Sunday, September 20, 2026

V.E. Schwab - Das unsichtbare Leben der Addie LaRue

Das unsichtbare Leben der Addie LaRue beginnt eines Tages in einem kleinen französischen Dorf im Jahr 1714. Adeline LaRue will nicht heiraten, sie will ihre Freiheit behalten - zu ihrer Zeit kein kleiner Wunsch. Als Tochter eines Tischlers, der auch filigrane Dinge schnitzen kann, hat sie noch nicht viel von der Welt gesehen, gerade mal die nächste Kleinstadt und deren Markt. Sie selbst ist eine begabte Zeichnerin und als sie man sie zur Hochzeit zwingen will, greift sie verzweifelt zum letzten Mittel, das ihr einfällt: Sie ruft die Götter um Hilfe an - leider ist es ein dunkles Wesen, das ihr antwortet und mit dem sie einen folgenschweren Pakt eingeht. Das Wesen, glücklicherweise in Gestalt eines wunderschönen Mannes, verspricht ihr unbegrenzte Lebenszeit für ihre Seele, versieht den Pakt aber mit einem Haken: Niemand der Adeline sieht, sich dann von ihr abwendet, kann sich später an sie erinnern. Geschildert wird Addies Geschichte auf zwei Zeitebenen, die eine spielt im New York der Gegenwart, die andere geht chronologisch mit ihr durch ihre 300 Jahre Lebenszeit. Im Jetzt trifft sie nach all der Lebenszeit in einem Antiquariat (wo auch sonst) auf Henry, der sich unglaublicherweise an sie erinnert. Er ist es auch, dem sie ihre Lebensgeschichte in die Feder diktiert, der sie für sie aufschreibt, so dass ein Zeugnis von ihr bleibt. Natürlich verlieben sich Addie und Henry ineinander, denn sie sind wie füreinander geschaffen - denn bald wird klar, dass auch Henry einen Pakt eingegangen ist. So ist nicht der Zufall, sondern der dunkle Schatten in Addies Leben für ihre Begegnung verantwortlich. 
V.E. Schwabs Idee einer Frau, die durch die Jahrhunderte hindurch lebt, aber keine Spuren hinterlassen kann, finde ich spannend. Was für Möglichkeiten, was für eine spannende Prämisse! Leider ist dagegen der Roman bzw. vor allem sein Plot recht klein geraten. Nicht an Seiten, sondern an Handlung. Immer wieder erlebt Addie die gleichen Dinge, reagiert auf die gleiche Weise, ist immer wieder enttäuscht und verzweifelt über das Vergessen der anderen. In Henry erfährt sie am Ende eine Art von Erlösung, auch wenn ihr die nur so nebenbei von ihrem dunklen Gefährten geschenkt wird dafür, dass sie bei ihm bleibt. All die Geschichte, die in Addies 300 Jahren auf der Welt passiert, nimmt dagegen kaum Raum ein, wird nur als Randbemerkung und in Form von einigen Begegnungen mit Künstlern dargestellt. Addies Horizont wird dadurch nicht größer, ihre Erkenntnisse helfen ihr nicht zu größerem Denken, wertvollerem Handeln. Ihr Leben bleibt flach und unsichtbar, aber ihre Wahrnehmung der Welt ebenso. Hier wurde erzählerisches Potential verschenkt, auch wenn Addies Geschichte und ihre Romanzen unterhaltsam waren. 

V.E. Schwab, Das unsichtbare Leben der Addie LaRue. Argon 2021.

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