Tuesday, February 07, 2012

Bastian Bielendorfer: Lehrerkind

Vielleicht irgendwie logisch, dass ich dieses Buch geschenkt bekam. 
Bastian Bielendorfer, geboren 1984 in Gelsenkirchen, schreibt mit Mitte 20 seine Autobiographie über seine schwere Kindheit als Lehrerkind.
Zugegeben, Lehrerkind zu sein, ist vielleicht nicht immer leicht, Lehrer sind schon eine besondere und manchmal sehr anstrengende Sorte Leute. Bielendorfer beschreibt mit ironischem Ton seine eigenen Unzulänglichkeiten (davon sind scheinbar reichlich vorhanden) und vor allem die seiner Erziehungsberechtigten. Die der Letzteren grenzen an seelische Grausamkeiten, wenn sie sich denn in der Form zugetragen haben, wie "Basti" sie beschreibt. Einiges ist  überzogen dargestellt (okay, schriftstellerische Freiheit), aber wirkt dadurch nur noch unglaubwürdig. Ein Vater, der seinen Sohn in Unterwäsche zur Schule schickt für einen Aprilscherz? Scrabble hat BB jedenfalls nie ersthaft gespielt, oder aber er hat die Regeln absichtlich falsch dargestellt?! 
Der Tonfall des Buches ist extrem umgangssprachlich (einige Rezensenten zählten sogar die banalen Vergleiche und Fäkalausdrücke und kamen auf extrem hohe Werte...) und oberflächlich. Gedanken und Geschichten werden angerissen, aber nicht zuende gebracht. Beweggründe für seine Entscheidung, allen schlimmen Lehrererfahrungen zum Trotz selbst Lehramt zu studieren, liefert Bastian Bielendorfer nicht. Und wer je nur ein bisschen Lehrerausbildung von innen gesehen hat (unabhängig davon, wie schlecht sie meistens ist), der weiß, dass die von ihm geschilderte fehlgeschlagene erste Unterrichtsstunde ein Totalausfall ist und seine eigene Unfähigkeit darstellt. Was Lehrersein tatsächlich bedeutet, begreift er nicht einmal ansatzweise, sondern bedient nur absolute Vorurteile, vor allem in den eingeschobenen Lehrerklassifizierungen.
Dieses Buch war weder witzig, noch brachte es Erkenntnisse darüber, was es bedeutet, Lehrerkind zu sein. Vielmehr hegt man den Verdacht, BB wolle mit seinen Eltern abrechnen, bzw. wusste nach dem Studiumsabbruch einfach nichts Besseres mit sich anzufangen, als ein Buch über sein Versagen zu schreiben.
Zeitverschwendung - bitte nicht lesen oder verschenken!

Bastian Bielendorfer, Lehrerkind. Lebenslänglich Pausenhof. Piper, München 2011.
Bastian Bielendorfer beantwortet fünf Fragen vom Piper Verlag


PS.: Ich mag diesem Post nicht einmal den Tag "Literarisches" geben...

3 comments:

Herr Rau said...

Danek für die Warnung. Klang eh nicht so, als hätte ich in Versuchung kommen können, aber man weiß ja nie.

Anonymous said...

Ich finde das buch gelungen da es ja nicht immer ein hohen anspruch haben muss sondern auch mal oberflächlich sein darf. An alle die jetzt unentschlossen sind. Geht in die nächste buchhandlung und blättert ein bisschen dadrinnen rum ;-)
Mfg alex

_InBetween_ said...

Lieber anonymer Kommentator,
natürlich muss nicht jedes Buch hohen Ansprüchen gerecht werden. Schlecht geschrieben und inhaltlich flach muss aber selbst ein Unterhaltungsbuch nicht sein. Auch finde ich, dass Kommentare (auch im Internet) gewissen Rechtschreib-, Satzbau- und Ausdrucksregeln entsprechen dürfen. "Dadrinnen"? Oje!