An der Qualität dieses Klassikers ändert das dennoch wenig und so war es eine kleine Wiederbegegnung, bevor ich wieder zur Muppets-Version greife...
Charles Dickens, Eine Weihnachtsgeschichte. Random House Audio 2012.
An der Qualität dieses Klassikers ändert das dennoch wenig und so war es eine kleine Wiederbegegnung, bevor ich wieder zur Muppets-Version greife...
Charles Dickens, Eine Weihnachtsgeschichte. Random House Audio 2012.
James Bowen, Ein Geschenk von Bob. Lübbe Audio 2014.
Passend dazu dreht sich in dem Roman alles um einen verschollenen Codex, in dem es um die Geschichte eines einfachen Schäfers geht, der sich in einen Vogel verwandeln lassen will, um in die Stadt in den Wolken fliegen zu können. Aus fünf verschiedenen Perspektiven in drei Zeitaltern wird geschildert, wie dieser Codex Bedeutung im Leben dieser Charaktere hat und sie dadurch miteinander verknüpft. Der Autor nennt in seinem Nachwort explizit seine Quellen, aus denen er Inspiration für die einzelnen Geschichten gezogen hat. Verbindende Themen sind die Liebe zur Literatur, zur Fiktion, vor allem auch als Lebenshilfe in kritischen Situationen, aber auch die Liebe zur Kreatur und zur Schöpfung.
Wie schon in All the Light We Cannot See legt Doerr viel Wert auf die Schilderung seiner Figuren und ihrer Umstände. Das macht sie einerseits lebendig, führt aber auch zu erzählerischen Längen und nicht alle Erzählstränge haben mir gleichermaßen Freude bereitet. Manchmal waren mir die Sprünge zwischen den Zeitebenen auch zu abrupt und fast störend, andererseits bereicherten sie sich auch gegenseitig. Man muss wohl ein bisschen Geduld mit dem Roman haben, der aber erzählerisch wohldurchdacht und -konstruiert ist, so dass man über einige der Verknüpfungen der Zeitebenen noch ein Weilchen nachsinnen kann.
Anthony Doerr, Wolkenkuckucksland. Hörverlag 2021.
Die Zeichnungen von Jörg Mühle sind wunderschön und witzig zugleich, die Schafe allesamt wunderbare Charaktere und die Ironie, mit der der Autor einige des Weihnachtsmythen und -traditionen auf die Schippe nimmt, konnte mich begeistern.
Ulrich Hub, Das letzte Schaf. Carlsen, Hamburg 2018.
Nalini Singh, Engelskuss. Lyx, Köln 2011.
Okay... Was war das?
Vermutlich vergeudete Lebenszeit. Einmal mehr dankbar über Audiobooks, dann hat man trotz schlechter Lektüre wenigstens noch die Bügelwäsche fertig und die Küche sauber. Und einen Popsugar Reading Challenge Item abgehakt (a book with the name of a board game in the title).
Die Protagonistin Lana in Elisabeth Herrmanns Jugendthriller Die Mühle ist eine sozial unsichere junge Frau, die als Jugendliche eine Freundesclique an ihrer Schule bewundert hat, ohne je Teil von ihr gewesen zu sein. Durch einen unfassbar konstruierten Zufall gerät sie in ein seltsames Wiedersehen dieser Clique, die durch einen mysteriösen Unbekannten in eine alte Mühle in den Bergen gelockt wird. Schon bald geschehen merkwürdige und durchaus bedrohliche Dinge - Lana ist bald klar, dass sich hier jemand an der Clique rächen will, erfährt aber lange von keinem auch nur eine Andeutung, was damals passiert sein könnte.
Erzählt wird die Geschichte aus Lanas Sicht als ihrem persönlichen Rückblick, in dem sie immer wieder einstreut, wie sehr sie diese Ereignisse traumatisiert haben. Dies geschieht in einer sehr plump psychologisierenden Weise, dass man schon bald hofft, sie würde doch einfach nur berichten, was passiert ist und sich die Folgen für den Schluss aufheben.
Schlimmer als Lanas Innenleben sind aber die anderen Figuren der Clique, allesamt schablonenhafte Typen mit fast durchgehend miesem Charakter, was Lana aber nicht davon abhält immer noch bewundernd ihre Freundin sein zu wollen. Diese könnten sich nicht dämlicher (man entschuldige die grobe Wortwahl) verhalten, denn obwohl nach und nach Mitglieder der Gruppe verschwinden und ihnen offensichtlich etwas zugestoßen sein muss und Lana nach ihren Beobachtungen Tod und Teufel prophezeit, bitten sie sie, doch bitte nicht so hysterisch zu sein, es wäre doch nichts.
Vom eigentlichen Plot und dem Finale will ich gar nicht erst anfangen, auch hier ist von Logik keine Spur, man muss das einfach so hinnehmen.
Kurz gesagt: Do not read!
Elisabeth Herrmann, Die Mühle. Hörverlag 2016.
Wegen seiner Berühmtheit als einer der besten Fantasyautoren unserer Zeit erfuhr die ganze Welt 2007 von Terry Pratchetts Alzheimer-Diagnose. Fortan sprach er in zahlreichen Interviews von seiner Krankheit und wurde zu einem Aufklärer. 2010 schrieb er eine Rede für die Richard Dimbleby Lecture des BBC. Die Rede wurde unter dem Titel Dem Tod die Hand reichen veröffentlicht. Pratchett plädiert darin für das Recht auf einen selbstbestimmten Tod. Seine Argumentation ist nachvollziehbar und schlüssig, ich habe dem nichts hinzuzufügen und stimme ihm schlichtweg zu.
Terry Pratchett, Dem Tod die Hand reichen. Manhattan, München 2016.
Lässt man sich einmal auf die häufigen Perspektivwechsel und ständigen Zeitsprünge ein, so erzeugen diese ihre ganz eigene Spannung. Wie hängen die ganzen angedeuteten und nur nach und nach aufgedeckten Geheimnisse zusammen? Wer ist die Leiche, deren Existenz schon in einem der ersten Kapitel aufgedeckt wird? Und wer der Täter, die Täterin? Welches der zahlreichen Motive gab den Ausschlag für die Gewalttat? Am Ende fallen die Puzzlestücke an die richtige Stelle und das ganze fügt sich zusammen.
Sommernacht hat sein ganz eigenes Spannungsmoment durch diese nicht ganz übliche Erzählweise, mir fehlen allerdings die sympathischen Charaktere (oder wenigstens ein Sympathieträger). Alle Erzähler haben charakterliche Schwächen, sind auf ihre Weise feige, skrupellos, egoistisch... Das Ende löst diese inneren Konflikte nicht auf, verstärkt das Elend eher noch. Es bleibt ein bedrückendes und düsteres Gefühl zurück.
Lucy Foley, Sommernacht. Penguin, München 2021.
Rückblickend erfahren wir viel über die teils schrägen Charaktere von Brinkebüll, die schwierigen Familiengeschichten, auch über den Zusammenhalt im Dorf, aber schließlich über den schrittweisen Verfall dieses ursprünglichen Dorflebens. Dabei stellt sich heraus, dass der vermeintliche Fortschritt auch immer mit Verlusten einhergegangen ist. Gleichzeitig wird deutlich, dass viele der Dörflerinnen und Dörfler in ihrem begrenzten Raum keine Chance auf ein erfülltes oder auch nur ein faires Leben hatten.
Ingwer setzt sich aber nicht nur mit der Vergangenheit des Dorfes, sondern auch mit seiner eigenen Familiengeschichte auseinander und entdeckt, dass er seine Wurzeln respektieren, aber auch seine getroffenen Entscheidungen akzeptieren und weniger bereuen muss, um in seinem Leben wieder Fuß zu fassen.
Mittagsstunde ist ein sehr leises und langsames Buch, bietet aber eine Fülle an interessanten Charakteren, beleuchtet empathisch, aber dennoch nicht wertend die Mechanismen einer kleinen Dorfgemeinschaft. Man kann ein wenig nostalgisch werden, wenn man vielleicht ans Plattdeutsch der eigenen Großeltern oder die kleinen Tante-Emma-Läden zurückdenkt, die es nicht mehr gibt. Auf Brinkebüll muss man sich einlassen, dann hat es etwas zu erzählen.
Dörte Hansen, Mittagsstunde. Random House Audio 2018.
“Man hatte hier als Mensch nicht viel zu melden. Man konnte gern rechts ranfahren, aussteigen, gegen den Wind anbrüllen und Flüche in den Regen schreien, es brachte nichts. Es ging hier gar nicht um das bisschen Mensch.”
Es war noch der zweite Teil der Duologie für die Popsugar Reading Challenge offen:
Nach Flawed - Wie perfekt willst du sein? folgt nun Perfect - Willst du die perfekte Welt?
Die gebrandmarkte Celestine versteckt sich vor der bösen Gilde zunächst bei ihrem Großvater, muss aber bald fliehen und wird zum Glück aufgegriffen von Carrick, in den sie sich im Gefängnis aus unbekannten Gründen verliebt hatte und der auch ein "Flüchtiger" ist. Alle glauben fest daran, dass Celestine die Rolle der Gallionsfigur im Kampf gegen die Gilde zukommen muss - nur ist sie selbst die meiste Zeit über weiterhin das unsichere, naive Mädchen. Instinktiv weiß sie dann aber in den brenzligen Situationen dennoch immer, was zu tun ist, um sich selbst und die anderen zu retten. Zugleich bemüht Ahern den unerbittlichen Klassiker der Dreiecksbeziehung, denn natürlich ist Carrick ein schwieriger Partner und der Ex-Freund mit unklarer Rolle in dem politischen Gewirre taucht wieder auf. Es wimmelt von Klischees und die Geschichte zieht sich im letzten Drittel zäh dahin. Gestört haben mich dann die neu auftauchenden erzählerischen Flashbacks ("16 Stunden zuvor"), die dann Auswege aus den Sackgassen bieten, in die sich Celestine gerade wieder einmal manövriert hatte. Nun, da war ja der erste Band fast besser... Seufz.
Cecilia Ahern, Perfect: Willst du die perfekte Welt? Argon 2016.
Die Autorin Nnedi Okorafor (geboren 1974 in Cincinnati, Ohio) webt ihre nigerianischen Wurzeln ein in die Geschichte einer jungen Frau, die mit ihrer Familie und ihrem Stamm bricht, um als erste ihres Volkes an einer Universität auf einem anderen Planeten zu studieren. Sie hat eine außergewöhnliche mathematische Begabung und ihre Andersartigkeit bringt sie schon kurz nach dem Verlassen ihrer Heimat in eine höchst dramatische Situation...
Da es sich um eine kurze Novelle verwendet die Autorin nur ein Minimum der Erzählzeit darauf, das Setting der Geschichte zu erklären. Man findet keine ausufernden Beschreibungen des ungewöhnlichen Raumschiffs oder der Landschaft, vieles wird angerissen, aber es bleibt viel Raum für eigene Bilder im Kopf. Einen guten Eindruck bekommt man jedoch von den inneren und äußeren Konflikten, in denen sich Binti befindet - Kampfgeist, Hoffnung, Freude, Trauer und Verzweiflung, sie durchlebt einiges in der kurzen Zeit. Um zu überleben, großes Unheil zu verhindern, aber auch um einen Schritt mehr auf ihr neues, herbeigesehntes Leben zuzugeben, geht sie große Risiken ein, auch das, einen Teil ihrer Herkunft, ihrer Tradition, dafür aufzugeben.
Nnedi Okorafor gelingt es auf den wenigen Seiten eine spannende Protagonisten mit viel Tiefe zu zeichnen, der sie dann in weiteren Episoden - vermutlich - auch noch mehr Raum gibt. Hier lohnt es sich vermutlich weiterzulesen.
Nnedi Okorafor, Binti - Allein. CrossCult, Ludwigsburg 2017.
Doch die Geschichte holpert an vielen Stellen, schwankt zwischen Abenteuer und Märchen, erzählt mal zu schnell, mal zu langsam. Interessante Ideen werden als Nebenschauplätze abgetan, Fragen bleiben offen. Spannend ist die Reise von Tristran Thorn und seinem Stern dennoch, das Ende funktioniert irgendwie, ist aber auch kein typisches Märchenende. Es scheint, als hätte Gaiman hier ein Genre-Crossover getestet, das nur in Teilen funktioniert. Einzelne Szenen sind wundervoll und auch schön erzählt, andere reißen den Leser eher wieder heraus aus dem Märchen- und Feenlandgefühl. Als Coming-of-Age-Geschichte überzeugt Sternwanderer auch nicht recht, denn Tristran ist auch am Ende noch nicht recht erwachsen, weiser oder refelektierter.
Während sich andere Fantasy-Autoren oft in ihren Geschichten verlieren und dadurch unfassbare Wälzer entstehen, hätte ich mir hier einfach ein paar Seiten mehr gewünscht, um all den Ideen gerecht zu werden, vor denen Gaimans Roman übersprudelt.
Neil Gaimans, Sternwanderer. Eichborn, Köln 2021.
Das Hörbuch, gelesen von Nana Spier, war sehr amüsant, da sie Merkels Tonfall an markanten Stellen gekonnt umsetzt, aber dabei nicht übertreibt. Die Charaktere von Angela Merkels Mann "Puffel" und dem Bodyguard bleiben etwas blass, während Angela mit durchaus witzigen Anekdoten, Selbstironie und kanzlerperspektivischen Beobachtungen aufwartet. Für mich stand bei dem Hörbuch der humoristische Aspekt eindeutig im Vordergrund. Betrachtete man nur die Krimihandlung, wäre diese eher ein Totalausfall. So stolpert Angela durch ihre erste Ermittlung und tappt in jede denkbare Falle... um mit viel Glück und ein Leben lang gelernter Selbstdisziplin, sich nichts anmerken zu lassen, wieder mit Würde daraus hervorzutreten.
Als leichte Lektüre zwischendurch auf jeden Fall geeignet, hat durchaus unterhalten.
David Safier, Miss Merkel - Mord in der Uckermark. Argon 2021.
Es ist trotz des Titels (Sleeping Beauty = Dornröschen) kein Märchen. Zwar fallen die Frauen in einen endlosen Schlaf, aber es geht hier nicht um die Rettung durch einen Prinzen, im Gegenteil.
Zusammen mit einem wundervollen Baum taucht eines Tages eine seltsame, schöne Frau namens Eve (ein Name wie mit dem gröbsten Holzhammer gezimmert... seufz...) in Dooling, einem kleinen Ort in den Apalachen, auf, die kurz drauf einige Drogendealer brutal ermordet. Von diesem Moment an wachen die Frauen nach dem Einschlafen nicht mehr auf und werden in einen seltsamen Kokon eingewebt, den sie selbst erzeugen. Wird der Kokon zerrissen, so wachen sie wie Monster auf und töten alle sie umgebenden Menschen.
Das ist an sich schon ein krasses Szenario, das viele durchaus interessante Fragen aufwirft. Durch Eves Auftreten und Handeln im Verlauf des Romans ist bald klar, dass den Frauen hier eine Option gegeben werden soll, der patriarchischen Welt voller Gewalt und Unterdrückung zu entkommen - denn langfristig kommen die Männer ohne Frauen nicht weit. Man fragt sich: Wie sieht der Gegenentwurf aus, was wird geschehen?
Doch
leider verliert sich der Roman in sich selbst. Die Kings entwerfen eine
Vielzahl an Charakteren, Frauen und Männer, die vermutlich die verschiedenen
Sichtweisen auf das Phänomen beleuchten sollen, doch das ganze wird nur zäh und
immer zäher. Ja, Männer sind brutal und egozentrisch und rücksichtlos – ja, es
gibt natürlich auch andere. Ja, es gibt auch brutale Frauen. Deswegen spielt
ein Teil der Handlung ja auch im Frauengefängnis, um diese Seite zu zeigen.
Vielen dieser Charakteren wird sehr viel Raum gegeben, den man sicher auf
einige wenige Absätze hätte begrenzen können. Selbst als Hörbuch fand ich diese
Menge an Nebenhandlungen und semi-wichtigen Personen irgendwann nur noch
langweilig, um nicht zu sagen überflüssig. Dazwischen gibt es dann explizite
Gewaltschilderungen, die mir auch nicht sonderlich liegen, aber mit denen man
zugegebenermaßen bei Stephen King rechnen muss. Dann kommt es zum Finale – wie
entscheiden sich die Frauen? (Mehr sage ich dazu jetzt nicht, auch nicht dazu,
ob ich die Entscheidung nachvollziehbar finde...)
Und dann folgt noch ein drittes Buch über die Entwicklungen der einzelnen
Charaktere nach dieser Entscheidung... Hier hat es mich dann endgültig gerissen
und mein Interesse und Mitgefühl für einige der Protagonisten endeten in dem
einen Gedanken, wann dieser Wälzer denn nun bitte endlich zuende sei. Und damit
enden auch diese wenig positiven und viel zu ausführlich geratenen Gedanken
über einen Roman, der sicher nicht zu denen gehört, die frau gelesen haben
muss.
Stephen und Owen King, Sleeping Beauties. Random House Audio 2017.
Ein Fokus der Geschichte richtet sich auf Angela Rizzoli - Janes Mutter. Die beobachtet mit neugierigem Blick ihre Nachbarschaft - wachsam und umsichtig aus ihrer Sicht, sensationslüstern und übergriffig aus der Sicht ihrer Tochter. Gleichzeitig ermittelt Jane in einem Mordfall an einer Krankenschwester, der relativ einfach wirkt, ein Einbruch, der aus dem Ruder gelaufen ist. Doch die Internetrecherchen und Telefondaten kommen ihr verdächtig vor und verweisen auf einen lange zurückliegenden Fall in Maine. Doch was ist der Zusammenhang?
Schließlich gerät Angela dramatisch ins Zentrum ihrer Nachbarschaftskonflikte und deren Ursache liefert Jane plötzlich das fehlende Puzzlesteinchen, um ihren Fall zu lösen.
Die Story ist durchaus nicht uninteressant, aber Angelas Art und Sichtweise ist nicht meine bevorzugte Perspektive, wenngleich sie ihre Ich-Bezogenheit schon selbstironisch wahrnimmt. Maura spielt in diesem Fall eher eine Statistenrolle und auch Janes Ermittlungen wirken irgendwie beiläufig. Natürlich freut man sich an dem Wiedersehen mit den vertrauten Charakteren, aber richtige Spannung lässt Mutterherz nicht aufkommen, zumal sich die Zusammenhänge ab einem gewissen Punkt erahnen lassen.
Tess Gerritsen, Mutterherz. Limes, München 2022.
Was als eine Art Schnitzeljagd durch die verschiedenen Welten beginnt, wandelt die Autorin im letzten Drittel in eine ethisch-wissenschaftliche Diskussion, wie die Menschheit mit Ressourcenknappheit, sozialer Ungerechtigkeit und Überbevölkerung umgehen sol
lte. Wenngleich dies erzählerisch recht gut gelingt und Jana in ihren Handlungen authentisch bleibt, ist der Lösungsansatz am Ende doch etwas plump angesichts der Größe der Probleme und der Tiefe der Korruption in dem herrschenden Gesellschaftssystem. Berücksichtigt man jedoch die Zielgruppe des Romans, so funktioniert es schlussendlich doch ausreichend - dazu passt auch die etwas zu rosarote anmutende Liebesgeschichte am Ende. Hier gibt es Hoffnung auf eine bessere Welt und Hoffnung, dass sich Menschen am Ende doch für das Gute entscheiden.
Die Schilderungen der Welten und Janas schlagfertige und selbstironische Art und Weise auf ihren Reisen zurechtzukommen hat mir gefallen. Wenngleich Idee und Setting natürlich nicht neu sind (Ready Player One u.a.), so hat Poznanski mit Cryptos eine lesenswerte Dystopie mit aktueller Relevanz geschaffen.
Ursula Poznanski, Cryptos. Hörverlag 2020.
Vorweg: Die Lesung von Gerd Westphal (selbst ein "Klassiker" in der deutschen Hörspiellandschaft, 1920-2002) war sehr gut und fesselnd, auch die Passagen mit Nelly als Erzählerin funktionierten trotz der männlichen Stimme.
Den Inhalt kann jeder bei Wikipedia oder anderswo nachlesen - besonders der englische Artikel gibt außerdem einige interessante Denkanstöße. Trotz rudimentärem Wissen über den Roman war ich doch an vielen Stellen überrascht von den Charakteren und ihrer radikalen Gefühlswelt. Besonders die Schilderung von Eifersucht, Hass und Rachegefühlen erschien mir außergewöhnlich, die Impulsivität und Rohheit, mit der diese ausgelebt werden, war teilweise fast abstoßend. Die Protagonisten blieben mir in ihrer Sicht auf die Welt fremd, allein die Erzählerin Nelly war weitgehend sympathisch. Nichtsdestotrotz sind es unfassbar starke Charaktere die Emily Bronte erschaffen hat, das Setting und die Atmosphäre fesseln, wenngleich es der Plot nicht immer tut.
Ich habe insgesamt eine hohe Meinung von dem Roman, auch wenn es keine erheiternde Wohlfühllektüre, sondern eher ein bedrückendes Werk ist.
Emily Bronte, Sturmhöhe. DAV 2000.

Engberg greift ein nicht ganz einfaches Thema auf und beleuchtet es aus unterschiedlichen Perspektiven: Historisch, philosophisch, von innen und von außen. Gleichzeitig strickt sie einen spannenden Plot, entwickelt ihre beiden Protagonisten weiter und gibt auch den übrigen Charakteren Tiefe, indem sie ihre Beweggründe beleuchtet.
Meines Erachtens ist Glasflügel ein sehr gelungener dritter Band der Reihe, so dass man auf die nächsten gespannt sein kann.
Katrine Engberg, Glasflügel. DAV 2020.
Anderen Rezensenten zufolge war das Audiobook, in diesem Fall ein Live-Mitschnitt, die richtige Wahl. Und in der Tat, das Geplänkel zwischen Autor und Beuteltier erwies sich als recht unterhaltsam, wobei ich etwa nach der Hälfte dachte, dass sich dann doch einiges wiederholt und man nicht unbedingt fast fünf Stunden damit zu bringen muss, ich habe es aber dann doch zuende gehört. Bei einigen Highlights musste ich laut lachen, die Qualität der einzelnen Kapitel ist aber durchaus schwankend. Aber insgesamt waren Die Känguru-Chroniken recht unterhaltsam.
Marc-Uwe Kling, Die Känguru-Chroniken. HörbuchHamburg 2012.

Natürlich weiß man als routinierter Leser von Hakan Nesser, dass man bei seinen Romanen keine klassischen Krimis mehr erwarten kann. Auch wenn Barbarotti Kriminalkommissar ist, so bietet das Setting nunmehr den Raum für seine zwischenmenschlichen Beobachtungen und philosophischen Überlegungen. Oft funktioniert das gut, denn der Kriminalfall hält eine gewisse Lesespannung aufrecht.
In Schach unter dem Vulkan hingegen, dem siebten Barbarotti-Fall, fragt man sich ständig, ob denn auch bald mal etwas passiert. Schriftsteller verschwinden, nachdem ihnen Nesser etwas Raum zu Selbstdarstellung gegeben hat. Nur kurz gesagt: Es sind allesamt keine Sympathieträger. Dazwischen liegen Monate und die Schilderung der Ermittlungen ist fast gähnend langweilig. Selbst die Dialoge zwischen Barbarotti und Backman, seiner Kollegin und Lebensgefährtin, sind wenig unterhaltend. Nebenbei wird auch noch erzählt, wie Corona das Leben überall zum Stillstand bringt, vielleicht ein gewagter Parallelismus zur Handlung?
Das ganze findet durch das zufällige Auftauchen einer Leiche dann endlich einen Abschluss. Einen wenig originellen Abschluss muss man noch dazu sagen.
Allein die vertraute Lesung durch Dietmar Bär gab diesem Roman noch etwas Positives, insgesamt war es aber eines der schwächsten Bücher von Nesser, die ich gelesen habe - und das waren nicht wenige.
Hakan Nesser, Schach unter dem Vulkan. Hörverlag 2021.