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Sunday, December 27, 2015

Lese-Challenge SuB-Abbau 2015 - erfüllt!

Auch in 2015 habe ich wieder (wie in 2014) an der SuB-Abbau-Challenge von Annette Eickert (aktuelles Blog hier) teilgenommen. Von den 70  Kategorien habe ich 44 erfüllt, 20 mussten geschafft werden. Damit ist die Challenge offiziell erfüllt.

Leider hat die Challenge für die ungelesenen Bücher nicht ganz den gewünschten Erfolg gehabt, denn einige der Bücher, die ich schon einer bestimmten Kategorie zugeordnet habe (blau), liegen leider immer noch auf dem SuB und können gleich in die neue Challenge für 2016 übertragen werden.
Dennoch bin ich nicht unzufrieden mit dem Endergebnis.



  1. Lies ein Buch mit weniger als 100 Seiten: Jussi Adler Olsen - Das Versteck
  2. Lies ein Buch mit mehr als 100 Seiten: David Almond - Der Junge, der mit den Piranhas schwamm
  3. Lies ein Buch mit mehr als 200 Seiten: Andreas Steinhöfel - Anders
  4. Lies ein Buch mit mehr als 300 Seiten: Graeme Simsion - Das Rosie-Projekt
  5. Lies ein Buch mit mehr als 400 Seiten: Robert Galbraith - Der Ruf des Kuckucks
  6. Lies ein Buch mit mehr als 500 Seiten: Patrick Rothfuss - Der Name des Windes
  7. Lies ein Buch mit mehr als 600 Seiten: George R.R. Martin - Die dunkle Königin
  8. Lies ein Buch mit Weiß im Cover: Dianne Touchell - Zwischen zwei Fenstern 
  9. Lies ein Buch mit Gelb im Cover: Yrsa Sigurðardóttir: Todesschiff
  10. Lies ein Buch mit Orange im Cover: Julia Deck - Vivianne Elisabeth Fauville
  11. Lies ein Buch mit Rot im Cover: Alan Bennett - Schweinkram. Zwei unziemliche Geschichten
  12. Lies ein Buch mit Lila im Cover: Ursula Poznanski - Stimmen
  13. Lies ein Buch mit Blau im Cover: Sven Westerberg - In einer verschneiten Nacht
  14. Lies ein Buch mit Grün im Cover: Andreas Franz - Jung, blond, tot
  15. Lies ein Buch mit Braun im Cover: Klas Östergren - Gentlemen
  16. Lies ein Buch mit Grau im Cover: M. Hjorth/H.Rosenfeldt, Der Mann, der kein Mörder war.
  17. Lies ein Buch mit Schwarz im Cover: Jan Costin Wagner: Eismond
  18. Lies ein Buch aus dem Bereich Kinderbuch: Tove Jansson: Die Mumins - Eine drollige Gesellschaft
  19. Lies ein Buch aus dem Bereich Jugendroman: Sue Townsend: Adrian Mole - The Wilderness Years
  20. Lies ein Buch aus dem Bereich Vampire: Wolfgang Hohlbein: Am Abgrund
  21. Lies ein Buch aus dem Bereich Werwölfe: Terry Pratchett - Feet of Clay
  22. Lies ein Buch aus dem Bereich Fantasy: Terry Pratchett: Toller Dampf voraus
  23. Lies ein Buch aus dem Bereich Dystopie: James Dashner - Die Auserwählten im Labyrinth
  24. Lies ein Buch aus dem Bereich Chick-Lit: Jojo Moyes - Weit weg und ganz nah
  25. Lies ein Buch aus dem Bereich Steampunk
  26. Lies ein Buch aus dem Bereich Krimi: Eric Berg - Das Nebelhaus
  27. Lies ein Buch aus dem Bereich Thriller: Arne Dahl - Misterioso
  28. Lies ein Buch aus dem Bereich Psycho-Thriller
  29. Lies ein Buch aus dem Bereich Horror
  30. Lies ein Buch aus dem Bereich Science Fiction: Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis
  31. Lies ein Buch aus dem Bereich Gayliteratur: Val McDermid - Alle Rache will Ewigkeit
  32. Lies ein Buch aus dem Bereich Erotischer Roman: Katelyn Faith - Fesselnde Liebe [ohne Rezension]
  33. Lies ein Buch aus dem Bereich Historische Romane
  34. Lies ein Buch aus dem Bereich Dokumentation oder dokumentarischer Roman: Kate Fox: Watching the English
  35. Lies ein Buch aus dem Bereich (Auto-) Biographien: Hape Kerkeling: Der Junge muss an die frische Luft
  36. Lies ein Buch mit Kurzgeschichten
  37. Lies ein Buch aus einer Buchreihe: Kiera Cass: Selection
  38. Lies ein Buch, welches mehrere Geschichten aus einer Reihe beinhaltet (Sammelband)
    Isabelle Allende: Die Abenteuer von Aguila und Jaguar (Drei Romane in einem Band)
  39. Lies ein Buch das zwischen 2000 und 2004 erschienen ist: Jeffery Deaver: Der Knochenjäger (dt. Buchausgabe erstmals 2000)
  40. Lies ein Buch das zwischen 2005 und 2009 erschienen ist: Nick Hornby: A Long Way Down
  41. Lies ein Buch, das 2010 erschienen ist
  42. Lies ein Buch, das 2011 erschienen ist: Astrid Rosenfeld: Adams Erbe (erstmals 2011 im Diogenes Verlag)
  43. Lies ein Buch, das 2012 erschienen ist
  44. Lies ein Buch, das 2013 erschienen ist: Dan Brown: Inferno
  45. Lies ein Buch, das 2014 erschienen ist (in dt. Ausgabe): Frederik Backmann: Ein Mann namens Ove
  46. Lies ein Buch, das 2015 erschienen ist: Katerina Jacob, Oh (weia) Kanada. Mein Abenteuer vom Auswandern.
  47. Lies ein Buch von einem noch nicht allzu bekannten Autor
  48. Lies ein Buch von einem noch nicht allzu bekannten Verlag: Tone Kjaernli - Die verzauberte Geige (dänischer Verlag, der dt. e-books verlegt)
  49. Lies ein Buch von einem Autor, mit dem du schon in Kontakt standest (online)
  50. Lies ein Buch von einem Autor, den du schon persönlich getroffen hast
  51. Lies ein Buch von einem deutschsprachigen Autor: Karl Olsberg: Delete
  52. Lies ein Buch von einer deutschsprachigen Autorin: Ursula Poznanski: Blinde Vögel
  53. Lies ein Buch von einem englischsprachigen Autor
  54. Lies ein Buch von einer englischsprachigen Autorin: Siri Hustvedt: Die gleißende Welt
  55. Lies ein Buch in englischer Sprache: Kathy Reichs: Bones in her Pocket
  56. Lies ein Buch in einer anderen Sprache (außer englisch)
  57. Lies ein Buch, das von mehreren Autoren geschrieben wurde (mehr als zwei)
  58. Lies ein Buch von einem Autorenduo: Klüpfel/Kobr: Grimmbart
  59. Lies ein Buch aus dem Bereich „nordische“ Krimis: Johan Theorin: Blutstein (Schweden)
  60. Lies ein Buch, in dem ein Ermittler Duo ermittelt: Jo Nesbø - Der Sohn
  61. Lies ein Buch, welches ein Klassiker in der Literatur ist: Hermann Hesse - Siddharta
  62. Lies ein Buch, welches einen Preis gewonnen hat: Adam Johnson: Das geraubte Leben des Waisen Jun Do (Pulitzer-Preis 2013)
  63. Lies ein Buch, welches verfilmt wurde: Haruki Murakami: Norwegian Wood (verfilmt 2010)
  64. Lies ein Buch, in dem ein Tier eine Rolle spielt: Jack London - Der Ruf der Wildnis
  65. Lies ein Buch, welches du geschenkt bekommen hast: Loki Schmidt: Auf dem roten Teppich und fest auf der Erde
  66. Lies ein Buch, welches du gewonnen hast: Dresden - Eine literarische Einladung (bei einem Gewinnspiel des Wagenbach-Verlags)
  67. Lies ein Buch, an das du dich noch nie herangetraut hast
  68. Lies ein Buch, welches du schon immer haben wolltest
  69. Lies ein Buch, welches du angefangen, aber nie beendet hast: Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray
  70. Lies ein Buch, das am längsten auf deinem SUB liegt

Wednesday, December 16, 2015

Alan Bennett - Schweinkram

Nach seinem Bestsellererfolg mit Die souveräne Leserin, in der Alan Bennett eine äußerst unterhaltsame Geschichte über eine lesende Queen erzählt, habe ich einige der anderen Prosawerke des britischen Autors gelesen.
Schweinkram. Zwei unziemliche Geschichten (im englischen Original Smut: two unseemly stories) enthält zwei kürzere Erzählungen, die von ungewöhnlichen, schrägen sexuellen Beziehungen handeln.

Mrs. Donaldson erblüht erzählt von einer Witwe, die sich plötzlich in der seltsamen Situation wiederfindet, ihren Untermietern beim Sex zuzusehen - und zu ihrem eigenen Erstaunen, großen Gefallen daran finden.

In Mrs. Forbes wird behütet ergibt sich ein ziemlich unwahrscheinliches Beziehungsdurcheinander, als der eigentlich schwule Sohn eine höchst intelligente Frau heiratet, die relativ die Erpressung durch den Liebhaber ihres Mannes durchschaut und unterbindet, auch, um dabei die Schwiegermutter Mrs. Forbes vor der Wahrheit zu schützen, was diese aber eigentlich nicht nötig hat.

Beide Geschichten bestechen durch den ausgesprochen zynischen schwarzen Humor und die sehr britischen Charaktere, bei denen der Leser hinter die scheinbar spießig-korrekte Fassade schaut und sich wundern muss über die Geheimnisse, die er da erspäht. Sprachlich sind die Geschichten typisch Bennett, sehr ausgefeilt, und die Dialoge sind so trocken witzig, dass man sie eigentlich gleich jemandem laut vorlesen möchte.

Das Buch ist zudem ein typisches Wagenbach-Juwel, Quartband und Leineneinband, neben allem anderen ein haptisches Vergnügen.

Alan Bennett, Schweinkram. Zwei unziemliche Geschichten. Wagenbach, Berlin 2012.

Thursday, December 03, 2015

Terry Pratchett - Feet of Clay

Feet of Clay is the third Discworld novel about the city watch by Terry Pratchett. It was originally published in 1996.
The golems of the city create themselves a king and put all their hopes into him - literally writing them down and putting them into his head. He tries to follow their orders but is unable to function properly and ends up committing crimes that the city watch has to investigate. The main characters Commander Vimes and Captain Carrot, Angua, Nobby Nobs and other city watch favourites. They also get a new forensics expert, the female dwarf Cheery Littlebottom who is responsible for some really funny scenes and dialogues.
Feet of Clay is an enjoyable novel which raises the interesting question what makes a person a person and what does it take to grant him equal rights in a society.
Tony Robinson is an amazing reader and he does a really great job impersonating all these challenging characters.

Terry Pratchett, Feet of Clay. Random House Audio 2007.

Tuesday, December 01, 2015

Terry Pratchett - Toller Dampf voraus

Toller Dampf voraus (im Original Raising Steam, 2014) ist der dritte Scheibenwelt-Roman um den Ex-Kriminellen/Unternehmer Feucht von Lipwig (Moist von Lipwig) und der 40. Scheibenwelt-Roman insgesamt. Titel und Cover zeigen das Thema deutlich, die Dampfeisenbahn erobert die Scheibenwelt. Während die technologische Entwicklung  fortschreitet und sich das Verhältnis der Städte untereinander, aber auch das Leben der Landbewohner dadurch in raschem Tempo verändert, versuchen fundamentalistische Zwerge, ihren eher progressiven König zu stürzen und verüben zudem zahlreiche Anschläge auf die Eisenbahn.
Gemeinsam müssen sich Erfinder und Verfechter der Eisenbahn anstrengen, um den Zwergenkönig rechtzeitig zurück in sein Heimatgebiet zu schaffen, damit dieser dort für Ruhe und Ordnung sorgen kann.
Wie immer in Pratchetts Romanen ist auch Toller Dampf voraus gespickt mit zahlreichen Anspielungen und Querverweisen auf die reale Welt und gibt immer wieder Denkanstöße, nicht nur zum technologischen Fortschritt, sondern beispielsweise auch zum Umgang verschiedener Völker miteinander und zur Gleichberechtigung.
Das Audiobook wird von Jens Wawrczeck erwartungsgemäß großartig gelesen, so dass das Wiedersehen mit den bekannten Charakteren Freude macht. Obwohl augenscheinlich alle Elemente vorhanden sind, um den Roman zu einem typisch genialen Pratchett zu machen, fehlt etwas, das sich schwer in Worte fassen lässt. Es gab durchaus Stellen, die mich wie gewohnt schmunzeln oder laut auflachen ließen, aber ebenso auch Passagen, die ich langatmig und schlichtweg wenig gewinnbringend fand. Das liegt aber vermutlich am hohen Standard, den Pratchett selbst gesetzt hat und den er krankheitsbedingt am Ende nicht mehr ganz erreichen konnte. Trotzdem hat Toller Dampf voraus viel Gutes und ist unterhaltsam bis zum Schluss.

Terry Pratchett, Toller Dampf voraus. der Hörverlag 2015.

Wednesday, November 11, 2015

Andreas Franz - Jung, blond, tot

Im Grunde fing Jung, blond, tot von Andreas Franz vielversprechend an. Ein deutscher Krimi, der in Frankfurt spielt, eine neue Kommissarin, die sich an dem neuen Serienmörderfall festbeißt. Der Mörder tötet junge, blonde Mädchen, vergewaltigt und verstümmelt sie.

Andreas Franz beschreibt detailliert und sachlich. Das ist nicht verkehrt, aber er unterscheidet dabei nicht, ob er gerade das Abendbrot der Kommissarin (zwei Wurstbrote und Tomatensuppe) oder die zahlreichen Wunden der Opfer beschreibt. Das ist teils langatmig, teils verstörend und meistens überflüssig.
Die Gedankenwelt der Kommissarin, alleinlebender Single, mittleres Alter, erscheint mir als Frau völlig fremd, entspricht eher männlichem Denken darüber, was Frauen wohl so denken. Nicht überzeugend!
Der Plot ist zunächst nicht schlecht aufgebaut, es werden verschiedene Charaktere und Ermittlungsbereiche eingeführt, doch schon bald wird dem Leser klar, worauf es hinausläuft. Dann enttarnt der Autor den Mörder, bevor es die Kommissarin tut, diese zählt als letzte eins und eins zusammen und das sogar erst, nachdem sie den entscheidenden und offensichtlichen Hinweis frei Haus geliefert bekommt von ihrem Kollegen Kommissar Zufall. Denkbar schlechte Auflösung und damit auch ein Ende, das kein Finale, sondern nur Nachklang ist.
Im Grunde war es nicht recht die Lesezeit (bzw. Anhörzeit des Audiobooks) wert.

Sunday, November 01, 2015

Jan Costin Wagner - Eismond

Jan Costin Wagner schreibt Kriminalromane, die in Finnland spielen. Sein Protagonist ist der Polizist Kimmo Joentaa. In dem ersten Band der Reihe, Eismond, stirbt Kimmos Frau an Krebs. Er ist am Boden zerstört und geht dennoch, nahezu schlafwandelnd, zur Arbeit. Ein Serienmörder tötet Menschen im Schlaf. Kimmo fühlt sich dem Mörder auf seltsame Art verbunden, spürt Gemeinsamkeiten. So ist die Ermittlung eher eine emotionale Suche, ein In-sich-Hineinhorchen, eine Beschäftigung mit dem Tod und der Angst vor dem Alleinsein.
Eismond ist im Grunde nur "nebenbei" auch ein Krimi, die inneren Prozesse des Mörders und des Ermittlers gleichen bzw. ergänzen sich, womit Wagner sicher einen interessanten Weg einschlägt. Interessant ist, wie er den Charakter seines Ermittlers weiterentwickeln kann.

Jan Costin Wagner, Eismond. Eichborn Lido 2003.

Wednesday, October 21, 2015

Douglas Adams - The Hitchhiker's Guide to the Galaxy

The Hitchhiker's Guide to the Galaxy is a classic and I can totally get the cult status it has for so many years now. I liked it when I first read it and I still like it after listening to the audiobook (read by Christian Ulmen who did a very good job).
Douglas Adams' dialogues are very funny and his ideas are hilarious (who else would think of a depressive robot?). His plot is a bit random, things just happen, and other things happen, and then the next... I know that this doen't change in the other books of the "trilogy" although I can't remember which ones I read and when I stopped reading the series, I didn't finish, that's for sure. There is only so much randomness I could take. Of course it is great if a book gets you to laugh out loud and keeps you smiling. The whole crazyness of it is very enjoyable.
But for me, it lacks the message (which I know wasn't intended) but I like messages in books, even very small ones (like a character finding out things about him- or herself). So fun aside, I miss something in The Hitchhiker's Guide to the Galaxy. But that's just me. Thank you for the fish. 




Thursday, October 15, 2015

Yrsa Sigurðardóttir - Todesschiff

Vorweg, das Cover der deutschen Ausgabe ist schlecht gewählt. Zwar verdeutlich es die unheimliche Atmosphäre, aber das Todesschiff aus dem sechsten Roman um Anwältin Þóra Guðmundsdóttir ist eine Luxusjacht mit mehreren Decks. Diese treibt führerlos in den Hafen von Reykjavík, die sieben Menschen, die darauf sein sollen sind verschwunden, darunter eine Familie mit Kindern, nur die jüngste Tochter ist in Island bei den Großeltern geblieben. Diese werden zu Þóras Klienten, denn damit sie finanziell für die Kleine sorgen können, müssen sie die Verschwundenen für tot erklären lassen. Þóra versucht mehr über die Mannschaft und die Verschwundenen herauszufinden, um zu klären, ob ein Unglück, Mord oder Betrug vorliegt.
Parallel dazu werden rückblickend die Geschehnisse auf der Jacht erzählt. Wie in ihren Romanen üblich, gibt Yrsa dem Ganzen einen gruseligen und mystischen Anstrich, ein Fluch liegt über der Jacht.
Die Spannung wird dadurch gehalten, dass sich die Ermittlungen und die Erzählung der tatsächlichen Ereignisse gegenseitig ergänzen. Dennoch hat man manchmal das Gefühl Þóra nicht zu brauchen, da die Dinge sowieso erzählt werden, ein Aspekt des Erzählstils, der mit weniger gefallen hat. Auch wirkt die Anzahl und die Brutalität der Morde und Unglücksfälle etwas extrem, die Motive dafür schwach.

Wednesday, October 14, 2015

Tone Kjaernli - Die verzauberte Geige



Die norwegische Autorin Tone Kjaernli schildert in dem Jugendbuch Die verzauberte Geige die Geschichte von Johannes, einem Außenseiter, der von den anderen unter anderem wegen seines Geigenspiels geärgert wird. Auf der Flucht vor seinen Peinigern gerät er durch Zufall in den Laden eines mysteriösen Geigenbauers. Von diesem erhält Johannes eine verzauberte Geige und ein goldenes Amulett – und plötzlich verändert sich sein ganzes Leben. Wenn er auf der neuen Geige spielt, liegen ihm die Menschen zu Füßen und das Amulett erfüllt ihm, so stellt er nach einigen Überraschungen fest, seine Wünsche. Doch plötzlich taucht der Geigenbauer auf – die Geige ist eigentlich für jemand anderen bestimmt und Johannes muss sich auf die Suche machen, das Amulett und die Geige ihren eigentlichen Besitzern zurückzugeben. Zwar  muss er dann seine neu gewonnenen Kräfte aufgeben – gewinnt aber an Selbstvertrauen und lernt Freundschaft kennen.
Kjaernli verknüpft in ihrem Roman die Problemgeschichte eines einsamen Jungen, der anders ist, mit fantastischen Elementen (klassische Wunderdinge, wie im Märchen) und der Kraft des Träumens und des Wünschens. Beides ist nicht neu, aber in der Kombination entwickelt die Geschichte einen gewissen Charme. Etwas zu kurz gekommen ist mir die Nebenhandlung des Schriftstellervaters. Dieser stellt ein Negativvorbild dar, er lügt und verheimlicht seiner Familie seine Schreibkrise. Erst als der Sohn ihn konfrontiert, kommt wieder Bewegung in sein Leben. Hier wäre Raum gewesen für mehr Reflexion über das Miteinander innerhalb einer Familie, die im Grunde von den Krisen der anderen nichts mitbekommt, was zur Verschlimmerung führt.
Die Geige und die Musik als Sinnbild für Befreiung und für das Träumen ist – wenngleich auch nicht neu – schön gewählt. 

Tone Kjaernli, Die verzauberte Geige. Lindhardt og Ringhof, Kopenhagen 2014.

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Für die Buchchallenge 20/15 habe ich in diesem Buch aus der Kategorie V. Nahrungsmittel die Pizza ausgesucht, die gibt es eben an einem Abend in der Familie zu essen, keine weitere besondere Bedeutung.

Sunday, October 04, 2015

David Almond - Der Junge, der mit den Piranhas schwamm

David Almond ist bereits 2010 mit dem international anerkanntesten Literaturpreis für Kinderliteratur, dem Hans-Christian-Andersen-Preis, ausgezeichnet worden. Am bekanntesten ist sein Roman Zeit des Mondes (1998). Der Junge, der mit den Piranhas schwamm erschien bereits 2012, steht aber in diesem Jahr auf der Nominierungsliste des Deutschen Jugendliteraturpreises in der Kategorie Kinderbuch. 

Die Geschichte handelt von Stanley Potts, der als Waise bei seiner Tante und seinem Onkel aufwächst. Als der Onkel unbedingt seine häusliche Fischfabrik weiter vorantreiben will und dafür Stanleys Goldfische brät, flieht Stanley mit einer Gruppe von Jahrmarktleuten. Dort wird er bald von dem Bühnenmagier Pancho Pirelli entdeckt und für eine atemberaubende Nummer entdeckt: Er soll in einem Becken voller Piranhas schwimmen!

Der Stil Almonds ist eine interessante Mischung aus sensibler Darstellung des Gefühle der Charaktere (zum Beispiel im Gespräch Stanleys mit Nitischa, der Tochter des Mannes, der ihn beim Jahrmarkt aufnimmt), kurioser Unsinnssprache (hauptsächlich bei den DOOF-Ermittlern, die Stanleys Onkel wegen seiner illegalen Fischfabrik verfolgen) und einer Art Voiceover, bei dem der Autor immer wieder den Leser direkt anspricht, ihn vor den folgenden Ereignissen warnt, anbietet, doch lieber eine andere Geschichte zu lesen und ähnliches. Ein ungewöhnlicher Erzählstil, der den Lesefluss immer wieder unterbricht, den Leser zwingt reflektierende Positionen einzunehmen über das Geschehen und es auf sich selbst zu beziehen, sodass der Roman an einigen Stellen nahezu philosophische Aspekte hat. Das ist gut gemacht und spannend - aber mich persönlich hat gerade das Direkt-angesprochen-werden eher gestört und aus der Geschichte geworfen, vermutlich hätte ich das auch so empfunden, wenn ich das Buch als Kind gelesen hätte. Da stellt sich einmal mehr die Frage, ob die Jugendliteraturpreise nicht doch die Vorlieben der Erwachsenen spiegeln...

David Almond, Der Junge, der mit den Piranhas schwamm. Ravensburger, Ravensburg 2014.

Monday, September 14, 2015

Robert Galbraith - Der Ruf des Kuckucks

J.K. Rowling hat ihren ersten Kriminalroman Der Ruf des Kuckucks unter dem Pseudonym Robert Galbraith verfasst, da dies aber innerhalb kürzester Zeit bekannt war, hätte sie sich das vermutlich sparen können. Im Oktober soll nach Band zwei, Der Seidenspinner, nun bereits der dritte Band erscheinen (englischer Titel: Career of Evil).

Der Ermittler der Reihe ist Cormoran Strike, ein Afghanistan-Veteran mit einer Beinprothese, der gerade seine Verlobte verlassen hat, in seinem Büro wohnen muss und finanziell am Abgrund steht. Da ist ihm die von der Zeitarbeitsfirma ins Haus geschickte Robin eigentlich gar nicht recht, sie erweist sich aber als äußerst hilfreich für den unerwarteten spektakulären Fall, in dem er recherchieren soll.
Der Bruder des Topmodels Luna Landry beauftragt ihn, ihren von der Polizei als Selbstmord deklarierten Sturz vom Balkon ihres Apartments noch einmal zu überprüfen. Strike begibt sich in die Welt der Londoner Reichen und Schönen und stößt schon bald auf erste Dinge, die ihn stutzig machen. Mit Beharrlichkeit und Kombinationsgabe findet er schließlich heraus, was geschehen ist.

Rowling hat mit Cormoran Strike und der findigen Assistentin Robin ein klassisches Ermittlerduo geschaffen. Sie erfindet das Genre keineswegs neu, verzichtet auf die in vielen (Psycho-) Thrillern inzwischen üblichen Gruseleffekte durch die detaillierte Darstellung von pyschischer oder physischer Gewalt, sondern entwickelt langsam, aber kontinuierlich das Netz der Geschichte. Sie benötigt kein Deus ex Machina, um den Fall zu einem Ende zu bringen, sondern setzt die Lösung aus vielen kleinen Puzzlestücken am Ende zusammen. Um den Spannungsbogen zu halten, lässt sie den Leser nicht an allen Gedanken Strikes teilhaben, ein "Mitraten" ist möglich. Sprachlich-stilistisch ist Der Ruf des Kuckucks in der Schilderung detailreich, aber dabei klar und nicht überbordend. Die Charaktere werden in ähnlicher Weise gezeichnet, die beiden Protagonisten haben sicherlich noch deutlich Raum zur Entwicklung, vor allem Robin als weiblicher Counterpart sollte definitv selbstbewusster werden, diesbezüglich hoffe ich auf Band zwei. Nach all den schwermütigen und vom Leben hart gezeichneten, nahezu depressiven Ermittlern ist Strike trotz seiner Lebensgeschichte erstaunlich aufgeräumt und fokussiert. Das passt zum klassischen Setting dieser Detektivgeschichte und ist geradezu erholsam. 

Robert Galbraith, Der Ruf des Kuckucks. Blanvalet Verlag, München 2013.

Saturday, August 29, 2015

Kathy Reichs - Bones in Her Pocket

Another short story by Kathy Reichs, Bones in Her Pocket, counts as 15,5 in the Tempe Brennan series.
On 80 pages Tempe determines identity and cause of death of a young woman and helps detective Slidell to investigate suspects. The owl droppings she finds with the body give the case a new direction but in the end there is another unexpected turn of events.

After reading a few short stories of several authors in between the real novels I think Kathy Reichs' is the one who manages best to adjust pace and tension to make it work. Although short they have the same good mix of funny dialogues and sound investigation, without continueing the main character's story of course. Short, but enjoyable.

Kathy Reichs, Bones in Her Pocket. Scribner 2013.

Tuesday, August 04, 2015

Siri Hustvedt - Die gleißende Welt

Ausnahmsweise stelle ich hier einmal den Verlagstext vorweg, folgendes sagt der Verlag Rowohlt über Die gleißende Welt von Siri Hustvedt:
"Die gleißende Welt" ist der Titel eines utopischen Romans von Margaret Cavendish, die im 17. Jahrhundert als eine der ersten Frauen überhaupt unter ihrem eigenen Namen publizierte. Als frühe Universalgelehrte ist sie Vorbild und Idol von Harriett Burden, der Witwe eines einflussreichen New Yorker Galeristen. Nach dessen vorzeitigem Tod in den siebziger Jahren beginnt Harriett - in der öffentlichen Wahrnehmung nichts als die Frau an der Seite des berühmten Mannes, aber in Wahrheit hochtalentiert - ein heimliches Experiment: eine Karriere als Installationskünstlerin, die sich hinter dem angeblichen Werk dreier männlicher "Masken" verbirgt, das in Wahrheit sie selbst erschaffen hat. Doch der Faustische Handel schlägt fehl - einer dieser Maskenmänner, selbst ein bekannter Künstler, durchkreuzt ihr Rollenspiel und setzt sein eigenes dagegen, und es kommt zum Kampf zweier großer Geister.

Das Buch ist ein Konzert widerstreitender Stimmen, eine polyphone Tour de Force über die Macht von Vorurteilen, Begierde, Geld und Ruhm. Es versammelt alle großen Themen Siri Hustvedts aus Literatur, Kunst, Psychologie und Naturwissenschaften. Ein mutiges, schillerndes Meisterstück.
Hustvedts Roman ist in der Tat ein facettenreiches Werk, welches vom Kulturradio meisterhaft als Audiobook (erschienen im Argon Verlag) umgesetzt wurde, indem die verschiedenen Personen, die Hustvedt ihre unterschiedlichen Sichtweisen auf Harriett Burden, ihr Leben und ihr Werk schildern lässt, auch von verschiedenen markanten Sprechern präsentiert werden. Das erleichtert die Orientierung beim Perpektivwechsel.

Am interessantesten und spannendsten ist sicher die Frage nach der Rolle der Frau in der Kunst, oder besser im Kunstbetrieb. Die Schwierigkeit, sich trotz ihres großen Talentes Gehör und Geltung zu verschaffen, treibt Harriett zu ungewöhnlichen Maßnahmen, an denen sie letztlich scheitert. Sie erfährt nicht die ihr zustehende Anerkunngen, gleichzeitig stürzt die Erfahrung des Verrats sie in einen tiefen Abgrund.

Hustvedt beleuchtet ihre Protagonisten von innen und außen, aus der Nähe und aus der Ferne, bedient sich unterschiedlicher Personen, bleibt dabei sehr persönlich, gibt ihren Berichterstattern zusätzlich noch deutliche eigene Charaktere, so dass einem beim Zuhören dennoch klar wird, durch wessen "Brille" man Harriett nun sieht und wie man dies eventuell einordnen muss. Dies ist erzählerisch in der Tat meisterhaft umgesetzt, wenngleich die Thematik und die starke Frauenperspektive sicherlich nicht in allen Leserkreisen auf Zustimmung treffen wird.
 


Siri Hustvedt, Die gleißende Welt. Argon 2015.

Monday, August 03, 2015

Jo Nesbø - Der Sohn

Als Sonny Lofthus erfährt, dass sein als Maulwurf bei der Polizei verdächtigter Vater unschuldig ermordet wurde, flieht er aus dem Gefängnis, um Rache zu üben, auch an denen, wegen denen er seit langen Jahren verschiedene Strafen absitzt. Ein ehemaliger Freund seines Vater übernimmt zusammen mit einer jungen Kollegin die Ermittlungen.
Nach zehn Romanen mit Harry Hole hat Jo Nesbø einen Roman mit einem anderen Protagonisten über Rache und Selbstjustiz geschrieben. Die Rolle der Polizeit ist dabei sehr ambivalent, die Grenzen zwischen Tätern, Vertreters des Gesetzes und Stafenden verschwimmen. Und ist es erträglich, dass Mörder ohne Strafe davonkommen, sofern sie nur die Bösen getötet haben? Darf man dabei Befriedigung empfinden?
Interessante Fragen, über die man länger nachsinnen kann, als Platz in einer Kurzrezension ist.
Der Sohn ist - ohne Frage - ein spannender, facettenreicher Thriller. Die Figuren waren mir zwar nicht sonderlich sympathisch, viele haben (typisch Nesbø) sehr düstere Seiten an sich, aber der Plot ist gut durchdacht, actionreich und trotz gewalttätiger Szenen nicht ganz so blutrünstig-grausam wie einige der Harry Hole-Szenen. 

 Jo Nesbø, Der Sohn. HörbuchHamburg 2014.

Sunday, August 02, 2015

Dresden - Eine literarische Einladung

Detlev Schöttker (Germanistik-Professor an der TU Dresden) hat Dresden - Eine literarische Einladung im Verlag Klaus Wagenbach in der Salto-Reihe herausgegeben. Es ist einer dieser wunderbaren Quartbände, in rotes Leinen gebunden, das Format und das haptische Vergnügen sind Genuss vor dem Lesen.
Schöttker, bedacht darauf ein umfassendes Bild des literarischen Bezugs zu Dresden herzustellen, hat Geschichten, Auszüge und Gedichte zu drei Bereichen zusammengetragen: Verwüstungen, Landschaft und Stadtbesichtigungen. In einem umfassenden Nachwort, eher eine germanistische Kurzpublikation, erläutert er die einzelnen Werke und stellt sie in einen Gesamtzusammenhang mit der literatischen Tradition Dresdens.
Wie immer in einer solchen Anthologie finden sich in Qualität, Stil und Länge sehr unterschiedliche Texte. Besonders einige der Gedichte verlangen dem Leser einiges ab, so dass man eine Wahl zwischen Weiterblättern oder intensiver Auseinandersetzung treffen muss. Literarisches Grundinteresse sollte vorhanden sein, sonst fängt man mit dem hübschen Bändchen nichts an - das machen Titel und Verlag aber bereits im Vorfeld klar. In Bezug auf den Titel ist zu ergänzen, dass es tatsächlich eine Einladung ist, die das Quartbuch ausspricht: Im Nachklang überlegt man, dass Dresden einen (erneuten) Besuch wert ist und man die Stadt durch andere Augen sehen kann.

Dresden - Eine literarische Einladung. Hrsg. Detlev Schöttker. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2006.

Friday, July 31, 2015

Patrick Rothfuss - Der Name des Windes

Patrick Rothfuss' Der Name des Windes ist der Auftakt zu einem neuen Fantasy-Epos.
Der Protagonist ist der Magier Kvothe, der zur Zeit als Gastwirt ein wenig aufregendes, sehr zurückgezogenes Leben führt. In Rückblenden erzählt er einem berühmten Schreiberling von seinen ersten Lebensjahren. Diese Erinnerungen umfassen seine Kindheit, als er mit seinen Eltern und anderen Spielleuten durch die Lande zog, die Ermordung derselben durch eine mysteriöse Gruppe, den Chandrian, seine Armutsjahre und der Beginn seines Studiums an der Universität. Er hat es seinem Talent zur Magie, seiner Intelligenz und seinen schauspielerischen Fähigkeiten zu verdanken, dass er seine zahlreichen Abenteuer überlebt und dabei noch einen Ruf als wagemutiger Held aufbauen kann. Der Antwort auf die Frage, wer die Chandrian sind und warum seine Eltern ihretwegen sterben mussten, kommt er in diesem ersten Band von stolzen 863 Seiten (über 30 Hörbuchstunden!) nicht.
Um es kurz zu machen: Ich mochte die Story und den Protagonisten wohl, aber es war langatmig und verlor sich phasenweise in Details, so dass man schon ahnte, dass es trotz der immensen Länge wohl keine wesentlichen Fortschritte im Hauptplot geben würde. Es gibt interessante Geschichten in der Geschichte, man erhält einen guten Eindruck der Welt, die Rothfuss entworfen hat, mystisch, kulturell und gesellschaftlich, er bemüht sich um eine umfassende Darstellung. Sprachlich war es gefällig, einige Redewendungen, die aber durchaus auf das Konto der Übersetzer gehen können, passten sprachlich nicht in diese Welt. Ein wenig weniger Drumherum und etwas mehr zielgerichtetes Erzählen hätten dem Werk meines Erachtens gut getan - die enthusiastische Fantasyleserschaft, die Detailverliebtheit und weitschweifendes Erzählen erwartet, wird das anders sehen. 

Patrick Rothfuss, Der Name des Windes. Hörverlag 2012.

Thursday, July 23, 2015

Jack London - Der Ruf der Wildnis

Nach Wolfsblut durfte Der Ruf der Wildnis (erstmals 1903) nicht fehlen. Wie der Titel schon sagt, erzählt der Roman die Geschichte eines Hundes auf seinem Weg zurück in die Wildnis in ein Leben als Wolf. Dies Wandlung vollzieht sich keineswegs freiwillig, denn Buck, der Protagonist, wird von seinem Zuhause in Kalifornien geraubt und als Schlittenhund im Goldrausch in den Norden verkauft. Er wird durch Prügel und Peitsche gefügig gemacht, allerdings geht er daraus stärker und klüger und nicht gebrochen hervor. Er erlebt Menschen unterschiedlichster Charaktere, klug und dumm, gütig und gnadenlos. Aus einer lebensbedrohenden Situation wird er schließlich gerettet und erfährt so auch (menschliche) Liebe, aber auch diese ist endlich, so dass er zurückkehrt in die Wildnis und sich einem Wolfsrudel anschließt. 
Die Neuausgabe ist mit einem Nachwort und Erläuterungen zum Autor ausgestattet. Dort werden auch die beiden Roman einander gegenübergestellt, was ich sehr interessant fand.

Jack London, Wolfsblut. dtv, München 2013.

Wednesday, July 22, 2015

Graeme Simsion - Das Rosie-Projekt


In Das Rosie-Projekt erzählt Graeme Simsion die Geschichte des vom Asperger-Syndrom betroffenen Don Tillmann. Aus der Ich-Perspektive erfahren wir viel über seinen Alltag mit all seinen streng abgezirkelten Routinen, den wenigen Sozialkontakten und seiner rational-geprägten Wahrnehmung der Welt, die Emotionen weitgehend unbeachtet lässt, weil er sie nicht gut wahrnehmen kann. Dennoch würde Don gern heiraten und da er daran gewöhnt ist, rationale Lösungen zu suchen, verfolgt er verschiedene skurril anmutende Ansätze, eine passende Kandidatin zu finden, die allesamt scheitern. Die chaotische Rosie scheidet anhand der von ihm aufgestellten Kriterien als Partnerin sofort aus und er ist selbst verwundert, dass er dennoch immer wieder (gern) Zeit mit ihr verbringt, obwohl sie seinen wohlstrukturierten Alltag völlig über den Haufen wirft. Den Rest der Handlung kann man sich denken.

Das Buch ist ein Bestseller in zahlreichen Ländern und ist eine heitere und unterhaltende Lektüre, gut lesbare Belletristik mit einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte (wobei diese in gewisser Weise in Mode und dadurch auch schon wieder nicht mehr so ungewöhnlich sind...). Diese Art Roman fällt gewöhnlich nicht in mein "Beuteschema", aber ich habe mich durchaus amüsiert und die 350 Seiten zügig inhaliert.
Hier kommt das "Aber": Das Asperger-Syndrom und andere vergleichbare Störungen, die dazu führen, dass Menschen in ihrem Verhalten nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen, wirken auch in der Realität oft seltsam, teilweise witzig, nerdy. Man lächelt, man lacht, während die Betroffenen nicht freiwillig zum Objekt dieser Belustigung werden. Tatsächlich beschreibt Don Tillmann an einer Stelle sogar, wie er zum "Klassenclown" wurde, weil man sein Verhalten lustig fand, obwohl er eigentlich Kritik hatte üben wollen - es war dann für ihn aber einfacher, die lustige Rolle zu übernehmen. Wir kennen dieses Phänomen aus vielen Filmen und Büchern, sie unterhalten uns und informieren uns bestenfalls nebenbei über Handicaps und psychische Erkrankungen.
Akurate Darstellungen sind dies aber selten und deswegen ist es fraglich, ob diese Bücher und Filme dazu führen, dass wir sensibler mit den Betroffenen umgehen. Vermutlich werden wir doch weiterhin darüber lächeln, oder? Führt dies zu mehr Verständnis oder zu einer Verbesserung für die Menschen selbst? Natürlich ist dies ein Anspruch, den humorvolle Belletristik nicht erfüllen kann und will. Dennoch bleibt da das Gefühl einer verpassten Chance für die Menschen mit Asperger-Syndrom, die sicher nicht nur belächelt, sondern ernst genommen werden wollen. 

Graeme Simsion, Das Rosie-Projekt. Fischer, Berlin 2013.

Saturday, July 11, 2015

Jussi Adler Olsen - Das Versteck

In Lünen werden zwei ermordete, über 80 Jahre alte Menschen aus einem Fenster geworden, keine Spur von einem Motiv oder dem Täter. Entsprechend ermittelt der Kommissar nicht, aber man bekommt in der Rückblende die Geschichte des Mörders erzählt. Dieser kommt nach einem Granatenschock im zweiten Weltkrieg desertierend nach Hause und ist dort aber unerwünscht, weil seine Frau inzwischen seinen Cousin lieber mag. Sie versteckt den Desertierten auf dem Dachboden. Als der Krieg vorbei is, belügt seine Frau ihn weiter, lebt statt dessen mit seinem Cousin und lässt ihn sein ganzes Leben auf dem Dachboden versauern. Als er bei sich selbst einen Herzinfarkt vermutet, springt er durch die Dachluke und entdeckt den Betrug und ermordet die beiden. Bizarre Idee, mäßige Umsetzung und extrem kurz.

Jussi Adler Olsen, Das Versteck. Der Spalt von Lünen. Kurzkrimi. dtv, München 2015.

Friday, July 10, 2015

Hermann Hesse - Siddharta

Hermann Hesse (1877-1962, Nobelpreis für Literatur 1946) ist einer der deutschen Schriftsteller, um den man während eines Literaturstudiums kaum herumkommt und dessen Werke phasenweise zum Literaturkanon an deutschen Schulen gehören.

Siddharta erschien 1922, in den 90er Jahren war der Roman Stoff im Deutschleistungskurs Klasse 12. Im Klapppentext der heutigen Kindle-Ausgabe liest man, Siddharta sei
"eine Legende von der Selbstbefreiung eines jungen Menschen aus familiärer und gesellschaftlicher Fremdbestimmung",
also ein Entwicklungsroman im buddhistischem Gewand. Damals wie heute mag mir dieses literarische Werk nicht recht gefallen. Der Protagonist Siddharta ist mir schlichtweg unsympathisch, er tritt seine Familie und Freunde mit Füßen, verlässt sie trotz Sorge und Treue ihrerseits zugunsten seiner eigenen Erleuchtung. Zwar erkenne ich die Botschaft heute vielleicht besser als damals, vor allem die Fluss-Metapher, die ich schön und treffend finde, die Relativität von Zeit und das Gleichgewicht aller Dinge. Sprachlich erscheint mir Hesse zunehmend geschwollen und idealisierend, die Wiederbegegnung mit der Erzählung hat mich nicht vollends ausgesöhnt, sondern größtenteils in meinem damaligen Urteil bestätigt.

Hermann Hesse, Siddharta. Suhrkamp, Berlin 2011.