Wednesday, February 26, 2020

Matt Ruff - Ich und die anderen

In Ich und die anderen erzählt Matt Ruff die Geschichte zweier Menschen mit dissoziativer Identitätsstörung (multipler Persönlichkeitsstörung).
Andrew und Penny lernen sich durch ihre Arbeitgeberin kennen, die erst Andrew eingestellt hat, und dann Penny entdeckt und ahnt, dass sie eventuell auch mehr als eine Person ist, wie sie es durch Andrew kennengelernt hat. Was für Penny eine gute Idee zu sein scheint, nämlich Penny durch Andrew helfen zu lassen, finden viele von den Bewohner von Andrew mentalem Haus (Originaltitel: Set This House in Order: A Romance of Souls) äußerst unangenehm und wollen nicht mitmachen. Aber einige von Pennys Seelen kämpfen dafür, damit endlich mehr Ordnung in Pennys Leben kommt. Schließlich lässt sich Andrew überreden und es bilden sich Freundschaften und Allianzen zwischen einzelnen Persönlichkeiten der beiden.
Doch durch die Beschäftigung mit Pennys Vergangenheit und ihren Seelen, werden auch in Andrew verborgene, im Keller versteckte Dinge sichtbar, die nun massive Schwierigkeiten auslösen und die in ihm oberflächlich herrschende Ordnung durcheinander bringen. Zusammen machen sich die vielen Seelen der beiden auf, um Licht ins Dunkel, in die verdrängten Geschehnisse der Vergangenheit, zu bringen.
Matt Ruff lässt seiner Geschichte und den Seelen seiner Protagonisten viel Raum, so dass man auf den über 700 Seiten viel Zeit mit allen verbringt. So gelingt es schließlich, dass man sich auf das Phänomen der vielen Seelen in einem Körper einlassen kann, daran glaubt und Verständnis aufbringt. Es ist faszinierend, wie gut es Ruff gelingt, die verschiedenen Personen erzählerisch auftreten zu lassen und vor allem sprachlich und charakterlich voneinander abzugrenzen. Man lernt, die Vielen in Einem kennen und schätzen. Das Buch nimmt mit in ein völlig anderes Konzept von Selbst... -  spannend.

Matt Ruff, Ich und die anderen. Hanser, München 2003.

1 comment:

Herr Rau said...

Hat mir auch sehr gut gefallen.