Sunday, August 09, 2026

Jacqueline Harpman - Ich, die ich Männer nicht kannte

Eine Dystopie  (aus dem Jahr 1995), wie sie finsterer nicht möglich ist: In einem Käfig unter der Erde werden 40 Frauen gefangen gehalten, drei Wärter versorgen sie mit dem Nötigsten an Essen und Kleidung. Eine davon, die jüngste unter ihnen, ist unsere Erzählerin. Sie erinnert sich als Einzige nicht an ein "davor", hat eine andere, eine teils fatalistische, teils aber auch neugierigere Sicht auf die beschränkte Welt. Als eine Sirene ertönt, fliehen die Wärter und nur durch Glück bleibt der Schlüssel zum Käfig in Reichweite zurück. Doch an der Oberfläche erwartet die Frauen nur eine andere Form von Gefangenschaft in einer kargen Landschaft mit wenig Ressourcen. Die Erzählerin berichtet sachlich von den Emotionen in der Gruppe, bleibt unklar über ihre eigenen Empfindungen. Während man, wie sie, darauf hofft, am Ende doch noch eine Erklärung für all das, eine Auflösung des Mysteriums, wo sie sich befinden, wie sie dorthin gelangt sind und was der Auslöser für diese finstere Situation ist, zu erlangen, so wird man enttäuscht. Die Protagonistin schreibt ihren Lebensbericht, mehr nicht. 
Insgesamt ist Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman eine sehr dunkle, sehr niederschmetternde Erzählung. Sprachlich hat sie mir nicht sonderlich gefallen, die Gedankengänge sind teils redundant, was aber sicher gewollt ist. Was bleibt übrig in einer derart entmenschlichten Welt? Welche kulturellen Elemente schimmern durch die Not hindurch, wie begegnen sich Frauen unter diesen Bedingungen? Es sind die Fragen, die das Buch ausmachen, weniger die weniger Antworten, die man erhält. 

 Jacqueline Harpman, Ich, die ich Männer nicht kannte. Klett-Cotta 2026.

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