Monday, May 19, 2014

Camilla Läckberg - Der Leuchtturmwärter

Eines Nachts kehrt Annie mit blutigen Händen und ihrem Sohn Sam nach Fjällbäcka zurück und flüchtet auf eine Schäreninsel mit einem Leuchtturm, im Volksmund die Geisterinsel genannt. Irgendwo muss es einen Toten geben... Doch zunächst gibt es keine Ermittlungstätigkeit, Patrik und Erika haben mit den Zwillingen und auch mit Erikas trauernder Schwester zu tun, worum es da genau geht, weiß zunächst nur, wer den Vorgängerband Meerjungfrau gelesen hat, der "Unfall" wird nicht näher erläutert. Erst als Mats, ein alter Freund von Annie und Mitarbeiter des Planungsteams eines neuen Wellnesshotels in Fjällbäcka, ermordet aufgefunden wird, kommt Bewegung in den Roman. Die Lösung liegt in Mats Vergangenheit und seiner alten Arbeitsstelle bei einer Organisation, die misshandelten Frauen hilft...  Parallel zum Handlungsstrang in Fjällbäcka bekommen wir die Lebensgeschichte von Emily, der Frau eines ehemaligen Leuchtturmwärters auf der Geisterinsel, und die von einer Frau, die vor ihrem brutalen Ehemann auf der Flucht ist, erzählt. Später taucht auch noch ein weiteres Ermittlerteam auf, dass den Mord an Annies Mann aufklärt. Obwohl diese Ebenen auf die ein oder andere Weise (lose) verknüpft werden, stellt man sich doch die Frage, warum die Geschichte derartig vielschichtig konstruiert werden musste. Einige der Fäden bleiben in der Luft hängen und gerade die historische Erzählung wirft nur einen gewissen Mystiktouch (Geister!) und die Parallelität der Lebensgeschichten von misshandelten Frauen damals wie heute in die Waagschale. Letzteres soll wohl die übergeordnete Gemeinsamkeit alles Ebenen sein, aber der Roman bietet kaum Lösungsansätze für das brisante Thema, da alle Frauen keine gangbaren Wege aus ihrer Misshandlung finden, sondern verrückt, tot oder als Mörderinnen oder Selbstmörderinnen enden.
Erika wirkt in Der Leuchtturmwärter wieder etwas weniger anstrengend als in Meerjungfrau, viele Nebencharaktere werden kurz erwähnt, aber nur gering, alibiartig weiterentwickelt. Den Geisteraspekt fand ich unglaubhaft und unpassend für das Krimigenre. Alles in allem wirkt der Roman eher schreiberisch unsicher, als ob Läckberg neue Dinge ausprobieren wollte und dabei eben versehentlich ein neuer Band herausgekommen wäre.

Camilla Läckberg, Der Leuchtturmwärter, HörbuchHamburg 2013. 


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