Friday, October 30, 2026

Mario Vargas Llosa - Die große Versuchung

Dann und wann stelle ich mich literarischen Herausforderungen. Auf meiner Landkarte der lateinamerikanischen Literatur gibt es viele weiße Stellen. Mario Vargas Llosa gilt als einer der großen lateinamerikanischen Autoren und er erhielt 2010 den Nobelpreis für Literatur. Die große Versuchung ist sein letztes Werk von 2023, bevor er 2025 verstarb. Darin schreibt er über Toño Azpilcueta, einen Spezialisten für peruanische Kultur und Musik. Toño ist leider recht erfolglos geblieben, beispielsweise wurde der Lehrstuhl für seinen Fachbereich an der Uni von Lima geschlossen just in dem Moment, als er sich Hoffnungen darauf machte. So hält sich seine Familie eher von der harten Arbeit seiner Frau über Wasser, seine kleinen Fachartikel über Musiker in Zeitschriften bringen fast nichts ein. Als er eines Tages einen außergewöhnlichen Gitarristen bei einem Konzert hört, beschließt er, ein Buch über ihn zu schreiben. Die Recherche für das Buch und seine Bestrebungen, zudem alle seine Überzeugungen hinsichtlich der peruanischen Kultur darin einzubringen, treiben ihn manisch an. Zwar kann er bei der Veröffentlichung einen gewissen Erfolg feiern, verliert aber jedes Maß und endet wieder dort, wo er begonnen hat. Parallel zu Toños Geschichte finden wir in Die große Versuchung ausufernde Kapitel zur peruanischen Kultur, eine Art Autorenstimme, die uns Details und Übersicht zu verschiedenen speziellen und generellen Aspekten der peruanischen Kultur gibt und deren Erzählstil eher einem subjektiv gefärbten Sachbuch gleicht.
Vermutlich ist letzteres der Grund, warum ich große Schwierigkeiten hatte, dem Roman etwas abzugewinnen. Der Protagonist blieb mir fremd, die erklärenden Inhalte betrafen Themen zu denen ich a) keine Vorkenntnisse und für die ich b) wenig Interesse aufbringen kann. Ich weiß jetzt mehr über den Vals als ich je wissen wollte. Der Rechercheplot brachte auch nur bedingt Spannung und die psychologischen Aspekte über 
Toños Rattenängste (und seine Familiengeschichte) wurden nur angerissen. Die große Versuchung schwankt also zwischen zuviel und zu wenig, zwischen Langatmigkeit und biographischen und erzählerischen Lücken. Ich kann mir vorstellen, dass im umfangreichen Werk des Autors vielleicht bessere Romane enthalten sind. Vielleicht muss ich noch einen zweiten Versuch wagen, aber nicht in nächster Zeit. 

Mario Vargas Llosa, Die große Versuchung. Suhrkamp 2024.

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