Thursday, July 16, 2026

Kathy Reichs - Die Spur der Angst

Kathy Reichs hat mit Die Spur der Angst den 24. Band einer vormals großartigen Reihe um die forensische Anthropologin Tempe Brennan veröffentlicht. Was war daran großartig? Die Protagonistin, die sich mit wissenschaftlicher Akribie und viel Anteilnahme den unidentifizierten Toten widmete, überzeugte durch Wortwitz, Empathie und ihrer Fähigkeit, sich gegen die vor männlichem Ego strotzenden Ermittler zu behaupten und mit ihnen gut zusammenzuarbeiten. Dazu kamen spannende Fälle, bei denen man sich dem Täter Schritt für Schritt näherte mit solider Ermittlungsarbeit. Die Nebencharaktere wurden nach und nach ausgestaltet und wuchsen den Lesenden ans Herz, inklusive Katze Birdy und dem Chowchow. 

Was Die Spur der Angst bietet, ist leider ein schwacher Abgesang darauf. Während die ursprüngliche Idee eines Täters, der zunächst Tierkadaver makaber dekoriert und dann in seinen weiteren Taten eskaliert, recht interessant ist, verschwimmt dieser Fall in einem Gemisch aus Familiengeplänkel, nutzloser Auseinandersetzung mit dem leicht abstoßenden Detective Slidell und Tempes hirnlosem und ignorantem Verhalten. Schon in einigen der letzten Bände rannte sie im Showdown kopflos in die Falle, hier geht sie nachts allein ihren Kater suchen, obwohl sie weiß, dass ein Killer und ein Stalker unterwegs sind. Die persönlichen Probleme ihrer Familienmitglieder werden von ihr ignoriert und abgetan, es bleibt wenig übrig von ihrer Empathie und Besonnenheit. Die Forensik und die Wissenschaft bekommt keinen Raum in diesem Fall, stattdessen muss man ausführlich psychologischen Gemeinplätzen und philosophischen Ideen über das wahre Böse beiwohnen. Über die Auflösung des Falls will ich besser nichts sagen - nur so viel, dass er mit dem Rest des Romans fast nichts zu tun hat. 
Es tut mir wirklich leid um diese Protagonistin und eine meiner Lieblingsreihen, aber es ist nun einmal kein gutes Buch. 

Kathy Reichs, Die Spur der Angst. Random House Audio 2026.

 

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