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Saturday, January 31, 2026

Haruichi Furudate - Haikyu!

Popsugar Reading Challenge made me read this... 
Prompt 41 called for "A book in a different format than your usual: physical, audio, eBook"

I read all the above regularly but I figured I almost never read mangas and it is a different format - in the sense of the actual reading process. That was not really a problem, it took a few pages to get used to the right to left eye movement.   
I can't say that I enjoyed Haruichi Furudates Haikyu! very much but it was okay. I guess volleyball is quite an exotic topic and as I am not very interested in the sport. The relationship between the two main characters was well-constructed but classic: from rivals to team players, adding each other's strengths to build something better and bigger. And that is as deep as the story went. The drawing are skillful, detailed and the sports movements are well done. It definitely was different from my "usual" but I don't want to extend my visit to the manga world at the moment. 

Haruichi Furudate, Haikyu! Kaze 2022.


 

Saturday, December 20, 2025

Fabcaro - Asterix in Lusitanien

Mein Eindruck war immer, dass Asterix schon überall im Mittelmeerraum gewesen ist - weit gefehlt, scheinbar fehlte Portugal noch, alias Lusitanien. In diesem 41. Band von Fabcaro und Didier Conrad kommen die üblichen, bewährten Zutaten zusammen. Sie werden von einem Portugiesen gebeten, dessen Freund Schãoprozes vor dem Tod zu bewahren. Er wird verdächtigt, Cäsar vergiften zu wollen, in Wirklichkeit stecken knallharte wirtschaftliche Interessen dahinter. Asterix und Obelix regeln das auf ihre unverkennbare Art und Weise, auch wenn Obelix etwas Probleme mit der lokalen Melancholie und dem allgegenwärtigen Kabeljao hat. Zahlreiche Anspielungen auf Oligarchen und andere Flüche der Neuzeit mit dem gewohnten Sprachwitz runden den Band ab. Gelungen. 

Fabcaro, Asterix in Lusitanien. Egmont 2025.


Monday, June 24, 2024

George Takei - They Called Us Enemy

Die Graphic Novel They Called Us Enemy - Eine Kindheit im Internierungslager erzählt George Takeis Geschichte. Der US-amerikanische Schauspieler japanischer Abstammung (bekannt als Lieutenant Sulu aus der ersten Star Trek Serie, geboren 1937) wurde als Kind zusammen mit seiner Familie 1942-1945 gezwungen in einem Lager zu leben. Nach Pearl Harbour galten alle in den USA lebenden Amerikaner als Feinde und wurden weitgehend enteignet und inhaftiert, nachdem die USA Japan den Krieg erklärt hatten.

Eindrücklich schildert Takei mit Hilfe seiner Co-Autoren Justin Eisinger, Steven Scott sowie Zeichnerin Harmony Becker wie die Realität im Lager aussah und wie die Haltung seiner Eltern Takei beeinflusste. Deren tiefer Glaube an die Demokratie - trotz der Grausamkeiten, die ihnen durch den Staat angetan wurden - beeinflusste ihn derart, dass er trotz anfänglicher Schwierigkeiten wegen seiner Abstammung ein beliebter und einflussreicher Schauspieler und vor allem auch bis heute ein Bürgerrechts-Aktivist werden konnte.

Die weitgehend chronologische und detailreiche Erzählung wird durchbrochen von Zwischenblenden in Situationen, wo Takei aufgrund seiner Bekanntheit und seines Aktivismus auch zu politischen Veranstaltungen eingeladen wurde, sozusagen als Beispiel für einen "betroffenen Japaner". Dabei scheut Takei nicht, die Wahrheiten und Ungerechtigkeiten deutlich auszusprechen, denn es dauerte lang, bis mit dem Civil Liberties Act of 1988 endlich die Unrechtmäßigkeit der Inhaftierung der Japaner offiziell anerkannt wurde. Die Graphic Novel schafft es, dieses dunkle Kapitel der US-amerikanischen Geschichte sehr greifbar zu machen. Am Ende zeigt Takei noch auf, wie wichtig es ist, der Ausgrenzung und Anfeindung entgegenzuwirken, indem er auf die von Donald Trump 2018 veranlasste Trennung und Inhaftierung von Kindern mexikanischer Familien hinweist: Gleiches Leid, andere politische Gründe, aber auch Rassismus... So gelingt ganz nebenbei ein aktueller Kommentar und unterschwellig steht die Fragen: Was ist ein US-Amerikaner, wer darf es werden? Und wer entscheidet darüber?

George Takei (u.a.), They Called Us Enemy - Eine Kindheit im Internierungslager. Cross x Cult Ludwigsburg 2020.

Tuesday, May 21, 2024

Cece Bell - El Taubinio

El Taubinio von Cece Bell ist eine Graphic Novel für Kinder. Die Protagonistin Cece verliert als kleines Kind ihr Gehör und kämpft während der Grundschulzeit mit ihren Einschränkungen und ihrer Wahrnehmung der Welt. Schon bald kann sie mit Hilfe eines Hörgeräts samt Micro für die Lehrerinnen normal am Unterricht teilnehmen. Doch sie hat immer Angst, dass andere sie blöd finden wegen ihrer Andersartigkeit, und oft behält sie ihre Wünsche, wie die anderen mit ihr umgehen sollen oder wie sie ihr wirklich helfen könnten, für sich, weil sie nicht anders sein oder im Mittelpunkt stehen will. Freundschaften zu schließen fällt ihr schwer, aber es wird auch deutlich, dass ihre Gedanken übertragbar sind und sie nicht allein mit ihren Unsicherheiten ist. Die titelgebende Figur der El Taubinio ist eine Art Superheldin, die Cece sich ausdenkt und die ihr hilft, schließlich für sich selbst einzutreten und ihr Leben in die Hand zu nehmen. 

Das Buch ist witzig, anrührend und sehr authentisch und unbedingt empfehlenswert, um für das Thema zu sensibilisieren. 

Cece Bell, El Taubinio. Loewe, Bindlach 2014.

Saturday, December 23, 2023

Fabcaro - Die weiße Iris (Asterix, Band 40)

 

Irgendwie wird immer noch darüber gesprochen, wie die neuen Autoren der Asterix-Bände im Vergleich mit den ursprünglichen abschneiden. Vermutlich ist das reine Zeitverschwendung, wenn man bedenkt, wie alt das Konzept der Serie ist und wie Inhalt und Komik angelegt sind: Wortwitz, stereotype Charaktere, auf deren gleichbleibendes Verhalten man sich verlässt, weil man sie lieb gewonnen hat, gepaart mit ein wenig aktuellem Gesellschaftsbezug/-kritik. Bleibt man dabei, kann nichts schief gehen, aber es entwickelt sich eben auch nichts weiter. 

So sind meines Erachtens die letzten Bände verlässlich unterhaltsam, bieten aber auch wenig Neues. Vielleicht kann man sich darüber freuen, muss sich aber auch definitiv nicht aufregen. 


Sunday, May 14, 2023

Alice Oseman - Heartstopper #1

Die Graphic Novel Heartstopper erzählt die Geschichte von Charlie und Nick. Charlie hat sich im letzten Schuljahr als schwul geoutet und glaubt, dass er keine Chancen bei dem vermeintlichen Hetero Nick. Doch der lädt ihn erst in die Rugbymannschaft ein, verbringt immer mehr Zeit mit ihm, bis er sich schließlich selbst die Frage stellt, ob er sich in Charlie verliebt hat... 

Alice Oseman ist eine junge Autorin, ihr Debutroman Solitaire erschien 2014. Aus dem Bruder der Protagonistin von Solitaire machte sie dann die Hauptfigur ihres Webcomics Heartstopper. 2022 führte sie Regie bei der gleichnamigen Netflix-Serie. 

Heartstopper ist eine wunderbare, hoffnungmachende Liebesgeschichte, ansprechend gezeichnet und sensibel erzählt. Empfehlenswert. 

Alice Oseman, Heartstopper #1. Loewe, Bindlach 2022.

Monday, May 01, 2023

Andreas Steinhöfel und Melanie Garanin - Völlig meschugge?!

Meschugge = verrückt, nicht bei Verstand.
Mit diesem aus dem Jiddischen stammenden Wort betitelte Andreas Steinhöfel seine Mini-Fernsehserie, die 2021 vom ZDF produziert und bei Kika ausgestrahlt wurde. Gleichzeitig zeichnete Melanie Garanin eine Graphic Novel dazu, die 2022 im Carlsen Verlag erschien. 

Es geht um drei Jugendliche: Aktivistin Charly mit den gelben Gummistiefeln, der aus Syrien geflüchtete und zeichenbegabte Hamid und Benny, dessen Opa ihm kurz vor seinem Tod einen  Davidstern an einer Halskette vererbt. In einem Moment waren die drei noch unzertrennlich, als plötzlich religiöse Vorurteile das Gleichgewicht zwischen ihnen durcheinander bringen. Antisemitimus, Handydiebstähle an der Schule, verletzte Gefühle und Gewalt breiten sich aus. Aus der Sicht von Charly blicken wir auf das Geschehen und können es wie sie kaum begreifen, wie alles so aus dem Ruder laufen kann. Es bedarf großer Anstrengungen bei allen Dreien und viel Mut, um das ganze wieder ins Lot zu bringen...

Völlig meschugge ist zeichnerisch wunderbar, emotional, klar und mit Liebe zum Detail zugleich gezeichnet. Gleichzeitig hatte ich beim Lesen Steinhöfels sonore Stimme im Ohr, denn sein Erzählstil scheint auf jeder Seite durch. Das Thema ist hart, leider immer aktuell und schrecklich wichtig - doch macht Steinhöfel es sich nicht leicht, leichte Lösungen und das rosige Happy End liegen ihm nicht. Behutsam zeigt er die Vielschichtigkeit des Problems auf - vor allem auch das Problem des Nicht-Zuhörens (auch von den Erwachsenen, die es besser wissen sollten, doch wie sagt Hamids Imam auf dessen Frage nach dem Grund für den Judenhass: "Das ist etwas, das nicht einmal Erwachsene richtig verstehen.") und der Angst und des Wegschauens. Eine tolle und sehr empfehlenswerte Graphic Novel.

Andreas Steinhöfel und Melanie Garanin, Völlig meschugge?! Carlsen, Hamburg 2022.

Saturday, December 24, 2022

C. Tauber und C. Claus - Die drei Fragezeichen - Der goldene Salamander

Justus, Peter und Bob besuchen eine Wrestling-Show in Rocky - und rechnen natürlich nicht damit, dass ihr Erzfeind Skinny Norris als Aushilfe dabei ist! Der gefällt sich ausgesprochen gut in seiner Rolle und ist deswegen sehr aufgeregt, als der Star der Show - Der Goldene Salamander - angeblich eine Bank überfallen haben soll. Ausgerechnet Skinny beauftragt die drei Fragezeichen, um die Unschuld des Wrestlers zu beweisen. Dafür müssen die drei sich ziemlich anstrengen und in ungewöhnliche Rollen schlüpfen...

Diese Graphic Novel ist farbig gestaltet und weniger düster als Das Dorf der Teufel. Die Irritationen über Unterschiede zwischen eigener Fantasie und Comicdarstellung der Protagonisten bleibt. Der Plot ist interessant und hält den Spannungsbogen, allerdings hielt sich meine Begeisterung für das Setting in der Wrestling-Szene in Grenzen, was aber nur mein persönliches Problem ist. Insgesamt ist die graphische Umsetzung gelungen und der Band eine Abwechslung zu den Hörspielen und Büchern. 

Christopher Tauber und Calle Claus, Die drei Fragezeichen - Der goldene Salamander. Kosmos, Stuttgart 2021.

Sunday, October 31, 2021

Nora Krug - Heimat: Ein deutsches Familienalbum

Nora Krug ist eine deutsch-amerikanischer Autorin und Illustratorin, die in New York lebt. In Heimat: Ein deutsches Familienalbum begibt sie sich auf die Spuren ihrer deutschen Familie. Sie ist dabei nicht nur neugierig, sondern auch bedrückt und ängstlich, was sie dabei über die politische Gesinnung ihrer Vorfahren zur Zeit des Nationalsozialismus herausfinden wird. Sie trifft bei ihren umfangreichen Recherchen auch auf Mauern, die typischerweise von vielen Familien in Deutschland errichtet wurden, um sich nicht allzu intensiv mit der eigenen Schuld auseinandersetzen zu müssen. 

Ihr Erkenntnisse und Fundstücke - "deutsche" Flohmarktfunde, Familienfotos, Briefe und offizielle Dokumente aus Archiven - ordnet sie in einmaliger Art und Weise an - sie kombiniert die Dokumente mit Illustrationen, Comicstrips, sachlichen Zusammenfassungen und persönlichen Texten. Es entsteht dabei eine Textform, die sehr das Lesen einerseits schwieriger, andererseits aber auch zu einer Entdeckungsreise werden lässt, ähnlich der, auf die sie sich selbst begeben hat. 

Persönlich fand ich ihre letztendliche Erkenntnis - nämlich dass sie nie sicher wissen wird, was im Kopf ihrer Vorfahren wirklich vorgegangen ist, welche grundliegenden Einstellungen beispielsweise ihr Großvater hatte - nicht überraschend. Vielleicht ist es etwas, mit dem man sich als seit Generationen in Deutschland Lebende/r sowieso abfinden muss: Familien haben automatisch eine nationalsozialistische Vergangenheit. Nur wenige waren gegen das System, die meisten haben zugelassen, was geschehen ist. Je nachdem, in welche Generation man geboren wurde, hat man entweder noch die Prozesse um die Täter miterlebt, die Phase der Verleugnung durchlebt oder hat schulisch eine intensiv aufklärerische Zeit erfahren. Inzwischen scheint eine Generation der ahnungslos Ignorierenden heranzuwachsen, was sich an aufbrechendem Antisemitismus und dem Zuwachs rechter Extermisten leicht ablesen lässt. Die eigene Positionierung erfolgt familien- und generationenspezifisch - eine intensive Suche, wie sie Nora Krug aus ihrer US-amerikanischen Perspektive betreibt, erübrigt sich daher oft. Was nicht bedeuten soll, dass sie nicht auch uns neue, klarere Sichtweise auf die Geschichte - vor allem die eigene - bringen könnte. Auch vor diesem Hintergrund ist Nora Krugs Buch eine beachtenswerte Lektüre.

Nora Krug, Heimat: Ein deutsches Familienalbum. Penguin 2018.

Saturday, September 25, 2021

Kan Takahama - Zwei Espresso

Kan Takahama ist eine japanische Zeichnerin, Illustratorin und Autorin. Seit 2003 werden ihre Bücher auch international veröffentlicht. 

Die Story von Zwei Espresso ist schnell zusammengefasst: Der französische Comiczeichner Benjamin reist ins japanische Hinterland, um nach einer Japanerin zu suchen, mit der er vor Jahren eine Nacht in Paris verbracht hat. Sie hat ihm damals zu seinem ersten beruflichen Erfolg verholfen, aber nur vage Hinweise auf ihre Identität hinterlassen. Er findet sie daher erst einmal nicht, sondern hilft einem Japaner, der dort im Nirgendwo ein Cafe betreibt, endlich Kaffeekochen zu lernen. Im Gegenzug hilft er ihm bei der Suche...
Der Zeichenstil ist eher europäisch als typisch japanisch, weswegen die Autorin auch bekannt geworden ist. Die schwarz-weißen Bilder sind ansprechend gestaltet (nur die Geräusche sind etwas übertrieben dargestellt, so dass man sie versucht zu übersehen/-lesen). Die Story ist unterhaltsam, aber birgt wenige Überraschungen. Andere Bände der Autorin (wie Der Liebhaber oder Stille Wasser) scheinen - glaubt man den Rezensionen - beeindruckender zu sein.  

Kan Takahama, Zwei Espresso. Carlsen, Hamburg 2016.



Saturday, April 10, 2021

Penelope Bagieu / Roald Dahl - Hexen hexen

Roald Dahls Hexen hexen (1983) ist ein Klassiker der britischen Kinderliteratur. Erzählt wird die Story aus der Perspektive eines kleinen Jungen, der kürzlich seine Eltern verloren hat und nun mit seiner Großmutter lebt. Diese erzählt ihm Geschichten - und auch davon, dass Hexen immer Handschuhe und Perücken tragen, damit sie wie normale Frauen aussehen. Und Hexen hassen Kinder und wollen sie vernichten! Zum Beispiel verwandeln sie die Kinder in Tiere oder in Steine. Leider schützt dieses Wissen allein nicht vor ihren Hexenkünsten - aber man kann es nutzen, um sie zu bekämpfen! 

Die Französin Pénélope Bagieu hält sich in ihrer Comic-Adaption weitgehend an die literarische Vorlage und illustriert die Geschichte mit leichter Hand. Die Charaktere werden geschickt eingeführt - man sieht sich nicht sofort komplett, sondern nähert sich ihnen Stück für Stück - und auch die Backgroundgeschichte der verstorbenen Eltern wird so erzählt. Die Großmutter ist zeichnerisch ein Knaller mit ihren verrückten Haaren und Outfits, sehr schräg, aber liebevoll mit ihrem Enkel. Die Szenen mit den Hexen sind angemessen gruselig und die Zeichnungen der zwei in Mäuse verwandelten Kinder sind hinreißend niedlich. Angenehm fand ich auch das Verhältnis von Text zu Bild, es wird nicht zuviel vorweggenommen durch Textkästen, aber durch die Dialoge kann man die Geschichte gut verfolgen und der Sprachwitz der Protagonisten - eine Stärke von Dahls Charakteren - bekommt ausreichend Raum.
Hexen hexen ist eine sehr gelungene Graphic Novel, die viel Spaß macht!

Penelope Bagieu / Roald Dahl, Hexen hexen. Reprodukt, Berlin 2020.

Saturday, June 20, 2020

Claudia Ahlering und Julian Voloj - Die Judenbuche

Die Judenbuche von Annette Droste-Hülshoff erschien erstmals 1842. Die Autorin legt ihrer Novelle eine wahre Begebenheit zugrunde, einen Mordfall in einem westfälischen Dorf. Dennoch handelt es sich nicht allein um eine Kriminalgeschichte, sondern Die Judenbuche wird als Milieustudie der Zeit verstanden.
Claudia Ahlering und Julian Voloj nehmen sich in ihrer Graphic Novel dem bekannten Werk an und auch wenn einige inhaltliche Veränderungen erfolgten (beispielsweise in der Abfolge der Ereignisse - der Mord wird vorweggenommen), bemühen sie sich um eine adequate Umsetzung des Stoffes. Wie die Novelle enthält die Graphic Novel die wesentlichen Fragen - die nach Antisemitismus und die nach Gesetz, Recht und Gerechtigkeit.
Künstlerisch umgesetzt in schwarz-weißen, düsteren und häufig Personen-zentrierten Bildern wird der Leser in diese raue, von Armut durchzogene Vergangenheit versetzt. Nicht immer sind die Charaktere eindeutig wiederzuerkennen, was vielleicht durchaus beabsichtigt ist, zumindest in Bezug auf den Protagonisten Friedrich Mergel und seinen Halbcousin Johannes Niemand, der eine Art Alter Ego darstellt. Erzählerische Lücken werden durch passende Erklärungen vor Orts- und Zeitwechseln in den Panels geschlossen. Die Zeitsprünge entsprechen den verschiedenen Teilen der Vorlage.
Sperrig bleibt die Erzählung dennoch, Fragen bleiben offen.
Doch dies passt durchaus zur literaturkritischen Rezeption des Romans, wie ein kurzer Aufsatz von Dr. Jochen Grywatsch, Leiter der Droste-Forschungsstelle, nachweist, der die "Rätselhaftigkeit des Textes" als elementares Charakteristikum benennt (S.125). Auch zu dem historischen Fall, den lokalen Gegebenheiten in Ostwestfalen und den Überlegungen zur Adaption durch Claudia Ahlering und Julian Voloj geben erläuternde Texte im Anhang Auskunft und werten damit das Buch und das Verständnis für diese Umsetzung deutlich auf. Insgesamt weckt die Graphic Novel Interesse für diesen Klassiker der deutschen Literaturgeschichte, ist aber in der Lektüre auch keine reine Freude.

Claudia Ahlering und Julian Voloj, Die Judenbuche. Knesebeck, München 2017.

Wednesday, December 11, 2019

George R.R. Martin - Der Heckenritter

Diese Graphic Novel basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Gorge R.R. Martin und wurde umgesetzt von Ben Avery und den Illustratoren Mike S. Miller und Mike Crowell.
Erzählt wird die Geschichte von Ser Duncan, einem Knappen eines Heckenritters, der nach dessen Tod versucht, ebenfalls zum Ritter zu werden. Dafür reitet er zu einem Tunier nach Aschfurt, doch noch bevor er antreten kann, bringt ihn sein tief empfundenes ritterliches Ehrgefühl in Schwierigkeiten, sodass er sich einem viel dramatischerem Kampf stellen muss.
Die Bilder sind mit viel Liebe zum Detail gezeichnet und auch farblich effektvoll gestaltet. Die dadurch erzeugte Atmosphäre passt sehr gut zu der von Martin geschaffenen Welt. Die Panels sind abwechslungsreich und durch erklärende Texte bzw. dargestellte Gedankengänge der Charaktere werden Verständnisprobleme vermieden. Besonders beeindruckend sind die actionreichen Szenen umgesetzt.
Eine lohnenswerte Ergänzung der Song of Ice and Fire Serie.

George R.R. Martin (Avery/Miller/Crowell), Der Heckenritter. Panini, Stuttgart 2007.

Friday, October 25, 2019

Arne Jysch - Der nasse Fisch


Mit viel Liebe zum Detail und zu den historischen Hintergründen hat Arne Jysch den ersten Band von Volker Kutschers Gereon-Rath-Reihe, Der nasse Fisch, als Graphic Novel umgesetzt. Im Gegensatz zur TV-Adaption (Babylon Berlin), in der Figuren und Zusammenhänge verändert wurden, hält sich Jysch an den Plot des Romans und nimmt keine tiefgreifenden Veränderungen vor. Es gelingt ihm durch gut gesetzte innere Monologe und eingefügte Schriftstücke auch die komplexeren Zusammenhänge gut und verständlich darzustellen.
Die rein schwarz-weißen Zeichnungen passen zu unserer Wahrnehmung der Zeit, die man durch schwarz-weiß-Fotografien oder -Filme kennt. Beeindruckend schafft es Jysch, die Atmosphäre der 20er Jahre in Berlin einzufangen und man merkt den Zeichnungen eine tiefgehende Recherche an, etwa in den Bereichen Werbung, Architektur oder Mode.
Gereon Rath wird als intelligenter und guter Ermittler dargestellt, seine Schwächen und emotionalen Hemmnisse bringen ihn zwar in Schwierigkeiten, sind aber am Ende nicht handlungsbestimmend. Deutlich weniger intensiv als in der TV-Serie werden der Glamour und die "Abgründe" Berlins zu der Zeit dargestellt - hier setzt Jysch stärkere Akzente auf die politischen Zusammenhänge.
Insgesamt ist Arne Jyschs Der nasse Fisch eine zeichnerisch und inhaltlich überaus gelungene Adaption des Romans. 

Arne Jyschs, Der nasse Fisch. Carlsen, Hamburg 2008. 

zur Rezension des Romans: Volker Kutscher, Der nasse Fisch

Sunday, October 20, 2019

Melchior/Oubrerie - Der Goldene Kompass 1

Diese Graphic Novel ist der erste Teil einer Adaption von Der Goldene Kompass von Philip Pullman. Sie umfasst die Geschichte Lyras in Oxford, ihre Flucht vor Mrs Coulter und ihren Aufbruch gen Norden, wo sie helfen will, ihren Onkel und die verschwundenen Kinder zu retten.
Die Zeichnungen von Melchior und Oubrerie sind atmosphärisch, oft auch düster aufgrund gedeckter Farben. Die Szenen sind abwechslungsreich gestaltet mit Totalen, Portrait- und Detail-Panels. Die Emotionen der Figuren werden verständlich, auch wenn einige der Gesichter zeichnerisch wenig intensiv ausgestaltet sind. Auch die Daemonen wirken manchmal oberflächlich, wobei sie eigentlich ein sehr interessantes Element der ursprünglichen Geschichte sind. Hier liegt auch das Hauptproblem dieser Graphic Novel - ich bin mir nicht sicher, ob der Plot insgesamt verständlich gewesen wäre, wenn ich nicht den Roman bereits gelesen hätte. Zuviel wird auf die Schnelle oder gar nicht eingeführt, hier wäre eine kurze Einführung am Anfang, wie bei Graphic Novel oder Comics durchaus üblich, sehr hilfreich. So bleiben Zusammenhänge unklar und da die Bilder mich nicht sehr ansprechen, werde ich es wohl bei diesem ersten Band belassen.

Stéphane Melchior/Clément Oubrerie, Der Goldene Kompass 1. Carlsen, Hamburg 2015.

Thursday, April 11, 2019

Beckmann/Tauber/Menger - Die drei Fragezeichen - Das Dorf der Teufel

Das Dorf der Teufel ist der zweite Band der drei Fragezeichen, der als Graphic Novel erschienen ist. Als Hörer (und nur selten Leser) der Reihe fand ich einiges irritierend. Justus, Peter und Bob entsprachen nicht meiner Idee der drei Protagonisten und sie wirkten viel zu jung für meinen Geschmack.
Die Story entsprach prinzipiell durchaus einem typischen DDF-Fall: Sie suchen zusammen mit Morton nach einem verschwundenen Ehemann und landen dabei in einem Dorf, in dem die Bewohner sich merkwürdig verhalten. Schnell wird die Lage bedrohlich, denn dieses Dorf will nicht, dass seine Geheimnisse enthüllt werden. Der Spannungsbogen gelingt, dennoch ist die Story auf den 128 Seiten schnell zuende, eine Länge, bei der für erzählerische Tiefe kein Platz bleibt.
Die Zeichnungen sind durchgehend recht düster, klar und tragen phasenweise das Rot und Blau der drei Fragezeichen, was ein netter Effekt ist. Der Stil war vielleicht auch deswegen so gewöhnungsbedürftig, weil man durch die Cover-Art der Hörspiele anderes (und fröhlicheres) mit den drei Fragezeichen verbindet.

John Beckmann und Christopher Tauber (Illustratoren), Ivar Leon Menger (Autor), Die drei Fragezeichen - Das Dorf der Teufel. Kosmos, Stuttgart 2017.

Thursday, January 03, 2019

Edmond Baudoin - Der Nabel der Welt

Edmond Baudoin (*1942) ist ein französischer Künstler und Autor verschiedener graphic novels.
In Der Nabel der Welt inszeniert er eine Unterhaltung zwischen einem altem Maler und seinem jungen Nacktmodell. Dabei erzählt der Maler voller Stolz von seinem erfüllten Liebesleben, aber drückt auch sein Unverständnis der Frauen aus. Er sieht die Männer als unfähig an, den Frauen auf gleicher Ebene zu begegnen, da diese aus sich heraus in der Lage sind etwas zu erschaffen (ergo schwanger zu werden), die Männer dagegen sich in einem ständigen Konkurrenzkampf (vom Faustkampf bis hin zum Krieg) befinden, um ihre Unfähigkeit zu erschaffen zu kompensieren. Begleitet werden seine Lebens- und Liebeserinnerungen und seine philosophischen Gedanken von zahlreichen Bildern (Akte und Portraits) des fragenden Modells und der verschiedenen Geliebten seines Lebens.
Diese sind stilistisch sehr abwechslungsreich, wie spontan hingeworfene Aquarelle werden durchmischt mit Tuschezeichnungen, Collagen und anderem, meistens in Rot- und Blautönen. Die Bilder sind zum Teil sehr beeindruckend und drücken mehr emotionale Tiefe aus, als die Geschichten des Malers von seinen Eroberungen erzählen können. Inwiefern man dessen Gedanken folgen möchte, bleibt Mann oder Frau selbst überlassen. Einen bedenkenswerten (feministischen) Gedanken äußert der Maler erst auf vorletzten Seite, bevor er - praktisch wie einen Staffelstab - auf der letzten Seite das Modell sagen lässt, sie möchte nun auch ein paar Dinge sagen (allerdings kommt sie dennoch nicht mehr zu Wort, man weiß nur, es gäbe noch mehr dazu zu sagen - oder hat sie doch die ganze Zeit schon durch den Maler gesprochen?!):
"Die Frauen, die ich kenne, haben keinen Hass auf Männer. Aber viele meiner Geschlechtsgenossen denken, ihnen wird etwas genommen, wenn sie nicht mehr allein regieren, befehlen, besitzen, zerstören, terrorisieren... Sie haben noch nicht gelernt zu teilen, eure Freunde zu sein. Sie mögen sich selbst nicht mehr, sie fühlen sich schwach. Schwache Menschen können gefährlich sein."

Edmond Baudoin,  Der Nabel der Welt. Schreiber und Leser, Hamburg 2013.

Sunday, December 09, 2018

François Debois - Jack the Ripper

Die grausamen Morde von Jack the Ripper, die 1889 im Slum Whitechapel von London an Prostituierten begangen wurden, fanden nie eine solide Aufklärung und sind Anlass für eine Vielzahl von fiktionaler und nichtfiktionaler Literatur und Verfilmungen. 
Auch François Debois setzt sich mit eben diesem Stoff auseinander. Im Fokus seiner Graphic Novel steht der damalige Ermittler Frederick Abberline, der sich nicht nur mit der verarmten und teils verbrecherischen Bevölkerung Whitechapels, sondern auch mit seinen Vorgesetzten herumplagen muss. Nach dem Ende der Mordserie wird Abberline in Debois' Geschichte zu Hilfe gerufen, um in Paris bei einer Mordserie auszuhelfen. Gleichzeitig geschieht in London ein seltsamer Selbstmord eines Arztes, ein Kollege einer der Personen, mit den Abberline es in Paris zu tun bekommt. Experimentellle Hypnose ist das Stichwort, das diesen zweiten Teil zusammenfasst, und eine schreckliche Wahrheit aufdeckt.
Die Bilder der Charaktere und der Kulisse sind ausgesprochen detailliert und atmosphärisch gestaltet. Den Text empfand ich phasenweise als schwer zu durchdringen, auch die Story war stellenweise etwas sprunghaft. Durchaus lesenswert, besonders hinsichtlich des künstlerischen Aspekts, aber von der Story her etwas schwächer. 

François Debois, Jack the Ripper. Splitter Verlag, Bielefeld 2013.

Tuesday, November 20, 2018

Catherine Meurisse - Die Leichtigkeit

Catherine Meurisse entkam nur durch einen Zufall dem Massaker in den Redaktionsräumen der Pariser Satirezeitschrift Charlie Hebdo, weil sie an jenem Morgen verschlief und zu spät zur Arbeit kam. Ihr und den anderen Überlebenden fiel die Aufgabe zu, weiterzumachen und dies unfassbare Erlebnis und den Verlust der langjährigen Kollegen und Freunde zu überwinden. In Die Leichtigkeit zeichnet sie diesen schweren Prozess auf. In beeindruckenden Zeichnungen, meist nur in leisen Pastelltönen aquarelliert, gibt sie der Verzweiflung, den psychischen Auswirkungen und den zum Teil vergeblichen Versuchen, der eigenen Hilf- und Sprachlosigkeit zu entkommen Raum.
Als der eine gangbare Ausweg für die Künstlerin erweist sich schließlich die Kunst selbst - in der Begegnung mit Literatur und Kunst und der darin wiedergefundenen Schönheit kann sie ihre Leichtigkeit wiederfinden und dadurch weiterleben.
Es ist ein beeindruckendes Selbstportrait, das Augen öffnet für die psychischen Auswirkungen, die Terrortaten auf die Überlebenden haben, und das bei all dem Schrecken dennoch Hoffnung vermittelt.

Catherine Meurisse, Die Leichtigkeit. Carlsen, Hamburg 2016.

Link zur Verlagsseite der Autorin
Link zu einer Rezension bei literaturkritik.de von Jonas Heß