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Tuesday, December 31, 2013

Challenges of 2013

I participated in three reading challenges in 2013. Here's my report:

Number 1: The goodreads reading challenge


For this challenge you simply think about the number of books you want to read and goodreads counts them as you enter them into your goodreads account.
I set my challenge to 100 books and I'm happy that I managed to read even more than that (113).
I reviewed most of the books here on my blog and on gooodreads.




Number 2: Buchchallenge 20/13 - kunterbunt


The idea came from Mandy of bookaholicasworld: 20 more or less difficult book categories of which one should fulfill 13 in 2013. As it turned out, I didn't have problems finding the right books in most categories. It was my first challenge of this kind and I found it very motivating. For this challenge I only used "normal" books and e-books but no audiobooks. It was just 9th June when I finished the challenge (which is why I came up with number 3). Here you can find the list of books with links to the reviews.

Number 3: Lese-Challenge SuB-Abbau 2013



In Annette Eickert's blog I found my third challenge which had the goal to minimize the pile of books you haven't read. This didn't work that well because I kept adding more books as the year went by but I read some of the books that were lying around for some time already. 
This challenge included audiobooks as well which made it easier to fulfill some of the categories. 
The challenge had 30 categories and the official goal was to finish 15 of them. I didn't manage all of them but see for yourself (links lead to the reviews or show all posts with the label SuB-challenge-2013), the red ones are the ones I didn't do.
  1. Ein Buch mit mehr als 200 Seiten
    Jo Nesb
    ø: Die Larve (555 Seiten, 2011 bei Ullstein in Deutschland, Band 9 der Harry Hole-Reihe, Audiobook)
  2. Ein Buch mit mehr als 300 Seiten
    Tess Gerritsen: Scheintot. (413 Seiten, 2005, Band 5 der Rizzoli
    und Isles-Reihe, Audiobook)
  3. Ein Buch mit mehr als 400 Seiten
    George R.R. Martin: Sturm der Schwerter (768 Seiten, 2000, Band 3.1 von "Das Lied von Eis und Feuer", e-book)
  4. Ein Buch mit Grün im Cover
    Ursula Poznanski: Fünf (384 Seiten, 2012, Audiobook)
  5. Ein Buch mit Blau im Cover
    Klüpfel/Kobr: Herzblut (400 Seiten, 2013, Band 7 der Kluftinger-Reihe, Audiobook)
  6. Ein Buch mit Rot im Cover
    Ursula Poznanski: Erebos (486 Seiten, Audiobook)
  7. Ein Buch mit Weiß im Cover
    Simon Beckett: Tiere (284 Seiten, Audiobook)
  8. Ein Buch mit Schwarz im Cover
    Jonathan Stroud: The Screaming Staircase (400 Seiten, e-book)
  9. Ein Buch aus dem Bereich Vampire
    Claudia Gray: Evernight (384 Seiten, 2008, Band 1 der Evernight Serie, Audiobook)
  10. Ein Buch aus dem Bereich Fantasy
    Jonathan Stroud: Valley - Tal der Wächter (493 Seiten, 2009, e-book)
  11. Ein Buch aus dem Bereich Jugendliteratur
    Jenny Nimmo: Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bücher (351 Seiten, 2002, e-book)
  12. Ein Buch das 2011 erschienen ist
    Jo Nesb
    ø: Leopard (699 Seiten, 2011 bei Ullstein, Band 8 der Harry Hole-Reihe, Audiobook)
  13. Ein Buch das 2012 erschienen ist
    Arnaldur Indridason: Eiseskälte (400 Seiten, 2012 bei Bastei Lübbe, Band 11 der Erlendur-Reihe, e-book)
  14. Ein Buch das 2013 erschienen ist
    Paola Predicatori: Der Regen in deinem Zimmer (238 Seiten, 2013 im Aufbau-Verlag)
  15. Ein Buch, welches einen Preis gewonnen hat
    John Green: Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen) (The Michael L. Printz Award for Excellence in Young Adult Literature 2007)
  16. Ein Buch, welches verfilmt wurde
    Tommy Jaud: Resturlaub (256 Seiten, 2012 verfilmt mit gleichem Titel)
  17. Ein Buch von einem noch nicht allzu bekannten Autor-Roman (122 Seiten, e-book)
  18. Ein Buch von einem Autor, mit dem du schon in Kontakt standest (per Email, Facebook, Twitter usw.)
  19. Ein Buch von einem deutschsprachigen Autor
    Tommy Jaud: Hummeldumm (303 Seiten, 2010, Audiobook)
  20. Ein Buch von einem englischsprachigen Autor
    Tess Gerritsen: Schwesternmord (416 Seiten, 2004, Band 4 der Rizzoli und Isles-Reihe, Audiobook)
  21. Ein Buch, welches ein Klassiker in der Literatur ist
    Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise (Audiobook)
  22. Ein Buch aus einer Buchreihe
    Tess Gerritsen: Todsünde (416 Seiten, 2003, Band 3 der Rizzoli und Isles-Reihe, Audiobook)
  23. Ein Buch, wo ein Tier eine Rolle spielt
    James Bowen: Bob, der Streuner (257 Seiten, e-book)
  24. Ein Buch, das du geschenkt bekommen hast
  25. Ein Buch, an das du dich noch nie herangetraut hast
  26. Ein Buch mit Kurzgeschichten
    Siegfried Lenz: Der Anfang von etwas. Meistererzählungen (Audiobook)
  27. Ein Buch, welches du schon immer haben wolltest, aber welches du noch nicht gelesen hast
    Tove Jansson: The Summer Book (172 Seiten, e-book)
  28. Ein Buch, welches mehrere Geschichten aus einer Reihe beinhaltet (z.B. Sammelband)
  29. Ein Buch, welches du angefangen, aber nie beendet hast
    Richard David Precht: Wer bin ich - und wenn ja, wie viele? (400 Seiten, begonnen als Taschenbuch, als Audiobook weiterge"lesen")
  30. Ein Buch, das am längsten auf deinem SUB liegt
    Graham Greene, Der dritte Mann (122 Seiten, lag seit ca. sieben Jahren herum)

Friday, December 27, 2013

Tove Jansson - The Summer Book

Tove Jansson (1914-2001) is the author of the well-known Moomin books (see more about them on my blog here). For many years she lived on a tiny little island called Klovharu. You can find out more about it and her life on Tove Jansson's official website.
The little Summer Book tells episodes of the way of life on a tiny rock island from the perspective of a grandmother and granddaughter Sophia (autobiographical parallels are apparent). It has a foreword by the editor who visited the island and was surprised how small it was considering all the stories of the book taking place there.
The book captures the atmosphere and the two very special characters beautifully. Hidden under a level of apparently just everyday events and problems there are deep thoughts of grandmother and child about life and getting along with other people, letting them be and not losing oneself in the process (a topic that was most pressing for Tove herself). There are a lot of truths on these 172 pages and the book is definitely one that you want to come back to and read again.
Preferably on a small rocky island.

Tove Jansson, The Summer Book. Kindle edition 2011.

Wednesday, December 25, 2013

Richard David Precht - Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

Der erste Versuch, Prechts "philosophische Reise" zu lesen (Goldmanns Taschenbuchausgabe), schlug fehl, viel weiter als zur Einleitung kam ich nicht. Als Audiobook ging dies deutlich besser und nun kann ich die Printausgabe nutzen, um mir über ein paar Dinge noch einmal klar zu werden.
Prechts Buch ist gegliedert in drei große Abschnitte:
  1. Was kann ich wissen?
  2. Was soll ich tun?
  3. Was darf ich hoffen?
Zu jedem dieser Bereiche, stellt er zahlreiche kleinere Fragen und bricht die Thematik dabei in besser verdauliche Häppchen herunter.
Der erste Abschnitt befasst sich mit Hirnforschung, Gefühlen, Gedächtnis, Unterbewusstsein und Sprache. Der zweite könnte die Zwischenunterschrift Moral tragen und umspannt alle möglichen Bereiche, wobei Precht möglichst aktuelle, relevante Themen wie Tierschutz/Vegetarismus oder Gentechnik verwendet. Der letzte Abschnitt beschäftigt sich mit dem Sinn und dem Glück. Dabei war besonders die Frage "Brauchen wir Eigentum?" spannend.
Precht schafft es mit pragmatischen Beispielen, unterhaltsamen Anekdoten und historischen Anknüpfungen leicht verständliche Beziehungen zwischen aktuellen, heute relevanten philosophischen Fragen und den Ansichten der Philosophen der verschiedenen Jahrhunderte herzustellen. Dabei geht er nicht chronologisch vor und lässt manchmal sogar fiktive Dialoge und Vergleiche zwischen Personen verschiedener Orte und Zeiten zu. Insofern ist Prechts Buch kein reines Sachbuch, auch kein Nachschlagewerk, sondern in gewissem Maße sicherlich sogar belletristisch-unterhaltend. Dennoch nimmt der Leser Denkanstöße mit, wenngleich einige der Fakten nicht den Weg ins Langzeitgedächtnis finden werden (Aber sollte man noch einmal etwas nachlesen wollen, so bietet das Register die Möglichkeit dazu...).
Es ist bestimmt lohnenswert, sich einige der Fragen selbst zu stellen, sich über die eigene Position zum Leben, zum Ich, zum Sinn klar zu werden. Und wenn Prechts Buch dies leistet, dann war es eine lohnende Lektüre. 

Richard David Precht, Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Randomhouse 2012.

Monday, November 25, 2013

Huldar Breiðfjörð - Schafe im Schnee

Huldar Breiðfjörð ist Isländer und in seiner Heimat bereits mit zwei Reiseromanen erfolgreich gewesen, das bekanntere ist unter dem Titel Liebe Isländer in Deutschland erschienen. Schafe im Schnee wählte ich aus, weil Breiðfjörð darin über eine Reise zu den Färöer-Inseln berichtet.
Der Erzähler des Romans verbringt etwa einen Monat auf einigen der Färöer-Inseln, beschreibt seine Erfahrungen mit den Menschen dort und versucht Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit den Isländern herauszufinden.
Leider wollte die Atmosphäre, der Funke oder der Charme der Inseln nicht so recht überspringen - zwar spricht der Erzähler durchaus mit viel Sympathie und Enthusiasmus von den Färingern und seinen Erfahrungen mit ihnen, seine Beschreibungen zeichneten für mich aber keine echten Bilder,  schon gar nicht von der Natur, der Schroff- und Schönheit derselben. 
Völlig verwirrend fand ich seinen Erzählstil, der von der zugrundeliegenden Ich-Perpektive mal dazu wechselte, den Leser (?) mit vertraulichen Du, mal mit Sie anzusprechen, dabei aber eigentlich zu sich selbst in der dritten Person sprechend... oder auch von sich selbst in der dritten Person sprechend. Erst vermutete ich Übersetzungspannen, dann aber gipfelte das Ganze im 31. Kapitel in einem seltsamen Finale. Es wird ein kirchenartiger Raum beschrieben, dann:
"Wir sitzen hinten mittig zu dritt zusammen - er, du und ich. Noch mit leichten Kopfschmerzen nach dem Wochenende, das wir im Mímir verbracht hatten, wo wir Föroya Bier tranken [...]"
Nach und nach tauchen in diesem Raum die wichtigsten im Buch vorkommenden Charaktere auf und es wird eine Art Bilanz oder Schlussfolgerung aus der bisherigen Reise gezogen, oder auch nicht, denn das wäre anmaßend, schreibt der Erzähler.
Im 32. Kapitel dann ein Tagebucheintrag mit einem Erzählstreich à la "Und dann wachte ich auf." Der Erzähler behauptet, in einem Hotel in Island zu sein und niemals zu den Färöer-Inseln gereist zu sein. 
Im letzten Kapitel beschreibt der Erzähler seine Abreise von den Inseln. 
Ohne diese letzten drei Kapitel hätte ich das Buch als mittelprächtigen Reisebericht betrachtet - nach diesem Schluss stehe ich ratlos da und weiß nicht, was ich Huldar Breiðfjörð nun glauben soll. Für einen Roman reicht das nicht, den Reisebericht streitet der Erzähler selbst ab. Das lässt mich, die Leserin, durchaus entnervt, unzufrieden und mit dem Wunsch nach einem "echten" und glaubwürdigen Reisebericht zurück. 

Huldar Breiðfjörð, Schafe im Schnee. Aufbau, Berlin 2013.

Sunday, November 10, 2013

Jonathan Stroud - The Screaming Staircase


Ever since reading the first book of the Bartimaeus series I'm a fan of Jonathan Stroud's writing. Even if some of his other, earlier novels (e.g. The Heroes of the Valley) have proven not to be as good as Bartimaeus. It was no question that I'd read his new series Lockwood & Co.
As in Bartimaeus Stroud constructs a new reality based on the real thing. The story is set in London but since some decades now the city and the whole country is haunted. There are ghosts everywhere and apart from being scary they are also quite dangerous, you can die from being "ghost-touched". Stroud does a great job in describing the atmosphere and the rules of this alternative society.
There are bigger and smaller agencies that can be hired to get rid of the unwanted visitors, with iron, silver and rapiers the youn agents (only the young can really see, hear and feel properly) fight the ghosts and destroy their sources - usually an object connected to their untimely death.
The smallest agency is Lockwood & Co. with only three members, all young, no adult supervisors. One night something goes wrong and in defending their lives they burn down their costumer's house. To pay their debt they only have one chance - to conquer one of Britain's most haunted houses and solve the mystery of The Screaming Staircase.
Stroud tells the story through the eyes of the talented young agent Lucy who just joined Lockwood & Co. She isn't fully aware of all her skills, there's more to explore for sure in the books to come.
All three main characters are likable but not perfect, they're young, they make mistakes - which leaves plenty of room for younger readers to identify with them.

The story takes some unexpected turns, Stroud speeds things up, slows them down again, including some cliffhangers when doing a flashback to explain the background story - it's hard to put the book down because you desperately want to know how the story turns out.
I thoroughly enjoyed reading it, I liked the idea of this haunted society, I liked the characters and the plot was mostly well-designed. I'm looking forward to the next book of the series.

Jonathan Stroud, Lockwood & Co. - The Screaming Staircase. RHCP Digital, London 2013.

Friday, November 08, 2013

Gotthold Ephraim Lessing - Nathan der Weise


Nathan der Weise von Lessing gilt als ein wegweisendes Werk der Deutschen Aufklärung, besonders bekannt ist die Ringparabel. Ich meine, ich müsse es bereits vor langer Zeit einmal gelesen haben, erinnerte mich aber nur noch bruchstückhaft. Auf der Bühne habe ich es noch nicht gesehen, aber besitze seit Jahren eine szenische Lesung der Deutschen Grammphon. Unter den Sprechern ist auch Ernst Deutsch, der mit der Rolle des Nathans große Erfolge feierte und die Rolle ab den 50er Jahren an vielen deutschen Theatern verkörperte.
Der Zugang zum Werk ist durch die Theaterlesung natürlich deutlich erleichtert, gelesen sind Dramen schwerere Kost. Die Figuren sind mir dennoch leicht fremd geblieben, nicht zuletzt vielleicht auch wegen des ungewohnten Sprachgestus. Faszinierend ist aber der aufklärerische Grundgedanke von Toleranz und Vernunft und die Deutlichkeit und Zielstrebigkeit, mit welcher Lessing diesen in der Figur des Nathan präsentiert. Zu Recht wird das Stück immer noch aufgeführt - wir alle täten nicht schlecht daran, uns mehr in Toleranz zu üben.

Gotthold Ephraim Lessing, Nathan der Weise. Deutsche Grammophon 2004.

Siegfried Lenz - Der Anfang von etwas

Siegfried Lenz ist einer der großen deutschen Erzähler und die Romane, die ich von ihm bisher gelesen habe, gefallen mir sehr gut. Es sind meistens langsame und leise, aber sehr tiefgründige Geschichten. So auch diese Sammlung von Kurzgeschichten: Der Anfang von etwas. Meistererzählungen.
Sie beginnen alle sehr unauffällig, eine Alltagssituation oder zumindest eine scheinbar alltägliche Situation, in die der Leser - typisch Kurzgeschichte - hineingeworfen wird. Erst nach und nach wird das Dramatische, das Tragische der Situation deutlich - der todkranke Junge, dessen Geburtstag vorgezogen wird (Der sechste Geburtstag, 1964), oder der Seemann, der sein Schiff verpasst, das kurz darauf untergeht und er - für tot gehalten - die Chance auf einen Neubeginn wahrnimmt (Der Anfang von etwas, 1958).
Ich bin kein großer Freund von Kurzgeschichten, mir erscheint die Textlänge oft zu kurz, um mich ganz ins Geschehen hineinziehen zu lassen und Freundschaft mit den Protagonisten zu schließen. Lenz' Erzählungen haben mir trotzdem viel Freude bereitet.

Siegfried Lenz, Der Anfang von etwas. Meistererzählungen. Hoffmann und Campe, Hamburg 2009.

Wednesday, August 07, 2013

Graham Greene - Der dritte Mann

Graham Greene schrieb Der dritte Mann 1949. Im Vorwort dieser Ausgabe steht im ersten Satz:
"Der dritte Mann wurde nicht geschrieben, um gelesen, sondern um gesehen zu werden."
Die Idee zu der Geschichte entwickelte sich als visuelle Idee: Bevor das Drehbuch verfasst wurde, schrieb Greene diese Novelle als Vorlage, den Film dabei schon im Kopf und in der Planung. Die Story ist entsprechend nahezu identisch mit dem Filmplot, einige Namensänderungen wurden noch vorgenommen, bevor der Film von Carol Reed mit Orson Wells in der Hauptrolle erfolgreich verfilmt wurde. Am eindrucksvollsten sind dabei sicher die Szenen in der Wiener Unterwelt.
Als Lesestoff empfand ich Story als sehr zäh, Lesefreude kam nicht auf. Die Identitätsverschiebungen des Protagonisten, der unterschiedliche Namen erhält, je nachdem welcher Aspekt seines Charakters ihn gerade zu seinen Handlungen antreibt, der aber wiederum nicht der Ich-Erzähler ist, waren eher anstrengend als spannend. Wäre es länger als die schlappen 122 Seiten gewesen, hätte ich es sicher nicht zuende gelesen.

Graham Greene, Der dritte Mann. SZ Bibliothek Band 29, München 2004.

Sunday, July 28, 2013

John Green - Die erste Liebe [nach 19 vergeblichen Versuchen]

Colin ist hochbegabt und sozialer Außenseiter. Das Außergewöhnlichste an ihm sind seine 19 Ex-Freundinnen, die alle den Namen Katherine tragen. Die letzte hat ihn gerade verlassen und er ist untröstlich.
Sein Freund Hassan - Muslim, dick und ein bisschen antriebsschwach - ist der einzige, der Colins Art erträgt und ihm auch bei diesem 19. Liebeskummer noch zuhört. Er ist es auch, der den Roadtrip vorschlägt, mit dem Die erste Liebe [nach 19 vergeblichen Versuchen] von John Green beginnt. Die beiden ungleichen Freunde stranden in einem Kuhdorf namens Gutshot und treffen dort auf Lindsey. Lindsey ist selbstbewusst, anpassungsfähig und sozial clever, aber dennoch unsicher, was ihre eigene Zukunft betrifft.
Alle drei Charaktere sind interessant, ungewöhnlich, aber dennoch glaubhaft. John Greens Roman ist ein Adoleszenzroman, die drei müssen ihre Defizite erkennen und sich mit ihnen auseinandersetzen, um sich weiterzuentwickeln. Der Erzählstil ist ungewöhnlich, entsprechend Colins Hochbegabung wimmelt es von abstrusen (und größtenteils nutzlosen) Fakten und seltsamen mathematischen Konstruktionen, und humorvoll. Die teils absurden Geschehnisse machen beim Lesen Freude und dennoch kann man der Geschichte aufgrund der wunderbaren Protagonisten Bedeutung abgewinnen und freut sich über das optimistische Ende.
Mir hat der Roman Spaß gemacht, wenngleich mich Das Schicksal ist ein mieser Verräter stärker berührt hat.
PS.: Der deutsche Titel ist kein Glücksgriff.

John Green: Die erste Liebe [nach 19 vergeblichen Versuchen]. Hanser, München 2008.

Tuesday, July 23, 2013

James Bowen - Bob, der Streuner

Diese Autobiographie des ehemals obdachlosen und drogenabhängigen James Bowen rangiert in diesem Sommer in den deutschen Bestsellerlisten ganz weit oben (Kategorie Sachbuch).
James Bowen schildert in schlichter Sprache offen seine Erlebnisse. Noch in der Methadontherapie lebt er in einer Sozialwohnung in London. Mit Straßenmusik hält er sich über Wasser, als ihm eines Tages ein rotgetigerter Kater zuläuft. Er ist krank und unterernährt und sitzt zwei Tage herrenlos in seinem Treppenhaus, bevor Bowen sich seiner annimmt. Um den Kater medizinisch zu versorgen und zu ernähren, muss er sich anstrengen, die entsprechenden Mittel aufzubringen, aber viel gravierender und einschneidender für Bowen ist die Verantwortung für ein Lebewesen, die er nun übernimmt.
Mehrmals versucht er, den Kater in die Freiheit zurück zu entlassen, dieser entscheidet sich zu bleiben und sogar ihm zu folgen, wenn dieser in die Stadt aufbricht.
Der Streuner entpuppt sich als wahrer Publikumsmagnet, da er nicht nur auf Bowens Schulter sitzt, sondern sich auch dekorativ in den Gitarrenkasten positioniert. Der Erfolg beschert Bown auch Neider unter den anderen auf der Straße, so dass er auch viele problematische Situationen erleben muss.
Eindrücklich schildert er, wie sehr ihm die Freundschaft zu Bob und die Verpflichtung, die er damit eingegangen ist, geholfen hat, sein Leben in den Griff zu bekommen.
Es ist eine anrührende Geschichte und James Bowen ist der Erfolg zu gönnen, den er nun mit dem Buch hat und der ihm hoffentlich auch finanziell hilft, seinen Weg weiterzugehen. Sprachlich hat das Buch natürlich Schwächen - aber ich denke, darum geht es hier vielleicht weniger.


James Bowen, Bob, der Streuner. Die Katze, die mein Leben veränderte. Bastei Lübbe, Köln 2013.

Friday, July 12, 2013

Ursula Poznanski - Fünf

Nach Erebos interessierte mich, was Ursla Poznanski außerdem verfasst hat und stieß auf Fünf, das in der lokalen Stadtbibliothek auszuleihen war.
Fünf ist ein Kriminalroman um die Ermittlerin Beatrice Kaspary. Auf einer Kuhwiese wird eine Leiche gefunden, auf deren Füßen Koordinaten eintätowiert wurden. Die Koordinaten führen zu einer Plastikbox mit einer abgetrennten Hand und einem Rätsel. Bald wird klar, dass der Mörder die Polizei zu einer Art Geocaching-Jagd auffordert.
Parallel zur Ermittlung wird auch die persönliche Geschichte von Beatrice Kaspary erzählt - ihre Familiensituation und die Ereignisse, die dazu führten, dass sie Polizistin wurde.
Poznanskis Idee, die moderne Schatzsuche des Geocachings als Grundlage für einen Mordfall zu nehmen, ist interessant und funktioniert weitestgehend gut.
Die Verbindungen zur persönlichen Geschichte Poznanskis erschienen mir allerdings manchmal etwas zu forciert, so als ob jeder Thriller auch immer einen zerrütteten Ermittler haben müsste, der persönlich vom Geschehen betroffen ist. Hier wäre weniger mehr gewesen. Unzufrieden machte mich stellenweise das wechselhafte Tempo der Handlung - manchmal actionreich, dann wieder zäh. Das ist vielleicht für eine Ermittlung authentisch, aber tat dem Erzählfluss nicht gut. Wäre es kein Audiobook gewesen, hätte ich vermutlich an manchen Stellen vorgeblättert.
Insgesamt zwar eine gute Idee, aber in der Umsetzung eher durchschnittlich.

Ursula Poznanski, Fünf. Argon 2012.

Sunday, July 07, 2013

Arnaldur Indriðason - Eiseskälte

In den vorangegangenen Bänden von Arnaldur Indriðason war sein früherer Ermittler Erlendur abwesend, es wurde davon gesprochen, er sei in den Ostfjorden, seiner früheren Heimat.
Eiseskälte erzählt die Geschichte dazu. Der eifrige Leser der Reihe weiß bereits, dass Erlendur - selbst noch ein Kind - seinen kleinen Bruder bei einem Schneesturm in den Bergen aus den Augen verloren hat. Er wurde nie gefunden und diese Tatsache lässt Erlendur keine Ruhe. Er kampiert in dem halbverfallenen Elternhaus und trifft auf unterschiedliche Menschen. Er wird dabei an die Geschichte der ebenfalls verschwundenen Matthildur erinnert und sein Ermittlerinstinkt treibt ihn zu weiteren Recherchen an. So verweben sich die Geschichten der zwei Verschwundenen, in Rückblenden wird sowohl die Geschichte von Erlendurs Familie und ihrem Umgang mit dem Verlust des Bruders als auch die Geschehnisse um das Verschwinden Matthildurs erzählt, während Erlendur mit Augen- und Zeitzeugen spricht. Parallel dazuerzeugt Indriðason eine mystische Komponente, Erlendur wird von Träumen heimgesucht, in denen er einem Wanderer begegnet und auch die Stimme seines Bruders hört. Doch erst nach der Aufklärung des - wie sich herausstellt - Mordes an Matthildur, seine letzten Fall, kann er endgültige Ruhe finden.

Der Roman stellt anrührend dar, wie sehr die Ungewissheit über den Verbleib eines Menschen, ein Leben beeinflussen kann, trotz vieler Jahre können weder Erlendur noch Matthildurs Geliebter vergessen noch Ruhe finden. Die Ermittlungen Erlendurs sind wie auch schon bei früheren Bänden konsequent und logisch, seine Hartnäckigkeit bringt ihn zum Ziel, wenngleich das Tempo in Eiseskälte auch eher gemächlich ist. Indriðason scheint vor allem die Atmosphäre wichtig gewesen zu sein, Spannung steht nicht im Mittelpunkt. So findet sein Charakter Erlendur ein eher ruhiges und nachdenkliches Ende. Passend. 

Arnaldur Indriðason, Eiseskälte. Lübbe, Köln 2012.

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I wrote an English version of this review for goodreads, here it is:

In the previous novels of Arnaldur Indriðason his famous detective Erlendur was away, it was mentioned that he is visiting in his former homecountry, the East Fjords.
"Strange Shores" tells the story tells of this visit. The reader of the complete series already knows that Erlendur lost his little brother in a snowstorm as a child. The brother was never found and Erlunder never fully got over this loss.
He camps in the half-collapsed childhood home and meets some people of the area. He is reminded of the story of another missing person, Matthildur. His instincts drive him to investigate her case.
Indriðason interweaves the stories of the two missing persons, in flashbacks you get to know on the one hand the story of Erlendur family and how they cope with their loss and on the other hand Matthildur's story. Erlunder speaks to eye and contemporary witnesses.
Parallel to this Indriðason creates a mystique atmosphere when Erlendur is hanuted by dreams in which he meets a stranger and hears the voice of his dead brother. But it's only after he discovers Matthildur's fate and finds out she was murdered and solves this last case taht he can find peace.
The novel shows touchingly how not knowing about a missing person's fate can influence a whole life. Although so many years have passed neither Erlunder nor Matthildur's lover can find peace. As in the other novels Erlendur's investigations are consequent and logical, his persistency helps him to solve the case although the tempo of "Strange Shores" is rather slow.
Indriðason focuses on the atmosphere, suspense isn't his main goal.
This way Erlendur's character finds a calm and contemplative end.
Quite suitable.

Saturday, July 06, 2013

Jo Nesbø - Die Larve


Im Laufe der letzten Monate habe ich mich durch die Bände von Jo Nesbøs Harry Hole Serie gehört. Auch Die Larve ist spannend bis zur letzten Minute, komplex und verstrickt. Harry ist einmal mehr an seinen emotionalen und physischen Grenzen. Nach Jahren in Hongkong kehrt er zurück, um in einem speziellen Fall zu ermitteln: Oleg, Sohn seiner Ex-Lebensgefährtin Rachel, ist für den Mord an einem Drogendealer verhaftet worden... Harry darf zwar nicht zurück in den Polizeidienst, nutzt aber seine alten Kontakte, um sich Schritt für Schritt der Wahrheit anzunähern.
Großartiges Finale für einen großartigen Ermittler. Mehr wird nicht verraten.

Jo Nesbø, Die Larve. Hörbuch Hamburg 2011.

Interview mit Jo Nesbø:

Saturday, June 29, 2013

Tommy Jaud - Resturlaub

Da mir Hummeldumm von Tommy Jaud gut gefallen hatte, lieh ich mir auch das Audiobook Resturlaub aus, in der Erwartung einer ähnlich witzigen Geschichte. Vielleicht nutzt sich Jauds Humor schnell ab oderer hat in Hummeldumm tatsächlich einfach besser geschrieben... jedenfalls fand ich Resturlaub nur mäßig.
Ein frustrierter fränkischer PR-Futzi für eine lokale Biermarke kriegt eine vorgezogene Midlife-Crisis und fürchtet seine Einkerkerung in Ehe und Eigenheim. Am Flughafen auf dem Weg mal wieder nach Mallorca in den alljährlichen Urlaub mit den immergleichen Freunden täuscht er torschlusspanisch einen Überfall vor, so dass er - angeblich seines Passes beraubt - zurückbleibt. Er nimmt den nächsten Flug nach Buenos Aires und denkt, er trennt sich von Freundin und Freundeskreis und lässt alles zurück, um ein neues Leben zu beginnen. Es folgen entsprechend Eskapaden in der fernen Großstadt - wobei sich der Protagonist beständig dadurch auszeichnet von sich selbst und der Welt keine Ahnung zu haben, sodass es beinahe schmerzt - um dann mit Hilfe seines besten Freundes gerade noch die Kurve zu kriegen, um in sein altes Leben zurückzukehren, das ihm nun natürlich als das einzig Wahre erscheint. Schlichter kann man eine Geschichte nicht stricken. Vermutlich war auch Hummeldumm nicht komplexer, da haben mich aber die schrulligen Charaktere und die Rahmenstory der Gruppenreise bei Laune gehalten, wenngleich der Protagonist auch dort ausreichend ahnungslos ist.
Zwar liest auch Christoph Maria Herbst das Buch mit seinen Dialekten sehr gut, dennoch vermochte mich die Story schlichtweg nicht zu überzeugen. Gähn.

Tommy Jaud, Resturlaub. Argon 2011.

Saturday, June 22, 2013

Jonathan Stroud - Valley - Tal der Wächter

Valley - Tal der Wächter von Jonathan Stroud beginnt und endet als eine Märchenerzählung für Kinder: "Wenn du versprichst, gut aufzupassen, erzähl ich dir noch einmal von der Schlacht am Troldfelsen."
Das Tal ist bewohnt von zwölf Familien, deren Vorfahren als Helden das Tal gesichert haben vor den Trolden, Unwesen, die nun hinter den Mauern des Tals bleiben müssen. Diese Heldengeschichten sind die eine Erzählebene des Romans, in der anderen wird die Geschichte von Hal Svensson erzählt, einem Nachfahren des Helden Sven. Der glaubt fest an die Helden und die Troldgeschichten und will genauso tapfer sein wie seine Ahne. Wie so oft bei Stroud, ist Hal selbst kein echter Held, kein strahlender Charakter. Vielmehr ist er klein und dunkel gewachsen, zwar intelligent, geht aber mit seinen Streichen und seinem Verhalten seinen Mitmenschen auf die Nerven, er ist schlichtweg unbeliebt und auch unsympathisch. Auch der Leser kann ihn nur schwer ins Herz schließen, den Großteill des Buches habe ich mich daher durchkämpfen müssen, da die Story auch nur sehr langsam in Bewegung kam.
Bei einem Treffen der zwölf Häuser gibt es nach einem Streich von Hal Streit, sein Onkel wird von Hord Hakonsson ermordet. Hal zieht aus, dessenTod zu rächen und erlebt erste Abenteuer, merkt aber auch, dass Heldentum nicht ganz so einfach ist. Seine wahre Stärke und Mut kann er erst beweisen, als Hord Hals Familie und Haus bedroht und dabei kommt Hal auch einem großen Geheimnis der Helden auf die Schliche.
Wirklich spannend war nur das letzte Viertel des Romans, ich war mehrfach kurz davor, das Buch aufzugeben. Ich bin froh, dass Stroud am Ende doch noch die Kurve bekommen hat, da ich den Autor seit seiner Bartimäus-Trilogie sehr schätze. Der Protagonist ist gut konstruiert, aber der Plot ist streckenweise zäh und krankt auch an den zunächst sehr unsympathischen Entscheidungen Hals, die dieser aber wohl durchmachen muss, um daran zu wachsen.
Eine Leseempfehlung würde ich definitiv nicht aussprechen.

Jonathan Stroud, Valley - Tal der Wächter. cbj, München 2009.


Wednesday, June 19, 2013

Jo Nesbø - Leopard

Der Schneemann war in Teilen schon verstörend, in Nesbøs achtem Roman um Harry Hole erreichen die Schilderungen der Brutalität des Serienmörders neue Höhen: Wir erleben gleich zu Beginn die Ermordung aus der Opferperspektive, ein verstörender Anfang.
Nach den traumatischen Ereignissen um den Schneemann ist Harry Hole in Leopard noch tiefer in der Gosse als zuvor. Er ist nach Hong Kong geflohen, macht Schulden mit Pferdewetten und statt Alkohol ist es nun Opium. Trotzdem fällt dem Osloer Dezernat nichts Besseres ein, als ausgerechnet dieses Wrack zurückzuholen, um die neuen Serienmorde aufzuklären. Hole will auch nicht, aber zugleich ist sein Vater schwer erkrankt, also fliegt er mit Kaja, seiner neuen Kollegin, zurück und gerät sogleich in das Netz der Intrigen zwischen dem Mordderzernat und dem Kriminalamt - es geht um Zuständigkeiten und Machtverhältnisse.
Wie auch in den vorangegangenen Bänden glauben die Ermittler mehrmals, den Täter gefunden zu haben, bis sich in letzter Sekunde herausstellt, dass es doch ganz anders ist. Dabei nimmt Nesbø in der fast 700 Seiten starken Geschichte niemals das Tempo herunter, sogartig geht es voran. Im Showdown muss Harry allerdings erneut Übermenschliches leisten, um zu überleben und den Täter zu fassen. Dies ist meiner Meinung nach ein Spannungstrick, den Nesbø gar nicht nötig hätte, denn der Leopard trägt sich allein schon durch die rasant-spannende Ermittlungstätigkeit seines Protagonisten und hätte so ein Ende gar nicht nötig.

Jo Nesbø, Leopard. HörbuchHamburg 2011.

Saturday, June 08, 2013

Klüpfel/Kobr - Herzblut





Friday, June 07, 2013

Paola Predicatori - Der Regen in deinem Zimmer

Der Regen in deinem Zimmer von der italienischen Autorin Paola Predicatori (Buchhändlerin, in Mailand lebend) war ein Geschenk des Zufalls, der Titel sprach mich an.
Die Geschichte von Alessandra, die mit 17 ihre Mutter an den Krebs verliert und mit der trauernden Großmutter hilflos zurückbleibt, ist sehr anrührend. Abwechselnd spricht sie einerseits im persönlichen Du mit der Mutter über die Dinge, die sie vermisst oder an die sie sich erinnert oder erinnern will, andererseits berichtet sie mit genauen Datumsangaben über ihren Alltag und was sie nach dem Tod der Mutter gegenüber ihren Mitschülern empfindet. Die alten Freundschaften mit den Mädchen ihrer Klasse ist sie emotional entwachsen, diese können ihr nichts bieten und sie wendet sich instinktiv und ohne nachzudenken ab. Sie setzt sich einfach an den Tisch des einzigen Menschen in der Klasse, mit dem niemand Kontakt hat. Dass sich daraus tatsächlich Freundschaft oder Liebe entwickeln könnte, damit rechnet Alessandra nicht, zu sehr entfernt fühlt sie sich vom Leben, und auch Gabriele scheint bereits (zu) viele Verletzungen erlitten zu haben.  
Der Regen in deinem Zimmer ist ein sehr leises Buch, das schlichte, aber beeindruckende Bilder in den Kopf zaubert und die Trauer, den Verlust und das Trotzdem-Weiterleben-Müssen, ein schweres Thema, aus der Sicht eines noch sehr jungen Menschen beleuchtet und dennoch neue Perpektiven aufzeigt, wie es weitergehen kann, ohne dabei den Weg wirklich zu kennen.

"Hin und wieder spürte ich die Sonne auf der Haut, die sich aus den zerzausten Wolken befreite. Dazu den Wind und deine Worte. Was hast du zu mir gesagt? Was hast du mir erzählt? Wenn ich mich nur an alles erinnern könnte.
In jener Zeit waren wir unsterblich. Das Leben erschien uns so lang.
Ich spürte die Sonne und den Wind und deine Worte auf der Haut, und nichts anderes zählte."
 
Paola Predicatori, Der Regen in deinem Zimmer. Aufbau-Verlag, Berlin, 2013.

Monday, May 27, 2013

Simon Beckett - Tiere

Es gibt einen Grund, warum Simon Beckett erst mit seiner David Hunter Serie wirklich bekannt geworden ist. Tiere ist Teil seines Frühwerks, erstmals veröffentlicht 1995, aber erst 2011 mit der Erfolgswelle in Deutschland erschienen. Es gibt vermutlich auch Gründe, warum die Autorenwebsite über keines dieser Frühwerke Informationen liefert, dort werden nur die Hunter-Romane präsentiert. Eine englische Edition ist zurzeit nicht erhältlich.
Dabei ist die Grundidee des Romans keinsfalls schlecht, wenngleich sehr morbide.
Der Ich-Erzähler Nigel lebt allein in einem alten Pub, der seit dem Tod seiner Eltern nicht mehr in Betrieb ist. Er ist besonders intelligent und hat extrem verquere Moralvorstellungen. Beides führte dazu, dass er im Keller des Pubs auf der Straße aufgesammelte, teils heruntergekommene Menschen wie Tiere gefangenhält. Er füttert sie, spricht sie als "es" an, versucht sogar sie zu dressieren.
Dabei ist klar, dass er Angst und Respekt von ihnen erwartet, ihm aber zunehmend schwerfällt, die Tiere zu kontrollieren.
Normale Sozialkontakte hat Nigel nicht, am ehesten kommt er mit seinen Arbeitskolleginnen zurecht. Als sich diese aus Neugier auf den seltsamen Kollegen selbst einladen, geht alles schief...
Parallel zu den Ereignissen des Besuchs deckt Nigel in seinen Erzählungen die Geschichte seiner Eltern und des Pubs auf, in denen sein soziopathisches Verhalten begründet liegt.
Es ist verstörend, eine solche Geschichte aus der Perspektive des Täters geschildert zu bekommen, die Schlichtheit seines Denkens ist beängstigend und mitleiderregend gleichzeitig, sein Handeln dennoch grausam. Da hilft es auch nicht, dass er zwischendurch denkt, er müsste sich dafür entschuldigen. Weiß er doch, dass es falsch ist, was er tut? Über die Opfer erfährt man wenig, sie spielen nahezu keine Rolle in der Erzählung. Auch fehlt dem Roman der befriedigende Abschluss, zwar wird das Kellerverlies entdeckt, die vermeintlichen Retter fliehen aber, Nigel bleibt zurück. Seine weitere Geschichte, Gefängnisstrafe oder Therapie, die Befreiung der Opfer, all dies bleibt offen.
Als psychologische Studie ist Tiere zu schwach und zu unplausibel, für einen Thriller ist der Spannungsbogen nicht ausreichend und das Ende trotz Showdown unzulänglich.
Ich empfehle stattdessen Raum von Emma Donoghue mit einer verwandten Thematik, wenngleich die Gefangenschaft dort aus der Perspektive eines gefangenen Kindes erzählt wird.
 
Simon Beckett, Tiere. Argon 2012.


Sunday, May 26, 2013

Ursula Poznanski - Erebos

An Nicks Schule gehen merkwürdige Dinge vor sich. Zunächst weiß Nick nicht, was es ist, denn alle hüllen sich in Schweigen und verhalten sich seltsam. Doch dann erhält auch er eine CD mit dem Computerspiel, das alle so in ihren Bann zieht. Erebos (eigentlich der Name des griechischen Gottes der Finsternis, aber das weiß fast niemand, deswegen nimmt es auch niemand als Warnung wahr) verpflichtet die Spieler zum Schweigen über das süchtig machende Spiel. Man hat nur eine Chance es zu spielen, und um nicht hinauszufliegen, müssen die Spieler Aufgaben erfüllen - im Spiel und in der Realität. Auch Nick verfällt dem Spiel, bei einem seiner Aufträge in der realen Welt verweigert er sich jedoch, weil ihm bewusst wird, wie gefährlich das Spiel geworden ist. Er verliert den Zugang zum Spiel und verbündet sich daraufhin mit anderen, die ebenfalls die Gefahr erkannt haben.
Poznanski hat hier eine äußerst spannende Geschichte konstruiert. Jeder Computerspieler hat vermutlich schon einmal erlebt, wie sehr man von einem Spiel in den Bann gezogen werden kann. Man vergisst, was um einen herum ist, vernachlässigt andere Verpflichtungen. Erebos treibt dies auf die Spitze, die Jugendlichen werden von dem Spiel gesteuert, in emotionale und soziale Abhängigkeiten getrieben und tun dadurch Dinge, die sie sonst nicht tun würden. Nick ist ein Protagonist, der glaubhaft ist, weil er dem Spiel zunächst genauso verfällt, und dennoch moralisch integer an der richtigen Stelle die richtige Entscheidung trifft. Empathie, Mitgefühl und Zusammenhalt verhelfen den Guten zum Sieg. Natürlich ist das Bild von Gut und Böse einfach gezeichnet, der Spannung tut dies aber keinen Abbruch.
Meiner Meinung nach erhielt Erebos zurecht den Deutschen Jugendliteraturpreis 2011.
Einen etwas seltsamen Effekt hatte es für mich, dass die Audiobook-Fassung von Jens Wawrczeck gelesen wurde. Nick verschmolz dadurch in meinem Kopf mit Peter, der wohl am wahrscheinlichsten von den drei Fragezeichen auch Erebos zunächst erlegen wäre, aber ebenso das Geheimnis aufgedeckt hätte, zudem die Aufklärung in einigen Punkten der Fragezeichenrätselrecherche ähnelte. Erebos als großer Drei-Fragezeichen-Fall... Aber nur in meinem Kopf.

Ursula Poznanski, Erebos. Der Hörverlag 2010.