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Saturday, April 11, 2026

Stephen King - Der Outsider

In Flint City, Oklahoma, wird Terry Maitland, Englischlehrer und Coach der Jugendbaseballmannschaft, verdächtigt, einen elfjährigen Jungen misshandelt und getötet zu haben. Mehrere Augenzeugen haben ihn blutbefleckt und in der Nähe des Tatorts gesehen. Detective Ralph Anderson lässt ihn in aller Öffentlichkeit festnehmen. Erst danach kann Maitland sich verteidigen, denn er hat ein stichhaltiges Alibi, dass er mit Kollegen auf einer Tagung in der Nachbarstadt war. Wie kann das sein? Maitland scheint schuldig und unschuldig zur gleichen Zeit zu sein. Hat er einen Doppelgänger mit gleicher DNA? Unmöglich? Nachdem Maitland auf schreckliche Weise vor dem Gerichtsgebäude vom Bruder des Opfers getötet wird, kommen Anderson Gewissenbisse und Zweifel. Er beginnt anders über den Fall zu denken und arbeitet mit dem Anwalt von Maitland zusammen an neuen Indizien. Weil eine Spur in einen anderen Bundesstaat führt, wird Holly Gibney beauftragt, dieser nachzugehen. Diese findet einen weiteren Mord, bei dem nach den Spuren gesicherte Täter ein Alibi vorweisen konnte. Als Filmgeek erinnern sie diese Fälle an etwas und sie äußert schließlich eine gewagte These: Der Täter, den sie den Outsider nennen, ist kein gewöhnlicher Mensch. Nachdem sie auf beeindruckende Weise die anderen Ermittler und Beteiligten überzeugt, dass sie dieser Idee nachgehen müssen, um weitere Morde zu vermeiden, kommt es schließlich zu einem Showdown mit beeindruckendem Setting.

Was in Der Outsider als Kriminalfall beginnt, nimmt schon bald die Wendung ins Übernatürliche, womit man bei Stephen King immer rechnen muss.  Holly Gibney ist mit ihren Erfahrungen mit Brady Hartsfield aus Mr Mercedes und  Mind Control vermutlich die einzige, die diese Interpretation glaubhaft vermitteln kann. Leider muss man in diesem Band lange warten, bis sie ihren Auftritt hat, und endlich Bewegung in die Sache kommt. Natürlich baut der Beginn mit den immer merkwürdiger werdenden Diskrepanzen von Zeugenaussagen und Spurenlage und den dramatischen Fehlentscheidungen der Ermittler und der Justiz Spannung auf. Das wäre aber auch mit einigen Seiten weniger auch noch plausibel möglich gewesen. Es gibt wieder einmal reichlich Charaktere, die der Autor gekonnt anlegt - wiederum: einige weniger hätten es vielleicht auch getan. Es ist ein bedrückendes und athmosphärisch dichtes Szenario in Der Outsider und das Wiedersehen mit Holly zeigt ihre Stärken als verletzliche, ambivalente Protagonistin, aber der Plot rechtfertigt meines Erachtens nicht die ausufernde Länge des Romans. 

Stephen King, Der Outsider. Random House Audio 2018. 

Tuesday, February 04, 2025

Stephen King - Carrie

Laut dem Nachwort zu dieser Ausgabe von Carrie wäre Stephen King heute nicht der berühmte Autor, wenn seine Frau nicht das kurze Manuskript aus dem Mülleimer gefischt hätte. Weil es so kurz war, reicherte er es dann noch mit einigen fiktiven Protokollen und Berichten an, durch die der Fall von Carrie White im beschaulichen Ort Chamberlain in Maine von allen Seiten beleuchtet wird. Der Roman (1974) und auch die Verfilmung von Brian de Palma (1976) haben Kultstatus.
Auch wenn man halbwegs über die Geschichte Bescheid weiß - und der Roman selbst macht in seinem Aufbau kein Geheimnis um den fatalen Ausgang - bleiben die Geschehnisse durchgehend spannend. Carries Charakter ist in seiner Abstrusität des religiösen Fanatismus und der Telekinese dennoch glaubhaft, was ihr angetan wird, türmt sich wie ein immer größer werdende Last auf ihren Schultern auf und ihr Aus- und Zusammenbruch ist eine logische Folge. Interessant sind auch die psychologischen Mechanismen, die in den "Dokumenten" über die Vorfälle bei den Beteiligten zu Tage treten: Selbstreflexion, Verleugnung, Schuld, Reue, Trauer. Trotz seiner Kürze zeigt sich schon in Carrie Stephen Kings große Stärke in der Darstellung seiner Figuren und es findet sich auch sein beliebtes Kleinstadtsetting. Ein lesenswerter Klassiker. 

Stephen King, Carrie. Bastei 2013.

Tuesday, July 23, 2024

Dennis Lehane - Shutter Island

Shutter Island von Dennis Lehane wurde 2003 veröffentlicht und der gleichnamige Film von Martin Scorses (mit Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley und anderen) war 2010 ein großer Erfolg.

Shutter Island spielt im Jahr 1954 auf einer Insel vor Boston, auf der im Ashecliffe Hospital schwer kriminelle, psychisch kranke Menschen therapiert werden. Eine der Insassen, Rachel Solando, ist verschwunden und U.S. Marshal Edward "Teddy" Daniels und sein neuer Partner, Chuck Aule, sollen helfen, sie wiederzufinden.
Doch schon bald wird klar, dass auf Shutter Island nicht alles so ist, wie es scheint, und Teddy weiß nicht mehr, wem er trauen kann und was hinter den seltsamen Verhaltensweisen der Bewohner der Insel steckt. Nachdem die Geschehnisse für ihn immer bedrohlicher werden, wird aufgedeckt, dass Teddy selbst nicht der ist, der er zu sein scheint, sondern ein weiterer Patient der Insel, an dem eine experimentelle Therapieform ausprobiert wurde.
Betrachtet man den letzten Satz, so scheint es einer dieser typischen Plottwists zu sein, die inzwischen zu fast jedem Psychothriller gehören. Doch Shutter Island spielt in einer anderen Liga, denn Lehane schafft es meisterhaft, seinen psychisch debilen Protagonisten absolut glaubhaft zu machen - man glaubt ihm seine Wahnvorstellungen, ja, man will sogar noch an seiner Version der Dinge festhalten, als schon aufgedeckt ist, dass sie nicht stimmt. Erzählerisch und vom Spannungsaufbau her sehr gut gemacht. Für mich war die Lesung durch Oliver Rohrbeck in dieser Produktion der LauscherLounge ein zusätzlicher Bonus. Jetzt bleibt mir noch, den Film anzuschauen.

Dennis Lehane, Shutter Island. LauscherLounge, Berlin 2009.

Saturday, March 30, 2024

Stephen King - Sie

1987 veröffentliche Stephen King seinen Roman Misery, der in Deutschland unter dem Titel Sie erschien. Für ihre Hauptrolle in der Verfilmung gewann Kathy Bates 1990 einen Oskar.
Der erfolgreiche Autor Paul Sheldon fährt mit seinem Auto in einen Graben und ist schwer verletzt. Annie Wilkes, "der größte Fan" seiner Romane um Misery Chastain, findet ihn mitten in einem Schneesturm und nimmt ihn mit auf ihre einsam gelegene Farm. Annie ist psychisch krank, eine Mörderin und hält Paul über Monate hinweg gefangen. Er ist aufgrund seiner Verletzungen in jeglicher Form von ihr abhängig, sie versorgt ihn mit Medikamenten und Essen. Als sie herausfindet, dass Misery Chastain im letzten Roman stirbt, zwingt sie ihn, eine Fortsetzung zu schreiben und sie wieder zum Leben zu erwecken. Paul sucht nach Fluchtmöglichkeiten, wird von Annie brutal dafür bestraft und ist sich schließlich nicht mehr sicher, ob er lieber entkommen oder sterben wird. Als er schließlich entkommt, braucht es lange, bis er die körperlichen und psychischen Folgen überwinden kann.

Stephen King schafft es in Sie in beeindruckender Weise in einem stark eingegrenzten Setting (im Grunde ein Raum und zwei Protagonisten) eine nervenaufreibende Geschichte zu erzählen. Die Stärken und Schwächen Pauls und das irrationale Verhalten Annies verändern die Machtverhältnisse kontinuierlich und man muss wie Paul stets mit dem Schlimmsten rechnen. Stephen King sprach selbst darüber, in dem Roman seine eigene Drogensucht verarbeitet zu haben, die ihn - wie Annie Wilkes Paul - nicht aus den Klauen lassen wollte. Das Schreiben fungiert als Weg zur Flucht und als Mittel zum Überleben. 

Stephen King, Sie. Heyne, München 2011.

Tuesday, November 08, 2022

Stephen und Owen King - Sleeping Beauties

Über 27 Stunden lang dauert David Nathans Lesung des umfangreichen Romans Sleeping Beauties von Stephen King und seinem Sohn Owen.

Es ist trotz des Titels (Sleeping Beauty = Dornröschen)  kein Märchen. Zwar fallen die Frauen in einen endlosen Schlaf, aber es geht hier nicht um die Rettung durch einen Prinzen, im Gegenteil.
Zusammen mit einem wundervollen Baum taucht eines Tages eine seltsame, schöne Frau namens Eve (ein Name wie mit dem gröbsten Holzhammer gezimmert... seufz...) in Dooling, einem kleinen Ort in den Apalachen, auf, die kurz drauf einige Drogendealer brutal ermordet. Von diesem Moment an wachen die Frauen nach dem Einschlafen nicht mehr auf und werden in einen seltsamen Kokon eingewebt, den sie selbst erzeugen. Wird der Kokon zerrissen, so wachen sie wie Monster auf und töten alle sie umgebenden Menschen.
Das ist an sich schon ein krasses Szenario, das viele durchaus interessante Fragen aufwirft. Durch Eves Auftreten und Handeln im Verlauf des Romans ist bald klar, dass den Frauen hier eine Option gegeben werden soll, der patriarchischen Welt voller Gewalt und Unterdrückung zu entkommen - denn langfristig kommen die Männer ohne Frauen nicht weit. Man fragt sich: Wie sieht der Gegenentwurf aus, was wird geschehen? 
Doch leider verliert sich der Roman in sich selbst. Die Kings entwerfen eine Vielzahl an Charakteren, Frauen und Männer, die vermutlich die verschiedenen Sichtweisen auf das Phänomen beleuchten sollen, doch das ganze wird nur zäh und immer zäher. Ja, Männer sind brutal und egozentrisch und rücksichtlos – ja, es gibt natürlich auch andere. Ja, es gibt auch brutale Frauen. Deswegen spielt ein Teil der Handlung ja auch im Frauengefängnis, um diese Seite zu zeigen. Vielen dieser Charakteren wird sehr viel Raum gegeben, den man sicher auf einige wenige Absätze hätte begrenzen können. Selbst als Hörbuch fand ich diese Menge an Nebenhandlungen und semi-wichtigen Personen irgendwann nur noch langweilig, um nicht zu sagen überflüssig. Dazwischen gibt es dann explizite Gewaltschilderungen, die mir auch nicht sonderlich liegen, aber mit denen man zugegebenermaßen bei Stephen King rechnen muss. Dann kommt es zum Finale – wie entscheiden sich die Frauen? (Mehr sage ich dazu jetzt nicht, auch nicht dazu, ob ich die Entscheidung nachvollziehbar finde...)
Und dann folgt noch ein drittes Buch über die Entwicklungen der einzelnen Charaktere nach dieser Entscheidung... Hier hat es mich dann endgültig gerissen und mein Interesse und Mitgefühl für einige der Protagonisten endeten in dem einen Gedanken, wann dieser Wälzer denn nun bitte endlich zuende sei. Und damit enden auch diese wenig positiven und viel zu ausführlich geratenen Gedanken über einen Roman, der sicher nicht zu denen gehört, die frau gelesen haben muss.  

Stephen und Owen King, Sleeping Beauties. Random House Audio 2017.

Monday, November 25, 2019

Stephen King - Friedhof der Kuscheltiere

Der Friedhof der Kuscheltiere (welch bizarre Falschübersetzung übrigens) war eines der Bücher, die ich gemieden habe, nachdem ich als Jugendliche von Carrie und einem Kurzgeschichtenband von Stephen King (der "Nebel" enthielt) Albträume hatte.
Jetzt fand ich eine gekürzte Hörspielfassung, an die ich mich herangetraut habe.
Ich fand die Geschichte überraschend interessant in Bezug auf die Familienbezüge und die Reflexion über den Tod. Gut umgesetzt waren in dieser Fassung die veränderten Stimmen der Toten (sogar die der Katze) und die wechselnden Perspektiven. Die Kürzungen sind natürlich radikal (das Hörspiel umfasst nur drei CDs), dennoch  war mein Eindruck von der Story positiv und ich kann im Nachhinein nun auch die Begeisterung, die das Buch damals auslöste, nachvollziehen.
Mein Lieblingsgenre wird es dennoch nicht werden.

Stephen King, Friedhof der Kuscheltiere. Hörverlag 2003.

Tuesday, September 10, 2019

Stephen King - Shining

Shining ist einer der bekanntesten Romane von Stephen King, vor allem wohl durch die Verfilmung Stanley Kubricks mit Jack Nicholson in einer der Hauptrollen. Der Film von 1980 setzt andere erzählerische Schwerpunkte als der Roman, der 1977 veröffentlicht wurde.
Jack Torrance, seine Frau Wendy und deren fünfjähriger Sohn Danny, der übersinnliche Fähigkeiten hat, verbringen den Winter in dem abgelegenen Overlook-Hotel in den Rocky Mountains in Colorado. Jack hat dort die Funktion eines Hausmeisters, nachdem er durch seinen Alkoholismus seinen Lehrerjob verloren hat. Nachdem er nun mit dem Trinken aufgehört hat, will er auch sein Schauspiel zuende schreiben, Einige alte Akten, die die abenteuerliche und gewaltreiche Vergangenheit des Hotels dokumentieren, lassen ihn außerdem daran denken, ein Buch über das Overlook zu schreiben. Danny nimmt von dieser Vergangenheit von Anfang an viele schauerliche Dinge war, er sieht Spuren von Verbrechen, ermordete Personen und andere Dinge. Auch Jack kann sich dem gruseligen Einfluss des Hotels nicht entziehen und nach und nach fällt er in die gewalttätigen Verhaltensweisen aus der Zeit seines Alkoholismus zurück, ohne dass er wieder mit dem Trinken angefangen hätte.
Immer dramatischer werden die Zwischenfälle, Jack sabotiert alle Versuche, dass Overlook zu verlassen. Im letzten Teil des Romans wird immer klarer, dass es das Hotel selbst ist, dass durch die Manipulationen Besitz ergreifen will von Danny und seinen besonderen Fähigkeiten. Es kommt zum dramatischen Showdown, den nicht alle überleben.

Die von Dietmar Wunder gelesene ungekürzte Hörbuchfassung umfasst mehr als 17 Stunden. Er setzt die Veränderungen, die mit Jack vor sich gehen, wenn das Hotel in beeinflusst, stimmlich meisterhaft um, ein großes Plus dieses Audiobooks.
Die Story selbst hat mich nicht so sehr begeistern können. Das begrenzte Setting hinsichtlich Personen und Ort ist Stärke und Schwäche zugleich. Das stete "Umsichselbstkreisen" von Jack mit teilweise weinerlichen Zügen und seine Tendenz immer anderen die Schuld zu geben, macht ihn zu einem anstrengenden Charakter. Auch Danny ist in sich nicht schlüssig. Ein Fünfjähriger, des Lesens noch nicht mächtig, aber so wissend und reflektierend, dass er intensiv auf die Befindlichkeiten seiner Eltern eingeht, Rücksicht nimmt und stets angepasst reagiert, ist an sich schon irritierend. Seine paranormalen Fähigkeiten erklären dies zwar zum Teil, aber sein Denken ist dennoch zu erwachsen um glaubhaft zu sein. Wendy bleibt dagegen recht blass, sie ist weniger durch das Hotel beeinflusst und ihr stärkster Charakterzug ist der, ihren Sohn beschützen zu wollen, aber dabei ist sie nicht sehr durchsetzungsstark. So hat man im Grunde drei schwierige Protagonisten an diesem unsympathischen Ort, die sich über weite Strecken nur mit sich selbst beschäftigen, während eine übernatürliche Macht sie zu zerstören sucht. Natürlich gab es spannende, dramatische und gruselige Szenen, dennoch konnte mich Shining nicht so sehr zu fesseln wie anzunehmen war.

Stephen King, Shining. Lübbe Audio 2012.