Sunday, January 25, 2026

Liz Moore - Der Gott des Waldes

Der Gott des Waldes von Liz Moore ist ein ungewöhnlicher Roman, der in den Adirondack Mountains im Norden der USA im Staat New York spielt. Handlungsort ist ein Feriencamp, das von der Bankiersfamilie Van Laar gegründet und betrieben wird. Zentrales Element des Romans sind die unterschiedlichen Zeitebenen, in denen die Geschichte zusammengesetzt wird. Im Jahr 1975 verschwindet ein Mädchen aus dem Camp - ausgerechnet Barbara Van Laar! Das ist auch deshalb so dramatisch, weil 14 Jahre zuvor, 1961, ihr Bruder Bear ebenfalls verschwand und nie gefunden wurde. Verschiedene Szenarien, wer etwas damit zu tun haben könnte, vom Schwerverbrecher bis hin zur Campbetreuerin, werden aufgezeigt. Dabei treten auch andere Geheimnisse und Vergehen zu Tage, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind. 
Das langsame Aufdecken der Schichten dieser Geschichte(n) gelingt Liz Moore durch die verschiedenen Ebenen sehr gut, zumal die unterschiedlichen, meist weiblichen Erzählpersepktiven ein breites Spektrum von Charakteren bieten. Ja, einige der Erzählerinnen bleiben ein wenig blass, hätten vielleicht mehr Entwicklung verdient, aber sie alle tragen auch zu einem gesellschaftlichen Querschnitt der Zeit bei. Die Frauen in den 60er und 70er Jahren bewegen sich im Konflikt zwischen Anpassung und Aufbegehren, zwischen männlicher Dominanz und Emanzipation. Und auch da gibt es kein Schwarz und kein Weiß, sondern Grauzonen, unterschiedliche Wege, die gegangen werden können. Betrachtet man Der Gott des Waldes weniger als Thriller, sondern eher als Drama, dann kann man sich auch mit den erzählerischen Längen und Brüchen (die Perspektivwechsel an den Wendepunkten sind manchmal etwas störend und bremsen das Erzähltempo oft erheblich) arrangieren und sogar genießen.

Liz Moore, Der Gott des Waldes. C.H. Beck 2025.

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