Thursday, July 13, 2017

Jean-Luc Bannalec - Bretonische Flut

In seinem fünften Fall ist Kommissar Dupin wieder einmal gezwungen, sich auf den Atlantik zu begeben, genauer auf die Île de Sein, die vor der äußersten Westküste der Bretragne liegt. Die tote Fischerin, die früh morgens in den Fischhallen entdeckt wird, stammt von dort, ebenso die zweite Tote, eine Delfinforscherin, die im nahegelegenen Naturschutzgebiet Parc Iroise gearbeitet hat.
Lange ist nicht klar, in welche Richtung der Fall geht - es bieten sich zahlreiche Fährten und Motive an, jedoch ist nichts überzeugend, die vielen Tatverdächtigen haben zum Teil schwammige Alibis, nichts Konkretes zeichnet sich ab.
Dabei drängt die Zeit, Dupin soll eigentlich zum 75. Geburtstag seiner Mutter nach Paris reisen.
Dann beginnt Inspector Rewal auch noch von der mystischen versunkenen Stadt Ys zu erzählen - könnten die zwei Frauen vielleicht etwas entdeckt haben?

Bretonische Flut zeichnet sich durch ein hohes, actiongeladenes Tempo aus, zusammen mit den Ermittelnden wird auch der Leser von einem Ereignis ins nächste gesogen ohne kaum je zu Atem zu kommen. Wunderbar atmosphärisch ist die Schilderung von Wetter, Landschaft und Leuten auf den Inseln, zusammen mit Dupin blickt man staunend auf die Farben der Bretagne. Auch die gewaltige Macht der Meeres wird beeindruckend beschrieben, als Dupin gegen Ende des Romans vom Sturm eingeholt wird. Er kommt dabei an seinen physischen Grenzen und traut selbst seinen Wahrnehmungen nicht mehr. So kommt es, dass zwar der Täter ermittelt werden kann, aber noch viele Fragen nach den Motiven offen bleiben - ein klein wenig unbefriedigend und nicht unbedingt typisch für Bannalec. 

Jean-Luc Bannalec, Bretonische Flut. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2016.
Vorangegangene Bände, Links zu den Rezensionen:  
1. Bretonische Verhältnisse
2. Bretonische Brandung
3. Bretonisches Gold
4. Bretonischer Stolz

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