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Saturday, January 31, 2026

Haruichi Furudate - Haikyu!

Popsugar Reading Challenge made me read this... 
Prompt 41 called for "A book in a different format than your usual: physical, audio, eBook"

I read all the above regularly but I figured I almost never read mangas and it is a different format - in the sense of the actual reading process. That was not really a problem, it took a few pages to get used to the right to left eye movement.   
I can't say that I enjoyed Haruichi Furudates Haikyu! very much but it was okay. I guess volleyball is quite an exotic topic and as I am not very interested in the sport. The relationship between the two main characters was well-constructed but classic: from rivals to team players, adding each other's strengths to build something better and bigger. And that is as deep as the story went. The drawing are skillful, detailed and the sports movements are well done. It definitely was different from my "usual" but I don't want to extend my visit to the manga world at the moment. 

Haruichi Furudate, Haikyu! Kaze 2022.


 

Sunday, October 19, 2025

Arthur Golden - Die Geisha

1997 veröffentliche Arthur Golden Die Geisha und der Roman wurde zu einem internationalen Erfolg. Vorausgegangen war eine ein Jahrzehnt umfassende Recherche über die Lebensrealität und die Kultur der japanischen Geishas. Der Roman beschreibt den Lebensweg von Chiyo (später als Geisha Sayuri) beginnend im Jahr 1929, als sie und ihre Schwester von ihrem Vater weggegeben werden. Die Schwester wird zur Prostitution gezwungen, während Chiyo in einer Okiya (dem Wohnhaus einer Gruppe von Geishas und deren Dienerschaft) aufwächst und zur Geisha ausgebildet werden soll. Dies geschieht natürlich nicht ohne Hindernisse, denn die erste Geisha ihrer Okiya schikaniert Chiyo, weil sie in ihr wegen ihres besonderen Aussehens besondere Konkurrenz sieht.
Die Geschehnisse umfassen mehrere Jahrzehnte inklusive der Zeit des zweiten Weltkriegs, in dem die Geisha-Kultur in Kyoto zum Erliegen kommt und es dadurch einen Bruch in der Geschichte gibt. Zwar wird das typische Geisha-Viertel Gion wieder aufgebaut, aber durch die Besatzung durch die amerikanischen Soldaten hat sich Vieles verändert. Erzählt wird alles durch Chiyos begrenzte Sichtweise, zunächst kindlich-naiv, später sehr fokussiert auf ihr persönliches Erleben. Denn sie strebt trotz des auf viele Männerkontakte ausgelegten Geisha-Daseins ihr persönliches Glück mit einem bestimmten Mann an, den sie aber erst nach vielen Jahren und Missverständnissen für sich gewinnen kann. In allen Beschreibungen klingt große Achtung für die Geisha-Kultur durch, der ein großes Maß an Selbsteinschränkung und Aufopferung und immenser Aufwand, bei Ausbildung, kulturellen Bewusstsein und Selbstdisziplin zugrunde liegt. 
Über diese Kultur wusste ich vor dem Lesen des Romans so gut wie nichts, was es zu einer insgesamt interessanten Lektüre machte. Ich habe Hochachtung für diese Lebensweise und die damit verbundene Disziplin, gleichzeitig verstört mich diese kulturell verankerte massive Objektifikation von Frauen zutiefst. Aus heutiger Sicht ist es eine schick verkleidete, mit interlektuellem Anstrich versehene Prostitution. Die Protagonistin hat kaum Möglichkeiten, aus diesen Zwängen auszubrechen, ihre persönlichen Wünsche kann sie nicht klar äußern aufgrund finanzieller Zwänge und greift zu verzweifelten Mitteln, um ihren Wunschpartner auf sich aufmerksam zu machen, der sie wiederum nicht zur Frau, sondern nur zu Geliebten machen kann. Schwer auszuhalten sind auch die gewaltbelasteten Beziehungen der Geishas untereinander, da hier Freundschaft und weibliche Verbundenheit kaum entsteht durch die andauernde Konkurrenz und die große Belastungen ihres Standes. 
Insgesamt ist Die Geisha ein interessanter Roman, der es schafft, tiefe kulturelle Einblicke zu ermöglichen, auch wenn diese eher bedrückend sind.

Arthur Golden, Die GeishaC. Bertelsmann 2006.

Saturday, February 15, 2025

Michiko Aoyama - Frau Komachi empfiehlt ein Buch

"Wonach suchen Sie?" ist die Frage, die die Bibliothekarin Sayuri Komachi den Besuchern ihrer kleinen Gemeindebibliothek stellt. Unabhängig von der Antwort findet Frau Komachi nicht nur das oberflächlich Gesuchte, sondern auch noch ein Buch, dass einen entscheidenden Denkanstoß mit sich bringt. Denn Frau Komachis Besucher befinden sich oft in einer Lebenskrise und wissen nicht, welchen Weg sie einschlagen sollen. Fünf Personen begleiten wir auf ihrem Weg aus der Ratlosigkeit hin zu einer neuen Betrachtungsweise ihrer Realität und Möglichkeiten. Dabei sagt Frau Komachi ihnen nie, was sie tun sollen, gibt keine Empfehlungen, sie sucht nur nach dem passenden Buch. Alle fünf Geschichten könnten auch für sich stehen, aber kleine Querverweise und Parallelen knüpfen Verbindungen und belegen zusätzlich den meiner Meinung nach wichtigsten Aspekt: Verändere deine Sichtweise auf das Problem und es eröffnen sich selbst in scheinbar ausweglosen Situationen neue Optionen.
Mir gefallen diese Verbindungen, aber auch die Charaktere sind gut skizziert und verschieden genug, um jeder für sich interessant zu sein. Lediglich die Bibliothekarin selbst bleibt ein wenig blass und rätselhaft, was aber zu ihrer Funktion passt. Natürlich ist in diesem Buch wenig Dramatisches zu finden, es ist wohltuend, wie den Personen positive Dinge geschehen, wenn sie sich entscheiden, der Welt anders zu begegnen. Scheinbar gibt es für derlei Bücher inzwischen die Genre-Bezeichnung "Healing Fiction" - das passt. 

Michiko Aoyama, Frau Komachi empfiehlt ein Buch. Kindler 2023.

Saturday, September 16, 2023

Julie Otsuka - Wovon wir träumten

Selten trifft man auf Bücher, die so anders sind, wie Julie Otsukas Wovon wir träumten. Das beginnt damit, dass es in der Wir-Perspektive geschrieben ist. Das Wir, das sind japanische Frauen, die zu Beginn des 20. Jahrhundert in die USA auswanderten, um dort von emigrierten Landsleuten geheiratet zu werden, ohne dass sie sich vorher begegnet wären.
Es gibt keinen Plot, sondern eine Aneinanderreihung von Erlebnissen und Schicksalen. Otsuka betont mit immer gleichen Satzanfängen die Summe der Erfahrungen der japanischen Frauen, die zugleich austauschbar und bedrückendes Einzelschicksal sein können. Ja, es gibt auch Erfolgsgeschichten in der großen Gruppe der erzwungenen, erkauften japanischen Ehen, aber oftmals springt einen das Leid geradezu an. Kaum hat man es erfasst, geht es aber schon weiter zur nächsten unglücklichen Frau. Dabei bewegt sich der Roman (wenn man es so nennen will) langsam chronologisch vorwärts, thematisiert sexuelle Gewalt, aufreibende Feldarbeit, das Leben als Dienst- und Kindermädchen, den sehr, sehr langsamen gesellschaftlichen Aufstieg, die eigenen Kinder, die sich schneller an den American Way of Life gewöhnen als die Eltern, die allgegenwärtige mangelnde Integration. Die Geschichte kippt 1941 nach dem Angriff Japans auf Pearl Harbour, dessen Folge die Umsiedlung und Internierung japanisch-stämmiger Amerikaner war, obwohl ein Großteil von ihnen die US-amerikanischer Staatsbürgerschaft hatte.
In einem letzten Kapitel trägt die Autorin dem Rechnung, indem die Erzählung nun in die Hände der Zurückgebliebenen gelegt wird, die mit dem Verschwinden der japanisch-stämmigen Nachbarn zurechtkommen müssen. Neben Plünderungen und dem Ausverkauf ihrer Habseligkeiten werden erst die entstandenen Lücken in der Kommune, dann aber auch das Vergessen beschrieben. 

Wovon wir träumten ist eine ausgesprochen intensive Leseerfahrung durch die vielen angerissenen Schicksale und die vielen Perspektiven auf diese spezielle Gruppe von Menschen. Migration lässt sich nicht pauschalisieren, auch wenn wir das gern tun.

Julie Otsuka, Wovon wir träumten. Steinbach sprechende Bücher 2012.

Saturday, September 25, 2021

Kan Takahama - Zwei Espresso

Kan Takahama ist eine japanische Zeichnerin, Illustratorin und Autorin. Seit 2003 werden ihre Bücher auch international veröffentlicht. 

Die Story von Zwei Espresso ist schnell zusammengefasst: Der französische Comiczeichner Benjamin reist ins japanische Hinterland, um nach einer Japanerin zu suchen, mit der er vor Jahren eine Nacht in Paris verbracht hat. Sie hat ihm damals zu seinem ersten beruflichen Erfolg verholfen, aber nur vage Hinweise auf ihre Identität hinterlassen. Er findet sie daher erst einmal nicht, sondern hilft einem Japaner, der dort im Nirgendwo ein Cafe betreibt, endlich Kaffeekochen zu lernen. Im Gegenzug hilft er ihm bei der Suche...
Der Zeichenstil ist eher europäisch als typisch japanisch, weswegen die Autorin auch bekannt geworden ist. Die schwarz-weißen Bilder sind ansprechend gestaltet (nur die Geräusche sind etwas übertrieben dargestellt, so dass man sie versucht zu übersehen/-lesen). Die Story ist unterhaltsam, aber birgt wenige Überraschungen. Andere Bände der Autorin (wie Der Liebhaber oder Stille Wasser) scheinen - glaubt man den Rezensionen - beeindruckender zu sein.  

Kan Takahama, Zwei Espresso. Carlsen, Hamburg 2016.



Sunday, August 01, 2021

Banana Yoshimoto - Kitchen

Kitchen von Banana Yoshimoto erschien in Japan erstmals 1988, wurde 1993 ins Englische übersetzt und erzielte danach auch internationalen Erfolg. 

Die Protagonistin Mikage Sakurai hat nacheinander alle ihre Familienmitglieder verloren, zuletzt ihre Großmutter. Sie trauert sehr, ist verzweifelt und fühlt sich nur in der Küche mit dem brummenden Kühlschrank nicht ganz so verloren. Überraschend wird sie von Yuichi Tanabe und Eriko Tanabe eingeladen, zu ihnen zu ziehen. Yuichi ist der Sohn von Eriko, die eigentlich ihr Vater war, aber nun als Transgender-Frau einen Nachclub leitet. Die ungewöhnliche Wohngemeinschaft stabilisiert Mikage, so dass diese einen Traumjob als Assistenten einer angesagten Köchin/Kochlehrerin erhält und schließlich in ihre eigene Wohnung zieht.
Im nächsten Teil des kurzen Romans leidet Yuichi schwer unter dem gewaltsamen Tod von Eriko, die in ihrem Club ermordet wurde. Nun ist es an Mikage, ihm in seiner Trauer zu helfen. Dabei ist sie sich unsicher, ob sie eher geschwisterliche und freundschaftliche Gefühle für ihn hat oder ob es vielleicht doch mehr ist. Erst als sie durch eine dienstliche Reise von ihm getrennt wird, realisiert sie, dass sie ihn nicht aus ihrem Leben verlieren möchte. Dies geschieht, nachdem sie ein köstliches Katsudon gegessen hat, ein bedeutungsvolles Gericht in Japan. Es besteht hauptsächlich aus frittiertem Schweinekotelett (=tonkatsu), während katsu auch "gewinnen, siegreich sein" bedeutet, weswegen es von Studenten vor  Prüfungen gegessen wird. Mikage isst Katsudon und realisiert, dass sie es mit Yuichi teilen möchte und fährt tatsächlich mit dem Taxi zu ihm, um ihm eine Portion zu bringen. Schon zuvor hat die Küche bzw. Essen eine wichtige Rolle in der Beziehung der beiden gespielt, diese Szene bildet den krönenden Abschluss, deren volle Bedeutung sich aber wohl internationalen Lesern nicht immer erschließen wird. 

Ich fand die Wechselwirkung von Essen und emotionaler Ebene interessant, besonders da Mikage sich ihrer Gefühle gegenüber Yuichi selbst so lange nicht klar ist, sie sich aber kochend um ihn bemüht. Das Gefühl der Trauer um die geliebten Menschen ist etwas präsenter, drückt sich aber eher in einem generellen Leiden an der Welt und nur manchmal in konkreten Erinnerungen an die Verstorbenen aus.

From the bottom of my heart, I wanted to give up; I wanted to give up on living. There was no denying that tomorrow would come, and the day after tomorrow, and so next week, too. I never thought it would be this hard, but I would go on living in the midst of a gloomy depression, and that made me feel sick to the depths of my soul. In spite of the tempest raging within me, I walked the night path calmly.

Auch wenn der Plot nicht allzu viel Handlung aufweisen kann, einige Nebenszenen auch etwas aufgesetzt wirken (die eifersüchtigen Mitstudentinnen von Yuichi beispielsweise), so fand ich Kitchen nicht zuletzt wegen einiger poetisch-philosophischer Gedanken Mikages interessant, wenngleich ich immer wieder merke, wie fremd mir japanische Lebenskultur (leider) doch ist. 

Banana Yoshimoto, Kitchen. Randomhouse 2006.

Saturday, May 05, 2018

Michael Crichton - Nippon Connection

Ursprünglich 1992 veröffentlicht (und erfolgreich verfilmt unter Die Wiege der Sonne u.a. mit Sean Connery, Wesley Snipes und Harvey Keitel) ist Nippon Connection von Michael Crichton ein Thriller seiner Zeit. Die US-Amerikaner befürchten die Übernahme ihrer Wirtschaft (und Wissenschaft) durch die Japaner.

Während der Eröffnungsfeier eines neuen japanischen Hoch- und Geschäftshauses in L.A. wird eine junge Frau im Konferenzraum ermordet. Die Ermittlungen können zunächst nicht beginnen, weil die japanischen Gastgeber den Verbindungsbeamten für japanische Angelegenheiten der Polizei anfordern. Neben Lt. Webster Smith wird auch noch Capt. John Connor hinzugezogen, der eine Zeit in Japan lebte und fließend japanisch spricht. Zwar ist das ganze Gebäude videoüberwacht, doch mit den Aufnahmen stimmt ganz offensichtlich etwas nicht. Mehrmals stoßen die Ermittler auf Manipulationen und falsche Fährten, denn mit den japanischen Geschäftsleuten und hochrangigen amerikanischen Politikern haben sie gleich zwei starke Gegner...

Nippon Connection hat viele spannende Momente und die Story ist grundsätzlich gut erzählt (wunderbar gelesen von Oliver Rohrbeck, wie immer!). Der Fokus liegt in vielen Momenten darauf, dass die bösen Japaner den USA durch ihre zunächst schleichende, dann offensive wirtschaftliche Machtübernahme schaden. Dabei übernimmt Connor die Rolle, den relativ unbedarften Smith aufzuklären und ihm als Lehrer die Zusammenhänge und Gefahren darzulegen. Natürlich ist er ihm auch ermittlungstechnisch immer zwei Schritte voraus, teilt ihm diese Erkenntnisse jedoch nicht mit, erst wenn es unumgänglich wird bzw. Smith halbwegs selbst darauf gekommen ist. Smith' Rolle ist dann, die Gefahren emotional zu reflektieren und so endet der Thriller nach der Aufklärung auf einer sehr nachdenklichen Note ob der andauernden Bedrohung durch die Japaner.
Diese Befürchtungen kann man in den heutigen Zeiten der extremen Globalisierung nicht mehr ganz so sehr nachvollziehen, die Bedrohungen kommen nun eher von anderen Seiten, so scheint es.

Michael Crichton, Nippon Connection. Random House Audio 2012.

Tuesday, June 06, 2017

Jirō Taniguchi - Vertraute Fremde

Nach den Kurzgeschichtenbänden Die Sicht der Dinge und Von der Natur des Menschen ist Vertraute Fremde der erste Roman des Japaners Jirō Taniguchi.

Der Architekt Hiroshi Nakahara kommt aus Versehen nach langen Jahren wieder in seine Geburtsstadt - und fällt durch die Zeit zurück in die 60er Jahre, als er noch ein Teenager war. Mit dem Wissen des 48jährigen durchlebt er erneut diese Zeit, sieht seine Mitschüler, seine Familie und auch sich selbst mit anderen Augen. Besonders erinnert er sich an das Ende jenes Sommers, als nämlich sein Vater spurlos verschwand und die Familie zurückließ. 

Während die Graphic Novel die Zeitparadoxa weitgehend außer Acht lässt (wie auch immer Hiroshi handelt, es treten wichtige Ereignisse dennoch ein), ist die Reflexion des Erwachsenen über die Welt des Jugendlichen, die er noch einmal erleben darf/muss, interessant. Er wertet anders, er hinterfragt und gelangt schließlich auch zu der Erkenntnis, dass er sein eigenes Leben nun auch anders wahrnimmt - und erst in diesem Augenblick kann er zurückkehren.
Die Bilder Taniguchis bestechen einmal mehr durch Klarheit und große Emotionalität und erzählen mindestens die Hälfte der Geschichte - wenn nicht mehr.

Jirō Taniguchi, Vertraute Fremde. Carlsen, Hamburg 2007.

Monday, March 27, 2017

Jirō Taniguchi - Die Sicht der Dinge

Nachdem ich die Kurzgeschichtensammlung Von der Natur des Menschen von Utsumi/Taniguchi gelesen hatte, war ich neugierig auf die anderen Werke des Künstlers Jirō Taniguchi.
In Die Sicht der Dinge geht es um Yoichi, der nach dem Tod des Vaters erstmals wieder in seinen Heimatort Tottori zurückkehrt. Dort wird er warmherzig von seiner Familie empfangen, obwohl er diese seit 15 Jahren nicht mehr besucht hat. Bei der Totenwache erzählen ihm seine Verwandten von ihren Erinnerungen an den Vater - und zeichnen dabei ein ganz anderes Bild von den Ereignissen seiner Kindheit und Jugend, als jenes, an dass sich Yoichi zu erinnern glaubt. Nur zögernd kann er sich eingestehen, dass er seine Ansichten revidieren muss.
Obwohl klar wird, dass Yoichi seinem Vater gegenüber ungerecht war und viele Dinge andere (Hinter-) Gründe hatten, als er angenommen hatte, ist der Grundton des Romans nicht vorwurfsvoll. Yoichi trauert darum, nun keine Gelegenheit mehr zu haben, mit dem Vater zu sprechen und sein Verhältnis zu ihm zu verändern. Er erkennt an, dass die Ähnlichkeiten zwischen seinem Vater und ihn nichts sind, was er ablehnen muss, im Gegenteil kann er annehmen, dass die gütigen Grundzüge des Vaters auch in ihm zum Tragen kommen. So kann der Verlust bewirken, seine eigene Einstellung zu Familienbanden und zur Verknüpfung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu überdenken und diese zu verändern. Eine zwar traurig-tragische Geschichte, die aber positiv im Blick behält, dass Menschen sich immer dafür entscheiden können, ihren Lebensweg und ihre Lebenseinstellung zum Guten zu verändern.

Jirō Taniguchi, Die Sicht der Dinge. Carlsen, Hamburg 2008.

Tuesday, February 28, 2017

Saturday, January 07, 2017

Utsumi/Taniguchi - Von der Natur des Menschen

Jirō Taniguchi illustriert in Von der Natur des Menschen einige Kurzgeschichten des japanischen Autors  Ryuichiro Utsumi. Sofern ich dies recherchieren konnte, hat letzterer nur einen Roman geschrieben, der aber nicht in andere Sprachen übersetzt wurde. Der Illustrator hingegen hat zahlreiche Comics und Graphic Novels veröffentlicht, die in verschiedene Sprachen übersetzt wurden.


Die Graphic Novel enthält acht Kurzgeschichten zu unterschiedlichen Themen. Sie sind stark geprägt von der japanischen Kultur, was neue Einblicke in dortige Familienstrukuren gewährt, gleichzeitig sind die Probleme und Emotionen aber menschlich und allgemein gültig.
Die schwarz-weißen Zeichnungen und die Anordnung von Panels und Text bestechen durch Klarheit ohne auf Details zu verzichten.
Es sind anrührende Geschichten, die für gegenseitiges Verständnis und Nachsicht werben.

Utsumi/Taniguchi, Von der Natur des Menschen. Carlsen, Hamburg 2009.
 

Friday, November 04, 2016

Haruki Murakami - Kafka am Strand

Kafka am Strand von Haruki Murakami wurde erstmals 2002 veröffentlicht.
Es war ein anstrengendes, verwirrendes, vielschichtiges, faszinierendes, abgehobenes und sozusagen kafkaeskes Buch für mich, das ich über einen langen Zeitraum gelesen habe und bereits am 19.10. beendet habe. Diese "Rezension" ist der Versuch, meinen Gedanken dazu eine Struktur zu geben...

Kafka am Strand wird erzählt aus den Perspektiven zweier Personen, Kafka und Nakata.

Kafka ist 15, haut zuhause ab, als er das schlechte Verhältnis zum Vater nicht mehr ertragen kann. Seine Mutter und Schwester sind vor langer Zeit geflohen, sein Vater hat ihn außerdem mit einem oedipalen Fluch belegt. Tatsächlich wacht er einmal mit Blut an den Händen auf, hat aber in der Realität kein Verbrechen begangen. Er hat ein Alter Ego namens Krähe, mit dem er manchmal spricht und der ihm Facetten seiner Psyche zu erklären versucht. Zufälle (oder auch nicht) bringen ihn dazu, in der Komura-Gedächtnisbibliothek Zuflucht zu suchen, einige Zeit verbringt er auch im Wald in einer einsamen Hütte.

Nakata ist ein alter Mann, der Analphabet und schlecht im Denken ist. Er hält sich selbst für dumm und hat große Schwierigkeiten, mit dem Verständnis von alltäglichen Dingen. Er handelt nach einem verborgenen Prinzip, wird scheinbar gesteuert, bestimmte Dinge zu tun, und folgt Kafka. Er kann mit Katzen sprechen. Insgesamt ist er freundlich, höflich und harmlos, bis auf die Szene in der er gewungenermaßen eine Gestalt umbringt, die sich als Johnny Walker zeigt, sich in der Realität aber als Kafkas Vater erweist. Um in der Welt zurechtzukommen, findet er Hilfe bei einem jungen Mann namens Hoshino.

Hoshino organisiert für Nakata alle weltlichen Dinge und ermöglicht ihm dadurch, seine Ziele zu erreichen. Einen ähnlichen Helfer hat auch Kafka in der Person des Bibliothekars Oshima, einer Art Zwitterwesen und moralische Bezugsperson für Kafka.
Zentral für das Geschehen ist außerdem die Verwalterin/Inhaberin der Bibliothek Saekisan. Sie ist eine tragische Figur, eventuell ist sie Kafkas verschwundene Mutter, wenngleich der Beweis dafür ausbleibt. Kafka verliebt sich traumhaft und real in sie in verschiedenen Gestalten - als 15jähriges Mädchen und als ältere Frau.

Die wichtigsten Orte des Romans sind folgende:
In der Komura-Gedächtnisbibliothek findet Kafka Schutz und Hilfe, er findet einen neuen Beziehungsrahmen nach seinem lieblosen Vaterhaus. Es ist zugleich der einzige Ort, den auch Nakata und Hoshino aufsuchen, wenn auch Kafka in diesem Moment nicht dort ist. Hier laufen die Fäden zusammen; die Bibliothek dient als Symbol.
Die Hütte im Wald ist von elementarer Bedeutung für Kafkas Sinnsuche. Sie gehört Oshima und dessen Bruder, ist einsamer Rückzugsort und ermöglicht eine Besinnung auf das Ich fernab von der realen Welt. Dort ist der tranceartige Übergang in eine andere Zwischenwelt möglich, zu der Nakata symbolisch mit einem Stein andernorts den Eingang öffnet.

Kafka am Strand ist übervoll mit literarischen und mysthischen Bezügen. Musik und Philosophie sind Themen, es gibt märchenhafte Passagen, psychologische Ebenen (z.B. das Alter Ego Krähe als psychoanalytisches Element) und eine reiche Symbolik.
Dadurch ergeben sich so weitschweifende Bedeutungsebenen, so dass man sich schnell wie in einem Labyrinth vorkommt und glaubt, sich nicht mehr zurechtfinden zu können. Obwohl die beiden Hauptebenen von Kafka und Nakata sich durchaus ergänzen und miteinander in Beziehung stehen, findet die vom Leser antizipierte Zusammenführung nicht statt. Auch das Ende bietet keinen richtig befriedigenden Abschluss, auch wenn es Hoffnung vermittelt, es könne sich alles zum Guten wenden.
Gekonnt umgesetzt ist das stete Verschwimmen von Traum, Fantasie und Wirklickeit - an irgendeinem Punkt gibt man auf, dies auseinanderhalten zu wollen und gibt sich vielmehr dem Sog des Erzählten hin - das ist zwar wunderbar als literarisches Erlebnis, trotzdem bleibt dabei zwangsläufig das Gefühl zurück, nicht alles mitbekommen zu haben, nicht einmal einen Teil der Bedeutungen zu erfassen, weswegen der Roman keine einfache Lektüre ist.
Ich hätte dem Buch gern mehr Weisheit entrissen, aber phasenweise war es zu konfus, zu schwierig - man hätte Passagen mehrmals lesen müssen, um alles zu durchdringen - aber dann werden Dinge wiederum nur angerissen auf ein oder zwei Seiten, bekommen aber insgesamt zu wenig Raum, um wirklich Bedeutung zu erlangen. Daher war es oft einfacher, sich im Gebilde der interessanten Sätze weitertreiben zu lassen.
Fazit: Sicher ein Roman zur mehrfachen Lektüre, aber auch ein kräftezehrendes Werk.

Haruki Murakami, Kafka am Strand. Dumont, Köln 2011.

Friday, August 28, 2015

Haruki Murakami - Norwegian Wood

Murakami's Norwegian Wood is a quiet, slow-paced but intense novel. It is a love story set in Tokyo in the late 60s. Toru is a quiet student and in love with Naoko who he knows from back home. She was the girlfriend of Toru's best friend who committed suicide. The two are deeply connected but before their love can truly grow Naoko's mental illness forces her to seek refuge in a special institution. While she is away Toru meets another girl named Midori who also has a lot of problems but who is much more lively and open to the world than Naoko could ever be. Toru is confused and unsure what to do...

It is mainly a coming-of-age story with Toru having to decide what kind of man he wants to be. He spends a lot of time reflecting himself and his situation. Although he meets people and loves some of them he seems to be isolated in his contemplation of his purpose in life. In addition to this he has to suffer losses which make him drift away even further. He comes close to his breaking point but manages to live on - how his life developed from there on we don't know.
I liked the characters, some of the dialogues where really fun and the Japanese setting was interesting to me. I felt I only could read a few pages and then had to stop because of the sadness and intensity. It is definitely no light read but it made an impression and I liked it.

Haruki Murakami, Norwegian Wood. Vintage, London 2010. 

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Für die Buchchallenge 20/15 habe ich in diesem Buch aus der II. Umgebung  das Einkaufszentrum ausgesucht. Dort begegnen sich Toru und Midori auf besondere Weise.

Friday, February 06, 2015

Verbindungen mit Menschen


Im Grunde sind es immer
die Verbindungen mit Menschen, 

die dem Leben seinen Wert geben.
Wilhelm von Humboldt












Bakusen Tsuchida: Maiko in a Garden, 1924
postcrossing card sent by Kisuna from Japan

Thursday, February 05, 2015

Kazuaki Takano - Extinction

Vorweg: Extinction von Kazuaki Takano hätte ich wohl kaum gelesen, hätte ich es nicht bei "Was liest du" - der Leseplattform der Mayerschen Buchhandlung - als Leserundenexemplar gewonnen. Das war Anfang Januar, da es aber verspätet ankam, hinkte ich bei der Leserunde hinterher und habe es jetzt erst zuendelesen können. Das Buch wurde in einigen Buchhandlung durchaus prominent beworben (große Stapel und Aufsteller), in Japan gewann der Thriller bereits 2011 und 2012 zahlreiche Preise und daher wurde es als erster Roman des Autors ins Englische und in weitere Sprachen übersetzt.

Das Cover hat eine Prägung mit einem schwarzen X auf gold-glänzendem Hintergrund, ein Bezug auf das X im Titel, möglicherweise auch auf das X-Chromosom, denn DNA bzw. Evolution sind ausschlaggebend für den Plot.
Im kongolesischen Dschungel wird in einem Pygmäenstamm eine neue menschliche Spezies geboren, der Junge ist erst drei und übertrifft die Menschen bereits jetzt an Intelligenz. Als die amerikanische Regierung von seiner Existenz erfährt, stuft der Präsident ihn als existentielle Bedrohung der Menschheit ein und beschließt seine Exekutierung. Ein Team von Sicherheitskräften soll den Jungen, einen Anthropologen, der ihn unterstützt und seinen kompletten Stamm töten. Gleichzeitig begibt sich in Japan ein Pharmaziestudent auf eine seltsame Forschungsmission, die ihm sein verstorbener Vater hinterlassen hat. Er soll ein Mittel gegen eine seltene genetische Krankheit finden - in nur vier Wochen. Doch schon bald ist der Geheimdienst hinter ihm her, während er gleichzeitig anonym Hilfe bekommt...

Die Erzählperspektive wechselt zwischen den drei Handlungsorten USA, Kongo und Japan, wobei Takano zum Teil wechselnde personale Erzähler einsetzt und damit auch die Geschehnisse von unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.
Die Haupthandlung im Kongo ist actiongeladen und spannend, nebenbei werden Themen wie Kindersoldaten und die Ignoranz der Welt gegenüber dem kongolesischen Kriegsdrama angerissen.
Das Setting in Japan ist stark wissenschaftlich geprägt, es gibt jede Menge medizinische/pharmakologische Fachbegriffe und Zusammenhänge, die aber durchaus anschaulich erklärt werden und dadurch verständlich bleiben. Wie plausibel/wissenschaftsgetreu diese sind, vermag ich allerdings nicht zu beurteilen.
Besonders interessant fand ich die Erzählstränge in den USA, da diese die Menschheit und ihre gewalttätige Natur unter die Lupe nehmen. Warum schafft es die menschliche Rasse nicht, friedlich zu koexistieren? Ist es genetisch bedingt, dass wir einander nach dem Leben trachten, stets nur auf unseren eigenen Vorteil bedacht? Und wie muss dies auf eine intelligentere Spezies wirken? Wie reagieren wir auf ein uns überlegenes Wesen? Wer steuert unsere Haltung zu den Problemen und Konflikten dieser Welt?

Kazuaki Takano hat einen höchst vielseitigen Roman geschrieben, der sowohl als Thriller als auch als Wissenschaftsroman durchgehen könnte. Die Charaktere sind komplex und glaubhaft. Der einleitende Teil des Romans mag etwas langatmig sein, die wissenschaftlichen Erklärungen an der ein oder anderen Stelle zäh bzw. zu ausführlich. Doch insgesamt gelingt es Takano am Ende, ein großes Puzzle verschiedener Perspektiven und Handlungselemente schlüssig zusammenzuführen und aufzulösen, so dass man tatsächlich glauben mag, nur eine höhere Intelligenz könnte die Abläufe so und nicht anders geplant haben. Das flößt Respekt ein und vermittelt einen Eindruck, wie es sein könnte, wenn die Evolution tatsächlich einen Sprung machen würde. Das finde ich eine ganz beachtliche Leistung, zumal ich mich durchaus nebenbei auch noch gut unterhalten fühlte.

Kazuaki Takano, Extinction. C. Bertelsmann, München 2015.

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Für die Buchchallenge 20/15 habe ich in diesem Buch aus der Kategorie III. Handlung den Punkt fremden Ort bereisen ausgesucht. Die Schilderung des Kongos und seines Dschungels war für mich fremd und spannend und den Protagonisten erging es ebenso.

Saturday, October 25, 2014

Katsushika Hokusai 葛飾 北斎

The famous Japanese artist Katsushika Hokusai (葛飾 北斎) lived from 1760 to 1849. His best known work is The Great Wave. I received this one titled Red Fuji southern wind clear morning from Kaoru in Japan.

Wednesday, October 08, 2014

Konnichiwa - こんにちは




Yumi, a new postcrosser from Japan, sent me this lovely card and told me that "Konnichiwa" means "hello". The title of the card was written in Japanese and she translated it as "slender sweepers". It was taken in the sea south of Japan.