Das langsame Aufdecken der Schichten dieser Geschichte(n) gelingt Liz Moore durch die verschiedenen Ebenen sehr gut, zumal die unterschiedlichen, meist weiblichen Erzählpersepktiven ein breites Spektrum von Charakteren bieten. Ja, einige der Erzählerinnen bleiben ein wenig blass, hätten vielleicht mehr Entwicklung verdient, aber sie alle tragen auch zu einem gesellschaftlichen Querschnitt der Zeit bei. Die Frauen in den 60er und 70er Jahren bewegen sich im Konflikt zwischen Anpassung und Aufbegehren, zwischen männlicher Dominanz und Emanzipation. Und auch da gibt es kein Schwarz und kein Weiß, sondern Grauzonen, unterschiedliche Wege, die gegangen werden können. Betrachtet man Der Gott des Waldes weniger als Thriller, sondern eher als Drama, dann kann man sich auch mit den erzählerischen Längen und Brüchen (die Perspektivwechsel an den Wendepunkten sind manchmal etwas störend und bremsen das Erzähltempo oft erheblich) arrangieren und sogar genießen.
Liz Moore, Der Gott des Waldes. C.H. Beck 2025.







