Sunday, March 25, 2018

Camilla Läckberg - Die Schneelöwin

Die Schneelöwin ist der 9. Fall in der Fjällbäcka Serie von Camilla Läckberg. Das Audiobook erlaubt sich verschiedene Sprecherinnen für die verschiedenen Frauenstimmen, nett, aber nicht unbedingt ein dringend benötigtes Feature.

In Fjallbäcka und Umgebung verschwinden junge Mädchen, eines davon taucht plötzlich auf einer Landstraße auf, nur um dort von einem Auto angefahren zu werden und im Krankenhaus an ihren Verletzungen zu sterben, einige davon stammen von den Misshandlungen ihres Entführers.
Das Polizistenteam von Fjällbäcka nimmt die Ermittlungen auf, Erica Falck schreibt derweil an einem Buch über einen Fall aus den 70er Jahren, bei dem ein junges Mädchen von den eigenen Eltern in einem Keller gefangen gehalten wurde, weil sie mit den soziopathischen Verhaltensweisen des Kindes nicht anders umzugehen wissen. Die Mutter des Kindes sitzt immer noch im Gefängnis für die Ermordung ihres Ehemanns. In Rückblenden wird zwischendurch von den Geschehnissen damals berichtet, die - wie könnte es anders sein - mit den aktuellen Entführungsfällen zusammenhängen - wenngleich der Leser vor der Aufklärung natürlich noch auf die ein oder andere falsche Fährte gelockt wird.

Nun weiß ich wieder, warum ich eigentlich Abstand von der Serie nehmen wollte - hat man einen gelesen, hat man alle gelesen. Der Aufbau ist derartig schematisch, dass selbst die Überraschungsmomente vorhersehbar sind. Gruseliger Fall mit psychopatischem Täter, Recherche in der Vergangenheit, Erica und ihr Heurekamoment, kurze Eskapade, in der sie selbst versucht, alle zu retten und den Täter zu fassen (auch wenn sie nie darüber nachdenkt, wie sie das anstellen soll), Scheitern beim Versuch, Rettung durch Ehemann/Polizei, Epilog über die tieferen Zusammenhänge, Ende.
Heißt nicht, dass es nicht einen gewissen Unterhaltungswert hat, aber so richtige Spannung und Lesefreude kommt nicht auf. Ich lasse es dann mal wieder für eine Weile.

Camilla Läckberg, Die Schneelöwin. HörbuchHamburg 2016.

#1 Die Eisprinzessin schläft
#2 Der Prediger von Fjällbacka
#3 Die Töchter der Kälte
#4 Die Totgesagten
#5 Engel aus Eis
#6 Meerjungfrau
#7 Der Leuchtturmwärter
#8 Die Engelmacherin
#9 Die Schneelöwin
#10 Die Eishexe 

Thursday, March 22, 2018

Tess Gerritsen - In der Schwebe

In der Schwebe von Tess Gerritsen handelt von einer mysteriösen Epidemie die auf der internationalen Weltraumstation ISS ausbricht. Ein Experiment verhält sich auffällig, aber bevor es vernichtet werden kann, erkranken und sterben zunächst einige Versuchstiere, dann entwickelt der erste Astronaut Symptome. An Bord ist die Medizinwissenschaftlerin Emma Watson, doch auch sie kann die Effekte, die dieser seltsame Erreger auf die Menschen an Bord hat, nicht aufhalten. Der Rettungsversuch der NASA scheitert auf bittere Weise und nun schalten sich das Militär und das weiße Haus ein.
Zusammen mit Emma im All und ihrem (noch) Ehemann Jack auf der Erde gerät der Leser in einen Wettlauf mit der Zeit, um die Zusammenhänge und den Ursprung der Katastrophe auszumachen und ein Gegenmittel zu finden.
Wie gewohnt schildert Tess Gerritsen starke Protagonisten und räumt auch den Nebenfiguren genügend Raum ein, um interessant zu sein. Das Setting ist ungewöhnlich und fesselnd, gerade wenn man nicht allzu viel über Raumfahrt und die Abläufe auf einer Raumstation weiß. Wie glaubhaft oder realistisch diese Schilderungen sind, kann ich hingegen nicht beurteilen, allerdings beruft sich die Autorin auf eine mehrere Monate dauernde Recherche.

Der Anlass, wegen dem sie darauf auf ihrer Website darauf hinweist, ist allerdings eher unerfreulich: Im Jahr 1999, also im gleichen Jahr der Erstveröffentlichung von Gravity, so der Originaltitel,  verkaufte Gerritsen die Filmrechte an New Line Productions, einer Filmproduktionsfirma, die 2008 vom Branchenriesen Warner Bros aufgekauft wurde. Während der ursprünglich geplante Film nicht umgesetzt wurde, lief Gravity  schließlich 2913 in den Kinos an, die Regie hatte Alfonso Cuarón, die Hauptrollen waren besetzt mit Sandra Bullock und George Clooney. Der Film war recht erfolgreich und gewann 2014 zwei Oskar für Schnitt und Regie. Prima, denkt man, wie schön für Tess Gerritsen.
Aber die Autorin sah für das Projekt nicht einen Dollar! Trotz des Vertrags, den sie mit NLP geschlossen hatte, und obwohl der gleiche Regisseur für das Projekt vorgesehen war, behauptet Warner Bros, es wäre ein völlig unabhängiges Projekt. Betrachtet man die offensichtlichen Parallelen - nicht zuletzt der Titel! - ist dies schon eine wahrhaft peinliche Behauptung. Der Prozess um die vollständige Aufklärung der Zusammenhänge läuft noch...

Der Roman ist definitiv lesenswert und hält einen langen Spannungsbogen -  vor dem Hintergrund kann dann auch der Hollywoodstreifen mit einem anderen Blick betrachtet werden. Ich würde Gerritsen jedenfalls ihren Anteil an den 700.000 Dollar gönnen, den der Film eingespielt hat.

Tess Gerritsen, In der Schwebe. RandomHouse Audio 2012.

Wednesday, March 21, 2018

Sunday, March 18, 2018

Tove Jansson - Fair Play

Fair Play von Tove Jansson erzählt die Geschichte zweier Künstlerinnen, Jonna und Mari. Sie sind Malerinnen, Schriftstellerinnen, Bildhauerinnen und Regisseurinnen. Sie leben zusammen in einer Dachwohnung, ihre Ateliers mit einem Gang verbunden, in der Mitte die Küche. Im Sommer leben sie, wie die Autorin auch, auf einer kleinen Schäreninsel. Sie reisen, sie zweifeln an ihrer Kunst, sie unterstützen sich, sie kritisieren und streiten sich. Ob sie ein Liebespaar sind, ist nicht relevant.
In sehr kurzen Erzählungen, eher Momentaufnahmen von Gesprächen und Begegnungen, zeichnet Tove Jansson diese spannende Beziehung zweier außergewöhnlicher Frauen. Im alltäglichen verstecken sich Weisheiten und Erkenntnisse.

Gleichzeitig ist einiges von absurder Komik: So erhält Mari einmal einen Brief einer verzweifelten Frau, die von ihr den Sinn der Lebens wissen will. "Und es eilt, sagt sie." Jonne macht verschiedene Vorschläge, was Mari ihr doch antworten soll, um Ruhe zu haben, so als wären alles mögliche Antworten: Sie soll schreiben, sie wisse es nicht. Sie soll schreiben, Liebe. " - könnte man ihr nicht das mit dem Ganz-einfache-Dinge-Erleben schreiben..." Sie soll ihr endlich schreiben, "damit das erledigt ist."

Der autobiographische Bezug ist deutlich, so war Janssons intensive Beziehung zu ihrer Partnerin Tuulikki Pietilä künstlerisch ähnlich fruchtbar wie die ihrer zwei Protagonistinnen und man kommt nicht umhin, sie darum zu beneiden, welch tiefen Gefühle unter einer Schale von Plänkeleien und Alltagsproblemen verborgen sind. Ein kleines feines Buch.

Mari hörte nicht so genau zu, ein abenteuerlicher Gedanke begann Form anzunehmen: die Möglichkeit eines ganz eigenen Alleinseins in Frieden und Erwartung, fast eine Art Jux, den man sich erlauben kann, wenn man mit Liebe gesegnet ist.

Tove Jansson, Fair Play. Urachhaus, Stuttgart 2014.

Thursday, March 15, 2018

Elisabeth Herrmann - Die siebte Stunde

In seinem zweiten Fall wird der nun nicht mehr im Kreis von Berlins Elite verkehrende Joachim Vernau zum Hilfslehrer gemacht. Die Jura-AG eines privaten Gymnasiums soll betreut werden. Doch die stellvertretende Direktorin, die ihn anstellt, sagt ihm nicht die ganze Wahrheit. Denn die Jugendlichen dieser Klasse verhalten sich ihm gegenüber äußerst misstrauisch. Bald findet er heraus, dass es im vergangenen Schuljahr einen mysteriösen tödlichen Unfall gegeben hat. Er versucht, mehr darüber zu erfahren, dies gelingt ihm aber nur nach und nach. Es geht um Rollenspiele und Vernau begibt sich in für ihn ungewohnte Kreise, um mehr zu erfahren.
In dieser Audiobook-Fassung sind scheinbar einige Nebenstränge Kürzungen zum Opfer gefallen, die humoristischen Begegnungen mit Vernaus Mutter, die im ersten Band für Abwechslung sorgten, kommen hier nicht vor. Auch nur ansatzweise erleben wir die Auseinandersetzung mit seiner Kanzleikollegin Marie-Luise.
Nach einigen Hörminuten wurde mir bewusst, dass ich die Verfilmung mit Jan Josef Liefers in der Hauptrolle von 2015 bereits gesehen hatte, so dass der Fall durch das Vorwissen einiges an Spannung verlor. Positiv ist zu bemerken, dass Elisabeth Herrmann eine komplett andere Thematik wählt als in Das Kindermädchen, das lässt auf weitere Abwechslung in den Folgebänden hoffen.

Elisabeth Herrmann, Die siebte Stunde. AudioMedia 2014.

Joachim Vernau:
#1 Das Kindermädchen
#2 Die 7. Stunde
#3 Die letzte Instanz
#4 Versunkene Gräber
#5 Totengebet
#6 Requiem für einen Freund 
#7 Düstersee
#8 Blutanger

Wednesday, March 07, 2018

Ken Follett - Das Fundament der Ewigkeit

Inzwischen habe ich so einige von Ken Folletts Romanen gelesen oder gehört, zuletzt die recht beeindruckende Jahrhunderttrilogie. Auch Die Säulen der Erde (1989 veröffentlicht) hat mich damals sehr fasziniert. Meine Erwartungen an den dritten Band um die Kathedrale von Kingsbridge waren dadurch vielleicht zu hoch angesetzt. Leider kann ich Das Fundament der Ewigkeit keine besonders gute Kritik geben.
Dabei sind prinzipiell alle Zutaten eines gelungenen Follett-Werkes vorhanden:

Ein historisches Setting, in dem sich der Autor gut auskennt, so dass er Wirklichkeit und Fiktion gut vermischt zu einem runden Ganzen machen kann. In diesem Fall ist es die Zeit von Elizabeth I, beginnend im Jahr 1558, Glaubenskriege zwischen Protestanten und Katholiken beschäftigen ganz Europa und beherrschen das politische Geschehen. 
Dazu eine Liebesgeschichte zwischen zwei Personen, die doch nicht recht zueinander finden können und in einem andauernden Tanz umeinander bangen müssen.

Doch besonders letzteres geht nicht auf, die beiden liebenden Protagonisten bleiben als Charaktere flach und unterentwickelt, sie sind sogar seltsam emotionslos, als klar wird, dass ihre gemeinsamen Zukunftspläne scheitern (mehrmals). Gleichzeitig ist das politische Wirrwarr dieser Zeit komplex, Follett muss sich zahlreicher Charaktere bedienen, um das ganze in allen Facetten auszuleuchten. Diese vielen Figuren werden nicht alle so ausgearbeitet, dass man tatsächlich Anteil an ihrem Schicksal nimmt. Der Kreis der Handlung erstreckt sich über Frankreich, England und Spanien, es werden Gläubige beider Seiten ermordet und angezündet, das Schicksal der schottischen Königin Mary hineingewoben und auch der Kampf mit der spanischen Armada darf in seinem genauen Ablauf nicht fehlen. Das Schicksal der Kathedrale und des Ortes Kingsbridge bleibt hinter all diesem dramatischen Weltgeschehen weit zurück.
Man wird den Eindruck nicht los, dass sich Follett hier einmal historisch-inhaltlich zu viel aufgeladen hat und nicht mehr wie gewohnt erzählerisch elegant verpacken kann. Weite Passagen sind eine Nacherzählung der geschichtlichen Ereignisse und haben wenig Zusammenhalt im Roman, auch wenn wir der ein oder anderen Romanfigur, die Follett dies gerade miterleben lässt, über die Schulter schauen, eine wirklich persönliche Erzählperspektive wird es dadurch noch lange nicht.
Für den an der britischen Geschichte interessierten hat Das Fundament der Ewigkeit natürlich dennoch einiges zu bieten, auch wenn es rund um Elizabeth I sicherlich viele andere gute Romane und Verfilmungen gibt.

Ken Follett, Das Fundament der Ewigkeit. Lübbe Audio 2017.

Sunday, March 04, 2018

Jonathan Stroud - Die Eisfestung

Die Eisfestung ist eine mittelalterliche Burg in England. Es ist Winter und die drei Jugendlichen Emily, Simon und Marcus wissen nicht so recht, was sie mit sich anfangen wollen. Der Zufall treibt sie alle zu der Burg, in deren Burggraben man immerhin Schlittenfahren kann. Sie kennen sich bis zu diesem Tag nicht: Emily ist Einzelkind und ihre Eltern lassen ihr viele Freiheiten, Simon leidet unter seinen groben Brüdern, die ihn schikanieren, und Marcus kommt aus einem weiter entfernten Ort. Letzterer ist völlig begeistert von der Burg und den Geschichten, die sich dort ereignet haben. Obwohl die Burg von einem (nicht allzu zuverlässigen) Wachmann überprüft wird, gelingt es den dreien einzusteigen. Sie erforschen das Gemäuer, doch die Zeit reicht nicht aus, um alles zu erkunden, daher beschließen sie, noch einmal wiederzukommen und dort zu übernachten - ein Abenteuer mit vielen spannenden Momenten und einer guten Portion Gespenstergeschichten.
Doch als Marcus am nächsten Morgen verschläft, nimmt die Geschichte eine andere Wendung. Er bekommt Ärger mit seinem Vater zuhause und flieht zurück in die Burg, wo ihn Emily und Simon wieder aufspüren. Plötzlich wird aus dem Burgspiel Ernst, denn natürlich sucht Marcus' Vater und kurz darauf auch die Polizei nach ihm... Eine handfeste Belagerung, wie aus einer von Marcus' Geschichten, beginnt.

Jonathan Strouds Schreibstil macht Die Eisfestung zu einem leicht zu lesenden Abenteuer. Auch die Idee einer Belagerung in der Jetztzeit ist interessant (Originaltitel: The Last Siege). In der Grundanlage sind auch die Charaktere der Protagonisten in Ordnung, Emily emotional, aber vernünftig, Simon begeisterungsfähig und tatkräftig, wobei Marcus manipulativ und fantasievoll zugleich ist. Dennoch bleiben die drei seltsam flach und entwickeln sich nicht in vollem Potenzial. Allein Emily, aus deren Sicht wir die Geschichte miterleben, zeigt Züge von Reflexion und Weiterentwicklung in ihrem Charakter. Was ich am meisten vermisst habe in Die Eisfestung ist der Humor und Sarkasmus, der Jonathan Strouds andere Bücher durchdringt, sei es die Bartimäus-Reihe oder die Geisterserie um Lockhart & Co. Es ist, als hätte der Autor hier bewusst ernsthaft mit seinem Thema umgehen wollen. Aber untertitelt als Thriller bleibt die Geschichte dann doch ziemlich bodenständig und vorhersehbar, die Spannung gerade im Showdown springt nicht so recht über.

Jonathan Stroud, Die Eisfestung. cbt, München 2009.





Sunday, February 25, 2018

Max Bentow - Das Dornenkind

Das Dornenkind aus dem Titel des fünften Falls von Nils Trojan ist die Tochter des Federmanns aus dem ersten Band. Der war vom Dach eines Hauses gestürzt, für tot angenommen, aber nicht gefunden worden. Und - welch Überraschung - er kehrt zurück. Die Tochter Wendy, ein etwas unklarer Charakter, will ihn treffen und kehrt nach einer Zeit in Vancouver nach Berlin zurück. Dort geschehen wieder Morde, den Opfern werden Worte in die Haut geritzt. Trojan will es erst nicht wahrhaben, aber Wendy bestätigt ihm schließlich, dass ihr Vater noch lebt und Kontakt mit ihr aufgenommen hat. Und er will sich an Trojan rächen, da er diesen für die schweren gesundheitlichen Folgen, die sein Sturz mit sich brachte, verantwortlich macht. Er spielt Wendy und einen weiteren Komplizen geschickt aus, um sowohl Trojans Tochter Emily als auch dessen Lebensgefährtin Jana zu bedrohen. Die Spannung wird hauptsächlich dadurch aufrechterhalten, dass man im Ungewissen bleibt, ob sich Wendy auf die Seite des Guten oder des Bösen schlägt und der Autor gibt sich große Mühe, damit zu spielen und baut mehrere Wendungen und Doppeldeutigkeiten ein.
Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen funktioniert Das Dornenkind nicht.
Trojan, der zugegebenermaßen psychisch schon immer instabil war, lässt sich von Wendy irritieren und einwickeln. Er denkt zu wenig und agiert kopflos. Zwar verfolgt er die ein oder andere Spur, die Rettung der Tochter aber fällt mal wieder vom Himmel. Gekrönt wird dies noch von der meines Erachtens überflüssigen persönlichen Epilogs, ob auch Trojans Vater ein Mörder sei. Damit wird die im Buch aufgeworfene Frage, ob das Verlangen zum Morden vererbbar sei, auf etwas arg flache Weise weitergetragen.
Auch andere Charaktere werfen mehr Fragen auf als sie Antworten geben: Der liebende Ehemann, der so gestört ist, dass er dem Federmann blindlings als Fan (!) gehorcht, gleichzeitig aber seine Frau aufopferungsvoll pflegt? Dieselbe Ehefrau, die angeblich nichts mitbekommt, dann aber trotz Lähmung die Treppe herunterkrabbelt? Der Wahrsager, dessen einzige Aufgabe ist Spurenlieferant zu sein, ansonsten aber völlig deplatziert wirkt? Und immer wieder Wendy und ihr irrationales Hin und Her...
Prinzipiell habe ich auch nichts dagegen, den Bösen aus einem vorangegangenen Band wieder auftauchen zu lassen, das haben auch schon andere (z.B. Patricia Cornwell mit dem "Loup Garou") getan. Ihn auch beim zweiten Mal nicht zur Strecke zu bringen, zumal der Federmann gesundheitlich nicht völlig handlungsfähig ist, wird dann etwas unglaubwürdig. Die Polizei scheint durchaus extrem unfähig zu sein, wenn ein einarmiger Serienkiller mit Perücke so einfach entkommen kann.
Nein, diesen Band habe ich mit großem Unwillen zuende gehört, wenn auch die Lesung von Axel Milberg tadellos wie immer war.

Max Bentow, Das Dornenkind. Der Hörverlag 2015.

Die Bücher der Serie um Nils Trojan:
#1 Der Federmann
#2 Die Puppenmacherin
#3 Die Totentänzerin
#4 Das Hexenmädchen
#5 Das Dornenkind
#6 Der Traummacher

Saturday, February 17, 2018

Maja Lunde - Die Geschichte der Bienen


Maja Lunde hat mit ihrem Roman einen Nerv getroffen und es damit zunächst in Norwegen und dann weltweit auf die Bestsellerlisten geschafft. Sogar eine Verfilmung ist bereits im Gespräch.
Natürlich stehen die Bienen im Mittelpunkt aller drei Geschichten, aus denen sich der Roman zusammensetzt.
Die Depression hat den englischen Biologen und Samenhändler William fest im Griff. Es ist 1852 und er sieht sein Leben gescheitert - bis er schließlich auf die Idee kommt, einen neuartigen Bienenstock zu entwickeln und sich so als Wissenschaftler zu rehabilitieren.
Im Jahr 2007 will der Imker George expandieren, sein Sohn Tom soll seinen Hof übernehmen. Doch der hat andere Träume und will Journalist werden. Doch dann geschieht die Katastrophe: CCD, colony collapse disorder, Bienensterben.
Die chinesische Arbeiterin Tao, die 2098 Tag für Tag Bäume per Hand bestäubt, erlebt ein Trauma anderer Art - ein mysteriöser Unfall entreißt ihr ihren Sohn Wei-Wen. Sie versucht ihn wiederzufinden und entdeckt dabei, dass es vielleicht doch noch Grund zur Hoffnung für die Menschheit gibt.
Erst auf den letzten Seiten des Romans stellt die Autorin den Zusammenhang zwischen den drei Erzählsträngen her und macht daraus tatsächlich eine Geschichte der Bienen.

Neben dem Verdienst, dass sie die dramatische Problematik des Bienensterbens, das leider bereits Realität ist, in das gesellschaftliche Bewusstsein rückt, erzählt Maja Lunde aber auch drei spannende Geschichten über die Erwartungshaltungen von Eltern, insbesondere Vätern, ihrer Kindern gegenüber, um nebenbei augenscheinlich zu machen, dass es meistens die Frauen sind, die das Gleichgewicht wieder herstellen, dass das Schweigen, die fehlende Kommunikation, der Männer angerichtet haben.
Die dringlichen Fragen des Romans sind: Wie soll die Zukunft der Kinder aussehen? Was ist das "Beste", was wir ihnen wünschen? Und was müssen wir ändern, damit diese Zukunft Wirklichkeit werden kann und sich nicht in einen Albtraum verkehrt.

Ein ausgezeichneter Roman, der hoffentlich noch lange in den Bestsellerlisten verweilen wird, damit die Gefährdung der Bienen noch präsenter wird in den Köpfen der Menschen und vor allem der Politiker, die über die Zulassung von Pestiziden und Vorgaben für die Landwirtschaft zu entscheiden haben.

Maja Lunde, Die Geschichte der Bienen. btb, München 2017.



Weitere Informationen zum Thema via Avaaz:


Paul Signac

postcrossing card sent by Anastasia from Russia
Paul Signac - "The Harbour at Marseilles" (1906/1907)

Thursday, February 15, 2018

Elisabeth Herrmann - Das Kindermädchen

Das Kindermädchen ist der erste Band von Elisabeth Herrmanns Reihe rund um den Rechtsanwalt Joachim Vernau. Wir lernen ihn kurz vor seiner Verlobung mit Sigrun Zernikow kennen, die Familie ist Berliner High Society, reich und einflussreich mit einer ehrbaren Familientradition.
Doch eine Ukrainerin taucht auf und spricht von Zwangsarbeit bei den Zernikows während des zweiten Weltkriegs - damit will sich niemand beschäftigen und niemand will Vernaus Fragen beantworten. Auch nicht, als diese Frau später tot im Landwehrkanal schwimmt.
Vernaus Hartnäckigkeit führt zum Zerwürfnis mit der Familie und auch sein Leben gerät in Gefahr, denn nicht nur die Familienehre steht auf dem Spiel, sondern auch eine Menge Geld, als er eine Spur entdeckt, die zu unrechtmäßigen Kunstschätzen aus der Nazizeit führt.
Herrmann entwirft mit Vernau einen sehr aufrechten Ermittler, fest im Recht verankert und auf der Suche nach Gerechtigkeit und Wahrheit. Seine persönlichen Interessen lässt er dabei außer Acht und nimmt während seiner Ermittlung persönliche und finanzielle Verlust in Kauf. Für meinen Geschmack ist er damit zu gerade und ein wenig unglaubwürdig, zumal er auch seine physischen Verletzungen (verprügelt, angeschossen, lebendig begraben) etwas arg unproblematisch wegsteckt.
Der Fall der enteigneten Kunst wird gut entwickelt und ist nur am Ende etwas langatmig. Interessant ist Vernaus Verhältnis zu seiner Mutter, mit der einige der humorvollen Szenen des Krimis verbunden sind.
Es ist denkbar, dass Vernau in den Folgebänden noch mehr Charakter erhält und auch die noch etwas vernachlässigten Nebenfiguren weiterentwickelt werden. Potential vorhanden.

Elisabeth Herrmann, Das Kindermädchen. RandomHouse Audio 2012. 

Joachim Vernau:
#1 Das Kindermädchen
#2 Die 7. Stunde
#3 Die letzte Instanz
#4 Versunkene Gräber
#5 Totengebet
#6 Requiem für einen Freund 
#7 Düstersee
#8 Blutanger



Monday, February 12, 2018

Carl Van Vechten


"Truman Capote, 1948" - photo by Carl Van Vechten 
postcrossing card sent by Teryl, USA
Teryl added a quote by Capote, too:
Failure is the condiment that gives success its flavor.

Sunday, February 11, 2018

Sol Heilo @ Gleis 22 in Münster

I saw Norwegian band Katzenjammer live three times - the girls rocked!
Then Sol Heilo published her new album Skinhorse Playground which is less folk and more singer/songwriter and a bit quieter altogether. More emotional too, because Sol put all her experience of touring with Katzenjammer into it, not all of that being pleasant. During her concert at Gleis 22 in Münster (10th February, 2018) she even said it was one of the loneliest times of her life...
She's on tour with a wonderful band (including a quite impressive Hanne Mari Karlsen who was also part of a trio with Sol and amazing Unni Wilhelmsen). The concert was very personal, emotional and had lots and lots of great songs - great performance. Loved every minute of it!



Thursday, February 08, 2018

Freda Wolff - Schwesterlein muss sterben

Leseimpuls für Schwesterlein muss sterben von Freda Wolff (Pseudonym des Schriftstellerpaars Ulrike Gerold und Wolfram Hänel) war die Lesung durch Dietmar Bär, einen meiner Lieblingssprecher.
Obwohl die Autoren in Deutschland leben, spielt ihr erster Thriller um die Psychologin Merette Schulman in Bergen, Norwegen. Sie gerät eines Tages an Aksel, für den sie ein psychologisches Gutachten erstellen soll. Gleich zu Beginn gesteht ihr dieser den Mord an seiner Halbschwester, den er mit 14 Jahren begangen hat - außerdem hasst er Psychologen, da er sie für weite Teile seines misslungenen Lebens verantwortlich macht. So gerät Merette und mit ihr ihre Tochter Julia ins Visier des Soziopathen.
Der Thriller wird aus den Perspektiven des Täters, Merettes und Julias erzählt. Dabei lebt die Spannung hauptsächlich davon, dass mehrere junge Männer auftreten und man nicht sicher weiß, hinter wem sich der Täter verbirgt. Prinzipiell eine gute Idee, aber leider wirkt das zwischendurch etwas wirr und aufgesetzt, die Protagonisten (Merette und ihre Mutter) handeln nicht unbedingt überlegt und arbeiten vor allem nicht zusammen - etwas, was vor dem familiären Hintergrund nicht glaubhaft wirkt. Der Auftritt von Julias Künstler-Polizisten-Vater ist dann auch etwas gewollt à la "Die Rettung naht" und die vorher sorgfältig ausgebreiteten familiären Schwierigkeiten lösen sich im Nichts auf. Trotzdem funktionierte der Spannungsbogen ganz ordentlich bis zum finalen Showdown.

Freda Wolff, Schwesterlein muss sterben. Audiomedia 2014.

Wednesday, February 07, 2018

A. Steinhöfel - Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch

Passend zur Vorweihnachtszeit erschien im letzten Jahr Andreas Steinhöfels vierter Band rund um Rico und Oskar, den Tief- und den Hochbegabten.
Es ist Heiligabend und ein heftiger Schneesturm ist angekündigt - trotzdem müssen die beiden noch einmal raus, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Bald hat Rico das Gefühl, dass Oskar ihm etwas verheimlicht - natürlich kommt er nicht ganz dahinter, was das sein könnte. Im Haus in der Dieffe herrscht das übliche Durcheinander: Die Kesslerkinder benehmen sich daneben, Frau Dahling wartet auf ihren neuen Geliebten und füttert Rico durch, Mommsen meckert und der Westbühl, Ricos neuer "Papa", wartet auf die Ankunft des neuen Geschwisterchens! Für das besorgt Rico zu Weihnachten erst einmal einen Schwimmreifen, damit es gut durch das Obstwasser kommt bei der Geburt...
In Rückblicken erzählt Rico von Geschehnissen aus dem Sommer, wo er sich mit einer bunten Mischung aus Kindern angefreundet hat, die sich immer in einem verlassenen Hinterhof treffen. Ganz ungetrübt blieb diese Freundschaft jedoch nicht: Als Oskar hinzukommt, kommt es zum Streit und bösen Vorwürfen und die Gruppe bricht auseinander.
Doch ausgerechnet an dem stürmischen Weihnachtsabend stehen plötzlich zwei der Kids bei Rico vor der Tür, um den Streit beizulegen. Voller Hoffnung gehen sie zu Oskar - doch der lässt sie abblitzen! Was ist da los, fragt sich Rico. Als sie herausfinden, was für ein Geheimnis Oskar hat, erreicht das Heiligabendchristkinderchaos seinen Höhepunkt...
Es ist eine durch und durch anrührende Geschichte von Freundschaft und dem Glauben an das Gute im Menschen, die Steinhöfel Rico in die Feder legt. Denn der ist es wieder, der stellvertretend und gewürzt mit seinen hinreißenden Tieferbegabten-Definitionen die Geschichte erzählt. Nur selten wirkt Rico etwas zu sprachgewandt - aber er ist ja auch älter geworden und sagt selbst, dass seine Bingokugeln viel seltener durch seinen Kopf rollen. Bestechend klar und schonungslos führt Steinhöfel dem Leser durch die vorurteilsbelastete Welt, findet alternative Sichtweisen durch die Augen eines Jungen, der selbst oft Vorurteilen ausgesetzt ist. Es ist in der Tat eine Weihnachtsgeschichte, liebevoll, vielleicht ein bisschen kitschig hier und da, aber am meistens besticht Steinhöfels unvergleichlicher Humor, lautes Auflachen inbegriffen. Die Lesung durch den Autor trägt natürlich zu dieser Wirkung bei. Bisher mein liebster Rico-und-Oskar-Band!

Andreas Steinhöfel, Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch. Silberfisch 2017.

Einige Zitate als Kostprobe:

Ricos Definition von Profilneurose:
"PROFILNEUROSE: Wenn jemand sich vor anderen wieder und wieder darstellen muss, auch wenn die ihn schon jahrelang kennen und das langweilig finden. Es ist die Vorstufe von Narzissmus, wo einer nur noch sich selber sieht und liebt. Keine Ahnung, was das alles mit Rosen und Narzissen zu tun hat, aber es betrifft nicht nur Gärtner."
Ricos Sichtweise auf die weihnachtliche Fleischauslage:

"Irgendwer hatte mal hier, mal dort ein paar Tannenzweige, silberne Christbaumkugeln und rote Schleifchen in die Auslage gelegt. Als ob so ein Schnitzel oder ein Steak, wenn es erst mal hier gelandet war, noch einen Grund zum Feiern hätte."
Oskars trockene Analyse seiner Mitmenschen:
"...und Oskar hatte gesagt, der Kessler sei bloß sauer, weil seine eigenen Kinder nicht gerade die hellsten Kerzen auf der Torte wären. Ich hatte mich automatisch sofort nach Kuchen umgeschaut, bis Oskar mir den Ausspruch erklärte, und zwar so lange, bis ich ihn erstens endlich verstanden und zweitens ein bisschen witzig gefunden hatte." 

Sunday, February 04, 2018

Simon Beckett - Totenfang

David Hunter ist in diesem fünften Fall weder beruflich noch privat auf der Höhe, als ihn der Anruf aus Essex erreicht. Er soll bei einer Leichenbergung im Blackwater Estuary helfen. Es wird vermutet, der Tote sei der seit einer Weile vermisste Leo Villiers, Sohn des reichen und einflussreichen Stephen Villiers. 
Doch schon bei der Bergung kommen Hunter erste Zweifel, ob der Zustand der Leiche mit dem Zeitraum des Verschwindens zusammenpassen. Auf dem Weg zur Autopsie geschieht Hunter jedoch ein Missgeschick, das ihn auf unerwartete Weise mitten hinein ins Geschehen wirft. Er lernt die Familie der zweiten Verschwundenen kennen und kommt in deren Bootshaus unter. Seine Erfahrungen und seine gute Beobachtungsgabe führen dazu, dass er immer weitere Puzzlesteine in dem Rätsel aufdeckt, das schließlich ganz andere Hintergründe hat, als es zunächst scheint. 

Totenfang besticht durch sein schnelles Tempo und die vielen kleinen Wendungen, die den Plot wenig vorhersehbar machen. Wie schon zuvor, schafft Beckett eine intensive Atmosphäre durch das Setting - die Marschlandschaften, die Flussmündung, das Meer (inklusive der Seefestung) und das raue Klima sind stets präsent in Hunters Wahrnehmung. Und auch die Charaktere sind einmal mehr gut gezeichnet, haben ihre Ecken und Kanten und sind dadurch glaubhaft und interessant. 
Totenfang war für mich ein echter Pageturner und ein tolles Leseerlebnis. 


britische Seefestung (Quelle: Spiegel online)

Saturday, February 03, 2018

Tess Gerritsen - Blutzeuge


In Blutzeuge, Rizzoli und Isles' zwölftem Fall, stoßen die beiden Frauen zunächst auf Schwierigkeiten. Bei der ersten Leiche, einer grausig arrangierten jungen Filmemacherin, hat Maura zunächst Probleme, die Todesursache zu bestimmen - etwas, das in ihrer Karriere sicher noch nicht oft vorgekommen ist. Nach dem Fund der zweiten Leiche, die - bereits - tot von Pfeilen durchbohrt wurde, rätseln Rizzoli und Frost, was ein möglicher Zusammenhang sein könnte. Als Maura eine Parallele zu katholischen Märtyrern erkennt, bieten sich endlich erste Ermittlungsansätze, die schließlich zu einem Fall in der Vergangenheit führen...

Laut dem Nachwort hat sich Tess Gerritsen von ihren eigenen Erfahrungen im Horrorfilmdreh inspirieren lassen und der Plot von Blutzeuge hat durchaus Bezüge zu klassischen Horrorszenarien. Eine Reihe von brutalen Morden, ein Täter, der sich wie auf dem Silbertablett anbietet - nein, so einfach kann es natürlich nicht sein! Das merkt auch Jane Rizzoli und geht ihrem unguten Gefühl nach und gelangt mit Hartnäckigkeit zum wahren Kern der Geschichte. Die Beobachtungen aus der Perspektive einer Beteiligten von damals, die das aktuelle und damalige Geschehen in ein anderes Licht rücken, verraten nicht zu viel und steigern die Spannung zusätzlich.
Die persönlichen Geschichten der Protagonisten werden weitergesponnen, stehen aber nicht im Fokus des Romans, mit Ausnahme von Mauras biologischer (mordenden) Mutter (im Gefängnis), die einen kleinen Anteil an dem Gang der Ermittlungen hat.
Blutzeuge ist ein sehr gut konstruierter, spannender Thriller, eine tolle Fortsetzung der Serie mit Charakteren, die man längst ins Leserherz geschlossen hat und nicht wieder hergeben möchte.

Tess Gerritsen, Blutzeuge. Limes, München 2017. 

Thursday, February 01, 2018