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Monday, November 03, 2025

Romalyn Tilghman - Die Bücherfrauen

Romalyn Tilghmans Die Bücherfrauen spielt in einer kleinen Kleinstadt in Kansas und beleuchtet das Leben von drei unterschiedlichen Frauen. Der noch kleinere Nachbarort ist kürzlich von einem Hurricane dem Erdboden gleich gemacht worden - nur die Fassade der Bibliothek ist stehengeblieben. Gayle hadert nach dem Verlust ihres Heims mit allem. Traci ist eine mittellose Künstlerin, die aus NYC geflohen ist, um wenigstens für einen kurzen Zeitraum mit einer Tätigkeit im Kulturzentrum Geld zu verdienen. Angelina kehrt in den Heimatort ihrer Großmutter zurück und will hier an ihrer Dissertation über die Carnegie-Bibliotheken schreiben. (Der reiche Industrielle Andrew Carnegie finanzierte die Gründung von mehr als 2500 Bibliotheken in den USA.) Im Verlauf des Romans finden die drei Frauen neue Wege für ihre Zukunft, vor allem auch durch das Miteinander im Kulturzentrum, dem Zusammenhalt der Frauen des Ortes und schließlich den gemeinsamen Plan, die alte Bibliothek wieder aufzubauen.  
Einiges in Die Bücherfrauen ist ganz berührend und der Roman bricht eine Lanze für die Wichtigkeit eines offenen Raumes für Begegnung mit Literatur und Kunst - eine durchaus relevante Frage in Zeiten, wo die Finanzierung von Bibliotheken und anderen öffentlichen Angeboten schwierig ist und bleibt. Die drei Perspektiven wechseln in relativ kurzen Kapiteln, was ich manchmal eher als störend empfunden habe und das eher dazu führte, dass ein Anstand zu den Charakteren blieb. Insgesamt bleibt es eher eine leichte Lektüre mit einem Happy End. 

Romalyn Tilghman, Die Bücherfrauen. Fischer 2021.

Saturday, May 31, 2025

Elisabeth Beer - Die Bücherjägerin

Irgendetwas mit Buch im Titel - das weckt bei einer bestimmten Leserschaft bestimmte Erwartungen. Die Bücherjägerin aus Elisabeth Beers Roman heißt Sarah und ihre Geschichte ist tragisch. Nach dem Flugzeugabsturz ihrer Eltern kommen sie und ihre Schwester Milena zu der ungewöhnlichen Tante Amalia, die Antiquitätenhändlerin ist. Der im Roman nicht so benannte, aber deutlich erkennbare Autismus erschwert Sarah das Leben zusätzlich, so dass beim Tod der Tante alles zusammenbricht, nicht nur das wackelige Geschäft, dass Sarah fortführen will, sondern auch ihr ganzen Leben. Da zaubert das Schicksal (oder Tante Amalia posthum) den britischen Bibliothekar Ben aus dem Hut und es folgt ein Roadmovie durch Frankreich und England auf der Suche nach einem verschollenen Kartenfragment. Parallel dazu wird die Geschichte der Familie Schicht für Schicht aufgedeckt, bis alles in das unvermeidbare Happy End mündet. 
Ja, Die Bücherjägerin ist ein Wohlfühlroman mit viel literarischen Anspielungen und Bildern und Buchliebhaberei. Das ist hübsch, aber auch nicht sonderlich innovativ. Mit den angerissenen Themen Autismus und Rassismus (in der Wissenschaft) ging es wenig vorwärts, hier wäre meines Erachtens noch Raum gewesen. Der Konflikt zwischen Sarah und Ben im letzten Drittel war vielleicht für den Plot nötig, aber recht unglaubhaft. Wenn die beiden sich so sensibel kennengelernt haben wie geschildert, wirkt die Wut seltsam aufgesetzt und die Reaktion Sarahs extrem. Insgesamt angenehme Unterhaltung, aber wenig mehr.

Elisabeth Beer, Die Bücherjägerin. Dumont 2023. 

Tuesday, April 22, 2025

Garth Nix - Die magischen Buchhändler von London

Die magischen Buchhändler von London sind der erste Teil einer Urban Fantasy Serie von Garth Nix. Die Protagonistin Susan ist gerade 18 geworden und reist nach London, um dort ein Kunststudium zu beginnen. Außerdem will sie gern herausfinden, wer ihr Vater ist, denn ihre Mutter war diesbezüglich immer sehr geheimnisvoll. Per Zufall (oder auch nicht) wird der erste Vaterkandidat, den sie aufsucht, umgebracht und ehe sie sich versieht, befindet sie sich mit einem jungen Mann namens Merlin (ja, wirklich) auf der Flucht vor einigen sehr gruseligen Wesen, die nicht in die Welt, wie wir sie kennen, gehören. So erfährt sie von der alten Welt mit ihrer Magie und vor allem von den Buchhändlern, die in dieser Welt nach dem Rechten sehen. Je nachdem, ob sie links-, rechts- oder beidhändig sind, erfüllen sie dabei verschiedene Aufgaben. Ja, sie haben Buchläden, aber hinter den normalen Fassaden leben einige sehr skurile und exzentrische Charaktere. Schon bald wird klar, dass einige der bösartigen Wesen hinter Susan her sind, sodass angenommen werden muss, dass ihr unbekannter Vater vermutlich kein gewöhnlicher Mensch war.
Die Geschichte mag nicht sonderlich innovativ sein, aber Garth Nix schafft es parallel zum Spannungsaufbau der Story seine Charaktere Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Neben Susan, die selbstbewusst den Herausforderungen gegenüber tritt, sind da Merlin, der sich durch Crossdressing, Impulsivität und einen schrägen Humor auszeichnet, und seine Schwester Vivian, die augenrollend so manches Mal die Situation analysiert und Auswege findet. Auch die übrige Buchhändler-Verwandtschaft wird von Maja Maneiro im Audiobook hervorragend mit ihren Eigenheiten und Akzenten umgesetzt. Die magischen Buchhändler von London ist solide Fantasyunterhaltung und hat mir Spaß gemacht. 

Garth Nix, Die magischen Buchhändler von London. Random House Audio 2022.

Thursday, April 17, 2025

R.F. Kuang - Yellowface

Vorweg: Ich habe keinerlei Expertise in Bezug auf Rassismus gegenüber East Asians, in den USA oder anderswo. Auch den Begriff Yellowface kannte ich nicht, auch wenn er natürlich offenkundig verständlich ist.  R.F. Kuang hat mit ihrem gleichnamigen Roman eine Story erdacht, die Rassismus, den Umgang mit Diversität im positiven und negativen Sinne und vor allem die Buchbranche vielseitig, vielschichtig betrachtet.

Dabei fängt alles noch recht unkompliziert, wenn auch mit einem Paukenschlag an: Die erfolglose Schriftstellerin Juniper Hayward (weiß) stiehlt der erfolgreichen Schriftstellerin Athena Liu (chinesischer Abstammung) ihr letztes Manuskript, nachdem diese vor ihren Augen an einem Stück Pfannkuchen erstickt ist. Athenas Roman handelt von chinesischen Arbeitern während des ersten Weltkriegs und Juniper bekommt schon schnell einige unangenehme Fragen gestellt, wie sie denn ausgerechnet zu diesem Thema gekommen ist. Kurzerhand füllt ihr Verlag diese Lücken - sie verwendet einen neuen Namen, nennt sich nun Juniper Sang, und das Autorenfoto wirkt irgendwie auch --- asiatisch. Nach dem anfänglichen Bestsellererfolg folgen Plagiatsvorwürfe, Fragen nach ihrem Recht, ein chinesisches Thema aufgegriffen zu haben, und peinliche Begegnungen mit der chinesischen Community. Doch Juniper wird nicht müde, ihre moralisch zweifelhaften Entscheidungen immer wieder vor sich und der Welt zu rechtfertigen. Das geht so weit, sich schließlich selbst als Opfer eines weißen Rassismus zu sehen, weil nur noch Diversität zählt und sie sich als weiße Autorin in der Branche diskriminiert sieht. Geschickt zeigt Yellowface auf, wie selbst die vorgebliche Förderung von BIPOC-Autoren die Rassismus-Barrieren aufrecht erhält, ("nur ein asisatischer Roman pro Saison") und wie sehr die ganze Branche weniger durch literarische Qualität als vielmehr durch Popularität, Vorurteile und natürlich Marketing und Social Media getrieben ist. Natürlich ist Yellowface Satire, aber einige der Aspekte sind düster, sehr düster. Das Ende empfinde ich als frustrierend, unklar, zu offen. Obwohl die durch und durch unmoralische und unsympathische Protagonistin Juniper mit den Konsequenzen ihres Handeln leben muss, bleibt sie am Ende kämpferisch und ohne Reue, höchstens mit einer gehörigen Portion Selbstmitleid, zurück. Und die Verlags- und Medienbranche macht weiter wie bisher, ein selbsterhaltendes System. 

R.F. Kuang, Yellowface. Harper Audio 2023.

Saturday, February 15, 2025

Michiko Aoyama - Frau Komachi empfiehlt ein Buch

"Wonach suchen Sie?" ist die Frage, die die Bibliothekarin Sayuri Komachi den Besuchern ihrer kleinen Gemeindebibliothek stellt. Unabhängig von der Antwort findet Frau Komachi nicht nur das oberflächlich Gesuchte, sondern auch noch ein Buch, dass einen entscheidenden Denkanstoß mit sich bringt. Denn Frau Komachis Besucher befinden sich oft in einer Lebenskrise und wissen nicht, welchen Weg sie einschlagen sollen. Fünf Personen begleiten wir auf ihrem Weg aus der Ratlosigkeit hin zu einer neuen Betrachtungsweise ihrer Realität und Möglichkeiten. Dabei sagt Frau Komachi ihnen nie, was sie tun sollen, gibt keine Empfehlungen, sie sucht nur nach dem passenden Buch. Alle fünf Geschichten könnten auch für sich stehen, aber kleine Querverweise und Parallelen knüpfen Verbindungen und belegen zusätzlich den meiner Meinung nach wichtigsten Aspekt: Verändere deine Sichtweise auf das Problem und es eröffnen sich selbst in scheinbar ausweglosen Situationen neue Optionen.
Mir gefallen diese Verbindungen, aber auch die Charaktere sind gut skizziert und verschieden genug, um jeder für sich interessant zu sein. Lediglich die Bibliothekarin selbst bleibt ein wenig blass und rätselhaft, was aber zu ihrer Funktion passt. Natürlich ist in diesem Buch wenig Dramatisches zu finden, es ist wohltuend, wie den Personen positive Dinge geschehen, wenn sie sich entscheiden, der Welt anders zu begegnen. Scheinbar gibt es für derlei Bücher inzwischen die Genre-Bezeichnung "Healing Fiction" - das passt. 

Michiko Aoyama, Frau Komachi empfiehlt ein Buch. Kindler 2023.

Thursday, January 30, 2025

Alan Gratz - Amy und die geheime Bibliothek

Amy und die geheime Bibliothek von Alan Gratz handelt von der eher zurückhaltenden Amy. In ihrer Familie zieht sie sich im Vergleich zu ihren beiden lauten Schwester eher zurück und natürlich liest sie viel. Plötzlich wird aber ihr Lieblingsbuch aus der Schulbibliothek verbannt – angeblich ist es ungeeignet für Grundschüler, respektlos und unmoralisch. Amy kann das nicht verstehen, doch in der Sitzung des Schulausschusses hat sie nicht den Mut, lautstark dafür einzutreten. Zusammen mit einigen Mitschüler:innen gründet sie daraufhin die G.S.B., die Geheime Schließfach-Bibliothek, bei der die verbannten Bücher heimlich ausgeliehen werden können. Natürlich fliegt die Bibliothek nach einer Weile auf und Amy und ihre Freund:innen müssen einen anderen Weg finden, ihr Grundrecht auf Zugang zu Büchern einzufordern.
Sehr einfühlsam beschreibt der Autor den innen und äußeren Konflikt Amys. Eigentlich widerspricht der Kampf gegen die Autoritäten ihrem Wesen, aber sie lernt, dass es sich lohnt, für andere einzutreten, nicht vorschnell zu urteilen und nicht aufzugeben. Das Happy End ist sensibel herbeigeführt, ohne Feindbilder zu schaffen, und sehr anrührend. Zum Glück gibt es ein solches Book-Banning wie in den USA in Deutschland nicht und (Schul-) Bibliotheken sind ein Raum der Freiheit und der Möglichkeiten, aber dennoch ist die Botschaft des Romans für alle wichtig. 

Alan Gratz, Amy und die geheime Bibliothek. Hanser 2019.

Saturday, July 22, 2023

Carsten Henn - Der Buchspazierer

Der Buchspazierer von Carsten Henn handelt von dem in die Jahre gekommenen, etwas wunderlichen Buchhändler Carl Christian Kollhoff. Abends spaziert er durch die Gassen der Altstadt seiner Stadt und trägt bestellte Bücher zu besonderen Kunden, die alle aus dem ein oder anderen Grund nicht persönlich in die Buchhandlung kommen können oder wollen. Eines Tages schließt sich ihm ein neunjähriges Mädchen an, das ihn schon eine Weile auf seinen Spaziergängen beobachtet. Sie hat einen scharfen Blick für die Probleme seiner Kunden und hat eine Menge Ideen, was man tun könnte, um ihnen zu helfen. Doch dann wird Carl gekündigt und seine so durch Gewohnheiten geprägte Welt gerät aus dem Gleichgewicht und damit auch das seiner Buchabnehmer. Schließlich müssen sich alle ein wenig bewegen, ihren Mut zusammennehmen und ihre Komfortzone verlassen, um einen Neuanfang möglich zu machen.
Ein ganz ansprechendes Buch über die verbindende Wirkung von Büchern und Geschichten, wenn Menschen ihnen Bedeutung zugestehen. Einiges ist sicherlich recht vorsehbar, aber deswegen ist es dennoch eine ganz unterhaltsame Geschichte. 

Carsten Henn, Der Buchspazierer. Osterwold 2020.

Thursday, June 16, 2022

Gabrielle Zevin - Die Widerspenstigkeit des Glücks

Gabrielle Zevins Roman Die Widerspenstigkeit des Glücks handelt von dem Buchhändler A. J. Fikry. Nachdem seine Frau, mit der er seine Buchhandlung auf Alice Island zuvor geführt hat, verstorben ist, versinkt er in Selbstmitleid und Alkohol. Er ist wütend auf die Welt und lässt das eines Tages auch die Verlagsvertreterin Amelia spüren. Eine Veränderung tritt erst ein, als er die zweijährige Waise Maya in der Kinderbuchecke seiner Buchhandlung findet, die ihre Mutter vor ihrem Selbstmord dort abgesetzt hat. Nachdem er Maya notgedrungen über das Wochenende versorgt, entschließt er sich zur Adoption. Weitere Veränderungen folgen mit dem wiederentdeckten Lebenswillen...
Anfangs folgen wir intensiv der Hauptfigur Fikry, seinen Emotionen und Entscheidungen. Später macht die Geschichte größere Sprünge, schildert wichtige Lebensentscheidungen und Schicksalsschläge. Auch das Leben einiger Nebenfiguren wird beleuchtet, einige Hintergründe zu Mayas Herkunft werden aufgedeckt.
Vielleicht ist es diesen Sprüngen geschuldet, dass ich das Gefühl hatte, mich beim Fortgang der Geschichte immer weiter von den Charakteren zu entfernen anstatt mich ihnen näher zu fühlen. Hatte ich anfangs noch Interesse für die Lebens- und Liebesgeschichte der Protagonisten, so ließen sie mich am Ende fast unberührt - ein eigenartiges Phänomen. Die zahlreichen bibliophilen Bezüge und das Wohlfühl-Setting der kleinen Buchhandlung kann man auf der Plusseite verbuchen - wer Interesse für Kurzgeschichten hat, erhält durch Fikry einige Leseanstöße. Insgesamt war Die Widerspenstigkeit des Glücks ganz sympathische Unterhaltung, konnte mich aber nicht so begeistern wie es angesichts der vielen hohen Bewertungen und enthusiastischen Rezensionen bei vielen anderen Leserinnen der Fall war. 

Gabrielle Zevin, Die Widerspenstigkeit des Glücks. Diana, München 2015.



Tuesday, July 17, 2018

Katarina Bivald - Ein Buchladen zum Verlieben

Katarina Bivald ist eine schwedische Autorin, die lange in einem Buchladen gearbeitet hat. Sie schreibt über eine schwedische Frau, die lange in einem Buchladen gearbeitet hat.
Sara, so der Name der Protagonistin des Romans, hat über längere Zeit eine Brieffreundschaft inklusive Buchtausch mit einer US-Amerikanerin namens Amy. Als Saras Buchhandlung schließen muss, lädt Amy sie ein, sie in ihrem Heimatkaff Broken Wheel in Iowa zu besuchen. Doch als sie ankommt, ist Amy leider gerade verstorben! Sara nimmt - halbwegs paralysiert - mit den Dorfbewohnern an der Trauerfeier in Amys Haus teil, diese bringen sie dazu, in Amys Haus zu wohnen - wo soll sie auch sonst hin? Sogleich werden Pläne geschmiedet, sie soll verkuppelt werden mit Tom, was beide lächerlich finden. Sara fühlt sich nutzlos und um dem Abhilfe zu schaffen, macht sie mit den von Amy hinterlassenen Büchern einen Buchladen auf. Natürlich glaubt niemand daran, der Laden könne Erfolg haben, aber die Dinge entwickeln sich dynamisch...
Saras Anwesenheit verschiebt das starre Gefüge der Dorfgemeinschaft, das festgefahrene Leben kommt in Bewegung durch ihre pure Anwesenheit. Angesichts ihrer Passivität und Farblosigkeit wirkt dies aufgesetzt - ihr Charakter passt nicht zum Effekt, den sie auf die Menschen um sie herum und auf Broken Wheel hat.
Das Ende will noch mit einem Knalleffekt aufwarten, der fehlzündet, weil das Happy End nun eben doch vorhersehbar ist bei einem Buch dieses Genres. Insgesamt ist Ein Buchladen zum Verlieben zwar milde unterhaltsam und bietet nette Passagen über das Lesen und die Liebe zu Büchern, bleibt aber doch ohne Tiefe.

Katarina Bivald, Ein Buchladen zum Verlieben. btb, München 2014.