Lange Schatten bietet die üblichen sympathischen Elemente der Reihe von Louise Penny, mit langem Anlauf, einigen Irrwegen und vielen menschlichen Abgründen. Solide.
Louise Penny, Lange Schatten. DAV 2008.
Louise Penny, Lange Schatten. DAV 2008.
So bin ich zu etwa einem Drittel durch das Buch geschlittert. Verwirrt, verblüfft und etwas verloren. Ich bin mir sicher, das in dieser absolut ungewöhnlichen Erzählweise Schönheit steckt. Die Handlung, sofern denn vorgesehen (!?), bleibt mir bisher verborgen. Es soll sich aus diesem Briefwechsel eine ungewöhnliche Liebesgeschichte ergeben. Das will ich gern glauben. Derweil reicht es mir, das Buch kennengelernt, wenn auch nicht zuende erfahren zu haben.
Das Audiobook wird von Vera Teltz und Yesin Meisheit hervorragend gelesen.
Amal El-Mohtar und Max Gladstone, Verlorene der Zeiten. Osterwold 2022.
Louise Penny, Das verlassene Haus. DAV 2007.
Beeren pflücken von Amanda Peters wird aus zwei Erzählperspektiven erzählt, von Norma und Joe. Die Geschichte beginnt im Sommer 1962, als eine Mi'kmaq-Familie aus Nova Scotia nach Maine reist, um dort auf den Blaubeerfeldern zu arbeiten. Joe erinnert sich sehr deutlich an diesen Sommer, denn seine vierjährige Schwester Ruthie verschwindet eines Tages spurlos. Trotz intensiven Suchens (ohne polizeiliche Hilfe, denn die interessiert ein Kind der Indigenen nicht) taucht sie nicht wieder auf. Norma wächst bei einer reichen weißen Familie in Maine auf. Sie erinnert sich in ihrer Kindheit an Dinge, die sie nicht einordnen kann, die ihre Mutter ihr aber als böse Träume abtut. Norma ist klar, dass in ihrem Zuhause nicht alles in Ordnung ist und ihre Eltern ihr etwas verschweigen.
Mir hat Beeren pflücken sehr gut gefallen. Die beiden Protagonisten, gut umgesetzt im Audiobook von Suzanne von Borsody und Jörg Schüttauf, sind authentische und interessante Charaktere. Emotionen wirken direkt, ungeschönt und intensiv, es wird nichts romantisiert. Joe ist gnadenlos in seinem Urteil über seine Alkoholsucht, seine damit verbundenen Taten und seine Schwäche, anderen vergibt er leicht. Norma schafft es, den Menschen, die sie ihr Leben lang belogen haben, dennoch zu verzeihen und selbst im Rückblick Verständnis für sie aufzubringen, trotz ihrer gerechtfertigten Wut, die sie auch zulässt. Auch die anderen im Buch angesprochenen Themen wie beispielsweise Kindesverlust oder Rassismus finden angemessen Raum, wenngleich ich gerade im Bereich der Diskriminierung der indigenen Familien noch mehr erwartet hätte. Klare Lese-/Hörempfehlung.
Amanda Peters, Beeren pflücken. HarperCollings 2023.
Nach Das Dorf in den roten Wäldern war ich mir nicht sicher, ob ich weitere Bände von Louise Pennys Reihe um Armand Gamache lesen wollte, denn trotz des pittoresken Settings und der liebenswerten Charaktere war das ganze doch etwas langatmig. Tief eingeschneit ist da leider nicht anders und ich wollte das Audiobook schon aufgeben, da besonders dies zu Beginn mit einer großen Zahl von Charakteren und losen Handlungssträngen aufwartet. Auch die Leiche lässt auf sich warten, aber dann tritt Gamache auf und alles ordnet sich etwas. So blieb ich doch an diesem sehr skurillen Fall dran. Ermittelt wird zwar ordentlich, aber insgesamt ist alles doch sehr konstruiert und wirkt unwahrscheinlich. So bleibe ich bei meinem Urteil, siehe oben, sehr cozy, aber auf der Krimiebene nicht sehr spannend.
Louise Penny, Tief eingeschneit. DAV 2019.
Emily St. John Mandel, Das Licht der letzten Tage. Audio Media Verlag 2015.
Joy Fielding, Home Sweet Home. Der Hörverlag 2021.
Alan Bradley, Eine Leiche wirbelt Staub auf. Penhaligon, München 2016.
Erzählt wird die Geschichte von Molly Gray, die als Zimmermädchen im Regency Grand Hotel in London arbeitet. Sie liebt ihren Job sehr, die Ordnung und die Sauberkeit, vor allem aber wohl auch die Struktur, die er ihr bietet. Soziales Miteinander und das Führen von echten Beziehungen hingegen fallen ihr sehr schwer. Die Großmutter, die sie aufgezogen hat, ist kürzlich verstorben und seitdem ist Molly sehr einsam und hat auch Probleme ihr Leben, vor allem finanziell, zu führen. Ihre Naivität und Unfähigkeit, Lügen und Betrug zu erkennen, führt oft dazu, dass sie ausgenutzt wird.
Völlig aus dem Lot gerät ihre Situation, als sie eines Tages Mr. Black tot in seiner Suite auffindet. Sie gerät unverschuldet und unfreiwillig in den Fokus der Ermittlungen und wird sogar des Mordes beschuldigt. Als die Situation ausweglos scheint, stellt sich heraus, dass sie auch echt Freunde unter ihren Hotelkollegen hat und die Geschichte nimmt eine positive Wendung, der echte Mörder kann überführt werden.
Mit Molly zusammen lernt der Leser mehr über die wahre Persönlichkeit und Motive der Beteiligten, der Blick weitet sich zunehmend, so dass man Mollys Wahrnehmungs- und Deutungsschwierigkeiten, aber auch ihre positive Einstellung zum Leben (mit den immer wieder eingeworfenen Lebensweisheiten der Großmutter, an die sie fest glaubt) quasi aus erster Hand miterlebt. Das macht sicherlich den erzählerischen Charme von The Maid aus. Deswegen fällt der Roman wohl auch eindeutig in die Cosy Crime Kategorie, denn man fühlt sich wohl in der Gewissheit, dass Molly zu nett ist, als das die Geschichte für sie schlecht ausgehen kann. Vielleicht liegt es in der Natur der Sache, dass die übrigen Charaktere ein wenig stereotypenhaft sind, mich hat das in diesem "netten Buch" wenig gestört. Lediglich die Art und Weise der Auflösung vor Gericht - Mollys Moment der Wahrheit - war ein bisschen ärgerlich und unglaubwürdig. Insgesamt aber sehr gemütliche Unterhaltung, die mir Spaß gemacht hat.
Nita Prose, The Maid. Argon 2022.
Louise Penny, Das Dorf in den roten Wäldern. Kampa, Zürich 2019.
Beide Jungen empfinden Trauer und Einsamkeit und sind sich gegenseitig eine Stütze. Luc schafft es mit seiner Fantasie und seiner künstlerischen Begabung eine Parallelwelt für die beiden Freunde zu schaffen. In dieser Welt spielt ein präparierter Leguan eine besondere Rolle, den Luc in einer Höhle am Wasser gottesgleich untergebracht hat. Die Grenzen zwischen Realität und Traumwelt verschwimmen, beeinflussen sich jedoch. Als die Jungen recherchieren, was mit Lucs Mutter tatsächlich geschehen ist und die Geschichte seiner Herkunft erfahren, nimmt das Ganze eine böse Wendung. Luc kann und will nicht akzeptieren, was sie herausgefunden haben, und trifft die Entscheidung zu einer endgültigen Flucht ins Wasser - eine Flucht, die sein Freund zwar nicht gutheißen kann, aber dennoch begleitet.
Selbst in der Übersetzung wird deutlich, wie meisterlich Denis Thériault auch sprachlich die Welten der beiden Jungs sich überlagern lässt. Die reale Welt mit Schule und anderen Verpflichtungen tritt zurück hinter die mystische, surreale Welt des Leguans und des Meeres. Während Luc immer weiter entgleitet, bleibt dem Ich-Erzähler der Anker seiner Familie, zu der er sich zugehörig fühlt, so dass er zurückkehren kann.
Denis Thérialt, Das Lächeln des Leguans. dtv, München 2010.
Tempe hält sich in Charlotte in North Carolina auf, als ein Hurricane die Stadt erreicht. Der Hurricane ist auch dafür verantwortlich, dass zwei skelettierte Leichen in einem Plastikcontainer an die Küste gespült werden. Die Art und Weise, wie die Leichen getötet und verpackt wurden, erinnert Tempe sofort an einen alten Fall in Montreal, den sie und Ryan vor 15 Jahren nicht aufklären konnten. Aber wie können die beiden Fälle zusammenhängen bei der großen zeitlichen und räumlichen Distanz?
Genetische Analysen, vor 15 Jahren noch nicht in der Form möglich, bringen neue Ermittlungsansätze und sind plötzlich auch Teil der Ermittlung, denn ein entfernter Verwandter eines Opfers arbeitet bei einer Firma für Gen-Analysen... Schicht für Schicht nähern sich Tempe und die beteiligten Ermittler dem Motiv für die Morde.
Der Code der Knochen enthält wissenschaftliche Hintergründe zu einem aktuell brisanten Thema. Denn es geht um Genetik und Impfstoffe, genauer um mRNA-Impfstoffe, die auch gegen Covid-19 zum Einsatz kommen. Zum besseren Verständnis lässt sich Tempe alles recht einfach erklären. Zur Aufklärung ihres Falls ist sie auf die Informationen verschiedenster Quellen sowohl in Montreal als auch in Charlotte angewiesen und die Puzzlesteine fügen sich nur langsam zu einem Gesamtbild zusammen. Etwas anstrengend waren die steten Kapitel-Cliffhanger, die stets nur aussagen, dass sie jetzt wieder einen Zusammenhang herstellen konnte oder dass die nächste Katastrophe drohte. Ansonsten ist das Geplänkel zwischen Tempe und Ryan wie immer amüsant und auch die übrigen Figuren sind abwechslungsreich und überzeugend. Als Fan der Reihe habe ich mich mit Band 20 gut unterhalten gefühlt, wenngleich er als Einsteigerband vielleicht weniger überzeugen würde.
Kathy Reichs, Der Code der Knochen. Blessing, München 2021.
Rupi Kaur, Home Body - zu hause in mir. Fischer, Frankfurt am Main 2020.
Auf den 19. Band der Reihe um Tempe Brennan musste die Leserschaft etwas warten, weil Kathy Reichs wegen der Behandlung eines Aneurysmas nicht schreiben konnte. Diese Erfahrung übertrug sie kurzerhand auch auf ihre Protagonistin.
Im Alter von 18 Jahren wird Toni unschuldig für den Mord an ihrer jüngeren Schwester Nicole verurteilt. Nun ist sie auf Bewährung aus dem Gefängnis - und obwohl sie sich dies nicht wirklich vorgenommen hat, beginnt sie, den Ereignissen damals auf den Grund zu gehen.
Die kanadische Autorin Margaret Atwood (*1939) veröffentlichte The Handmaid's Tale bereits 1985. Die erste deutsche Übersetzung des Titels lautete Die Geschichte der Dienerin, neuere Ausgabe sind Der Report der Magd überschrieben, letzteres vermutlich die passendere Übersetzung.![]() |
Larry Towell: A Mennonite Child Kent County, Ontario, Canada 1996.
postcrossing card sent by Ethan, Denver, USA |
Das Nest ist eine Comic-Serie von einem kanadischen Autoren-Duo, Ernest ist der sechste Band. In Deutschland erscheinen ihre Geschichten im Carlsen Verlag. Das Nest schildert die Geschehnisse in einem kanadischen Dorf in Quebec in den 1920er, 1930er Jahren.