Friday, November 02, 2007
Tuesday, October 16, 2007
Andrea Maria Schenkel - Tannöd
"Tannöd" von Andrea Maria Schenkel gewann den deutschen Krimipreis 2007.Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit, nämlich den ungelösten Mordfällen, die 1922 im oberbayrischen Hinterkaifeck begangen wurden.
Die sechs Bewohner eines abgelegenen Bauernhofes werden brutal mit einer Spitzhacke ermordet. In Schenkels Krimi gibt es keinen einzelnen Erzähler, sondern nur die interviewartig zusammengetragenen Eindrücke und Beobachtungen der Menschen rund um Tannöd, dem Bauernhof und Ort der schrecklichen Tat. Da gibt es die verschiedensten Stimmen, vom 8jährigen Kind, über Nachbarn, Krämerin bis hin zum Pfarrer des Ortes. Und eine dieser Stimmen ist die des Mörders.
Ungewöhnlich, gruselig, bedrückend, spannend.
Preis verdient, würde ich sagen.
Saturday, October 13, 2007
Die italienischen Schuhe
Dann kamen einige Afrika-Romane, in denen Mankell von seiner neuen Wahlheimat berichtet.
Mit "Die italienischen Schuhe" kehrt er wieder nach Schweden zurück und auch gleich noch in eine echte Sehnsuchtslandschaft, nämlich die der Schären.
Ein frühzeitig pensionierter Arzt sitzt allein auf so einer Schäre, bei ihm ein alter Hund, eine alte Katze und ein stetig wachsender Ameisenhaufen im Wohnzimmer. Es passiert nichts, er beobachtet Vögel, er füttert die Tiere, er springt jeden Tag in ein Eisloch, er ist genervt vom Postboten, der einzigen Person, die ihn in seiner Einsamkeit aufsucht, aufsuchen muss.
In sich eingeschlossen hat er mehr als eine Geschichte, die in seinem Leben unerledigt geblieben ist. Mit diesen wird er plötzlich konfrontiert, als die von ihm auf brutale Weise verlassen wordene Jugendgeliebte plötzlich auf dem Eis vor seiner Schäre steht und ein lang gegebenes Versprechen einfordert.
Was noch geschieht und wie dazu nun der Titel des Buches passt, mag jeder selbst entdecken.
Es ist eine leise Geschichte, eine Geschichte über Rückblicke auf das eigene Leben und letztlich die Erkenntnis, dass Leben trotz aller Fehler der Vergangenheit im Jetzt geschieht.
Ein wunderschönes Buch.

Henning Mankell: Die italienischen Schuhe. Zsolnay, Wien 2007.
mankell.de
wallander-web.de
Mankell bei wikipedia.de
Friday, October 12, 2007
Illuminated

Warum reist ein amerikanischer Jude in die Ukraine?
Wo liegt Trachimbrod?
Wer ist Brod?
Wer nennt seinen Hund Sammy Davis Jr. Jr.?
Wer ist Jonathan Safran Foer?
Ganz einfach ist es nicht, den Inhalt von Foers Bestseller-Roman "Alles ist erleuchtet" wiederzugeben. Vielleicht auch unmöglich. Vielleicht auch nicht nötig.
Ich stimme Hubert Winkels, Autor einer umfassenden Rezension des Buches ("Zauber und Zinnober", erschienen in DIE ZEIT 12/2003) zu: Wird um ein Buch viel Aufhebens gemacht, wird es über den grünen Klee gelobt, dann will man häufig zwei oder drei Schritte zurückweichen und das Ding in der Ecke liegen lassen. Kurz: Skepsis, ob es hält, was die Bestsellerlisten und Buch(an)preiser so versprechen. So erschien das amerikanische Original bereits 2002, die deutsche Ausgabe schon 2003 (nur eine von 20 Übersetzungen! Puh!) ... und ich, ich Banause lese es erst jetzt! Obwohl es schon länger in dem Stapel von Ungelesenem verweilte.
Aber Überraschung: Es ist wirklich ein außergewöhnliches Buch. Außergewöhnlich erzählt, fantasievoll-verrückt, skurrile Figuren, voller ungewöhnlicher Ideen und Bilder, sprachlich ebenso außergewöhnlich (Hut ab vor dem Übersetzer!), tragisch, bedrückend, aber auch immer wieder erheiternd.
Um noch einmal auf Herrn Winkels zurückzukommen: "Zuletzt ist aus einem humoristischen Roman ein erhabener geworden. Und doch: Der Zauber des Geniestreichs erreicht auch den solcherart Skeptischen."
PS.: Ich war derart spät dran, dass auch der Film (2005) schon längst wieder Schnee von gestern ist, aber den habe ich nachgeschoben. Danach glaubt der Kinobesucher eventuell, eine skurrile Story (so denn mit interessanter, guter Besetzung gesehen zu haben, Elijah Wood in der Hauptrolle) - vielleicht - aber die Vielschichtigkeit des Buches kann der Film nicht leisten -
also: LESEN!

Saturday, October 06, 2007
Bielefeld...
Monday, October 01, 2007
Monday, August 06, 2007
Wie die Affen...
aber wir realisieren nur selten, dass wir Affen sind."
Richard Dawkins
Aufgenommen im Zoo Münster, 31.7.2007.
Sunday, August 05, 2007
Did they get you to trade....

So, so you think you can tell
Heaven from Hell,
blue skies from pain.
Can you tell a green field from a cold steel rail?
A smile from a veil?
Do you think you can tell?
And did they get you to trade
your heroes for ghosts?
Hot ashes for trees?
Hot air for a cool breeze?
Cold comfort for change?
And did you exchange
a walk on part in the war
for a lead role in a cage?
How I wish, how I wish you were here.
We're just two lost souls
swimming in a fish bowl,
year after year,
Running over the same old ground.
What have we found?
The same old fears.
Wish you were here.
from the album Wish You Were Here, 1975.
Monday, July 30, 2007
Norbert Horst: Todesmuster
Deutscher Krimi. Preisgekrönt. Norbert Horst ist in seinem ersten Leben Polizist, in seinem zweiten Autor. Und kein schlechter (Friedrich Glauser 2004, Deutscher Krimipreis 2006). Nach einer ersten Gewöhnungsphase auf den ersten Seiten ist der ungewöhnliche, protokollartige, die Gedanken des Ich-Erzählers wiedergebende Stil durchaus spannend. Das Geschehen von Todesmuster umfasst keine zwei Wochen - das ergibt zusammen mit dem Erzählstil ein recht zügiges Tempo.Der Protagonist hat Ecken und Kanten, ist mal witzig, mal mitfühlend, mal in seinen eigenen Unzulänglichkeiten gefangen. Der Fall entwirrt sich nach und nach, obwohl es am Anfang fast unmöglich scheint, da sich kaum verfolgenswerte Spuren finden. Vielleicht ist gerade das der Grund, warum die Ermittlungen mit all ihren Banalitäten, falschen Fährten und Details so glaubhaft und realistisch scheinen. Man mag nicken und sagen: "Ja, vermutlich arbeitet die deutsche Kriminalpolizei tatsächlich so." Vor dem Hintergrund des Werdegangs des Autors auch plausibel. Etwas frustrierend, dass der Täter gefasst, aber die Tat selbst nicht durch ein Tätergeständnis genauer erklärt wird, aber vielleicht wäre dies auch schrecklich genauer zu wissen. So bleibt vage, was genau geschehen ist, auch das Opfer bleibt unscharf.
Alles in allem ist Todesmuster anders als andere deutsche Krimis - und das ist nicht schlecht.
Norbert Horst: Todesmuster. München 2005.
Tuesday, July 17, 2007
Sunday, July 15, 2007
Friday, July 13, 2007
Ensemble, c'est tout

Was erwartet man von einem Buch, das in Paris spielt, und von den darin agierenden Charakteren? Lebensfreude, die schönen Künste, z.B. Malerei, Musik,..., gutes Essen, vielleicht noch eine gewisse Geschichtsverbundenheit, das Land atmet das Königliche und die Revolution gleichermaßen. Voilà – damit wären ja schon einige Komponenten von Anna Gavaldas Bestseller „Zusammen ist man weniger allein“ genannt. (Der französische Originaltitel „Ensemble, c’est tou“ ist allerdings treffender.)
Vier Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein können, schälen sich im Laufe des Buches aus ihren Einsamkeiten, um sich in Wohngemeinschaft und Freundschaft endlich wieder an ihrem Leben zu freuen. Da wären:
Camille – arbeitet als Putzfrau, isst kaum d.h. zu wenig, trinkt und raucht, viel zu viel, und zeichnet und malt wie ein Engel, aber zu wenig. Sie wacht jeden Tag mit dem Gefühl auf „Kies zu kauen“ und die Erinnerungen an ihr bisheriges Leben und ihre Familie quälen sie.
Franck – ein begabter Koch, schuftet und schuftet und verwechselt in seiner Freizeit Motorradfahren und kurze Frauengeschichten mit dem Leben. Einziger Lebensliebeslichtblick: Seine Großmutter Paulette.
Paulette – Francks Großmutter, hat ihn groß gezogen und ist alt und langsam zu alt, um noch allein zu wohnen. Ihr altes Haus – das kleine Paradies. Das Altersheim – ein Albtraum.
Philibert – adelig, aber durch seine Familie zu einem unsicheren, gestörten jungen Mann geworden, der Postkarten verkauft und mit einem schier unendlichen historischen Wissen stotternd umherirrt. Er bewohnt bis zur Lösung einer Erbschaftsstreiterei ein museumshaftes Appartement, das für ihn allein viel zu groß ist.
Zusammen mit diesen vier betritt man Philiberts Appartement und damit eine andere Welt, in der normal nichts mehr bedeutet und Leben neu definiert wird und eine andere Qualität bekommt. Das Alte hinter sich lassen, Neues schaffen, aber das nur im Miteinander.
Keine neue Botschaft, natürlich, aber die Charaktere sind ganz wunderbar in ihrer Skurrilität und in ihrer Glaubhaftigkeit.
Man will plötzlich auch nach Paris, am liebsten mit diesen in ihre WG einziehen, ein wunderbares Bild malen, Vivaldi hören oder ein mehrgängiges Menü kochen.
Auch sprachlich macht das Buch Spaß: Die Dialoge lassen nach und nach immer mehr durchscheinen, was für Menschen da miteinander sprechen, die Gedanken und Selbstgespräche von Camille lassen einen manchmal schmunzeln, manchmal traurig sein.
Aber genug des Kommentars: Selber lesen. Am besten schnell, denn Mitte August hat der Film Premiere, wer weiß... Wobei man mit Audrey Tautou in der Rolle der Camille hoffen darf...

Zum Schluss noch eine kleine Leseprobe:
Am nächsten Tag blieb sie im Bett, bis es Zeit war, den Besen zu schwingen. Als sie aufstand, sah sie auf dem Tisch den Teller, den Franck für sie zubereitet hatte, mit einer kleinen Nachricht: „Filetspitze von gestern mit Backpflaumen und frischen Tagliatelle. Mikrowelle drei Minuten.“
Fehlerlos, alle Achtung.
Sie aß im Stehen und fühlte sich sogleich besser.
Schweigend verdiente sie ihren Lebensunterhalt.
Wrang den Scheuerlappen aus, leerte Aschenbecher und verschnürte Müllbeutel.
Kehrte zu Fuß nach Hause zurück.
Schlug die Hände gegeneinander, um sie aufzuwärmen.
Nahm den Kopf wieder hoch.
Dachte nach.
Und je mehr sie nachdachte, desto schneller lief sie.
Rannte fast.
Es war zwei Uhr morgens, als sie Philibert schüttelte:
„Ich muss mit dir reden.“
„Jetzt?“
„Ja.“
„A... aber, wie spät ist es denn?“
„Das ist egal, hör mir zu.“
„Reich mir bitte meine Brille.“
„Du brauchst keine Brille, es ist dunkel.“
„Camille ... Bitte.“
„Ah, danke. Mit meinen Gläsern höre ich besser. Na, Soldat? Was verschafft mir die Ehre dieses Hinterhalts?“
Camille atmete tief durch und packte aus. Sie hörte eine Weile nicht mehr auf zu reden.
(Anna Gavalda: Zusammen ist man weniger allein. Carl Hanser Verlag, München/Wien 2005, S. 343f.)
Offen liegt das Meer
Wednesday, July 11, 2007
Verschwommene Fotografie
Komm, gieß' mein Glas noch einmal ein
Mit jenem bill'gen roten Wein,
In dem ist jene Zeit noch wach,
Heut' trink ich meinen Freunden nach.
Bei diesem Glas denk' ich zurück
An Euch, mit denen ich ein Stück
Auf meinem Weg gegangen bin;
Mit diesem Glas trink' ich im Sinn
Nach Süden, Ost und West und Nord
Und find' Euch in Gedanken dort,
Wo immer ihr zuhause seid,
Seh' die Gesichter nach der Zeit
In meinem Glas vorüber zieh'n,
Verschwommene Fotografien,
Die sich wirr aneinanderreih'n...
(aus: Reinhard Mey, Komm gieß mein Glas noch einmal ein, 1970)
Monday, July 09, 2007
Glückssuche
Francois Lelord war bis 1996 Psychiater in Paris, schloss seine Praxis und zog in die Welt hinaus, um etwas über den Sinn des Lebens herauszufinden. Die erste Veröffentlichung war "Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück" 2002. Weitere Bände zum Thema Liebe und Zeit folgten.
Hector ist Psychiater in "einer großen Stadt mit breiten Alleen, die von schönen alten Gebäuden gesäumt wurden" und er zieht in die Welt hinaus, um etwas über das Glück zu erfahren, denn er ist nicht mit sich zufrieden, weil "er die Leute nicht glücklich machen konnte". Wobei ihm auch so manches Mal nicht klar ist, warum die Leute eigentlich unglücklich sind. So reist er nach China, Chile und Kalifornien und trifft auf die unterschiedlichsten Menschen und macht seine Beobachtungen zu deren Glück oder Unglück. Seine Gedanken dazu schreibt er in ein kleines Notizbuch in Form von Lektionen. Zum Beispiel:
- Lektion Nr.1: Vergleiche anzustellen ist ein gutes Mittel, sich sein Glück zu vermiesen.
- Lektion Nr.8: Glück ist, mit den Menschen zusammen zu sein, die man liebt.
- Lektion Nr.10: Glück ist, wenn man eine Beschäftigung hat, die man liebt.
- Lektion Nr.19: Sonne und Meer sind ein Glück für jeden Menschen.
Hector sammelt schöne, kleine Weisheiten. Gleichzeitig ist das Buch so erfrischend einfach erzählt in einer fast kindlichen Sprache (den Kritikern solcher Bücher wird das sicherlich ein Stein des Anstoßes sein), fast dazu führt, dass man einfach so hindurchrutscht beim Lesen. Aber hinterher mag man noch einmal zurückblättern und die ein oder andere Geschichte oder Lektion noch einmal bedenken.
Warum auch nicht - wenn es nur dazu dienen kann, auch nur einen Tag oder eine Stunde des Lebens nur ein wenig glücklicher zu verbringen, weil man seine Relationen anders setzt (siehe Lektion Nr.1), dann hat sich die Lektüre gelohnt.
Wünsche glückliche Lesestunden.
Francois Lelord: Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück. München, Piper-Verlag, 2006.
Sunday, July 08, 2007
On Beauty

Gerade zuende gelesen: Zadie Smith "On Beauty"
Lesenswert - sprachlich schön (wenn auch nicht an allen Stellen einfach für den nicht Muttersprachler) dicht gewobene Familiengeschichte und wunderbar zynische Betrachtungsweise des Wissenschaftsalltags und Universitätslebens, faszinierende Charaktere.
Mehr über die Autorin (Zeit-Artikel)
Rezension bzw. Appetitanreger
Monday, July 02, 2007
Kleines Beispiel
Auch ungelebtes Leben
geht zu Ende
zwar vielleicht langsamer
wie eine Batterie
in einer Taschenlampe
Aber das hilft nicht viel:
Wenn man
(sagen wir einmal)
diese Taschenlampe
nach so- und so vielen Jahren
anknipsen will
kommt kein Atemzug Licht mehr heraus
und wenn Du sie aufmachst
findest Du nur Deine Knochen
und falls Du Pech hast
auch diese
schon ganz zerfressen
Da hättest Du
genau so gut
leuchten können
Erich Fried
Saturday, June 16, 2007
Monday, May 28, 2007
Schneegänse
Vielleicht noch nicht bei diesem Zitat auf dem Klappentext, aber vielleicht dann spätestens beim Zitatgeber, denn dies sagt ... die Weltwoche? Wieso ausgerechnet ein Zitat aus der Weltwoche, wenn es doch ein Meisterwerk ist? Hat der Spiegel oder die Zeit nichts dazu gesagt? Hmm...
Der Ich-Erzähler verfällt im Zuge eines langen Genesungsprozesses der Faszination der Vogelwelt, insbesondere den Schneegänsen. Und dann waren da noch Mauersegler, Rotschwanzbussarde, Sumpfhordenvögel, Nordamerikanische Schneefinken, Purpurgimpel, diverse Entenarten, Reiher, Kraniche und wasweißichnoch für Geflügel. Da beschließt er dann den Schneegänsen, welche ja Zugvögel sind, quer über den nordamerikanischen Kontinent (Texas – Baffin Bay, Kanada) zu folgen, mit ihnen zu reisen.
Hey, die Idee klingt spannend. Er trifft auch viele interessante Menschen auf dem Weg, deren Geschichten seltsamerweise alle spannender sind als seine eigene. (Oder warum erzählt er sie?)
Dazwischen kann er sich offensichtlich nicht ganz entscheiden, ob er statt Erlebnisbericht nicht vielleicht doch lieber ein Vogelsachbuch geschrieben hätte. Was ich jetzt alles über Forschungen zum Zugverhalten und die verantwortlich zu machende Erdkrümmung weiß! (Entsprechend gibt es am Ende des Buchs auch ein langes Literaturverzeichnis...)
Interessant vielleicht auch noch, dass Nostalgia (oder auch Heimweh) tatsächlich eine Krankheit ist, die früher gern bei delokalisierten Alpenbewohnern oder Soldaten an der Front diagnostiziert wurde. Wusste ich vorher auch nicht. Vielleicht mal zum Nachdenken für alle, die Retro (=nostalgisch?) so schick finden...
Nach der ersten Reiseaufregung (seine „Zugunruhe“) ist dann plötzlich natürlich doch wieder das Heimweh zum Elternhaus da („Rückkehr ins Brutgebiet“), aber gebogen und gebrochen, schafft er am Ende den waghalsigen Schluss, dass seine Nostalgia doch zukunftsgerichtet ist, ein Sehnen zum Neuen...
Magisch fand ich das nicht, sondern eher etwas herbeigezwungen. Hübsch vielleicht noch der kleine selbstproduzierte Seitenhieb, dass er ins Brutgebiet der Schneegänse nur mit einem Pärchen jagender Inuit gelangen kann – zum Abendbrot gibt es dann Schneegans...
Alles in allem ist es für Ornithologen vielleicht ein ganz niedliches Buch, mich haben die pseudowissenschaftlichen Vogelpassagen eher gestört, wenngleich ich einige der Charaktere, denen er auf dem Weg begegnet, faszinierend fand.
Die Weltwoche hat allerdings um einige Ecken zu hoch gegriffen, meiner Meinung nach.
Wie gesagt, man hätte misstrauisch werden können...
William Fiennes: Der Zug der Schneegänse. Eine Reise zwischen Himmel und Erde. München 2002.
Grün
Grau, teurer Freund, ist alle Theorie
Und grün des Lebens goldner Baum.
Johann Wolfgang von Goethe, Faust I, (Mephistopheles)
Friday, May 25, 2007
Saturday, March 31, 2007
Horst Eckert
Die meisten Leute tragen ein diffuses Unglück mit sich herum. Die einen, weil sie zu wenig haben, die anderen weil sie zu viel haben.(Polski Blues, München 1991, S.39)
Du musst begreifen, dass du das, was du suchst, nie verloren hattest. Das ist so einfach, dass du mich nicht verstehst. Habe ich recht?"(Polski Blues, München 1991, S.129)
Interview mit Janosch (Allgemeine Zeitung)Artikel zum 75. Geburtstag (RP online)und noch einer (Deutsche Welle)
Friday, March 30, 2007
Jonathan Stroud: Bartimaeus
Magier, deren Magie eigentlich nur Handwerk ist, Dämonen/Geister, die versklavt werden, um den Magiern ihre Macht zu erhalten, und eine unterdrückte Mehrheit von Bürgern (wobei das Wort "commoners" irgendwie besser passt), die den Machtspielchen der Magier nahezu hilflos ausgeliefert sind. Das sind die drei Komponenten der Trilogie, die von den drei Hauptcharakteren Nathaniel, Bartimaeus und Kitty vertreten werden. Drei Erzählperspektiven - drei Sichtweisen auf das Geschehen. Das Geschehen - nun, zuviel will ich eigentlich nicht verraten: Magische Objekte, Feinde der Regierung, Widerstand und Revolution, aber auch die persönliche Verstrickung dreier höchst interessanter Charaktere, die sich zunächst völlig konträr und unvereinbar einander gegenüber stehen. Am glorreichsten aber die Sprache der Bücher, die es (zumindest auf Englisch, eine deutsche Übersetzung habe ich noch nicht in der Hand gehabt) zum puren Lesevergnügen macht. Allen voran natürlich Bartimaeus, so zynisch, so bissig und witzig... Alles in allem eine wirklich perfekte Mischung aus Sprachvergnügen, spannender Story und nachdenklichen Momenten.
Wer "Samarkand" sagt, wird hin zum "Ptolomy's Gate" nicht aufzuhalten sein.

Eine Kostprobe zu Bartimaeus Witz kann man auf der Website des Autors finden, nämlich in "Bartimaeus' Journal". Außerdem gibt es auch ein Forum zur Trilogie, in dem der Autor von Zeit zu Zeit Fragen beantwortet.
Friday, March 23, 2007
Nachtrag zum Schreiben
"Man kann sich nichts vom Leib schreiben. Man schreibt sich alles auf den Leib. Selbst wenn man einen politischen Artikel schreibt, wird das Elend und die Wut immer größer, nicht kleiner. Schreiben ist keine Therapie, Schreiben ist gefährlich."
- Peter Bichsel
Als ich dieses Zitat fand, wollte ich natürlich auch wissen, wer Peter Bichsel ist: Er ist Schweizer Schriftsteller, geboren 1935, und Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Er hat einige Literaturpreise gewonnen - darunter auch den Preis der Gruppe 47 1965. Ist eben manchmal doch verblüffend, wie Dinge, die einen beschäftigen, Kreise ziehen und sich wiedertreffen.
Schreiben über das Schreiben

Schreiben ist wichtig für mich.
Schreiben ist für mich Meditation.
Das Papier unter den Fingern zu spüren, das Gewicht des Stiftes in der Hand, die zarten Linien, die entstehen, die Buchstaben und Wörter zusammenführen, um schließlich Sinn zu ergeben.
Schreiben ist auch Arbeit.
Den finsteren Rotstift ansetzen, gnadenlos auf Fehler und Unzulänglichkeiten stoßen, das Schreiben anderer am Ende mit einem einzigen roten Wort zusammenfassen und beurteilen. Dies ist eigentlich nie ein Vergnügen.
Schreiben dient dazu Ordnung zu schaffen.
Nicht nur in Form der nicht enden wollenden, nie abgearbeiteten To-Do-Listen, die natürlich eine gewisse Ordnung auf dem Schreibtisch schaffen. Eher in Form von Gedanken, die fast wie von selbst durch den Stift auf das Papier fließen, Gedanken, die auszusprechen so viel schwieriger wäre, Gedanken, die sich erst durch das Niederschreiben des vorangegangenen Gedankens ergeben, sich aneinanderreihen und miteinander sprechen, auf dem Papier nebeneinander stehen, in Konkurrenz und Kommunikation treten. So kann ich sie sehen und besser verstehen.
So kann Schreiben auch Sinn schaffen.
Schreiben ist wichtig für mich.
Thursday, March 22, 2007
Störche, Otter, Esel, Uhus...
Erich Fried: Benennungen
Es ist schön
deutlich getäuscht zu werden
Ein Bild von Magritte
auf diesem Stein steht BROT
auf diesem Messer steht VOGEL
Ganz einfach
du siehst und du liest
und die verstehst die Methode
und könntest lachen
Aber worauf steht hier LIEBE
und was trägt die Auschrift
DENOKRATIE
Was ist das in Wirklichkeit
und warum N
statt M
Ist das Absicht oder ein Irrtum
Und dort steht LEBEN
mit einem Strich mitten durch
-------------------------------
Mal wieder ein Funstück von Fried, ich kann nicht wiederstehen, wenn er auch noch weitere Dinge berührt, die ich mag und schätze. Mehr über René Magritte bei Wikipedia.
Tuesday, November 21, 2006
Sunday, June 18, 2006
Erich Fried: Sie wird alt

In Katzenjahren gerechnet
ist sie nicht viel älter als ich
Sie bewegt sich vorsichtig:
Vom Fensterbrett springt sie
zuerst auf den Stuhl hinunter
und dann zögernd zu Boden
Sie geht langsam zu ihrem Napf:
Jede Bewegung ein Schmerz
Ich beginne aufzustehen
um ihr Futter zu geben
Ich zucke zusammen
und muß stillstehend
einatmen
ausatmen
Richtig:
Jede Bewegung ein Schmerz
aus: Erich Fried "Ein Leben in Bildern und Geschichten", Berlin 1996.
Monday, June 05, 2006
Sunday, June 04, 2006
The Serenity Prayer
(Nicht zuletzt kenne ich ihn in einer englischen Fassung aus dem Vorspann einer meiner älteren CDs, nämlich "I do not want what I haven't got" von Sinead O'Connor, 1990, aber das nur am Rande.)
Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen,Ich kannte mehrere, leicht verschiedene Fassungen, außerdem besagte englische Version. Frage: Was ist denn nun das "Original"?
die ich nicht ändern kann, den Mut,
Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Überraschenderweise fand ich heraus, dass der Verfasser ein Amerikaner ist. Ein Theologe, Philosoph und Politikwissenschaftler sogar, Reinhold Niebuhr (1892-1971). Bei dem Namen war ich erst verwirrt, aber ja, er ist Amerikaner und das Originalzitat daher englisch. In einer leicht abgeänderten Form ist The Serenity Prayer übrigens das Leitmotto der Anonymen Alkoholiker in den USA. Wie ich las, war Niebuhr nicht nur Kritiker des Kommunismus, sondern hatte bereits zu Beginn der großen (Auto-)Industrialisierungsphase etwas gegen die Selbstgerechtgkeit der USA. Wieder etwas gelernt.
God, give us grace to accept with serenity
the things that cannot be changed, courage
to change the things which should be changed,
and the wisdom to distinguish the one from the other.
Thursday, May 25, 2006
Die Macht der Phantasie
Gerade habe ich ein Buch ausgelesen, dass ich wohl in der Buchhandlung selbst nie ausgewählt hätte. Aber manches flattert einem als Geschenk in die Hände.
In Das Wunder von St. Petersburg erzählt Maria Blumencron die Geschichte von Anna Timonina, die in verschiedenen russischen Kinderheimen aufwächst.
Anna ist in vielerlei Hinsicht begabt, sie ist Musikerin, Fotografin und Überlebenskünstlerin in einer Welt, die ihr mehr Hindernisse in den Weg stellt, als ein Mensch allein eigentlich zu tragen in der Lage ist. Nebenbei habe ich einiges über Russland, russische Kunst und Literatur und nicht zuletzt über St. Petersburg erfahren. Wie wenig ich eigentlich darüber weiß...

St. Petersburg, fotografiert von Anna Timonina
Das Buch erzählt auch die Geschichte von Annas Tochter Alja, eigentlich ein schwer krankes Kind, das neben einem ungewöhnlichem Mal-Talent auch eine schier unbegrenzte Phantasie hat. Alja hat sich eine Welt erschaffen, Finx Lux, eine bunte Welt voller wunderbarer Dinge und bewohnt von zauberhaften Katzenwesen.
Faszinierend an dem Buch sind die verschiedenen Erzählebenen, Annas Vergangenheit und Gegenwart und Aljas phantastische Ideen und Geschichten. Sie überlagern und ergänzen sich, kommentieren einander. Die Geschichte einer starken Frau, die trotz schlechter Startbedingungen das Leben bewältigt, Kraft ausstrahlt - und Hoffnung macht.

Die bunte Bucht, gemalt von Alja
Wednesday, May 24, 2006
Surreal

Missverständnis zweier Surrealisten
(für Katja Hejek)
"es regnet"
sagte sie
"Männer in schwarzen Mänteln
gehen vorbei"
sagte sie
Magritte aber
hörte sie
nicht mehr genau
(sie sagte es nämlich erst Jahre
nach seinem Tod)
So hörte er nicht mehr
ihre letzten zwei Worte
und verstand nur
"es regnet Männer in schwarzen Mänteln"
Das malte er
Gedicht von Erich Fried
Bild von René Magritte
Saturday, May 20, 2006
Arnaldur Indridason - KälteZone
Komissar Erlendurs Faszination für verschollene und vermisste Personen erhält neues Futter, als ein Skelett auf dem Boden eines trockenfallenden isländischen Sees im wahrsten Sinne des Wortes auftaucht. Am Skelett - ein russiches Sendegerät. Kein wirklicher Spionage-Thriller, aber eine Geschichte, die neue Perspektiven auf die DDR, kommunistischem Idealismus, der fatal enttäuscht wird, und menschliche Irrungen aufzeigt.Gut, wie nicht anders von Arnaldur Indridason zu erwarten, wenngleich einige der Vorgänger um den verschrobenen Erlendur mir besser gefallen haben. Dennoch lesenswert.
Monday, April 17, 2006
Vom Schweinehund
Bezeichnend - schon vor etwa einem Jahr habe ich doch dieses Buch gekauft, "So zähmen Sie Ihren inneren Schweinehund!" von einem Marco von Münchhausen. Natürlich stand das Buch seitdem unangetastet im Regal, listig, dieser Schweinehund. Dann fiel mir das Hörbuch dazu in die Finger und ich habe ihn ausgetrickst und immerhin schon den ersten Teil angehört. Mal sehen, wie lange ich den zweiten Teil aufschiebe. Empfehlenswert:
Tuesday, April 04, 2006
Sex & Fun
Dates, Sex und die üblichen, unvermeidlichen Missverständnisse - jede Menge Frauen- und Männertalk, zum Teil zum Brüllen komisch, zum Teil auch bittere Wahrheit. Spaß macht's allenthalben. Zum Beispiel:
Men - and I don't mean to generalize - are crap.
They're the human race's only failed gender. Who needs them?
And why are they so difficult to keep hold of? Do you think they realize, that were it not for the genetic imperative to populate the earth, they wouldn't get a date? That's one hell of an inducement: no pressure, girls, but shag one of these or it's curtains for all humankind! That's harassment.
But do you know what? Do you know what's even more crap than men? We are more crap than men.... These magazines! A hundred pages of "men are useless bastards," and an article about why you should wake him up with a blow job.
Am I alone in spotting the inconsistency here?
Mehr über Coupling...










