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Sunday, September 15, 2024

Otfried Preußler - Hörbe mit dem großen Hut

Otfried Preußlers Hörbe mit dem großen Hut (zuerst veröffentlicht 1981) ist ein kleiner, liebenswerter und unaufgeregter Kerl. Er ist ein Hutzelmann und geschickt im Hütemachen. Sonnenschein und ein gut gelaunter Vogel bringen ihn eines Tages dazu, zu einer Wanderung im Wald aufzubrechen - auch wenn die anderen Hutzelmänner meinen, das Marmeladeneinkochen sei doch viel wichtiger und der Wald gefährlich. Tatsächlich wird der Ausflug zu einem Abenteuer, als Hörbe vor einigen gierigen Ameisen fliehen muss und in seinem kurzerhand zum Boot umfunktionierten Hut den Fluss und einen Wasserfall hinuntertreibt! Aber wäre das nicht geschehen, so hätte er auch nicht Zwottel mit dem Zottelpelz als Freund gefunden...

Die Hörspielproduktion des SWR ist sehr liebevoll gestaltet mit Geräuscheffekten und vielen Liedern, die gute Laune machen. Es ist zu lange her, dass ich das Buch zuletzt gelesen habe, um zu beurteilen, wie vollständig es umgesetzt wurde, aber diese Fassung ist zu hundertprozent empfehlenswert für jüngere Kinder. Und auch als Erwachsener hat die Botschaft, die Pflichten mal links liegen zu lassen, um etwas zu erleben und achtsam durch den Wald, die Sonne und das Leben zu gehen, Gültigkeit. 

Otfried Preußler, Hörbe mit dem großen Hut. DAV 2016.

Friday, September 06, 2024

Kirsten Boie - Dunkelnacht

Kirsten Boie schildert in Dunkelnacht die Verbrechen der Nationalsozialisten in der bayrischen Kleinstadt Penzberg im Jahr 1945.
Eigentlich ist der Krieg vorbei, so die Ansicht vieler in Penzberg, selbst den Radiosender hat "der Feind" schon übernommen. Doch hat Hitler aufgerufen, bis zum bitteren Ende zu kämpfen, was einige Wehrmachtssoldaten und vor allem die sogenannten Werwölfe sehr ernst nehmen. Statt also weiterzuziehen und Penzberg sich selbst zu überlassen, verüben sie an den einheimischen "Vaterlandsverrätern", die schon das Rathaus von den Nazis befreien wollten, einen Massenmord. 

Kirsten Boie erfuhr von der "Penzberger Mordnacht" und setzte dieses schockierende Beispiel eines "Endphaseverbrechens" in einen kurzen Jugendroman um. Man nimmt die Perspektive verschiedenen Jugendlicher ein, zwei von ihnen gerade frisch verliebt, die plötzlich Zeugen des drastisch geschilderten Verbrechens mit Erschießungen und dem Erhängen vertrauter Mitbürger:innen werden. In einem Nachwort schildert die Autorin noch ihre Empörung darüber, dass die Täter zwar zum Teil verurteilt, aber in der Revision durch ehemalige Nazi-Richter wieder freigesprochen wurden. Auch die Aufarbeitung vor Ort empfindet sie als nicht ausreichend, erst 2022, also nach dem Erscheinen des Romans, wurden Stolpersteine verlegt, die an die Opfer erinnern. 

Kirsten Boie, Dunkelnacht. Oetinger 2021.

Friday, December 31, 2021

Michael Ende - Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch

Der Zauberer Beelzebub Irrwitzer und seine Tante Tyrannja Vamperl sind Experten für böse Taten. Seit einiger Zeit haben sie jedoch Spione im Haus - der Rat der Tier hat ihnen den Kater Maurizio und den Raben Jakob ins Haus geschickt, um herauszufinden, was sie im Schilde führen. Das hat ihren Zeitplan für ihre teuflischen Pläne durcheinander gebracht und nun droht ihnen eine persönliche Pfändung durch "die da unten", weil sie ihr soll an schlechten Dingen nicht erreicht haben. Problem ist: Bis zum Jahresende sind es nur noch ein paar Stunden. Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch kann sie retten, denn mit dessen Hilfe können sie sich pro Punschglas etwas besonders Fieses wünschen. Doch der Punsch ist aufwändig herzustellen und Maurizio und Jakob versuchen ihrerseits, das Schlimmste zu verhinden...

Michael Endes Wunschpunsch steckt voll feinem Humor und sprachlichen Finessen. Die vier Charaktere haben alle ihre interessanten Besonderheiten und Facetten, die Rufus Beck einmalig umsetzt. Das ist keine Lesung mehr, sondern Theater! Ein absolutes Hörvergnügen - von der immer noch hochaktuellen Thematik der Umweltzerstörung und der kapitalistisches Gier ganz abgesehen. Was Ende bereits 1989 wusste, ist in den Köpfen der Menschen leider immer noch nicht angekommen.

Michael Ende, Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch. DAV 2009.

Thursday, December 30, 2021

Peter Härtling - Das war der Hirbel

Das war der Hirbel ist Peter Härtlings Zeugnis von einem behinderten, elternlosen Kind, das mit seinen vielfältigen Defiziten in keiner Pflegefamilie dauerhaft aufgenommen wird, sondern durch viele Hände und Heime geht. Relativ sachlich schildert Härtling von Hirbels Schwierigkeiten: Durch Schwierigkeiten bei der Geburt leidet er unter schweren Kopfschmerzen, hat Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten und auch andere körperliche Beschwerden. Manchmal hat er "Anfälle", bei denen er schwer zu bändigen ist. Seine Talente werden weniger stark wahrgenommen, er kann sehr schön singen, er hat Fantasie und ein gutes Gespür für Menschen - nämlich für die, die ihm Böses wollen. In kurzen Episoden berichtet Härtling von Hirbels Leben, seine Fluchtversuche, seine Ideen, den bösen, gewalttätigen Hausmeister auszuschalten und seine anrührende Idee, vom Doktor adoptiert zu werden, indem er sich schwerkrank stellt. Die zwei Erzieherinnen des Heims bringen Verständnis für Hirbel auf, können aber auch nicht verhindern, dass er schließlich wieder in ein anderes Pflegeheim verlegt wird. Hirbels Zukunft bleibt ungewiss.
Härtling verzichtet bestimmt bewusst auf ein glückliches Ende, macht er doch in seinem Nachwort klar, was die Schwierigkeiten im Umgang mit Kindern wie Hirbel sind und das einiges davon schwer aufzufangen ist von den Institutionen, die wir als Gesellschaft dafür bereithalten. Er plädiert kurz und ohne Sentimentalitäten an die Menschen - auch an die Kinder - freundlich und offen zu sein und zu helfen, wo wir können. Auch wenn die geschilderten Mechanismen in Hirbels Kinderheim heute anders ablaufen - so kann man nach nahezu 50 Jahren nach dem ersten Erscheinen des Buchs zumindest hoffen - so bleibt die Botschaft gegen Ausgrenzung und Distanz und für Menschlichkeit und Toleranz gültig. Hut ab für Härtling, der damit in den 70er Jahren sicher ein ungewöhnliches und unbequemes Thema aufgriff.

Peter Härtling, Das war der Hirbel. Gulliver/Beltz und Gelberg, Weinheim 2014.

Monday, January 25, 2021

Erich Kästner - Pünktchen und Anton

Erich Kästners Klassiker Pünktchen und Anton erzählt von der Freundschaft zweier ungleicher Kinder - die freche Pünktchen ist Tochter eines wohlhabenden Direktors, Anton der Sohn einer alleinerziehenden und kranken Mutter. Und dennoch ist nicht eindeutig zu sagen, wer von den beiden Glück oder Pech hat, denn die Eltern von Pünktchen nehmen sich kaum Zeit für sie, während Anton erfolgreich sein eigenes Leben und das der Mutter organisiert und dabei über sich hinauswächst.
In seinen Kommentaren nach jedem der 16 Kapitel bemüht sich der Autor um Reflexion des Geschehenen, misst das Verhalten und die Charakterstärke aller seiner Figuren an einem Idealbild, das auch heute noch Bestand hat. Es geht um große Dinge wie Gerechtigkeit, Mut, Ehrlichkeit oder Freundlichkeit gegenüber allen. Und doch wirkt Kästners Text auch heute nicht altklug oder vermessen, seine Werte haben Gültigkeit und seine humorvolle und einfache Art, sie den jungen Lesern seiner Zeit zu vermitteln, funktioniert auch heute noch. Und trotz aller gesellschaftlich schwierigen Aspekte behält die Geschichte eine Leichtigkeit, die den witzigen Charakteren einerseits und andererseits den flapsigen und witzigen Dialogen entspringt, ein bisschen Berliner Schnauze ist natürlich auch dabei.
Mir hat Kästners Erzählstil und auch die Geschichte viel Freude gemacht. 

Erich Kästner, Pünktchen und Anton. Süddeutsche Zeitung, Junge Bibliothek 25, München 2005.

Wednesday, November 02, 2016

Fynn - Hallo, Mister Gott, hier spricht Anna


"Hallo, Mister Gott, hier spricht Anna" erzählt von einem kleinen Mädchen, das der 19jährige Ich-Erzähler, der sich selbst den Namen Fynn gibt, eines Nachts auf den Londoner Straßen der 1930er Jahre findet und mit nach Hause nimmt, da sie offensichtlich misshandelt wurde und daher fortgelaufen ist.
Sie hat einen unerschütterlichen Glauben an Gott, ist außerordentlich intelligent und saugt jede Art von Wissen auf wie ein Schwamm. Daraus ergeben sich intensive theologische, wissenschaftliche und auch fantastische Gespräche zwischen Anna und Fynn. Dieser ist selbst sehr begabt, vor allem im Bereich der Naturwissenschaft, aber die Gespräche mit Anna verblüffen ihn immer wieder und er staunt über den Scharfsinn des kleinen Mädchens. Doch nicht nur er ist tief beeindruckt, sondern Anna wirkt auf nahezu alle Menschen ihrer Umgebung besonders und wird überall geliebt.
In 27 Kapiteln werden verschiedene gedankliche Experimente und Erkenntnisse und - vor allem - wichtige Fragen in kleinen Episoden dargestellt. Die Sprache ist dabei kindlich einfach, das Setting das eines längst vergangenen Londoner East Ends mit den dazu passenden Charakteren. Kontinuierlich zieht sich der Faden des Staunens über Annas Weisheit und Begabung durch das Buch, Fynn macht klar, dass jeder von Anna lernen kann und auch von ihr lernen sollte.
Unklar bleibt, ob das Buch Fiktion oder autobiographisch ist, eventuell ist es eine Mischung. Der englische Wikipedia-Artikel gibt an, dass es Zeichungen und Notizen aus Annas Hand geben soll. Die Identität von Fynn war ebenfalls lange ein Geheimnis, dem eine ganze Website gewidmet ist. Der Autor schrieb zwei weitere Bücher über Anna.
Im Grunde spielt es keine große Rolle, ob es die Anna des Buches in dieser Form wirklich gegeben hat. Das Buch bietet eine Unzahl an Gedankengängen, die nachzuvollziehen sich lohnt. Dabei sind es das Staunen und die Bewunderung für die Absolutheit des Glaubens und der Liebe - zwei Dinge, die Annas Dasein zusammenfassen und die auch unveränderlich miteinander verknüpft sind - die die zentrale Aussage des Buches bilden. Natürlich ist es an der Oberfläche auch ein sentimentales und stellenweise ein naives Buch, aber definitiv eines, das einen zweiten oder dritten Gedanken verdient hat.

Fynn, Hallo, Mister Gott, hier spricht Anna. Fischer, Frankfurt am Main 2006.

Saturday, May 28, 2016

David Almond - Zeit des Mondes

Michael zieht mit seinen Eltern in ein stark renovierungsbedürftiges Haus, erkundet die Umgebung und findet in der zugerümpelten Grage ein Wesen, das eigentlich kein Mensch mehr sein kann, so verfallen wirkt es. Michael spricht dennoch mit ihm, bringt ihm zu essen und zu trinken. Es ist die passende Ablenkung davon, dass seine kleine Babyschwester wieder zurück ins Krankenhaus und um ihr Leben kämpfen muss. Michael fühlt sich verantwortlich, fühlt eine merkwürdige Verbindung zu seiner Schwester und zu diesem Wesen, von dem wir später erfahren, dass es Skellig heißt (so auch der Originaltitel von 1998, benannt nach den Skellig Islands vor Irland).
Dann trifft Michael auch noch auf Mina, die nebenan wohnt, von ihrer Mutter zuhause unterrichtet wird und die Welt mit ganz anderen Augen sieht. Sie hilft ihm dabei, Skellig zu versorgen, und staunt mit ihm gemeinsam, wie dieser sich zunehmend verändert und wie ihm Flügel wachsen...

Die Flügel haben in David Almonds Geschichte eine große Symbolkraft, die in ihrer Schlichtheit auch für die Zielgruppe des Kinderromans funktioniert. Gleichzeitig geht es um die großen Themen Familie und Freundschaft. Michaels alte Jungenfreundschaften werden in der Krise auf die Probe gestellt, während Mina mit ihrer Andersartigkeit mit schlafwandlerischer Sicherheit Michaels wunde Punkte erkennt und ihm trotz der noch neuen Freundschaft beisteht. Und auch wenn ihr mystisches Wunderwesen weiterzieht, bleiben beiden die Erinnerungen und die Wirklichkeit und das Wissen, dass auch Menschen Flügel haben, auch wenn man sie nicht sieht.
Zeit des Mondes ist eine anrührende und beeindruckende Geschichte, die zu Recht zahlreiche Preise gewonnen hat.

David Almond, Zeit des Mondes. Ravensburger, Ravensburg 2013.

Saturday, February 27, 2016

Philip Kerr - Winterpferde


Wie das Cover bereits verrät, geht es in Philip Kerrs Roman Winterpferde um die besondere Freundschaft zwischen einem Mädchen und zwei Pferden. Es sind allerdings nicht irgendwelche Pferde oder Ponys, sondern die seltenden Przewalksi-Pferde, die es 1941 im ukrainischen Askania-Nowa noch gibt.
Aber die deutschen Nazis haben das Naturreservat besetzt und betrachten die Pferde als minderwertig und wollen alle töten. Genauso bedroht ist das jüdische Mädchen Kalinka, die sich in den Wäldern versteckt hält. Der harte Winter zwingt sie jedoch in die Nähe der wenigen Häuser, wodurch sie den Tierwärter Max kennenlernt. Max ist der erste Mensch nach langer Zeit, der Kalinka hilft und Wärme, Nahrung und Freundschaft bietet. Doch schon bald muss sie fliehen, zusammen mit zweien der verbleibenden Pferde und Max' Wolfshund.

Winterpferde ist eine Abenteuergeschichte, deren Zielgruppe Kinder und Jugendliche sind. Die politisch-historischen Hintergründe werden in einfache Zügen umrissen und erklärt, auch die Geschichte der Przewalksi-Pferde wird in die Erzählung eingebunden. Berührend ist die Freundschaft zwischen dem alten, einsamen Max und Kalinka, die den Verlust ihrer Familie noch nicht betrauern kann, aber dennoch große Empathie für Mensch und Tier aufbringen kann. Auf der Flucht besteht die Gruppe die Gefahren nur durch den Zusammenhalt, wenngleich die übertriebene Intelligenz der Pferde die Geschichte zwischenzeitlich ins Mystisch-Fantastische abgleiten lässt.
Kerr versucht, keine rein schwarz-weißen, stereotypen Figuren zu zeichnen, sowohl unter den Nazis als auch unter den Russen gibt es in Winterpferde gute und schlechte Menschen. Kalinkas Instinkt sagt ihr, wem sie vertrauen kann und wem nicht, dadurch - und durch die Loyalität ihrer tierischen Freunde - kann sie sich schließlich in Sicherheit bringen, auch wenn das Ende für Kinder sicherlich dennoch schwer zu ertragen sein wird.

Philip Kerr, Winterpferde. Sauerländer 2015.

Wednesday, December 23, 2015

Lisa Tetzner - Die schwarzen Brüder


Lisa Tetzner (1894-1963) ist eine deutsche Exilliteratin, die sowohl mit Hermann Hesse und Bert Brecht bekannt war. Sie war verheiratet mit Kurt Held (Autor von Die rote Zora). Die Nationalsozialisten zwingen sie zur Flucht  in die Schweiz. Nach dem zweiten Weltkrieg förderte sie phantastische Kinderliteratur  (u.a. Astrid Lindgren) und übersetzte C. S. Lewis' erstes Narnia-Buch.
Die Schwarzen Brüder (erstmals erschienen 1941 und eigentlich von Tetzner und Held gemeinsam verfasst) handelt von einem Jungen namens Georgio aus dem Schweizer Tessin. Seine Eltern müssen ihn wegen existentieller Nöte an einen Menschenhändler verkaufen, der ihn nach Mailand bringt, wo er wie viele andere Jungen aus seiner Region als Kaminkehrerjunge arbeiten muss.
Anschaulich wird die Not der Jungen beschrieben, die nicht nur die körperlich harte und gesundheitsschädigende Arbeit, sondern auch schlechte Behandlung, Ernährung und Unterbringung durch ihre Meister ertragen müssen. Sie schließen sich zu einer Bande, den Schwarzen Brüdern, zusammen und können in der Gemeinschaft besser überleben, da sie sich gegenseitig unterstützen. Eine wirkliche Wende tritt aber erst ein, als ein tessinischer Arzt per Zufall auf Georgio trifft und sich des Jungen annimmt. Durch diese Begegnung schöpfen die Jungen Hoffnung und fassen Mut zur Flucht.
Es ist eine anrührende Geschichte basierend auf historischen Fakten mit einem vielleicht etwas moralisch zu integrem Protagonisten, auch der Bandenzusammenhalt und der Ehrbegriff der Jungen wirkt etwas idealisiert, aber nicht bis zur Unglaubhaftigkeit.
Dietmar Bär liest gewohnt exzellent und verleiht diesem Kinderbuchklassiker und den Schwarzen Brüdern eine sonore Stimme.

Lisa Tetzner, Die schwarzen Brüder. Sauerländer Audio 2014.

Friday, May 15, 2015

Andreas Steinhöfel - Anders

Andreas Steinhöfel ist einer der besten zeitgenössischen deutschen (Jugend-) Autoren, am erfolgreichsten ist er wohl mit seinen Rico-Geschichten.
In Anders schildert er die Geschichte von Felix Winter, der nach einer schweren Kopfverletzung und einer langen Zeit im Koma verändert erwacht. Er kann sich nicht an die Zeit vor dem Unfall erinnern und nimmt die Welt um sich verändert wahr. Daher gibt er sich selbst einen neuen Namen, Anders.
Sein Vater und seine Mitschüler wissen, dass kurz vor dem Unfall etwas passiert sein muss, was Felix stark beschäftigt hat, doch es ist nicht leicht für Anders, den Schlüssel zu diesen Geschehnissen zu finden.
Wer Paul Vier und die Schröders von Steinhöfel kennt, der wird feststellen, dass der Autor sich nach 22 Jahren (!) desselben Settings bedient und einige Bemerkungen zu den damaligen Geschehnissen in der Ulmenstraße (wo Paul Vier und Anders leben) macht. Dies ist aber nicht wirklich relevant für die Ereignisse, außer das man sich als Leser wieder an die bedrückende, spießige Atmosphäre der Nachbarschaft erinnert fühlt, in Form einer unguten Erinnerung vielleicht.
Der Erzählstil, teils ein innerer Monolog, teils fast eine Art Voice-Over, ist das bestechendste an Anders. Reales Geschehen wird angereichert mit mystischen Gedanken und Träumen. Anders' Deutung der Welt, indem er Farben in den Menschen sieht, machen eine Einordnung in gut und böse ("zuviel schwarz") und damit eine Abgrenzung möglich. Er kann sich für das Helle entscheiden und geschehenes Unrecht ausgleichen. Eine sehr anrührende, mystische Geschichte, "anders" als andere Jugendromane und erzählerisch und sprachlich den meisten weit überlegen.

Andreas Steinhöfel, Anders. Silberfisch 2014.


Weitere Rezensionen zu Büchern von Andreas Steinhöfel (oder alle Beiträge mit Steinhöfel anzeigen):

Sunday, April 19, 2015

Monika Feth - Die blauen und die grauen Tage


Bereits 1996 veröffentlichte Monika Feth Die blauen und die grauen Tage, noch bevor sie mit der Jugendkrimireihe um Jette Weingärtner (erster Band Der Erdbeerpflücker) bekannter wurde.
Evis Oma zieht zu ihnen, weil sie nicht mehr allein leben kann. Zunächst versteht Evi gar nicht warum, denn mit der Oma im Haus wird alles plötzlich leichter und familiärer, weil diese sich um den Haushalt kümmert und immer für Evi da ist. Doch eines Tages ist die Oma verschwunden und nach langem Suchen findet Evi sie völlig verstört in der Bahnhofshalle... Danach beginnt Evi Buch zu führen, es gibt viele blaue Tage, in denen die Oma klar und normal ist, und einige graue Tage, an die sie sich hinterher auch nicht erinnern kann. Die Demenzerkrankung der Oma belastet Evi und die restliche Familie sehr, denn immer steht da die Bedrohung im Raum, dass die geliebte Oma in ein Heim umziehen muss, wenn die Situation zuhause nicht mehr tragbar ist. Doch der Jugendroman endet, ungleich dem wirklichen Leben, mit einer alternativen und viel schöneren Lösung.
Demenz ist ein unbeliebtes Thema, es in einem Jugendbuch zum Thema zu machen ist mutig. Evis Kinderperpektive der liebenden Enkelin, die sehr wohl erkennt, wie sehr die Familie und sie selbst von der Gegenwart der Oma profitieren, illustriert sehr gut, wie schrecklich die Erkenntnis ist, dass eine zunehmende Demenzerkrankung für eine Familie eine große Belastung ist, in der alle Beteiligten - vor allem auch die Erkrankte selbst - unter der Situation leiden. Natürlich ist die Lösung in Die blauen und die grauen Tage auch in gewisserweise naiv und für viele Menschen mit dieser Erkrankung keine Alternative. Aber das Buch macht dennoch Mut, nicht gleich aufzugeben, nach anderen Möglichkeiten zu schauen und die Menschenwürde immer im Blick zu behalten - und dies in einer auch Kinder und Jugendliche ansprechenden Weise.

Monika Feth, Die blauen und die grauen Tage. cbt, München 1999. 

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Für die Buchchallenge 20/15 habe ich in diesem Buch aus der Kategorie V. Nahrungsmittel den Kuchen ausgesucht. Als die Oma zu Beginn der Geschichte einzieht, wird Kirschkuchen serviert.

Tuesday, October 28, 2014

Mark Twain - Huckleberry Finn

After reading Tom Sawyer in 2011 I wanted to read The Adventures of Huckleberry Finn too. It's been a while since then, a pile of other books had to be read too. And it took me longer to finish it too.

As the title suggests these are Huck Finn's adventures although Tom Sawyer has some part in them at the beginning and at the end. After becoming rich at the end of Tom Sawyer Huck Finn's father reappears and wants to get his hands on the money while Huck is officially living with the widow Watson. Although the father doesn't get the money he kidnaps Huck and forces him to live with him and locks him up. Huck Finn escapes on the Missisippi and makes it look like he has been murdered so noone comes looking for him. After some time in hiding he is joined by Miss Watson's slave Jim who ran away. The two start a journey down the Missisippi on a raft together.

The book is devided into several parts marking different locations and stories which could be looked at seperately for each has significance regarding one or more aspects of American life in the South at the time. Huckleberry Finn is always right in the middle of the story but usually not the person responsible for the occurring problems. That doesn't mean that he's not capable of changing the course of events. Although he is a vagabond and often has to lie and trick people he has got a conscience and always wants to do the right thing. The most important conflict he is in is his friendship with Jim. Huck knows that Jim is a good person and they have to rely on each other to survive. But being brought up in the south he is supposed to see Jim as property, as a slave, not as a person. One of the most impressive passages of the book is Huck Finn pondering about giving Jim up or saving him to freedom. It's not an easy decision because there are laws, morals and religion weighing against his own feelings and conscience. Needless to say he does the right thing - as Twain does too at the end of the book in setting Jim free officially (the widow died and gave him his freedom in her will).

It wasn't easy to read Huck Finn as a non-native speaker of English. Mark Twain explains:
In this book a num­ber of di­alects are used, to wit:  the Mis­souri negro di­alect; the ex­tremest form of the back­woods South­west­ern di­alect; the or­di­nary "Pike County" di­alect; and four mod­i­fied va­ri­eties of this last. The shad­ings have not been done in a hap­haz­ard fash­ion, or by guess­work; but painstak­ingly, and with the trust­wor­thy guid­ance and sup­port of per­sonal fa­mil­iar­ity with these sev­eral forms of speech.
I make this ex­pla­na­tion for the rea­son that with­out it many read­ers would sup­pose that all these char­ac­ters were try­ing to talk alike and not suc­ceed­ing.
THE AU­THOR.
Spelling and sentence structure were hard getting used to especially when Jim was talking but it was worth it because I guess a just translation would be nearly impossible. This kind of dialect writing was new at the time and Twain worked hard to get there, rewriting the text several times. So it must be important for depicting the situation at that time.

I won't get into all the problematic interpretations and controversies (for being racist or anti-racist) that Huck Finn raised over the years and still does, e.g. eliminating the book from the reading lists (because of the use of the word "nigger") as a symbol of change after Obama's election into office (see wikipedia article on the topic).
The most impressive about the novel is its narrator's voice and protagonist. In addition to that it is remarkable how it touches so many sensitive topics of American history without being judgemental but showing clearly that there were things that were problematic on different levels. That makes it an outstanding novel at the time it was published (1884) and today.

Sunday, August 24, 2014

Pamela Lyndon Travers - Mary Poppins

Mary Poppins ist vielen ein Begriff und sofort hat man Julie Andrews aus dem gleichnamigen Disney-Film (1964) vor Augen. Doch den Namen der australisch-britischen Autorin Pamela Lyndon Travers (1899-1996) kennt man weniger. Als Kinderbuch-Klassiker erschien Mary Poppins auch 2005 in der Reihe "Süddeutsche Zeitung Junge Bibliothek" in einer hübschen und illustrierten Hardcover-Ausgabe. Im Original erschien es bereits 1934 in London und spiegelt selbstverständlich auch die Atmosphäre Londons in dieser Zeit.
Mary Poppins ist nicht wie andere Kindermädchen, sie hat einen sehr eigenwilligen Charakter, ist sehr eitel und ordnet sich gesellschaftlich nicht unter. Dennoch stört sich ihre Umwelt offensichtlich wenig daran bzw. lässt sie gewähren. Sie hat magische Fähigkeiten, warum und wieso erfährt man nicht - dies muss man auch als Leser ebenso wie die Kinder der Familie Banks, bei der Mary Poppins arbeitet, einfach hinnehmen.

Das Buch besteht aus zwölf Kapiteln, die eher eine lose Geschichtensammlung darstellen als eine zusammenhängende Erzählung. Die einzelnen Episoden sind Abenteuer, die die Kinder aufgrund der Magie ihres Kindermädchen erleben dürfen und die häufig mit den skurrilen Bakannten von Mary Poppins zu tun haben. Nach einem Besuch im Süßwarenhandel von Mrs Corry beobachten die Kinder beispielsweise, wie Mrs Corry, deren Töchter und Mary Poppins die Papiersterne, die als Dekoration auf den Pfefferkuchen klebten und die die Kinder aufgehoben haben, nachts an den Himmel kleben. Wunderbar. 
Das Lokalkolorit und auch die an einigen Stellen zu erkennende unterschwellige Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen, die allerdings Kindern vermutlich größtenteils verborgen bleiben, geben Mary Poppins einen ganz besonderen Charme. Als Märchen- und Geschichtenbuch hat es eine starke und fantasievolle Ausstrahlung und ist sicherlich auch heute noch gut vorzulesen. 

Pamela Lyndon Travers, Mary Poppins. Süddeutsche Zeitung Junge Bibliothek 2005. 

Tuesday, July 23, 2013

Can't You Sleep, Little Bear?


This is a card sent by Doke from the Netherlands. It's an illustration from the book Can't You Sleep, Little Bear? by Martin Waddell. It was first published in 1988 and the illustrator is Barabara Firth.
The Little Bear is afraid of the dark but Mama Bear can assure him that there's nothing to be afraid of so he can go to sleep.
Lovely water colour illustrations. 




Sunday, May 26, 2013

Ursula Poznanski - Erebos

An Nicks Schule gehen merkwürdige Dinge vor sich. Zunächst weiß Nick nicht, was es ist, denn alle hüllen sich in Schweigen und verhalten sich seltsam. Doch dann erhält auch er eine CD mit dem Computerspiel, das alle so in ihren Bann zieht. Erebos (eigentlich der Name des griechischen Gottes der Finsternis, aber das weiß fast niemand, deswegen nimmt es auch niemand als Warnung wahr) verpflichtet die Spieler zum Schweigen über das süchtig machende Spiel. Man hat nur eine Chance es zu spielen, und um nicht hinauszufliegen, müssen die Spieler Aufgaben erfüllen - im Spiel und in der Realität. Auch Nick verfällt dem Spiel, bei einem seiner Aufträge in der realen Welt verweigert er sich jedoch, weil ihm bewusst wird, wie gefährlich das Spiel geworden ist. Er verliert den Zugang zum Spiel und verbündet sich daraufhin mit anderen, die ebenfalls die Gefahr erkannt haben.
Poznanski hat hier eine äußerst spannende Geschichte konstruiert. Jeder Computerspieler hat vermutlich schon einmal erlebt, wie sehr man von einem Spiel in den Bann gezogen werden kann. Man vergisst, was um einen herum ist, vernachlässigt andere Verpflichtungen. Erebos treibt dies auf die Spitze, die Jugendlichen werden von dem Spiel gesteuert, in emotionale und soziale Abhängigkeiten getrieben und tun dadurch Dinge, die sie sonst nicht tun würden. Nick ist ein Protagonist, der glaubhaft ist, weil er dem Spiel zunächst genauso verfällt, und dennoch moralisch integer an der richtigen Stelle die richtige Entscheidung trifft. Empathie, Mitgefühl und Zusammenhalt verhelfen den Guten zum Sieg. Natürlich ist das Bild von Gut und Böse einfach gezeichnet, der Spannung tut dies aber keinen Abbruch.
Meiner Meinung nach erhielt Erebos zurecht den Deutschen Jugendliteraturpreis 2011.
Einen etwas seltsamen Effekt hatte es für mich, dass die Audiobook-Fassung von Jens Wawrczeck gelesen wurde. Nick verschmolz dadurch in meinem Kopf mit Peter, der wohl am wahrscheinlichsten von den drei Fragezeichen auch Erebos zunächst erlegen wäre, aber ebenso das Geheimnis aufgedeckt hätte, zudem die Aufklärung in einigen Punkten der Fragezeichenrätselrecherche ähnelte. Erebos als großer Drei-Fragezeichen-Fall... Aber nur in meinem Kopf.

Ursula Poznanski, Erebos. Der Hörverlag 2010.

Sunday, May 05, 2013

Jenny Nimmo - Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder

Jenny Nimmo ist eine britische Jugendbuchautorin, die unter anderem für ihre Reihe um Charlie Bone bekannt ist. Ihre Website gibt einen guten Überblick über ihr Leben und Werk und ist außerdem nett illustriert. 
Im ersten Band Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder entdeckt Charlie, dass er die Fähigkeit hat, Personen in Bildern sprechen und denken zu hören. Seine etwas unheimlichen Tanten veranlassen daraufhin, dass er zum Bloor-Internat gehen muss, wo seine Fähigkeiten gefördert werden sollen. Gleichzeitig kommt er einigen düsteren Geheimnissen um seinen Vater und um einem verschwundenen Mädchen auf die Spur.
Die Ähnlichkeit zu Harry Potter nicht zu bemerken oder zu erwähnen, ist unmöglich: Die magischen Fähigkeiten, das Internat, die bösen Gegenspieler, die Kinder für ihre Zwecke missbrauchen, die Kinder, die dem Freundschaft entgegensetzen.
Charlie Bone ist dabei eher für eine jüngere Zielgruppe ansprechend, Jenny Nimmo bedient sich einer einfachen Sprache und auch die Handlung ist einfach und überschaubar. Die auftauchenden Probleme und Rätsel werden relativ unkompliziert und zügig gelöst, wobei sich Charlie selbst nicht besonders dafür anstrengen muss, denn die Hilfe kommt von Freunden, die ihn unaufgefordert und sehr loyal unterstützen.
Bei der Einführung der Charaktere im ersten Drittel des Buches gefielen mir viele der Personen, die teils skurril-ungewöhnlich und vielversprechend wirkten. Mit zunehmendem Tempo des Romans und Fokus auf die Handlung wurden sie allerdings nicht wesentlich weiterentwickelt und blieben etwas farblos, was auch für Charlie selbst gilt. Die Veränderungen in seinem Leben sind gravierend, dennoch werden seine Gefühle kaum geschildert. Hier wäre mehr Tiefe möglich gewesen, wenngleich das Abenteuer vor allem für Jüngere sicherlich dennoch spannend ist. Dem Vergleich mit Harry Potter kann Charlie Bone natürlich nicht standhalten - muss er aber vielleicht auch nicht.

Jenny Nimmo, Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder. Ravensburger, Ravensburg 2003.

Saturday, May 04, 2013

Lewis Carroll - Alice's Adventures in Wonderland

When I first got my e-book-reader I downloaded a few of the free classics I always had wanted  to read. Of course I never got around reading those because there are so many new books who seem more attractive.
So it needed the book challenge to remind me of my forgotten classics. And although I could have found lots of other books published before 2000 (which was the task) I decided on Lewis Carroll's Alice's Adventures in Wonderland from 1865. It's not very long, only 124 pages and it was a fun read.
The story of course is well-known. On one afternoon young Alice travels through a rabbit hole into another mysterious country where she meets loads of strange creatures and grows and shrinks several times. Parts of the story are well-known from the many film adaptions and references in other books. But I was surprised by the absurdity of some of the situations, the nonsense, the creativity of turns and liguistic puns. I guess I only got half of them right as a non-native reader of English but I laughed out loud several times. It was a great read and I know now why this book has influenced so many authors and other artists. 
To read more about the book's history, symbolism or reception visit its wikipedia-page, it even has a list of all the characters and small articles about them.

Tuesday, March 26, 2013

Suzanne Collins - Die Tribute von Panem III

Am Anfang des dritten und letzten Bandes von Suzanne Collins Panem-Triogie, Flammender Zorn, ist die Lage schwierig für Katniss: Ihre Heimat Distrikt 12 ist zerbombt und niedergebrannt, ihr Zufluchtsort Distrikt 13 ist ganz anders und zwingt ihr und ihrer Familie einen strikten Tagesablauf auf. Alles ist durchgeplant und auch Katniss wird verplant, nachdem sie eingewilligt hat, als Spotttölpel Symbol der Rebellion zu sein. Sie dreht Propagandafilme, die in das Fernsehprogramm des Kapitols eingeschleust werden.
Emotional steht sie weiterhin zwischen ihren beiden Männern Peeta und Gale, ersterer ist im Kapitol einer Hirnwäsche unterzogen worden und sieht in Katniss den Feind. Nur mühsam kann er davon befreit werden.
Der Konflikt zwischen Rebellen und dem Kapitol spitzt sich zu und Kaniss will sich nicht mit ihrer oberflächlichen Rolle zufriedengeben, sie will kämpfen.
Zum Showdown kommt es im Kapitoldistrikt, wo sogenannte Kapseln zur Abwehr gegen die Rebellen eingesetzt werden, die in ihrer Willkür an das Geschehen in der Arena aus Band I und II erinnern. Trotzdem können die Rebellen siegen. Katniss will ihre eigene Forderung umsetzen und den Präsidenten töten, den sie lange als Ursache all ihrer Qualen angesehen hat. Doch ihr kommen außerdem Zweifel an der Intigrität der neuen Rebellenpräsidentin und es kommt zur letzten überraschenden Wende der Trilogie.
Auch Flammender Zorn entwickelt einen gewissen Lesesog, wie auch schon die Vorgängerbände.  Jedoch wirkten einige Passagen zäher und die Spannung war nicht so groß wie zuvor. Der Showdown mit dem Konstrukt der Kapseln wirkte auf mich erzwungen und nicht sehr logisch (tödliche Fallen mitten in der Hauptstadt?). Diese Parallele zu den Kämpfen der Tribute war zu gewollt meiner Meinung nach. Auch die Opfer, die dieser Kampf kostete, wirken teils überzogen, auch wenn sie dazu dienen, Katniss' Situation zu dramatisieren.
Diese wird am Ende nun unfreiwillig doch zur Heldin, die sie nie sein wollte, denn sie war nahezu durchgehend fremdgesteuert. Doch dann zieht Katniss sich zurück in den Distrikt 12, der wiederaufgebaut werden soll. In diesem Nachsatz stellt sich dann doch wieder die Frage, ob sie im Grunde nur ihren eigenen Frieden und ihre eigene Freiheit wollte, denn der große Gedanke einer besseren Gesellschaft scheint sie nicht weiter zu bewegen. Als Happy End einer Rebellin wirkt das etwas flach.
In der Gesamtheit bin ich sehr angetan von der Panem-Trilogie, ein spannender, mitreißender Stoff, auch wenn ich glaube, dass der letzte Band mehr Potential hätte haben können.

Suzanne Collins, Die Tribute von Panem: Flammender Zorn. Oetinger, Hamburg 2011.

Wednesday, March 20, 2013

Rolf Lappert - Pampa Blues

Rolf Lappert beschreibt in Pampa Blues die Geschichte des sechzehnjährigen Ben. Da seine Mutter als Jazzsängerin durch Europa tingelt und sein Vater tot ist, lebt Ben bei seinem Opa in Wingroden. Die Situation könnte besser sein: Der Opa ist senil, das Dorf besiedelt von schrulligen, alten Menschen und Ben trifft keine gleichaltrigen Jugendlichen. Vielleicht ist es kein Zufall, dass man aus den Buchstaben von Wingroden das Wort Nirgendwo bilden kann.
Maslow, der Inhaber der einzigen Kneipe, will Wingroden allerdings zu neuem Leben verhelfen und plant dafür eine völlig abwegige Aktion, über die dann die Presse berichten soll und das Dorf bekannt machen soll.
Als dann eine junge Frau namens Lena auftaucht, nehmen alle an, es sei die heiß herbeigesehnte Journalistin. Die Dinge entwickeln sich plötzlich dynamisch...
Pampa Blues beginnt wie der Name andeutet, eher melancholisch, fast träge, allein verrückten Dorfbewohner und deren Skurilitäten und Macken bringen einen dazu, weiterzulesen. Der Protagonist wirkt zunächst fast blass und unscheinbar vor diesem farbenfrohen Haufen, gewinnt aber zunehmend an Profil, beginnt seine eigenen Entscheidungen zu treffen, macht Fehler und bügelt sie wieder aus.
Als Jugendbuch deklariert mag es als eine typische Initiationsgeschichte durchgehen, die Erzählweise, der trockene, selbstironische Humor und die liebenswerten Charaktere haben aber durchaus auch viel für erwachsene Leser zu bieten, beispielsweise die Problematik des dementen Großvaters oder die des verwaisenden Dorfes ohne Zukunftsperspektive.

Rolf Lappert, Pampa Blues. Hanser, München 2012.

Wednesday, March 13, 2013

Jutta Richter - Ich bin hier bloß der Hund

Ich bin hier bloß der Hund von Jutta Richter ist ein niedliches kleines Buch, dass das Leben des Hundes Anton aus seiner eigenen Sicht erzählt. Er hat manchmal Schwierigkeiten, sich so zu verhalten wie seine Menschen das gern hätten, mit Mizzi, der Katze verträgt er sich nicht so gut, aber er liebt seine "Herde" und passt auf sie auf, wie ein echter Hütehund das eben macht.
Die Bilder von Hildegard Müller illustrieren das Buch mit wunderbaren kleinen Schwarz-Weiß-Zeichnungen.
Insgesamt ein nettes Vorlesebuch für Jüngere.


Jutta Richter, Ich bin hier bloß der Hund. Hanser, München 2011.