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Friday, May 01, 2026

Oyinkan Braithwaite - Der Fluch der Falodun Frauen

Oyinkan Braithwaite erzählt in Der Fluch der Falodun Frauen von mehreren Generationen von nigerianischen Frauen, die ihre Männer - aus verschiedensten Gründen - nicht halten können und ihre Kinder im rein weiblichen Familienverbund aufziehen. Schuld daran ist ein vor langer Zeit ausgesprochener Fluch.
Auf mehreren Zeitebenen und aus den Perspektiven dreier Frauen der Familie erfahren wir von den Auswirkungen und Zusammenhängen ihrer Geschichten. Zentrales Element ist dabei die Geschichte von Eniiyi, die am gleichen Tag von Ebun geboren wird, als ihre Tante Monife beerdigt wird. Sie sieht ihrer Tante, die Selbstmord begangen hat, zum Verwechseln ähnlich und die abergläubischen Großmütter halten sie für Monifes Reinkarnation. Dies geht nicht spurlos an Eniiyi vorbei, fortwährend glaubt sie, fremdgesteuert zu sein, während sie auf ihre Weise gegen den Fluch ankämpft. 
Oyinkan Braithwaite hat eine Gruppe von Protagonistinnen geschaffen, die sowohl energisch, witzig und verletzlich sind, jede kämpft auf ihre Weise gegen das drohende Unheil des Fluches an. Offen bleibt, zu welchen Teilen der Fluch mystisch-real ist und zu welchen Teilen er allein durch den Glauben der Familie daran am Leben bleibt. Mir haben die Geschichten und die Schicksale der drei Frauen Freude bereitet, gerade weil sie weder glatt noch eindeutig sind. 

Oyinkan Braithwaite, Der Fluch der Falodun Frauen. Aufbau 2025.

Friday, December 22, 2023

Chimamanda Ngozi Adichie - Americanah

Americanah von Chimamanda Ngozi Adichie ist kein leichtes Buch. Zumindest nicht für mich.
Als Roman gekennzeichnet erzählt es die Geschichte von Ifemelu und Obinze im Nigeria der neunziger Jahre. Die beiden jungen Menschen lieben sich, aber sehen für sich in ihrem Heimatland kaum Zukunftsperspektiven. Während Ifemelu in die USA auswandert und mit ihrer Intelligenz und Hartnäckigkeit, aber auch mit Hilfe eines reichen Freundes dort Fuß fasst, scheitert Obinze zunächst als illegaler Einwanderer in London. Ifemelu betreibt ein erfolgreiches Blog über ihre gesellschaftlichen Beobachtungen als nicht-amerikanische Schwarze in den USA, Obinze heiratet und wird durch Immobiliengeschäfte in Nigeria reich. Die beiden sehen sich erst wieder, als Ifemelu nach Hause zurückkehrt, und müssen eine Entscheidung treffen.
Die Autorin, die selbst einen Lebenslauf hat, der Ifemelus nicht unähnlich ist, verwendet aber weniger Zeit auf die Liebesgeschichte ihrer Protagonisten als auf ihre Beobachtungen und Überlegungen zu den verschiedensten Themen, die gesellschaftliche Fragen und Unterschiede von Nigeria und den USA umfassen und sich vielfach mit der Identität von Afroamerikanern und nicht-amerikanischen Schwarzen und natürlich dem Thema Rassismus beschäftigen.
Als weiße Europäerin, die zwar mehrfach in den USA war, allerdings nur einmal in einem afrikanischen Land, fiel es mir nicht immer leicht, all die feinen Nuancen zu erfassen, für die die Autorin eine scharfe Beobachtungsgabe und vielschichtige Interpretationen mitbringt. Vieles hat meinen Horizont erweitert, manches blieb mir fremd. Einer meiner größten Schwierigkeiten war die Vielzahl der Charaktere: Ifemelus weiter Freundes- und Bekanntenkreis kommt mit einer Menge Namen daher, aber von ihnen waren viele nur für wenige Seiten relevant und hatten nur die eine Aufgabe, nämlich ein Thema oder eine Anekdote zu liefern, über die Ifemelu nachdenken oder bloggen konnte. Das brachte das zweite Problem mit sich, die nur sehr langsam voranschreitende Handlung. Vielleicht doch kein Roman, sondern eine lose mit einer Rahmenstory verbundene Essaysammlung? Gespickt mit Wörtern auf Igbo und immer wieder über Sprache reflektierend wurde Americanah zwar stilistisch nicht langweilig, aber ich habe doch sehr lange gebraucht, um die über 600 Seiten zu beenden. So war es ein interessantes, aber auch anstrengendes Buch für mich, aber ich bin froh, es endlich zur Hand genommen und gelesen zu haben.

Chimamanda Ngozi Adichie, Americanah, Fischer, Frankfurt am Main 2014.

Monday, November 30, 2020

Oyinkan Braithwaite - Meine Schwester, die Serienmörderin

Oyinkan Braithwaite (*1988) ist eine nigerianisch-britische Autorin. Ihr Debutroman Meine Schwester, die Serienmörderin spielt in ihrer Geburtsstadt Lagos und handelt von einem ungleichen Geschwisterpaar. Korede arbeitet als Krankenschwester und ist heimlich verliebt in Tade, einen der Ärzte. Als ihre bildhübsche Schwester Ayoola sie ihm Krankenhaus besucht, geschieht das Unvermeidliche, Tade verliebt sich - wie fast alle Männer in Ayoola. Das lässt Korede an ihrer Loyalität ihrer Schwester gegenüber zweifeln, der sie nun schon mehrfach dabei helfen musste, die Leichen ihrer Geliebten zu entsorgen. Ist nun auch Tade in Gefahr? 

In einem sehr besonderen knappen Erzählstil mit ebenso knappen Kapitel erzählt die Autorin diese leicht unwahrscheinliche, absurd-groteske und spannende Geschichte in weniger als 250 Seiten. Die beiden Protagonistinnen werden dabei in ihren Stärken und Schwächen ausgeleuchtet, entfernen sich voneinander, um ihren Bund der Schwesternschaft nur umso stärker wieder zu festigen. Gleichzeitig fällt ein durchaus sehr zynischer Blick auf die Männer, die in ihren blinden Bedürfnissen nicht sehen, was direkt vor ihnen ist und was gut für sie ist. Das ungewohnte kulturelle Setting ist ebenfalls ein Plus. Insgesamt ein interessanter und kurzweiliger Roman.

Oyinkan Braithwaite, Meine Schwester, die Serienmörderin. Aufbau, Berlin 2020.