Jennifer Egan, Der größere Teil der Welt. Schöffling 2013.
Saturday, April 04, 2026
Jennifer Egan - Der größere Teil der Welt
Selbst die Autorin Jennifer Egan war sich nicht sicher, ob sie Der größere Teil der Welt (Original: A Visit from the Goon Squad) als Roman oder als Kurzgeschichtensammlung bezeichnen möchte. Tatsächlich besteht das 2011 mit dem Pulitzer Prize for Fiction ausgezeichnete Werk aus nur sehr lose miteinander verknüpften Episoden, die in mehreren Jahrzehnten spielen. Der häufigste Handlungsort ist NYC, die Charaktere stehen in unterschiedlichen Beziehungen zu Bennie und Sasha, die beide zu einem gewissen Zeitpunkt in der Musikindustrie tätig sind. Musik ist ein verbindendes Element, weitgehend in positivem Sinne, während den Charakteren gemein ist, dass sie ein eher selbstzerstörerisches und negatives Selbstbild haben. Drogen, berufliche Misserfolge und private Entfremdung von Freunden und Geliebten ziehen sich ebenfalls durch fast alle Geschichten. Bis auf wenige lichte Momente, in denen Hoffnung auf Besserung oder wahre Zuneigung aufblitzen, herrscht eher eine düstere, bedrückende Atmosphäre und Lebenseinstellung. Bei allem Geschick für das Zeichnen der sehr abwechslungsreichen und interessanten Charaktere und den unterschiedlichen Erzählstilen (bis hin zu einem Kapitel, das als Powerpoint Präsentation angelegt ist) drückt einen die Perspektivlosigkeit zuweilen nieder. Alle, die schön, jung und erfolgreich waren, werden durch das Vergehen der Zeit zu blassen, deprimierenden, wenig begehrenswerten Wesen. Das ist eine Sichtweise auf das Älter- und Altwerden, die niederschmetternd ist, die aber zum Zeitalter von "Social Media Fakeness" und der Besessenheit, weiter jung auszusehen, koste es was es wolle, passt. Damit zeichnet Egan wahrscheinlich ein allzu treffendes gesellschaftliches Bild - und das schon 2011.
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