Friday, January 28, 2011

Reading Women




Today I came across postcrosser Willemijn from The Netherlands who collects cards showing women who are reading. It reminded me of a beautiful book I own by Stefan Bollmann (published in Augsburg 2005). Dangerous women... they start to think... they have their own minds...




So I tried my best to find a suitable card for Willemijn and my reading woman is actually only a part of a picture by Edward Hopper (called Hotel by the Railroad, 1952). The man is smoking, looking bored, maybe looking out at the railroad mentioned in the title. But the woman is somewhere else, she is not in that room, she's in another world, another story.
And here's the link to Willemijn's blog on her collection of reading woman, quite amazing.

Monday, January 24, 2011

Aquarell



Träume können Empfindungen,
Szenen und Bilder so eindringlich und schön
gestalten wie der wache Künstler es nicht kann.

Zitat von Emil Nolde, Ungemalte Bilder (1941-1945)
Aquarell 2009

Sunday, January 23, 2011

Unendlich

Zwei Dinge sind unendlich:
Das Universum und die menschliche Dummheit.
Aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher.
Albert Einstein

Bild von Quint Buchholz, Albert Einstein

Saturday, January 22, 2011

Andreas Steinhöfel: Defender

Defender ist eine Sammlung von Kurzgeschichten von Andreas Steinhöfel. Der Untertitel, Geschichten aus der Mitte der Welt, nimmt Bezug auf dessen Roman Die Mitte der Welt. Es sind kürzere und längere Erzählungen über einzelne Charaktere, die auch in Die Mitte der Welt vorkommen, und sie spielen in derselben Stadt. Einige davon hat man nur als Randfiguren oder Schattenrisse wahrgenommen, nun beleuchtet Steinhöfel sie erneut und schenkt ihnen eine eigene Geschichte. Bei einigen meint man, es wäre auch wert gewesen, ihnen einen eigenen Roman zu geben, genug zu erzählen gäbe es. Man möchte mehr erfahren, zu schnell rinnen einem die Erzählungen und die nicht ganz 200 Seiten durch die Finger. Man freut sich über das Wiedersehen, aber es ist nur ein kurzer Moment, man wünscht sich länger bleiben zu können.

Hier sind zwei Gründe dafür in Form von Zitaten.
Gedanken zur gescheiterten Beziehung zweier schwuler Jugendlicher:
Er machte sich schrecklich viele Gedanken. Nicht zuletzt bereitete ihm das Phänomen der Liebe als solches unendliches Kopfzerbrechen. Der Blödmann musste einfach für alles eine Erklärung finden, um nachts ruhig schlafen zu können, und ich versuchte umsonst ihn davon zu überzeugen, dass es für die Liebe nun mal keine Erklärung gibt. Wenn sie zuschlägt, schlägt sie zu. Die Gefühle übernehmen die Zügel und lassen den Verstand meilenweit hinter sich. Jeglicher Widerstand ist zwecklos oder macht die Sache nur noch schlimmer. (S.64f.)
Die Lebensphilosophie von einem, der versucht, sein Schwester mit Gewalt aus der Psychiatrie zu befreien:
Manche Leute haben Glück, andere haben von Anfang an Pech. Und jetzt kommt's: Diejenigen, die Glück gehabt haben, flippen manchmal wegen irgendeiner Kleinigkeit aus, verstehen sie? Während die, die so viel Pech gehabt haben, heilig gesprochen werden für ihre vorbildliche Lebensführung. Keiner weiß, warum das so ist. Vielleicht sind die mit dem Pech einfach die besseren Drachetöter. Schließlich kennen sie sich in der Hölle schon aus. (S.120)
Andreas Steinhöfel: Defender. Geschichten aus der Mitte der Welt. Carlsen, Hamburg 2004.

Friday, January 21, 2011

Otje

This card with an illustration by Fiep Westendorp arrived today from the Netherlands by postcrosser Jacqueline (veldmuis). It's from a wonderful children's book called "Otje and her father Tos" by Annie M.G. Schmidt. The picture felt immediately familiar when I looked at the card and when I read the name Otje on the back I remembered that I actually own the book! It must be somewhere in the attic and now I want to look for it and read it again!
This is how my book looks like:


Update December 2014:

Another Otje card, sent from the island Texel in the Netherlands by Yvette.

I actually read the book by now, here's the review.


Wednesday, January 19, 2011

Czech Stories



After one year of postcrossing, I'm amazed about the funny characters in Czech children's stories.
Mule Krtek is the most famous of course but I also got to know the drawings of Zdenek Smetana (e.g. The Little Witch illustration).
And here we have the story of Rumcajs from the little town of Jičín with his wife Manka and his son Cipísek. He's a shoemaker but gets in trouble with the major of the town and turns to live in the forest as a bandit. Kind of a Czech Robin Hood I guess.
I think the characters are cute and I love to read about the stories behind the cards I get.

postcrossing card by Zanet, an 11-year-old girl, received on 19th January, 2011

Sunday, January 16, 2011

Konferenz der Tiere


Halt, Stopp!
Wer von Konferenz der Tiere eine neue Umsetzung des Jugendbuchklassikers von Erich Kästner erwartet, dem sei schon vorab gesagt, damit ist nicht zu rechnen.
Tieranimationsfilme gab es in den letzten Jahren viele (A Bug's Life (1998), Ice Age (2002), Madagaskar (2005), ...), dieser hier ist einer davon - und wahrlich nicht der beste.
Der Plot ist schnell erzählt: Im afrikanischen Tal fehlt Wasser, obwohl längst Zeit für seine Wiederkehr ist. Erdmännchen Billy findet heraus, dass ein Staudamm das Wasser gefangen hält, gebaut von merkwürdigen Tieren, die sich Menschen nennen.
Besuch und Hilfe kriegen die afrikanischen Tiere (siehe Bild unten) von einigen Exoten von anderen Kontinenten (Eisbär, Känguruh, Hahn, Galapagos-Schildkröten und einem tasmanischen Teufel). Bei der anberaumten Konferenz erläutern die weisen Schildkröten das unverantwortliche Verhalten des Menschen und so ziehen alle zum Kampf gegen die Staumauer, die erfolgreich zerstört wird, so dass das Wasser zurück im Tal ist. In einem filmischen Nachsatz fahren die Tiere auch noch nach New York - was sie da tun werden, bleibt ungewiss.
Die Figuren sind niedlich und humorvoll, wie üblich bei diesem Genre. Charakterlich bleiben sie wahrlich flach, handeln impulsiv und planlos, dass das Unternehmen gelingt, scheint reine Glücksache, hat aber wenig mit ihrer Überzeugung oder zielstrebigen Verhalten zu tun.
Kinder, die zentralen Figuren in Kästners Buch, kommen hier nur in Form eines Mädchen vor, die sich über das profitgierige Verhalten beschwert und den Löwen Sokrates mal streicheln darf.
Es überwiegt Situationskomik, die Missgeschicke und Ausrutscher, die Billy und Co. wiederfahren, die sicher dazu dienen sollen, vor allem die kleineren Zuschauer zu begeistern. Doch dadurch bleibt die Geschichte kraft- und aussagelos, die Kritik an dem klimaschädigenden und zerstörerischem Verhalten der Menschheit bleibt Nebensache und damit wird eine Chance leichtfertig vertan, eine neue Generation behutsam an das Thema Umwelt- und Klimaschutz heranzuführen.
Schade um Kästners Vorlage, schade, dass dieser Film, diesen Titel tragen darf.



- weitere, fast durchweg negative Kritiken bei film-zeit.de

Friday, January 14, 2011

Patricia Cornwell: Scarpetta Factor


... und nach Nr. 16 hier nun Nr. 17. Achtung, zynischer Spoiler.
Die altbewährten Darsteller Scarpetta, Benton, Marino, Lucy und Jamie befinden sich immer noch in New York. Eine Joggerin wurde ermordet und eine betrügerische Finanzberaterin ist verschwunden. Scarpetta soll in einer Talkshow vorgeführt und per Briefbombe verletzt werden. Gelingt beides nicht. Ein Nekrophiler geht um. Ein unfähiger, kranker Profiler mit Hörschaden bringt sich um. Jamie misstraut Lucy und umgekehrt, emotionales Drama, bei Lucy war dauerhaftes Glück nicht zu erwarten. Im Hintergrund lauert ein weiterer alter Bekannter (imaginierte Audioeinblendung: Wolfsgeheul) und wie das alles (!) zusammenhängt, wird dann nach langwierigem Aufbau der komplexen Tatbestände hauruck aufgeklärt. Da findet die Datenbank die passende Verbindung, der Analytiker den passenden Lacksplitter und Lucy knackt den Datenspeicher, der den Mord aufgezeichnet hat.
Benton steht irgendwie nur rum und Scarpetta sitzt mittendrin, versteht, nickt und kocht am Ende für alle lecker italienisches Essen. Immerhin mögen sie sich am Ende alle wieder, glaube ich.
Cornwells Versuch, die Auflösung spannender zu gestalten, indem sie zwei Dinge gleichzeitig entwirrt und das absatzweise im Wechsel erzählt, dieses stilistische Mittel aber gleich in drei aufeinanderfolgenden Kapiteln benutzt, hilft auch nur bedingt weiter.
Nein, bitte keine großen Erwartungen mehr an Patricia Cornwell. Die meisten Rezensionen zeigen enttäuschte treue Leser und genervte Neueinsteiger, die vermutlich keinen zweiten Scarpetta lesen werden.

Patricia Cornwell, Scarpetta-Factor. Hoffmann und Campe, Hamburg 2010.

Monday, January 10, 2011

Schären-Träume



Manchmal ist es so, als ob das Leben einen seiner Tage herausgriffe und sagte:
"Dir will ich alles schenken! Du sollst solch ein rosenroter Tag werden, der im Gedächtnis leuchtet, wenn alle anderen vergessen sind."

Astrid Lindgren, Ferien auf Saltkrokan. Oetinger, Hamburg 1992, S. 271.
postcrossing Karte von Virpi, Finnland, vom 10.1.2011

Richard Page: Peculiar Life


Finally ordered Richard Page's new album Peculiar Life (2010).
Page played with some famous musician on various productions and worked as songwriter for many more (e.g. Madonna, Celine Dion, Al Jarreau, Leona Lewis, ...). He was lead singer of 80ies Band Mr Mister with No.1 hits "Broken Wings" and "Kyrie" from the album Welcome to the Real World (1986). His first solo album appeared in 1996 and was called Shelter Me. Now he's made a second one and although the songs aren't hits from the first moment on, they start to grow on you.

Current favourite: "The Truth Is Beautiful...", track 6, follow the link to listen to it.
Why do our hearts refuse to face the truth
That nothing goes on forever
When every day we hide
And then deny
We’re truly not together
The truth is beautiful
It heals everything
Washes all the tears away
Cleanses us like pouring rain
The truth is beautiful
Even if it hurts now to let go
In time I know we’ll find
The truth is beautiful
So what is love
This thing we’ve held so tight
So afraid that we might lose it
What good is love
If we can’t free each other
Can we free each other please
Don’t say goodbye, don’t say goodbye
Just let your heart be the guide

Sunday, January 09, 2011

Klarer Tag



Der Himmel leichtet aus dem Meer;
ich geh und leuchte still wie er.

Und viele Menschen gehn wie ich,
sie leuchten alle still für sich.

Zuweilen scheint nur Licht zu gehn
und durch die Stille hinzuwehn.

Ein Lüftchen haucht den Strand entlang:
o wundervoller Müßiggang.

Richard Dehmel (1963-1920)
Foto Møn, Dänemark April 2009

Thursday, January 06, 2011

Berts Tagebuch

Berts gesammelte Katastrophen ist der erste Band einer Jugendbuchreihe des schwedischen Vettern und Autoren Sören Olsson und Anders Jacobsson über den pubertierenden Bert Ljung. Zu Beginn des ersten Bandes ist er beinahe zwölf Jahre alt und seine "Katastrophen" schwanken zwischen kindlichem Klamauk und erstem Liebeskummer.
Als Berts Tagebuch hat der Oetinger Verlag den ersten Band als Audiobook umgesetzt.
Gelesen werden Berts Erlebnisse von Anton Sprick (geboren 1994), der 2006 den Vorlesewettbewerb des deutschen Buchhandels gewann. Er tut dies in großartiger Weise, mit passender Selbstironie und Emotionen eines Zwölfjährigen in der Stimme, eine Erwachsenenstimme hätte dies nicht so überzeugend schaffen können.
Inhaltlich ist Berts gesammelte Katastrophen witzig, aber natürlich auch seicht - leichte Unterhaltung, aber dadurch sicher auch geeignet für jugendliche Lesemuffel.
Olsson/Jacobsson, Berts Tagebuch. Oetinger Audio 2007.

Wednesday, January 05, 2011

Patricia Cornwell: Scarpetta


Patricia Cornwells 16. Scarpetta-Roman trägt den Namen der Protagonistin.
Und so kann es nicht anders sein, dass der Fall - wieder einmal, muss man leider sagen - davon geprägt ist, dass Scarpettas Erfolg (sie ist in diesem Band für den Fernsehsender CNN tätig und kommentiert spektakuäre Fälle) die Neider auf den Plan ruft. So wird sie Opfer eines rufschädigenden Blog-Artikels, der die Geschehnisse aus Totenbuch aufdeckt (Marinos betrunkener, unschöner Übergriff auf Kay), wird vom paranoiden Tatverdächtigen des aktuellen Mordes in eine missliche zwiespältige Rolle als dessen Ärztin versetzt und hängt irgendwie beziehungstechnisch zwischen allen Stühlen. Zwar ist sie inzwischen mit Benton verheiratet, der aber mit sich selbst ein echtes Problem hat, Lucy ist wieder normaler (wo der Hirntumor hin ist, erfahren wir nicht) und Marino ist zum Glück wieder trocken und vernünftig.
Der Bösewicht des Romans ist schnell ausfindig gemacht, aber es dauert bis zu den letzten 30 Seiten, bis man ihn auch tatsächlich als Täter der Morde überführt, dazwischen nimmt die Handlung eher viele Kurven durch die vielen emotionalen Probleme der Protagonisten.
Immerhin habe ich den Eindruck, dass am Ende dieses Romans alle ein bisschen besser klarkommen als am Ende des letzten.
Praktisch: Ich habe Nr. 16 irgendwie verpasst (daher die Taschenbuchausgabe) und kann nun gleich mit Nr. 17 weiterlesen, wenngleich der Titel (Scarpetta Factor!) verspricht, dass sich weiter alles um Kay drehen wird - was ist diese Pathologin doch für eine wichtige, für Psychopathen und Kriminelle so anziehende Figur!
Mein Tipp: Erwartungen herunter schrauben, dann kann Scarpetta funktionieren und auch spannend sein.
Patricia Cornwell, Scarpetta. Goldmann, München 2010.
Patricia Cornwell und der Artikel zu Scarpetta auf krimi-couch.de

Ponyo



I got this postcrossing card from ritabehappy from China on 31st December, 2010.
Ponyo is an "animated adventure centered on a 5-year-old boy and his relationship with a goldfish princess who longs to become human" (quoted from imdb).
The film (2008) is definitely made for young children but it's really quite cute and I liked watching it.
So another small example how postcrossing can broaden your horizon in more or less unexpected ways.
:)

Tuesday, January 04, 2011

Erich Fried: Worte




Wenn meinen Worten die Silben ausfallen vor Müdigkeit
und auf der Schreibmaschine die dummen Fehler beginnen
wenn ich einschlafen will und nicht mehr wachen zur täglichen Trauer
um das was geschieht in der Welt und was ich nicht verhindern kann

beginnt da und dort ein Wort sich zu putzen und leise zu summen
und ein halber Gedanke kämmt sich und sucht einen anderen
der vielleicht eben noch an etwas gewürgt hat was er nicht schlucken konnte
doch jetzt sich umsieht
und den halben Gedanken an der Hand nimmt und sagt zu ihm: Komm

Und dann fliegen einigen von den müden Worten
und einige Tippfehler die über sich selber lachen
mit oder ohne die halben und ganzen Gedanken
aus dem Londoner Elend über Meer und Flachland und Berge
immer wieder hinüber zur selben Stelle

Und morgens wenn du die Stufen hinuntergehst durch den Garten
und stehenbleibst und aufmerksam wirst und hinsiehst
kannst du sie sitzen sehen oder auch flattern hören
ein wenig verfroren und vielleicht noch ein wenig verloren
und immer ganz dumm vor Glück daß sie wirklich bei dir sind

aus: Erich Fried, Liebesgedichte. Wagenbach-Verlag, Berlin 1979.
postcrossing Karte von Minna, Finland, vom 4.1.2011

Monday, January 03, 2011

Balance

Im Leben ist doch beides wichtig:
Schritte miteinander zu gehen
und auf eigenen Beinen zu stehen.
Es ist nur eine Frage der Balance.
Kalenderblatt Januar aus dem Postkartenkalender Unter uns gesagt 2011 der Grafik Werkstatt Bielefeld.

Sunday, January 02, 2011

postcrossing stats

Still loving my "new" hobby, more than 200 cards in 2010, both sent and received.

Sent:



Received:



On a really good day there is something in the mail...

(from "Secret and Lies", on Ten Cent Wings by Jonatha Brooke, 1997)

Saturday, January 01, 2011

Abenteuer 2011


Das ist das Angenehme auf Reisen,
dass auch das Gewöhnliche
durch Neuheit und Überraschung
das Ansehen eines Abenteuers gewinnt.
Johann Wolfgang von Goethe
Willkommen 2011! Auf zu neuen Abenteuern!

Friday, December 31, 2010

Orange Clouds



Years go by
Will I still be waiting
For somebody else to understand
Years go by
If I'm stripped of my beauty
And the orange clouds
Raining in my head
Years go by
Will I choke on my tears
Till finally there is nothing left

words: from "Silent all these years", on Little Earthquakes by Tori Amos (1992)
photo: May 2010

Wednesday, December 29, 2010

Jussi Adler Olsen: Schändung


Nach Erbarmen ist Schändung der zweite Fall für Adler Olsens Kommissar Carl Mørck. Letzterer ist in seinem Job angekommen und bekommt mit Sekretärin Rose eine weitere Mitarbeiterin hinzu. Auch sie ist jemand, die sich anderswo nicht so richtig einfügen will - und passt damit ausgezeichnet zu Carl und Assad, auch wenn Carl das natürlich zunächst nicht zugeben kann.

Der Fall ist brutaler gelagert als der erste: Eine Gruppe von dänischen High Society Unternehmern ist seit ihrer Jugend im Internatsmilieu gewalttätig, prügelt, quält und tötet. Und kommt weitgehend ungestraft damit durch. Zentrale Figur ist Kimmie, die einzige Frau der Gruppe, die zugleich das schwächste und das brutalste Element ist. Kimmie ist der Gruppe vor einiger Zeit entflohen und führt ein Schattendasein am Rande der Gesellschaft, sie versteckt sich als Obdachlose in Kopenhagen. Mit ihrem Wissen ist sie für die Gruppe gefährlich, gleichzeitig ist sie selbst in Gefahr, denn die übrigen wollen sie endlich ausgeschaltet sehen.
Die Recherchen Carl Mørcks verlaufen eher träge, zwar findet er einige der Opfer, aber dass er schließlich das Ausmaß des Falles begreift, ist nicht sein eigener Verdienst.
Vielmehr ist Kimmie die Protagonistin und Erzählerin des Falles, denn aus ihrer Sicht wird das Geschehen schließlich aufgerollt und zum Ende gebracht, während Assad und Carl im Grunde angesichts der extremen Gewaltbereitschaft der Täter versagen.
Genau dies ist auch mein Kritikpunkt an dem sonst spannenden Roman: Zunächst erblicken wir Kimmie als mysteriöses Wesen, dessen Verhaltensweisen und Beweggründe unklar sind - im letzten Drittel erfahren wir plötzlich alles offen und konkret aus ihrer Sicht und die Ermittler werden im Grunde überflüssig, denn wir wissen schon, was Sache ist. Es folgt noch die Verkehrung des Racheengels in die Person, die unsere Ermittler vor dem sicheren Tod rettet und an sich selbst Gerechtigkeit übt.
Unklar bin ich mir auch noch darüber, ob es glaubhaft ist, dass diese Gewalterfahrung und seine Angst, erneut einen Partner zu verlieren, bei Carl Mørck eine Veränderung seines Verhaltens bewirkt: Er entschließt sich nun doch, seine Probleme offen der Psychologin zu schildern, sich helfen zu lassen und sich gleichzeitig zum Gutmensch zu wandeln. Etwas viel auf einmal, wie ich finde.
Der nächste Band wird zeigen, ob das aufgehen kann.

Jussi Adler Olsen, Schändung. dtv, München 2010.

Tuesday, December 28, 2010

Mo Hayder: Ritualmord


Mo Hayder ist eine britische Krimiautorin mit interessantem Lebenslauf (nachzulesen hier bei krimi-couch.de), die nach einer längeren Pause mit Ritualmord ihre Serie um den Ermittler Jack Caffery fortsetzt. Die ersten beiden Bände, Der Vogelmann (1999) und Die Behandlung (2000), waren beide recht erfolgreich und erhielten gute Kritiken. Zu dem Hörbuch brachte mich mein Lieblingsvorleser Dietmar Bär. So richtig warm geworden bin ich mit den Protagonisten Jack Caffery und der Polizeitaucherin Flea Marley nicht. Auch die Story, afrikanischer Aberglauben/rituelle Opfer, hat mich nicht besonders überzeugt - womit ich scheinbar nicht allein dastehe, denn die Kritiken sind nicht euphorisch, zumindest nicht im Vergleich zu den beiden Vorgängern. Vielleicht höre/lese ich die dann bei Gelegenheit und bilde mir dann ein Urteil über Mo Hayder.
Rezension bei krimi-couch.de

Monday, December 20, 2010

Volker Pispers: Lehrer

Zwar schon etwas älter, dennoch wunderbare und (erschreckend) treffende Zusammenfassung des Status Quo.
Ein Drittel Vollidioten ist eine günstige Schätzung... :)
Dreimal soviel Lehrer, vernünftig ausgebildet mit vernünftigen Arbeitsbedingungen...

Doch wo? Doch wann? Doch wovon?

Volker Pispers, Bis neulich.... Live in Berlin 2004.

Sunday, December 19, 2010

Carol

Only five days until Christmas... Joy shall be yours that day!



Villagers all, this frosty tide,
Let your doors swing open wide,
Though wind may follow, and snow beside,
Yet draw us in by your fire to bide;
Joy shall be yours in the morning!

Here we stand in the cold and the sleet,
Blowing fingers and stamping feet,
Come from far away you to greet—
You by the fire and we in the street—
Bidding you joy in the morning!

For ere one half of the night was gone,
Sudden a star has led us on,
Bliss to-morrow and more anon,
Joy for every morning!

Goodman Joseph toiled through the snow—
Saw the star o'er a stable low;
Mary she might not further go—
Welcome thatch, and litter below!
Joy was hers in the morning!

And then they heard the angels tell'
Who were the first to cry NOWELL?
Animals all, as it befell,
In the stable where they did dwell!
Joy shall be theirs in the morning!'
Carol from the fifth chapter "Dulce Domum" from Kenneth Grahame, The Wind in The Willows (1908)
postcrossing card by Anniina from Finland, arrived on 18th December, 2010

Jussi Adler Olsen: Erbarmen


Während sich Stieg Larsson noch mit allen drei Bänden auf den Bestseller-Listen tummelt, taucht da bereits der nächste nordische Stern am Krimihimmel auf: Jussi Adler Olsen ("Danmarks krimikonge"). In Dänemark erschien der erste Band bereits 2007, in Deutschland erst 2009.
Kommissar Carl Mørck hat gerade traumatische Erlebnisse bei einem Mordfall hinter sich: Einer seiner Kollegen starb und ein anderer liegt seitdem gelähmt in der Klinik und will eigentlich sterben. Als Querdenker war Mørck schon vorher nicht beliebt, er ist nun noch schwieriger und wird daher nun als Leiter des Sonderdezernats Q eingesetzt, um den anderen aus dem Weg zu sein. Er bekommt ein Büro im Keller, einen Assistenten namens Assad an die Seite und stapelweise ungelöste Fälle auf den Tisch. Der Zufall wählt den Fall Merete Lynggaard aus, einer Politikerin, die fünf Jahre zuvor verschwand. Sie wurde aber nicht umgebracht, sondern wird auf dramatische Weise gefangen gehalten, was Mørck natürlich nicht wissen kann.
Parallel werden Mørcks und Assads Ermittlungen und im Zeitraffer die Erlebnisse und Leiden Meretes erzählt.
Mørck ist ein typischer skandinavischer Kommissar: Sein Name bedeutet auf deutsch "dunkel" und mit seinem Trauma und dem verkorksten Privatleben ist er keine positive Figur. Er hält sich nicht gern an Regeln, ist aber den anderen Ermittlern im Denken überlegen und gibt neben der Recherche an Meretes Fall auch gleichzeitig noch die elementaren Tipps für die Lösung eines anderen Fall - so nebenbei. Er zeigt aber Menschlichkeit, zum Beispiel im Umgang mit seinem verzweifelten, gelähmten Kollegen oder mit dem etwas rätselhaften Assad, der eigentlich gar kein Ermittler ist, aber dennoch zu Mørcks Partner wird.
Erbarmen ist durch die zwei Erzählperspektiven spannend, hat interessante Protagonisten und ist im Plot ein echter Psychothriller. Ich bin gespannt auf die folgenden Bände: Schändung liegt schon bereit und der dritte soll Erlösung heißen, ein Erscheinungsdatum ist aber noch nicht bekannt.

Jussi Adler Olsen, Erbarmen. dtv, München 2009.
Interview mit Jussi Adler Olsen bei krimi.couch.de

Saturday, December 18, 2010

Kenneth Grahame: Der Wind in den Weiden

1973 übersetzte Harry Rowohlt mit Der Wind in der Weiden (1908) von Kenneth Grahame eines der populärsten und bekanntesten englischsprachigen Kinderbücher. Die Abenteuer von Maulwurf, der Wasserratte, dem Dachs und der Kröte hat er zudem auch noch selbst vorgelesen. Einige kleine, aber feine Soundeffekte runden die Lesung ab und machen die sechs CDs zu einem echten Hörvergnügen von Anfang bis Ende.
Kenneth Grahame, Der Wind in den Weiden. Kein und Aber, Zürich 2002.
Link zu Werken von Kenneth Grahame beim Projekt Gutenberg
Link zu einem Interview mit Harry Rowohlt, Deutschlandradio 2006

Saturday, December 11, 2010

Kathy Reichs: Virals


Kathy Reichs started a new book series for young adult readers, the first book is called Virals.
Tory Brennan is the niece of well-known character Tempe Brennan but they don't know each other that well, although they are very alike.
Tory just lost her mum in an accident and has to live with her marine biologist father on a small island at the coast of Charleston, South Carolina. All adults living on that island work on yet another smaller island which is a research facility where monkeys and a small pack of wolfdogs run wild. Science-loving, intelligent Tory and her three friends, all boys, visit that island to watch the animals and detect a dogtag that sets them on a search for a murder vicitm. They also detect an unauthorized experiment on one of the wolfdogs which they take with them. And here the stories adds some mystery or science fiction to the crime novel - the kids all get infected with a designer virus that on the long run gives them wolf-like abilities (super strength and super senses). Add some teenage drama to that and you have a good idea of what Virals is like.
One could argue it's far-fetched but it's quite entertaining and a page turner. Well-written in Kathy Reichs style with a lot of teen language added I quite liked it and will possibly read the followers - the next one is already scheduled for next summer.

Kathy Reichs, Virals. Penguin, New York 2010.

Graffiti


Graffiti on a wall in Kaunas, Lithuania
postcrossing card by
Vika, received on 11th December, 2o10

Wednesday, December 08, 2010

Selig live



Ringlokschuppen Bielefeld. Selig tritt auf und gibt alles.
Gut gelaunt schäkert Jan Plewka von Anfang an mit dem Publikum, unterhält sich, erzählt, kommt sogar von der Bühne herunter ins Publikum. Überhaupt scheint Selig viel am Kontakt mit den Fans zu liegen, die Lichtshow verblüfft mit häufigen Spots in die Menge, man hat den Eindruck, Selig will das Publikum genauso sehr sehen wie das Publikum Selig!
Neben den Songs vom neuen Album Von Ewigkeit zu Ewigkeit spielen sie auch eine Auswahl vom Vorgängeralbum Und Endlich Unendlich und der Klassiker von damals. Am Ende der zweiten Zugaben haben sie zwei Stunden gespielt und enden mit "Ohne Dich", ich schließe mich an:

Herz vergeben, Herz verschenkt!

Saturday, December 04, 2010

C.R.Zafon: Der Schatten des Windes


Zafóns Der Schatten des Windes besetzte Monate lang viele Bestsellerlisten und lag stapelweise in den Buchhandlungen aus. Nun fand ich es in einer Hörspielbearbeitung, die zwei CDs umfasst. Nach Das Spiel des Engels war mir der Erzählstil des Autors bekannt und auch der Ort der Handlung und einige Charaktere finden sich wieder. Im Mittelpunkt der Erählung stehen wieder Bücher und der Friedhof der vergessenen Bücher, allerdings geht es nicht ganz so mystisch zu wie in Das Spiel des Engels.
Ich bin mir nicht sicher, ob es an der Verkürzung des Romans zum Hörspiel lag, aber es fiel mir schwer der Handlung im Detail zu folgen, manchmal war ich unsicher über Namen und Personen, konnte nicht alles zuordnen. Die Idee ist sicherlich faszinierend, die Charaktere interessant. Dennoch erstaunt es mich ein wenig, dass mich das Hörspiel nicht mehr fesselt, dass mich der Autor nicht mehr fesselt, denn das Thema Bücher ist sicher meins.
Vielleicht ist es Zafón aber nicht.

Carlos Ruiz Zafón, Der Schatten des Windes. Hörverlag/WDR 2009.

Friday, December 03, 2010

Erich Fried: Wintergarten



Wintergarten
Deinen Briefumschlag
mit den zwei gelben und roten Marken
habe ich eingepflanzt
in den Blumentopf

Ich will ihn
täglich begießen
dann wachsen mir
deine Briefe

Schöne
und traurige Briefe
und Briefe
die nach dir riechen

Ich hätte das
früher tun sollen
nicht erst
so spät im Jahr

aus: Erich Fried, Liebesgedichte. Wagenbach, Berlin 1979.
postcard by Mari from Estonia

Wednesday, December 01, 2010

Simple things


here are the
simple things
beautiful
calmness of the water

postcard by Finnish postcrosser Leila, received on 1st December, 2010

Saturday, November 27, 2010

Erich Fried: 28 Fragen



Achtundzwanzig Fragen
(ein verspätetes Geburtstagsgedicht)

Ich habe sieben Fragen:
Wie kannst du glücklich werden?
Ich habe sechs Fragen zu fragen:
Wie wird es den Menschen gehen?
Ich habe fünf Fragen
(eine für jeden Finger):
Wie kann ich die Zeit ertragen
bis wir uns wiedersehen?

Ich habe vier Fragen
(für dich) nach vierblättrigem Klee
Ich habe drei Fragen
(die alten) für dich nach deinen drei Wünschen
Ich habe zwei Fragen:
was ich dir sein und nicht sein darf?
Ich habe eine Frage:
Wie ich dich glücklich seh?

Aus: Erich Fried, Liebesgedichte. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1979.

Sunday, November 21, 2010

Dark Potter



It is dark and scary. They run for life, they suffer from the sheer impossibility of their task. They'll come through.
Daniel, Emma and Rupert are all grown up and they act their parts brilliantly.
Even though it's strange to devide the last book into two parts it wouldn't have worked in any other way. There's simply too much to tell.
So hats off to some well-written funny dialogues (had to giggle and laugh out loud several times, especially Ron was extremely funny), good special effects (wow, these flying scenes!) and all the emotions I ran through.
I loved every minute of The Deathly Hallows Part 1.

Pardon the spoiler: The seven Potters! :)

Saturday, November 20, 2010

Erich Fried im Gespräch



Per Mail flatterte mir da der Hinweis auf eine Wiederholung einer Sendung des ORF Radios (Ö1) vom 18. November 1993 in den E-Mail-Postkasten. [Dank an Michael Palfinger aus Wien!]

Erich Fried hat sich 1986 mit dem Literaturwissenschaftler Thomas Rothschild im Stuttgarter Schlossgartencafé unterhalten. Er hatte bereits seine Krebsdiagnose und starb zwei Jahre später. Weil das Gespräch ursprünglich nicht als Radiosendung geplant war, sondern lediglich als eine Materialsammlung für eine geplante Publikation Rothschilds dienen sollte, hört man im Hintergrund Cafégeräusche und die Fragen waren nicht vorbereitet.
Rothschild und Fried kannten sich schon länger, das Gespräch ist eher entspannt und Fried beantwortet die Fragen sehr offen. Gleichzeitig gehen die beiden sowohl literarisch und literaturkritisch als auch politisch-ideologisch sehr in die Tiefe.
Mich begeistert einmal mehr Frieds Geradlinigkeit, Toleranz und Überzeugungskraft, vor allem aber die Authentizität. Ich bedaure sehr, ihn niemals getroffen zu haben, bin aber froh, ihm wenigstens in Form eines weiteren Tondokuments begegnen zu können.
Der Beitrag dauert eine knappe Stunde und kann beim ORF zur Zeit noch als Stream kostenlos abgerufen werden, vermutlich aber nur eine kurze Zeit lang.

Tove Jansson: Sturm im Mumintal


Farlig Midsommar ist der finnische Originaltitel dieses im Jahre 1954 erschienenen Muminromans von Tove Jansson.

Der dem Mumintal nahegelegene Vulkan bricht aus und es entsteht ein Unwetter, das das Tal unter Wasser setzt. Mit der typischen Mumingelassenheit evakuiert die Familie und landet als Notunterkunft in einem schwimmenden Theater. Nur dass die Mumins natürlich nicht wissen, was ein Theater eigentlich ist. Mumin und das Snorkfräulein erleben noch ganz andere Abenteuer, als sie auf einem Baum stranden und ihren Weg zurück zu den anderen finden müssen. Und auch beim Schnupferich läuft nicht alles nach Plan, er muss sich plötzlich um 24 kleine Kinder kümmern, zum Glück hat er die Kleine Mü auch dabei, die von ihrer Schwester weiß, wie das mit der Erziehung funktioniert.
"Sie finden dich nicht lustig", erklärte die Kleine Mü. "Du musst es so machen wie meine Schwester und sagen, wenn sie nicht still sind, schlägst du sie tot. Hinterher bittest du sie dann um Verzeihung und gibst ihnen Bonbons."
"Und hilft das?"
"Nö", sagte die Kleine Mü.
Der Schnupferich hob die Reisighütte hoch und warf sie in einen Wacholderbusch.
"Das macht man immer mit einem Haus, in dem man mal gewohnt hat", erklärte er.
Die Waldkinder verstummten sofort, rümpften die Näschen und schnupperten in den Nieselregen.
"Es regnet", sagte ein kleines Kind.
"Ich habe Hunger", sagte ein anderes.
Der Schnupferich sah die Kleine Mü hilflos an.
"Mach ihnen Angst mit der Morra!", schlug sie vor. "Das hat meine Schwester immer getan."
"Hat es bei dir geholfen?"
"Natürlich nicht!" Die Kleine Mü musste so sehr lachen, dass sie umfiel.
(Seite 122)
Natürlich findet sich für alle Irrwege und Probleme am Ende die perfekte Lösung.
Trotz der skurrilen Gestalten ist es doch deutlich zu sehen, wie menschlich die Probleme der Mumins und ihrer Freunde sind. Dadurch erhalten die Geschichten Gültigkeit und Wahrhaftigkeit.

Tove Jansson, Sturm im Mumintal. Arena, Würzburg 2006.

Wednesday, November 17, 2010

More Moomins


Another Moomin card arrived today from Juho, Finland.
It shows Moomintroll and Mymble. It even had a Moomin stamp, how cute is that!

Sunday, November 14, 2010

Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und die Tieferschatten

Ein weiteres wunderschönes Buch von Andreas Steinhöfel [Link führt zum großartigen Blog des Autors].
Es spielt in Berlin (seit längerem schon Wohnort des Autors) und der Ich-Erzähler ist tiefbegabt. Das ist logischerweise das Gegenteil von hochbegabt, das bedeutet, dass Rico, so heißt unser Erzähler, Probleme hat mit dem Denken. Das dauert manchmal länger als bei anderen und wenn man ihn zu sehr bedrängt, geraten in seinem Kopf die Gedanken nur umso schneller und heftiger durcheinander, was er passenderweise mit umherwirbelnden Bingokugeln vergleicht.
Er wohnt mit seiner Mutter in der "Dieffe", also in der Dieffenbachstraße in Kreuzberg, und geht statt zur Schule in ein Förderzentrum. Per Zufall lernt er auf eben dieser Straße Oskar kennen, der ist sieben und hochbegabt, weiß alles, hat aber auch vor allem Angst, weswegen er die ganze Zeit einen Helm trägt. Als Oskar von dem in Berlin umgehenden Kindesentführer Mister 2000 entführt wird, setzt Rico alles daran, dem neugewonnenen Freund zu helfen. Und das ist nicht so leicht, wenn man tiefbegabt ist.
Steinhöfel gelingt es, dass sich der Leser auf die Sichtweise des in seinem Denken so anderen Kindes einlassen kann. Aus Ricos Sicht sieht die Welt eben anders aus. Manches durchschaut er nicht, was der Leser auch erahnen kann und muss, anderes kann eben nur Rico sehen. Und mit seinem Blick durchschaut er so manches Mal die mühsam aufgebauten Fassaden und Masken der Erwachsenen und versteht die Kinder, die in der Welt dieser Erwachsenen leben müssen, sichtlich besser als manch normal begabter. Rico ist unschlagbar ehrlich und man kann etwas von ihm lernen, egal ob man selbst tief-, hochbegabt oder langweilig normal ist.
Andreas Steinhöfel, Rico, Oscar und die Tieferschatten. Carlsen, Hamburg 2008.

Saturday, November 13, 2010

Das Ökosystem und die Ameise

Ameisen: Kleine Lebewesen, welche das Ökosystem der Erde zusammenhalten. Nähme man sie aus der Welt, wäre dies das Ende der Erde in dieser Form.
Im Gegensatz dazu: der Mensch. Größeres Lebewesen, welches das Ökosystem der Erde zerstört. Nähme man ihn aus der Welt, wäre dies die letzte und einzige Möglichkeit, die Erde in dieser Form noch zu erhalten.
Janosch, Wörterbuch der Lebenskunst-Griffe, Goldmann, München 2000, S. 12.

Kathy Reichs: Spider Bones


Spider Bones ist der 13. Roman von Kathy Reichs mit Temperance Brennan und Andrew Ryan. Obwohl ich auch die Fernsehserie Bones sehr mag, sind mir die Originalcharaktere der Bücher doch deutlich lieber.
Der Plot von Spider Bones: Aus einem See in Quebec wird ein Toter gefischt, der sich offensichtlich beim Ausleben autoerotischer Praktiken selbst getötet hat. Über die Fingerabdrücke ergibt sich schnell eine Identizierung, der Tote ist John Lowery, auch Spider genannt (siehe Titel). Problem: John Lowery ist seit 1968 tot, er starb in Vietnam. Es folgt die Suche nach den Hintergründen. Wie kann der Tote Spider sein? Und wenn er es ist, wer liegt dann in seinem Grab in North Carolina?
Der Leser wird nun mit den amerikanischen Institutionen vertraut gemacht (hauptsächlich JPAC, wohin auch die Autorin persönliche Beziehungen hat), die für die Identifizierung von Personen zuständig sind, die nicht aus den diversen Kriegen der USA zurückgekehrt sind, d.h. die Zuordnung der namenlosen Toten, situiert auf Hawaii. Dorthin fliegt Tempe zusammen mit den exhumierten Überresten der als Spider beerdigten Person. Weitere Ungereimtheiten und falsch identifizierte Tote tauchen auf. Auch eine Verbindung zu Gangs und der Drogenmafia entsteht.
Parallel dazu trauert Tempes Tochter Katy um einen toten Freund und Ryan taucht mit seiner Tochter Lily (gerade clean nach dem Drogenentzug) ebenfalls auf Hawaii auf, was einige Turbulenzen im Nebenplot verursacht.
Ob Spider Bones ein guter Krimi ist, weiß ich nicht genau.
Mich hat er schon in seinen Bann gezogen, aber ich bin nicht objektiv, da mir die Charaktere sehr ans Herz gewachsen sind. Spannend ist sicherlich das Verwirrspiel um die nicht-identifizierten Toten, man rätselt mit, wer denn nun wer sein kann, man bekommt Hinweise und falsche Fährten gestreut. Die Auflösung am Ende ist aber leider fast ein deus ex machina, das Auftauchen der Schlüsselfigur klärt alle Zusammenhänge und die Verwirrungen auf, ein Hinweis eines Informanten leitet den Showdown der letzten Seiten ein. Das hat Kathy Reichs eigentlich sonst nicht nötig und es hätte eventuell auch eleganter gelöst werden können. So enttäuscht das Ende ein wenig.
Sprachlich war es dennoch einmal mehr Freude, Reichs im Original zu lesen, die Dialoge und die stets mitklingende (Selbst-) Ironie der Ich-Erzählerin machen einfach Spaß.
Ansonsten wünscht man sich nur, Tempe und Ryan würden endlich mit den Albernheiten aufhören und wieder zusammen kommen. Aber das ist wohl ein sehr unsachlicher Schlusskommentar... - egal.

Friday, November 12, 2010

Pretty



It's just stunning. The poet is Katie Makkai and she does poetry slams, not much more can be found on the web. Complete text can be read here. I will probably never hear the word "pretty" again and not think of this. Simply amazing. Mothers, show your daughters! Daughters, show your mothers!

Durbridge revisited


Dies ist Francis Henry Durbridge. Er war Brite und wurde am 25. November 1912 in Hull geboren und starb am 11. April 1998. Er ist Autor zahlreicher Theaterstücke und vor allem der Erschaffer von Paul Temple, einem fiktiven Autoren und Detektiv, der in London lebt und Scotland Yard hilfreich zur Seite steht und mit seiner Frau Steve zahlreiche spannende Fälle löst.
Durbridge war mit den Hörspielen und Verfilmungen nicht nur in Großbritannien erfolgreich, sondern vor allem auch in Deutschland, wo die Hörspiele in 60er Jahren zu den sogenannten "Straßenfegern" wurden - das heißt, die Hörspiele waren so beliebt, dass die Straßen zu den Sendezeiten leer waren.
So kannte damals jeder René Deltgen, der Paul Temple seine Stimme verlieh:
In späteren Jahren wurden die Hörspielen vielfach erneut ausgestrahlt und so saß auch ich als Kind um elf Uhr vormittags am Radio, um ja nicht den "Krimi am Samstag" zu verpassen.
Seit einigen Jahren sind die Hörspiele nun auch auf CD erhältlich und man kann sich jederzeit an ihnen freuen.
The Paul Temple File - umfassende Informationssammlung

Tuesday, November 09, 2010

Enjoy!

Another beautiful Moomin card!


In the world
there is nothing nicer
than enjoying
and nothing is more easy

The latest postcrossing card, sent by Julia from Finland, arrived on 8th November, 2010, the quote is from "Moominvalley in November" (or "Sent i november") by Tove Jansson (1970).