Ähnlich wie in Zugvögel habe ich nach dem Beenden des Romans das Gefühl, die Autorin wollte zuviel. Das Setting auf der wunderschönen, von bezaubernden Tieren wie Albatrossen und Seelöwen bevölkerten Insel ist atemberaubend. Dazu der Leuchtturm, interessant charakterisierte Kinder, die ihre eigenen Forscherwege gehen, vor dem Hintergrund einer zutiefst misshandelten Umwelt. Nun gut, der unkommunikative Dominic, der mit seiner toten Frau spricht, hat schon von Beginn an etwas hölzern Klischeehaftes. Rowan kämpft mit ihren eigenen Dämonen ihrer Kindheitstraumata und dem Verlust ihres Hauses an einen Buschbrand, auch nicht gerade wenig an Ballast. Wie diese beiden miteinander interagieren, sich annähern, wäre schon eine ausreichend interessante Geschichte gewesen. Doch die Autorin packt noch eine Kriminalgeschichte obendrauf: Was ist mit Hank auf der Insel passiert, nachdem er einen Hilferuf per Mail an Rowan abgesetzt hat? Die Auflösung dieser Frage wirft gleich noch mehrere Fragen nach psychischen Erkrankungen, Missbrauch und Gerechtigkeit auf. --- ich glaube, damit wird deutlich, was ich mit "zuviel" meine. Dabei ist die Geschichte schön, phasenweise poetisch erzählt. Man möchte diese Charaktere, besonders die Kinder, besser kennenlernen, wünscht ihnen eine Zukunft, die das durchaus geschickt kreierte Ende aber offen lässt. Mich hat Die Rettung trotz der zu großen Fülle an Themen und Blickwinkeln durchaus gefesselt und ich fand es lesenwert.
Charlotte McConaghy, Die Rettung. Bonnevoice 2025.

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