mit einem Zeitreiseportal eine Gruppe Menschen aus verschiedenen Punkten der Zeit "entführt", die sicher verstorben wären und demnach von niemandem vermisst werden. Der Lauf der Geschichte soll dadurch unverändert bleiben. Einige sterben beim Transfer, andere haben Schwierigkeiten mit der Assimilation. Doch der eigentlich 1847 verstorbenen Polarforscher Commander Graham Gore kommt nach einiger Zeit gut zurecht im London des 21. Jahrhunderts. Zufrieden blickt seine Betreuerin auf ihren Schützling und berichtet ihren Vorgesetzten im Ministerium eifrig von Fortschritten und Besonderheiten. Sie bemerkt dabei, dass dort auch noch andere Pläne gemacht werden, die das Zeitportal und die Zeitimmigranten betreffen. Doch selbst als ein enger Kollege/Freund verschwindet, ja, als sogar ein Mord geschieht, gilt ihr Hauptinteresse ihrem Graham, in den sie sich unsterblich verliebt hat. Die Beziehung beginnt holprig, denn Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Gepflogenheiten anders und Graham, als Commander ständig auf See, hat auch wenig Erfahrung in diesen Dingen. 
Hier begann mein Interesse für die Geschichte rapide abzunehmen, denn die dramatischen Ereignisse um die Zeitreisenden und die zunehmend komplizierteren Zusammenhänge von Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit standen in keinem Verhältnis zur emotionalen Besessenheit der Protagonistin. Sie ist naiv und unreflektiert, dagegen bleibt Graham weitgehend ein hölzerner Charakter, trotz der Rückblenden zu seinen erschreckenden, grausamen Erfahrungen auf der Polarreise. Graham damals und Graham im Jetzt sind in keiner Form zusammengehörig, die Protagonistin lernt ihn ebenso wenig wirklich kennen wie die Lesenden.
Ein Aspekt, der noch erwähnt werden muss, ist der aufklärerische Auftrag der Protagonistin auf (unterschwelligen) Rassismus und koloniale Verbrechen hinzuweisen. Der war deutlich, blieb aber oberflächlich, was auch für einige andere Themen gilt. 
Sprachlich hatte Das Ministerium der Zeit einiges zu bieten, einige Bilder und Umschreibungen waren interessant und witzig, so dass es fast schade war, dass der Plot schlussendlich nicht halten konnte, was das erste Drittel versprach. Zeitreisegeschichte sind selten durchgehend logisch, aber hier nichts so richtig zuende geführt - oder ich habe es nicht verstanden, was natürlich eine Möglichkeit ist. Ich kann auch einfach keine Freude an diesen Romance-Aspekten (und den scheinbar dazu notwendigen Sexszenen) entwickeln, egal ob bei Fantasy oder Science Fiction, die oft eher wie Fremdkörper im Gesamtplot erscheinen, das ist ein seltsamer Trend, oder stehe ich mit dieser Meinung allein da? 
Insgesamt wirkt der ganze Roman so, als hätte die Autorin eine Menge an Ideen gehabt, sowohl in Bezug auf die Themen als auch in Bezug auf den Genre-Mix, aber da es keinen deutlichen Schwerpunkt, keinen roten Faden gibt, bleibt alles vage und unbefriedigend. Schade. 

Kaliane Bradley, Das Ministerium der Zeit. Hörverlag 2025. 

Tuesday, March 03, 2026

Nnedi Okorafor - Binti - Nachtmaskerade

Nach Allein und Heimat bringt Nachtmaskerade die Sci-Fi-Trilogie von NNedi Okorafor zu einem Abschluss. 
Binti ist noch aufgewühlt von der neuen Erkenntnis und Erfahrung, dass sie DNA einer außerirdischen Rasse in sich trägt, die ihr neue Erinnerungen und Kommunikationsmöglichkeiten bringt, als sie von einem Angriff der Khoush auf ihr Himbadorf und ihren Medusenfreund Okwu erfährt. Nun droht wieder Krieg zwischen den Khoush und den Medusen. In dem Glauben, ihre ganze Familie sei tot, eilt sie zurück und ihr bleibt nur das eine Ziel, endlich Frieden zu stiften. Doch der Ältestenrat ihres Dorfes akzeptiert sie nicht mehr, zu andersartig und fortschrittlich ist sie. Allen Unwahrscheinlichkeiten zum Trotz gelingt ihr die Vermittlung zwischen dem König der Khoush und dem Medusenhäuptling, doch etwas geht schief und die Khoush greifen trotzdem an. Binti stirbt. Doch die Autorin zaubert mit den lebenden Raumschiffen, mit denen Binti schon in den ersten beiden Bänden gereist ist, ein Wunder aus dem Hut - und Binti wird gerettet. Allerdings muss sie dafür noch eine Verbindung eingehen und wir erleben das All aus der Sicht eines garnelenartigen Schiffes!

Es sind sehr fantastische Strukturen und Welten, welche die Autorin in ihrer Trilogie erschafft, das ist faszinierend und man würde gern mehr erfahren, länger verweilen. Binti als Protagonistin ist zusammen mit der Leserin ein wenig überfordert mit allem, was geschieht. Ein vollkommen geschlossenes Bild ergibt sich nicht, es entstehen logische Lücken und Fragezeichen. Insgesamt ist es aber ein erzählerisches Feuerwerk, eine wilde Reise - und die kann man genießen, wenn man will. 

Nnedi Okorafor, Binti - Nachtmaskerade. CrossCult 2018.

Monday, March 02, 2026

Nnedi Okorafor - Binti - Heimat

Die Novelle Allein (Hugo Award 2016, Nebula Award 2015) von Nnedi Okorafor habe ich bereits 2022 das erste Mal gelesen - leider hat sich das Weiterlesen etwas verzögert. 
Die vielschichtige Protagonistin Binti kehrt in Heimat zu ihrer Familie auf der Erde zurück, nachdem sie eine Zeit lang auf einem anderen Planeten studiert hat. Ihre Erlebnisse in Allein haben sie verändert, genetisch und psychisch. Ihr Zusammenschluss mit dem Volk der Medusen, eigentlich verfeindet mit den Menschen, hat ihre afrikanisches Haar in fühlende Tentakel verwandelt und ihre Freundschaft mit dem Medusen Okwu begründet. Okwu begleitet sie nun auf die Erde, was beinahe katastrophal endet. Zuhause in ihrem Heimatdorf am Rande der Wüste ist allerdings nichts so, wie Binti es sich erhofft. Sie hat sich ihrer Familie entfremdet, fühlt Wut und Verzweiflung. Wer ist sie, wenn sie nicht mehr eine Himba sein kann?
Das ganze gewinnt an Komplexität, als das sogenannte Wüstenvolk auftaucht und Binti entdeckt, dass sie außer Himba- auch noch andere Wurzeln in sich trägt. 

Als mittlerer Band wirft Heimat mehr Fragen auf, als er beantwortet, und er endet auch sehr abrupt. Binti funktioniert fast noch zu gut in all dem Durcheinander von genetischem Neuland, kulturellen Zwängen, persönlichen Enttäuschungen, posttraumatischer Belastungsstörung und gesellschaftlicher Verantwortung. Vielleicht ist das etwas viel, was Nnedi Okorafor ihrer Protagonistin da zumutet oder sie hätte der Geschichte mehr Raum geben müssen. Mal schauen, wir das im dritten Band Nachtmaskerade aufgelöst werden kann. 

Nnedi Okorafor, Binti - Heimat. Cross Cult 2017.

Saturday, February 14, 2026

Amal El-Mohtar und Max Gladstone - Verlorene der Zeiten

Amal El-Mohtar und Max Gladstone haben zusammen ein außergewöhnliches Buch geschrieben: Verlorene der Zeiten hat zahlreiche Awards im Bereich Fantasy/Science Fiction gewonnen. Die Autor:innen haben jeweils die Perspektive einer der beiden Protagonistinnen, genannt Blue und Red, verfasst, die sich Briefe schreiben. Neu und ungewöhnlich wird dies dadurch, dass beide Zeitreisende sind und hochtechnologisiert in verschiedenen Epochen ihre Nachrichten hinterlassen. Dabei führen ihre Regimes gegeneinander Krieg. Zeitstränge sollen verändert, Dinge beeinflusst werden. Dabei wählen  beide Autor:innen sehr individuelle, stilistisch anspruchsvolle Sprachstile, die durch sprachliche Bilder einerseits beeindrucken, andererseits aber einen Handlungsfaden noch weniger erkennen lassen als durch das Setting sowieso schon. Nachrichten werden in den Wachstumsringen uralter Bäume oder im Leib einer Robbe versteckt, Hinweise gegeben, in welchem Jahrtausend man vielleicht die nächste Nachricht finden könnte. Ansatzweise werden die Unterdrückungsmechaniken ihrer Gesellschaftsformen thematisiert, nebenbei schreiben sie über ihre Lieblingsfiguren der Geschichte und über Bücher. 

So bin ich zu etwa einem Drittel durch das Buch geschlittert. Verwirrt, verblüfft und etwas verloren. Ich bin mir sicher, das in dieser absolut ungewöhnlichen Erzählweise Schönheit steckt. Die Handlung, sofern denn vorgesehen (!?), bleibt mir bisher verborgen. Es soll sich aus diesem Briefwechsel eine ungewöhnliche Liebesgeschichte ergeben. Das will ich gern glauben. Derweil reicht es mir, das Buch kennengelernt, wenn auch nicht zuende erfahren zu haben.  

Das Audiobook wird von Vera Teltz und Yesin Meisheit hervorragend gelesen. 

Amal El-Mohtar und Max Gladstone, Verlorene der Zeiten. Osterwold 2022.

Friday, January 02, 2026

Liu Cixin - Die drei Sonnen

Ich werde nicht versuchen, den Inhalt von Die drei Sonnen von Liu Cixin zusammenzufassen. Der Roman des chinesischen Autors erschien im Original 2006 und erhielt zahlreiche Auszeichnung, unter anderem  den Hugo Award 2015 als bester Science-Fiction-Roman. So gelangte Die drei Sonnen auch auf meine to-read-Liste und als sich eine Leserunde der Mitlesezentrale fand, war es nun zum Jahreswechsel soweit. Ich war optimistisch; das Audiobook wird professionell gelesen von Mark Bremer. 
Im ersten Teil werden mehrere der Hauptcharaktere mit ihren eigenen Erzählsträngen eingeführt, die etwas ungewohnten Namen erschwerten mir das Einordnen manchmal, aber mein Interesse war geweckt. Die Schilderungen um Trisolaris bzw. das Spiel 3body sind phasenweise schon langatmig, aber noch interessant, weil man sich die außerirdische Gesellschaft noch nicht vorstellen kann. Hervorstechend sind die inneren Gedankengänge der Protagonisten, wenn sie sich ihre Meinung zur drohenden Invasion durch die Trisolarier bilden. Die extremen Haltungen, die daraus resultieren, erschließen sich mir nicht, sind eher befremdlich. Leider gerät der Roman im letzten Drittel etwa in eine erzählerische Schieflage: Statt weiter bei den Themen Motivationen und gesellschaftliche Probleme zu bleiben, entsteht eine Art Wissenschaftserzählung, deren Substanz ich aufgrund mangelnder Physikkenntnisse nicht beurteilen kann. Beide Kulturen/Gesellschaften arbeiten an der Übertrumpfung bzw. Lahmlegung der gegnerischen Wissenschaft, was detailreich erläutert wird - und mich leider überhaupt nicht mehr fesseln konnte. Zusätzlicher Frust entsteht am Ende, denn das Buch schließt in keiner Weise mit seiner eigenen Thematik ab (oder es ist mir entgangen), denn es folgen zwei weitere Trisolaris-Bände. 
Das alles bleibt mir zu vage - viele interessante Themen und Gedankengänge (auch bzgl. der chinesischen Geschichte, aber auch die Beweggründe einzelner Charaktere) werden angeschnitten, aber nicht weitergeführt, was mich durchaus frustriert hat im Laufe des Romans. Leider kein Treffer für mich. 

Liu Cixin, Die drei Sonnen. Rubikon 2018. 

Sunday, December 21, 2025

S.A. Barnes - Dead Silence

Titanic in space.
S.A. Barnes schickt in Dead Silence eine fünfköpfige Reparaturcrew unter der Leitung der Protagonistin Claire Kovalik in die unendlichen Weiten, das heißt an die Grenze der Kommunikationsreichweite des allgegenwärtigen, allmächtigen Space-Unternehmens. Es ist ihre letzte Tour, denn durch den Einsatz neuer Technologien werden sie nicht mehr gebraucht. Speziell für Claire ist der Verlust ihres Jobs eine Katastrophe, ist sie doch am liebsten weit draußen im All mit möglichst wenigen Menschen um sich herum. Bei diesem letzten Einsatz fangen sie ein Notsignal auf, und hey - warum dem nicht nachgehen? Sie entdecken die Aurora, das als verschollen deklarierte größte Luxus-Raumschiff aller Zeiten. Die Crew beschließt das Wrack zu bergen, doch an Bord der Aurora beginnt der Alptraum. Verstümmelte Leichen, in Blut geschriebene Botschaften, ein Flüstern im Dunkel. Auch Claire und ihr Team beginnen schon bald durchzudrehen, sie halluzinieren... 
In einem parallelen Erzählstrang beobachten wir Claire - zurück auf der Erde - wie sie verhört wird, man ihr ihre Erzählungen nicht glaubt und sogar vorwirft eine Mörderin zu sein. Dazwischen gestreut sind auch noch Claires Erinnerungen an ihre traumatische Kindheit als einzige Überlebende eines Virusepidemie auf einer Marskolonie. Und doch kehrt sie zurück zur Aurora mit einer übermäßig bewaffneten Sicherheitstruppe, die allerdings eine ganz andere Agenda haben als sie selbst. 
Dead Silence besticht durch das deutlich gruselige Setting (als Horror würde ich es nur bedingt betiteln) und eine interessante Idee des Space-Luxusliners im Grundsatz. Als Erzählerin ist Claire eher unzuverlässig, die Perspektivwechsel nehmen an verschiedenen Stellen aber wieder Dinge vorweg, sodass die Spannung eher wieder zurückgefahren wird. Dies fand ich nicht überall gut gelöst. Der Showdown und die Ursachen für das Unglück haben mich nicht besonders überzeugt, die Liebesgeschichte hätte es auch nicht unbedingt gebraucht, auch wenn sie Triebmotor für Claires Entwicklung ist. Insgesamt hat mir Dead Silence durchaus gefallen, trotz der angedeuteten erzählerischen Schwächen. 

S.A. Barnes, Dead Silence. Heyne 2024.  

Wednesday, February 05, 2025

Andy Weir - Der Astronaut

Nach Der Marsianer (2014) und Artemis (2017) ist Der Astronaut (2021) der dritte Roman von Andy Weir. Ersterer hatte mir gut gefallen, relativ klassische Science Fiction, angereichtert mit wissenschaftlichen Details und einem unfassbar optimistischem Protagonisten, der dann in der Verfilmung ja auch hervorragend zum US-amerikanischen Helden stilisiert wurde. Artemis kam mit einer eher problematischen Protagonistin und einem recht schlecht durchdachten Plot daher und hat mir wenig gefallen.
Mit Der Astronaut kehrt Weir wieder zurück zu seiner ersten Idee, einsamer Wolf im Weltall, der durch Geschick und wissenschaftlicher Cleverness (eines Highschool-Lehrers...) überleben und die Welt retten muss. Neu ist die Freundschaft mit einem ungewöhnlich freundlichen Alien, für den der Autor gleich eine recht umfangreiche Faktenbasis über Physiognomie, Verhalten und Sprache erfindet. Letzteres fand ich zunächst amüsant, aber im Grunde ist der Sprachlernprozess völlig unglaubhaft. Wäre der Held namens Ryland Grace aber nicht auf diesen außerirdischen Freund gestoßen, hätte ich das Hörbuch mit seinen über 15 Stunden wohl nicht zuendegehört. Dieser brachte eine zwischen-"menschliche" Komponente hinzu, die mich etwas bei der Stange hielt, während die wie bei Der Marsianer immer wieder auftretenden technischen Schwierigkeiten und deren komplexe Beschreibung und Lösung mich ungeduldig werden ließen. Ansonsten muss man leider sagen, dass es insgesamt vor Stereotypen nur so wimmelt, die allesamt so schablonenhaft sind (vor allem in der parallel erzählten Vorgeschichte auf der Erde), dass man sich fast fremdschämen muss. Ich bin nicht Technikfreak genug, um beurteilen zu können, ob wenigstens das technische, wissenschaftliche Gewusel halbwegs Sinn ergibt und vielleicht nerdigere Leser:innen als mich in den Bann zieht, aber ich glaube, ich habe jetzt genug von Andy Weir. 

Andy Weir, Der Astronaut. Random House Audio 2021.

Thursday, January 09, 2025

Frank Herbert - Dune - Der Wüstenplanet

Es ist nicht so, dass ich Dune - Der Wüstenplanet von Frank Herbert nicht mochte. Ich kann klar erkennen, warum dieser Roman ein Meilenstein der Science Fiction Literatur ist. Ich sehe, wie faszinierend es ist, in dieser fremden Welt mit Technologien, Mythen und mentaler Stärke unterwegs zu sein. Nicht zu vergessen die Würmer, natürlich. Herberts Entscheidung, diese Dinge dennoch in den Hintergrund von menschlichen Intrigen und Abgründen aller Art zu stellen, ist erstaunlich bei einem Science Fiction Roman von 1966. Kurz gesagt, das Werk ist vielschichtig. Damit ist es leider auch ein wenig anstrengend. Ich hatte ständig das Gefühl, irgendeine entscheidende Bedeutungsebene zu versäumen, während ich die Handlung dennoch nicht sonderlich spannend fand. Vielleicht ist es als Audiobook auch einfach schwieriger, alle Namen, Handlungsorte und Verschwörungsstränge im Kopf zu behalten. Ich habe weit über die Hälfte angehört, verabschiede mich nun hochachtungsvoll und lasse das Buch nun ziehen. Vermutlich kann ich mich jetzt auf die beiden neuen Verfilmungen besser einlassen.

Frank Herbert, Dune - Der Wüstenplanet. Random House Audio 2020.

Tuesday, July 30, 2024

H.G. Wells - Der Krieg der Welten

Nach The Time Machine stand auch der Klassiker Der Krieg der Welten (1897) von H.G. Wells lange auf meiner Liste. Besonders erfreulich ist, dass die Audiobookfassung von Andreas Fröhlich gelesen wird. Der Erzähler berichtet uns von den dramatischen Ereignissen um die Invasion von Marsianer auf der Erde. Die Bewohner Englands gegen Ende des 19. Jahrhunderts haben den hochtechnologisierten Aliens nichts entgegenzusetzen, sondern werden von ihnen mit Maschinen und Chemiewaffen innerhalb kürzester Zeit besiegt. Die Überlebenden rechnen mit der völligen Vernichtung, als die Marsianer plötzlich wegen der ungewohnten Bakterien der Erde dahinsiechen. Obwohl es sich in Teilen um einen Erlebnisbericht handelt, bleibt der Erzähler selbst namenlos und relativ unpersönlich. Er ist gebildet, ist sich aber seiner menschlicher Schwächen die ganze Zeit über bewusst. In der Not der Flucht und Bedrohung seines Lebens werden er und die ihn umgebenden Menschen zu moralisch verwerflichen Handlungen genötigt. Parallel dazu gibt es Passagen philosophischer Überlegungen zu den Beweggründen der Marsianer und vor allem in Hinblick auf das ausbeuterische Verhalten des Menschen gegenüber niederen Lebensformen. Dies ist als deutliche Kritik am Kolonialismus zu deuten, zumal der Autor explizit Tasmanien erwähnt.
Literaturgeschichtlich ist die Bedeutung von Der Krieg der Welten nicht hoch genug einzuschätzen, denn der Roman beeinflusste die Science Fiction Literatur wie kaum ein anderer. Viele der Elemente - wie die Invasion durch feindliche Mächte, die Marsianer selbst und die von ihm angedachten Technologien, die damals noch nicht entwickelt waren - fanden Eingang in die Geschichten nachfolgender Autor:innen. Hat man diesen Einfluss vor Augen, so sind Wells Visionen und Ideen tief beeindruckend, ja sogar ein bisschen beängstigend, bedenkt man den weiteren Verlauf der Geschichte mit zwei Weltkriegen, in denen die von Wells erdachten Technologien schreckliche Wirklichkeit wurden.
Absolut lesenswert. 

H.G. Wells, Der Krieg der Welten. DAV 2017.

Sunday, July 28, 2024

Marissa Meyer - Wie Sterne so golden

Nach Wie Monde so silbern und Wie Blut so rot ist Wie Sterne so golden der dritte Band der vierteiligen dystopischen SciFi-Reihe von Marissa Meyer. In vager Anlehnung an Märchen und ihre Figuren geht es um die Bedrohung der Erde und ihrer Bewohner durch die böse Mondkönigin Levana. Wie bereits in Band 2 kommt eine weitere weibliche Hauptperson hinzu - Crescent. Cress lebt isoliert auf einem Satelliten, der die Erde ausspioniert und hat sehr langes blondes Haar - ja, Rapunzel lässt grüßen. Unzufrieden mit ihrer Ausbeutung und Einsamkeit ist sie ein Fan von der kleinen Rebellentruppe um Cinder und Scarlet und will ihnen helfen. Natürlich werden sie weiterhin gejagt - sowohl von der Autoritäten der Erde als auch von Levana und ihrer Schurken. So ist die Umsetzung ihres Plans - nämlich die Vermählung Levanas mit dem Herrscher Kai - nicht gerade leicht...
Die Lesung von Vanida Karun war wie schon in den ersten beiden Bänden sehr unterhaltsam - was man von dem Plot leider nicht allenthalben sagen kann. Hier gab es erneut Längen (z.B. die Wüstenwanderung oder das Geplänkel im Palast Kais, wenn die Details der Hochzeit geplant werden sollen...) und das ganze wirkt definitiv wie ein Zwischenband, denn die Gesamthandlung schreitet nur wenig voran und nun ist es an Band 4, das ganze Figurendurcheinander irgendwie zu einem Ende zu bringen. Das heißt nicht, dass die Charaktere nicht liebenswert und gut gestaltet sind, aber ein bisschen mehr Inhalt wäre dennoch schön. 

Marissa Meyer, Wie Sterne so golden. Silberfisch 2014.

Sunday, February 11, 2024

Andy Weir - Artemis

Nach seinem Erfolgsroman Der Marsianer lässt Andy Weir seinen zweiten Roman Artemis auf dem Mond spielen. Artemis ist der Name der einzigen Mondstadt und Jazz Bashara lebt schon ihr ganzes Leben dort. Als Tochter eines erfolgreichen Handwerkers und mit ihrer hohen Intelligenz hätte sie viele berufliche Möglichkeiten gehabt - aber sie entschied sich für die Unabhängigkeit von ihrem Vater und geht ihren eigenen - leicht kriminiellen - Weg und schmuggelt diverse Waren auf den Mond. Doch dann bekommt sie einen gänzlich anderen Auftrag, der aber deutlich mehr Geld einbringen soll. Zwar ist ihr bewusst, dass sie ein hohes Risiko eingeht, aber erst als die Aktion schief läuft, beginnt sie, das ganze Ausmaß der Sache zu begreifen...

Jazz erzählt selbst ihre Geschichte und schlägt dabei einen sehr lässigen und sarkastischen Ton an. Sie spricht mit ihrer Zuhörerschaft und ist dabei mal prahlerisch, mal selbstkritisch. Diese Stimme wird hervorragend umgesetzt von Gabrielle Pietermann und macht während des ganzen Audiobooks Freude. Allerdings muss man sich zwischendurch fragen, ob man nicht doch einer pubertierenden 15-Jährigen zuhört, die ein Problem mit ihrem Daddy hat, und nicht einer Mittzwanzigerin, die für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgt. Jazz' Humor scheint dabei nicht immer zu ihrer Intelligenz zu passen.
Während man Jazz zunächst durch ihren Alltag folgt, lernt man die Stadt Artemis und Lebensweise der Mondbewohner kennen. Der Autor verwendet Mühe auf Plausibilität und auf technische Details, wie auch schon bei
Der Marsianer. Warum es ausgerechnet das Schweißen sein muss, auf dem hier der Fokus liegt, hat sich mir nicht erschlossen. Auch das Konzept der Strafverfolgung auf dem Mond gibt mir Rätsel auf, bzw. eher deren Abwesenheit. Hier hätte gern etwas Zukunftsorientiertes, Innovatives kommen können, statt dessen wirkt das alles ein bisschen wie der Wilde Westen.
Die Zuspitzung der Ereignisse am Ende fand ich in der Summe doch zu unglaubwürdig, fehlende Sicherheitsmaßnahmen, absurde Rettungsaktionen, das hätte nicht sein müssen.
Liest man andere Rezensionen, so findet man viele enttäuschte Fans von Andy Weirs erstem Buch, die zu Recht vor allem die unreife Protagonistin und ihren flachen, teils sexistischen Humor in diesem zweiten Roman kritisieren. Das finde ich sehr nachvollziehbar und ich würde Artemis nicht weiterempfehlen. 

Andy Weir, Artemis. Random House Audio 2018.

Friday, July 14, 2023

Frank Schätzing - Limit

27 Stunden und 53 Minuten liest Heikko Deutschmann an Limit von Frank Schätzing. Das ist viel Lebenszeit, die ich für dieses Buch aufgebracht habe, zum Glück meistens bei Wanderungen und schönen Aussichten, sozusagen als Ausgleich. Das hört sich recht negativ an und vermutlich ist es das auch. Denn so interessant die Idee dieses Romans auch ist, das wäre erzählerisch definitiv kürzer und damit besser gegangen. Dass ich diesen Wälzer (1312 Seiten in der Taschenbuchausgabe) überhaupt angegangen bin: popsugar made me do it ("the longest book (by pages) on your TBR list")! 

Inhaltlich in Kürze (!): Der Roman spielte beim Erscheinen 2009 in der nicht allzu fernen Zukunft, 2025 ist inzwischen allerdings deutlich näher herangerückt. Die Welt in Limit wirkt um einiges futuristischer als sie es wohl wirklich sein wird, die behandelte Problematik ist aber immer noch relevant. Die von den Menschen missbrauchten fossilen Energiequellen Öl und Gas gehen zur Neige, aber in Limit hat man zum Glück im Gesteinsstaub des Mondes eine neue Ressource entdeckt, Helium-3, das von den US-Amerikanern und den Chinesen gleichermaßen abgebaut wird. Die Amis haben aber die Nase vorn, da sie einen Weltraumfahrstuhl gebaut haben, der den Abbau erst rentabel macht und zudem auch noch andere Nutzung des Mondes ermöglich, zum Beispiel für einen exquisiten Tourismus (kommt uns dann doch wieder sehr bekannt vor). Natürlich werden für den weiteren Ausbau Investoren gesucht und eine Gruppe von möglichen Geldgebern wird zu einem Trip in das neue Mondhotel eingeladen. Doch das Projekt hat Gegner und der Anlage auf dem Mond droht ein Terroranschlag.
Parallel zu diesem Handlungsstrang soll in China ein privater Ermittler namens Owen Jericho die junge Yoyo ausfindig machen, die bei ihrem Aktivismus gegen die Ungerechtigkeiten des Systems versehentlich über Dokumente gestolpert ist, die sie nicht hätte entdecken sollen. Es entbrennt ein Wettlauf zwischen ihren Verfolgern und den Ermittlungen, die sie und Jericho anstellen. Natürlich handelt es sich bei ihren Gegnern um die Drahtzieher des Mondanschlags, so dass die Handlungsstränge irgendwann zusammenfinden.
Prinzipiell eine gute Story, doch die übertriebene Anzahl an Charakteren, Nebenhandlungen, Zwischenshowdowns, Verfolgungsjagden, Schauplatzwechseln und banalem Dialoggeplänkel sind nur schwer zu ertragen und machen das Buch zum Ausdauersport. In meinem Fall habe ich zum Teil nur noch mit halbem Ohr hingehört und die Enttarnung des eigentlich Drahtziehers hat mich, Verzeihung, eigentlich gar nicht mehr interessiert. Aber im Grunde weiß man bei Schätzing, worauf man sich einlässt; auch Breaking News war seitenstark, aber ich habe es dennoch als zusammenhängener und stringenter empfunden. 

Frank Schätzing, Limit, Hörverlag 2009.

Sunday, November 13, 2022

Nnedi Okorafor - Binti - Allein

Nnedi Okorafor gewann mit ihrer Novelle Binti sowohl den Hugo Award (eigentlich Science Fiction Achievement Award, 2016) und den Nebula Award (verliehen von den Science Fiction and Fantasy Writers of America, 2015). Zugleich erfüllt Binti aber auch die Kategorie #OwnVoices SFF der Popsugar Reading Challenge, ein Hashtag, der verwendet wird um literarische Werke der Genre Sci-Fi und Fantasy zu kennzeichnen, die AutorInnen einer Minorität zu kennzeichnen. 

Die Autorin Nnedi Okorafor (geboren 1974 in Cincinnati, Ohio) webt ihre nigerianischen Wurzeln ein in die Geschichte einer jungen Frau, die mit ihrer Familie und ihrem Stamm bricht, um als erste ihres Volkes an einer Universität auf einem anderen Planeten zu studieren. Sie hat eine außergewöhnliche mathematische Begabung und ihre Andersartigkeit bringt sie schon kurz nach dem Verlassen ihrer Heimat in eine höchst dramatische Situation...

Da es sich um eine kurze Novelle verwendet die Autorin nur ein Minimum der Erzählzeit darauf, das Setting der Geschichte zu erklären. Man findet keine ausufernden Beschreibungen des ungewöhnlichen Raumschiffs oder der Landschaft, vieles wird angerissen, aber es bleibt viel Raum für eigene Bilder im Kopf. Einen guten Eindruck bekommt man jedoch von den inneren und äußeren Konflikten, in denen sich Binti befindet - Kampfgeist, Hoffnung, Freude, Trauer und Verzweiflung, sie durchlebt einiges in der kurzen Zeit. Um zu überleben, großes Unheil zu verhindern, aber auch um einen Schritt mehr auf ihr neues, herbeigesehntes Leben zuzugeben, geht sie große Risiken ein, auch das, einen Teil ihrer Herkunft, ihrer Tradition, dafür aufzugeben. 

Nnedi Okorafor gelingt es auf den wenigen Seiten eine spannende Protagonisten mit viel Tiefe zu zeichnen, der sie dann in weiteren Episoden - vermutlich - auch noch mehr Raum gibt. Hier lohnt es sich vermutlich weiterzulesen. 

Nnedi Okorafor, Binti - Allein. CrossCult, Ludwigsburg 2017.

Sunday, May 08, 2022

Martha Wells - Tagebuch eines Killerbots

Mit dem Titel Tagebuch eines Killerbots und der Seitenzahl (573) hätte ich wahrscheinlich sonst nie zu Martha Wells' Buch gegriffen - wieder einmal suchte ich aber etwas für die Popsugar Reading Challenge 2022. Es sollte ein Buch sein, dass den Hugo Award gewonnen hat - so landete der Killerbot auf der Liste.

Obwohl ich Science Fiction mag, lag der Roman auch thematisch leicht außerhalb der Komfortzone mit all dem Techzeug, aber ich wurde positiv überrascht. Protagonist der Serie (denn in diesem Band werden die ersten vier Novellen/Kurzromane zusammengefasst) ist der "Killerbot", der sich sarkastisch selbst so nennt. Eigentlich ist er ein Hybrid, als Roboter konzipiert, aber mit menschlichen Komponenten ausgestattet. Gesteuert wird er computerbasiert durch verschiedene Routinen, die ihm ermöglichen als SecUnit für die Sicherheit von menschlichen Klienten zu sorgen, Panzer und integrierte Waffen tun das übrige. Doch diese SecUnit hat ihr firmenbasiertes Überwachungsmodul gehackt und sich damit von bestimmten Aspekten ihrer Programmierung abgekoppelt. Sie versieht weiterhin ihren Job, hat aber gleichzeitig mentale Freiheiten (zum Beispiel das exzessive Anschauen von Unterhaltungsserien). Natürlich birgt die fehlende Steuerung bzw. die langsam zunehmenden Empfindungen, die mit ihrer Freiheit einhergehen, neue Herausforderungen bei der Interaktion mit den menschlichen Klienten. Im Grunde ist diese SciFi-Geschichte also ein hochtechnisierte Coming-of-Age-Geschichte mit einem sehr zynischen, selbstkritischen Protagonisten.
Dazu kommt ein sich durch die vier Bände ziehender Plot von fiesen Großfirmen, die für ihren Profit vor nichts zurückschrecken. Hätte die SecUnit nicht ihren Job extrem gut erledigt, wäre die Gruppe der alternativen, selbstbestimmt lebenden Menschen um Dr. Mensah schon im ersten Band bei ihrer Forschungsmission von ihnen getötet worden. Dr. Mensah kauft deswegen die SecUnit von ihrer Betreiberfirma frei - woraufhin diese erst einmal untertaucht, weil sie nicht weiß, was sie mit ihrem plötzlich gewonnenen Leben anfangen soll. An manchen Stellen geht es zwar etwas zäher voran, viele Seiten, auf denen es darum geht verschiedene Sicherheitsvorkehrungen auszuschalten, aber es gibt auch actionreiche Szenen, die sehr anschaulich geschildert werden und gleichzeitig durch die ironischen Kommentare der kämpfenden SecUnit recht witzig sind. 

Alles in allem bin ich sehr angetan von Tagebuch eines Killerbots und kann es jedem, der Science Fiction nicht komplett von seinem Lesemenü gestrichen hat, empfehlen.

Martha Wells, Tagebuch eines Killerbots. Heyne, München 2019.

Friday, April 15, 2022

H.G. Wells - The Time Machine

H.G. Wells' (1866-1945) classic novella The Time Machine (1895) was the first science fiction story that mentioned a device with which one can travel through time. In fact, he coined the phrase for all other time travellers' stories.
The story is not too complicated: The protagonist, a Victorian English scientist, tells his guests at a dinner party that a) time is the fourth dimension and b) he invented a device with which he can travel through time. He also tries to prove his theory with a smaller prototype of this device which disappears from a table.
A week later he arrives disheveledly in front of his guests and tells the story of his time travel from which he has just returned. On his own recount, he went to the year A.D. 802,701. He found two different kinds of creatures there, the small and peaceful Elois and the frightening Morlocks. While the Elois live happily above ground and seem to be content with a very simple life, the Morlocks exist underground and only come out in the darkness and apparently feed on the Elois although they also seem to work to keep them carefree.
The Morlocks had taken the time traveller's machine and he had to fight to get it back. After several adventures and a somehow romantic relationship with one of the Eloi he suceeded and was able to return home after some more time travelling into the far future of the earth.
His dinner guests aren't sure whether to believe him. One of them returns on the next day only to witness the time traveller disapperaring with his machine - never to come back. 

Apart from the fascinating idea of the time machine, H.G. Wells' readers might have been interested to read about his time traveller's theories on how the Elois and the Morlocks descended from the present humans in the 19th century. As a socialist, these theories had to do with industrialism, capitalism and the working class. Though things have definitely changed since Wells' times, the gap between rich and poor couldn't be greater which is why The Time Machine - apart from being an important story in the development of science fiction literature - is still a valuable read and rightly a classic. 

I enjoyed listening to this librivox recording of the story - I like to thank all the volunteers who put a lot of time and effort into recording these audiobooks. 

H.G. Wells, The Time Machine. Librivox 2011. 

Wednesday, December 23, 2020

E.M. Forster - Die Maschine steht still

Die in ihrer Kürze sehr beeindruckende Kurzgeschichte Die Maschine steht still von E.M. Forster (1879-1970) wurde erstmals 1909 veröffentlicht. Darin wird geschildert, wie eine unterirdisch, in kleinen Zellen lebende Menschheit von "der Maschine" versorgt wird. Diese wurde von der Menschheit zu eben diesem Zweck erschaffen, aber sie kontrollieren sie nicht mehr. Verschiedene technische und technologische Errungenschaften füttern die in Selbstisolation lebenden Menschen mit Nahrung und ermöglichen Informationsaustausch und Kommunikation über etwas, das entfernt an das Internet und Messengerdienste erinnert. Reale physische Kontakte kommen so gut wie nicht vor, da sich die Menschen kaum aus ihren Zellen bewegen und sich vor dem Draußen sogar fürchten.
So hat die Protagonistin Vashti ihren Sohn Kuno jahrelang nicht gesehen, bis er sie drängt, sie zu besuchen, was sie nur widerwillig tut. Sie ist entsetzt, als er ihr von seinem nicht genehmigten Ausflug auf die Erdoberfläche berichtet und distanziert sich von ihm.
Die Kurzgeschichte endet mit dem Zusammenbruch des Systems und erfüllt damit den Titel - Die Maschine steht still. Die Menschen geraten in Panik und Kuno und Vashti erkennen in ihren letzten Augenblicken, dass persönliche Beziehungen am wertvollsten sind und die Maschine ein Irrtum war.

Selbstgewählte, totale mentale Abhängigkeit von technischen Geräten, die uns von den wahrlich wichtigen Beziehungen in unserem Leben ablenken, wahre Kommunikation und Begegnung verhindern. Es ist erschreckend, was uns eine über 100 Jahre alte Dystopie vor Augen führen kann.
[legt Smartphone zur Seite...]

E.M. Forster, Die Maschine steht still. Hoffmann und Campe, Hamburg 2016.

Sunday, January 05, 2020

Jennifer L. Armentrout - Opposition

Die Serie um die Lux von Jennifer L. Armentrout habe ich 2015 mit Obsidian begonnen - und schon dieser erste Band war schwach und hatte inhaltliche und erzählerische Lücken. Ach was, Gräben. Nach dem zweiten Band Onyx habe ich ärgerlich gewütet. Aber was man als Reihe einmal angefangen hat... guilty pleasures... ich weiß nicht... Im Grunde fand ich die Idee mit den Lux gut, die Umsetzung hat mich umfassend enttäuscht.
Dass ich jetzt endlich den fünften und letzten Band Opposition und damit die Reihe beendet habe, hat mehrere Gründe. Erstens rottete das Audiobook endlos auf meinem Handy herum, verbrauchte Speicher und war mir ein Dorn im Auge. Zweitens passte es gerade gut zur SuBAP-Challenge (Monatsaufgabe Reihe). Und drittens kann ich jetzt endlich die Reihe und die Autorin hinter mir lassen.

Um dies nun noch ansatzweise zu einer Rezension zu machen, bleibt noch zu sagen, dass alle aufgebauten Spannungsmomente der vorangegangenen Bände (fiese Regierungsexperimente, eine feindliche zweite Alienrasse und die Invasion der bösen Aliens) mehr oder weniger zügig aufgelöst und geklärt werden, damit das Happy End stattfinden kann. Am Ende erlaubt sich die Autorin noch einen fiesen Schlenker, aber dann steht der seligen Zukunft des Paares nichts mehr im Wege. Mich hat der Kontrast zwischen den actionreichen Szenen, in denen es um den Fortbestand der Menschheit geht, und den weichgespülten Kuschelszenen zwischen Katy und Daemon sehr irritiert, aber genrebedingt muss das wohl so sein.
Ich kann die Lux-Reihe keinem ernsthaften Leser von Literatur empfehlen, für Liebhaber von Romantik gewürzt mit ein wenig dystopischem Science Fiction, die nicht so sensibel auf Schwächen in Plausibilität von Handlung und Charakterentwicklung reagieren, ist es aber sicher eine schöne Reihe.

Jennifer L. Armentrout: Opposition - Schattenblitz. Silberfisch 2016.

Monday, December 30, 2019

Ernest Cline - Ready Player One

Ernest Clines Ready Player One (2011) ist bereits ein Klassiker und spätestens seit der Verfilmung durch Steven Spielberg 2018 einer breiten Masse bekannt. Cline, geboren 1972, versetzt die Leser in ein dystopisches Jahr 2045, die Lebensbedingungen sind denkbar schlecht und die einzige Zuflucht aller ist die OASIS, eine virtuelle Realität. Ihr Erschaffer James Halliday verzichtete auf die vollständige kommerzielle Ausbeutung der OASIS und in Ermangelung eines Erben, programmiert er eine virtuelle Schnitzeljagd, ein Easter-Egg, in der OASIS. Als Fan der 80er Jahr Pop- und Trashkultur beziehen sich alle Hinweise und Aufgaben dieser Jagd auf diese Zeit - wer das Easter-Egg findet, wird zum Erben von Hallidays Welt und Milliarden. Die böse Konkurrenz, ein Konzern namens IOI, versucht selbstverständlich auch mit allen Mitteln, die Kontrolle über OASIS zu erlangen und ist dabei besser ausgestattet als die kleinen privaten Jäger.
Der Protagonist Wade ist entsprechend als Gegensatz ein mittelloser, verwaister Jugendlicher, augenscheinlich chancenlos, aber durch seine Obsession mit den 80ern eben doch nicht. Es beginnt ein Wettlauf im Rätsellösen, Kräftemessen auf dem popkulturellen Wissen und im Spielen alter Computer- und Arcadespiele. Doch kann Wade es nicht allein schaffen, er findet Mitstreiter und obwohl es zum Ehrenkodex der Jäger gehört, allein zu suchen, kommt er nur mit ihrer Hilfe die Lösung.
Um es vorweg zu nehmen, Kritiker bemängeln zu Recht die etwas schlicht und sehr vorhersehbar angelegte Prämisse des Romans. Natürlich gewinnt der Underdog gegen die böse Übermacht, allen Unwahrscheinlichkeiten zum Trotz. Man muss an manchen Stellen schon fest die Augen zukneifen, um einfach so hinzunehmen, dass beispielsweise ein Hinweis auf einen Songtext mit drei Wörtern erst entschlüsselt wird, als die Reihenfolge der Wörter geändert wird - Google lehrt uns anderes. Plausible, glaubhafte Plotführung geht anders. Auch über die Anlage der (Neben-) Charaktere ließe sich viel Negatives sagen, natürlich. Und die Liebesgeschichte... ohne Worte.
Aber vielleicht kommt es darauf nicht an.
Ready Player One ist eine Pop-Geschichte, voller Songs, Spiele und Kultur aus eine Ära, in der sich der Autor auskennt und die er offensichtlich liebt. Das Universum der OASIS ist ein Traum, eine Welt, in der sich Identitäten schaffen lassen, Nachteile ausgeglichen werden können. Auch hier kann man einwerfen, dass Cline diese Utopie in der Dystopie nicht bis zum Ende denkt, aber die Vorstellung einer solchen virtuellen Realität macht dennoch Spaß. Genauso wie man auch mit Spaß das Abenteuer der Jagd und des Rätsellösens mitverfolgen kann, wenn man das ganze nicht zu sehr hinterfragt.
Ich kann mir gut vorstellen, dass der Film vielleicht besser funktioniert als das Buch, weil Musik und visuelle Umsetzung sicher noch den Spaß an der Story erhöhen. Trotz augenscheinlicher literarischer Schwachstellen, hat mir das Buch und die kleine Zeitreise in die 80er mit einem Umweg über die Zukunft Freude gemacht.

Ernest Cline, Ready Player One. Fischer, Frankfurt am Main 2017.