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Saturday, May 18, 2024

Jussi Adler Olsen - Verraten

In seinem zehnten Fall Verraten rückt Jussi Adler Olsens Kommissar Carl Moerk selbst in den Fokus. Nach seiner Verhaftung am Ende von Band neun (Natrium Chlorid) sitzt er nun in Untersuchungshaft und seinem Team wird es wirklich sehr schwer gemacht, ihm zu helfen. Ein Koffer mit Geld und Drogen, den Carl vor Jahren auf seinem Dachboden für seinen erschossenen Kollegen Anker abgestellt hat, dessen Inhalt er aber nicht kannte, ist der Grund für die Misere. Ein lange schon gut funktionierender Drogenring, gesteuert aus den Niederlanden hat auch die dänische Polizei infiltriert. Obwohl ihm augenscheinlich seine Beteiligung daran vorgeworfen wird, geht es den eigentlich Verantwortlichen nur darum, ihre eigene Haut zu retten. So werden diverse Menschen mit der Ermordung Carls beauftragt, während seine Freunde nur wenig tun können, um ihn zu schützen. Erst nachdem weitere Morde geschehen, in den Niederlanden und in Holland, können die Zusammenhänge tatsächlich aufgedeckt werden.

Im Gegensatz zu Natrium Chlorid, der meines Erachtens ein sehr guter Band der Reihe war, erschienen mir die Ermittlungen hier sehr verworren, die Perspektivwechsel zu anderen Personen und Schauplätzen kaum zielführend und oft verwirrend. Ich war dankbar als die Geschichte im letzten Fünftel Fahrt aufnahm und das Team zielstrebig das Ende in Angriff nehmen konnte. Nett waren die Rückbezüge auf den ersten Fall und Carl bleibt als Protagonist sympathisch, ebenso wie der Rest seines Sonderdezernats. Natürlich bringt Adler Olsen hier lose Enden zusammen und schafft so einen Abschluss seiner erfolgreichen und lesenswerten Reihe. 

Jussi Adler Olsen, Verraten. dtv, München 2024.

Wednesday, July 05, 2023

Jussi Adler-Olsen - Natrium Chlorid

Natrium Chlorid. Salz.

Carl Mørk und sein Team werden von ihrem Chef auf einen seltsamen alten Fall aufmerksam gemacht. Damals hatten dieser und Carl zusammen ermittelt, als eine Autowerkstatt in die Luft geflogen war. Neben den dort arbeitenden Mechanikern starb auch ein kleiner Junge - nun beging die Mutter dieses Jungen Selbstmord. Die Ursache der Explosion wurde nie richtig geklärt... und wieso lag auf dem Hof der Werkstatt ein Haufen Salz?
Innerhalb kurzer Zeit entdeckt das Dezernat Q Zusammenhänge zu anderen Fällen, bei denen sich am Tatort auch Salz befand. So kommen sie einem skrupellosen Serientäter auf die Spur, der schon seit Jahrzehnten unentdeckt mordet. Parallel zu den Ermittlungen werden nach und nach die Motive des Täters und dessen Entwicklung aufgedeckt. Bald ist klar - der nächste Mord steht kurz bevor und es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. 

Jussi Adler-Olsen führt das Team einmal mehr in einen sehr düsteren und dramatischen Fall mit religiösem, fehlgeleiteten Fanatismus und großer Brutalität. Carl, Assad, Rose und Gorden recherchieren hartnäckig und mit großem Einsatz (trotz Corona und einer laufenden Ermittlung gegen Carl). Die Charaktere sind auch im nunmehr schon neunten Band ein wirklicher Gewinn und der Autor benötigt keinen Kommissar Zufall, um den Täter zu fassen.

Jussi Adler-Olsen, Natrium Chlorid. DAV 2021.

Friday, April 24, 2020

Jussi Adler Olsen - Miese kleine Morde

Bei Miese kleine Morde handelt es sich um eine Kurzgeschichte von Jussi Adler Olsen von etwas mehr als 100 Seiten.
Der Protagonist Lars Hansen ist schwer getroffen, als seine Frau ihn verlässt, weil sie ihn für einen Langweiler hält! Das kann er nicht auf sich sitzen lassen und entscheidet sich zunächst für ein Makeover in einem Beauty-Salon. Dort tratscht er mit dem schwulen Friseur über alles Mögliche, am liebsten aber über die reichen Damen, die sich völlig unzufrieden und frustriert über ihre schwerreichen Ehemänner beklagen und diese am liebsten los wären. Lars braucht dringend Geld, denn mit dem, was ihm zur Verfügung steht, kann er sich nicht den Lebenswandel leisten, der ihm vorschwebt - die Lösung: Er wird Auftragskiller.
Dass das schiefgehen muss, ist klar, so ist es eher mildes Interesse und vielleicht sogar ein leises Fremdschämen, mit dem man dabei zuschaut, wie sein Scheitern sich vollzieht. Trotz dieses recht vorhersehbaren Plots schafft es der Autor am Ende doch noch ein wenig zu überraschen, wenngleich Miese kleine Morde keine Geschichte ist, die man unbedingt gelesen haben sollte.

Jussi Adler Olsen, Miese kleine Morde. dtv, München 2018.

Friday, February 14, 2020

Jussi Adler Olsen - Opfer 2117


Gleich vorweg: Mir geht es ähnlich wie anderen Rezensenten, die bereits anmerkten, dass dieser Band keiner der starken dieser Reihe ist.
Das Kopenhagener Dezernat Q - erschaffen, um ungelöste Fälle aufzuklären - ermittelt hier in eigener Sache; vielleicht ist das das Problem.
Assad erkennt auf einem Zeitungsfoto einer an Zyperns Strand gespülten Flüchtlingsleiche eine nahe Vertraute aus seiner Vergangenheit wieder und ist schockiert. Die Tote ist auch nicht ertrunken, sondern wurde ermordet. Aus diesem Grund setzt sich auch ein spanischer Journalist auf ihre Spur und gerät dabei in die Fänge einer muslimischen Terrorgruppe. Gleichzeitig sitzt der junger Däne Alexander vor seinem Computerspiel und will genau diese Frau, die in den Zeitungen als Opfer 2117 bezeichnet wird, symbolisch rächen und droht mit Mordattacken, sobald er in seinem Spiel Level 2117 geschafft hat.
Soviel zu den verschiedenen Handlungssträngen, die durch das Opfer 2117 verknüpft werden. Schon bei dieser kurzen Zusammenfassung klingt an, dass hier einiges weit hergeholt sind. Die gezogenen Verbindungen sind zwar nicht völlig unlogisch, wirken aber unwahrscheinlich, besonders der Handlungsstrang um Alexander. Und auch wenn Rache als starkes Motiv gilt, so handelt der Kopf der Terroristen doch wenig plausibel, wenn er sein religiös getriebenes Attentat abhängig macht von der Rache für eine extrem lange zurückliegende Tat und damit das Gelingen desselben aufs Spiel setzt. Der Fotograf wirkt naiv in seinem Denken und Handeln (daher ist es auch nicht verwunderlich, dass er so erfolglos ist), er ist nur so lange relevant, so lange er dem Leser und den Ermittelnden einige Hintergrundinformationen liefern kann, danach wird er wie lästiges Beiwerk mitgeführt - erzählerisch und - ebenfalls unwahrscheinlich - physisch durch den Anführer der Attentäter, der ihn die Geschehnisse dokumentieren lassen will und dafür einigen Aufwand betreiben muss.
Nichtsdestotrotz zieht einen die Geschichte durch rasches, actiongeladenes Erzählen in ihren Bann, besonders die Szenen in Berlin sind plastisch und dramatisch. Die Auflösung der Situation im heimischen Kopenhagen, obwohl durch einige (hier eher absurde) Action angereichert, wirkt dagegen eher belanglos, fast banal. Mein Mitgefühl hielt sich jedenfalls in Grenzen.
Wären mir die Charaktere des Dezernats Q nicht so sehr ans Herz gewachsen, ebenso wie der Autor, so würde meine Bewertung dieses Bandes wohl noch harscher ausfallen. So habe ich mich zumindest über die zwischenmenschlichen Töne und die privaten Entwicklungen der Protagonisten gefreut. Die Lesung von Wolfram Koch hat mir ebenfalls gut gefallen.

Jussi Adler Olsen, Opfer 2117.  DAV 2019.

Saturday, July 11, 2015

Jussi Adler Olsen - Das Versteck

In Lünen werden zwei ermordete, über 80 Jahre alte Menschen aus einem Fenster geworden, keine Spur von einem Motiv oder dem Täter. Entsprechend ermittelt der Kommissar nicht, aber man bekommt in der Rückblende die Geschichte des Mörders erzählt. Dieser kommt nach einem Granatenschock im zweiten Weltkrieg desertierend nach Hause und ist dort aber unerwünscht, weil seine Frau inzwischen seinen Cousin lieber mag. Sie versteckt den Desertierten auf dem Dachboden. Als der Krieg vorbei is, belügt seine Frau ihn weiter, lebt statt dessen mit seinem Cousin und lässt ihn sein ganzes Leben auf dem Dachboden versauern. Als er bei sich selbst einen Herzinfarkt vermutet, springt er durch die Dachluke und entdeckt den Betrug und ermordet die beiden. Bizarre Idee, mäßige Umsetzung und extrem kurz.

Jussi Adler Olsen, Das Versteck. Der Spalt von Lünen. Kurzkrimi. dtv, München 2015.

Tuesday, October 25, 2011

Jussi Adler Olsen: Erlösung

Nach Erbarmen und Schändung ist mit Erlösung nun endlich der dritte Band der Jussi Adler Olsen Reihe um Kommissar Carl Mørck erschienen.
Wie auch bei den Vorgängern ist der Plot ein besonders grausamer: Ein Psychopat entführt in Serie jeweils zwei Kinder und hält sie in einem Bootshaus gefangen. Da ihn die Kinder und auch ihre Eltern als Täter kennen (wenngleich auch nie seinen wahren Namen, denn er ist ein nahezu genialer Verwandlungskünstler) , tötet er nach der erfolgreichen Geldübergabe dennoch eines der beiden Kinder und setzt die Familien dem lebenslangen Druck aus, er könne jederzeit wieder zuschlagen.
Carl Mørcks (Familien-) Beziehungen sind immer noch chaotisch und ungeklärt, ihn belasten auch immer noch die Vorkommnisse, bei denen sein Kollege Hardy gelähmt worden ist. Hardy wohnt inzwischen bei Carl und diese Situation trägt nicht zu dessen Entspannung und Erleichterung bei.
Gleichzeitig erscheinen seine beiden Mitarbeiter im Dezernat Q für ungelöste Fälle auch immer rätselhafter: Wer ist Assad wirklich und Rose wird zu ihrem Alter Ego Yrsa – eine erfundene Zwillingsschwester, die es gar nicht gibt. Lose Enden, die auch in Erlösung nicht zusammengefügt werden.
Die Fäden des Falles hingegen werden mit Hilfe aller jedoch meisterlich zusammengeknüpft, die Ermittlungsschritte sind schlüssig, die Gegebenheiten, die den Beteiligten zu Hilfe kommen, nicht zu sehr vom Zufall bestimmt. Hier wird logisch gedacht, gründlich recherchiert und kombiniert, eine Oase in einer Krimilandschaft, die zu oft von Deus Ex Machina Auflösungen bestimmt wird. Dazu kommen die passenden Prisen Action und humorvolle (Selbst-) Ironie der Protagonisten, so dass sich Erlösung zu einem spannenden ganzen zusammenfügt. Zu den Stärken Jussi Adler Olsens zählt die Gestaltung eines Showdowns auf den letzten Seiten, bei dem man trotz Wissen um Täter und Auflösung mitfiebern und das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann.
Gelungener dritter Fall, weiter bitte!

Jussi Adler Olsen, Erlösung. dtv, München 2011.

Wednesday, December 29, 2010

Jussi Adler Olsen: Schändung


Nach Erbarmen ist Schändung der zweite Fall für Adler Olsens Kommissar Carl Mørck. Letzterer ist in seinem Job angekommen und bekommt mit Sekretärin Rose eine weitere Mitarbeiterin hinzu. Auch sie ist jemand, die sich anderswo nicht so richtig einfügen will - und passt damit ausgezeichnet zu Carl und Assad, auch wenn Carl das natürlich zunächst nicht zugeben kann.

Der Fall ist brutaler gelagert als der erste: Eine Gruppe von dänischen High Society Unternehmern ist seit ihrer Jugend im Internatsmilieu gewalttätig, prügelt, quält und tötet. Und kommt weitgehend ungestraft damit durch. Zentrale Figur ist Kimmie, die einzige Frau der Gruppe, die zugleich das schwächste und das brutalste Element ist. Kimmie ist der Gruppe vor einiger Zeit entflohen und führt ein Schattendasein am Rande der Gesellschaft, sie versteckt sich als Obdachlose in Kopenhagen. Mit ihrem Wissen ist sie für die Gruppe gefährlich, gleichzeitig ist sie selbst in Gefahr, denn die übrigen wollen sie endlich ausgeschaltet sehen.
Die Recherchen Carl Mørcks verlaufen eher träge, zwar findet er einige der Opfer, aber dass er schließlich das Ausmaß des Falles begreift, ist nicht sein eigener Verdienst.
Vielmehr ist Kimmie die Protagonistin und Erzählerin des Falles, denn aus ihrer Sicht wird das Geschehen schließlich aufgerollt und zum Ende gebracht, während Assad und Carl im Grunde angesichts der extremen Gewaltbereitschaft der Täter versagen.
Genau dies ist auch mein Kritikpunkt an dem sonst spannenden Roman: Zunächst erblicken wir Kimmie als mysteriöses Wesen, dessen Verhaltensweisen und Beweggründe unklar sind - im letzten Drittel erfahren wir plötzlich alles offen und konkret aus ihrer Sicht und die Ermittler werden im Grunde überflüssig, denn wir wissen schon, was Sache ist. Es folgt noch die Verkehrung des Racheengels in die Person, die unsere Ermittler vor dem sicheren Tod rettet und an sich selbst Gerechtigkeit übt.
Unklar bin ich mir auch noch darüber, ob es glaubhaft ist, dass diese Gewalterfahrung und seine Angst, erneut einen Partner zu verlieren, bei Carl Mørck eine Veränderung seines Verhaltens bewirkt: Er entschließt sich nun doch, seine Probleme offen der Psychologin zu schildern, sich helfen zu lassen und sich gleichzeitig zum Gutmensch zu wandeln. Etwas viel auf einmal, wie ich finde.
Der nächste Band wird zeigen, ob das aufgehen kann.

Jussi Adler Olsen, Schändung. dtv, München 2010.

Sunday, December 19, 2010

Jussi Adler Olsen: Erbarmen


Während sich Stieg Larsson noch mit allen drei Bänden auf den Bestseller-Listen tummelt, taucht da bereits der nächste nordische Stern am Krimihimmel auf: Jussi Adler Olsen ("Danmarks krimikonge"). In Dänemark erschien der erste Band bereits 2007, in Deutschland erst 2009.
Kommissar Carl Mørck hat gerade traumatische Erlebnisse bei einem Mordfall hinter sich: Einer seiner Kollegen starb und ein anderer liegt seitdem gelähmt in der Klinik und will eigentlich sterben. Als Querdenker war Mørck schon vorher nicht beliebt, er ist nun noch schwieriger und wird daher nun als Leiter des Sonderdezernats Q eingesetzt, um den anderen aus dem Weg zu sein. Er bekommt ein Büro im Keller, einen Assistenten namens Assad an die Seite und stapelweise ungelöste Fälle auf den Tisch. Der Zufall wählt den Fall Merete Lynggaard aus, einer Politikerin, die fünf Jahre zuvor verschwand. Sie wurde aber nicht umgebracht, sondern wird auf dramatische Weise gefangen gehalten, was Mørck natürlich nicht wissen kann.
Parallel werden Mørcks und Assads Ermittlungen und im Zeitraffer die Erlebnisse und Leiden Meretes erzählt.
Mørck ist ein typischer skandinavischer Kommissar: Sein Name bedeutet auf deutsch "dunkel" und mit seinem Trauma und dem verkorksten Privatleben ist er keine positive Figur. Er hält sich nicht gern an Regeln, ist aber den anderen Ermittlern im Denken überlegen und gibt neben der Recherche an Meretes Fall auch gleichzeitig noch die elementaren Tipps für die Lösung eines anderen Fall - so nebenbei. Er zeigt aber Menschlichkeit, zum Beispiel im Umgang mit seinem verzweifelten, gelähmten Kollegen oder mit dem etwas rätselhaften Assad, der eigentlich gar kein Ermittler ist, aber dennoch zu Mørcks Partner wird.
Erbarmen ist durch die zwei Erzählperspektiven spannend, hat interessante Protagonisten und ist im Plot ein echter Psychothriller. Ich bin gespannt auf die folgenden Bände: Schändung liegt schon bereit und der dritte soll Erlösung heißen, ein Erscheinungsdatum ist aber noch nicht bekannt.

Jussi Adler Olsen, Erbarmen. dtv, München 2009.
Interview mit Jussi Adler Olsen bei krimi.couch.de