Sunday, September 10, 2017

Andreas Föhr - Eisenberg

Nach der von mir geschätzten Bayern-Krimireihe um Wallner und Kreuthner (zuletzt rezensiert der sechste Fall, Wolfsschlucht) publizierte Andreas Föhr einen Roman um eine Rechtanwältin in München namens Rachel Eisenberg. Sie übernimmt einen medienwirksamen Fall eines Obdachlosen, der eine Frau brutal ermordet und verstümmelt haben soll. Doch als sie dem Mann das erste Mal gegenübertritt, wird der Fall schlagartig persönlich, denn sie hatte vor langen Jahren einmal eine Beziehung zu ihm. Sie will ihn dennoch vertreten und glaubt an seine Unschuld, als der Mann plötzlich ein Geständnis ablegt - um es später zu widerrufen... Rachel ist sich unsicher, was sie ihm glauben kann und was nicht und beginnt eine gründliche Ermittlung in alle Richtungen.
Der Fall ist spannend, psychologisch interessant und bietet gut gezeichnete Charaktere. Allein der Schluss hatte - trotz der überraschenden Wende - Schwächen und wirkte teils unglaubwürdig und teils etwas erzwungen. Dennoch ist zu hoffen, das mit Eisenberg hier der Auftakt zu einer neuen Krimireihe des Autors gemacht wurde.

Andreas Föhr, Eisenberg. Argon Hörbuch 2016.

Saturday, September 09, 2017

Birkel/Reymann - Lauf-Guide für Frauen

Seit einiger Zeit laufe ich regelmäßig. Nicht besonders viel, nicht schnell, sondern eher lahm. Ich freue mich dabei daran, morgens draußen zu sein, Luft und Natur zu spüren. Dabei tue ich etwas Sinnvolles für meine Fitness. Mein Trainingszuwachs ist dabei nicht besonders groß, was mir meistens egal ist, manchmal ärgert es mich aber auch. Meine Lunge will nicht immer so, wie ich will, vielleicht bin ich auch nicht ehrgeizig genug.
Da bekam ich vor kurzem den Laufguide für Frauen geschenkt, der von zwei Sportwissenschaftlern geschrieben wurde und mit Das maßgeschneiderte Trainingskonzept untertitelt ist. Es beinhaltet verschiedene Grundlagenkapitel zu den Themen Motivation, Kleidung, Vorbereitung (Aufwärmen, Dehnen, Krafttraining), wieso Frauen anders laufen als Männer, Trainingspläne und Ernährung.


Grundsätzlich ist der Lauf-Guide verständlich und leicht zu lesen, gut gegliedert und mit zahlreichen Fotos und Abbildungen versehen. Das Kapitel zur Motivation nennt viele der positiven Effekte des Laufens und betont, dass Laufen Spaß macht - keine Frage! Bei der Kleidung betonen die Autoren die Wichtigkeit von passendem Schuhwerk, der Rest an Spezial- und Funktionsschnickschnack ist eher "good to have", aber nicht zwingend notwendig. Bis hierhin hat man noch das Gefühl, sehr bodenständig an das Thema herangeführt zu werden, auf den darauf folgenden 50 Seiten wird es dann schon komplexer, denn es werden Dehn- und Kräftigungsübungen im Detail (also mit Anleitungen) vorgestellt. Diesen Teil empfinde ich eher als nicht sehr hilfreich, denn es ist schlichtweg sehr unpraktisch, solche Übungen anhand eines Buches zu machen, auch wenn es sicherlich sinnvoll ist, das Laufen mit Krafttraining zu unterstützen.
Dann folgte das zwar nicht sehr lange, aber dafür entlastende Kapitel mit dem Titel "Frauen laufen anders". Es erklärt die physischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Bezug auf ihre Auswirkungen für das Laufen: weniger Muskelmasse, kleineres Herz, kleinere Lunge. Aber Frauen laufen zum Teil auch aus anderen Gründen (siehe oben) und empfinden auch nicht so sehr die Notwendigkeit, sich miteinander zu messen, was die Autoren lapidar, aber sehr treffend mit "Männer rennen - Frauen laufen" zusammenfassen. Das soll aber nicht bedeuten, dass Frauen im Laufsport weniger leistungsfähig sind.
Dann werden die verschiedenen Lauftechniken dargestellt und Tipps für einen besseren Laufstil gegeben, damit Fehler beim Laufen vermieden werden. Das Kapitel mit den Trainingsplänen ist nicht so umfangreich, wie man sich das vielleicht erhofft. Im Grunde besteht es aus fünf Plänen: Laufen für Einsteigerinnen, Übergewichtige oder Vortrainierte, außerdem je ein Plan für 10km unter einer Stunde und für einen Halbmarathon. Dabei wird jeweils vorausgesetzt, dass mindestens dreimal die Woche traininert werden kann. Kürzere oder weniger häufigere Laufvarianten sind nicht vorgesehen.
Über das letzte Kapitel Ernährung habe ich mich ein wenig geärgert, denn als Leserin und Fan von Nadja Herrmanns Fettlogik überwinden sprangen mir die Fettlogiken praktisch nur so von den Seiten entgegen. Zwar werden entscheidende Themen wie Grundumsatz und der Wichtigkeit von einer ausgewogenen Ernährung angesprochen, die Autoren nennen aber auch den (nicht existierenden) Hungerstoffwechsel und die Jo-Jo-Falle. Vielleicht aber auch nicht verwunderlich, denn schließlich werden viele der Fettlogiken als gegebene Wahrheiten wahrgenommen, wenngleich ich bei Sportwissenschaftlern auf eine wissenschaftlich basierte Kenntnis der Fakten gehofft hätte. Auch solche Anweisungen wie "mindestens drei Mahlzeiten pro Tag sollten es sein" sind gelinde gesagt Blödsinn, sofern sie völlig unreflektiert als generelle Anweisung an alle gegeben wird.
Krux an meiner Beurteilung des letzten Kapitels, bei dem mir mein Wissensstand klarmacht, dass die Aussagen der Autoren nicht immer zutreffend sind - ich zweifle auch an einigen anderen Stellen. Die Trainingspläne sind für mich persönlich vermutlich nicht gut nutzbar, da ich die nötige Zeit nicht regelmäßig aufbringen kann (oder auch nicht motiviert genug bin, mehrere Stunden pro Woche zu laufen).

Insgesamt bringt der Lauf-Guide grundlegende Erkenntnisse und bestätigt auf motivierende Weise, dass Laufen ein guter Weg zu besserer Fitness mit vielen guten Nebeneffekten ist. Er setzt aber schon einen gewissen Ehrgeiz voraus, mit dem Laufen besser und schneller werden zu wollen, eben genau das Kompetetive, das mit "Männer rennen - Frauen laufen" ausgedrückt wird. Für kleinere Verbesserungsziele, die unter dem Zehn-Kilomenter-in-unter-einer-Stunde oder dem Halbmarathon liegen, bietet das Buch nicht so viel Raum - dennoch halte ich es für hilfreiche Lektüre, um sich über verschiedene Aspekte des Laufens zu informieren.

Birkel/Reymann, Lauf-Guide für Frauen. München 2016.

Wednesday, September 06, 2017

Tree and open sky

by InBetween, 6.9.2017

Frau Freitag - Für mich ist auch die 6. Stunde

Frau Freitag liest ihr Buch Für mich ist auch die 6. Stunde in dieser Audiobook-Fassung selbst und macht einen ganz guten Job. Inhaltlich schwankt dieses Buch ein wenig zwischen einem Erlebnisbericht ihrer eigenen Ausbildungszeit und ihrem Lehrerwerden, einem Ratgeber für Lehrer in der Ausbildung und der bekannten Schüler-Anekdoten-Sammlung, die man aus anderen Büchern von ihr kennt. Das ist ganz unterhaltsam stellenweise, bringt aber auch keine besonderen Überraschungen. 

Frau Freitag, Für mich ist auch die 6. Stunde - Überleben unter Schülern. HörbuchHamburg 2016.

Tuesday, September 05, 2017

Sol Heilo Love


Sol Heilo (known from being in Katzenjammer) is a hell of an artist in so many ways. Here's more proof for this - her new song and video America, first single from her upcoming album. Filmed and edited by herself with her iphone... I'm amazed.

Sunday, September 03, 2017

Martin Suter - Allmen und die Libellen

In dem ersten Band von Martin Suters Reihe um Johann Friedrich von Allmen, kurz Allmen, wird dieser ausführlich vorgestellt. Als Sohn eines reichen Bauern hat er eine exquisite Ausbildung ohne finanzielle Sorgen erhalten und genießt alle Vorzüge davon in vollen Zügen - bis ihm das Geld ausgeht! Allmen ist verarmt, lebt nur noch in seinem eigenen Gärtnerhaus mit dem letzten seiner Angestellten (Carlos) und setzt alles daran, seinen Lebensstil weiter aufrechtzuhalten, ohne dass auffällt, dass er sich diesen eigentlich nicht mehr leisten kann. Dabei hat er schon des Öfteren zu kleinen Diebereien gegriffen, um die laufenden Kosten decken zu können. Im Haus einer Geliebten entdeckt er fünf Jugendstilvasen von großer Schönheit und Seltenheit - als er diese an sich nimmt, bringt er damit Ereignisse in Gang, mit denen er nicht gerechnet hatte, denn diese Vasen wurden bereits zuvor entwendet... 
Suter entwirft mit Allmen einen extravaganten Charakter, einen sehr andersartigen Ermittler, dem er mit Carlos ganz klassisch einen Alleskönner als Helfer und Assistenten an die Seite stellt. Allmen und die Libellen beginnt langsam und das Erzähltempo steigert sich kontinuierlich, bis sich am Ende Allmens und Carlos Schlauheit auszahlt - wenn auch nur auf begrenzte Zeit, denn Allmen kennt kein Maß und kein Witschaften, sondern gibt sich hemmungslos seinen Vergnügungen hin. Besonders deswegen ist er für mich kein sympathischer Protagonist, sondern eher ein Antiheld. Kriminell, selbstsüchtig, manipulativ. Der Fall selbst ist elegant entwickelt und schlau aufgelöst, dennoch habe ich zunächst keinen Wunsch, mehr Zeit mit Allmen zu verbringen. 

 Martin Suter, Allmen und die Libellen. Zeit-Krimi-Edition 2014.