Saturday, May 23, 2026

Charlotte McConaghy - Zugvögel

In Zugvögel (im Original Migration) erzählt Charlotte McConaghy vom Leben einer Frau in einer vom Klimawandel geprägten Zukunft. 
Für die Protagonistin und Ich-Erzählerin Franny sind das Meer und die Vögel von großer Wichtigkeit. Kaum verwunderlich, dass sie sich da in einen Ornithologen verliebt und ihn spontan heiratet. In verschiedenen Zeitebenen erfahren wir von ihrer bisherigen Lebensgeschichte: Ihrer Kindheit und Familie auf verschiedenen Kontinenten, ihrer Einsamkeit und Ruhelosigkeit, von ihrer Ehe, ihrer Beziehung zu den Küstenseeschwalben und dem Geheimnis eines Verbrechens, wegen dem sie im Gefängnis war. 
In der Gegenwart will sie den letzten Küstenseeschwalben folgen und schließt sich der bunten Crew eines der letzten Fischerboote namens 
Saghani an, die sie davon überzeugt, dass dort, wo die Vögel sind, auch Fische zu finden sind. In dieser düsteren Zukunft hat inzwischen das Massentiersterben begonnen, es gibt kaum noch Wildtiere auf der Welt. Die Gründe, warum Franny sich und auch die Crew der Saghani auf die wenig Erfolg versprechende Reise begeben, werden erst nach und nach durch die Zeitsprünge enthüllt. Während diese anfangs noch Spannung erzeugen, ist das Erzähltempo im letzten Teil eher zäh, das Finale ist zwar anrührend, aber auch antiklimaktisch, das tatsächliche Ende sogar enttäuschend. Bedrückend ist die Endgültigkeit des Massenaussterbens der Tierarten und die Apathie, mit der diese hingenommen wird, und auch die hochengagierten Tierschützer dieses Romans können nichts ausrichten. Trotz der Ich-Perspektive konnte ich mich in die Protagonistin wenig einfühlen, da waren mir zuviel Trauma, Verdrängung und Irrationalität. 
Insgesamt ist Zugvögel aber dennoch ein interessanter Roman, den ich nicht bereue gehört zu haben, gekonnt umgesetzt von Eva Meckbach.

Charlotte McConaghy, Zugvögel. Argon 2020.

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