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Sunday, April 07, 2024

Atiq Rahimi - Erde und Asche

 

Der afghanische Autor Atiq Rahimi erzählt in seiner Novelle Erde und Asche die Geschichte eines Mannes, der mit seinem Enkel auf dem Weg zu seinem Sohn ist, der in einer Mine in der Nähe arbeitet. An einer überhitzten und staubigen Straße wartet er auf eine Mitfahrgelegenheit. Der junge Enkel ist anstrengend für den Mann, denn er hat bei einem Angriff russischer Truppen auf ihr Heimatdorf sein Gehör verloren und versteht nicht, warum die Menschen um ihn herum ihre "Stimmen verloren" haben. Bei dem Angriff ist der Rest der Familie umgekommen, der Mann ist in großer Trauer und Verzweiflung. Er fühlt sich der Aufgabe, seinem Sohn von diesem Verlust zu berichten, nicht gewachsen.
Schließlich gelangt er zur Mine, aber ihm wird untersagt seinen Sohn zu sehen, dieser wisse schon Bescheid und es ginge ihm gut. Ein Mitarbeiter erzählt ihm in Vertrauen, dass der Vorarbeiter dem Sohn die Geschichte so erzählt hat, dass religiöse Gruppen für die Vernichtung des Dorfes zuständig sind. Der Mann lässt seinem Sohn eine Tabakdose überbringen, damit dieser weiß, dass zumindest er noch am Leben ist.

Es ist eine kurze Geschichte, der dennoch grundlegende Konflikte des Landes angedeutet werden und die persönliche Not von Familien anschaulich wird. Die Hörspielumsetzung kommt mit wenigen Sprechern aus und untermalt die bedrückende Stimmung mit zum Teil anstrengenden, nahezu belastenden Klängen.

Atiq Rahimi, Erde und Asche. Hörbuch Hamburg 2012.

Saturday, November 20, 2021

Khaled Hosseini - Tausend strahlende Sonnen

Khaled Hosseinis Tausend strahlende Sonnen (2003) ist der zweite Roman des Schriftstellers nach Drachenläufer, dem interenationalen Bestseller.
Der Roman erzählt die Lebensgeschichten zweier Frauen in Afghanistan, die zunächst sehr unterschiedlich aufwachsen, um dann in einer sehr schwierigen Situation in Freundschaft zueinander zu finden.
Eine der Frauen ist die unehelich geborene Mariam. Als ihre Mutter sich umbringt, ist sie gerade 15 Jahre alt. Ihr Vater will sich nicht in seine Familie aufnehmen und verheiratet sie mit dem viel älteren Rashid, mit dem sie fortan in Kabul lebt. Als sich Rashids Hoffnungen, die junge Frau möge ihm einen Sohn schenken, zerschlagen, straft er sie mit Verachtungen, Erniedrigungen und Gewalt.
Laila hingegen wächst glücklich in einer liberalen Familie auf, der Vater legt viel Wert auf ihre Bildung. Als Laila in einem Bombardement ihre Eltern verliert, nimmt Rashid sie bei sich auf, pflegt sie und heiratet sie schließlich als seine Zweitfrau. Erst betrachten sich die beiden Frauen nur mit Hass, doch die schlechte Behandlung durch ihren Ehemann schweißt sie schließlich zusammen.
Parallel zu dieser sehr persönlichen und teils sehr erschütternden Handlung mit dramatischen Gewaltszenen gegenüber Frauen wird auch die Geschichte Afghanistans (beginnend in den 70er Jahren bis 2003) erzählt. Dabei legt der Autor den Fokus auf den Einfluss, den die jeweiligen Herrschaftssysteme und der Krieg auf die Frauen haben. Beeindruckend ist dabei der Wille beider, immer wieder Hoffnung zu hegen und für die Kinder Zukunftsperspektiven zu schaffen - auch angesichts der schwierigsten Situationen und Bedrohungen. Mit Mariam und Laila hat Hosseini beeindruckende Protagonistinnen und fiktionale Zeuginnen der afghanischen Geschichte geschaffen, der Roman endet mit einem hoffnungsvollen Blick in die Zukunft.
Angesichts der jüngsten Entwicklungen in Afghanistan nach dem Abzug der NATO-Truppen und erneuten Machtübernahme der Taliban wird sich die Hoffnung Lailas auf ein friedliches Afghanistan mit Bildung und Chancen für alle - und besonders für Mädchen und Frauen - wohl kaum erfüllen.

Khaled Hosseini, Tausend strahlende Sonnen. Steinbach sprechende Bücher 2008.