Tashim Durgun, »Mama, bitte lern Deutsch« : Unser Eingliederungsversuch in eine geschlossene Gesellschaft. Argon 2025.
Tashim Durgun, »Mama, bitte lern Deutsch« : Unser Eingliederungsversuch in eine geschlossene Gesellschaft. Argon 2025.
Nun ist es ein Klassiker mehr, den ich auf den "gelesen"-Stapel schieben kann, mit Hemingway werde ich wohl immer eine schwierige Beziehung behalten, soviel ist zumindest klar.
Ernest Hemingway, A Farewell to Arms. Arrow Books 2004 / librivox recording.
Beeren pflücken von Amanda Peters wird aus zwei Erzählperspektiven erzählt, von Norma und Joe. Die Geschichte beginnt im Sommer 1962, als eine Mi'kmaq-Familie aus Nova Scotia nach Maine reist, um dort auf den Blaubeerfeldern zu arbeiten. Joe erinnert sich sehr deutlich an diesen Sommer, denn seine vierjährige Schwester Ruthie verschwindet eines Tages spurlos. Trotz intensiven Suchens (ohne polizeiliche Hilfe, denn die interessiert ein Kind der Indigenen nicht) taucht sie nicht wieder auf. Norma wächst bei einer reichen weißen Familie in Maine auf. Sie erinnert sich in ihrer Kindheit an Dinge, die sie nicht einordnen kann, die ihre Mutter ihr aber als böse Träume abtut. Norma ist klar, dass in ihrem Zuhause nicht alles in Ordnung ist und ihre Eltern ihr etwas verschweigen.
Mir hat Beeren pflücken sehr gut gefallen. Die beiden Protagonisten, gut umgesetzt im Audiobook von Suzanne von Borsody und Jörg Schüttauf, sind authentische und interessante Charaktere. Emotionen wirken direkt, ungeschönt und intensiv, es wird nichts romantisiert. Joe ist gnadenlos in seinem Urteil über seine Alkoholsucht, seine damit verbundenen Taten und seine Schwäche, anderen vergibt er leicht. Norma schafft es, den Menschen, die sie ihr Leben lang belogen haben, dennoch zu verzeihen und selbst im Rückblick Verständnis für sie aufzubringen, trotz ihrer gerechtfertigten Wut, die sie auch zulässt. Auch die anderen im Buch angesprochenen Themen wie beispielsweise Kindesverlust oder Rassismus finden angemessen Raum, wenngleich ich gerade im Bereich der Diskriminierung der indigenen Familien noch mehr erwartet hätte. Klare Lese-/Hörempfehlung.
Amanda Peters, Beeren pflücken. HarperCollings 2023.
Ausgeliefert hält über weite Teile durch actionreiche Handlung die Spannung auf einem hohen Level, gibt aber trotzdem den Protagonisten Raum. Der Fokus auf die Waffen, ihre Eigenschaften und Effizienz gehen mir ein bisschen quer runter, dafür bin ich vielleicht einfach nicht die passende Leserin und auch nicht für die Kampfszenen. Alles im allem ist es aber spannende Unterhaltung im Superheroactiongenre.
Lee Child, Ausgeliefert. Audio Media Verlag 2018.
Romalyn Tilghman, Die Bücherfrauen. Fischer 2021.
Jean-Luc Bannalec, Bretonische Versuchungen. Argon 2025.
Thomas Krüger, Es rappelt in der Kiste. Schall und Wahn 2025.
Arthur Golden, Die Geisha. C. Bertelsmann 2006.
Jonathan Stroud, Scarlett & Browne - Die Legendären. cbj 2025.

Rebecca Yarros, Onyx Storm. Hörbuch Hamburg 2025.
Mel Robbins, Die Let Them Theorie. Goldmann 2025.
Der Reisende von Arnaldur Indridason ist der zweite Band seiner Thriller-Serie, die während des zweiten Weltkriegs auf Island spielen. Die Amerikaner haben eine feste Basis auf der Insel und die Anwesenheit der Soldaten führt zu Verbrechen, bei denen sich die Zuständigkeiten überschneiden, so dass Militärpolizei und die isländischen Kriminalkommissare zusammenarbeiten müssen.
Ein Handelsreisender wird in Reykjavíks 1941 in einer kleinen Wohnung tot aufgefunden. Er wurde mit
einem Pistolenschuss in den Kopf getötet - mit einer amerikanischen Waffe. War der Getötete ein Spion für die Deutschen? Denn es scheint Verbindungen zu deutschen und isländischen Nazis zu geben. Und was hat das alles mit rassenideologischen Experimenten zu tun, die bereits Jahre zurück liegen? Es muss in verschiedene Richtungen ermittelt werden, und Ermittelnden, auch Kommissar Zufall, helfen dabei.
Mich hat Der Reisende nicht sonderlich begeistert, prinzipiell lese ich fast alles von Indridason, aber diese Reihe ist nicht sein bestes Werk. Walter Kreyes Lesung war allerdings überzeugend.
Arnaldur Indridason, Der Reisende. Lübbe Audio 2018.
Suzanne Collins, Der Tag bricht an. Oetinger 2025.
Kathy Reichs, Die Sprache der Flammen. Heyne 2024.
Linda Castillo, Böse Seelen. Argon 2016.
Die teils sehr schönen, aber auch sehr verschachtelten Satzgebilde führen meistens nirgendwohin. Dazu kommt die völlige Abwesenheit einer Handlung. Über weite Teile des Buches passiert nichts, Koldewey liegt mit Bauchschmerzen in seinem Zimmer, Koldewey geht hinaus zur Grabungsstelle und tut dort nichts (die Landschaft wirkt auf ihn). Bei der Fahrt nach Berlin, bei der eine gedanklich halbwegs interessante Parallele zwischen dem immer wieder überbautem Babylon und dem zur Großstadt anwachsenden Berlin errichtet wird, passiert auch fast nichts. Hinzu kommen aneinandergereihte Briefe (immer nur eine Seite des Dialogs) und Listen z.B. mit Chiffren oder Arbeiternamen. Dieses Babel war nicht so sehr sprachverwirrend als vielmehr ein verwirrender Querschnitt intellektuellen Gedankenguts zu dieser Zeit mit absurden und sehr vereinzelt weisen Erkenntnissen, die darin versteckt liegen. Wäre das Buch nicht relativ kurz gewesen, hätte ich es vermutlich abgebrochen. Ich habe Hochachtung vor der Arbeit, die Babel zugrunde liegen muss, aber als Lesende hat es mich nicht überzeugen können und mir wenig Freude bereitet.
Kenah Cusanit, Babel. Hanser 2019.
Ewald Arenz Roman Zwei Leben spielt in einem Dorf in Süddeutschland im Jahr 1971. Roberta ist 20 und hat in der nächsten Stadt eine Schneiderlehre gemacht. Doch anstatt ihre Träume von interessanten Kleidern, Mode und Paris anzugehen, kehrt sie pflichtschuldig auf den Hof der Eltern zurück. Ihre Liebe zum Pfarrerssohn Wilhelm ist ihr Gegenpol zur Arbeit mit Vieh und Acker. Parallel wird zudem die Geschichte von Gertrud, der Pfarrersfrau, erzählt, die sich nichts sehnlicher wünscht, als dem für sie freudlosen Leben auf dem Land zu entkommen.
Arenz entwirft zwei gegensätzliche Frauenfiguren, die schlussendlich aber doch ähnliche Erfahrungen machen und ähnliche Lebensentscheidungen treffen müssen. Mir haben die Figuren und ihre Situationen zunächst gut gefallen: Gertrud, die aus Loyalität heraus nicht aus ihrem Leben ausbrechen will, aber es schließlich tun muss. Roberta, die noch so jung ist, dass sie sich erst vorsichtig herantasten muss, was ein gutes, erfülltes Leben für sie bedeutet. Während Pfarrer und Robertas Eltern nur umrissen werden und als Charaktere keine Bedeutung erlangen, gefällt mir Robertas Großvater als Figur gut. Doch schon bei dem gemeinsamen Nenner der Frauen, nämlich Wilhelm, habe ich Schwierigkeiten. Er ist zu gut, um wahr zu sein, er ist für seine Zeit den Frauen gegenüber sehr rücksichts- und verständnisvoll. Er traut Roberta mehr zu als sie sich selbst, seine Mutter unterstützt er vorbehaltlos. Und das in einem konservativen Umfeld 1971. Ein halbes Wunder von einem jungen Mann, der von beiden Frauen idealisiert wird. Dabei driftet der durchaus tragische Plottwist für meinen Geschmack dann auch zu sehr ins Kitschige ab. Nun erlaubt der Autor seinen Protagonistinnen, Lebensentscheidungen zu treffen, an die sie vorher kaum zu denken wagten. Insgesamt ist Zwei Leben ein durchaus unterhaltsamer Roman mit Einblicken in Ort und Zeit, der aber ungenutztes Potential in Bezug auf die Frauenperspektive (finanzielle Unabhängigkeit, Abtreibung...) hat.
Ewald Arenz, Zwei Leben. DAV 2024.
Enid Blyton, Fünf Freunde im Zeltlager. cbj 2015.