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Thursday, December 31, 2020

Results - 2020 POPSUGAR Reading Challenge

 2020 POPSUGAR Reading Challenge 

Popsugar is a lifestyle magazine and their reading challenge has been around since 2015. 
On their website they list 40 book promps and additional 10 advanced prompts.
This year I managed to read books for all the regular prompts and six of the advanced prompt, although I finished some of them "last minute". I'm already looking forward to POPSUGAR 2021.

Here's the list with links to all the reviews.

A book that's published in 2020: Bannalec - Bretonische Spezialitäten
A book by a trans or nonbinary author: Charlie Jane Anders - Alle Vögel unter dem Himmel
A book with a great first line: O. Braithwaite - Meine Schwester, die Serienmöderin
A book about a book club: Jo Platt - Die Bücherfreundinnen
A book set in a city that has hosted the Olympics: Robert Galbraith - Weißer Tod
A bildungsroman: D.H. Lawrence - Söhne und Liebhaber
The first book you touch on a shelf with your eyes closed: Alex Capus - Königskinder
A book with an upside-down image on the cover: Schertenleib - Das Regenorchester
A book with a map: Tove Jansson - Winter im Mumintal
A book recommended by your favorite blog, vlog, etc.: David Foster Wallace - Unendlicher Spaß
An anthology: Ein Paradies aus Nichts - Geschichten vom Leben in der Wüste
A book that passes the Bechdel test: Tess Gerritsen - Das Schattenhaus
A book with the same title as a movie or TV show but is unrelated to it: Terry Pratchett - Die volle Wahrheit (The Truth)
A book by an author with flora or fauna in their name: Karen Rose - Dornenmädchen
A book about or involving social media: Sophie Kinsella - Frag nicht nach Sonnenschein
A book that has a book on the cover: Agatha Christie - Dreizehn bei Tisch
A medical thriller: Tess Gerritsen - Das Gesicht des Bösen
A book with a made-up language: Leigh Bardugo - Goldene Flammen
A book set in a country beginning with "C": Katharina Hagena - Das Geräusch des Lichts
A book you picked because the title caught your attention: M.E. Stedman - Das Licht zwischen den Meeren
A book published the month of your birthday: Delia Owens - Der Gesang der Flusskrebse
A book about or by a woman in STEM: M.L. Shetterly - Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen
A book that won an award in 2019: Margaret Atwood - Die Zeuginnen
A book on a subject you know nothing about: Aki Ollikainen - Das Hungerjahr
A book with only words on the cover, no images or graphics: Siegfried Lenz - Das Wrack
A book with a pun in the title: Terry Pratchett - MacBest
A book featuring one of the seven deadly sins: Jussi Adler Olsen - Opfer 2117
A book with a robot, cyborg, or AI character: Ian McEwan - Maschinen wie ich
A book with a bird on the cover: Juli Zeh - Unterleuten
A fiction or nonfiction book about a world leader: Michelle Obama - Becoming
A book with "gold," "silver," or "bronze" in the title: Kristina Ohlsson - Silberjunge
A book by a WOC (=Woman of Colour): Toni Morrison - Sehr blaue Augen
A book with at least a four-star rating on Goodreads: Jennifer L. Armentrout - Opposition (4.4 on 5.1.2020)
A book you meant to read in 2019: Klüpfel und Kobr - Kluftinger
A book with a three-word title: Jussi Adler Olsen - Miese kleine Morde 
A book with a pink cover: Jojo Moyes - Kleine Fluchten
A Western: Carys Davies - West
A book by or about a journalist: Jacques Berndorf - Eifel-Krieg
Read a banned book during Banned Books Week (USA: 20th-26th Sept.) - Ken Kesey - Einer flog übers Kuckucksnest (allerdings im Mai...)
Your favorite prompt from a past POPSUGAR Reading Challenge ( = 2019: A book with unusual chapter headings):  Mark Haddon - Supergute Tage

Advanced prompts

A book written by an author in their 20s: Jane Austen - Verstand und Gefühl 
A book with "20" or "twenty" in the title: Jostein Gaarder - 2084 - Noras Welt
A book with a character with a vision impairment or enhancement (a nod to 20/20 vision)
A book set in the 1920s
A book set in Japan, host of the 2020 Olympics
A book by an author who has written more than 20 books: Jacques Berndorf - Bruderdienst
A book with more than 20 letters in its title: Hugh Lofting - Dr. Dolittle und seine Tiere
A book published in the 20th century: Enid Blyton - Fünf Freunde helfen ihren Kameraden (1945)
A book from a series with more than 20 books: Jacques Berndorf - Eifel-Liebe
A book with a main character in their 20s 


 

Monday, December 21, 2020

Sophie Kinsella - Frag nicht nach Sonnenschein

Für die Popsugar Reading Challenge 2020 musste noch ein Buch her, in dem Social Media vorkommen. Fangirl von Rainbow Rowell, das hierfür eingeplant war, konnte wegen des Lockdowns leider nicht mehr aus der Bibliothek ausgeliehen werden. Also her mit ChickLit - Sophie Kinsellas Frag nicht nach Sonnenschein, das befindet sich auch schon lange auf dem SuB. 

Katie Brenner ist Somerset entflohen und hat endlich den ersehnten Job in London bekommen! Doch im Gegensatz zu ihrem glänzenden, heiteren Instagram-Account ist nicht alles so super. Sie lebt in einer ätzenden Wohnung weit weg von ihrem Arbeitsplatz und muss sich tagtäglich verbiegen, um ihre Herkunft zu verstecken und cooler zu wirken als sie ist. Der Job ist auch nicht der Traum, ihre Chefin ist unberechenbar und nimmt sie und ihre Qualitäten nicht wahr. Eh man sich versieht, ist sie den Job aber auch wieder los und zurück in Somerset, wo sie mal eben für ihren Vater einen Glampingplatz aufmacht - kein Schreibfehler. Es folgen noch ein paar Irrungen und Wirrungen, ein gutaussehender, aber zunächst unpassender Mann spielt natürlich auch eine Rolle... bis dann schließlich das von Anfang an erwartetete und logische Happy End eintritt. 
Nichts ist wirklich überraschend oder ungewöhnlich an diesem Roman, der aber auch nur eines will, nämlich entspannte Unterhaltung bieten. Das erfüllt die Autorin allerdings zuverlässig, alle Elemente sind vorhanden: die verpeilte, aber liebenswerte Protagonisten, die noch herausfinden muss, was gut für sie ist, die zickige Gegenspielerin und der gutaussehende Mann fürs Leben - dazu eine leicht schräge Rahmengeschichte, hier eben die Werbewelt und der Glampingplatz, alles gewürzt mit einer Prise Humor. 
Es ist nicht mein bevorzugtes Genre, aber es ist auch entspannend, sich mal so einer Story hinzugeben, zumal Kinsellas Charaktere nicht allzu furchtbar stereotyp waren. Naja, eigentlich doch... ach, egal. 
 
Sophie Kinsella, Frag nicht nach Sonnenschein. Goldmann, München 2017.

Sunday, December 20, 2020

Hansjörg Schertenleib - Das Regenorchester

Ein Schweizer in Irland gibt sich ganz dem Schmerz hin, nachdem seine Frau in kürzlich verlassen hat. Per Zufall er Niamh, einer sechzigjährigen Irin, die ihn auswählt, um ihm ihr Leben zu erzählen. In ihren Erzählungen erleben wir die Schicksale einer typischen irischen Familie, aber auch ihre ganz persönliche Lebens- und Liebesgeschichte. Dankbar über die Ablenkung lässt sich der Schriftsteller, der von Niamh kurzerhand Sean genannt wird, auf ihre Geschichte ein, findet Freundschaft und schlussendlich eine neue Sichtweise auf das eigene Leben.
Sprachlich hat mir der Roman Freude bereitet, auch die Schilderungen der irischen Landschaften und Stimmungen gefiel mir. Die Musik des Regenorchesters, mit dem Hansjörg Schertenleib seinen Roman enden lässt, klingt mir fast im Ohr. 

Hansjörg Schertenleib, Das Regenorchester. Aufbau, Berlin 2014.


 

Saturday, December 19, 2020

Margaret Atwood - Die Zeuginnen

Fast 35 Jahre nach der Publikation von Der Report der Magd (1985) veröffentlichte Margaret Atwood einen Folgeband zu der Geschichte des dystopischen Gileads. In ihrem Nachwort zu Die Zeuginnen begründet sie dies auch mit den wiederkehrenden Fragen der Leserschaft nach dem Schicksal der Magd und ihrer Kinder. Man könnte aber auch den Eindruck haben der große Erfolg der Fernsehserie habe etwas damit zu tun...

Gilead 15 Jahre später. Einige der Protagonistinnen sind uns bekannt, andere kommen neu hinzu. Zwei Teenager, eine in Gilead, eine in Kanada (!) und Tante Lydia sind die hauptsächlichen Erzählerinnen, hinzu kommen weitere "Dokumente" des Geschehens. Ihre Schicksale werden miteinander verwoben, um vom zunehmenden Verfall Gileads zu berichten, das sich aus dem Inneren heraus selbst zersetzt. Die Perspektiven dieser Zeuginnen sind gut angelegt und zeichnen im Wechsel ihrer Erzählungen durchaus eine spannende Geschichte, wenngleich der Ausgang dieser durchaus vorhersehbar ist. Es stellt sich jedoch keine vergleichbare Identifikation mit der Geschichte ein, wie das bei Der Report der Magd der Fall war. Dort war es gerade der intensive Erzähl- und Gedankenstrom von Desfred, der den Leser mit in die Ungerechtigkeit dieser Gesellschaft und die Ohnmacht der Erzählerin hineinnahm. Diese Identifikation findet mit keiner der Protagonistinnen von Die Zeuginnen statt, dafür bleiben die beiden Mädchen zu hölzern und fast stereotypisch und Tante Lydia ist eine offensichtlich unzuverlässige Erzählerin, das man ihr nicht über den Weg traut. Befremdlich fand ich auch den geschichtlich-futuristischen Überbau, den Atwood ans Ende stellt - alles sind nur Dokumente, die in einer fernen Zukunft analysiert und gedeutet werden, Wahrheitsgehalt unklar - was aber durch die individuelle Note der einzelnen Erzählstränge sowieso schon so angelegt war. 

Zwar war Die Zeuginnen kein durchweg schlechtes Buch, bleibt aber hinter der literarischen Qualität des Vorgängers deutlich zurück. Wenn man fies sein will: Vielleicht hätte Atwood es doch besser nicht nur schnell auf der Parkbank zusammengeschrieben...

Margaret Atwood, Die Zeuginnen. Osterwold 2019.


Monday, November 30, 2020

Oyinkan Braithwaite - Meine Schwester, die Serienmörderin

Oyinkan Braithwaite (*1988) ist eine nigerianisch-britische Autorin. Ihr Debutroman Meine Schwester, die Serienmörderin spielt in ihrer Geburtsstadt Lagos und handelt von einem ungleichen Geschwisterpaar. Korede arbeitet als Krankenschwester und ist heimlich verliebt in Tade, einen der Ärzte. Als ihre bildhübsche Schwester Ayoola sie ihm Krankenhaus besucht, geschieht das Unvermeidliche, Tade verliebt sich - wie fast alle Männer in Ayoola. Das lässt Korede an ihrer Loyalität ihrer Schwester gegenüber zweifeln, der sie nun schon mehrfach dabei helfen musste, die Leichen ihrer Geliebten zu entsorgen. Ist nun auch Tade in Gefahr? 

In einem sehr besonderen knappen Erzählstil mit ebenso knappen Kapitel erzählt die Autorin diese leicht unwahrscheinliche, absurd-groteske und spannende Geschichte in weniger als 250 Seiten. Die beiden Protagonistinnen werden dabei in ihren Stärken und Schwächen ausgeleuchtet, entfernen sich voneinander, um ihren Bund der Schwesternschaft nur umso stärker wieder zu festigen. Gleichzeitig fällt ein durchaus sehr zynischer Blick auf die Männer, die in ihren blinden Bedürfnissen nicht sehen, was direkt vor ihnen ist und was gut für sie ist. Das ungewohnte kulturelle Setting ist ebenfalls ein Plus. Insgesamt ein interessanter und kurzweiliger Roman.

Oyinkan Braithwaite, Meine Schwester, die Serienmörderin. Aufbau, Berlin 2020.


Sunday, November 29, 2020

Margot Lee Shetterly - Hidden Figures

Margot Lee Shetterly berichtet von der Geschichte der amerikanischen Raumfahrt aus der Perspektive der menschlichen "Computer" - eine Gruppe von Frauen, die in Langley für die NACA (später NASA) komplexe Berechnungen anstellt, um die ersten Flüge ins Weltall zu ermöglichen. Dabei konzentriert sich die Autorin auf die Beteiligung der afro-amerikanischen Frauen, die die Arbeit von Mathematikern erfüllten und auch in anderen Bereichen einen nicht zu unterschätzenden Anteil an den amerikanischen Raumfahrtprogrammen hatten.
Gleichzeitig ist Hidden Figures auch eine Geschichte des Kampfes um Gleichberechtigung und dem Ende der Segregation  und vor allem auch dem Recht auf gleiche Bildungschancen. Sie verdeutlicht dabei, wie viel mehr Schwarze - und besonders schwarze Mädchen und Frauen - leisten mussten, um im Rahmen ihres eingeschränkten und benachteiligten Bildungssystems den gleichen Bildungsgrad und eine gleichwertige Anerkennung desselben zu erlangen. Dies war eine nahezu unmögliche Herausforderung, was die Leistungen der schwarzen Mathematikerinnen bei NACA noch stärker heraustreten lässt. 

Vor diesem Hintergrund ist Shetterlys Buch eine großartige Zusammenfassung dieses Kampfes um Bildung, eine nachträgliche Wertschätzung der Leistungen dieser Frauen und im aktuellen Zusammenhang mit der erneuten Diskussion um Chancengleichheit in den USA ein wertvoller Beitrag. 

Andererseits ist es aus der Perspektive des Lesers ein sperriges Buch, das nicht ganz Sachbuch ist, für einen Roman aber deutlich einen zusammenhängenden Plot und Spannungsaufbau vermissen lässt. Die drei Protagonistinnen werden geschildert, werden aber nicht lebendig, man behält eine Distanz zu ihnen. Man hat Hochachtung vor ihren Leistungen, erfährt Details der Schwierigkeiten, die sie zu überwinden hatten, aber bleibt dennoch auf einer Sachebene, die wenig Emotionen auslöst. Hinzu kommt eine Tendenz, einige Aspekte mehrfach aufzuarbeiten, eine Redundanz, die auf Kosten der Lesbarkeit geht.
So habe ich schließlich auch einige Passagen und Kapitel mehr überflogen als gelesen und zum Abschluss den Film von Theodor Melfi (siehe Buchcover) angesehen, der mir gut gefallen hat. Insgesamt ist es ein interessantes Thema, das erzählerisch in Romanform sicherlich hätte besser dargestellt werden können, mich in dieser Form als Sachbuchs mit erzählerischen Anteilen nicht ganz überzeugen konnte. 

Margot Lee Shetterly, Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen. Harper Collins 2017.

 

Sunday, November 15, 2020

Jojo Moyes - Kleine Fluchten

 Neun sehr kurze Kurzgeschichten von der Chick-Lit Autorin Jojo Moyes. Es hat ein pinkes Cover und es war das einzige Buch auf meinem SuB mit einem pinken Cover - und musste daher herhalten für die Erfüllung eines der Aufgaben der Popsugar Reading Challenge. Zum Glück hat es nur 144 Seiten und war schnell gelesen. Die enthaltenen Geschichten sind zuvor in anderen Kontexten oder Anthologien erschienen. Es handelt sich um:

  • Der Mantel vom letzten Jahr
  • Ein Spatz in der Hand
  • Der Wunschzettel
  • Krokodilsschuhe
  • Liebe am Nachmittag
  • Holdups
  • Dreizehn Tage mit John C
  • Between the Tweets
  • Margot

Die Protagonistinnen befinden sich meistens in einer eher düsteren oder unzufriedenen Phase ihres Lebens, wenn ihnen etwas Unvorhergesehenes passiert: Vertauschte Schuhe, ein gefundenes Handy, eine Begegnung mit einem Taxifahrer... Zum Teil sind es sogar interessante Ideen mit Potential, allerdings sind die Figuren recht gewöhnlich, handeln nicht überraschend, sondern sehr vorhersehbar. Und, soweit ich mich erinnere, war eines der Merkmale von (guten) Kurzgeschichten, nach einer ansteigenden Spannung hin zur Krise und ggf. der Auflösung des Konflikts, ein offenes Ende, das zum Nachdenken anregen soll und Raum zur Deutung lässt. Die einzig mögliche Ausdeutung kommt bei den meisten der Geschichten mit dem Holzhammer daher, offen bleibt da wenig.
Ich kann sagen, diese Sammlung hat mir nicht sonderlich gefallen, aber es war pink. 

Jojo Moyes, Kleine Fluchten. Geschichten vom Hoffen und Wünschen. Rowohl, Reinbek bei Hamburg 2017.



Saturday, November 14, 2020

Michelle Obama - Becoming

Ich bin spät dran damit, dieses Buch zu lesen - Biografien gehören nicht zu meinen Lieblingsgenres und Bücher mit über 500 Seiten wirken inzwischen bei meiner limitierten Lesezeit ein wenig abschreckend auf mich. Andererseits war es vielleicht auch kein schlechter Moment für dieses Buch, so kurz nach der glücklichen Abwahl des Schreckgespenstes, dem Michelle Obama am Ende ihrer Zeit als First Lady und am Ende von Becoming begegnen muss. 

Der Erzählstil von Michelle Obama gefällt, ist nicht zu abgehoben, klingt aufrichtig, eine gelungene Mischung aus Emotion und Sachlichkeit. Man erfährt - besonders als Nicht-US-StaatsbügerIn - viel von den Hindernissen, die sie als Frau und als Person of Colour überwinden musste. Man versteht, warum ihr die Dinge wichtig sind, für die sie sich während der Präsidentschaft von Barack Obama und danach eingesetzt hat. Sie sind eine logische Folge ihres Lebens, in sich stimmig. Hinzu kommen einige interessante Einblicke in das alltägliche Leben im Weißen Haus, Barack ist dabei natürlich mit einbezogen, doch ihre Perspektive ist ihre eigene und eine feminine noch dazu. 

Man könnte erwarten, dass die Ablösung dieses ungewöhnlichen Präsidenten durch jemand so verantwortungslosen wie Donald Trump in seiner Ehefrau auch Bitterkeit und Zynismus auslösen könnte. Doch sie lässt ihr Buch auf einer positiven Note und mit Hoffnung enden. Sie erinnert an das "Gefühl von Fortschritt, ein tröstliches Mitgefühl, die Freude daran mitanzusehen, wie die Unbesungenen, die Unsichtbaren ins Licht fanden. Einen Schimmer der Welt, wie sie sein könnte. Das wollten wir festigen, das sollte fortdauern: mit einer aufstrebenden Generation, die begriff, was möglich war — und dass für sie noch viel mehr möglich wäre." (S.542/543).  

Becoming fügt sich nahtlos in das positive Bild, das ich von dieser beachtenswerten, starken Frau hatte - und ich bin mir sicher, wir werden weiter von den Obamas hören. 

Michelle Obama, Becoming. Goldmann, München 2018.

Monday, October 19, 2020

Ian McEwan - Maschinen wie ich

Charlie ist verliebt in Miranda, die in der Wohnung über ihm wohnt. Um sich für sie interessanter zu machen, lässt er sie teilhaben an seiner neuesten Errungenschaft, einem Adam. Adam ist einer von den 25 ersten Androiden, die in einem fiktiven Großbritannien 1982 auf den Markt kommen. Miranda und Charlie werden quasi zu Adams Eltern, als sie seine Persönlichkeitsparameter zu gleichen Teilen festlegen. Doch schnell wird klar, dass Adam nicht bloß ein Spielzeug sein kann, wie zuerst von Charlie gedacht. Adam greift mit der ihm eigenen Rationalität massiv in das Leben der beiden ein. Während Miranda und Charlie ein Paar werden, entdeckt auch Adam seine Emotionalität (und Liebe zu Miranda), sein Gewissen und analysiert mögliche Zukunftsperspektiven. Zum Leidwesen seiner Freunde – so muss man sie nun nennen – greift er eigenmächtig in ihr aller Leben ein und überschreitet damit die Grenzen der passiven, dienenden Maschine. 

In Maschinen wie ich platziert Ian McEwan seine Geschichte bewusst nicht in der fernen Zukunft, es ist keine Science Fiction Story. Statt dessen erdenkt er eine alternative Vergangenheit, in der einige politische und gesellschaftliche Ereignisse anders abgelaufen sind und so zu einem veränderten Jetzt im Jahre 1982 führen. Dabei sind die neuen Alben von den Beatles nur ein humoriges Detail, der geplante Austritt von Großbritannien aus der EU ein zeitgenössischer Seitenhieb, aber vor allem die Entwicklung der Informatik und künstlichen Intelligenz hat einen anderen Weg genommen. Dies verdankt diese fiktive Welt Alan Turing, der nicht durch die Verurteilung seiner Homosexualität auf einen Leidensweg gerät, der zu seinem Selbstmord führt. Hier erkennt man die klare Bewunderung Ian McEwans für den genialen Mathematiker, der sogar seinen Protagonisten Charlie vor Ehrfurcht erstarren lässt, sobald Turing ihm begegnet. 

Dieses interessant erdachte Setting überlagert aber nicht die zentralen Fragen des Romans. 

Zu welchem Zeitpunkt wird aus der Maschine, der künstlichen Intelligenz, eine Persönlichkeit? Was ist Bewusstsein? Und wenn Bewusstsein heißt, am Leben zu sein, welche Recht stehen dieser Persönlichkeit, gleich welcher Form, dann zu? Im Vergleich zum unvollkommen, emotional handelnden Menschen (von McEwan in seinen beiden menschlichen Protagonisten hervorragend ausgearbeitet), ist die zuverlässig moralische und rationale Maschine nicht sogar überlegen? Geschickt verdichtet der Autor diese Fragen zu einem Finale, bei dem am Ende der Leser selbst vor einem moralischen Dilemma steht, bei dem Richtig und Falsch nur schwer zu entscheiden ist.

Insgesamt ist Maschinen wie ich ein sehr intelligent konstruierter, gut geschriebener Roman, der für die nahe Zukunft relevante Fragen formuliert ohne klare, allzu einfache Antworten zu geben. Sehr gelungen.

 

Ian McEwan, Maschinen wie ich. Diogenes, Zürich 2019.

 


Saturday, August 29, 2020

Jo Platt - Die Bücherfreundinnen

Leider hatte ich Deine Juliet bereits gelesen und brauchte für die Popsugar Challenge 2020 noch ein Buch über einen Buchclub. Weil es in der Onleihe als Hörbuch verfügbar war, fiel meine Wahl auf Die Bücherfreundinnen von Jo Platt. Im Klappentextheißt es:
"Alice, Miriam, Sophie und Abigail sind die besten Freundinnen. Sie lachen zusammen und sie lesen zusammen. Einmal im Monat trifft sich ihr Buchclub. Doch eine fehlt – Lydia. Vor drei Jahren starb sie an Krebs. Ihr letzter Wunsch an die Freundinnen: Ihr Mann sollte in den Club aufgenommen werden, seitdem ist Jon bei jedem Treffen dabei."
Natürlich habe ich Chick-Lit erwartet, aber dennoch auf Literaturbezüge bzw. eine Verknüpfung der Liebesgeschichte mit dem Buchclub erhofft. Leider weit gefehlt. Alice, die Erzählerin, ist nahezu penetrant unfähig, ihre eigenen Bedüfnisse zu erkennen, geschweige denn zu äußern. Sie trampelt durch ihr Leben, hat angeblich mal Literatur studiert, die einzige Referenz dazu liefert sie mit einem relativ armen Kommentar zu Jane Eyre, der aber wohl auch nur der Tatsache geschuldet ist, dass der Autorin am Ende des Buches auch aufgefallen ist, dass Die Bücherfreundinnen ja noch gar nichts zu irgendwelchen Büchern gesagt haben. Was bleibt ist ein wenig unterhaltsames Gebrabbel über Beziehungskisten und Missverständnisse, das nahezu vollkommen ohne jeden Plot und erzählerische Überraschungen auskommt. Ich habe es selbst beim Putzen nur sehr widerwillig zuende gehört, wenngleich man Nana Spier zugestehen muss, dass sie in ihrer Lesung das Maximum aus den wenig einfallsreichen Dialogen herausholt.

Jo Platt, Die Bücherfreundinnen. Argon 2016.

Friday, July 31, 2020

Jacques Berndorf - Eifel-Liebe

Dieser Siggi-Baumeister-Krimi beginnt mit viel Eifel-Flair und hat all die wunderbaren Elemente, die man an dieser Reihe mag. Baumeister klüngelt durch seinen Garten, genießt die Natur und das Zusammensein mit seinen Tieren und raucht dabei gemütlich seine Pfeifchen. Dann taucht Oma Ohler auf und will ihn als Privatdetektiv engagieren und nur mit Mühe kann Baumeister ihr erklären, dass er als Journalist solche Familiengeschichten nicht übernimmt. Doch dann geschehen in der Clique von Oma Ohlers Enkelin Anna gleich mehrere Morde und Baumeister steckt gleich mittendrin in dieser Geschichte.
Der Fall Eifel-Liebe wird dann mit Recherche und Interviews und einer kleinen Portion Zufall hier und da gelöst, Baumeister und die Polizei arbeiten vielleicht etwas enger zusammen als in der Realität üblich ist, aber das tut der Freude über schlagfertigen und witzigen Dialoge und Baumeisters Beobachtungen und Gedankengänge k
einen Abbruch.
Gelesen wird dieser Band von André Grotta, viele der Bände hat der Autor selbst eingelesen, so dass die Stimme erst ungewohnt war, aber auch Grotta hat eine tiefe, sonore Stimme und liest mit großer Ruhe, so dass die Stimme dann auch gut zu Baumeister passte.


Jacques Berndorf, Eifel-Liebe. Saga Egmont 2020.



Saturday, July 11, 2020

Aki Ollikainen - Das Hungerjahr

In seinem kurzen Roman Das Hungerjahr erzählt Aki Ollikainen von der großen finnischen Hungersnot (1866-1868). Die Haupterzählung berichtet von der verzweifelten Marja, die sich aus der Provinz, in der es nichts mehr zu essen gibt, mitten im Winter nach Sankt Petersburg (oder aber mindestens Helsinki) aufmacht, um sich selbst und ihre zwei Kinder zu retten. Dafür muss sie ihren sterbenden Mann zurücklassen, für den keine Hoffnung mehr besteht.
Erschreckend anschaulich werden Hunger und Verzweiflung geschildert, aber auch die unterschiedlichen Reaktionen der Menschen, denen Marja und die Kinder begegnen. Vom blinden Hass, Vergewaltigung bis zum barmherzigen Teilen des wenigen, das diese Menschen noch haben, ist alles dabei. Die ganze Bandbreite menschlichen Handelns wird unter dem Brennglas der überaus großen Not verdeutlicht. Trotz leichtem Hoffnungsschimmer, dass der Hunger mit dem kommenden Frühling ein Ende haben wird, bleibt das Buch in der Summe düster - am eindrücklichsten werden mir die albtraumartigen Passagen in Erinnerung bleiben, wenn unter dem Hunger und im Delirium die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen.

Aki Ollikainen, Das Hungerjahr. Transit, Schwarzenbach 2013.

Thursday, July 09, 2020

Agatha Christie - Dreizehn bei Tisch

Hastings erzählt uns die Geschichte der schönen Schauspielerin Jane Wilkinson, deren ungeliebter Ehemann erstochen aufgefunden wird, nachdem sie sich lautstark darüber ausgelassen hat, dass sie ihn um jeden Preis loswerden möchte, um neu heiraten zu können. Doch sie kann es nicht gewesen sein, war sie doch gleichzeitig bei einem Dinner mit zwölf Zeugen für ihr Alibi. Und gibt es einen Zusammenhang zu dem Tod von Carlotta Adams, ebenfalls Schauspielerin und bekannt für ihre gelungenen Imitationen von Prominenten aller Art?
Ein bunter Strauß von Charakteren und Motiven bringt selbst den cleveren Poirot auf gedankliche Abwege, denn erst der dritte Mord bringt ihn auf die richtige Spur und er präsentiert die Lösung auf seine typische prahlerische Art vor Zeugen und dem ahnungslosen Kommissar Japp.

Dreizehn bei Tisch ist ein klassischer Poirot-Fall mit leichten Längen im Mittelteil und einer etwas plötzlich eintretenden Auflösung, was jedoch der Lesefreude keinen Abbruch tut.

Agatha Christie, Dreizehn bei Tisch. Atlantik, Hamburg 2015.

Friday, July 03, 2020

Kathy Reichs - Das Gesicht des Bösen

Auf den 19. Band der Reihe um Tempe Brennan musste die Leserschaft etwas warten, weil Kathy Reichs wegen der Behandlung eines Aneurysmas nicht schreiben konnte. Diese Erfahrung übertrug sie kurzerhand auch auf ihre Protagonistin.

Tempe traut sich und ihrer Wahrnehmung nicht recht, Migräne plagt sie und sie ist verunsichert und verärgert wegen ihrer neuen Vorgesetzten in Charlotte, als sie anonym Fotos von einer Leiche ohne Gesicht zugespielt bekommt. Obwohl ihre Mithilfe nicht offiziell angefordert wird, beginnt sie zusammen - zum Teil mit Skinny Slidell, der jetzt eigentlich für Cold Cases zuständig ist -  ihre Ermittlungen. Trotz mehrfachen Fehlentscheidungen und viel Ärger mit Skinny und der Vorgesetzten macht sie weiter und deckt auf vielen Umwegen und unter persönlichem Risiko tatsächlich die Hintergründe des Todesfalls auf. 
Im Nachwort des e-books erläutert Reichs ihre Herangehensweise beim Schreiben eines neuen Tempe-Thrillers: Sie sammelt verschiedene interessante Themen und Charaktere und entwickelt aus den Komponenten den Fall. Genau dieses Gefühl drängt sich beim Lesen von Das Gesicht des Bösen auf - es gibt viele zusammengewürfelte Aspekte und Ideen, von denen am Ende viele verworfen werden bzw. unter der Überschrift Verschwörungstherien zusammengefasst werden. Als roter Faden kann höchstens der unbändige Drang Tempes gelten, im Alleingang riskante Ermittlungen anzustellen, für die sie keine Befugnisse hat. Der Plot ist ansonsten etwas holprig, am Ende werden die Fäden aber dennoch ordentlich zusammengeführt und auch Tempe fasst wieder Hoffnung, dass ihr aus den Fugen geratenes Leben dennoch glücklich weitergehen kann. Die Dialoge mit Skinny und Ryan und die inneren Monologe Tempes machen nach wie vor Freude, die Charaktere sind einem im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen, so dass man die Plotmängel weitgehend verzeihen kann.

Kathy Reichs, Das Gesicht des Bösen. Blessing, München 2020.

Saturday, June 27, 2020

Siegfried Lenz - Das Wrack

In Siegfried Lenz' kurzer Geschichte Das Wrack geht es um den armen Flussfischer Baraby. Wir lernen ihn in einem Moment großer Hoffnung und Optimismus kennen: Er entdeckt ein Wrack in der Flussmündung, das noch niemand vor ihm entdeckt hat und das er auszuschlachten hofft. Mit seinem Sohn zusammen versucht er die Ladung zu heben. Nach ersten kleinen Erfolgen beginnen die Enttäuschungen. Baraby muss erkennen, dass das Wrack ist ohne Tauchzubehör nicht zu betreten ist, und er tauscht seinen Außenbordmotor - eine der Grundlagen für seine Fischerei - dafür ein. Der Tauchgang gelingt, aber seine Wünsche auf eine gewinnbringende Ladung im Wrack erfüllen sich nicht. Am Ende treiben Vater und Sohn hilflos und enttäuscht auf dem Wasser.

Das Wrack ist meisterhaft aufgebaut, die verschiedenen Stufen von Hoffnung und Enttäuschung übertragen die Anspannung des Protagonisten mit auf den Leser. Die sachliche, berichtartige Sprache steht in krassem Gegensatz zu der dramatischen Enttäuschung, die der Protagonist erfährt. Übrig bleiben, wie bei jeder guten Kurzgeschichte, gewichtige Fragen nach dem Fortgang der Geschichte und dem Schicksal der Figuren. Siegt die Verzweiflung, in der sich Vater und Sohn am Ende befinden, oder gibt es Hoffnung auf eine Wende, auf einen Neuanfang?

Siegfried Lenz, Das Wrack. Hoffmann und Campe, Hamburg 2013.

Carys Davies - West

In einer Zeitung liest der Maultierzüchter Cy Bellman 1815 in Pennsylvania von einem außergewöhnlichen Fund: Weit im Westen sind riesige Knochen gefunden worden. Der Gedanke an unfassbar große, unentdeckte Tiere lässt Bellman nicht mehr los. Er will diese Tiere suchen gehen, lässt dafür seine Tochter Bess bei ihrer Tante zurück und reitet mit einem Zylinder und großer Sehnsucht los.
Parallel wird ab dann die Geschichte von Bellmans Entdeckungsreise und die seiner Tochter erzählt.
Bellman reist später mit einem indianischen Jungen, der seine Sprache nicht versteht, anfangs ist er noch getrieben von der Sehnsucht und dem Entdeckergeist, später kommen ihm Zweifel, ob er nicht besser zuhause in seinem bescheidenen Leben und bei seiner Tochter hätte bleiben sollen.
 “He began to feel that he might have broken his life on this journey, that he should have stayed at home with the small and the familiar instead of being out here with the large and the unknown.”
Währenddessen erlebt Bess mit der Tante und einem ihr nachstellenden Nachbarn wenig Gutes, sie hofft lange und vergebens auf die Rückkehr des Vaters.
Sprachlich und stilistisch ist West von Carys Davies durchaus beeindruckend. Interessant ist der Gegensatz der zwei Figuren Bellman und dem indianischen Jungen, deren unterschiedliche Denkstrukturen und Lebensgrundlagen deutlich zutage treten. Bess' Schicksal, die Halbwaise, die auch noch vom Vater zurückgelassen wird, ist anrührend und ihre Perspektivlosigkeit als junges Mädchen in dieser Zeit an diesem Ort bedrückend.
Trotz dieser Vorzüge konnte mich West von Carys Davies nicht sonderlich fesseln, die Charaktere wuchsen mir trotz ihrer guten Ausarbeitung nicht ans Herz. Vielleicht liegt es daran, dass es wenig Anlass zu Hoffnung oder Freude gibt in dieser Geschichte - der starke Entdeckerdrang und der Wunsch nach Neubeginn kippen um ins Bittere angesichts der Auswirkungen, die diese auf alle Beteiligten haben. Insgesamt aber ein lesenwertes Buch.


Carys Davies, West. Luchterhand, München 2019.

Tuesday, June 23, 2020

Jean-Luc Bannalec - Bretonische Spezialitäten

In seinem neunten Fall ist Kommissar Dupin zunächst schwer genervt, dass er ausgerechnet mit seinem nervigen Präfekten Locmariaquer zu einer Fortbildung in die Nord-Bretagne muss. Einziger Trost - es sind auch einige sehr exklusive kulinarische Events im Programm. Doch als Dupin in der Mittagspause durch die Markthallen von St. Malo schlendert, geschieht beinahe direkt vor seinen Augen ein Mord: Zwei Star-Köchinnen, noch dazu Schwestern und Rivalinnen, streiten sich, die eine sticht die andere nieder und flieht.
Erst soll sich Dupin aus allem heraushalten, doch als die Ermittlungen durch das beharrliche Schweigen der verhafteten Täterin und weitere Morde erschwert werden, wird ein Sonderermittlerteam aus drei Kommissaren gebildet. Die Zusammenarbeit fällt dem einzelgängerischen Kommissar Dupin natürlich nicht leicht und lange ist nicht klar, was das Motiv für die Morde sein könnte, was zusätzlich frustrierend ist.
Wie immer schildert Bannalec die Landschaft und die Köstlichkeiten seiner bretonischen Wahlheimat kennerhaft und detailliert, was die Grundlage für die atmosphärische Krimireihe ist. Dupin ist ein Genießer und gut in seinem Job, selbst wenn er nicht in seiner Heimat und mit seinem Team arbeiten kann. Bretonische Spezialitäten besticht atmosphärisch und auch das Erzähltempo reißt den Leser mit, so dass der Roman ein echter Pageturner ist. Der Fall selbst hingegen beginnt zwar vielversprechend in der kulinarischen Szene, man wartet auf Enthüllungen in dem Bereich der Sterneküche. Das tatsächliche Motiv, das auf den letzten Seiten aufgedeckt wird, ist dagegen reichlich konstruiert. Es ist zwar soweit plausibel, will aber nicht so recht zum Thema (und Titel) des Buches passen. Die Täterin, obwohl als besonders skrupellos gezeichnet, bleibt unscharf und fremd, die vielen Toten unverhältnismäßig. So ist dieser neunte Fall sicherlich nicht der am besten konstruierte, aber ein Lesevergnügen aufgrund des sympathischen Kommissars und des Lokalkolorits.

Jean-Luc Bannalec, Bretonische Spezialitäten. Kiepenheuer und Witsch, Köln 2020.

Thursday, June 18, 2020

Jostein Gaarder - 2084 - Noras Welt

Das Thema von Jostein Gaarders Roman 2084 - Noras Welt könnte nicht wichtiger sein. Es geht der Protagonistin um Klimaschutz und Artenerhaltung. Nora in der Jetztzeit ist besorgt, denn sie fürchtet, das bald immer mehr Arten aussterben werden und ihre Nachfahren ihr dies zum Vorwurf machen werden. Diese Ängste werden dadurch befeuert, dass sie sehr lebhafte Träume von ihrer Urenkelin namens Nova hat. In diesen Träumen ist sie Nova und sieht sich selbst sozusagen aus der Zukunft. Daraus entsteht der starke Wunsch, etwas zu tun, so dass sie eine Aktivistengruppe zusammen mit ihrem Freund gründet.
Das wäre ein ganz ordentlicher Plot, aber leider nur wäre... Denn die einzelnen Elemente der Geschichte werden derartig wirr und zusammenhanglos aneinandergereiht, dass keine zusammenhängende Geschichte entsteht. Mal ist die Protagonistin Nora, dann Nova, dann begegnen sie sich, dann wird eine weitere Geschichte, um eine entführte Umweltaktivistin in Afrika eingeschoben, an deren Schicksal Nora Anteil nimmt, weil diese die Tochter ihres Psychologen ist, der ihr trotz ihrer Wahrträume bestätigt, mit ihr sei alles in Ordnung und den sie fortan bei jeder Gelegenheit privat anruft... Dazwischen werden diverse Artikel/Essays/Aufsätze zum Thema Artenschutz und der Einstellung der Menschheit zu den Konsequenzen des eigenen Handelns für kommende Generationen eingefügt. Hier fühlt man sich an Sofies Welt, den Erfolgsroman des Autors erinnert, in dem philosophisches Wissen kindgerecht verpackt wurde. Doch hier gibt es keine im Entfernten interessante Geschichte, um diese Wissenspäckchen zu verknüpfen.
Der mysteriöse Ring, die Wahrträume und natürlich auch das Klimaproblem, das alles bleibt ungelöst und unerklärt.
Die Intention ist ehrenwert, auch die Informationen sind wichtig und wissenswert, die Story selbst hingegen funktioniert - leider - gar nicht.

Jostein Gaarder, 2084 - Noras Welt. Hanser 2013.

Tuesday, June 02, 2020

Alex Capus - Königskinder

Alex Capus' Königskinder ist eine doppelte Liebesgeschichte. Max und Tina schneien auf einem Alpenpass ein und anstatt sich wie sonst immer andauernd zu streiten, erzählt Max Tina die Geschichte von Jakob und Marie. Die Geschichte nimmt ihren Anfang genau an eben diesem Alpenpass, der arme Kuhhirte aus dem Greyerzerland verliebt sich in Marie, die Tochter des reichen Bauern, der ihre Verbindung zu verhindern sucht. So wird Jakob erst Söldner und kommt dann an den (Bauern-) Hof des dem Untergang geweihten Ludwig XVI. Erst über diesen Umweg können die zwei Liebenden sich zusammentun, während auf dem Pass wieder die Sonne aufgeht und die Schneefräse Max und Tina befreit.
Es ist ein großer Spaß, wie Capus sprachlich den Bogen zwischen heute und damals schlägt, seine Erzähler Max gegenüber der kritischen Tina die Schwachstellen der Geschichte - aus heutiger Sicht - verteidigen lässt und gleichzeitig der Liebe in ihrer Schlichtheit - sie ist einfach - heute wie damals Raum gibt.

Alex Capus, Königskinder. Hanser, München 2018.





Sunday, May 31, 2020

M.E. Stedman - Das Licht zwischen den Meeren

Die australische Westküste in den 1920er Jahren: Tom Sherbourne ist Leuchtturmwärter auf Janus Island und lebt dort mit in großer Abgeschiedenheit mit seiner Frau Isabel. Ihre Beziehung wird durch drei Fehlgeburten auf die Probe gestellt, Isabel ist verzweifelt und fühlt sich unverstanden. Als eines Tages ein Boot angespült wird mit einem toten Mann und einem noch lebenden Baby, überredet Isabel Tom dazu, das Baby als ihr eigenes auszugeben und den Toten stillschweigend zu begraben. Diese Entscheidung belastet den rechtschaffenden, prinzipientreuen Tom sehr, aber er mag sich nicht gegen das Glück seiner Frau stellen. Als sie nach einiger Zeit herausfinden, wer die wahre Mutter des kleinen Mädchens ist, das sie Lucy nennen, werden Toms Gewissensbisse immer größer und er trifft die folgenschwere Entscheidung, diese wissen zu lassen, dass ihre Tochter noch lebt.
Während der erste Teil des Romans den beiden Protagonisten und ihrer Beziehung viel Raum lässt und die Atmosphäre der einsamen Insel mit ihrem Leuchtturm eine sehr besondere ist, geht es im zweiten Teil um Schuld und Verantwortung und die Geschichte verliert sich dabei ein wenig in langatmigen Auseinandersetzungen verschiedener Charaktere. Auch die "Geschichte danach" wirkt ein wenig aufgesetzt und bringt nicht viel Neues. Die Quintessenz ist, dass auch gute Menschen in gewissen Situationen und Lebensumständen falsche Entscheidungen treffen können, die dann schwer wieder gutzumachen sind und mit denen die Beteiligten dann zu leben lernen müssen. Mir haben das Setting der Leuchtturminsel und die beiden Protagonisten anfangs sehr gut gefallen, die moralischen Auswirkungen ihrer Entscheidung werden meines Erachtens in einer ermüdenden Weise ausgedehnt und erörtert, die die Geschichte nicht nötig gehabt hätte, um rund zu sein.

M.E. Stedman, Das Licht zwischen den Meeren. Random House Audio 2013.