Monday, April 17, 2006

Vom Schweinehund

Bezeichnend - schon vor etwa einem Jahr habe ich doch dieses Buch gekauft, "So zähmen Sie Ihren inneren Schweinehund!" von einem Marco von Münchhausen. Natürlich stand das Buch seitdem unangetastet im Regal, listig, dieser Schweinehund. Dann fiel mir das Hörbuch dazu in die Finger und ich habe ihn ausgetrickst und immerhin schon den ersten Teil angehört. Mal sehen, wie lange ich den zweiten Teil aufschiebe. Empfehlenswert:

-> Spiegelartikel über Prokrastination

Tuesday, April 04, 2006

Sex & Fun

Coupling ist eine britische Sitcom von Steven Moffat. Vier Staffeln, die original von 2000 bis 2004 bei BBC2 liefen.
Dates, Sex und die üblichen, unvermeidlichen Missverständnisse - jede Menge Frauen- und Männertalk, zum Teil zum Brüllen komisch, zum Teil auch bittere Wahrheit. Spaß macht's allenthalben. Zum Beispiel:

Men - and I don't mean to generalize - are crap.
They're the human race's only failed gender. Who needs them?
And why are they so difficult to keep hold of? Do you think they realize, that were it not for the genetic imperative to populate the earth, they wouldn't get a date? That's one hell of an inducement: no pressure, girls, but shag one of these or it's curtains for all humankind! That's harassment.
But do you know what? Do you know what's even more crap than men? We are more crap than men.... These magazines! A hundred pages of "men are useless bastards," and an article about why you should wake him up with a blow job.
Am I alone in spotting the inconsistency here?

Coupling, "Split," original airdate 23 September 2002, written by Steven Moffat, spoken by the character Susan

Mehr über Coupling...

Tuesday, March 28, 2006

Jeff Smith - Boneville

After being run out of Boneville, the three Bone cousins - Fone Bone, Phoney Bone and Smiley Bone, are separated and lost in a vast uncharted desert. One by one, they find their way into a deep forested valley filled with wonderful and terrifying creatures.

Bone is is a series of comic books by Jeff Smith.
Strange, intelligent, beautifully drawn and even funny (well, these are comics, right...)

There are even dragons in it:


Fone Bone meets the dragon for the first time

Saturday, March 18, 2006

Elizabeth Kostova - The Historian

Aufgrund von Zeitmangel hat mich dieser historische Roman von Elizabeth Kostova viele, viele Wochen gekostet, bis ich ihn jetzt kürzlich endlich aus der Hand legen konnte. Im Grunde bin ich kein Fan von Gruselstories und erst recht nicht von Vampirgeschichten. Wobei – eigentlich kann ich auch nicht behaupten, dass ich mich bislang überhaupt mit Romanen aus diesem Themenbereich beschäftigt hätte. Aber ich mag ab und an einen historischen Roman.
Und ich bin lesewillig, erstrecht wenn mir jemand ein Buch mit einer gewissen Begeisterung in die Hand drückt – lies mal. Also habe ich gelesen, auf Englisch, obwohl die gebundene Ausgabe auch inzwischen auf Deutsch erschienen ist (Der Historiker). So bin ich mit den verschiedenen Generationen von Historikern, die dieses Buch in Form Briefen, Postkarten, mündlichen und schriftlichen Berichten bevölkern, durch verschiedene Zeiten, Länder, Klöster und Bibliotheken gereist. Das klingt verwirrend und kompliziert – das ist es auch von Zeit zu Zeit. Gerade wenn man das Buch in Etappen liest, so wie ich das leider tun musste. Aber dieser ausgeklügelte Aufbau hat mir gefallen, er macht zu großen Teilen den Reiz des Romans aus. Denn die Vampirstory an sich, nun ja, dieser Dracula hat mich nicht sonderlich geängstigt. Faszinierend war wohl eher die Suche nach ihm, seinem Grab und die damit verbundene Familiengeschichte der Erzählerin.
Kostova hat 10 Jahre an dem Buch recherchiert und geschrieben, sogar einen Preis für den Roman bekommen, bevor er fertig war. (Nämlich den Hopwood Award for the Novel-in-Progress – ich wusste bis vor kurzem nicht, dass so ein Preis überhaupt existiert.) In den USA war das Buch 2005 praktisch direkt nach dem Erscheinen auf den Bestseller-Listen. Hier in Deutschland scheint die Begeisterung etwas schwächer ausgefallen zu sein. Meine Begeisterung hält sich ebenso in Maßen, nett war’s schon, aber vielleicht braucht es doch einen Vampirfan dafür?!

Thursday, March 16, 2006

Funny little frog



Honey lovin you is the greatest thing
I get to be myself and I get to sing
I get to play at being irresponsible
I come home late at night and I love your soul
I never forget you in my prayers
I never have a bad thing to report

Manch neues Album braucht eine ganze Weile, um durchzudringen. Immer mal wieder reinhören, weghören, verschüttet unter alten All-Time-Favourites – ganz einfach hat es neue Musik, haben neue Bands es bei mir nicht. Nicht so Belle & Sebastian mit "The Life Pursuit" (2006). Eingeschleust durch eine Freundin war die CD fast spontan auf Rotation, ganz erklären kann ich es mir auch nicht. Wahrscheinlich die Mischung: bizarre Sounds und abgefahrene Texte.
Wie diese Geschichte mit dem Frosch: Eigentlich ein Lovesong an die EINE – ein Traum von einer Beziehung, man seufzt still und sehnt sich ähnliches. Doch halt, vielleicht doch *zuviel* Harmonie... Am Ende war da doch gar keine Beziehung, sondern nur der komische kleine Frosch im Hals. Großartig.
And the blues is still blue.
Der Frosch auch.

Belle & Sebastian bei Wikipedia

Sunday, March 12, 2006

Meer

Wenn man ans Meer kommt
soll man zu schweigen beginnen
bei den letzten Grashalmen
soll man den Faden verlieren

und den Salzschaum
und das scharfe Zischen des Windes
einatmen
und ausatmen
und wieder einatmen

Wenn man den Sand sägen hört
und das Schlurfen der kleinen Steine
in langen Wellen
soll man aufhören zu sollen
und nichts mehr wollen wollen
nur Meer

Nur Meer

(Erich Fried)


Meersehnsucht

Thursday, March 09, 2006

Regentropfen (wiedergefunden)


Regentropfen

Der, den ich liebe,
Hat mir heute gesagt,
Daß er mich braucht.
Darum
Gebe ich auf mich acht,
Sehe auf meinen Weg und
Fürchte von jedem Regentropfen,
Daß er mich erschlagen könnte.

Bertold Brecht

Saturday, August 13, 2005

neu aufgelegt


...mörderisch gut...

Jacques Berndorf alias Michael Preute sendet wieder "Grüße vom schönsten Arsch der Welt, der Eifel" - so schreibt er auf seiner Website, die ich anlässlich seiner letzten Veröffentlichung "Der letzte Agent" nochmal besucht habe. Er ist mein deutscher Lieblingskrimiautor, seine Eifel-Krimis sind einfach grandios-witzig-spannend. Vielleicht ist "Der letzte Agent", eine Neuauflage eines bereits 1993 beim Bastei-Verlag erschienenen Baumeister-Krimis, zwar nicht der beste der Eifel-Krimis, aber die wichtigen Elemente (der verschrobene Charakter des Protagonisten, Katze Krümel, die Pfeifen, Musik und nicht zuletzt die Eifel und ihre erstaunlichen Bewohner) sind alle enthalten und machen Freude wie immer. Gern gelesen und immer wieder Fan.

Monday, July 25, 2005

F. Scott Fitzgerald - Der große Gatsby

Francis Scott Fitzgerald – grandioser Name schon. Natürlich fällt der Name, gerade wenn man sich mal mit amerikanischer Literatur beschäftigt. „Der große Gatsby“ stand schon lange auf meiner Wunschleseliste (diese wächst übrigens stetig, egal wie viel ich lese, ein aussichtsloses Unterfangen im Grunde...), daher war der Band natürlich bei meinen Käufen von der Süddeutsche Zeitung Bibliothek dabei. Nachdem sich der olle Gantenbein zog wie zu altes Kaugummi, war der Gatsby sehr frisch (haha) und gut lesbar, obwohl älteren Datums, nämlich von 1925. Die Atmosphäre des quirlenden New York und der Reichen und Erfolgreichen ist überzeugend, so stelle ich mir New York in den 20ern vor.
Die Story: Der mittellose James Gatz erfindet sich selbst neu als den erfolgreichen Jay Gatsby. Zunächst tut er nur so, aber schließlich wird er auch reich und erfolgreich. Die Liebe seines Lebens, die wunderbare Daisy, schnappt ihm allerdings ein anderer
vor der Nase weg. Alle Intrigen, um Daisy zurück zu erobern, scheitern und enden am Ende tödlich.
Spannend fand ich die Erzählperspektive des jungen und hoffnungsvollen Ich-Erzählers, der nur zum Teil unbeteiligte Nachbar, der die rauschenden Feste Gatsbys erst von außen und dann von innen miterlebt. Seine vielschichtige Meinung über Gatsby beleuchtet die Geschichte von allen Seiten. American Dream, natürlich, auch in seiner reinsten Form, aber mit bitterem Ende.
„Gatsby glaubte an das grüne Licht, an die rauschende Zukunft, die Jahr um Jahr vor uns zurückweicht. Sie ist uns gestern entschlüpft, doch was tut’s – morgen schon eilen wir rascher, strecken weiter die Arme aus... Und eines schönen Tages...
So regen wir die Ruder, stemmen uns gegen den Strom und treiben doch stetig zurück, dem Vergangenen zu.“

F. Scott Fitzgerald, Der große Gatsby. Süddeutsche Zeitung Bibliothek 2004, Band 4.

Saturday, July 23, 2005

Sein Name war Gantenbein... oder Enderlin... oder Frisch... oder... oder...

Habe ich dieses Buch verstanden? Ich weiß es nicht.
Habe ich dieses Buch gern gelesen? Ich glaube nicht.
Bin ich froh dieses Buch gelesen zu haben? Nun ja, ein Roman mehr von einem der großen Nachkriegsautoren, ein Aspekt mehr zu Frisch nach Biedermann, Homo Faber und den Andorranern. Am Ende denkt sich der Protagonist wieder mal auf ein Schiff, lechzt einer viel zu jungen Frau hinterher, die Lila heißt und irgendwie erfunden oder auch nicht ist und am Ende Pingpong spielt wie die Tochter des Homo Faber.
Ich glaube, ich habe doch gern auch eine verlässliche Handlung in einem Roman. Sie darf gern auch langsam voranschreiten und vielleicht auch lächerlich sein, aber diese quasi erfundenen und immer wieder revidierten und neu zusammengesetzten, geträumten Handlungen eines wie auch immer zu benennenden Protagonisten. Man kann noch nicht mal sagen, wer das aller erzählt! Man wird selbst leicht schizophren beim Lesen, möchte man sagen, stimmt natürlich auch nicht, aber man könnte sich vorstellen, dass es so sei. Oder auch nicht. Mein Name sei Lila. Oder auch nicht. Oder?

Max Frisch „Mein Name sei Gantenbein“. Süddeutsche Zeitung Bibliothek 2004, Band 32.

Thursday, July 21, 2005

Marburg revisited

An manchen Orten scheint die Zeit still zu stehen. Vielleicht einige Kneipen ein bisschen verändert, die meisten gleich geblieben. Die Mensa, die Cafés, die Oberstadt, das entsetzlich-verstimmte Klingeln des Oberstadtaufzugs... Oh, nur eins: Ein Gerüst um den schiefen Kirchturm - soll der jetzt begradet werden? Nur die Menschen, die man kannte sind fort, andere studieren und diskutieren und trinken ihren Milchkaffee im Roten Stern. Sentimental journey, ich schaue zwischendurch gern zurück.


Blick aufs Landgrafenschloss und die Oberstadt von der Lahn aus

Wednesday, July 20, 2005

back in the circus

...um einmal das letzte Album von Jonatha Brooke zu zitieren. Lange Zeit keine neuen Blogg-Einträge mehr, aber Totgesagte leben bekanntlich länger. Irgendwer hat mal behauptet, das durchschnittliche Blogg stirbt nach den ersten paar Einträgen. Derjenige wäre auch mal wieder dran mit einem Tucson-Update... :)
Jedenfalls: Hier bin ich wieder und ich habe Ferien! Und endlich auch mal wieder Zeit, um mich mit Hobbies zu beschäftigen wie Websitebasteln und Lesen. Dadurch ergibt sich dann vielleicht wieder etwas zum Posten im Blogg. We'll see.

Every man's the same
Only the times and places change
On this rollercoaster ride, up and down
But I never get to the other side.

Wednesday, March 09, 2005

Norderney 2005


Lehramtsanwärter in den Dünen von Norderney

In der vergangenen Woche fielen die Paderborner Referendare (zwei Jahrgänge, fast 120 Leute + sieben Hauptseminarleiter) auf der schönen Insel Norderney ein. Auf die Frage, wie es war, antworten jetzt im Nachhinein fast alle mit "Kalt!", das trifft es auch ganz gut. Es lag jede Menge Schnee und es wehte der eisige Nordwind (oder kam der doch aus dem Osten?). Wenn wir nur drinnen geblieben wären und brav unser Bierchen getrunken hätten, wäre das ja kein Problem gewesen, aber bereits am ersten Abend schickte man uns allesamt vor die Tür zur Nachtwanderung! Simulation von Klassenfahrtsbedingungen. Wäre eingemummt mit Strumpfhosen, langen Unterhosen, Mützen und Schals ja alles gar nicht so schlimm gewesen, aber es führte uns der Leiter des Nationalparkhauses (Watt, Ihr erinnert Euch...) und der musste natürlich an markanten Punkten immer noch mal stehenbleiben und ein bisschen was erläutern und auf was hinweisen. Oben auf einer der höchsten Dünen stehen und die nächtlich beleuchtete Insel betrachten, vom Wind umtost, das war in der Tat ein echtes Highlight. Brrrr.

Es folgte umfangreiche Projektarbeit und Präsentation derselben, plus das bereits erwähnte Bierchen. Oder zwei. Oder drei. Dann sollte noch wattgewandert werden, was aber nicht stattfinden konnte wegen des zu kalten Wetters, in gefrorenes Watt darf man wohl nicht (?!). Hoffnung glomm auf, aber nein - statt dessen mussten dann alle an der Inselbegehung teilnehmen. Wieder 2 Stunden gehen, stehenbleiben, auskühlen, frieren. Vielleicht hätten wir alle dichter beieinander bleiben sollen...?

Das klingt jetzt alles sehr zynisch, das liegt aber nur daran, dass ich diese Aktionen für meinen gesundheitlich angeschlagenen Zustand verantwortlich mache (u.a. Stimmbandentzündung). Insgesamt fand ich es eigentlich schön, einige der Mitreferendare besser kennenzulernen, einige Kontakte haben sich vertieft, bei anderen hat sich vielleicht auch die Erkenntnis verdeutlicht, das man sich nicht unbedingt besser kennenlernen muss. 20 Leute waren allerdings eindeutig zuviel. Ich glaube, es hat niemand versucht, auch nur ansatzweise alle Namen zu lernen, so dass man sich zurück im Seminar dann immer noch mit "Hallo --- ?" anreden muss.

Um das Thema abzuschließen: Norderney im Schnee ist sicherlich reizvoll, aber im Frühling oder Sommer stelle ich es mir doch angenehmer vor.

Saturday, February 26, 2005

Paul Auster - Stadt aus Glas

Der Erzähler von Stadt aus Glas von Paul Auster berichtet dem Leser, dass der Schriftsteller Daniel Quinn, der unter dem Pseudonym William Wilson Kriminalromane veröffentlicht, unter dem Namen Paul Auster, der angeblich ein Privatdetektiv sein soll, einen seltsamen Fall übernimmt, in dessen Verlauf er den tatsächlichen Paul Auster ausfindig macht, der aber kein Privatdetektiv, sondern Schriftsteller ist, aber schließlich seinen Fall aufgeben muss, nachdem er sein Leben und seine Identität eingebüßt hat, verschwindet und nur ein rotes Notizbuch hinterlässt, das wiederum von dem Schriftsteller Paul Auster gefunden und an den Erzähler weitergegeben wird, der daraufhin die Geschichte des Daniel Quinn erzählt.

Und erzählt wurde all das von dem amerikanischen Schriftsteller Paul Auster.

Verwirrend.
Aber gut.

Paul Auster ist außerdem der Autor der Drehbücher von Smoke und Blue in the Face, beides wunderbare Filme.

Thursday, February 24, 2005

Patricia Highsmith - Der talentierte Mr. Ripley

Jetzt ist mir klarer, warum Patricia Highsmith ein Mythos ist.
Krimikönigin. Sagt man.
Der Klappentext meiner Ausgabe von „Der talentierte Mr. Ripley“ sagt „eine der erfolgreichsten Kriminalbuchautorinnen Amerikas“.
Ich liebe Krimis, ich liebe die Krimiserien von Jacques Berndorf über Donna Leon bis Kathy Reichs.
Dieser Ripley war anders, mehr Roman als einfach gestrickter Krimi, andere Perspektive. Bis zum Schluss ist man unentschlossen, ob man diesen Ripley mögen soll oder nicht. Er kommt davon mit seinen Morden, seinen Lügen, seinen Betrügereien. Das an sich ist etwas, das man im Krimi nicht erwartet. Das schöne am Krimilesen ist – neben dem Thrill – ja gerade, dass das Böse am Ende ertappt und zur Strecke gebracht wird. Manchmal vielleicht nicht ganz oder man muss Kompromisse eingehen – aber hier betrachtet man das Geschehen die ganze Zeit aus der Perspektive des Täters, vergisst manchmal mit ihm zusammen, dass er zwei Menschen ermordet hat und daraus auch noch Kapital schlägt. Er ist auch in dieser Hinsicht ein wirklich talentierter Betrüger.
Mein Klappentext spricht auch, dass Hitchcock fasziniert von Highsmiths Geschichten war. Und das passt. Faszinierend, intelligent und abgründig – das musste Hitchcock gefallen. Die Verfilmung des Tom Ripleys mit Matt Damon und Gwyneth Paltrow, die ich gesehen habe, bevor ich jetzt das Buch gelesen habe, erreicht übrigens nicht ganz die Atmosphäre des Textes. Ich folgere also: Highsmith sollte man mal gelesen haben – und sei es nur, um seinen Krimihorizont zu erweitern.

Mehr über Patricia Highsmith auf meiner Lieblingskrimiwebsite:

http://www.krimi-couch.de/krimis/patricia-highsmith.html

Wednesday, February 16, 2005

lurt ens!

Lurt ens! Schaut mal!
Eigentlich hatte ich für Kölsch nie viel übrig. Weder für dieses bierähnliche Gesöff (da bin ich eher Alt-Anhänger) noch für die kölsche Sprache. BAP klang zwar von der Musik her immer ganz okay, verstanden hab’ ich’s nie. Und dann gerate ich ausgerechnet an ein Buch, das ganze Passagen von einem dem Kölsch verwandten Platt enthält, Himmel!
Ulla Hahn, „Das verborgene Wort“, München 2003.

Heeldejaad (Hildegard, Hilla) ist das Kind von „Proleten“, der Vater prügelt, die Mutter und Großmutter beten und sind ansonsten verbittert, allein der Großvater stellt eine positive Figur dar, der mit Hildegard und ihrem Bruder Rheinspaziergänge macht, Märchen erzählt und ihr Buchsteine schenkt. Buchsteine sind Steine, auf denen Geschichten aller Art geschrieben stehen, nur eben nicht mit richtigen Buchstaben, man muss sie also nur lesen können. Und Hildegard kann sie lesen. Und sie liest noch viel mehr, als sie endlich in die Schule kommt, ist fasziniert von allem Geschriebenen, von der Beziehung von Wörtern und Literatur zur Wirklichkeit. Zu den Welten, die sie sich durch das Lesen erschließt, will die Arbeiterrealität und -mentalität der Familie nicht passen. Sie begegnet Verachtung und Unverständnis – und bleibt dennoch bei ihren Büchern. Durch den Einsatz des Volksschullehrers wird es ihr möglich, gegen alle Widerstände die Realschule zu besuchen. Danach soll sie eine Ausbildung im Büro der Papierfabrik machen. Beinahe erstickt sie dort an dem banalen Einerlei dieser Arbeit – mit Hilfe von Pastor und Lehrern gelingt aber die Flucht aus „de Papp“ aufs Gymnasium und Hilla kann mit ihren Büchern erwachsen werden, Mensch werden.

Das Platt war wirklich gewöhnungsbedürftig, aber nach einer Weile kam ich mit so etwas wie „Drömdöppe“ (Traumkopf) und all den anderen „Wööd“ (Wörter) ganz gut zurecht. Ich muss die Sprache ja nicht mögen, um das Buch gut zu finden. Denn es war eine wunderbare Geschichte. Sieg der Wörter und Literatur über das Dumme und Gemeine, aber dennoch mit Verständnis für die, denen Wörter nichts sagen und deswegen nichts bedeuten können.

Wednesday, December 29, 2004

Weihnachten in der Wueste

Heute wird von einem anderen Kontinent aus gebloggt - bin angekommen in Fossies neuer Zwischenheimat Tucson, Arizona.
Ehrlich gesagt war der 24. Dezember in diesem Jahr kein reines Vergnuegen. Viele, viele Stunden Flugzeit und langes Warten darauf, meine Fingerabdruecke und ein bestimmt aeusserst apartes Foto (ich - schon ueber 20 Stunden wach und genervt...) abgeben zu duerfen. Darueber haette ich beinahe meinen Anschlussflug nach Tucson via Phoenix verpasst und es bildeten sich Horrorvisionen von Heiligabend am Washingtoner Flughafen vor meinem inneren Auge. Aber - ein kleines weihnachtliches Wunder - mein Flieger wartete auf mich und irgendwann um 22 Uhr Ortszeit konnte Fossie mich endlich in Empfang nehmen.
Geschenke wurden wie es sich fuer amerikanische Christmas gehoert erst am folgenden Morgen ausgepackt, vermutlich waere ich sonst auch ueber dem Geschenkpapier schnarchend zusammengesackt.
Am 25. Dezember waren wir bei Fossies Chef eingeladen und durften so ein klassisches Turkey-Dinner miterleben. Den verschiedenen irischen und britischen Einfluessen werden wir es aber zu verdanken haben, dass ausserdem auch noch "white elephants" getauscht wurden, was nicht anderes ist als das allseits beliebte Horrorwichteln oder Grollen. Sehr satt, mit einer haesslichen Tasse und einem Froschteelichthalter mehr und sehr zufrieden mit dem netten Abend verliessen wir dann die Festivitaet.
Der 26. Dezember war alles in allem schon weniger weihnachtlich, wir haben einen kurzen Hike in den Catalina Mountains bei Tucson unternommen und einen ersten Erkundungsgang durch die Tucson Mall gemacht.
Ich finde, meine Zeit hier laesst sich damit ganz gut an und ich freue mich auf die Dinge, die da noch kommen werden, wie vielleicht noch ein Ausflug nach San Diego in den kommenden Tagen.

Thursday, November 18, 2004

ein chor ist ein chor ist ein chor...

"Herrscher des Himmels erhöre das Lallen, lass Dir die matten Gesänge gefallen..."
Als ich diesen Text vor langer Zeit das erste Mal hörte, habe ich gedacht, dies sei bestimmt eine Parodie - aber nein, dies ist der wirkliche Text des dritten Teils des Weihnachtsoratoriums von J.S.Bach. Kaum zu glauben.Ein schönes Stück Musik, das irgendwie nicht fehlen darf, wenn es weihnachtet. Auch sehr gut als Untermalung geeignet während des Tannenbaumschmückens am 24. Dezember. Worum ich das alles erzähle?
Weil ich noch unter Schock stehe.
Gerade komme ich zurück von einer Probe des ökumenischen Kirchenchores Friedrichsdorf. Meine Mutter ist dort seit langem Mitglied und auch wenn ich die musikalischen Darbietungen des Chores auch schon manchmal mit skeptischen Ohr begutachtete (wobei größere Missgunst aber auf den meistens zeitgleich auftretenden Posauenchor entfiel), so dachte ich doch aus meiner bisherigen Erfahrung heraus, dass Singen mir gut tut und besagtes Bachoratorium ist ja nun auch, wie bereits erwähnt, ein schönes Werk. Ich wurde ein temporäres Mitglied für das diesjährige Adventskonzert.
Ganz einfach ist der Bach vielleicht aber auch nicht. Und auch hoch an einigen Stellen. Für ältliche Soprane scheinbar schwer zu erreichen und auch weniger ältliche Altstimmen sind froh, Alt zu singen. Vorausgegangen war der heutigen Probe ein Probenwochenende, wo die Sänger hochmotiviert, gut eingesungen und stimmgebildet waren. Umso dramatischer der Vergleich zum heutigen Abend: Der Dirigent war nur die Vertretung, zugegeben, aber selbst meine Mutter, die ja geübt in derlei Erfahrungen ist, fiel einmal fast vom Stuhl. Und ich mit meinem chronischen Schlafmangel... Selten habe ich bei einer Chorprobe so wenig gesungen und so wenig neues gelernt. Ich denke fast, im Vergleich zum Probenwochenende ist sogar fast wieder eine Verschlechterung eingetreten. Kein Schwung, viele falsche Noten ("Jaaaa, schön, schon fast richtig...") und ich verpasste fast meine Einsätze, weil ich schon nicht mehr damit rechnete, dass tatsächlich gesungen werden würde! Und da soll ich an den kommenden Donnerstagen wieder hingehen? Oje!

Herrscher des Himmels erhöre das Lallen!

Wednesday, November 03, 2004

butterfly

...was noch dringend zu ergänzen ist: Sarah hatte einen Frontact, der extrem erwähnenswert ist
Butterfly Boucher ist seit dem zweiten Konzert auf Rotation in meinem CD-Player - wunderbar, die Frau!

Tuesday, November 02, 2004

world on fire


world on fire...
Es ist ein bisschen schwierig, Worte für ein Ereignis zu finden, auf das man sich sehr, sehr lange gefreut hat. Noch schwieriger wird das, wenn dieses Ereignis auch noch die ohnehin hohen Erwartungen erfüllt und übertroffen hat.
Aufgeregt wie ein Teenie habe ich auf die Europatour von Sarah McLachlan gewartet und mich zudem mit nicht nur einem Konzert zufrieden gegeben, sondern ich war in Hamburg und in Köln. Das zweite Konzert in Köln im E-Werk war noch besser als das erste in CCH (wobei die Location da auch wirklich nicht besonders dazu angetan war, tolle Stimmung aufkommen zu lassen, wer sich das bloß ausgedacht hat!).
Sarah zu sehen und sie singen zu hören, war in jeder Hinsicht wunderbar. Auch ihre Musiker waren fantastisch, aber sie über ihre Musik und ein bisschen über ihr Leben sprechen zu hören und staunend festzustellen, dass ich ihre Stimme live noch beeindruckender finde als auf ihren Alben... wie gesagt - es ist nicht ganz einfach, das auszudrücken. Daher hat das Schwärmen hier ein vorläufiges Ende.