Catherine Meurisse entkam nur durch einen Zufall dem Massaker in den Redaktionsräumen der Pariser Satirezeitschrift Charlie Hebdo, weil sie an jenem Morgen verschlief und zu spät zur Arbeit kam. Ihr und den anderen Überlebenden fiel die Aufgabe zu, weiterzumachen und dies unfassbare Erlebnis und den Verlust der langjährigen Kollegen und Freunde zu überwinden. In Die Leichtigkeit zeichnet sie diesen schweren Prozess auf. In beeindruckenden Zeichnungen, meist nur in leisen Pastelltönen aquarelliert, gibt sie der Verzweiflung, den psychischen Auswirkungen und den zum Teil vergeblichen Versuchen, der eigenen Hilf- und Sprachlosigkeit zu entkommen Raum.
Als der eine gangbare Ausweg für die Künstlerin erweist sich schließlich die Kunst selbst - in der Begegnung mit Literatur und Kunst und der darin wiedergefundenen Schönheit kann sie ihre Leichtigkeit wiederfinden und dadurch weiterleben.
Es ist ein beeindruckendes Selbstportrait, das Augen öffnet für die psychischen Auswirkungen, die Terrortaten auf die Überlebenden haben, und das bei all dem Schrecken dennoch Hoffnung vermittelt.
Catherine Meurisse, Die Leichtigkeit. Carlsen, Hamburg 2016.
Link zur Verlagsseite der Autorin
Link zu einer Rezension bei literaturkritik.de von Jonas Heß
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Tuesday, November 20, 2018
Tuesday, April 03, 2018
Gudrun Pausewang - Die letzten Kinder von Schewenborn
1983. Tschernobyl ist noch nicht geschehen, der Kalte Krieg noch nicht beendet. Es Gudrun Pausewang veröffentlicht ihr Buch Die letzten Kinder von Schewenborn. Es handelt von einem fiktiven Atomschlag in Europa, bei dem alle größeren deutschen Städte zerstört werden. Der Erzähler ist der Jugendliche Roland Bennewitz, der mit seiner Familie gerade auf dem Weg zu den Großeltern ist, als die Bomben fallen. Sie erreichen den Heimatort der Großeltern - Schewenborn - schließlich, aber die Großeltern wurden durch die Bombe im nahegelegenen Fulda getötet. Schonungslos und zum Teil drastisch erzählt Roland von den Folgen der Bombe. Er beobachtet das Sterben der Menschen um ihn herum und muss auch in seiner Familie zahlreiche Verluste ertragen. Strahlenkrankheit, Seuchen wie Typhus und Ruhr, dann schließlich Hunger und Kälte raffen die Menschen dahin. Zwar überlebt er, am Ende des Buches ist er 17 Jahre alt, aber eine Zukunft scheint es nicht zu geben.Unbarmherzig schildert die Autorin die Qualen und Chancenlosigkeit, die den Menschen im Falle der atomaren Katastrophe drohen - und ist damit vermutlich realistisch. Pausewang war fest verankert in der Friedensbewegung und schrieb über zahlreiche Themen, aber mit ihren Büchern zu atomaren Bedrohung (nach Tschernobyl schrieb sie ihr vielleicht bekanntestes Werk Die Wolke, veröffentlicht 1987) erhielt sie die größte öffentliche Aufmerksamkeit. Für ihr Gesamtwerk wurde sie 2017 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Sie wolle Menschen wachrütteln und dazu bewegen, im Kleinen selbst etwas für den Frieden zu tun.
Die letzten Kinder von Schewenborn rüttelt wach, erinnern, mahnt, auch über 40 Jahre nach seiner Ersterscheinung, denn leider ist "Nie wieder Krieg!" auch in 2018 noch nicht zur Wirklichkeit geworden, ganz im Gegenteil.
Gudrun Pausewang, Die letzten Kinder von Schewenborn. Ravensburger, Ravensburg 2015.
ZEIT-Artikel zu Pausewangs 90.Geburtstag
Sunday, November 15, 2015
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