Showing posts with label France. Show all posts
Showing posts with label France. Show all posts

Friday, July 24, 2026

Jean-Luc Bannalec - Bretonischer Glanz

Bretonischer Glanz ist nun schon der 15. Fall um Kommisar Dupin, leider merkt man ihm dies auch an. Diesmal wird in Roscoff gemordet und gegessen. Es geht um ein Krimifestival, eine Fährgesellschaft und die Roscoff-Zwiebeln. Dupin muss den Fall übernehmen, weil der zuständige Beamte vor Ort in den Ruhestand geht. Dennoch kennt er sich ein wenig aus, denn er kommt öfter mit seiner Frau Claire in den Ort. Der Plot überzeugt leider nicht: Zwar geht Dupin systematisch vor und führt ein Gespräch mit den Beteiligten nach dem anderen, immer wieder unterbrochen vom Klingeln des Telefons, wenn der nächste dramatische Zwischenfall/Mord geschieht. Dann setzt er wieder neu an mit den Gesprächen, kommt nicht weiter, der nächste Zwischenfall, ... Schließlich nimmt der Autor ihn mit Hilfe einer Holzlatte hinterrücks aus dem Rennen, so dass er mit einer Gehirnerschütterung im Hotelbett bleiben muss -  damit dann die Lösung des Falls Deus ex Machina aus dem Nachbarzimmer herüberkommen kann. Das konnte mich trotz einer gewissen Anhänglichkeit an Setting und Charaktere nicht überzeugen und war gelinde gesagt etwas langweilig. 

Jean-Luc Bannalec, Bretonischer GlanzKiepenheuer & Witsch 2026.

Thursday, July 23, 2026

E.M. Forster - A Room with a View

A Room with a View was first published in 1908 by English writer E. M. Forster. It deals with a young woman named Lucy who struggles with her place in the society of early 20th century England. 

The novel starts in Italy where Lucy and her cousin and chaperone Miss Charlotte are on a cultural vacation. They are disappointed because they didn't get A Room with a View as promised which leads to Mr Emerson and his son George giving up their rooms to them. They accept but only after having discussed in length if it is appropriate to do so. From this moment on "something is going on" between Lucy and George but of course this is not appropriate and many complications including an engagement to another (apparently wrong) young man, bathing naked and some kissing.
From today's point of view the whole thing is kind of boring as we watch Lucy trying to find her way out of an entanglement that her family or rather society has woven for her. Seen in its context the novel does a very good job to show the extreme contrast between how women at the time were supposed to behave and how they were expected to do and even think what men wanted them to and the slow awakening of Lucy's own mind as she starts to realize that she can have her own knowledge, opinions and at last the life she wants to lead. Of course she isn't really free or emancipated at the end of this novel but she gained new perspectives and some happiness in her life - even though it costs her the loss of some people in her life.

Wanda McCaddon’s narration makes this audiobook a pleasure to listen to and brings life to the story. 

 

 


Monday, March 09, 2026

Martin Walker - Französisches Roulette

Bruno, Chef de Police, in St. Denis ermittelt in seinem nun schon 13. Fall. Das ist für jede Krimireihe eine große Zahl von Fällen und oft zeigen sich dann Ermüdungserscheinungen. So scheint es, als seien auch Martin Walker die Ideen ausgegangen für plausible Fälle in seinem beschaulichen Perigord. So geht es in Französisches Roulette zwar um einen ungeklärten Todesfall, erste Spuren weisen auf eine betrügerische Versicherungsgesellschaft hin. Dann kippt das Ganze aber und bekommt eine weltpolitische Schräglage mit russischen Oligarchen, Flüchtlingen und ukrainischen Konflikten (der Band erschien 2021, vor dem russischen Angriffskrieg). Plötzlich sind wieder nationale Polizeikräfte/Geheimdienste involviert und Bruno wird quasi zum Handlanger. Dieser Plot geschieht aber bis zum letzten Drittel mehr so "nebenbei". Mehr Erzählzeit, viel mehr Erzählzeit, wird für Einkäufe, Kochen, Ausritte, Schwimmunterricht, dem Bau eines Hühnerstalls und (!) dem Deckvorgang seines Hundes Balzac verwendet. Nebenbei die immer gleiche Leier, dass Bruno Isabelle liebt, aber sie ihren Job mehr liebt. 
Diesmal geriet das ganze wirklich in einer absolutes Ungleichgewicht - wenn man denn (wie ich) eine halbwegs stringente Krimihandlung erwartet. Vielleicht ist es nun also Zeit, die Reihe allein zu lassen. An Johannes Steck gewohnt guter Lesung lag es jedenfalls nicht. 


Martin Walker, Französisches Roulette. Diogenes 2021. 

Thursday, December 25, 2025

Annie Ernaux - Der Platz

Annie Ernaux erzählt in Der Platz von ihrem Vater und seinem Leben, anlässlich seines Todes. Dabei liefert sie zwar auch Lebensdaten und Werdegang, aber ihr Fokus liegt vor allem auf ihrer eigenen (schwierigen) Beziehung zu ihm. Während er nur wenig Schulbildung erhielt, als Bauer lange hart körperlich arbeiten musste und schließlich mit seinem Lebensmittelladen nur ein gerade ausreichendes Einkommen hatte, konnte sie lange lernen und einen Bildungsgrad erreichen, der ihr gesellschaftlichen Aufstieg aus der Arbeiterklasse zur Zugehörigkeit zum Bürgertum ermöglichte. Dadurch ergab sich ein Bruch zwischen ihr und dem Vater, da dieser ihre Lebensweise nicht verstehen konnte, obwohl er stolz auf sie war. Die Autorin formuliert gleichfalls Stolz auf die Errungenschaften des Vaters, zugleich aber auch Scham über die Begrenztheit ihrer Eltern in manchen Dingen. 
Die Adaption des kurzen Romans durch Stephanie Eidt ist sehr gut gelungen, die Vielschichtigkeit der Emotionen ist greifbar, ebenso wie die Zerrissenheit über das schwierige Verhältnis zum Vater.

Annie Ernaux, Der Platz. DAV 2020.

Sunday, October 26, 2025

Jean-Luc Bannalec - Bretonische Versuchungen

Inzwischen greift wohl fast niemand mehr zu Bannalecs Bretagne-Romanen, um einen hochwertig-innovativen Krimi zu lesen. Den meisten Leser:innen geht es sicher wie mir mehr um das Wiedersehen mit den lieb gewonnenen Charakteren und das regionale Bon Vivre. 
In Bretonische Versuchungen tauchen wir ein in die Welt der Schokolade, als eine Chefin der Schokoladenmanufaktur in Concarneau ertrunken in einem Bottich voll Schokolade aufgefunden wird. Ein starker Anfang und nun beginnen Dupin und Nolwen, die unbedingt vor Ort dabei sein will, die Ermittlungen. Doch so recht geht es nicht voran, niemand, den sie befragen, hat eine Idee für ein Motiv. Die drei Geschwister, denen die Firma gehört, haben sich stets gut vertragen, interne Rivalitäten sind zwar vorhanden, aber harmlos, ... In Ruhe ermitteln können die beiden jedoch nicht, denn bald überschlagen sich die Ereignisse mit weiteren Toten und einem Drogenfund. Es ergibt sich eine Art Roadmovie, als Dupin und Nolwen sich in Dupins altem Wagen auf den Weg zur Schwester der Toten ins Baskenland aufmachen. Die beiden fahren und arbeiten durch, so dass sich der Schlafmangel massiv auf Dupins Leistungsfähigkeit auswirkt. Das ist auch sicher der Teil des Romans, der sehr unglaubwürdig ist - trotz der durch die Ereignisse entstehenden Beschleunigung. Diese grenzen auch die möglichen Täter immer mehr ein, die Ermittlungsleistungen halten sich stark im Rahmen. Positiv zu verbuchen sich die wie immer ausschweifenden Beschreibungen der Delikatessen quasi am Wegesrand, schwärmerische Aufzählungen von Bestellungen in Cafes und Boulangerien und die Landschaftsbeschreibungen (auch wenn es tatsächlich mal regnet...). Nebenbei lernt man auch einiges über Schokolade. Der Showdown bildet durch Dupins Thalassophobie (die Angst vor größeren oder tieferen Gewässern) eine Art Referenz zum Beginn des Romans, etwas gewollt vielleicht, aber soweit funktioniert es. Als komisches Element wird noch der Besuch von Dupins Schwiegereltern eingewoben und am Ende steht ein "romantischer Cliffhanger". Bretonische Versuchungen hat also alles, was man von einem Dupin-Band erwartet. Passt.

 Jean-Luc Bannalec, Bretonische Versuchungen. Argon 2025.

Wednesday, July 02, 2025

Laetitia Colombani - Das Haus der Frauen

In Laetitia Colombanis Roman Das Haus der Frauen stehen zwei Frauen im Fokus: Blanche Peyron, Heilsarmeeoffizierin Anfang des 20. Jahrhunderts, und die Anwältin Solène in der Jetzt-Zeit. 
Solène leidet unter Burnout und Depressionen und sie will nicht mehr als Anwältin arbeiten. Ihr Therapeut empfiehlt ihr ein Ehrenamt anzunehmen und so landet sie als "Schreiberin" im Palais de la Femme, einem Frauenhaus in Paris, das in einem Schloss untergebracht ist. Dort schreibt sie Briefe verschiedenster Art für die dort in Ein-Zimmer-Apartments lebenden Frauen. Sie wird, ohne es wirklich angestrebt zu haben, Teil ihrer Gemeinschaft, mit Höhen und Tiefen. 
Das Palais de la Femme wurde 1926 von Blanche Peyron gegründet. Die zweite Erzählebene handelt von ihrem Leben in der Heilsarmee und ihrem Drang, den gefährdeten Frauen auf den Pariser Straßen eine sichere Unterkunft zu ermöglichen. Dafür setzt sie ihre eigene Gesundheit aufs Spiel bei dem anstrengendem Bemühen um die Finanzierung des Kaufs und der Renovierung des großen und herrschaftlichen Hauses. 
Das Haus der Frauen zeigt auf, dass Frauen damals und heute noch mit ähnlichen existentiellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Der Roman beleuchtet den historischen Hintergrund der Entstehung von Frauenhäusern und die vergessene Kämpferin für Frauenrechte und Frauenschutz Blanche Peyron. An konkreten Einzelschicksalen, denen 
Solène begegnet, wird deutlich wie vielfältig die Bedrohungen und Probleme von Frauen auch in der heutigen, angeblich so emanzipierten Zeit sind. In dem kurzen Roman werden aber viele dieser Themen nur angerissen, es wird vieles zusammengefasst und gerafft. So mancher dieser Frauen hätte man mehr Raum gewünscht, mehr Entwicklungsspielraum. Auch Solènes Charakter bleibt im Grunde oberflächlich und ihre Entwicklung ist sprunghaft und wenig nachvollziehbar. Vielleicht sollen die Stimmungsschwankungen ihre Krankheit widerspiegeln. Blanche setzt die Autorin hingegen auf ein Podest als Heldin ihrer Zeit, was sie vielleicht auch war, aber sie bleibt dabei auch ein wenig unnahbar. 
So hätte Das Haus der Frauen literarisch und auch inhaltlich sicher noch mehr sein können, als es jetzt ist, aber ich habe es dennoch gern gelesen bzw. Andrea Sawatzki und Ruth Reinecke zugehört.

Laetitia Colombani, Das Haus der Frauen. Argon 2019.

Monday, January 20, 2025

Julia Deck - Viviane Élisabeth Fauville

Viviane Élisabeth Fauville geht es nicht gut. Sie ist gerade mit ihrem Baby bei ihrem Mann ausgezogen und kämpft mit ihren Panikattacken und anderen psychischen Problemen. Wie gravierend diese sind, verdeutlich die Autorin Julia Deck auf ungewöhnliche Weise. Sie bleibt als Erzählperspektive zwar durchgehend bei Viviane, aber wechselt die Pronomen. sie, ich, Sie... all das verschwimmt und besonders das interne Siezen tritt auf, wenn sie ihre eigene Realität nicht mehr klar definieren kann. Natürlich hängen ihre Wahrnehmungsprobleme mit ihren psychischen Erkrankungen zusammen, wie man am Ende des Romans auch noch aufgeklärt wird (was nicht nötig gewesen wäre). Der auf dem Klappentext angekündigte Kriminalfall ("Ein Mord ist geschehen.") ist im Grunde nicht essentiell. Der Mord ist zwar treibende Kraft für die durch Paris irrende Viviane, aber auch der könnte schlussendlich gar nicht geschehen sein. Tatsächlich ist Vivianes Psychiater tot und in ihren Wirrungen versucht Viviane ihre eigenen Handlungen und die der anderen Beteiligten nachzuverfolgen. Ihre Ermittlungen führen aber nicht voran, die Auflösung erzielt die Polizei, fernab der Geschehnisse. Als Krimi taugt Viviane Élisabeth Fauville also kaum. Als Innensicht einer zutiefst bedrängten Frau, die dennoch versucht, ihren Weg zu gehen, nimmt Julia Deck ungewöhnliche Wege, am verstörendsten dabei noch die Schilderung der Beziehung zu ihrem Baby, das keinen Namen hat und fast wie Möbiliar abgestellt wird, wenn Viviane durch die Straßen Paris irrt. Die detailreichen Schilderungen von Straßen und Pariser Milieu haben mir weniger gefallen, passen aber auch zu der veränderten Wahrnehmung Vivianes, die Details hyperpräsent hat, aber wesentliche Zusammenhänge verpasst. Insgesamt bin ich nicht begeistert, aber es war literarisch eine interessante Leseerfahrung. 

Julia Deck, Viviane Élisabeth Fauville. Wagenbach, Berlin 2013.

Friday, December 27, 2024

Jean-Luc Bannalec - Bretonische Sehnsucht

In seinem 13. Fall verschlägt es Kommissar Dupin auf die abgelegene Insel Ouessant. Ein keltischer Musiker wird tot am Ufer aufgefunden und in seinem Haus entdeckt man ein wächsernes Kreuz, das an einen uralten Inselritus anknüpft. Die Märchenerzählerinnen, Sirenen und Druidinnen der Insel bestürmen Dupin mit ihren Geschichten, bis dieser schließlich sphärische Klänge hört und ständig nach mystischen Zeichen Ausschau hält. Nachdem zwei weitere Tote gefunden werden, glaubt niemand mehr an einen Zufall und die Suche nach einem Motiv wird dringlich, aber es braucht ein paar gedankliche Umwege, bis schließlich klar wird, worum es eigentlich geht.
Die Beschreibungen der Landschaft sind wie gewohnt eindrücklich und zeugen von großem Respekt und Bewunderung gegenüber der Bretagne. Der Kriminalfall schwächelt und auch die Auflösung geht ein wenig quer. Für meinen Geschmack zuviel Mystik und zu wenig Ermittlung. 

Jean-Luc Bannalec, Bretonische Sehnsucht. Argon 2024.

Friday, December 06, 2024

Martin Walker - Connaisseur

Ja, ich weiß ja, was mich erwartet, wenn ich einen Bruno-Krimi höre: Hervorragende Lesung von Johannes Steck. viiiiel Perigord-Atmosphäre mit Essen und Wein, ungewöhnliche Fetzen französischer Geschichte und irgendwo zwischen all dem auch ein unauffälliger und meistens verworrener Kriminalfall. Diesmal stirbt eine amerikanische Geschichtsstudentin durch den Sturz in einen Brunnen. Sie war dabei, Unregelmäßigkeiten in der Expertise eines lokalen Kunstkenners und -sammlers aufzudecken. Ihre Familie reist an und macht viel Druck, gleichzeitig jongliert Bruno mit seinen Zuständigkeiten, dem Essen und seinen Frauen. Die erste Hälfte hat mir noch Freude gemacht, doch irgendwo im letzten Drittel war mir zuviel Feinschmeckerei und elitäres Reiterei-Gedöns und die Aufklärung war dann ein mittlerer Geistesblitz von Bruno und ging fürchterlich schnell. Besser wird die Reihe meines Erachtens nach nicht und hielt der Wohlfühleffekt nicht sehr lange an und wurde zum Wannistesendlichvorbei-Momentum. Connaisseur ist eben auch schon der zwölfte Fall, vielleicht hat Martin Walker da leichte Ermüdungserscheinungen. 

Martin Walker, Connaisseur. Diogenes 2019.

Sunday, July 21, 2024

Ruth Ware - Das Chalet

Das Chalet von Ruth Ware ist ein "Looked-Room" Thriller - eine begrenzte Personenzahl befindet sich in einem abgegrenzten Raum und einer von ihnen muss der Mörder sein. In dem luxuriösen Chalet in den französischen Alpen treffen sich die wichtigsten Mitarbeiter von "Snoop", einer Social Media Music App, bei der einige wichtige Entscheidungen anstehen. Als Gastgeber fungieren Danny und Erin, die ihr Möglichstes tun, die Atmosphäre zu entspannen. Doch schon am nächsten Tag gibt es Lawinenwarnungen und die die Skipläne der Gruppe werden durchkreuzt und zurück im Chalet fehlt die erste Person... 

Erzählt wird aus wechselnden Perspektiven der Protagonistinnen Erin und Liz, letztere eine ehemalige Mitarbeiterin von "Snoop", die noch geringe Anteile der Firma hält und die offensichtlich Probleme mit vielen in der Gruppe hat. Die wechselnde Erzählperspektive und das Grundsetting sind vielversprechend, doch leider findet sich sonst nicht viel Positives. Die meisten der Charaktere bleiben unterentwickelt, teilweise so sehr, dass ich beim Audiobook keine Vorstellung entwickeln konnte, wer wer ist und was ihre Handlungen motiviert. Spannung wurde hauptsächlich durch Verschweigen der Vorgeschichte erzeugt. Das trifft auf beide Erzählperspektiven zu - es war klar, das darin der Schlüssel liegt, aber die Aufklärung dazu wird unnötig in Länge gezogen, selbst als die Täterschaft bereits klar zu Tage getreten ist. Unnötiges und vor allem zum Teil unlogisches Herumraten nach jedem Mord trägt zu meiner persönlichen Frustration bei. Der Plot und vor allem die Tatmotivation hat Lücken und dadurch funktioniert meines Erachtens der ganze Roman nicht gut. 
Julia Nachtmanns Lesung holt noch einiges heraus, wenngleich es auch eine gute Sache gewesen wäre, hier zwei Sprecherinnen für die zwei weiblichen Erzählerinnen zu engagieren.
Immerhin eine weitere der Popsugar Reading Challenge 2024 Tasks abgearbeitet - a book set in the snow.

Ruth Ware, Das Chalet - Mit dem Schnee kommt der Tod. DAV 2021.

Wednesday, July 10, 2024

Jean-Luc Bannalec - Bretonischer Ruhm

Kommissar Dupin und Claire machen ihre Hochzeitsreise an der Loire, im Pays de Retz. Doch natürlich geht der Plan, von Weingut zu Weingut zu reisen und nur Essen und Weine zu genießen, nicht auf. Der Ex-Mann von Claires Freundin Cècile wird ermordet, kurz darauf geschieht ein weiterer Mord auf dessen Weingut. Cècile bittet die beiden um Hilfe, doch eigentlich darf und will Dupin nicht fernab seiner Zuständigkeiten ermitteln. Natürlich tut er es zusammen mit den beiden Frauen dennoch und ihre Bemühungen, der lokalen Polizei auszuweichen, geben der Geschichte einen humorvollen Touch. Ihre Hartnäckigkeit führt zu einem teilweisen Erfolg und sie können zumindest das Motiv für die Verbrechen aufdecken. Leider ist es dann so, dass der Täter sich selbst entlarvt, eine Aufklärungsform, die ich für Krimis unangemessen finde. Auch bleiben in diesem 12. Fall viele Aspekte fragwürdig, Nebenstränge, die nicht aufgelöst werden, und auch der Buffo-Plot um die Spechte war eher lahm. Jean-Luc Bannalec (alias Jörg Bong) schafft aber wie immer die vertraute französische Genussatmosphäre, die wohl die meisten Leser inzwischen dazu bringt, die Reihe stets weiterzuverfolgen. Der Krimiplot ist eher durchschnittlich, die Charaktere fallen nicht aus ihren Rollen, aber Landschaft und Kulinarik stimmen. Solide Sommer- und Urlaubsunterhaltung.

Jean-Luc Bannalec, Bretonischer Ruhm. Argon 2023.

Saturday, June 29, 2024

Marcel Proust - In Swanns Welt

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit ist ein siebenteiliger Roman von Marcel Proust, der zwischen 1913 und 1927 erschien. Allein der erste Teil In Swanns Welt umfasst ca. 700 Seiten. Der Ich-Erzähler erinnert sich an seine Kindheit, die er im Sommer oft in Combray, einer ländlichen Kleinstadt, verbrachte. Aus dem Klappentext:

"Der Geschmack einer Madeleine, das Licht einer Laterna Magica, der Duft der Weißdornhecke: Schlüsselerlebnisse, die im Kopf des Erzählers Marcel unwillkürlich Erinnerungen hervorrufen. Kunstfertig und detailgetreu entsteht das Panorama des alten Combray und der Stadt Paris mit ihren Salons und Bällen. Kurz: einer Zeit, die verloren und doch gegenwärtig scheint."

Detailgetreu ist sehr richtig, vieles ist eindrucksvoll, und lässt man sich darauf ein, so entstehen wirklich lebhafte Bilder im Kopf, was durch die Lesung von Peter Maric gefördert wird. Dennoch geschieht unfassbar wenig, es gibt so gut wie keine Handlung, nur Empfinden und Beobachtung. Ich habe nun ca. zwei Fünftel der 20,5 Stunden von In Swanns Welt gehört und bin mir sicher, einen guten Eindruck erlangt zu haben und verabschiede mich nun von diesem berühmten Autor - mit Hochachtung für dieses aufwändige und besondere Werk, aber ein Fan werde ich nicht. 

Marcel Proust, In Swanns Welt. Hörverlag 2007.

 

Monday, May 20, 2024

Michel Houellebecq - Elementarteilchen

Der Roman Elementarteilchen von Michel Houellebecq erschien 1998 und sorgte mit seinen provokanten Aussagen für einiges Aufsehen.
Die Halbbrüder Bruno and Michel wurden in den 70er Jahren von ihrer Mutter zu verschiedenen Großmüttern abgeschoben, worunter beide leiden, auch wenn ihre Leben sehr unterschiedlich verlaufen.
Bruno ist sexbesessen und kann keine normalen Beziehungen zu Frauen aufbauen. Ihm schreibt der Autor einige abstoßende Sexszenen and sexistische Gedanken zu, deren Sinn sich mir nicht ganz erschließt. Vermutlich sollen sie provozieren, okay.
Michel verpasst auch die Gelegenheiten, eine gesunde Beziehung aufzubauen, hat ebenfalls
ein gestörtes Sexualempfinden, aber wendet sich schließlich der Wissenschaft zu. Er forscht an den titelgebenden Elementarteilchen im Bereich der Biologie and Genetik. Die zu seinem Leben passende These lautet, dass die Menschheit eine bessere Entwicklung nehmen and weiniger leiden würde, wenn sie geklont wird und sich die Menschen nicht mehr physisch fortpflanzen.

Alles im Kosmos von Elementartelchen ist irgendwie hässlich, kaputt oder abstoßend -
egal ob es die Liebe, der Sex oder die Menschen selbst sind. Das Gegenkonzept dazu bleibt der Autor irgendwie schuldig, jaja, die Provokation. Am Ende fragt man sich aber dann schon, was das soll... - Gesellschaft ist doof, Egoismus ist doof, sexuelle Freiheit ist doof, alles ist doof.
Bei dieser Grundhaltung bin ich wiederum froh, das gut inszenierte Hörspiel (WDR, 2001) gehört zu haben, das mich nur 2,5 Stunden Lebenszeit gekostet hat. Das Hörspiel ist sehr atmosphärisch and lässt in seiner Umsetzung die verstörenden/verstörten Charaktere deutlich hervortreten.

Michel Houellebecq, Elementarteilchen. WDR 2001.

Saturday, December 23, 2023

Fabcaro - Die weiße Iris (Asterix, Band 40)

 

Irgendwie wird immer noch darüber gesprochen, wie die neuen Autoren der Asterix-Bände im Vergleich mit den ursprünglichen abschneiden. Vermutlich ist das reine Zeitverschwendung, wenn man bedenkt, wie alt das Konzept der Serie ist und wie Inhalt und Komik angelegt sind: Wortwitz, stereotype Charaktere, auf deren gleichbleibendes Verhalten man sich verlässt, weil man sie lieb gewonnen hat, gepaart mit ein wenig aktuellem Gesellschaftsbezug/-kritik. Bleibt man dabei, kann nichts schief gehen, aber es entwickelt sich eben auch nichts weiter. 

So sind meines Erachtens die letzten Bände verlässlich unterhaltsam, bieten aber auch wenig Neues. Vielleicht kann man sich darüber freuen, muss sich aber auch definitiv nicht aufregen. 


Friday, November 03, 2023

Martin Walker - Menu Surprise

Der 11. Fall von Martin Walkers Reihe um Bruno Chef de Police mit dem Titel Menu Surprise beginnt mit Brunos Beförderung - er ist jetzt nicht nur für St. Denis zuständig, sondern als Chef der kommunalen Polizei für das ganze Tal der Vézère. Seine Zuständigkeiten und vor allem, wer nun sein Vorgesetzter ist, werden gleich in einem brisanten Fall getestet. Zwei Tote werden entdeckt und mindestens einer von ihnen hat Verbindungen zum irischen Geheimdienst. Eh man sich versieht, reisen Geheimdienstler verschiedener Länder an und verschiedene Szenarien werden durchleuchtet. Bruno muss außerdem noch als Experte in einem Kochkurs seiner Freundin Pamela einspringen und überhaupt wird wieder viel gekocht und über Weine und Lebensmittel gesprochen, während auf der persönlichen Ebene scheinbar die Schwangerschaft einer jungen Rugbyspielerin das wichtigste Thema aller in St. Denis zu sein scheint. 

Das alles wollte sich meines Erachtens in Menu Surprise diesmal nicht zu einem Ganzen zusammenfügen. Trivialität und kulinarische Behaglichkeit stehen in zu großem Kontrast zu dem achso weltpolitisch-dramatischen Geschehen um die Morde und ihre Zusammenhänge. Einige der Bemerkungen und Überlegungen Brunos zur Frauenrolle und zum Thema Abtreibungen stoßen außerdem etwas bitter auf. 

Martin Walker, Menu Surprise. Diogenes 2019.

Tuesday, September 12, 2023

Patrick Modiano - Damit du dich im Viertel nicht verirrst

Damit du dich im Viertel nicht verirrst ist ein Roman des Nobelpreisträgers Patrick Modiano aus dem Jahr 2014. Es handelt von dem Schriftsteller Jean Daragane, der zurückgezogen in seiner Pariser Wohnung lebt. Eines Tages kontaktieren ihn zwei Fremde, Gilles Ottolini und Chantal Grippay, die sein verlorenes Adressbuc gefunden haben, ihn aber eigentlich über jemanden befragen wollen, dessen Name in diesem Adressbuch steht. Zunächst erinnert sich Daragane an nichts, dann aber fallen ihm Namen und Erlebnisse aus seiner Kindheit wieder ein, die er verdrängt hat. Was folgt ist eine Art Erinnerungsnetz, bei dem der Lesende oft im Unklaren bleibt, wann was passiert ist. Sind es Erinnerung, Traumbilder, aktuelle Nachforschungen? Besonders im Fokus steht dabei Annie Astrand, bei der Daragane eine Weile lang wohnte, bis dramatische, nicht weiter ausgeführte Ereignisse auch zu einer Trennung des Kindes von Astrand führten. Aus der Zeit mit Astrand stammt ein Zettel mit einer Adresse aus Montmartre - damit der Junge sich im Viertel nicht verirrt.

Als Audiobook war die Geschichte oftmals verwirrend und wirkte ziellos. Der Protagonist blieb mir fremd und sogar unsympathisch, weil er unnahbar und unemotional wirkt. Die wiederkehrenden Motive sind literarisch sicherlich geschickt gewählt und die verwobenen Ebenen ergeben beim Lesen vielleicht einen vielschichtigen Sinn, der sich mir beim Hören nicht erschlossen hat. Insgesamt war mir das Ganze zu konstruiert, zu sehr bedacht auf Effekt und Atmosphäre, aber mit zu wenig Substanz - was wiederum ein sehr subjektiver Eindruck ist, der wenig mit der literarischen Qualität zu tun hat.

Patrick Modiano, Damit du dich im Viertel nicht verirrst. Hörbuch Hamburg 2015.

Tuesday, July 11, 2023

Martin Walker - Revanche

Revanche von Martin Walker ist der 10. Band um Bruno, Chef de Police. Bruno freut sich auf die Hochzeit seiner Freunde Clauthilde und Horst, kümmert sich um Garten, Pferd und Hund und pflegt in seiner umsichtigen und jovialen Art sein kleines Städtchen St. Denis.
Doch eine Tote stört die beschauliche Ruhe - eine Frau ist an der Burg Commarque abgestürzt, ist sie gefallen oder gestoßen worden? Während Bruno gerade erst beginnt, sich erste Gedanken zur Identität der Toten zu machen, steht die nächste Überraschung vor ihm, nämlich in Form eine Pariser Juristin, die sich seine Arbeitsabläufe und -weisen anschauen will. Zum Glück nervt sie weniger als befürchtet und erweist sich sogar als hilfreich. Denn der Fall nimmt schnell ungeahnte Ausmaße an, als herauskommt, dass die Tote eine pro-palästinensische, israelische Aktivistin war. Ihre Begleiter haben wahrscheinlich terroristische Absichten, doch wo sind sie und was ist ihr Ziel? Begleitet wird die Jagd nach ihnen von zahlreichen Spekulationen über historische Mythen und Dokumente, zahlreiche archäologische und mittelalterliche Zusammenhänge werden aufgezeigt und nebenbei gibt Bruno wieder seine Kochkünste zum Besten. Irgendwann habe ich aufgegeben, die Zusammenhänge ganz verstehen zu wollen, und mich dem Showdown (Attentäter bei der Hochzeit, in einem steinzeitalterlichen Museum, ...) hingegeben. Der Band weist die üblichen Wohlfühlelemente eines Bruno-Romans auf, der Plot hingegen war für mich nicht schlüssig, zu extrem und zu konstruiert, ohne wirklich nachvollziehbar zu sein. 

Martin Walker, Revanche. Diogenes, Zürich 2018.

Wednesday, April 05, 2023

Annie Ernaux - Die Jahre

Die ersten Minuten des preisgekrönten Hörspiels zu Annie Ernaux' Die Jahre waren gewöhnungsbedürftig. Schlag auf Schlag hämmerten Sätze, Erinnerungen, Fragmente auf mich ein, ein intensiver Stream-of-Consciousness mit mehreren Stimmen, der sich aber nach einer Weile zu den familiären Anfängen einer zutiefst persönlichen Lebensgeschichte zusammensetzte, auch wenn niemals das Wort "ich" verwendet wird. Dieser Person widerfährt ein Leben, so hat man den Eindruck, sie treibt in den gesellschaftlichen Konventionen, familiären Überkommnissen und aktuellen Ereignissen dahin, nimmt erst spät sich selbst und ihre Bedürfnisse wahr und selbst dann ist sie sich nicht sicher, ob sie einen Anspruch auf ihr Leben hat.
Das Hörspiel ist vermutlich gekürzt, aber ich denke, es fängt die Atmosphäre und den sprachlichen Gestus sehr präzise ein und ich würde es definitiv weiterempfehlen als guten Zugang zu dem bestimmt etwas sperrig zu lesenden Buch. Insgesamt war es eine faszienierende Erfahrung in Ernaux' Leben in dieser Form einzutauchen und ich kann nachvollziehen, warum das Hörspiel den Deutschen Hörbuchpreis für Bestes Hörspiel (2020) und die Autorin den Nobelpreis für Literatur (2022) erhalten haben. 

Annie Ernaux, Die Jahre. DAV 2019.

Sunday, February 05, 2023

Jean-Luc Bannalec - Bretonische Nächte

In seinem elften Fall Bretonische Nächte ermittelt Commissaire Dupin an der Côte des Légendes in einem sehr persönlichen Fall. Nach dem Tod seiner alten Tante besucht Kadeg noch einmal das Grundstück der ehemaligen Abtei, in der diese lebte - und wird dort brutal niedergeschlagen. Natürlich arrangiert Nolwen es so, dass Dupins Team mit den Zuständigen vor Ort zusammenarbeiten kann. Zwar gibt es mögliche Motive und Verdachtsmomente innerhalb der trauernden Familie von Kadeg, aber nichts will so recht zusammenpassen und einiges ist skurril, wie die mögliche Sichtung einer ausgestorbenen Vogelart. Dramatisch wird es, als auch noch der Gärtner der Tante einem brutalen Anschlag zum Opfer fällt und das Leben seiner Frau ebenfalls gefährdet ist. Nur langsam fügen sich einzelne Teilchen zusammen, bis Dupin per plötzlichem Einfall und aufgrund einer scheinbar nebensächlichen Bemerkung erkennt, wie alles zusammenhängt. Neben den wie üblichen wunderbaren Schilderungen der Landschaften, Kulinarik und der Menschen ist das - wie schon im vorangegangenen Band 10 - der einzige Kritikpunkt an diesem ansonsten spannenden und temporeichen Fall. Jean-Luc Bannalec (alias Jörg Bong) hat ein solides Konzept für seine Lokalkrimireihe gefunden - funktioniert und macht Freude. 

Jean-Luc Bannalec, Bretonische Nächte. Argon 2022.