Monday, November 25, 2019

Stephen King - Friedhof der Kuscheltiere

Der Friedhof der Kuscheltiere (welch bizarre Falschübersetzung übrigens) war eines der Bücher, die ich gemieden habe, nachdem ich als Jugendliche von Carrie und einem Kurzgeschichtenband von Stephen King (der "Nebel" enthielt) Albträume hatte.
Jetzt fand ich eine gekürzte Hörspielfassung, an die ich mich herangetraut habe.
Ich fand die Geschichte überraschend interessant in Bezug auf die Familienbezüge und die Reflexion über den Tod. Gut umgesetzt waren in dieser Fassung die veränderten Stimmen der Toten (sogar die der Katze) und die wechselnden Perspektiven. Die Kürzungen sind natürlich radikal (das Hörspiel umfasst nur drei CDs), dennoch  war mein Eindruck von der Story positiv und ich kann im Nachhinein nun auch die Begeisterung, die das Buch damals auslöste, nachvollziehen.
Mein Lieblingsgenre wird es dennoch nicht werden.

Stephen King, Friedhof der Kuscheltiere. Hörverlag 2003.

Sunday, November 24, 2019

Kerstin von der Linden - Mein süßes Leben ohne Zucker

Kerstin von der Linden ist Journalistin und Fernsehmoderatorin beim WDR. In ihrem Buch Mein süßes Leben ohne Zucker berichtet sie von ihrer selbstgestellten Herausforderung, in sieben Wochen auf eine zuckerfreie Ernährung umzustellen. Dabei bleibt sie in ihren Ansprüchen an sich selbst moderat und verbannt nicht jede Art von Zucker, sondern versucht Menschliches (wir haben das Verlangen nach Süßem) mit Sinnvollem (wir essen zuviel Zucker, was uns schadet und was wir ändern sollten) unter einen Hut zu bekommen.
Das Buch hat einen grundlegendes Wissen vermittelnden Einleitungsteil, der Gefahren von unserem übermäßigem Zuckerkonsum darstellt, über Zuckerarten aufklärt und hier und da auch anreißt, wie und warum die Nahrungsmittelindustrie Zucker in Mengen einsetzt - und das auch in Lebensmitteln, bei denen wir es nicht erwarten.
In ihrem Erfahrungsbericht schildert sie ihre Herangehensweise, wie beispielsweise die Planung von Einkauf und Mahlzeiten, die Möglichkeiten, dem Wunsch nach Süßem gesund nachzukommen und ihre kleinen Niederlagen und Triumphe im Verlauf der Challenge.
Es folgen danach noch ein Rezeptteil und eine Liste von Produkten, die zuckerfrei sind, mit Nennung von Herstellern und Bezugsquellen. Letztere erleichtert sicher an vielen Stellen die Suche nach solchen Produkten, da man sonst selbst lange die Inhaltsstoffe lesen und vergleichen müsste.
Mit einigen der beiläufig eingestreuten Ernährungstipps bin ich nicht immer ganz einverstanden, da die Autorin pauschalisiert bzw. sie Ernährung einzig aus dem Blickwinkel des Blutzuckerspiegels betrachtet. Vor dem persönlichen Hintergrund hat auch der Untertitel (Gesund und glücklich in 7 Wochen) wenig Aussagekraft, da die Autorin nach eigener Darstellung keine Erkrankungen und Idealgewicht hatte und sich sportlich betätigte. Lediglich war sie unzufrieden mit ihrem Zuckerkonsum. Es fehlt also im Grunde eine realistische Einschätzung oder Darstellung, wie der Verzicht auf Zucker die Gesundheit nachhaltig positiv beeinflusst - das Ergebnis der Challenge bleibt subjektiv erfolgreich.
Im Fazit ist es ein nettes kleines Buch, mit dem man sich durchaus grundlegendes Wissen über zuckerfreie Ernährung aneignen kann. Einige der Rezepte und Tipps finden sich übrigens auch auf dem Blog der Autorin.

Kerstin von der Linden, Mein süßes Leben ohne Zucker. Komplett Media, Grünwald 2017.


Thursday, November 21, 2019

A.J. Finn - The Woman in the Window

The Woman in the Window von A.J. Finn handelt von Anna Fox, ehemals praktizierende Kinderpyschologin, die nun allein in ihrem New Yorker Haus lebt und aufgrund einer Agoraphobie dieses nicht mehr verlässt.
Die Mischung aus Depression, Ängsten, Medikamenten und Alkoholmissbrauch macht Anna zu einer der unzuverlässigsten Erzählerin, die man sich vorstellen kann. Man kann ihr und ihrer Wahrnehmung nicht trauen, ihre Rastlosigkeit und der Nebel, in dem sie sich meistens bewegt, der auch sprachlich zum Ausdruck kommt, lassen den Leser dies bereits schnell spüren. Ihr Alltag ist geprägt von einigen wenigen online-Kontakten, alten Schwarz-Weiß-Filmen und - daher der Titel - dem Beobachten ihrer Nachbarn ringsum, deren Leben sie miterlebt und gedanklich ausschmückt.
Der Titel ist auch in Kombination mit den cineastischen Vorlieben von Anna überaus passend - denn wie in Das Fenster zum Hof (Hitchcock, 1954) wird sie bei ihren Beobachtungen Zeugin eines Verbrechens. Doch aufgrund ihrer psychischen Verfassung glaubt ihr niemand, es folgt der Selbstzweifel, nichts ist wie es scheint - was ist Wirklichkeit und was ist nur in ihrer Kopf?

Nach erfolgreichen Thrillern wie Gone GirlThe Woman in Cabin 10 und anderen weiß man schon, dass schließlich eine große Wendung  zu erwarten ist (vielleicht auch zwei), und dass das, was offensichtlich scheint, auf keinen Fall die Lösung sein wird. So sucht man schon vorher nach der unwahrscheinlichen Möglichkeit, nach dem harmlosen Charakter, der sich dann als Psychopath herausstellt. So erging es mir bei The Woman in the Window und das war nicht unbedingt ein Vorteil beim Lesen. Anna selbst erschien mir übertrieben beeinträchtigt, denn trotz ihres Schicksals und der dramatischen Gründe für ihre Krankheit, verhält sie sich für eine intelligente Frau mit einer psychologischen Ausbildung tatsächlich ausgesprochen dumm. Das betrifft ihren Umgang sowohl mit Medikamenten und Alkohol als auch den mit den Menschen um sie herum. Da hilft es auch nicht, dass sie genau dies im Finale aufs Brot geschmiert bekommt... So hält sich meine Begeisterung trotz der durchaus vorhandenen Spannungskurve in Grenzen.

A.J. Finn, The Woman in the Window. William Morrow, NY 2018.

Wednesday, November 20, 2019

Maja Lunde - Die Geschichte des Wassers

Nach dem sehr erfolgreichen Roman von Maja Lunde, Die Geschichte der Bienen (in Norwegen bereits 2015, in Deutschland 2017), folgte 2018 die deutsche Übersetzung des zweite Bandes des "Klimakvartetten" 2018, Die Geschichte des Wassers.
So steht diesmal das Wasser im Mittelpunkt zweier Geschichten, von denen eine im Norwegen 2017 spielt, die andere in einem vom Klimawandel stark veränderten Frankreich 2041.
Die Norwegerin Signe ist entsetzt über die Veränderungen, die allein in ihrer Lebenszeit über ihren Heimatort gekommen sind. Der Fluss ist unter die Erde verlegt, der majestätische Wasserfall versiegt und nun wird auch noch der Gletscher ausgebeutet, um das hochwertige Eis für Eiswürfel nach Dubai zu verschiffen. Ihr Leben lang hat sie sich als Journalistin und Aktivistin dem Kampf gegen diese Form der Ausbeutung und Zerstörung verschrieben. Auch jetzt ist sie über den Eisabbau entsetzt, wirkt aber auch müde. Aber sie macht sich dennoch mit ihrem Boot, dem Einhandsegler Blau (Blå, so der Originaltitel des Romans), auf den Weg, um eine der Personen zu konfrontieren, die sie dafür verantwortlich macht. Mit auf der Blau befinden sich mehrere Kisten des abgebauten Gletschereises...
David und seine kleine Tochter Lou sind vor einem katastrophalen Brand in ihrer Heimatstadt geflohen, auf der Flucht haben sie Lous Mutter und den kleinen Bruder verloren. Nun warten und hoffen sie, während in dem Flüchtlingslager die Ressourcen und vor allem das Wasser immer knapper werden. Die große Dürre in Mittel- und Südeuropa hält schon seit Jahren an, weite Teile sind unbewohnbar. Die Lage scheint aussichtslos und David verliert nahezu alle Hoffnung, nur seiner Tochter zuliebe versucht er immer wieder, Wege zu finden. Diese führen weg vom Lager, weg von den übrigen Menschen, die unter dem Druck des Durstes immer irrationaler handeln...

Außer dem offensichtlich verbindenden Themas des Wassers werden die zwei Geschichten inhaltlich erst spät und nur lose verknüpft. Offensichtlich ist der Zusammenhang der skrupellosen Ausbeutung der natürlichen Ressourcen im Hier und Jetzt und den katastrophalen klimatischen Auswirkungen in der (erschreckend nahen) Zukunft. Im Vordergrund stehen aber die zwei Protagonisten Signe und David, beide emotional angeschlagen, beide mit Geschehnissen in der Vergangenheit, die sie belasten. Die Autorin verwendet viel Mühe auf die Ausgestaltung der beiden Lebensgeschichten, so dass das Umweltthema fast ein wenig dahinter zurückbleibt.
Für mich waren diese beiden Lebenswege weniger anrührend als die Schicksale der Charaktere in Die Geschichte der Bienen. Signes Verzweiflung über die Gier und Gedankenlosigkeit der Menschen, gepaart mit ihrer Hilflosigkeit angesichts des geringen Einflusses, den sie trotz aller Wut und trotz ihrer Aufopferung für den Kampf hat, rührt an - der Abschluss ihres letzten Aufbegehrens weniger. David befindet sich in einem steten inneren Ausnahmezustand, er findet kaum Ruhe und bleibt bis zum Schluss getrieben. Die aufwändige Entwicklung ihrer Charaktere findet in beiden Erzählsträngen keinen sonderlich befriedigenden Abschluss, was etwas enttäuscht. Auch hätte das Wasserthema noch mehr Aufmerksamkeit und weitere Perspektiven verdient.

Maja Lunde, Die Geschichte des Wassers. Hörverlag 2018.

Wednesday, November 13, 2019

Cecilia Ahern - Zeit deines Lebens

Cecilia Aherns Roman Zeit deines Lebens spielt in der Vorweihnachtszeit. Der Protagonist Lou ist ein unangenehmer, egoistischer Zeitgenosse, der seine Familie für selbstverständlich erachtet, sich weder um Frau und Kinder noch um den 70. Geburtstag seines Vaters oder seine einsame Schwester kümmert. Ihn beschäftigt sein eigenes berufliches Fortkommen (um nahezu jeden Preis) und sein individuelles Vergnügen (Seitensprünge und Saufgelage). Das Schlimmste daran ist, dass er diese Einstellung für völlig in Ordnung hält, schließlich ist er derjenige, der das Geld herbeischafft.
Dies ändert sich auch nur nach und nach, als er aus einem Impuls heraus dem Obdachlosen Gabe (Gabriel!) einen Job in seiner Firma beschafft. Plötzlich ist Gabe überall und zwingt Lou sanft aber beharrlich, die Perspektive zu wechseln. So verändert er sich tatsächlich nach und nach in kleinen Schritten und mit Lou zusammen sinnieren wir über die Werte der Familie und den Sinn des Lebens.
Die Geschichte selbst wird in einer Polizeiwache erzählt von einem ungleichen Polizistenduo, um einem Jugendlichen die gleiche Lehre zu erteilen, die Lou erfahren hat. Und auch die Polizisten selbst bleiben nicht unberührt und treffen ebenfalls Entscheidungen für ihre Familien.
Der Roman endet mit einer dramatischen, tränenprovozierenden Schlusswendung, die aber trotzdem ein moralisches Happy End darstellt.
Mir war Zeit deines Lebens ein bisschen zu offensichtlich, ein bisschen überdeutlich in seiner Botschaft und der Protagonist in seiner Wandlung nicht ganz glaubhaft, auch wenn er insgesamt nicht schlecht konstruiert war.

Cecilia Ahern, Zeit deines Lebens. Argon 2009.

Saturday, November 09, 2019

Yrsa Sigurdadottir - Nebelmord

Nebelmord von Yrsa Sigurðardóttir ist ein gut konstruierter isländischer Thriller. Die drei zunächst scheinbar unabhängigen Handlungsstränge werden nach und nach miteinander verwoben bis zur Auflösung des Falls.
Eine dreiköpfige Familie kehrt nach einem USA-Urlaub mit Haustausch nach Hause zurück und ihnen fallen immer mehr Kleinigkeiten auf, die ihnen merkwürdig erscheinen - und wieso reagieren die Amerikaner nicht auf Anrufe und E-Mails?
Ein Wartungsteam und ein mitgereister Fotograf stranden im Sturm auf einer einsamen, schroffen Leuchtturminsel ohne zu wissen, wann sie wieder vom Hubschrauber abgeholt werden können.
Die Polizistin Nina befindet sich in einer privaten und beruflichen Krise: Ihr Mann liegt ohne Aussicht auf Besserung im Koma nach einem für sie unverständlichen Selbstmordversuch, während sie bei der Polizei gerade nur im Archiv arbeiten darf, nachdem sie einen Kollegen wegen unkollegialem und frauenfeindlichem Verhalten angezeigt hat. Im Archiv stößt sie allerdings auf alte Unterlagen, die ihren Mann betreffen: Als Kind hat dieser bei einem anderen Selbstmord als Zeuge ausgesagt und der Fall hat beängstigende Parallelen zu seinem eigenen Selbstmord. Sie beginnt zu recherchieren.
Nebelmord legt ein schnelles Erzähltempo vor, hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf und trägt den Spannungsbogen bis zum Schluss. Allein der letzte Plottwist wirkt aufgesetzt, dabei hätte der Fall auch ohne diesen genug Spannung gebracht.

Yrsa Sigurðardóttir, Nebelmord. Argon 2014. 



Tuesday, November 05, 2019

Naomi Wood - Als Hemingway mich liebte

Als Hemingway mich liebte (Originaltitel: Mrs Hemingway) von Naomi Wood ist eine fiktive Sammelbiografie von den vier Ehefrauen von Ernest Hemingway. Als Quelle nutzte die Autorin Briefe und Telegramme und hält sich in ihrem Roman an historischen Rahmenfakten. In vier Teilen wird aus der Perspektive von Elizabeth Hadley Richardson (1891–1979), Pauline Pfeiffer (1895–1951),  Martha Gellhorn (1908–1998) und Mary Welsh (1908–1986) erzählt, wie ihre Beziehung zu dem berühmten Schriftsteller der Lost Generation begann und endete. Dabei liegt ein Fokus der Erzählung darauf, dass sich durch Hemingways schwieriges Verhalten und Empfinden die Beziehungen immer überlappten, was auch seiner Angst vor dem Alleinsein geschuldet war. So sind es oft Dreierbeziehungen, die seine Frauen unfreiwillig eingehen mussten, bis sie es nicht mehr aushalten und ihn an die nächste weitergeben. Diese Übergangsphasen werden von beiden Seiten, beiden Frauen geschildert, was Verständnis für sie weckt, gleichzeitig aber auch verdeutlicht, wie kaputt und getrieben Hemingway durchs Leben ging. Ob das, was er als genialer Schriftsteller und ungewöhnlicher Mann, diesen Frauen geben konnte, das aufwiegt, was sie durch ihn erdulden und erleiden mussten, muss der Leser selbst entscheiden. Die Autorin urteilt nicht über Hemingway als Mann, hat tiefen Respekt vor seinem literarischen Schaffen, färbt aber auch nicht alles rosarot. Gerade aus der Perspektive von Hemingways letzter Frau Mary Welsh wird deutlich, dass Hemingway am Ende auch ein psychisch kranker Mann war, den die Hilfsangebote und Therapieversuche letztlich nicht mehr retten konnten.
Da ich mich mit Hemingway nicht besonders beschäftigt habe (und ihn auch nicht sonderlich mag), kann ich die biografische Korrektheit von Als Hemingway mich liebte nicht beurteilen. Lohnend finde ich es aber, diesen berühmten Mann durch die Augen seiner Frauen zu betrachten und dies gelingt der Autorin auf umfassende und interessante Weise.

Naomi Wood, Als Hemingway mich liebte. DAV 2016.

Sunday, November 03, 2019

Matthew Quick - Die Sache mit dem Glück

Matthew Quick erzählt in seinem Briefroman Die Sache mit dem Glück die Geschichte des 39jährigen Bartholomew. Nach dem Tod seiner Mutter muss er sich neu im Leben zurechtfinden, er hat keinen Beruf, keine Freunde und keine Ahnung von der Welt. Weil er im Zimmer seiner Mutter einen Werbebrief (Boycott der Olympischen Spiele in China wegen der Situation in Tibet) von Richard Gere findet und diese ihn in den letzten Wochen vor ihrem Krebstod Richard nannte, schreibt er tagebuchartig seine Erlebnisse in Briefen an den Schauspieler, auch wenn dieser ihm nicht antwortet.
Er berichtet darin von den wenigen Menschen, die ihm begegnen, Father McNamee, die Trauerbegleiterin Wendy und Max, den er in der Therapiegruppe kennenlernt. Allesamt befinden sich diese Charaktere auch in schwierigen Lebenssituationen und, von außen betrachtet, sind sie keineswegs in der Lage, dem kindlich schreibenden und zum Teil naiv denkenden Bartholomew zu helfen. Doch die Tatsache, dass es diesen Menschen schlecht geht und er, Bartholomew, in der Lage ist sie zu unterstützen, richtet ihn auf und lässt ihn wachsen und führt schließlich zu einem Neubeginn.

Leider gefiel mir Bartholomew weder als Erzähler noch als Protagonist sonderlich. Der Erzählgestus ist der eines Sechzehnjährigen, der noch nichts von der Welt gesehen hat und sozial zurückgeblieben ist. Gleichzeitig soll er in der Bibliothek psychologische und philosophische Werke gelesen haben und kann auf deren Theorien dann plötzlich zurückgreifen? Dennoch begreift er nicht, was Father McNamees Anwesenheit in seinem Haus zu bedeuten hat? Das ist einfach unglaubwürdig. Der plötzliche Roadtrip im letzten Teil des Buches wird nach den langen inneren Monologen des ersten Teils sehr knapp abgehandelt, was man, maximal wohlwollend, vielleicht noch in den Zusammenhang damit bringen kann, dass er nun statt mit Richard Gere zu korrespondieren vielleicht echte Sozialkontakte hat. Dennoch wirkt die Auflösung des ganzen persönlichen Dilemmas dann doch etwas zu sehr nach Happy End um jeden Preis.

Matthew Quick, Die Sache mit dem Glück. Rowohlt, Reinbek 2015.

Friday, November 01, 2019

Volker Kutscher - Goldstein

Goldstein ist der Name eines US-amerikanischen Gangster, den Kommissar Gereon Rath in einem Sonderauftrag während seines Berlin-Aufenthaltes überwachen soll. Es ist das Jahr 1931, die Wirtschaftskrise und die politischen Konflikte verstärken sich. Immer öfter ist von der SA die Rede und Übergriffe auf Juden kommen öfter vor. Zunächst ist unklar, was der Tod eines jungen Diebes, der von der Fassade Berlins größten Kaufhauses stürzt, damit zu tun hat. Auch Charlie gerät mitten in die Ermittlungen, als ihr die Mittäterin und Zeugin des Sturzes vor Abschluss des Verhörs entkommt.
Einmal mehr stößt Rath auf innerpolizeiliche Verstrickungen und politische Interessen, die mit dem Berufsethos eigentlich nicht zu vereinbaren sind - und das, wo auch Rath durchaus unorthodoxe (aber sehr erfolgreiche) Methoden bei der Ermittlung anwendet.
Und Goldsteins Rolle ist eine andere, als anfangs anzunehmen ist...

Goldstein von Volker Kutscher besticht durch das sehr atmosphärisch umgesetzte Setting, starke Charaktere und einem Plot, der mit schnellem Tempo durchaus komplexe Zusammenhänge, Ermittlungsarbeit und actionreiche Szenen umsetzt. Dadurch, dass die Charaktere jetzt im dritten Band schon klarer angelegt sind, rückt die Handlung stärker in den Vordergrund, wenngleich auch die wechselhafte Beziehungsebene zwischen Gereon und Charly nicht zu kurz kommt.

Volker Kutscher, Goldstein. Argon 2011.

Rezensionen der ersten beiden Bände:
#1 Der nasse Fisch
#2 Der stumme Tod

Saturday, October 26, 2019

Ingeborg Schober - Pop-Tragödien

Ingeborg Schober beschreibt in  Pop-Tragödien: Die spektakulärsten Fälle von den Beach Boys bis Nirvana an zehn Beispielen, wie die Musikindustrie und die an ihr verdienenden Menschen oft dazu beitragen, dass Künstler dem Druck, der auf ihnen lastet, nicht mehr standhalten und daran psychisch, finanziell oder auch durch Selbstmord zugrunde gehen. Die behandelten Künstler/Bands sind:



Leon Theremin
Soeur Sourire
Beach Boys
Nico
Badfinger
Sid Vicious
Falco
Nirvana
Bob Geldof
Milli Vanilli


Prinzipiell ist es eine vielfältige, interessante Auswahl, da dies nur zum Teil Künstler sind, die einem beim Stichwort "Pop-Tragödie" sofort einfallen (wobei einige derselben bei dem Begriff Pop wohl nicht einverstanden wären...). Auch sind die Fakten, sofern ich das beurteilen kann, scheinbar ordentlich recherchiert, es gibt umfangreiche Quellenhinweise am Ende des Buches.
Sprachlich ist es allerdings eher kein Vergnügen. Schober stellt jedem Kapitel ein knappes zusammenfassendes Vorwort voran - sollte man also noch nicht wissen, wie das Schicksal dieses oder jenes Künstlers war, so erfährt man spätestens an dieser Stelle davon. Erst dann beginnt die umfangreichere Beleuchtung der Lebensläufe und der Ereignisse, die zu dessen Tod oder Zusammenbruch führten. Das nimmt alle Spannung aus dem Leseprozess und versachlicht in einem Maße, die diesem Buch, das doch wohl auch unterhalten soll, nicht gut tut. So liest man desillusioniert über die Details, die dann auch noch sprachlich eher fade umgesetzt sind. Kein Lesevergnügen, auch wenn die Inhalte wohl lohnenswert wären.

Ingeborg Schober, Pop-Tragödien: Die spektakulärsten Fälle von den Beach Boys bis Nirvana. Fuego 2013. 

Betty Mahmoody - Nicht ohne meine Tochter

Betty Mahmoody veröffentlichte 1987 ihr Buch Nicht ohne meine Tochter, das von ihrer Flucht aus dem Iran erzählt.
1984 reiste Betty mit ihrem iranischen Ehemann Sayyed für einen zweiwöchigen Besuch in das nach der Islamischen Revolution von Khomeini regierte Land. Sie wohnten bei Sayyeds Verwandtschaft. Nach Ablauf der zwei Wochen verkündete Sayyed, dass sie nicht in die USA zurückkehren würden und erlaubte Betty nicht auszureisen. Er schränkte ihre Freiheit immer weiter ein, entzog ihr phasenweise die Tochter und war aggressiv und gewalttätig. Auch ihr Kontakt zu ihrer eigenen Familie in den USA war ihr nur selten erlaubt. Über den Zeitraum von über einem Jahr suchte und fand Betty schließlich auch Verbündete, die ihr eine Flucht zusammen mit ihrer Tochter ermöglichten.
Das Buch war ein internationaler Erfolg, das sich besonders gut in Deutschland verkaufte und das sogar für den Pullitzer Prize vorgeschlagen wurde. Den nicht überraschenden Vorwurf, das Buch sei anti-muslimisch geschrieben, kann ich nicht nachvollziehen, denn trotz der lebensbedrohlichen Situation, in der sich Betty im Iran befand, und der menschlich nur schwer nachzuvollziehenden Haltung der sie umgebenden Frauen, die das bestehende System zum größtenteils unterstützten und ihr nur bedingt zu Hilfe kamen, äußert sich die Autorin stets dankbar und respektvoll gegenüber den Menschen, die ihr Freundlichkeit und Hilfe entgegenbrachten und pauschalisiert nicht.
Auch wird immer deutlich, dass sie weder dem muslimischen Glauben noch dem iranischen Staat die Schuld an ihren schrecklichen Erfahrungen gibt, sondern die Schuld ihrem irrational handelnden, aggressiven Ehemann gibt. Zwar beschreibt Betty Mahmoody ihre Verzweiflung und Not sehr anschaulich, bleibt aber im Grunde erstaunlich sachlich in der Schilderung der Ereignisse. Nicht ohne meine Tochter ist eine beeindruckende Geschichte, die sicherlich auch heute noch Relevanz hat in ähnlichen Gesellschaftssystemen, besonders bei Paaren mit unterschiedlichem kulturellen Hintergründen.

Betty Mahmoody, Nicht ohne meine Tochter. Lübbe Audio 2015.

Friday, October 25, 2019

Spring of winter

"Autum is the spring of winter."
postcrossing card on its way to South Korea

Arne Jysch - Der nasse Fisch


Mit viel Liebe zum Detail und zu den historischen Hintergründen hat Arne Jysch den ersten Band von Volker Kutschers Gereon-Rath-Reihe, Der nasse Fisch, als Graphic Novel umgesetzt. Im Gegensatz zur TV-Adaption (Babylon Berlin), in der Figuren und Zusammenhänge verändert wurden, hält sich Jysch an den Plot des Romans und nimmt keine tiefgreifenden Veränderungen vor. Es gelingt ihm durch gut gesetzte innere Monologe und eingefügte Schriftstücke auch die komplexeren Zusammenhänge gut und verständlich darzustellen.
Die rein schwarz-weißen Zeichnungen passen zu unserer Wahrnehmung der Zeit, die man durch schwarz-weiß-Fotografien oder -Filme kennt. Beeindruckend schafft es Jysch, die Atmosphäre der 20er Jahre in Berlin einzufangen und man merkt den Zeichnungen eine tiefgehende Recherche an, etwa in den Bereichen Werbung, Architektur oder Mode.
Gereon Rath wird als intelligenter und guter Ermittler dargestellt, seine Schwächen und emotionalen Hemmnisse bringen ihn zwar in Schwierigkeiten, sind aber am Ende nicht handlungsbestimmend. Deutlich weniger intensiv als in der TV-Serie werden der Glamour und die "Abgründe" Berlins zu der Zeit dargestellt - hier setzt Jysch stärkere Akzente auf die politischen Zusammenhänge.
Insgesamt ist Arne Jyschs Der nasse Fisch eine zeichnerisch und inhaltlich überaus gelungene Adaption des Romans. 

Arne Jyschs, Der nasse Fisch. Carlsen, Hamburg 2008. 

zur Rezension des Romans: Volker Kutscher, Der nasse Fisch

Thursday, October 24, 2019

A.A. Milne - Winnie-the-Pooh

Winnie-the-Pooh is the first of A.A. Milne's books on Pooh Bear and his lovable companions. Tigger hasn't arrived yet in the hundred-acre-wood but all the others are there having their small adventures. 
Each chapter contains one story told in the voice of Christopher Robin's father speaking to his son. 
This audio production is performed by Peter Dennis who does the characters real justice and it is really enjoyable to listen to him. There is music between the chapters and some quiet sounds were added (like the crackling fire or chirping birds).  
Altogether a lovely audio version of this classic.




Tuesday, October 22, 2019

Terry Pratchett - Die Nachtwächter

Die Nachtwächter ist der achte Scheibenweltroman, der sich um Kommandeur Mumm und die Stadtwache dreht.
Bei der Verfolgung eines Schwerverbrechers geraten dieser und Mumm auf dem Dach der Unsichtbaren Universität in einen magischen Sturm und werden in der Zeit zurückkatapultiert. Mumm trifft dort auf eine jüngere Version von sich selbst und muss bizarrerweise die Rolle des John Keels einnehmen, der sein Vorbild und Ausbilder ist/war. "Keels" kommandiert die Nachtwache, einen undisziplinierten Haufen, der aber in der aufkommenden Revolution in Ank-Morpork eine wichtige Rolle spielt und dessen historischer Einfluss essentiell ist für Mumms Gegenwart. Und obwohl er also eigentlich schnellstmöglich zurück in seine eigene Zeit möchte, steckt er in einem Dilemma politischer und persönlicher Natur, was sein Gewissen und seinen Verstand mehr als einmal auf eine harte Probe stellt.
Trotz des üblich exquisiten Pratchett-Humors sind in Die Nachtwächter durchaus auch ernstere Zwischentöne herauszuhören, was angesichts des Revolutionsthemas nicht verwundert.
Besonderen Spaß bereitet die Begegnung mit den frühen Versionen von etablierten (Neben-) Charakteren von Ank-Morpork wie Schnapper, der gerade erst sein Geschäft eröffnet, Nobby Nobbs als Junge oder auch der spätere Patrizier Lord Vetinari, der gerade bei der Assassinengilde (!) seine Ausbildung macht.
Michael-Che Koch setzt diese Geschichte hervorragend in verschiedene Stimmlagen und Dialekte um, es ist ein excellentes Hörbuch.

Terry Pratchett, Die Nachtwächter. Random House Audio 2012.

Zur Liste der gelesenen Pratchett-Romane

Sunday, October 20, 2019

Melchior/Oubrerie - Der Goldene Kompass 1

Diese Graphic Novel ist der erste Teil einer Adaption von Der Goldene Kompass von Philip Pullman. Sie umfasst die Geschichte Lyras in Oxford, ihre Flucht vor Mrs Coulter und ihren Aufbruch gen Norden, wo sie helfen will, ihren Onkel und die verschwundenen Kinder zu retten.
Die Zeichnungen von Melchior und Oubrerie sind atmosphärisch, oft auch düster aufgrund gedeckter Farben. Die Szenen sind abwechslungsreich gestaltet mit Totalen, Portrait- und Detail-Panels. Die Emotionen der Figuren werden verständlich, auch wenn einige der Gesichter zeichnerisch wenig intensiv ausgestaltet sind. Auch die Daemonen wirken manchmal oberflächlich, wobei sie eigentlich ein sehr interessantes Element der ursprünglichen Geschichte sind. Hier liegt auch das Hauptproblem dieser Graphic Novel - ich bin mir nicht sicher, ob der Plot insgesamt verständlich gewesen wäre, wenn ich nicht den Roman bereits gelesen hätte. Zuviel wird auf die Schnelle oder gar nicht eingeführt, hier wäre eine kurze Einführung am Anfang, wie bei Graphic Novel oder Comics durchaus üblich, sehr hilfreich. So bleiben Zusammenhänge unklar und da die Bilder mich nicht sehr ansprechen, werde ich es wohl bei diesem ersten Band belassen.

Stéphane Melchior/Clément Oubrerie, Der Goldene Kompass 1. Carlsen, Hamburg 2015.

Friday, October 18, 2019

John Williams - Stoner


John Williams' Roman Stoner (erstmals 1965) wurde vor einigen Jahren wiederentdeckt und geriet dadurch auch außerhalb der USA in den Fokus.
William Stoner (- seltsam, dass auch dieser Protagonist Anklänge an den Nachnamen des Autoren hat, wie auch der Protagonist aus Butcher's Crossing) wächst auf einer Farm in Missouri auf, wo seine Eltern ein sehr entbehrungsreiches und schlichtes Leben führen. Sein Schicksal wendet sich, als sie ihn zum Landwirtschaftsstudium nach Columbia schicken. Dort packt ihn die Liebe zur Literatur, die zuvor unentdeckt in ihm steckte. Er entscheidet sich für ein Literaturstudium und lässt damit das Farmleben und seine Eltern hinter sich.
Es folgt der Abschluss des Studiums und ihm wird ein Dozentenjob an der Universität angeboten. Stoner bleibt, heiratet, bekommt eine Tochter, hat eine Geliebte, gerät in Auseinandersetzungen mit einem Kollegen und Vorgesetzten und stirbt schließlich an Krebs im Moment seiner Emeritierung.
Dies klingt nicht nach einer sonderlich spannenden Geschichte - und das ist es auch nicht. Seltsam distanziert betrachtet man als Leser dieses Leben eines Mannes, der eine überraschende, natürliche Liebe zur Literatur und dem Universitätsbetrieb in sich trägt, aber davon abgesehen nicht recht weiß, wie er sein Leben in die Hand nehmen soll. Sein Werben um eine Frau, die er nicht kennt und die ihn nicht lieben kann, endet in einer desaströsen Ehe, die auch das Leben seines Kindes zerstört. Die einzig große Liebe zu einer Frau endet in großem Leiden, aber unaufgeregt und undramatisch. Im Grunde gibt es in seinem Leben nur sehr wenige lichte, leichte oder glückliche Momente, er erduldet sein Leben ohne wirklich viel Einfluss darauf zu nehmen oder nehmen zu können. Nur selten ergreift er das Wort oder wird aktiv, um sich durchzusetzen und sein Leben zu beeinflussen.
Die einzige positive Konstante seines Lebens ist seine Leidenschaft für Literatur und noch vielmehr für die Lehre, den Seminaren und den Studenten widmet er den Großteil seiner Lebenszeit.
Die Grundstimmung des Romans ist tatsächlich etwas bedrückend - wie leben wir unser Leben? Nehmen wir es in die Hand? Erdulden wir es? Was hat wirkliche Bedeutung, wofür sind wir bereit zu kämpfen? Stoner trifft seine Entscheidungen nach seinem Ermessen, seinem eigenen Kompass, ist dabei zutiefst menschlich und nimmt sein Leben an, wie er es zu leben im Stande ist - und damit beeindruckt dieser Protagonist nachhaltiger als manch andere Romanfigur.

John Williams, Stoner. dtv, München 2013. 

Thursday, October 17, 2019

Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Die Geschichte der Christiane F. steht sinnbildlich für Drogenabhängigkeit und den schwierigen Kampf gegen das Heroin, den viele Jugendliche in den 70er Jahren verloren. Als die damals 16jährige Christiane F. in einem Prozess aussagt, werden die Reporter Kai Hermann und Horst Rieck auf sie aufmerksam. Sie bitten sie, ihre Geschichte zu erzählen, woraus das Buch entsteht, das lange 1978 die Bestsellerlisten anführte und die Gesellschaft erstmals auf die Problematik der abhängigen und sich prostituierenden Minderjährigen aufmerksam werden ließ.
Beeindruckend an der Erzählung ist der große Detailreichtum und die Offenheit, mit der Christiane F. von ihrer "Drogenkarriere" berichtet. Die Trostlosigkeit ihrer Ausgangslage in Berlin Gropiusstadt der 70er Jahre allein reicht aus, um ein gewisses Verständnis für ihren Werdegang aufzubringen. Und auch wenn bereits 40 Jahre vergangen sind, seit die Szene, die geschildert wird, Realität war, so nimmt dies nicht den Schrecken. Betroffen macht auch immer noch die Ahnungslosigkeit und die Hilflosigkeit der Erwachsenen gegenüber den abhängigen Jugendlichen - es scheint nahezu niemanden gegeben zu haben, der helfen wollte oder konnte.
Im Vergleich dazu gibt es heute zwar zahlreiche Hilfsangebote, die Szene sieht anders aus, aber Berlin kämpft wieder mit steigenden Zahlen bei Drogentoten, wobei Heroin wieder oder weiterhin eine Rolle spielt.
Die Geschichte der Christiane F. ist insofern leider weiter aktuell, weiter erschreckend, und auch im Jahr 2019 noch eine Geschichte, die erzählt und angehört werden sollte.

Christiane F., Wir Kinder vom Bahnhof Zoo. Nach Tonbandprotokollen aufgeschrieben von Kai Hermann und Horst Rieck. Carlsen, Hamburg 2009.

Wednesday, October 16, 2019

Robert Galbraith - Die Ernte des Bösen

Nach Der Ruf des Kuckucks und Der Seidenspinner (zu dem ich überraschenderweise keine Rezension verfasst habe, frage mich wieso nicht...) ist Die Ernte des Bösen der dritte Fall des ungewöhnlichen Ermittlerteams Cormoran Strike und Robin Ellacott von Robert Galbraith (alias J.K. Rowling).
Der Fall beginnt mit Knalleffekt - Robin bekommt ein Päckchen ins Büro geliefert, doch statt der erwarteten Dinge für ihre anstehende Hochzeit befindet sich darin ein Frauenbein. Cormoron fallen gleich mehrere mögliche Absender ein, was eine Menge Ermittlungsarbeit und Beschattungen bedeutet. Der Leser hingegen muss miterleben, wie auch Robin ihrerseits vom Täter beschattet wird, sie soll sein nächstes Opfer werden.
Was rasant beginnt, lässt leider im Mittelteil leicht zu wünschen übrig, zäh gehen die Ermittlungen voran, verlieren sich in einem Hickhack mit den offiziellen Ermittlungsbehörden und falschen Fährten. Außerdem drehen Cormorans und Robins Gedanken beständig um sich selbst, Robin mit ihrem Zweifel an sich, an ihrem Verlobten und ihren intensiven Gefühlen für Cormoran selbst, Cormoran ist ebenfalls irritiert darüber, wie sehr Robins Hochzeit mit dem seiner Ansicht nach falschen Mann ihn beschäftigt, und ist in steter Sorge um sie. Angesichts des dreisten und brutalen Killers, der in der Zwischenzeit weiter mordet, wirkt dies nahezu unpassend und trivial, zumal sie im Grunde beide wissen, wie gut sie sich ergänzen und einander brauchen. Zumindest beruflich.
So ist man im Grunde ein wenig erleichtert, als endlich die falschen Fährten eliminiert und der wahre Täter identifiziert ist. Happy End.

Robert Galbraith, Die Ernte des Bösen. Random House Audio 2016.


Thursday, October 10, 2019

Peter Wohlleben - Das geheime Leben der Bäume

Als jemand, der gern wandert und im Wald ist, interessierte mich dieses Buch durchaus, auch wenn Sachbücher ganz allgemein nicht zu meinen Favoriten gehören.
In mehr oder weniger kurzen Kapiteln führt uns der Autor an verschiedene Aspekte des Lebens der Bäume heran. Dabei bedient er sich sowohl breitem Allgemeinwissen als auch neuerer Forschung (deren Qualität ich natürlich nicht nachvollziehen kann). Vieles davon ist durchaus Basiswissen, anderes verschiebt aber die Blickweise, mit der man auf Bäume bzw. vielleicht auf die Pflanzenwelt allgemein hat. Hier sind komplexe und vor langfristige Prozesse im Gange, die man beim bloßen Blick auf den Baum natürlich nicht sofort erkennen kann.
Sprachlich vermochte mich das Buch allerdings nicht zu fesseln, die Erzählweise bedient sich oft der gleichen Stilmittel und gleicher Floskeln, was auch die Lesung von Roman Roth nicht ausgleichen konnte. Ich muss zugeben, dass ich es nicht vollständig gehört habe, sondern Teile übersprungen habe. Dennoch ist es kein uninteressantes Buch und von der Thematik her sicher beachtenswert.

Peter Wohlleben, Das geheime Leben der Bäume. Hörverlag 2016.