Showing posts with label popsugar2019. Show all posts
Showing posts with label popsugar2019. Show all posts

Monday, December 30, 2019

Finished: Popsugar Reading Challenge 2019

After successfully finishing the Popsugar Reading Challenge in 2018 I participated again in 2019, here are my results:

40 / 40 prompts, finished 30th December, and 5 / 10 additional prompts.

A book becoming a movie in 2019: A.J. Finn - The Woman in the Window
A book that makes you nostalgic: Enid Blyton - Fünf Freunde auf großer Fahrt
A book written by a musician (fiction or nonfiction): Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo
A book you think should be turned into a movie: Annette Hess - Deutsches Haus
A book with at least one million ratings on Goodreads: A. Niffenegger - Die Frau des Zeitreisenden
A book with a plant in the title or on the cover: Aude le Corff - Bäume reisen nachts
A reread of a favourite book: Michael Ende - Momo
A book about a hobby: Lucinda Riley - Das Orchideenhaus
A book you meant to read in 2018: Ian McEwan - Abbitte
A book with POP, SUGAR, or CHALLENGE in the title: Ingeborg Schober - Pop-Tragödien
A book with an item of clothing or accessory on the cover: Naomi Wood - Als Heminway mich liebte
A book inspired by myth/legend/folklore: Rick Riordan - Diebe im Olymp
A book published posthumously: Kent Haruf - Unsere Seelen bei Nacht
A book you see someone reading on TV or in a movie: Richard Adams - Unten am Fluss
A retelling of a classic: Marissa Meyer - Wie Monde so silbern
A book with a question in the title: M.C. Butler - W-W-Wer hat schon Angst im Dunkeln?
A book set on college or university campus: John Williams - Stoner
A book about someone with a superpower: Terry Pratchett - Ruhig Blut
A book told from multiple POVs: T.C. Boyle - Die Terranauten
A book set in space: Arthur C. Clarke - 2001 - Odyssee im Weltraum
A book by two female authors: Mary Ann Shaffer/Annie Barrows - Deine Juliet
A book with SALTY, SWEET, BITTER, or SPICY in the title: K. v.d. Linden - Mein süßes Leben ohne Zucker
A book set in Scandinavia: Arnaldur Indridason - Schattenwege
A book that takes place in a single day: Patrick Süskind - Die Taube
A debut novel: Gail Honeyman - Eleanor Oliphant Is Completely Fine
A book that's published in 2019: Simon Beckett - Die ewigen Toten
A book featuring an extinct or imaginary creature: Terry Pratchett - Der fünfte Elefant
A book recommended by a celebrity you admire: Rupi Kaur - Milk and Honey
A book with LOVE in the title: Daniela Krien - Die Liebe im Ernstfall
A book featuring an amateur detective: Alan Bradley - Halunken, Tod und Teufel
A book about a family: Nancy Mitford - Englische Liebschaften
A book author from Asia, Africa, or South America: Isabel Allende - Amandas Suche
A book with a zodiac sign or astrology term in title: Cotterill - Dr. Siri u. der explodierende Drache
A book that includes a wedding: Elena Ferrante - Meine geniale Freundin
A book by an author whose first and last names start with the same letter: Daniel Dafoe - Robinson Crusoe
A ghost story: Toni Morrison - Menschenkind
A book with a two-word title: Tatiana de Rosnay - Sarahs Schlüssel
A novel based on a true story: Betty Mahmoody - Nicht ohne meine Tochter
A book revolving around a puzzle or game: Ernest Cline - Ready Player One
Your favorite prompt from a past POPSUGAR Reading challenge (2018: The next book in a series you started): Michael Robotham - Der Schlafmacher

Additional prompts

A "cli-fi" (climate fiction) book: Karen Thompson Walker - Ein Jahr voller Wunder
A "choose-your-own-adventure" book
An "own voices" book
Read a book during the season it is set in: Cecelia Ahern - Zeit deines Lebens
A LitRPG book
A book with no chapters / unusual chapter headings / unconventionally numbered chapters: Matthew Quick - Die Sache mit dem Glück
Two books that share the same title: Günter Grass - Katz und Maus
Two books that share the same title: Simon Beckett - Katz und Maus [no review]
A book that has inspired a common phrase or idiom
A book set in an abbey, cloister, monastery, vicarage, or convent

Ernest Cline - Ready Player One

Ernest Clines Ready Player One (2011) ist bereits ein Klassiker und spätestens seit der Verfilmung durch Steven Spielberg 2018 einer breiten Masse bekannt. Cline, geboren 1972, versetzt die Leser in ein dystopisches Jahr 2045, die Lebensbedingungen sind denkbar schlecht und die einzige Zuflucht aller ist die OASIS, eine virtuelle Realität. Ihr Erschaffer James Halliday verzichtete auf die vollständige kommerzielle Ausbeutung der OASIS und in Ermangelung eines Erben, programmiert er eine virtuelle Schnitzeljagd, ein Easter-Egg, in der OASIS. Als Fan der 80er Jahr Pop- und Trashkultur beziehen sich alle Hinweise und Aufgaben dieser Jagd auf diese Zeit - wer das Easter-Egg findet, wird zum Erben von Hallidays Welt und Milliarden. Die böse Konkurrenz, ein Konzern namens IOI, versucht selbstverständlich auch mit allen Mitteln, die Kontrolle über OASIS zu erlangen und ist dabei besser ausgestattet als die kleinen privaten Jäger.
Der Protagonist Wade ist entsprechend als Gegensatz ein mittelloser, verwaister Jugendlicher, augenscheinlich chancenlos, aber durch seine Obsession mit den 80ern eben doch nicht. Es beginnt ein Wettlauf im Rätsellösen, Kräftemessen auf dem popkulturellen Wissen und im Spielen alter Computer- und Arcadespiele. Doch kann Wade es nicht allein schaffen, er findet Mitstreiter und obwohl es zum Ehrenkodex der Jäger gehört, allein zu suchen, kommt er nur mit ihrer Hilfe die Lösung.
Um es vorweg zu nehmen, Kritiker bemängeln zu Recht die etwas schlicht und sehr vorhersehbar angelegte Prämisse des Romans. Natürlich gewinnt der Underdog gegen die böse Übermacht, allen Unwahrscheinlichkeiten zum Trotz. Man muss an manchen Stellen schon fest die Augen zukneifen, um einfach so hinzunehmen, dass beispielsweise ein Hinweis auf einen Songtext mit drei Wörtern erst entschlüsselt wird, als die Reihenfolge der Wörter geändert wird - Google lehrt uns anderes. Plausible, glaubhafte Plotführung geht anders. Auch über die Anlage der (Neben-) Charaktere ließe sich viel Negatives sagen, natürlich. Und die Liebesgeschichte... ohne Worte.
Aber vielleicht kommt es darauf nicht an.
Ready Player One ist eine Pop-Geschichte, voller Songs, Spiele und Kultur aus eine Ära, in der sich der Autor auskennt und die er offensichtlich liebt. Das Universum der OASIS ist ein Traum, eine Welt, in der sich Identitäten schaffen lassen, Nachteile ausgeglichen werden können. Auch hier kann man einwerfen, dass Cline diese Utopie in der Dystopie nicht bis zum Ende denkt, aber die Vorstellung einer solchen virtuellen Realität macht dennoch Spaß. Genauso wie man auch mit Spaß das Abenteuer der Jagd und des Rätsellösens mitverfolgen kann, wenn man das ganze nicht zu sehr hinterfragt.
Ich kann mir gut vorstellen, dass der Film vielleicht besser funktioniert als das Buch, weil Musik und visuelle Umsetzung sicher noch den Spaß an der Story erhöhen. Trotz augenscheinlicher literarischer Schwachstellen, hat mir das Buch und die kleine Zeitreise in die 80er mit einem Umweg über die Zukunft Freude gemacht.

Ernest Cline, Ready Player One. Fischer, Frankfurt am Main 2017.

Monday, December 23, 2019

Arthur C. Clarke - 2001 - Odyssee im Weltraum

Beschäftigt man sich mit dem filmischen Werk von Stanley Kubrick, so kommt man an dem cineastischen Meilenstein 2001 - Odyssee im Weltraum nicht vorbei. Interessant ist dabei auch die Entstehungsgeschichte: Basierend auf einigen Kurzgeschichten aus den später 1940er Jahren von Arthur C. Clarke (1917-2008) kolaborierten Kubrick und Clarke um das Drehbuch für den Film gemeinsam zu verfassen. Der Film erschien 1968 und gilt bis heute als einer der besten und wegweisenden Science-Fiction-Filme.
Parallel zum Drehbuch verfasste Clarke einen gleichnamigen Roman, der kurz nach dem Filmstart veröffentlicht wurde.

Die Handlung von Film und Buch unterscheidet sich nur in einigen Aspekten, die wesentlichen Teile sind identisch. Die besondere Atmosphäre, die den Film bestimmt, kann man auch im Buch nachempfinden. Auch hier finden sich plastische, wenngleich auch manchmal lange Beschreibungen, der "Landschaften", d.h. der astronomischen, interstellaren Phänomene. Aber das Buch schafft vor allem in letzten Drittel einen philosophischen Überbau, den der Film meiner Erinnerung nach nicht transportiert. Wohin führt Evolution? Wie weit kann sich eine Spezies weiterentwickeln? Wird sie dadurch zu etwas anderem, gottgleichem? Welche Verantwortung trägt ein Wesen dieser hohen Entwicklungsstufe?
Beeindruckend ist auch Clarkes Voraussicht auf bestimmte technische Entwicklungen, die sich auch in diesem Roman finden und die inzwischen zu Realität geworden oder bereits übertroffen werden.(Fun Fact: In einem Interview von 1974 prophezeit Clarke in sehr treffender Weise das Internet.)

2001 ist definitiv auch über 60 Jahre nach seinem Erscheinen ein sehr lesenswerter Science-Fiction-Roman.

Arthur C. Clarke, 2001 - Odyssee im Weltraum. Heyne, München 2014.

Friday, December 20, 2019

Daniela Krien - Die Liebe im Ernstfall

Daniela Krien erzählt in Die Liebe im Ernstfall die Liebes- und Lebensgeschichte von fünf sehr unterschiedlichen Frauen. Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde sind Freundinnen, Schwestern oder auch nur entfernte Bekannte. Sie haben beruflich miteinander zu tun, sind Ärztin und Patientin oder haben nur den Mann gemeinsam, den sie lieben.
Die Autorin wirft den Leser (vermutlich in den meisten Fällen eher die Leserin) direkt hinein in den Lebensstrom der jeweiligen Person, man lernt sie gleichermaßen von den attraktiven und weniger positiven Seiten kennen, Liebe, Sehnsucht, Verzweiflung, Lust, Freundschaft - alle Aspekte des Lebens finden sich wieder. Dem Thema Kinder wird viel Raum gegeben und auch dieses wird von allen schönen, aber auch den unbequemen Seiten beleuchtet. Dabei wird kein Urteil gefällt, diese Frauen SIND, sie leben ihr Leben und auch wenn ihre Geschichten offen bleiben und wir nur einen Einblick in ihren derzeitigen Stand im Leben erhalten, so erkennt man doch, dass es nicht den einen richtigen Lebensweg gibt, kein Patentrezept für das gute und glückliche Leben - im Gegenteil. Jede der Frauen trifft Entscheidungen, emotionale, rationale oder Entscheidungen aus der Not heraus - was daraus wird, ist dennoch nicht vorhersehbar, es ist eben das Leben, das passiert.
In der Summe ist Die Liebe im Ernstfall ein interessantes und sprachlich-stilistisch ansprechendes Buch - dennoch haben mich längst nicht alle dieser Frauen berührt oder angesprochen, es blieb eine Distanz, die schwer zu erklären ist, die aber meine subjektive Bewertung des Buches stark beeinflusst. Daniela Krien als Autorin hat aber durchaus mein Interesse geweckt.

Daniela Krien, Die Liebe im Ernstfall. Diogenes, Zürich 2019.

Sunday, December 08, 2019

Kent Haruf - Unsere Seelen bei Nacht

Unsere Seelen bei Nacht von Kent Haruf (1943-2014) ist die Geschichte von Addie und Louis. Sie leben in Holt, einer Kleinstadt in Colorado, beide sind verwitwet, über 70 und leben allein. Doch dann lädt Addie Louis einfach ein, bei ihr zu übernachten, einfach nebeneinander zu liegen und zu reden. Louis, obwohl er erst skeptisch ist, lässt sich darauf ein und so nähern sich beide in ihren Gesprächen immer mehr an und es entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. Doch nicht alle in ihrer Umgebung stehen dieser neuen Beziehung positiv gegenüber.

Haruf berichtet in dieser leisen Geschichte vom Wert von Freundschaft, Liebe und Freundlichkeit, von den Dingen, die wirklich wichtig sind, von den Dingen, die am Ende bleiben.
Dabei bedient er sich intensiver Bilder und schafft eine sehr eindringliche Atmosphäre, obwohl die Protagonisten durchweg keine aufregenden oder besonders beeindruckenden Situationen durchleben. Der Sinn liegt im Kleinen verborgen, im klaren Wasser eines Baches, in einem Ausflug auf den Jahrmarkt oder im Abendwind. Innehalten, wahrnehmen mit allen Sinnen und dem anderen geben, was man geben kann, ist die Botschaft.

Kent Haruf, Unsere Seelen bei Nacht. Diogenes, Zürich 2017. 

Monday, December 02, 2019

M.C. Butler - W-W-Wer hat schon Angst im Dunkeln?

W-W-Wer hat schon Angst im Dunkeln? von M. Christina Butler enthält kurze Geschichten gegen die Angst. Zielgruppe sind jüngere Kinder im Kindergartenalter.
Die Protagonisten sind verschiedene Tiere, die zunächst allein eine beängstigende Situation erleben: Ein gruseliges Monster am See oder die seltsamen Geräusche unter dem Bett. Ein Gewitter führt dazu, dass sich die ganze Familie Bär ängstigt. Aber wenn man sich Hilfe holt, kann man gemeinsam gegen die Angst ankämpfen und mit einem Lachen löst sich alles in Wohlgefallen auf.
Die beschriebenen Situationen sind kindgerecht und die Geschichten ansprechend erzählt.

M. Christina Butler, W-W-Wer hat schon Angst im Dunkeln? Loewe 2016.

Sunday, December 01, 2019

Isabel Allende - Amandas Suche

Was in Romanen mit politischen und familiären Themen funktioniert, muss nicht zwangsläufig in anderen Genres funktionieren...

Amandas Suche von Isabel Allende wird vom Verlag als Kriminalroman betitelt, irritiert jedoch in weiten Teilen durch handlungsferne Schilderungen der Hintergrundgeschichten aller Charaktere. Diese durchbrechen kontinuierlich den Spannungsbogen und machen den Roman selbst als Audiobook zu einem sehr zähen Buch.
Amanda, dem Titel und dem Klappentext nach die Protagonistin, ist eine Jugendliche von hoher Intelligenz und vielen Eigenarten. Ihre Mutter Indiana arbeitet als Heilerin, der Vater ist Chef des Polizeidezernats und ermittelt in einer grausamen Mordserie. In Ermangelung von normalen Freundschaften, betreibt Amanda eine Art Rollenspiel mit anderen "besonderen Jugendlichen" und ihrem Großvater. Sie kommen auf die Idee, in diesem Rollenspiel auch Ermittlungen in der Mordserie anzustellen. Dann verschwindet Indiana und droht ebenfalls Opfer des Mörders zu werden und die Ermittlungen bekommen eine andere Dimension. Dieser Denkertruppe steht der ehemalige Navy Seal Ryan mit seinem ebenfalls kriegsversehrten Hund Attila gegenüber, die für die wenigen Actionszenen des Romans sorgen. Der Hund hat meine tiefsten Sympathien, zumal dessen Hintergrundsgeschichte (ja, selbst der hat eine) noch am interessantesten war.
Ansonsten konnte ich dem Roman aufgrund des Plots nichts abgewinnen und die Charaktere waren zwar fundiert angelegt und durchdacht, hatten aber kaum Handlungsspielraum, konnten sich nicht weiterentwickeln und blieben dadurch reißbrettartig und konstruiert. Das funktioniert in keinem Roman gut, umso weniger aber in einem Kriminalroman, dessen Ausgang mich kaum interessierte, zumal er halbherzig in einem Epilog präsentiert wurde. Enttäuschendes Buch einer großen Autorin.

Isabel Allende, Amandas Suche. Hörverlag 2014.




Sunday, November 24, 2019

Kerstin von der Linden - Mein süßes Leben ohne Zucker

Kerstin von der Linden ist Journalistin und Fernsehmoderatorin beim WDR. In ihrem Buch Mein süßes Leben ohne Zucker berichtet sie von ihrer selbstgestellten Herausforderung, in sieben Wochen auf eine zuckerfreie Ernährung umzustellen. Dabei bleibt sie in ihren Ansprüchen an sich selbst moderat und verbannt nicht jede Art von Zucker, sondern versucht Menschliches (wir haben das Verlangen nach Süßem) mit Sinnvollem (wir essen zuviel Zucker, was uns schadet und was wir ändern sollten) unter einen Hut zu bekommen.
Das Buch hat einen grundlegendes Wissen vermittelnden Einleitungsteil, der Gefahren von unserem übermäßigem Zuckerkonsum darstellt, über Zuckerarten aufklärt und hier und da auch anreißt, wie und warum die Nahrungsmittelindustrie Zucker in Mengen einsetzt - und das auch in Lebensmitteln, bei denen wir es nicht erwarten.
In ihrem Erfahrungsbericht schildert sie ihre Herangehensweise, wie beispielsweise die Planung von Einkauf und Mahlzeiten, die Möglichkeiten, dem Wunsch nach Süßem gesund nachzukommen und ihre kleinen Niederlagen und Triumphe im Verlauf der Challenge.
Es folgen danach noch ein Rezeptteil und eine Liste von Produkten, die zuckerfrei sind, mit Nennung von Herstellern und Bezugsquellen. Letztere erleichtert sicher an vielen Stellen die Suche nach solchen Produkten, da man sonst selbst lange die Inhaltsstoffe lesen und vergleichen müsste.
Mit einigen der beiläufig eingestreuten Ernährungstipps bin ich nicht immer ganz einverstanden, da die Autorin pauschalisiert bzw. sie Ernährung einzig aus dem Blickwinkel des Blutzuckerspiegels betrachtet. Vor dem persönlichen Hintergrund hat auch der Untertitel (Gesund und glücklich in 7 Wochen) wenig Aussagekraft, da die Autorin nach eigener Darstellung keine Erkrankungen und Idealgewicht hatte und sich sportlich betätigte. Lediglich war sie unzufrieden mit ihrem Zuckerkonsum. Es fehlt also im Grunde eine realistische Einschätzung oder Darstellung, wie der Verzicht auf Zucker die Gesundheit nachhaltig positiv beeinflusst - das Ergebnis der Challenge bleibt subjektiv erfolgreich.
Im Fazit ist es ein nettes kleines Buch, mit dem man sich durchaus grundlegendes Wissen über zuckerfreie Ernährung aneignen kann. Einige der Rezepte und Tipps finden sich übrigens auch auf dem Blog der Autorin.

Kerstin von der Linden, Mein süßes Leben ohne Zucker. Komplett Media, Grünwald 2017.


Thursday, November 21, 2019

A.J. Finn - The Woman in the Window

The Woman in the Window von A.J. Finn handelt von Anna Fox, ehemals praktizierende Kinderpyschologin, die nun allein in ihrem New Yorker Haus lebt und aufgrund einer Agoraphobie dieses nicht mehr verlässt.
Die Mischung aus Depression, Ängsten, Medikamenten und Alkoholmissbrauch macht Anna zu einer der unzuverlässigsten Erzählerin, die man sich vorstellen kann. Man kann ihr und ihrer Wahrnehmung nicht trauen, ihre Rastlosigkeit und der Nebel, in dem sie sich meistens bewegt, der auch sprachlich zum Ausdruck kommt, lassen den Leser dies bereits schnell spüren. Ihr Alltag ist geprägt von einigen wenigen online-Kontakten, alten Schwarz-Weiß-Filmen und - daher der Titel - dem Beobachten ihrer Nachbarn ringsum, deren Leben sie miterlebt und gedanklich ausschmückt.
Der Titel ist auch in Kombination mit den cineastischen Vorlieben von Anna überaus passend - denn wie in Das Fenster zum Hof (Hitchcock, 1954) wird sie bei ihren Beobachtungen Zeugin eines Verbrechens. Doch aufgrund ihrer psychischen Verfassung glaubt ihr niemand, es folgt der Selbstzweifel, nichts ist wie es scheint - was ist Wirklichkeit und was ist nur in ihrer Kopf?

Nach erfolgreichen Thrillern wie Gone Girl, The Woman in Cabin 10 und anderen weiß man schon, dass schließlich eine große Wendung  zu erwarten ist (vielleicht auch zwei), und dass das, was offensichtlich scheint, auf keinen Fall die Lösung sein wird. So sucht man schon vorher nach der unwahrscheinlichen Möglichkeit, nach dem harmlosen Charakter, der sich dann als Psychopath herausstellt. So erging es mir bei The Woman in the Window und das war nicht unbedingt ein Vorteil beim Lesen. Anna selbst erschien mir übertrieben beeinträchtigt, denn trotz ihres Schicksals und der dramatischen Gründe für ihre Krankheit, verhält sie sich für eine intelligente Frau mit einer psychologischen Ausbildung tatsächlich ausgesprochen dumm. Das betrifft ihren Umgang sowohl mit Medikamenten und Alkohol als auch den mit den Menschen um sie herum. Da hilft es auch nicht, dass sie genau dies im Finale aufs Brot geschmiert bekommt... So hält sich meine Begeisterung trotz der durchaus vorhandenen Spannungskurve in Grenzen.

A.J. Finn, The Woman in the Window. William Morrow, NY 2018.

Tuesday, November 05, 2019

Naomi Wood - Als Hemingway mich liebte

Als Hemingway mich liebte (Originaltitel: Mrs Hemingway) von Naomi Wood ist eine fiktive Sammelbiografie von den vier Ehefrauen von Ernest Hemingway. Als Quelle nutzte die Autorin Briefe und Telegramme und hält sich in ihrem Roman an historischen Rahmenfakten. In vier Teilen wird aus der Perspektive von Elizabeth Hadley Richardson (1891–1979), Pauline Pfeiffer (1895–1951),  Martha Gellhorn (1908–1998) und Mary Welsh (1908–1986) erzählt, wie ihre Beziehung zu dem berühmten Schriftsteller der Lost Generation begann und endete. Dabei liegt ein Fokus der Erzählung darauf, dass sich durch Hemingways schwieriges Verhalten und Empfinden die Beziehungen immer überlappten, was auch seiner Angst vor dem Alleinsein geschuldet war. So sind es oft Dreierbeziehungen, die seine Frauen unfreiwillig eingehen mussten, bis sie es nicht mehr aushalten und ihn an die nächste weitergeben. Diese Übergangsphasen werden von beiden Seiten, beiden Frauen geschildert, was Verständnis für sie weckt, gleichzeitig aber auch verdeutlicht, wie kaputt und getrieben Hemingway durchs Leben ging. Ob das, was er als genialer Schriftsteller und ungewöhnlicher Mann, diesen Frauen geben konnte, das aufwiegt, was sie durch ihn erdulden und erleiden mussten, muss der Leser selbst entscheiden. Die Autorin urteilt nicht über Hemingway als Mann, hat tiefen Respekt vor seinem literarischen Schaffen, färbt aber auch nicht alles rosarot. Gerade aus der Perspektive von Hemingways letzter Frau Mary Welsh wird deutlich, dass Hemingway am Ende auch ein psychisch kranker Mann war, den die Hilfsangebote und Therapieversuche letztlich nicht mehr retten konnten.
Da ich mich mit Hemingway nicht besonders beschäftigt habe (und ihn auch nicht sonderlich mag), kann ich die biografische Korrektheit von Als Hemingway mich liebte nicht beurteilen. Lohnend finde ich es aber, diesen berühmten Mann durch die Augen seiner Frauen zu betrachten und dies gelingt der Autorin auf umfassende und interessante Weise.

Naomi Wood, Als Hemingway mich liebte. DAV 2016.

Sunday, November 03, 2019

Matthew Quick - Die Sache mit dem Glück

Matthew Quick erzählt in seinem Briefroman Die Sache mit dem Glück die Geschichte des 39jährigen Bartholomew. Nach dem Tod seiner Mutter muss er sich neu im Leben zurechtfinden, er hat keinen Beruf, keine Freunde und keine Ahnung von der Welt. Weil er im Zimmer seiner Mutter einen Werbebrief (Boycott der Olympischen Spiele in China wegen der Situation in Tibet) von Richard Gere findet und diese ihn in den letzten Wochen vor ihrem Krebstod Richard nannte, schreibt er tagebuchartig seine Erlebnisse in Briefen an den Schauspieler, auch wenn dieser ihm nicht antwortet.
Er berichtet darin von den wenigen Menschen, die ihm begegnen, Father McNamee, die Trauerbegleiterin Wendy und Max, den er in der Therapiegruppe kennenlernt. Allesamt befinden sich diese Charaktere auch in schwierigen Lebenssituationen und, von außen betrachtet, sind sie keineswegs in der Lage, dem kindlich schreibenden und zum Teil naiv denkenden Bartholomew zu helfen. Doch die Tatsache, dass es diesen Menschen schlecht geht und er, Bartholomew, in der Lage ist sie zu unterstützen, richtet ihn auf und lässt ihn wachsen und führt schließlich zu einem Neubeginn.

Leider gefiel mir Bartholomew weder als Erzähler noch als Protagonist sonderlich. Der Erzählgestus ist der eines Sechzehnjährigen, der noch nichts von der Welt gesehen hat und sozial zurückgeblieben ist. Gleichzeitig soll er in der Bibliothek psychologische und philosophische Werke gelesen haben und kann auf deren Theorien dann plötzlich zurückgreifen? Dennoch begreift er nicht, was Father McNamees Anwesenheit in seinem Haus zu bedeuten hat? Das ist einfach unglaubwürdig. Der plötzliche Roadtrip im letzten Teil des Buches wird nach den langen inneren Monologen des ersten Teils sehr knapp abgehandelt, was man, maximal wohlwollend, vielleicht noch in den Zusammenhang damit bringen kann, dass er nun statt mit Richard Gere zu korrespondieren vielleicht echte Sozialkontakte hat. Dennoch wirkt die Auflösung des ganzen persönlichen Dilemmas dann doch etwas zu sehr nach Happy End um jeden Preis.

Matthew Quick, Die Sache mit dem Glück. Rowohlt, Reinbek 2015.

Saturday, October 26, 2019

Ingeborg Schober - Pop-Tragödien

Ingeborg Schober beschreibt in  Pop-Tragödien: Die spektakulärsten Fälle von den Beach Boys bis Nirvana an zehn Beispielen, wie die Musikindustrie und die an ihr verdienenden Menschen oft dazu beitragen, dass Künstler dem Druck, der auf ihnen lastet, nicht mehr standhalten und daran psychisch, finanziell oder auch durch Selbstmord zugrunde gehen. Die behandelten Künstler/Bands sind:



Leon Theremin
Soeur Sourire
Beach Boys
Nico
Badfinger
Sid Vicious
Falco
Nirvana
Bob Geldof
Milli Vanilli


Prinzipiell ist es eine vielfältige, interessante Auswahl, da dies nur zum Teil Künstler sind, die einem beim Stichwort "Pop-Tragödie" sofort einfallen (wobei einige derselben bei dem Begriff Pop wohl nicht einverstanden wären...). Auch sind die Fakten, sofern ich das beurteilen kann, scheinbar ordentlich recherchiert, es gibt umfangreiche Quellenhinweise am Ende des Buches.
Sprachlich ist es allerdings eher kein Vergnügen. Schober stellt jedem Kapitel ein knappes zusammenfassendes Vorwort voran - sollte man also noch nicht wissen, wie das Schicksal dieses oder jenes Künstlers war, so erfährt man spätestens an dieser Stelle davon. Erst dann beginnt die umfangreichere Beleuchtung der Lebensläufe und der Ereignisse, die zu dessen Tod oder Zusammenbruch führten. Das nimmt alle Spannung aus dem Leseprozess und versachlicht in einem Maße, die diesem Buch, das doch wohl auch unterhalten soll, nicht gut tut. So liest man desillusioniert über die Details, die dann auch noch sprachlich eher fade umgesetzt sind. Kein Lesevergnügen, auch wenn die Inhalte wohl lohnenswert wären.

Ingeborg Schober, Pop-Tragödien: Die spektakulärsten Fälle von den Beach Boys bis Nirvana. Fuego 2013. 

Betty Mahmoody - Nicht ohne meine Tochter

Betty Mahmoody veröffentlichte 1987 ihr Buch Nicht ohne meine Tochter, das von ihrer Flucht aus dem Iran erzählt.
1984 reiste Betty mit ihrem iranischen Ehemann Sayyed für einen zweiwöchigen Besuch in das nach der Islamischen Revolution von Khomeini regierte Land. Sie wohnten bei Sayyeds Verwandtschaft. Nach Ablauf der zwei Wochen verkündete Sayyed, dass sie nicht in die USA zurückkehren würden und erlaubte Betty nicht auszureisen. Er schränkte ihre Freiheit immer weiter ein, entzog ihr phasenweise die Tochter und war aggressiv und gewalttätig. Auch ihr Kontakt zu ihrer eigenen Familie in den USA war ihr nur selten erlaubt. Über den Zeitraum von über einem Jahr suchte und fand Betty schließlich auch Verbündete, die ihr eine Flucht zusammen mit ihrer Tochter ermöglichten.
Das Buch war ein internationaler Erfolg, das sich besonders gut in Deutschland verkaufte und das sogar für den Pullitzer Prize vorgeschlagen wurde. Den nicht überraschenden Vorwurf, das Buch sei anti-muslimisch geschrieben, kann ich nicht nachvollziehen, denn trotz der lebensbedrohlichen Situation, in der sich Betty im Iran befand, und der menschlich nur schwer nachzuvollziehenden Haltung der sie umgebenden Frauen, die das bestehende System zum größtenteils unterstützten und ihr nur bedingt zu Hilfe kamen, äußert sich die Autorin stets dankbar und respektvoll gegenüber den Menschen, die ihr Freundlichkeit und Hilfe entgegenbrachten und pauschalisiert nicht.
Auch wird immer deutlich, dass sie weder dem muslimischen Glauben noch dem iranischen Staat die Schuld an ihren schrecklichen Erfahrungen gibt, sondern die Schuld ihrem irrational handelnden, aggressiven Ehemann gibt. Zwar beschreibt Betty Mahmoody ihre Verzweiflung und Not sehr anschaulich, bleibt aber im Grunde erstaunlich sachlich in der Schilderung der Ereignisse. Nicht ohne meine Tochter ist eine beeindruckende Geschichte, die sicherlich auch heute noch Relevanz hat in ähnlichen Gesellschaftssystemen, besonders bei Paaren mit unterschiedlichem kulturellen Hintergründen.

Betty Mahmoody, Nicht ohne meine Tochter. Lübbe Audio 2015.

Friday, October 18, 2019

John Williams - Stoner


John Williams' Roman Stoner (erstmals 1965) wurde vor einigen Jahren wiederentdeckt und geriet dadurch auch außerhalb der USA in den Fokus.
William Stoner (- seltsam, dass auch dieser Protagonist Anklänge an den Nachnamen des Autoren hat, wie auch der Protagonist aus Butcher's Crossing) wächst auf einer Farm in Missouri auf, wo seine Eltern ein sehr entbehrungsreiches und schlichtes Leben führen. Sein Schicksal wendet sich, als sie ihn zum Landwirtschaftsstudium nach Columbia schicken. Dort packt ihn die Liebe zur Literatur, die zuvor unentdeckt in ihm steckte. Er entscheidet sich für ein Literaturstudium und lässt damit das Farmleben und seine Eltern hinter sich.
Es folgt der Abschluss des Studiums und ihm wird ein Dozentenjob an der Universität angeboten. Stoner bleibt, heiratet, bekommt eine Tochter, hat eine Geliebte, gerät in Auseinandersetzungen mit einem Kollegen und Vorgesetzten und stirbt schließlich an Krebs im Moment seiner Emeritierung.
Dies klingt nicht nach einer sonderlich spannenden Geschichte - und das ist es auch nicht. Seltsam distanziert betrachtet man als Leser dieses Leben eines Mannes, der eine überraschende, natürliche Liebe zur Literatur und dem Universitätsbetrieb in sich trägt, aber davon abgesehen nicht recht weiß, wie er sein Leben in die Hand nehmen soll. Sein Werben um eine Frau, die er nicht kennt und die ihn nicht lieben kann, endet in einer desaströsen Ehe, die auch das Leben seines Kindes zerstört. Die einzig große Liebe zu einer Frau endet in großem Leiden, aber unaufgeregt und undramatisch. Im Grunde gibt es in seinem Leben nur sehr wenige lichte, leichte oder glückliche Momente, er erduldet sein Leben ohne wirklich viel Einfluss darauf zu nehmen oder nehmen zu können. Nur selten ergreift er das Wort oder wird aktiv, um sich durchzusetzen und sein Leben zu beeinflussen.
Die einzige positive Konstante seines Lebens ist seine Leidenschaft für Literatur und noch vielmehr für die Lehre, den Seminaren und den Studenten widmet er den Großteil seiner Lebenszeit.
Die Grundstimmung des Romans ist tatsächlich etwas bedrückend - wie leben wir unser Leben? Nehmen wir es in die Hand? Erdulden wir es? Was hat wirkliche Bedeutung, wofür sind wir bereit zu kämpfen? Stoner trifft seine Entscheidungen nach seinem Ermessen, seinem eigenen Kompass, ist dabei zutiefst menschlich und nimmt sein Leben an, wie er es zu leben im Stande ist - und damit beeindruckt dieser Protagonist nachhaltiger als manch andere Romanfigur.

John Williams, Stoner. dtv, München 2013. 

Monday, October 07, 2019

Shaffer und Barrows - Deine Juliet


Es ist traurig, dass die Hauptautorin dieses wunderbaren Romans, Mary Ann Shaffer, kurz vor dem Erscheinen ihres Debuts verstorben ist. Was für schöne Ideen und Bücher hätte sie uns vielleicht noch schenken können! Ihre Nichte Annie Barrows half ihr, das Buch zu beenden.

Der deutsche Titel Deine Juliet spiegelt wider, dass es sich um einen Briefroman handelt. Juliet ist eine britische Journalistin, die während des zweiten Weltkriegs eine lustige Kolumne verfasst, die zu einem erfolgreichen Buch wurde. Nach Kriegsende (1946) ist sie nun auf der Suche nach einem Thema für ein neues Buch. Sie ist eine absolute Liebhaberin von Büchern und schrägen Charakteren und Geschichten, wie schon ihre ersten Briefe an ihren Verleger Sidney und dessen Schwester beweisen.
So ist es überhaupt nicht verwunderlich, dass sie ganz aus dem Häuschen ist, als sie eines Tages einen seltsamen Brief von der Insel Guernsey bekommt. Ein Mann namens Dawsey hat eines ihrer Second-Hand-Bücher erworben, in dem ihre Adresse stand, und will nun ihre Meinung zu dem Buch erfahren. Er berichtet außerdem von seinem Buchclub, The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society (Originaltitel des Romans), der sich aus der Not heraus im zweiten Weltkrieg gründete.
Beginnend mit diesem einen Brief entwickelt sich ein brieflicher Dialog zwischen den Mitgliedern dieses Buchclubs und Juliet. Schnell wird klar, dass es dabei nicht nur um Literatur, sondern vor allem um die Ereignisse auf Guernsey während der Besatzung durch die Deutschen geht. Viel Schlimmes ist in dieser Zeit passiert und alle Buchclubmitglieder haben ihre ganz eigene Geschichte zum Gesamtbild beizutragen. Juliet ist fasziniert und angerührt von diesen Geschichten und neugierig darauf, diese Menschen kennenzulernen. So fährt sie schließlich nach Guernsey und lässt sich aufnehmen in den Kreis dieser liebenswerten und teils skurrilen Charaktere.
Natürlich enthält der Roman auch eine Liebesgeschichte, die sich aber unauffällig, fast beiläufig entwickelt.
Die Protagonistin und auch alle übrigen Charaktere wachsen einem mehr und mehr ans Herz und auch die Insel wird mit soviel Wärme und Bewunderung geschildert, dass man sogleich hinreisen möchte.

Deine Juliet hat mich in der Tat mit auf eine Reise genommen und trotz der traurigen Zwischentöne behält der Roman immer den heiteren, optimistischen Ton von Juliet, einer Protagonistin, die humorvoll, teils auch zynisch, immer sensibel und vor allem selbstbewusst ihr Leben in die Hand nimmt und das in einer Zeit, wo dies für Frauen keine Selbstverständlichkeit war.

Mary Ann Shaffer und Annie Barrows, Deine Juliet. btb, München 2015.


Thursday, October 03, 2019

Annette Hess - Deutsches Haus

Mit Deutsches Haus hat Annette Haus ein Buch mit einer besonderen Perspektive geschrieben. Durch die Augen von Eva Bruhns erleben wir den ersten Auschwitz-Prozess der Jahre 1963-1965. Sie wird als Dolmetscherin engagiert, um die polnischen Zeugenaussagen zu übersetzen. Beeindruckend zeichnet die Autorin das Bild Deutschlands zu dieser Zeit - die Ablehnung der Vergangenheitsbewältigung, die Angst vor der Entdeckung der eigenen Mitwirkung an Verbrechen, die man gern verdrängen möchte, und nicht zuletzt auch der aufkommende Fremdenhass gegenüber den hinzuziehenden Gastarbeitern.
Gleichzeitig erleben wir mit der Protagonistin die zunehmende Selbstständigkeit einer jungen Frau. Eva wird durch ihre Teilnahme an dem Prozess dazu gezwungen, sich mit der Geschichte ihrer eigenen Familie auseinanderzusetzen und entdeckt hinter der bürgerlichen Fassade Dinge, die zum Bruch mit ihrer Familie führen. Ihre Rolle als arbeitende Frau wird  beständig in Frage gestellt, ihr Verlobter will, dass sie ihre Tätigkeit aufgibt, und macht sogar den Versuch, dies bei ihrem Arbeitgeber rechtlich geltend zu machen (bis 1977 durfte der Ehemann entscheiden, ob seine Frau arbeiten durfte oder nicht!), woraufhin Eva die Verlobung löst.
Sie nimmt an der Reise des Gerichts nach Auschwitz teil und eindrücklich wird geschildert, wie sehr die dort erfahrene historische Realität alle Beteiligten schockiert.
Deutsches Haus ist auf mehreren Ebenen ein sehr lesenswertes Buch und bringt in Erinnerung, wie schwer es ist, sich mit dem Thema Schuld auseinanderzusetzen, dass es selten oder nie einfache Antworten gibt, aber wie wichtig es ist, die eigene Geschichte (und die der eigenen Familie) zu kennen und sich damit auseinanderzusetzen.

Annette Hess. Deutsches Haus. Ullstein, Berlin 2019.

Saturday, August 17, 2019

Toni Morrison - Menschenkind


It's difficult to write about this novel.

Sethe risks her life on her way out of slavery and that of her daughter Denver who is born while she is on the run. She finds safety at the house of her mother-in-law and is allowed a short period of happiness with her four children. The catastrophe occurs when slave hunters find her and she feels forced to safe her children from captivity and violence - even if it means killing them.
So she loses one daughter, her husband never returns either. Two sons run away because the house they all live in is now haunted by the ghost of their little sister. 
Sethe never copes with this loss and is devastated when a friend from her past called Paul D. comes to their house no. 124 in Bluestone Road, Cincinnati, and stirs up memories she doesn't want to be confronted with. Her remaining daughter Denver is confused by all the emerging emotions and has problems dealing with her mother's past. Things spin out of control when the ghost of the murdered daughter manifests as a young woman...

Beloved (Menschenkind) is not an easy read, narrator's perspective changes every few pages, it's often difficult to see what is real, what is a dream,... The descriptions of the cruelty that Sethe and her kin had to endure while they were enslaved are drastic at times, the impact of that cruelty on both physical and psychological levels is very vivid and emotionally unsettling. Some parts are written in a rather difficult stream of consciousness (something may have gotten lost there in translation too). Altogether it is a very impressive novel - the story, the emotions, the important historical testimony of what happened to African-Americans during slavery, the importance of finding one's identity and freedom, family bounds,... the list goes on.
This is a novel you keep thinking about for a while after finishing it.

Toni Morrison, Menschenkind. Rowohlt, Reinbek 2019.

Kurze Anmerkung zur deutschen Kindle-Ausgabe: Erst in diesem Jahr veröffentlichte Rowohlt eine digitale Ausgabe des Romans. Dieser ist offensichtlich schlecht redigiert worden, häufig sind Wörter fälschlich zusammengezogen, es fehlen Leerzeichen. Nicht immer scheint die Übersetzung optimal, so mein subjektiver Eindruck. Angesichts der erst kurz zurückliegenden Todes der Autorin wäre meines Erachtens eine Überarbeitung erforderlich.

Friday, August 09, 2019

Elena Ferrante - Meine geniale Freundin

Elena Ferrante ist eine hochgelobte und erfolgreiche italienische Autorin, die beschlossen hat, unter Pseudonym zu veröffentlichen und anonym zu bleiben. Meine geniale Freundin ist der erste Band der neapolitanischen Saga und beginnt die Geschichte in den 50er Jahren in einem armen Vorort von Neapel.
Die Geschichte wird erzählt von Lenù, sie schildert ihr Leben in Bezug auf die komplizierte Beziehung zu ihrer Freundin Lila. Beide sind intelligent und stammen aus armen und bildungsfernen Familien. Die Kindheit ist geprägt durch die Ereignisse der Vergangenheit: Krieg, NS, Faschismus, Kommunismus, Schwarzhandel, ... Diese Dinge beeinflussen das Verhalten der Erwachsenen, die auf verschiedenen Seiten standen, das oft gewalttätig ist, ohne das Konflikte gelöst werden. Den Mädchen sind die Ursprünge dieser Gewalt zunächst nicht bewusst, sie nehmen diese einfach hin. Zentrale Problematik in ihrem Leben ist Bildung. Es entsteht schnell eine Art Wettbewerb zwischen ihnen, wobei unklar bleibt, ob dies nur von Lenù so wahrgenommen wird, da wir von Lilas Sichtweise nur das erfahren, was Lenù als Erzählerin wahrnimmt und deutet. Schrittweise sammeln beide Erkenntnisse über die sozialen und psychologischen Zusammenhänge bei den Menschen um sie herum.
Lenù schafft es, ihre Bildung auszubauen, sie geht auf die Mittelschule, dann aufs Gymnasium, während die egozentrische Lila andere Wege geht bzw. gezwungen ist, in der Schusterwerkstatt der Familie mitzuarbeiten. Dennoch will auch sie heraus aus ihrer Situation, aus der Armut und der sozialen Begrenztheit. So will sie den wohlhabendsten Mann des Viertels heiraten trotz der moralischen Bedenken, die sie eigentlich hegt, da man sich fragen muss, woher dessen Geld stammt.
Währenddessen fühlt sich Lenù immer fremder, weil sie niemanden hat, mit dem sie auf gleicher Ebene reden kann, und auch das Thema Liebe ist befremdlich, da sie zunehmend zweifelt, welche Gefühle (bei sich und bei Lila) echt sind und welche nur erdacht oder herbeigeredet.

Insgesamt beinhaltet Meine geniale Freundin einige beeindruckende und zum Teil skurrile Szenen und Gedankengänge. Das Setting im Italien der Nachkriegszeit ist ungewohnt und daher von Interesse. Die subjektive Erzählperspektive ist zum Teil schwierig und erschwert die Identifikation.
Die anfangs eingeführte Rahmenstory der Saga (Lila ist verschwunden...) wird in diesem Band nicht wieder aufgegriffen, am Ende steht ein etwas zu gewollter, zweifelhafter Cliffhanger, der aber vielleicht dennoch seinen Zweck erfüllen wird.

Elena Ferrante, Meine geniale Freundin. Suhrkamp, Berlin 2016.

Sunday, August 04, 2019

Michael Ende - Momo

Der vollständige Titel von Michael Endes Klassiker lautet Momo oder Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte. Schon lange wollte ich diesen "Märchen-Roman" aus dem Jahr 1973 (!) noch einmal lesen. Die Bilder und einzelne Szenen, aber auch die gesamte Geschichte war mit noch sehr präsent, da ich sie als Kind nicht nur gelesen, sondern auch zahlreiche Male als Hörspiel gehört hatte.
Die Protagonistin Momo ist gute Zuhörerin und Gefährtin, aber auch kindgerecht mit Ängsten und Zweifeln auf ihrem abenteuerlichen Weg, mit ihrem Mut ist sie ein Vorbild.
Erschreckend aktuell und universell für die moderne Gesellschaft ist das Bild der Zeitdiebe: Heute würden sie das Smartphone nutzen, um den Menschen die Zeit zu stehlen. Die Symptome der Bestohlenen; Lust- und Freudlosigkeit, graue Grundstimmung, keine Beschäftigung mit anderen, auch nicht mit Kindern, oder auch nur Dingen, die einem sonst wichtig waren.
Momo besticht durch mit wenigen Strichen gut gezeichnete Charaktere, deren Entwicklung verdeutlicht das Problem. Passend zum Thema Zeit spielt für Momo spielt in der Freundschaft Alter keine Rolle, sie mag Kinder, den alten Beppo, den verträumten Gigi...
Insgesamt gibt viele für Michael Ende so typische wunderbare Bilder und Allegorien, allen voran die Schildkröte Kassiopeia. An all-time-favourite.

Michael Ende, Momo. Thienemann, Stuttgart 2017.

"People never seemed to notice that, by saving time, they were losing something else. No one cared to admit that life was becoming ever poorer, bleaker and more monotonous. The ones who felt this most keenly were the children, because no one had time for them any more. But time is life itself, and life resides in the human heart. And the more people saved, the less they had."

Friday, August 02, 2019

Rupi Kaur - Milk and Honey

This is an amazing book.
It's breathtaking and strong.
It makes you want to LOVE yourself, not stopping at simply accepting yourself.
The poems make you want to be free from judgement by men, women and yourself, find freedom for body, soul and mind.
It's a powerful book for women, it makes you feel worthy and reflects important ideas and believes. Regardless in which situation you currently are, you can relate to what this young author has to say.

I read the e-book edition which includes simple but impressive illustrations. As this is probably a book you want to come back to again and again and again a printed edition would probably be a good choice.

Rupi Kaur, Milk and Honey. Andrewa McMeel, Kansas 2015.