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Tuesday, December 31, 2013

Challenges of 2013

I participated in three reading challenges in 2013. Here's my report:

Number 1: The goodreads reading challenge


For this challenge you simply think about the number of books you want to read and goodreads counts them as you enter them into your goodreads account.
I set my challenge to 100 books and I'm happy that I managed to read even more than that (113).
I reviewed most of the books here on my blog and on gooodreads.




Number 2: Buchchallenge 20/13 - kunterbunt


The idea came from Mandy of bookaholicasworld: 20 more or less difficult book categories of which one should fulfill 13 in 2013. As it turned out, I didn't have problems finding the right books in most categories. It was my first challenge of this kind and I found it very motivating. For this challenge I only used "normal" books and e-books but no audiobooks. It was just 9th June when I finished the challenge (which is why I came up with number 3). Here you can find the list of books with links to the reviews.

Number 3: Lese-Challenge SuB-Abbau 2013



In Annette Eickert's blog I found my third challenge which had the goal to minimize the pile of books you haven't read. This didn't work that well because I kept adding more books as the year went by but I read some of the books that were lying around for some time already. 
This challenge included audiobooks as well which made it easier to fulfill some of the categories. 
The challenge had 30 categories and the official goal was to finish 15 of them. I didn't manage all of them but see for yourself (links lead to the reviews or show all posts with the label SuB-challenge-2013), the red ones are the ones I didn't do.
  1. Ein Buch mit mehr als 200 Seiten
    Jo Nesb
    ø: Die Larve (555 Seiten, 2011 bei Ullstein in Deutschland, Band 9 der Harry Hole-Reihe, Audiobook)
  2. Ein Buch mit mehr als 300 Seiten
    Tess Gerritsen: Scheintot. (413 Seiten, 2005, Band 5 der Rizzoli
    und Isles-Reihe, Audiobook)
  3. Ein Buch mit mehr als 400 Seiten
    George R.R. Martin: Sturm der Schwerter (768 Seiten, 2000, Band 3.1 von "Das Lied von Eis und Feuer", e-book)
  4. Ein Buch mit Grün im Cover
    Ursula Poznanski: Fünf (384 Seiten, 2012, Audiobook)
  5. Ein Buch mit Blau im Cover
    Klüpfel/Kobr: Herzblut (400 Seiten, 2013, Band 7 der Kluftinger-Reihe, Audiobook)
  6. Ein Buch mit Rot im Cover
    Ursula Poznanski: Erebos (486 Seiten, Audiobook)
  7. Ein Buch mit Weiß im Cover
    Simon Beckett: Tiere (284 Seiten, Audiobook)
  8. Ein Buch mit Schwarz im Cover
    Jonathan Stroud: The Screaming Staircase (400 Seiten, e-book)
  9. Ein Buch aus dem Bereich Vampire
    Claudia Gray: Evernight (384 Seiten, 2008, Band 1 der Evernight Serie, Audiobook)
  10. Ein Buch aus dem Bereich Fantasy
    Jonathan Stroud: Valley - Tal der Wächter (493 Seiten, 2009, e-book)
  11. Ein Buch aus dem Bereich Jugendliteratur
    Jenny Nimmo: Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bücher (351 Seiten, 2002, e-book)
  12. Ein Buch das 2011 erschienen ist
    Jo Nesb
    ø: Leopard (699 Seiten, 2011 bei Ullstein, Band 8 der Harry Hole-Reihe, Audiobook)
  13. Ein Buch das 2012 erschienen ist
    Arnaldur Indridason: Eiseskälte (400 Seiten, 2012 bei Bastei Lübbe, Band 11 der Erlendur-Reihe, e-book)
  14. Ein Buch das 2013 erschienen ist
    Paola Predicatori: Der Regen in deinem Zimmer (238 Seiten, 2013 im Aufbau-Verlag)
  15. Ein Buch, welches einen Preis gewonnen hat
    John Green: Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen) (The Michael L. Printz Award for Excellence in Young Adult Literature 2007)
  16. Ein Buch, welches verfilmt wurde
    Tommy Jaud: Resturlaub (256 Seiten, 2012 verfilmt mit gleichem Titel)
  17. Ein Buch von einem noch nicht allzu bekannten Autor-Roman (122 Seiten, e-book)
  18. Ein Buch von einem Autor, mit dem du schon in Kontakt standest (per Email, Facebook, Twitter usw.)
  19. Ein Buch von einem deutschsprachigen Autor
    Tommy Jaud: Hummeldumm (303 Seiten, 2010, Audiobook)
  20. Ein Buch von einem englischsprachigen Autor
    Tess Gerritsen: Schwesternmord (416 Seiten, 2004, Band 4 der Rizzoli und Isles-Reihe, Audiobook)
  21. Ein Buch, welches ein Klassiker in der Literatur ist
    Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise (Audiobook)
  22. Ein Buch aus einer Buchreihe
    Tess Gerritsen: Todsünde (416 Seiten, 2003, Band 3 der Rizzoli und Isles-Reihe, Audiobook)
  23. Ein Buch, wo ein Tier eine Rolle spielt
    James Bowen: Bob, der Streuner (257 Seiten, e-book)
  24. Ein Buch, das du geschenkt bekommen hast
  25. Ein Buch, an das du dich noch nie herangetraut hast
  26. Ein Buch mit Kurzgeschichten
    Siegfried Lenz: Der Anfang von etwas. Meistererzählungen (Audiobook)
  27. Ein Buch, welches du schon immer haben wolltest, aber welches du noch nicht gelesen hast
    Tove Jansson: The Summer Book (172 Seiten, e-book)
  28. Ein Buch, welches mehrere Geschichten aus einer Reihe beinhaltet (z.B. Sammelband)
  29. Ein Buch, welches du angefangen, aber nie beendet hast
    Richard David Precht: Wer bin ich - und wenn ja, wie viele? (400 Seiten, begonnen als Taschenbuch, als Audiobook weiterge"lesen")
  30. Ein Buch, das am längsten auf deinem SUB liegt
    Graham Greene, Der dritte Mann (122 Seiten, lag seit ca. sieben Jahren herum)

Sunday, June 09, 2013

Buchchallenge 20/13 - erfüllt!

Die Vorgabe für die Buchchallenge 20/13 von Mandy (bookaholicasworld) waren 20 Kategorien, von denen 13 erfüllt werden sollten. Die Challenge habe ich als sehr lesemotivierend empfunden, wodurch ich jetzt im Juni bereits alle 20 Kategorien erfüllt habe. Hier ist eine kleine Collage meiner gelesenen Bücher, dahinter noch einmal die Auflistung der Kategorien und die von mir gewählten Titel (etwas detaillierter zu finden auf der Challenges Seite). Alle Rezensionen sind unter dem Label book challenge abrufbar.
Statistisch gesehen
  • habe ich nur sechs der 20 als tatsächliches Buch gelesen, die übrigen waren e-books. 
  • sind nur drei der 20 Bücher auf Englisch.
  • sind es in Bezug auf das Genre neben "normalen" Romanen vier Thriller, fünf Kinder-/Jugendbücher, drei Bücher mit biographischem Hintergrund, drei Klassiker, zwei Sachbücher und zwei Satiren.
  • sind das zusammen 6376 Seiten.

  1. Ein Buch mit mindestens 500 Seiten
    Jussi Adler Olsen: Verachtung
    Der vierte Band der Carl-Moerk-Reihe hat 544 Seiten.
    ausgelesen am 17.1.2013
  2. Ein Buch, dessen Cover dir gar nicht gefällt
    J.K. Rowling: A Casual Vacancy
    Natürlich ist man gespannt, ob Rowling auch noch etwas anderes als Harry Potter schreiben kann, aber das Cover ist in der Tat hässlich, oder?
    ausgelesen am 13.4.2013
  3. Ein Buch, das mit dem Buchstaben “Z” im Titel beginnt
    David Nicholls: Zwei an einem Tag

    ausgelesen am 10.2.2013
  4. Ein Buch in dem mindestens ein Tier vorkommt.
    Jutta Richter: Ich bin hier bloß der Hund

    ausgelesen am 13.3.2013
  5. Ein Buch, das mittlerweile seit einem Jahr auf deinem SuB liegt
    Markus Orths: Lehrerzimmer
    Dieses Buch lag seit mindestens vier Jahren herum.ausgelesen am 30.5.2013
  6. Ein Buch, das schon einmal gelesen wurde oder gebraucht ist
    Heinrich Böll: Irisches Tagebuch

    Ich habe es vor vielen Jahren bereits gelesen, eigentlich wollte ich es zu meiner Irlandreise das zweite Mal lesen, nun wurde es Teil der Challenge.ausgelesen am 15.2.2013
  7. Ein Buch mit einem schwarz-weißen Cover
    Timur Vermes: Er ist wieder da

    ausgelesen am 13.3.2013
  8. Ein Buch, das du abgebrochen und nie beendet hast
    Isabel Abedi: Isola
    Ich hatte es bereits einmal angefangen als Bibliotheksleihe und dann wieder weggelegt und abgegeben, weil es mir nicht so besonders zusagte, als e-book beendet.ausgelesen am 10.1.2013
  9. Ein Buch, dessen Autor weder deutsch- noch englischsprachiger Herkunft ist
    Arnaldur Indridason: Abgründe
    Die Wahl fiel auf den
  10. Ein Buch, dessen Erscheinung du kaum erwarten konntest
    Kathy Reichs: Code
    Ich freute mich - zu recht - sehr auf den dritten Band der Virals-Reihe.
    ausgelesen am 7.1.2013
  11. Ein Buch, das alle Vokale [a, e, i, o, u] im Titel enthält
    Suzanne Collins: Die Tribute von Panem - Gefährliche Liebe 

    ausgelesen am 18.2.2013
  12. Ein Buch von einem kleinen/unbekannteren Verlag
    Gerd König: Astrid Lindgren
    In der Stadtbibliothek gab es ein kleines Büchlein aus dem Down to Earth Verlag.ausgelesen am 21.3.2013
  13. Ein Buch, das vor dem 21. Jahrhundert veröffentlicht wurde (bis 1999)
    Lewis Carroll: Alice's Adventures in Wonderland

    Ein Klassiker aus dem Jahr 1865 (!) , den ich immer schon einmal (und auch im Original) lesen wollte.ausgelesen am 4.5.2013
  14. Ein Buch, dessen Autor oder Genre dich bisher nicht begeistern konnte
    Keigo Higashino: Verdächtige Geliebte

    Japanische Literatur ist bisher absolutes Neuland, bis auf einen vereinsamten Murakami, an dessen Titel ich mich nicht einmal mehr erinnern kann, kenne ich keine japanischen Autoren. ausgelesen am 28.3.2013
  15. Ein Buch, das eine andere Person wahllos aus deinem SuB fischt
    Alina Bronsky: Scherbenpark

    ausgelesen am 26.1.2013
  16. Ein Buch, dessen Autor den Nobelpreis erhalten hat
    John Steinbeck: Tortilla Flat
    Ich wollte schon immer mal mehr von John Steinbeck lesen, der den Preis 1962 bekommen hat.
    ausgelesen am 29.5.2013
  17. Ein Buch, das du lesen möchtest, bevor der Film erscheint
    Suzanne Collins: Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele

    ausgelesen am 26.1.2013
  18. Ein Buch, das im Titel eine Fantasy-Gestalt enthält
    Juli Zeh: Adler und Engel

    ausgelesen am 25.5.2013
  19. Ein Buch, das auf einer wahren Begebenheit basiert
    Patrick Swayze und Lisa Niemi: The Time of My Life
    Auf dieses Buch bin durch die Rezension einer anderen Challenge-Teilnehmerin gestoßen.ausgelesen am 9.6.2013
  20. Ein Buch lesen, in dem es um das Thema BÜCHER geht
    Ulrich Greiner: Leseverführer

    ausgelesen am 18.1.2013

Patrick Swayze & Lisa Niemi - The Time of My Life

Eine der Aufgaben für meine Buchchallenge 20/13 war es, ein Buch zu lesen, das auf einer wahren Begebenheit beruht. Eine Biographie ist da naheliegend und nachdem eine andere Challenge-Teilnehmerin das Buch gelesen hatte, entschied ich mich für die Lebensgeschichte The Time of My Life von Patrick Swayze. Nahezu jedes Mädchen meiner Generation liebte Swayze aufgrund von Dirty Dancing, ich mache da keine Ausnahme. Von diesem Fanaspekt einmal abgesehen, ist seine Lebensgeschichte durchaus interessant.
Über seine Karriere als Tänzer wusste ich zuvor wenig, auch nichts über seine zahlreichen Unfälle, die ihn mehrfach an Schmerz- und emotionale Grenzen brachten. Relativ offen berichtet er auch über seine depressiven Phasen, die beruflichen Zweifel und seinen Alkoholismus. Gleichzeitig wird deutlich, was für eine Kämpfernatur er gewesen sein muss, dies Tiefs immer wieder zu überwinden. Dabei betont er immer wieder, wie viel Kraft ihm die Liebe seiner Frau und zu seiner Frau dabei geholfen hat. Diese Liebe scheint trotz der durchaus vorhandenen Krisen außergewöhnlich gewesen zu sein, über 30 Jahre Ehe sind in einer Künstlerehe eher selten. Am Ende des Buches beschreibt Swayze seinen immer noch anhaltenden Kampfgeist, gegen den Bauchspeicheldrüsenkrebs anzukämpfen und dem Leben immer noch mit Optimismus entgegenzusehen. Den Kampf verlor er erst nach erstaunlichdn 20 Monaten am 14.9.2009, wohingegen die meisten dieser Krebsart nach wenigen Wochen erliegen.
Mir hat das Buch gut gefallen, es war natürlich leichte Lektüre und an einigen Stellen ist spürbar, das hier sicher einige Dinge weggelassen wurden, die Swayze nicht veröffentlichen wollte. Dennoch hat man den Eindruck eines offenen, aufrichtigen Gesprächs, es ist nicht die aufpolierte Geschichte eines Superstars, sondern die eines Menschen, der viele Talente und großen Lebenswillen besaß.

 Patrick Swayze & Lisa Niemi, The Time of My Life. Piper, München 2009.

Thursday, May 30, 2013

Markus Orths - Lehrerzimmer

Besonders viel Handlung hat dieser satirische Roman von Markus Orths nicht. Kranich bekommt seine erste Lehrerstelle an einem Gymnasium in einem Kaff nahe Frankfurt. Der Roman schildert seine ersten (und letzten) Tage dort, die seltsamen Machtspielchen des Direktors und seine Flucht aus diesem Albtraum. Ohne Frage bieten Lehrerpersönlichkeiten viele Möglichkeit zur Karikatur und hier liegen auch die Stärken von Lehrerzimmer. Die Handlung hingegen ist nicht bemerkenswert, sondern eher lahm und kippt vor allem derart ins Absurde, dass die Satire für mich zumindest nicht mehr funktionierte, sondern ich es als Blödsinn empfand. Die 162 Seiten in großem Druck waren schnell gelesen, gelächelt habe ich schon an einigen Stellen, aber zum lauten Lachen hat es nicht gereicht - und das ist kein gutes Zeichen für einen satirischen Roman.
Das Thema Schule/Lehrer bietet vielfältige Möglichkeiten, eine breite Angriffsfläche, um sich darüber lustig zu machen. Andererseits trifft Orths meines Empfindens nach, nicht den Kern, schrammt vielmehr an einer wirklich witzigen Betrachtung vorbei. Da fand ich selbst die aus dem Alltagsblog entstandenen Schüler- und Schulgeschichtchen von Frau Freitag lustiger.

Markus Orths, Lehrerzimmer. Schöffling & Co., Frankfurt am Main  2003.

Wednesday, May 29, 2013

Alina Bronsky - Scherbenpark

An den Rezensionen zu Scherbenpark von Alina Bronsky (*1978 in Swerdlowsk, Sowjetunion) ist bemerkenswert, dass viele berichten, was ihnen gut an dem Roman gefallen hat, aber dennoch sind die Bewertungen eher Mittelmaß.
Scherbenpark erzählt die Geschichte von Sascha, die eigentlich Alexandra heißt und mit ihrer Familie aus Russland immigriert ist. Ihr und ihren Geschwistern ist Schlimmes widerfahren, der Exmann der Mutter brachte diese und ihren neuen Lebensgefährte brutal um. Seitdem fühlt sich Sascha nicht nur für die kleine Familie verantwortlich, sondern ist auch voller Wut. Nicht nur auf den Täter, sondern auch auf sich selbst, ihre Mitmenschen, die Welt, die Gesellschaft. Der Wut macht sie Luft durch selbstzerstörerisches Verhalten und ist dabei auch ungerecht ihren Mitmenschen gegenüber. Dennoch fühlt man mit ihr, kann vor allem die Wut spüren, nachvollziehen.
Aber der Roman geht nicht weiter, erreicht zwar eine scheinbare Katharsis in einem Gewaltausbruch von Sascha, der sie ins Krankenhaus und zum Überdenken ihrer Wut bringt, aber plausibel löst sich ihr Dilemma, vor allem das emotionale, nicht auf. Es bleibt unklar, wie in der Enge von niedrigem sozialem Status, traumatisierender Vergangenheit und Migrationshintergrund ein Durchbruch geschehen kann. Ein Gegenpol, Freundschaft und Familie, wird zwar angedeutet, aber ob Sascha sich darauf tatsächlich stützen kann, ist fraglich.
In der Summe hat Scherbenpark zwar eine starke Protagonisten und eine dramatische Exposition, aber vor allem in der zweiten Hälfte einen eher schwachen Plot, weswegen auch meine Begeisterung trotz angenehmen Schreibstil der Autorin eher schwächer ausfällt. Allerdings ist der Roman das Erstlingswerk, wer weiß, was da noch kommt. 

Alina Bronsky, Scherbenpark. Kiwi, Köln 2008.

Saturday, May 25, 2013

Juli Zeh - Adler und Engel

Juli Zeh erzählt in Adler und Engel die Geschichte von Max. Vielmehr soll Max seine Geschichte erzählen, seine eigene und die von Jessie. Jessie ist tot. Max soll die Geschichte Clara erzählen, einer Radiomoderatorin, bei der er eines Nachts angerufen hat, und die ihn und seine Geschichte zum Thema ihrer Diplomarbeit (Psychologie) machen will. Max ist Jurist, Experte für den Balkan und die EU-Osterweiterung, aber wegen der toten Jessie kann er nicht mehr arbeiten. Max ist ständig zugekokst, seine Wirklichkeiten schieben sich ständig übereinander, Realität und erzählte Vergangenheit überlagern sich. Dabei geht es zwar auch um die Beziehung von Max und Jessie, aber auch um Drogenhandel und die erschreckenden Strukturen der Drogenmafia - im Balkan und im europäischen Osten! Max - und der Leser - entdecken während des Erzählens der Ereignisse um Jessie die Zusammenhänge von Politik und Mafia, wobei darin sowohl Jessies Familie als auch sein alter Arbeitgeber die Fäden ziehen.
Juli Zeh schafft es überzeugend, die verschiedenen Wirklichkeiten auch sprachlich in ihrem Roman ineinander zu verweben, so dass man sich stellenweise unklar ist, in welcher Realität, die ohnehin noch durch die verkokste Wahrnehmung von Max verzerrt ist, man sich gerade befindet. Sie verwendet fast brutale sprachliche Bilder und davon reichlich. Dabei tritt allerdings manchmal die Handlung in den Hintergrund, einige Passagen des Romans sind daher schleppend und waren daher für mich anstrengend zu lesen.
Mir hat die Perspektive von Max überhaupt nicht gefallen, er und auch alle anderen Charaktere des Romans sind nicht nur unsympathisch, sondern abstoßend, krankhaft. Der exessive Drogenkonsum, das Zugrunderichten von Psyche und Körper, das alles fand ich schwer zu ertragen, so dass ich mich durch den Roman bis zum Ende kämpfen musste. Dass das Buch außerdem unbefriedigend, in der Luft hängend, endet, war dabei nicht überraschend.
Sicher muss man ihr als Juristin und Literatin zugestehen, dass sie den Roman mit großer Kenntnis geschrieben hat, die Drogenrouten und die Verstrickungen von Politik und Mafia wirken - leider - sehr glaubhaft und sind vermutlich realitätsnah. Es ist insgesamt ein sehr literarisches, konstruiertes Werk, ihr Erzählstil interessant, die Geschichte und vor allem ihre Charaktere haben bei mir jedoch leider nur Widerwillen ausgelöst.

Juli Zeh, Adler und Engel. Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2001.

Saturday, May 04, 2013

Lewis Carroll - Alice's Adventures in Wonderland

When I first got my e-book-reader I downloaded a few of the free classics I always had wanted  to read. Of course I never got around reading those because there are so many new books who seem more attractive.
So it needed the book challenge to remind me of my forgotten classics. And although I could have found lots of other books published before 2000 (which was the task) I decided on Lewis Carroll's Alice's Adventures in Wonderland from 1865. It's not very long, only 124 pages and it was a fun read.
The story of course is well-known. On one afternoon young Alice travels through a rabbit hole into another mysterious country where she meets loads of strange creatures and grows and shrinks several times. Parts of the story are well-known from the many film adaptions and references in other books. But I was surprised by the absurdity of some of the situations, the nonsense, the creativity of turns and liguistic puns. I guess I only got half of them right as a non-native reader of English but I laughed out loud several times. It was a great read and I know now why this book has influenced so many authors and other artists. 
To read more about the book's history, symbolism or reception visit its wikipedia-page, it even has a list of all the characters and small articles about them.

Thursday, April 18, 2013

John Steinbeck - Tortilla Flat

John Ernst Steinbeck (1902-1968) ist einer der bedeutendesten amerikanischen Autoren, er gewann Pulitzer-Preise und schließlich 1962 auch den Nobelpreis für Literatur. Am bekanntesten sind vielleicht Jenseits von Eden (verfilmt mit James Dean) oder Von Mäusen und Menschen.
Tortilla Flat war 1935 sein erster kommerzieller Erfolg und ist ebenfalls verfilmt worden.
Der Inhalt ist relativ schnell erzählt: Oberhalb der kleinen Stadt Monterey, gelegen an der kalifornischen Küste, wohnt in der Tortilla Flat eine Ansammlung von armen, zum Großteil arbeitslosen Menschen, mit mexikanisch-indianisch-spanischen Wurzeln. Sie nennen sich paisanos.
Der Protagonist Danny kommt aus dem ersten Weltkrieg zurück und stellt fest, dass er zwei Häuser geerbt hat. Nach dem ersten Schock über diesen unverhofften Wohlstand ziehen Danny und nach und nach auch seine Freunde dort ein, erst in beide Häuser, doch das eine brennt bald ab. Das ist auch kein Wunder, denn eine der Hauptvergnügungen der Freunde ist das Weintrinken - und dabei kann man schon mal die Kerzen aus dem Blick verlieren.
In kurzgeschichtsähnlichen Kapiteln werden die verschiedenen Abenteuer der einzelnen Freunde und anderer Charaktere von Tortilla Flat erzählt, die oft aus einer Art Beschaffungskriminalität für die nächste Gallone Wein bestehen. Das wichtigste Thema ist jedoch die Freundschaft mit allen Höhen und Tiefen, die Dannys Freunde verbindet.
In der Rezeptionsgeschichte liest man von Parallelen zu den Mythen um Arthurs Tafelrunde, andere werfen Steinbeck eine rassistische Darstellung der Lebensverhältnisse und Charaktere vor. All dies ist mir beim Lesen nicht aufgefallen.
Beeindruckt hat mich hingegen wieder einmal der klare, schlichte Erzählstil Steinbecks, der auch nach 80 Jahren seine Wirkung tut. Die kleinen Geschichten sind, lässt man Ort und Zeit und auch ihren primären Unterhaltungswert außen vor, universell. Die Charaktere, obwohl sie oberflächlich betrachtet schlicht und fast tölpelhaft erscheinen, wachsen in einigen Momenten der Erzählung über sich hinaus, leuchten und wirken nach.
Große Literatur, in der Tat.

John Steinbeck, Tortilla Flat. Süddeutsche Zeitung Bibliothek, Band 40, München 2004.

Sunday, April 14, 2013

J.K. Rowling - The Casual Vacancy

For me, J.K. Rowlings The Casual Vacancy wasn't an easy read but I developed a fondness for it.
The story started off slowly, not a lot of action in the first third. The characters of little Pagford were complex and well-thought-out but it took some time getting used to all the names, families and loyalties.
Since I've read all the Potter novels in English I noticed a difference in Rowling's language which is much more elaborate and took some getting used to (for me as a non-native reader). I liked the different idioms she used for the different characters.
And I liked that she created interesting, realistic characters which aren't necessarily likable (most of them aren't) but authentic.
Each of the characters demonstrates their egoistic and selfish perception of the society they live in. They act on their desires without caring about the consequences or willingly do harm to others around them - all this in front of the idyllic scenery of the typical small English village. Scary enough, their actions are totally comprehensible and naturally lead to desasters in Pagford's little world. The only one who was apparently different - Barry Fairbrother - dies in the first chapter, leading to The Casual Vacancy. But looking at the (non-)existence of compassion in Pagford the vancancy probably isn't so casual but permanent.
Most reviews discuss Rowling's blatant change of subject and people are disappointed that the novel is indeed not comparable to the Harry Potter novels. She chose a rather calm, unexcited topic, the setting is not very original and the plot has a few personal and interpersonal catastrophes.
So what? If you forget about Rowling and Potter you get a well-designed and well-written character and society study. There's not much action, there's no magic - but a bit of shocking (?) reality what people are able to do to other people if they only think about their own interests and needs.  

J.K. Rowling, The Casual Vacancy. Little, Brown and Company, London 2012.

Thursday, March 28, 2013

Keigo Higashino - Verdächtige Geliebte

Keigo Higashino ist ein in Japan relativ bekannter und erfolgreicher Autor von Kriminalromanen. Verdächtige Geliebte ist der erste Band einer Krimireihe, aber kein typischer Kriminalroman.
Die Personen und ihre Rollen:
Yasuko tötet ihrern Ex-Mann Togashi, als dieser sie in ihrer Wohnung belästigt.
Ihr Nachbar Ishigamie, der in sie verliebt und ein Mathegenie ist, hilft ihr bei Alibi und Leichenbeseitigung.
Kusagani ist der zuständige Ermittler, dem das Alibi von Yasuko und Ishigami verdächtig erscheinen.
Yukawa ist ein Freund des Ermittler Kusagani, Physikgenie und ehemaliger Kommilitone von Ishigami, er stellt seine eigenen Ermittlungen an, die im Grunde rein logischer Natur sind.

Der Mord geschieht zu Beginn des Romans, statt nach dem Täter zu fahnden, verfolgt man die Vertuschung der Tat und das Kräftemessen zweier logisch denkender Naturwissenschaftler. Es ist sozusagen die Umkehrung des typischen Krimiaufbaus. Die Konstruktion und Dekonstruktion des Alibis ist Thema und man sympathisiert mit der Täterin und dem Gehilfen. Eine durchaus reizvolle Idee mit einer dramatischen Auflösung bzw. dramatischem Scheitern des Konstrukts: Trotz der Genialität Ishigamis siegt die Wahrheit, Lüge und Verbrechen lassen sich nicht aufrecht erhalten, wenngleich die moralische Bewertung offen bleibt.

Fremd waren mir beim Lesen neben den Namen und der japanschen Kultur die fehlende Emotionalität bzw. die sehr andere Darstellung von Emotionalität: Nichts wird offengelegt, selbst das Yasukos Entsetzen und Verzweiflung über den Mord und Ishigamis Liebe, die schließlich zur Selbstaufgabe führt (wobei dies aus seiner Perspektive vermutlich nur logisch ist), werden hinter Höflichkeit und Konventionen verborgen, auch wenn der Leser sie selbstverständlich erahnt. Der Kultur literarisch zu begegnen und mehr zu erfahren ist interessant und spannend, die Figuren bleiben mir aber dennoch zu fremd und unnahbar.

Keigo Higashino, Verdächtige Geliebte. Klett Cotta, Stuttgart 2012.

Wednesday, March 20, 2013

Gerd König - Astrid Lindgren

Astrid Lindgren - Eine, die Individualität großschrieb von Gerd König ist Band 04 aus der Reihe "Weltveränderer" des Down-to-Earth Verlags, ein Mini-Büchlein (der Verlag nennt es "Impulsheft"). Auf wenigen Seiten werden einige Aspekte der großen schwedischen Autorin aufgezeigt: Ideen, Lebenskonzept, Einfluss etc.
Viel mehr als Impuls ist bei einem solchen Umfang auch nicht drin. Da ich bereits die fantastische Biografie von Margareta Strömstedt Astrid Lindgren - Ein Lebensbild gelesen habe, wirkte das Büchlein auf mich gänzlich unzureichend, mag aber für jemanden, der sich mit Lindgrens Leben noch nicht beschäftigt hat, ein Anreiz sein, dies zu tun. Dem lege ich dann aber definitiv Strömstedts Buch ans Herz.

Wednesday, March 13, 2013

Timur Vermes - Er ist wieder da


Wo soll ich da anfangen?
Das Cover von Er ist wieder da sagt über den Plot ja bereits das meiste aus:
Adolf Hitler erwacht 2011 auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Seine letzten Erinnerungen sind die von 1945, er hat keine Ahnung vom jetzigen Deutschland. Ein Kioskbesitzer vermittelt ihn als Komiker (denn echt kann er ja nicht sein, aber er wirkt so echt!) an einen Fernsehsender. Innerhalb kurzer Zeit gelingt es ihm mit den alten Inhalten und Reden an die Spitze der Beliebtheitsskala der deutschen Medienlandschaft zu kommen. 

Punkt. Mehr Inhalt ist nicht. Das kann man auf dem Klappentext lesen und das ist kein Spoiler. 
Bis zuletzt hatte ich auf die überraschende Wendung, den Knalleffekt gewartet, der nicht kam. 

Aber noch einmal zurück.
In der Beschreibung bei goodreads stehen folgende Optionen zur Kategorisierung des Romans: "Eine Persiflage? Eine Satire? Polit-Comedy?"
Diese haben alle gemein, dass sie witzig sind oder sein sollen. 
Die Idee eines Hitlers in der Jetzt-Zeit, der sich das kranke Lüstern nach Sensation und die Durchlässigkeit der schnelllebigen Medien zunutze macht, finde ich genial. Es ist schrecklich und es ist vor allem schrecklich denkbar. 
Die Idee bietet das Potenzial der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten: Seht her, ihr Affen, ihr fallt auf alles herein, seht her, wie wenig ihr begriffen habt, sehr her, wie wichtig es ist, dass man sich erinnert. 
Die Idee bietet auch die Möglichkeit, mit dem Finger auf das immer noch vorhandene Gedankengut in den fiesen rechten Gefilden hinzuweisen. 
Die Idee könnte auch enttarnen, wie Propaganda funktioniert oder wie Satire eben nicht funktioniert, nämlich das es für eine Satire nicht ausreicht, nur das Original zu kopieren, das sie eigentlich ins Lächerliche ziehen möchte. Es gehört mehr dazu.

Was Timur Vermes geschrieben hat, sind seitenlange Abhandlungen über Hitlers Denkweise und Ansichten über die Gegenwart. Anfangs hat es etwas Komisches, der Zeitreiseschock und die mediale Verwirrung, in der sich Hitler wiederfindet. Auch war ich gespannt, wie es ihm gelingen würde, sich in die Fernsehsendung zu schmuggeln, ohne das jemand hinterfragt, wer er ist, oder über seinen mangelnden persönlichen Background stolpert. 
Schmunzeln muss man, wenn er sich abfällig über gesellschaftliche Missstände und aktuelle Persönlichkeiten der Politik äußert, da zeigt sich ein satirischer, gesellschaftskritischer Blick. Aber mir blieb selbst das Schmunzeln im Hals stecken, wenn es sogleich wieder mit Naziideologie vermengt wurde.
Im Grunde will ich, selbst wenn es als Satire gemeint ist, nicht die Perpektive Hitlers einnehmen, ich will nicht seine Gedanken aus der Ich-Perpektive lesen, ich will nicht seiner Logik folgen. Dabei wird mir schlecht. Viel zu kurz kommt dabei die Kritik, wie es sein kann, dass so jemand realistisch betrachtet sogar die Chance hätte, ins Rampenlicht zu kommen, Redezeit bekäme! Was sagt das über diese Gesellschaft? Keine Tabus - selbst ein Hitler ist nur ein Witz, wie dieser finstere Teil der deutschen Geschichte auch?
Nur einmal wird Hitler konfrontiert mit den Folgen seiner historischen Taten, als seine Sekretärin kündigen will, weil ihre Oma nicht erträgt, dass sie bei jemandem arbeitet, der Hitler ist bzw. so wie Hitler ist. Er besucht die Oma, um sie von seiner Rechtschaffenheit zu überzeugen. Und das gelingt ihm. Einfach so. Und damit vergeht die Chance, in dem Roman einen ernsten Kontrapunkt zu setzen, ein Statement gegen Hitler zu machen. Was bleibt ist viel Hitler-Gewäsch, ein paar zynische Bemerkungen über Politik und Gegenwartsgeschehen und ein Armutszeugnis an die fiktive deutsche Gesellschaft. Von allem ein bisschen und nichts richtig. Und damit endet der Roman. 

Vielleicht bin ich nicht die richtige Leserin für dieses Buch, vielleicht kann ich das Thema nicht mit Humor betrachten, aber ich glaube dennoch, dass Vermes weit hinter den Möglichkeiten der Idee zurückbleibt. 

Timur Vermes, Er ist wieder da. Eichborn, Frankfurt am Main 2012.

Jutta Richter - Ich bin hier bloß der Hund

Ich bin hier bloß der Hund von Jutta Richter ist ein niedliches kleines Buch, dass das Leben des Hundes Anton aus seiner eigenen Sicht erzählt. Er hat manchmal Schwierigkeiten, sich so zu verhalten wie seine Menschen das gern hätten, mit Mizzi, der Katze verträgt er sich nicht so gut, aber er liebt seine "Herde" und passt auf sie auf, wie ein echter Hütehund das eben macht.
Die Bilder von Hildegard Müller illustrieren das Buch mit wunderbaren kleinen Schwarz-Weiß-Zeichnungen.
Insgesamt ein nettes Vorlesebuch für Jüngere.


Jutta Richter, Ich bin hier bloß der Hund. Hanser, München 2011. 

Thursday, February 28, 2013

Arnaldur Indriðason - Abgründe

Die Krimi-Couch fasst in ihrer Rezension Indriðasons zehnten Islandkrimi zusammen: "Nur für Indriðason-Fans empfehlenswert."
Das ist wahrscheinlich richtig. Man muss Indriðasons Schreibstil und Island mögen, um diesen Roman genießen zu können. Denn von der Krimiperspektive her ist Abgründe kein großer Gewinn.
Erlundur, den schrägen und leicht depressiven Ermittler, schickt der Autor auf Urlaub und auch die sympathische Elínborg (Haupptermittlerin im Vorgänger Frevelopfer) spielt kaum eine Rolle. Statt dessen muss der farblose Sigurður Óli den Fall übernehmen, den wir dann auch mit all seinen unspektakulären Seiten besser kennen lernen: Seine Vorlieben für Sportsendungen und alles Amerikanische, seine Lesemuffeligkeit und seine schwierigen Beziehungen zu Exfreundin und seinen Eltern. TMI - too much unformation - das hätte ich alles nicht wissen müssen, ich mochte ihn am Ende des Romans ebenso wenig wie vorher.
Der Fall nimmt Bezug auf das spannende Thema des Wirtschaftsbooms in Island, beleuchtet ansatzweise die Expansionsblase, in der das Land auf die finanzwirtschaftliche Katastrophe zusegelte. Maß- und Gewissenlosigkeit werden deutlich, aber auch die Naivität einiger Isländer im Umgang mit dem unverhältnismäßigem Wachstum. Ermordet wird eine kleine Erpresserin, deren Verbindungen zu einigen Bänkern, aber auch zu Sigurður Ólis Freundeskreis nach und nach aufgedeckt wird.
Parallel dazu wird die Geschichte eines verwahrlosten Mannes erzählt, der in seiner Kindheit missbraucht wurde und nun betrunken und von Rache getrieben durch Reykjavík geistert.
Der Zusammenhang der beiden Erzählstränge bleibt vage und ist auch am Ende noch unbefriedigend. Am ehesten zeigen sie den Kontrast zwischen den maßlosen, neoreichen Expansionswikingern und den Randgestalten Islands auf.
In Abgründe lernt der Islandfan sicher neue Aspekte der isländischen Gesellschaft kennen, aber wie anfangs angedeutet, ist das nichts für jedermann. Als Kriminalroman ist er mäßig gelungen und verliert sich zu sehr in Nebensächlichkeiten, zwangsläufig, denn der Fall gäbe keinen ganzen Roman ab.

Arnaldur Indriðason, Abgründe. Lübbe, Köln 2009.

Monday, February 18, 2013

Suzanne Collins - Die Tribute von Panem II

Nach Band I und Film war klar, dass ich auch die Folgebände von Suzanne Collins Panem-Reihe lesen wollte. Gefährliche Liebe kam im ersten Drittel eher sehr schleppend in Gang, lang ergeht sich Katniss in ihrem Frust um ihre Liebesverstrickung mit Peeta (ihrem Mitsieger der Hungerspiele aus Band I) und Gale, ihrem Seelen- und Jagdgefährten zuhause. Wobei auch dieser Abschnitt seinen Sinn hat, denn die Bedingungen in Distrikt 12 haben sich seit der Rückkehr der zwei Sieger für alle Bewohner drastisch verändert. Das totalitäre Terrorregime ist aufmerksam geworden und verstärkt den Druck auf die immer stärker hungernden, leidenden, aber auch aufbegehrenden Distrikte.
Dann überstützen sich die Ereignisse und der Rest des Buches rast förmlich auf den Cliffhanger für Band III zu! Peeta und Katniss müssen erneut in die Arena, zusammen mit je zwei ehemaligen Siegern aus vorhergegangenen Spielen. Das Kapitol hat aber die organisatorische Kreativität und die Willensstärke der Sieger unterschätzt...
Die Schilderung des Regimes und seiner Ungerechtigkeit fällt im zweiten Band weitaus deutlicher aus, die Mechanismen, die dazu dienen, das Volk zu kontrollieren treten offener zutage und sind nachvollziehbar (und übertragbar auf andere totalitäre Systeme der Vergangenheit und Gegenwart).
Katniss' Charakter dagegen verliert meines Erachtens an Stärke und Kontur. Zwar reagiert sie in einigen Situationen emotionaler - plausibel im Angesicht der drohenden Todes aller Personen, die in ihrem Leben wichtig sind - aber gleichzeitig ist sie ahnungslos gegenüber den Dingen, die um sie herum vorgehen und sie wird auch entsprechend ahnungslos gelassen. Nun sind es wieder Männer, die den Durchblick haben, die Emotionalität steht den Frauen im Weg - Collins verfällt einem Klischee, was ich angesichts der doch durchaus vielversprechenden Protagonisten, enttäuschend finde. Deswegen war der Roman dennoch nicht weniger spannend.

Suzanne Collins, Die Tribute von Panem - Gefährliche Liebe. Oetinger, Hamburg 2010.

Friday, February 15, 2013

Heinrich Böll - Irisches Tagebuch

Als ich im vergangenen Sommer zur Irlandreise aufbrach, befand sich außer dem e-reader noch dieses eine "echte" Buch in meinem Gepäck, Heinrich Bölls Irisches Tagebuch. Leider kam ich doch nicht dazu es erneut zu lesen, denn meine Ausgabe stammt aus dem Jahr 1997, da werde ich es vermutlich das erste Mal gelesen habe.

Böll besuchte Irland das erste Mal im Jahr 1954, eine Sammlung von Kurzgeschichten und Eindrücken erschien als Irisches Tagebuch 1957. 18 Geschichten umfasst das Buch, 1967 fügte Böll noch ein Essay hinzu, in dem er nachsinnt, wie sich Irland seit seinem ersten Besuch verändert hat. Er stellt in diesem Essay fest, dass es das Irland seines Tagebuchs 13 Jahre später schon nicht mehr gibt, es sind "[...] in Irland eineinhalb Jahrhunderte übersprungen und fünf weitere eingeholt worden" (S.125).
Dennoch liest sich das Irische Tagebuch nicht wie eine historische Schilderung, es ist noch immer real und erzählt mit großer Leichtigkeit von den irischen Menschen, Landschaften und Besonderheiten. Ich finde Irland und meine Wahrnehmung des Landes darin wieder. Am anrührendsten ist es, die tief empfundene Sympathie Bölls für Irland zu spüren, die aus den Geschichten spricht. Trotz Armut, T runksucht, Wettleidenschaft und nie enden wollendem Regen hat er Achtung für die Menschen und ihren Umgang mit dem Leben. Die Redensarten "It could be worse" und "I shouldn't worry", über die er in Text 17 schreibt, spiegeln die Iren damals und heute wieder.
Man kann sich vorstellen, dass aus vielen dieser kleinen Geschichten, teils traumartig, teils realistisch, auch ein ganzer Roman hätte werden können. Doch Böll entschied sich für diese Form und vielleicht sind diese Charaktere und Szenen gerade deshalb besonders einprägsam, weil man sie nur kurz betrachtet, aber gern bei ihnen verweilen möchte.

Bei mir weckte das Buch die Sehnsucht, bald nach Irland zurückzukehren, ein Gefühl, mit dem Böll ganz offensichtlich auch sein Buch verfasst hat.

Heinrich Böll, Irisches Tagebuch. dtv, München 1997.

Sunday, February 10, 2013

David Nicholls - Zwei an einem Tag

David Nicholls schreibt Drehbücher und Romane. Zwei an einem Tag war einer der Romane einer Kindle-Gratis-E-Book-Aktion von amazon, wenngleich ich den Titel bereits vorher schon einmal gehört/gelesen hatte.
Es ist ein Liebesroman, der von Emma und Dexter erzählt, die sich am Tag ihres College-Abschlusses kennenlernen, an einem 15. Juli. Ausgehend von diesem Datum sehen wir die beiden wie in Filmblenden (Drehbuch?!) durch mehrere Jahre hinweg  - immer am 15. Juli - ihr Leben leben, teils miteinander, teils aneinander vorbei, lange als Freunde, gegen Ende als Liebende.
Diese Wanderung durch die Jahre beinhaltet nebenbei auch eine kleine Form von Gesellschaftsstudie, was ist "in", welche Lebensstile sind angesehen, auf welche blickt man mit Missachtung, während die Protagonisten Höhen und Tiefen ihrem Charakter entsprechend durchleben.
Prinzipiell finde ich die Idee spannend, eine Lebensgeschichte so punktuell und wie im Zeitraffer zu erzählen. Auch die Charakterzeichnung von Emma und Dexter ist gelungen, trotz einiger Klischees (Oberflächlichkeit versus literarisch-begabter Gesellschaftskritikerin, Alkoholismus versus schüchterner Bescheidenheit). Dennoch zündete der Roman nicht, hatte Längen und vor allem ein fürchterlich zähes Ende, der wie ein schreckliche 30 Seiten langer Nachsatz zum eigentlichen Schlusspunkt war. Mir boten beide Protagonisten wenig Identifikationsfläche, vielleicht liegt es auch am Genre, das ich sonst kaum lese. Als Liebesgeschichte fand ich es beinahe trostlos, als Freundschafts-/Beziehungsgeschichte passabel, aber nicht begeisternd - und zu lang.

David Nicholls, Zwei an einem Tag. Kein & Aber, Berlin 2010.

Saturday, January 26, 2013

Suzanne Collins - Die Tribute von Panem I

Als ihre kleine Schwester als Tribut für die Hungerspiele von Panem ausgelost wird, meldet sich Katniss freiwillig, um ihren Platz einzunehmen. Jeder der zwölf Distrikte von Panem muss einen Jungen und ein Mädchen für die Hungerspiele stellen. In einem extra erschaffenen Areal, einer riesigen Arena, müssen die 24 Tribute gegeneinander kämpfen und sich töten, bis nur noch einer übrig bleibt. Die Kämpfe werden in Form eines gigantischen Medienspekatakels übertragen, die Bewohner der Distrikte sind gezwungen es sich anzuschauen, während sie selbst unter ständigem Hunger und Mangelversorgung leiden. 
Die normale Welt im Großteil der Distrikte besteht aus Armut und ständiger Existenzangst, während ein kleiner Teil im Überfluss lebt. Die politisch-historischen Gründe für diese Gesellschaftsordnung werden im ersten Band von Suzanne Collins Triologie nur angerissen, ich vermute, dass hier die Handlung der Folgebände ansetzen wird. Gleichzeitig wird dem Leser der Spiegel für die eigene Sensationslust und gedankenlosen Luxus vorgehalten.
Die Story ist schlüssig aufgebaut, die einzelnen Schritte, die zu dem ungewöhnlichem Sieg von Katniss und ihrem Partner führen, sind logisch und durchdacht. Der Sprachstil ist eher einfach, der Zielgruppe der jugendlichen Leser entsprechend, daher ist der Roman leicht zu lesen. 
Natürlich ist nach dem Sieg wieder alles offen, die unterschwellige Kritik am System und die zwiespältige Liebesbeziehung werfen ihre Schatten voraus, was die Handlung von Band zwei angeht. Logische Konsequenz: Weiterlesen, aber auch den Film anschauen, da mir eine filmische Umsetzung durchaus lohnend erscheint. 
 
Suzanne Collins, Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele. Oetinger, Hamburg 2009.

www.dietributevonpanem.de

Friday, January 18, 2013

Ulrich Greiner: Leseverführer

"Was geschieht mit uns, wenn wir lesen, und warum tun wir es so gern? Muss man alles zu Ende lesen und was sollte man wirklich über den Autor wissen? Und wo liest man was am besten?" 
Fragen, die auf dem Klappentext von Ulrich Greiners Leseverführer - eine Gebrauchsanweisung zum Lesen schöner Literatur verzeichnet sind.
Greiner ist Literaturwissenschaftler und das merkt man auch.
In zehn Kapiteln greift er verschiedene Aspekte von Literatur auf und versucht sie dem Leser zu erklären. Da wäre beispielsweise das Verhältnis von Erfundenem und Wahrheit, die Protagonisten/Helden, Romananfänge oder Erzählperspektiven. Dies verknüpft er mit der Bedeutung, die diese Aspekte auf das Lesen und den Leser haben können. Gemixt mit einer kleinen Auswahl von Beispielromanen mit Zitaten und Inhaltszusammenfassungen ergibt das etwa 200 Seiten Buch.
Die ersten Kapitel fielen mir recht leicht, sie waren unterhaltsam und in leichtem Ton geschrieben, später driftet er zunehmend in literturwissenschaftlichen Jargon ab, den ich allzu gut kenne. Das macht selten Spaß zu lesen. Und um den Spaß ging es Greiner eigentlich, so auch der Titel, Verführen zum Lesen...
Nein, irgendwie hakt dieses Buch, denn wer gern und viel liest, der kennt die Botschaft längst: Finde deinen eigenen Leseweg, lies was Freude macht, stelle dich ab und an einer Herausforderung und suche dir neue Autoren, Genre und Schreibstile. Wer nicht liest, dem wird dieses Buch ganz gewiss nicht dabei helfen, ein eifriger oder besserer (geht das?) Leser zu werden.
Ich glaube, eine gewisse Überheblichkeit scheint durch das ganze Buch hindurch (das geht mir übrigens auch beim Lesen der ZEIT oft so, deren Literaturressort Greiner leitet, aber das nur am Rande). Die genannten Werke sind häufig eher Beispiele komplexer/gehobener Literatur, einige davon habe ich gelesen, weil sie zur Weltliteratur, wie man so schön sagt, zählen, aber Spaß hat das im ersten Sinne meistens nicht gemacht, auch wenn man hinterher stolz auf die bewältigte Aufgabe blickte und bestenfalls auch ein paar neue Eindrücke und mehr Wissen über einen berühmten Autor und sein Werk mitnahm.
Die Frage, die sich mir nach der Lektüre dieses Buches stellt, ist jedenfalls eher die nach dem hohen Anspruch an Literatur und ob man diesem gerecht werden muss, um ein glücklicher Leser zu sein. Ich glaube nicht. Oben genannte Fragen fühle ich wenig beantwortet - aber vermutlich wurde hier auf dem Klappentext aus Werbezwecken ein wenig simplizifiert...

Ulrich Greiner: Ulrich Greiners Leseverführer - eine Gebrauchsanweisung zum Lesen schöner Literatur. Beck, München 2005.

Thursday, January 17, 2013

Jussi Adler Olsen - Verachtung

Nach Erbarmen, Schändung und Erlösung ist Verachtung nun der vierte Band der Reihe um Kommissar Carl Mørck von Jussi Adler Olsen.
Die Story hat drei zeitliche und erzählerische Dimensionen. Die Ebene Carl Mørcks spielt im Jahr 2010, er ermittelt zusammen mit Assistenten Rose und Assad das Verschwinden von einer Gruppe von Menschen im Jahr 1987. Die zweite Ebene ist in eben diesem Jahr 1987 verankert, die Hauptperson ist Nete Hermansen. Von dieser Ebene ausgehend bedenkt Nete rückblickend in Episoden ihr Leben. Im Zentrum der Ermittlungen steht neben Nete auch ein alter Mann namens Curt Wad, Arzt und Politiker, der zum wiederholten Male versucht, seine faschistisch-rassistische Partei ins politische Geschehen Dänemarks zu bringen.
Was 1987 geschehen ist, erleben wir mit, damit liegt wieder einmal die Spannung von Adler Olsens Roman nicht in der tatsächlichen Aufklärung eines Mordes, sondern vielmehr in dem Wissenwollen der Absichten und Zusammenhänge. Er verknüpft zudem geschickt totgeschwiegene, vergessene Schuld an Übergriffen und Zwangssterilisationen an Frauen, die es in der Geschichte von vielen europäischen Staaten (nicht nur Nazideutschland) gegeben hat, mit aktuellen politischen Bewegungen, die immer noch das gleiche abscheuliche Gedankengut vermitteln.
Die Weiterentwicklung der Geschichte Carl Mørcks und seines eigenen ungelösten Falls um seine beiden Kollegen wird nur in kleinen Mengen betrieben, es tauchen neue Beweismittel auf, die Carl belasten könnten, aber offensichtlich platziert wurden. Dabei bleibt es aber auch, was ein wenig unbefriedigend ist, aber eben auch auf einen weiteren Fall schließen lässt.
Verachtung ist spannend und unterhaltend, liest sich flüssig und lässt einen dennoch über geschichtliche Aspekte und Zusammenhänge nachsinnen. Gelungen.

Jussi Adler Olsen, Verachtung. dtv, München 2012.