Paul Harding ist 2010 für seinen Roman
Tinkers mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet worden, was der Verlag Luchterhand auch gleich auf dem Cover von seinem neuen Roman
Sein Garten Eden hervorhebt. Dieser war shortlistet für den Booker Preis, hat diesen aber nicht gewonnen.
Sein Garten Eden basiert auf einer realen Geschichte: Auf Malaga Island vor der Küste Maines lebte bis 1912 eine Gruppe von Menschen, die "gemischtrassig" waren und auf ihrer Insel so fernab der Gesellschaft lebten, dass sie dies auch zunächst ungestört tun konnten. In Hardings Roman liegen die Ursprünge der Bewohner bei einem Paar namens
Benjamin Honey, ein ehemaliger Sklave, und seiner irischen Frau Patience. Honey brachte auch Samen für Apfelbäume mit auf die Insel, weswegen die Insel fiktiv Apple Island genannt wird. Die Lebensverhältnisse sind ärmlich, die Hautfarben der Bewohner bunt und ihre Charaktere besonders. Als der pensionierte Lehrer Matthew Diamond auftaucht und beginnt, die Kinder der ansässigen Familien zu unterrichten und Hilfsgüter einzuwerben, werden die Obrigkeiten auf Apple Island aufmerksam und die Bewohner werden deportiert und zum Teil für geisteskrank erklärt. In einem weiteren Teil des Romans wird die Figur des Ethan Honey herausgestellt, dessen künstlerisches Talent und helle Hautfarbe ihm eigentlich einen Ausweg in ein anderes und besseres Leben bieten sollte. Doch als er sich in ein irisch-stämmiges Hausmädchen verliebt, wird seine Abstammung aufgedeckt und er muss fliehen.
Es ist ein interessantes, aber auch grausames Stück Geschichte, dass sich Harding für seinen Roman ausgewählt hat. Das Setting und die Charaktere sind außergewöhnlich. Die Sprache ist sehr ausschmückend, lyrisch, aber ich habe sie nicht immer als passend empfunden. Die Figuren sind in ihrer ärmlichen Lebenssituation auf der Insel gefangen und sind dadurch zugleich frei von den Anfeindungen, die sie auf dem Festland wohl zu erwarten hätten. Mir als Leserin bleiben sie durchgehend fremd(artig), tragen schwere Belastungen mit sich, kämpfen sich nicht frei, können dies vielleicht auch nicht. Es findet kaum Reflexion über ihre eigene Situation statt, sie ertragen viel und leben nur wenig. Erzählerisch nimmt der Autor ihr Schicksal schon zu Beginn des Romans vorweg und fügt dem auch nichts hinzu, man erfährt nicht, was aus ihnen im Detail geworden ist. Sein Garten Eden ist als Titel fast höhnisch. Ich bleibe sehr unzufrieden zurück. Paul Harding, Sein Garten Eden. Luchterhand 2024.
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