In Arlidges Eene Meene entführt ein Serienkiller immer wieder zwei Personen und sperrt sie ein - ohne Essen, ohne Wasser, aber mit einer geladenen Waffe und dem Auftrag, den jeweils anderen zu töten, um danach freigelassen zu werden. Die Überlebenden können kaum sinnvolle Hinweise geben, außer das der Entführer eine Frau ist.
Zunächst erscheinen die Opfer willkürlich ausgewählt zu sein, dann aber werden Detective Helen Grace Zusammenhänge zu ihrem eigenen Leben klar und sie beginnt zu ahnen, wer die Täterin ist...
Erzählt wird M.J. Arlidges Psychothriller aus mehreren Perpektiven, Opfer, Ermittler und sogar die Täterin selbst (in Rückblenden über ihre Kindheit und ihre Beweggründe für die Taten) kommen zu Wort, ohne allerdings die Zusammenhänge zu früh zu enthüllen. Die Charaktere der Ermittlergruppe um Helen Grace werden sorgfältig aufgestellt und entwickelt (tatsächlich plant Arlidge eine Reihe, der nächste Band ist bereits angekündigt), wenngleich besonders die Protagonistin einen Hauch zu angeschlagen wirkt. Sie ist ein psychisches, emotionales Wrack, die eigentlich im Leben kaum zurecht kommen dürfte mit diesem Hintergrund, aber dafür ist sie eine überraschend gute Polizistin. Das macht sie aber noch nicht zu einem sympathischen Protagonistin, ihre geringe Empathie mit den Opfern bzw. ihren Kollegen verhindert dies. Desweiteren störte mich die psychische Brutalität des Plots, zwei Menschen, die den Auftrag erhalten, den anderen zu töten, um zu überleben - eine fürchterliche Idee. Zwar wird das Grauen der Situation aus der Perpektive der Opfer auch dargestellt, bleibt aber dabei dennoch auf seltsame Weise distanziert und ist wenig emotional - ein Fakt, der mir Unbehagen beim Lesen bereitet hat. So war Eene Meene zwar spannend, hatte aber nicht die Überzeugungskraft, um mich wirklich in den Bann zu ziehen.
M.J. Arlidge, Eene Meene. Argon 2014.
Monday, August 18, 2014
Saturday, August 16, 2014
Italo Calvino - Wenn ein Reisender in einer Winternacht
Wenn meine SuB-Buchchallenge nicht nach einem orangen (jaja, es ist eher ein sehr gelbes Orange) verlangt hätte, wäre Wenn ein Reisender in einer Winternacht von Italo Calvino (1923-1985) sicher noch weitere Jahre im Regal geblieben und ich würde den Autor immer noch nicht kennen. Er gehört zu den italienischen Klassikern und wird dort auch in Schulen gelesen.Persönlicher Untertitel: Leseabenteuer, postmoderner Roman, zehn Anfänge und (k)ein ordentliches Ende.
Den Plot zusammenzufassen fällt schwer, es ist die Geschichte einer Suche nach einem/dem Roman, der Protagonist ist zugleich der Leser selbst (oder besser der fiktive Leser, je nachdem, wie sehr man sich darauf einlassen will), den Calvino mit auf eine philosophische Reise nimmt, auf der er über das Lesen und Schreiben, das Verhältnis von Buch zu Leser, von Leser zu Autor, der Welt zum Autor oder zum Leser, ... nachdenkt. Dazwischen werden zehn Romane begonnen, die aus unterschiedlichsten Gründen abbrechen und den Leser (in doppeltem Sinne, Protagonist und tatsächlichen Leser) frustriert zurücklassen. Dabei wimmelt es von nachdenkenswerten Zitaten über Bücher, das Lesen und die Bedeutung von Literatur.
Trotz (oder gerade wegen) der Fragmenthaftigkeit des ganzen Buches hat man das Gefühl, sich viele Aspekte merken zu wollen, später noch einmal dahin zurückkommen zu wollen, um einzelne Gedanken besser würdigen zu können und erfreut sich an Calvinos Ideen und Schreibstil. Trotzdem ist der Roman phasenweise anstrengend und verstrickt sich zu sehr in seinen Ebenen und verschachtelt die Geschehnisse so sehr ineinander, dass man trotzig sagt, dass es jetzt doch bitte auch mal reicht und der Autor zum Punkt kommen soll. Insgesamt war es aber eine höchst interessante Leseerfahrung, im wahrsten Sinne des Wortes, zumal in meinem Fall noch die verblüffende Verwandtschaft mit Hakan Nessers Roman Himmel über London hinzu kam.
Italo Calvino, Wenn ein Reisender in einer Winternacht. Süddeutsche Zeitung Bibliothek 2004.
Friday, August 15, 2014
Watercolour Card
This handmade watercolour card travelled to Laura in Coral Springs, Florida, USA, and arrived safely after eight days. Laura is a blogger and artist herself, you can find her art here:
LKG Photo
Where the goldbees dream
Tuesday, August 12, 2014
Bart Moeyaert - Hinter der Milchstraße
Bart Moeyaert (*1964) ist ein preisgekrönter Autor, der 1998 sogar den deutschen Jugendliteraturpreis erhalten hat für das Buch Bloße Hände. Er lebt in den Niederlanden.Das Cover zu Hinter der Milchstraße illustriert das Setting des kurzen Romans gut: Drei Kinder, die Brüder Bossie und Oskar und das Mädchen Geesje, haben Sommerferien und treffen sich auf einer Mauer, die das Gelände eines Alteisenhandels begrenzt. Von dort haben sie einen Blick auf zwei Straßen, die Sandstraße und die Milchstraße. Sie beobachten die Menschen um sie herum, erzählen Geschichten und ärgern sich gegenseitig. Dabei vermeiden sie es, über die Dinge zu sprechen, die sie eigentlich beschäftigen. Denn die Mutter der Brüder ist nach Italien verschwunden und sie wissen nicht, ob und wann sie zurückkommt, und Geesjes Tante liegt im Sterben.
An den Gedanken und Ängsten des Ich-Erzählers Oskar erkennt man, wie sehr ihn diese Dinge aber doch beschäftigen, die Auswirkungen zeigen sich jedoch nur in Kleinigkeiten, deren Bedeutung sich den Kindern und Erwachsenen nur langsam erschließt. Vielleicht muss aber auch nicht alles besprochen und nach außen getragen werden, die drei Kinder finden ihren Rückhalt im Miteinander und im miteinander Schweigen.
Ein von der Handlung her unspektakuläres Kinderbuch, was aber leise und vorsichtig große angstbelastete Themen, Tod und Verlassenwerden, thematisiert und Hoffnung macht, dass es trotz allem Schrecklichen in der Welt weitergeht, man zusammenhalten und sich trösten kann - auch ohne viele Worte.
Bart Moeyaert, Hinter der Milchstraße. Hanser, München 2013.
Monday, August 11, 2014
Antje Rávic Strubel - Gebrauchsanweisung für Schweden
Die Reihe der Gebrauchsanweisungen des Piper Verlags gehört seit einiger Zeit schon zu meinem Reiseeinstimmungsprogramm (siehe Irland und Island). Unterschiedliche Autoren, die einen besonderen Bezug zum Land haben (oft ausgewanderte Deutsche), schreiben über Hintergründe, Gewohnheiten und Besonderheiten von Land und Leuten. Bisher waren die Bände sowohl informativ als auch unterhaltsam, teils sogar recht witzig geschrieben, die Qualität stimmte.Leider ist die Gebrauchsanweisung für Schweden das Gegenbeispiel.
Frau Strubel ist deutlich schwedenbegeistert und es ist ihr Sehnsuchtsland, das sie oft besucht hat und sicher auch gut kennt. Sie schreibt mit großer Sympathie und geht sensibel mit den Schweden und ihren Eigenarten um. Ihr Schreibstil trifft nicht so sehr meinen Geschmack, aber das ist subjektiv, wenngleich die eher literarisch-geprägten Beschreibungen der Landschaften und ihrer persönlichen Empfindungen in der schwedischen Natur nicht so recht zur Reiseliteratur passen wollen. Etwas mehr Sachlichkeit und Konzentration auf Inhalte wäre sehr wünschenswert gewesen.
Das Hauptproblem dieser Gebrauchsanweisung ist aber die fehlende Struktur. Zwar gibt es Kapitel und sogar Zwischenüberschriften, ("Insel der Eigenbrötler" - hier geht es um Gotland - oder "Toben im Verein" - hier schreibt sie hauptsächlich über den Vasalauf (Skilanglauf), an dem ihr Vater teilnahm), diese sind allerdings nicht wirklich hilfreich zu einer thematischen Orientierung im Buch.
Zudem springt sie von einem Thema zum nächsten, teilweise sogar kapitelintern, was manchmal einfach den Eindruck von schlechtem Lektorat hinterlässt. Natürlich arbeitet sie typische Schwedenthemen, wie den Elch, die Flagge, Literatur und die Affinität der Schweden zu Wäldern und Seen, ab, aber es fehlt der Zusammenhalt der Themen, der Überblick, der alles zu einem umfassenden Eindruck zusammenfügen könnte. Die eingestreuten geschichtlichen Hinweise fügen sich nicht zusammen und wirken unvollständig. Persönliches zu berichten ist bei dieser Form der Reiseliteratur natürlich legitim, sonst würde man einen "normalen" Reiseführer kaufen, aber hier ersetzen sie teilweise eine Schilderung der Zusammenhänge und lassen den Leser in der Luft hängen mit Detailinformationen und Empfehlungen, mit denen man wenig bis nichts anfangen kann. Schade.
Antje Rávic Strubel, Gebrauchsanweisung für Schweden. Piper, München 2013.
Sunday, August 10, 2014
Hakan Nesser - Himmel über London
Hakan Nessers Himmel über London ist kein Thriller, sondern ein experimenteller Roman, der mit dem Leser, dem Erzähler und dem Erzählten spielt. Dabei wechselt der Autor zwischen Perspektiven verschiedener Personen, Zeitebenen und Orte.Wie es der Zufall (?) wollte, hatte ich parallel Wenn ein Reisender in einer Winternacht von Italo Calvino zu lesen begonnen (und zu diesem Zeitpunkt noch nicht beendet). Diesem Roman liegt das Verwirrspiel und der Dialog mit dem Leser elementar zugrunde, es besteht praktisch aus Romananfängen, Reflexion über das Schreiben und Lesen und dem verzweifelnden Leser, der keine Geschichte zuende lesen kann. Ich habe den Verdacht, auch Nesser hat Calvino gelesen. So tauchen Personen bzw. Namen in verschiedenen Ebenen auf, sind identisch oder auch nicht, haben Bedeutungsbezug oder auch nicht. Dabei wird Himmel über London stets immer verworrener. Die zuerst etablierte Handlungsebene um einen sterbenskranken Mann, der seine Familie in London zu einem letzten Treffen zusammenruft und dabei in Rückblenden über seine Lebensgeschichte nachdenkt, erweist sich nicht als die wirklich, sondern ist vermutlich nur die erdachte Romanhandlung eines schwedischen Schriftstellers namens Lars Gustav Selén. Aber irgend etwas stimmt nicht, die Figuren sind zu flexibel, haben doch ein Eigenleben, je näher Selén ihnen in London kommt...
Das lang geplante Treffen der Familie auf den letzten Seiten ist dann aber nicht so spektakulär wie erwartet, die philosophischen Zwickmühlen und die Spannung zwischen Erzähler und Erzähltem werden nicht aufgelöst (oder ich habe die Auflösung nicht verstanden).
Der Roman ist sperrig und ungewöhnlich, dadurch aber auch literarisch interessant. Nessers Schreibstil durchweg angenehm, auch wenn es langatmige Passagen gab und der Roman sicherlich auch einige Wendungen und Rückblicke weniger vertragen hätte. Für Leser, die den Krimiautor Nesser schätzen, muss es heißen "Finger weg", denn unter leichte Kost und unterhaltend kann man Himmel über London nicht einordnen.
Hakan Nesser, Himmel über London. btb, München 2013.
Tess Gerritsen - Gefährliche Begierde
Nein, es ist schon besser, dass sich Tess Gerritsen weiterentwickelt und mit Rizzoli und Isles interessante Protagonisten für ihre Bücher geschaffen hat. Gefährliche Begierde (erschienen 1993) ist zwar nicht ganz so konfus wie Der Anruf kam nach Mitternacht und hat eine erkennbare Thrillerhandlung, aber auch hier wirkt die begleitende Liebesgeschichte unglaubhaft und aufgesetzt. Die Charaktere bleiben flach, der Plot entwickelt sich zwar dynamisch, denn die ursprünglich des Mordes an ihrem Ex-Liebhaber verdächtigte Miranda wird nun selbst verfolgt und entkommt nur knapp mehreren Anschlägen, bis zum Ende bleibt die Identität des tatsächlichen Mörders ungeklärt. So kann man für Spannung wohl zwei Sternchen vergeben und über den Rest den Mantel des Schweigens decken.
Thursday, August 07, 2014
Jan Weiler - Das Pubertier
Kurz und kurzweilig ist Jan Weilers (Autor von Maria, ihm schmeckt's nicht) Lesung seines Buches Das Pubertier. Kolummnenartig schildert er Begebenheiten mit (seinen) pubertierenden Kindern, die sicherlich vielen Eltern und anderen Erziehenden aus der Seele sprechen. Im Klappentext steht, das Hirn der Pubertiere sei wegen Umbaus vorübergehend geschlossen, dies belegt er anschaulich und teils amüsant. Mehr gibt das Buch nicht her, es bleibt beobachtend-beschreibend, es deutet und erklärt nicht und gibt auch keine Handlungshilfen - was vermutlich bei Autor und Kolumnen-Herkunft auch nicht zu erwarten war. Jan Weiler, Das Pubertier. Der HörVerlag 2014.
Wednesday, August 06, 2014
Tess Gerritsen - Der Anruf kam nach Mitternacht
Tess Gerritsens Der Anruf kam nach Mitternacht ist eine konfuse Spionage-/Liebesgeschichte, die sie erstmals 1987 veröffentlicht hat. Frühwerk - und das merkt man sehr.Sarah Fontaine erfährt per Anruf, dass ihr Mann Geoffrey in Berlin ermordet worden sein sill. Sie glaubt nicht recht daran und sucht nach der Wahrheit. Führte Geoffrey ein Doppelleben? War er ein Agent? In Nick O`Hara, einem Mitarbeiter des Botschafters in Washington, findet sie einen Verbündeten, der mit ihr in London und Berlin zu ermitteln beginnt. Dabei verlieben sich die beiden ineinander, misstrauen und vertrauen sich abwechselnd und werden bald selbst Verfolgte.
Die Story ist nicht besonders gut erzählt und die beiden Protagonisten handeln irrational und die Liebesgeschichte wirkt unglaubhaft und wenig romantisch. Der Roman ist auf allen möglichen Ebenen nicht stimmig und hat mir wenig Freude bereitet.
Monday, August 04, 2014
Nora Roberts - Das Geheimnis der Wellen
Romance-Novel - mit einem Hauch von Kriminalgeschichte.
Er: Eli - Sohn aus reichem Haus, Anwalt, betrogener Ehemann, zu Unrecht des Mordes an seiner Frau Lindsey beschuldigt, verfolgt von einem uneinsichtigen Polizisten, obwohl die Anklage wegen mangelnden Beweisen eingestellt wurde, kehrt in das Küstenhaus/-anwesen der Familie in Whiskey Beach zurück.
Sie: Abra - alternativ-esoterische Frau, die Schmuck bastelt, Yoga-Kurse gibt und anderer Leute Häuser putzt und für diese Einkäufe erledigt, sie legt Karten und vertreibt böse Geister mit Weihrauch.
Großmutter: wegen eines Sturzes nicht daheim, beauftragt aber Abra, sich um Eli zu kümmern...
Eli bzw. das Haus werden offensichtlich bedroht, es gibt Einbrüche, ein mysteriöses Loch im Keller und sogar einen weiteren Mord. Es scheint um eine Familiensage um einen schiffsbrüchigen Piraten und dessen Beute zu gehen, der mit einer Vorfahrin von Eli angebandelt haben soll.
Nach und nach decken Eli und Abra zusammen die alte Geschichte auf und stellen dem Einbrecher/Mörder eine Falle.
Außerdem natürlich Liebe, Heiratsantrag und rosige Zukunft. Ende.
Roman hält, was er verspricht, es gibt keine großen Überraschungen, aber eine soweit solide Story mit Kitschpotenzial.
Nora Roberts, Das Geheimnis der Wellen. Random House Audio 2014.
Er: Eli - Sohn aus reichem Haus, Anwalt, betrogener Ehemann, zu Unrecht des Mordes an seiner Frau Lindsey beschuldigt, verfolgt von einem uneinsichtigen Polizisten, obwohl die Anklage wegen mangelnden Beweisen eingestellt wurde, kehrt in das Küstenhaus/-anwesen der Familie in Whiskey Beach zurück.
Sie: Abra - alternativ-esoterische Frau, die Schmuck bastelt, Yoga-Kurse gibt und anderer Leute Häuser putzt und für diese Einkäufe erledigt, sie legt Karten und vertreibt böse Geister mit Weihrauch.
Großmutter: wegen eines Sturzes nicht daheim, beauftragt aber Abra, sich um Eli zu kümmern...
Eli bzw. das Haus werden offensichtlich bedroht, es gibt Einbrüche, ein mysteriöses Loch im Keller und sogar einen weiteren Mord. Es scheint um eine Familiensage um einen schiffsbrüchigen Piraten und dessen Beute zu gehen, der mit einer Vorfahrin von Eli angebandelt haben soll.
Nach und nach decken Eli und Abra zusammen die alte Geschichte auf und stellen dem Einbrecher/Mörder eine Falle.
Außerdem natürlich Liebe, Heiratsantrag und rosige Zukunft. Ende.
Roman hält, was er verspricht, es gibt keine großen Überraschungen, aber eine soweit solide Story mit Kitschpotenzial.
Nora Roberts, Das Geheimnis der Wellen. Random House Audio 2014.
Thursday, July 31, 2014
Andrea Maria Schenkel - Täuscher
Das Konzept für diesen historischen Kriminalroman ist dasselbe wie für die vorangegangenen der Autorin, Tannöd, Kalteis und Finsterau: Es kommen verschiedene Personen mit ihren polizeilichen Aussagen oder Gedanken zu Wort. Zusammen mit der Täterperpektive ergibt sich dann ein umfassendes Bild des Falles. Dabei ist der Täter oder zumindest der Täterkreis bereits sehr eingeschränkt, so dass der Leser eher an dem wie interessiert sein muss als an dem wer.
In Täuscher ahnt man entsprechend auch sofort, dass mit dem Hauptverdächtigen, Bürstenfabrikantensohn Hubert Täuscher, nicht der wahre Täter vor Gericht steht. Der Name ist zwar Programm, denn der Protagonist täuscht seine Mitmenschen in vielerlei Hinsicht, lässt sich aber auch selbst täuschen, bzw. manipulieren, so dasss der Falsche für den brutalen Doppelmord zur Rechenschaft gezogen wird. Nach und nach wird der Tathergang in kurzen Episoden von Täuscher selbst erzählt, allerdings überwiegen in der Summe des Textes die Stimmen der Zeugen und der Ermittelnden.Im Gegensatz zu Finsterau, in dem die Armut der Protagonisten und die bedrückende Atmosphäre im Vordergrund standen, kommt in Täuscher dieses Gefühl der Anteilname nicht auf. Die Protagonisten bleiben flach und sind nahezu alle unsympathisch, das episodische Erzählen und die Zeitsprünge gerade am Anfang sind dabei auch nicht hilfreich. Am interessantesten ist vielleicht noch die Darstellung, wie im frühen 20. Jahrhundert kriminalistisch vorgegangen wurde und in welcher Form bereits psychologische Überlegungen in den Strafprozess eingingen - wobei dies ja leider nicht zu korrekten Ergebnissen führt.
Andrea Maria Schenkel, Täuscher. Hoffmann und Campe 2013.
Tuesday, July 29, 2014
Blick für Kleinigkeiten
Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie schön die Welt ist,
und wie viel Pracht in den kleinsten Dingen,
in irgendeiner Blume, einem Stein, einer Baumrinde oder einem Birkenblatt
sich offenbart.
Die erwachsenen Menschen,
die Geschäfte und Sorgen haben und sich mit lauter Kleinigkeiten quälen,
verlieren allmählich ganz den Blick für diese Reichtümer,
welche die Kinder, wenn sie aufmerksam und gut sind,
bald bemerken und mit dem ganzen Herzen lieben.
Rainer Maria Rilke
Monday, July 28, 2014
Bookie Monster
One of my happy cards from my paperchase visit this month in London.
It's now on its way to a new postcrosser in Hungary.
Thursday, July 24, 2014
Monday, July 21, 2014
Simon Beckett - Der Hof
Simon Becketts neuer Thriller Der Hof spielt in Frankreich auf einem abgelegenen und heruntergekommenen Bauernhof. Der Protagonist Sean, ein Engländer, ist auf der Flucht vor seiner Vergangenheit und nachdem er sich auf dem Gelände des Hofes schwer verletzt, bleibt er dort, um sich zu erholen und zu verstecken. Dabei ist das Auskommen mit den Hofbewohnern nicht einfach. Mathilde, die ihn pflegt, hat einen unehelichen Sohn, dessen Vater verschwunden ist. Die jüngere Gretchen drängt sich Sean nahezu verzweifelt auf, er geht aber nicht darauf ein. Der Herr des Hofes, Arnaud, ist ein unangenehmer Mensch, der zu Wut- und Gewaltausbrüchen neigt. Die gesamte Familie versucht ihre Geheimnisse zu verbergen, doch Sean wird immer mehr hineingezogen.Parallel werden in Rückblenden die Ereignisse geschildert, die zu Seans Flucht aus London geführt haben.
Das Ungewöhnliche an Der Hof ist, dass man zwar weiß, dass man einen Kriminalroman in der Hand hält, es riecht auch alles nach Verbechen und sogar nach Mord, aber es gibt zunächst keine Straftat. Erst nach und nach streut Beckett erste Hinweise ein, worum es vielleicht gehen soll - dafür ist der Täterkreis von Anfang an bekannt, da der Roman auch insgesamt mit nur diesen wenigen Charakteren auskommt. Diese bleiben lange mysteriös, da Beckett Sean als Ich-Erzähler wählt, der seine eigene Geschichte nur zögerlich nach und nach preisgibt, dafür aber in seinen Schilderungen des Hofes und seiner Bewohner eine Atmosphäre des Unbehagens und der Ungewissheit erzeugt - ganz klar, er muss auf der Hut sein, irgend etwas stimmt ganz und gar nicht. Dabei wirkt er fast zu keinem Zeitpunkt wie ein Ermittler, eine weitere ungewöhnliche Tatsache für einen Thriller. Und doch gelingt der Spannungsbogen in beiden Geschichten bis zum Schluss und wartet mit einem angemessenen Finale mit Überraschungsmoment auf.
So ist Der Hof sicherlich ein Thriller und er ist auch vom Verlag als solcher gekennzeichnet. Doch befindet sich Beckett mit seinen Charakterdarstellungen und dem unblutigen und nicht investigativen Stil eher auf literarischen Terrain, wozu auch sein Epilog passt, der die Geschehnisse abschließend in einen fast philosphischen Rahmen fasst. Sean besucht noch einmal den Hof, findet ihn verlassen und verändert vor und erzählt nebenbei, welche Konsequenzen die Straftaten für die einzelnen Familienmitglieder und ihn selbst hatten. Und er sinniert darüber, zu was Menschen in bestimmten Situationen fähig sind:
"Unter der Oberfläche sind wir alle Tiere. Das will die Gesellschaft, die Arnaud so verabscheut, gerne verbergen. Die Wahrheit ist aber, dass keiner von uns weiß, wozu er im Grunde in der Lage ist.
Wenn wir Glück haben, finden wir es nie heraus."
Insgesamt ist es ein hervorragend konzipierter Roman mit sehr düsteren, aber überzeugenden Charakteren, der auf ungewöhnliche Weise spannend ist, und durch Becketts intensiv-persönlichen Erzählstil fesselt.
Simon Beckett, Der Hof. Rowohlt, Reinbek 2014.
Sunday, July 20, 2014
Happy Summer Postcard
Saturday, July 19, 2014
Tess Gerritsen - Abendruh
#10 der Reihe um Maura Isles und Jane Rizzoli beginnt dramatisch. Nacheinander werden Attentate auf drei Kinder verübt, die bei Pflegefamilien leben, weil ihre Eltern umgekommen sind/ermordet wurden. Es sterben dabei zwar die Pflegeeltern, die Kinder überleben mysteriöserweise.
Jane und Maura haben zunächst nur mit einem der Fälle zu tun. Doch als Maura im Internat Abendruh (im Original ist der Name des Internats "Evansong", deutlich schöner), wo Rat und sein Hund Bear (Mauras Retter aus #8, Totengrund) untergebracht sind, zu Besuch ist, stößt sie auf die anderen beiden Kinder und alarmiert Jane, die sich mit Frost in die Ermittlungen stürzt. Doch es sind die drei traumatisierten Kinder, die, auf Abendruh vereint, herausfinden, dass ihre Eltern sich gekannt haben. Jane und Frost stoßen auf eine CIA-Beamtin, die ihnen den scheinbaren Grund für die Verfolgung der Kinder liefert. Bei seiner Festsetzung wird die Familie eines Schwerkriminellen ausgelöscht, er schwört sich an den Familien der beteiligten Agenten zu rächen. Nach seiner Flucht aus dem Gefängnis geschehen die Attentate auf die Familien der Kinder - aber warum Jahre später die erneuten Versuche?
Showdown auf Abendruh: Der Mörder muss schon dort sein, doch warum leben die Kinder noch? Erst spät werden die tatsächlichen Bösen enttarnt in einer überraschenden Wende.
Das Setting auf dem mystischen Schloss Abendruh gibt dem Roman phasenweise eine ganz eigene Atmosphäre und ist einer der Pluspunkte des Romans, dazu gehört auch das Wiedersehen mit Rat und Bear. Jane und Maura nähern sich nach ihren Differenzen endlich wieder an und versichern sich ihrer Freundschaft - erleichternd.
Wenig plausibel ist allerdings - Achtung Spoiler! - dass all das geschieht, weil eine durchgeknallte CIA-Agentin aus Geldgier tötet und die Kinder dafür als Köder benutzt, da hat Gerritsen schon durchaus bessere Motive konstruiert.
Undurchsichtig bleiben die Beweggründe des Mephisto-Clubs und seines Gründers, der an Maura herumgräbt, ohne sich dabei in die Karten schauen zu lassen. Will er den Opferkindern, die auf Abendruh untergebracht sind wirklich nur helfen?
Tess Gerritsen, Abendruh. Random House Audio 2014.
Jane und Maura haben zunächst nur mit einem der Fälle zu tun. Doch als Maura im Internat Abendruh (im Original ist der Name des Internats "Evansong", deutlich schöner), wo Rat und sein Hund Bear (Mauras Retter aus #8, Totengrund) untergebracht sind, zu Besuch ist, stößt sie auf die anderen beiden Kinder und alarmiert Jane, die sich mit Frost in die Ermittlungen stürzt. Doch es sind die drei traumatisierten Kinder, die, auf Abendruh vereint, herausfinden, dass ihre Eltern sich gekannt haben. Jane und Frost stoßen auf eine CIA-Beamtin, die ihnen den scheinbaren Grund für die Verfolgung der Kinder liefert. Bei seiner Festsetzung wird die Familie eines Schwerkriminellen ausgelöscht, er schwört sich an den Familien der beteiligten Agenten zu rächen. Nach seiner Flucht aus dem Gefängnis geschehen die Attentate auf die Familien der Kinder - aber warum Jahre später die erneuten Versuche?
Showdown auf Abendruh: Der Mörder muss schon dort sein, doch warum leben die Kinder noch? Erst spät werden die tatsächlichen Bösen enttarnt in einer überraschenden Wende.
Das Setting auf dem mystischen Schloss Abendruh gibt dem Roman phasenweise eine ganz eigene Atmosphäre und ist einer der Pluspunkte des Romans, dazu gehört auch das Wiedersehen mit Rat und Bear. Jane und Maura nähern sich nach ihren Differenzen endlich wieder an und versichern sich ihrer Freundschaft - erleichternd.
Wenig plausibel ist allerdings - Achtung Spoiler! - dass all das geschieht, weil eine durchgeknallte CIA-Agentin aus Geldgier tötet und die Kinder dafür als Köder benutzt, da hat Gerritsen schon durchaus bessere Motive konstruiert.
Undurchsichtig bleiben die Beweggründe des Mephisto-Clubs und seines Gründers, der an Maura herumgräbt, ohne sich dabei in die Karten schauen zu lassen. Will er den Opferkindern, die auf Abendruh untergebracht sind wirklich nur helfen?
Tess Gerritsen, Abendruh. Random House Audio 2014.
Thursday, July 17, 2014
Jojo Moyes - Ein ganzes halbes Jahr
Ein ganzes halbes Jahr geistert schon seit einerWeile durch die Bücherbloggerwelt, als einer der Romane, der alle sehr berührt und den meisten große Heulattacken am Ende beschert hat. Für dieses spezielle Genre ist das wohl auch ein Qualitätsmerkmal (ja, leichter Zynismus). Zu meinem Lieblingsgenre wird es nicht werden, aber ich bin dann ja doch immer neugierig, was alle daran finden. Als Hörbuch kann man für die Urlaubsreise nicht viel falsch machen, wenngleich es mit mehr als 14 Stunden ein Marathon-Hörbuch ist. (Passt ja, irgendwie.)
Zum Glück war es kein Roman, den man rezensierend in der Luft zerreißen muss. Auf der Plusseite steht das durchaus sensible Thema Selbsttötung. Darf ein Mensch sich selbst töten, wenn er selbst sein Leben für nicht mehr lebenswert hält und keine Aussicht auf Besserung besteht? Die Autorin stellt das Thema dar, wie es ist: kontrovers und vielschichtig. Ethik, Religion, Verantwortung, rechtliche Aspekte uvm. werden im Laufe des Romans aufgegriffen. Interessant auch, dass nicht nur verschiedene Ansichten zu Wort kommen, sondern es wird auch deutlich, dass Meinungswechsel in Bezug auf die Bewertung der Tat oder des Wunsches möglich sind. Das Wertesystem des Buchs ist da durchaus flexibel und offen, bietet aber Orientierungspunkte.
Auf der Minusseite steht die streckenweise doch hart zu ertragende Rührseligkeit des Buchs. Liebe, Romantik haben ihre Daseinsberechtigung, aber hier waren einige Passagen doch sehr dick aufgetragen, rosarot oder stark simplifizierend in ihrem Grundwesen.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Protagonistin Lou oftmals sehr begriffsstutzig ist, was Zusammenhänge, die Beweggründe anderer oder gar ihre eigenen Emotionen angeht. An anderer Stelle wird ihre Intelligenz betont, warum ist sie immer die letzte, die versteht, was gerade mit ihr passiert? Sie ist sozusagen in einem emotionalen Strudel und kann diesen noch nicht einmal begreifen, geschweige denn ihm entkommen.
Ein wenig ausgeglichen wurde dies durch die kurzen Perspektivwechsel, im Audiobook auch durch andere Stimmen umgesetzt. Da kamen dann andere Beteiligte zu Wort und rückten die Geschehnisse wieder gerade. So waren Lou und ihr Handeln in der Außensicht durch andere Augen betracht besser zu beurteilen als in ihren eigenen eingeschränkten Innensicht.
Meine Gerührtheit hielt sich trotz den Tränen (die wohl dazu gehören, siehe oben) am Ende in Grenzen, aber für einen romantisch-dramatischen Roman war es erträglich.
Jojo Moyes, Ein ganzes halbes Jahr. Argon Verlag 2013.
Zum Glück war es kein Roman, den man rezensierend in der Luft zerreißen muss. Auf der Plusseite steht das durchaus sensible Thema Selbsttötung. Darf ein Mensch sich selbst töten, wenn er selbst sein Leben für nicht mehr lebenswert hält und keine Aussicht auf Besserung besteht? Die Autorin stellt das Thema dar, wie es ist: kontrovers und vielschichtig. Ethik, Religion, Verantwortung, rechtliche Aspekte uvm. werden im Laufe des Romans aufgegriffen. Interessant auch, dass nicht nur verschiedene Ansichten zu Wort kommen, sondern es wird auch deutlich, dass Meinungswechsel in Bezug auf die Bewertung der Tat oder des Wunsches möglich sind. Das Wertesystem des Buchs ist da durchaus flexibel und offen, bietet aber Orientierungspunkte.
Auf der Minusseite steht die streckenweise doch hart zu ertragende Rührseligkeit des Buchs. Liebe, Romantik haben ihre Daseinsberechtigung, aber hier waren einige Passagen doch sehr dick aufgetragen, rosarot oder stark simplifizierend in ihrem Grundwesen.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Protagonistin Lou oftmals sehr begriffsstutzig ist, was Zusammenhänge, die Beweggründe anderer oder gar ihre eigenen Emotionen angeht. An anderer Stelle wird ihre Intelligenz betont, warum ist sie immer die letzte, die versteht, was gerade mit ihr passiert? Sie ist sozusagen in einem emotionalen Strudel und kann diesen noch nicht einmal begreifen, geschweige denn ihm entkommen.
Ein wenig ausgeglichen wurde dies durch die kurzen Perspektivwechsel, im Audiobook auch durch andere Stimmen umgesetzt. Da kamen dann andere Beteiligte zu Wort und rückten die Geschehnisse wieder gerade. So waren Lou und ihr Handeln in der Außensicht durch andere Augen betracht besser zu beurteilen als in ihren eigenen eingeschränkten Innensicht.
Meine Gerührtheit hielt sich trotz den Tränen (die wohl dazu gehören, siehe oben) am Ende in Grenzen, aber für einen romantisch-dramatischen Roman war es erträglich.
Jojo Moyes, Ein ganzes halbes Jahr. Argon Verlag 2013.
Wednesday, July 16, 2014
Denis Thériault - Siebzehn Silben Ewigkeit
Denis Thériault ist kanadischer Schauspieler, Autor und Regisseur. Sein zweites Buch Siebzehn Silben Ewigkeit ist eher eine Novelle als ein Roman und erzählt seine Geschichte in nur 160 Seiten.Im Titel verbergen sich die Themen der Geschichte:
Die siebzehn Silben verweisen auf die japanische Gedichtform des Haikus. Ein Mann und eine Frau kommunizieren mit diesen Gedichten, die sie sich abwechselnd in Briefen schicken. Der Protagonist ist aber der Briefträger Bilodo, der heimlich die Briefe der Frau abfängt und sich - fasziniert von den Haikus und allem, was er hineindeutet - in sie verliebt. Natürlich kennt Bilodo auch den Empfänger der Briefe, schließlich ist er dessen Postbote. Entsprechend entsetzt ist er, als er zusehen muss, wie dieser von einem Auto überfahren wird und stirbt.
Aus Verzweiflung, weil der Briefwechsel der beiden für den einsamen Bilodo Lebenssinn ist, übernimmt er die Rolle des Überfahrenen, damit die Frau weiterschreibt. Dies fällt ihm zunächst schwer und seine selbstverfassten Haiku sind zunächst sehr schlecht. Aber als er sich zunehmend in das Leben des Mannes hineinversetzt, indem er dessen Wohnung mit allem Inventar anmietet, und sich in dessen japanische Lebensweise aneignet, gelingt es ihm, den Briefwechsel aufrecht zu erhalten. Es entwickelt sich sogar eine emotional-erotische Komponente zwischen beiden. Doch als der Besuch der Dame ansteht, gerät Bilodo in Panik. Es kommt zu einer Verkettung von Ereignissen, an deren Ende er realisiert, dass er zu einem Abbild des Mannes geworden ist, und ihm schließlich sogar das gleiche Schicksal widerfährt: Er wird überfahren. Ensō. Der Kreis schließt sich.
Das Buch ist durch die Wiedergabe des Haiku-Briefwechsels halb lyrisch und die dahinterliegende japanische Philosophie ist ebenso Thema wie die japanische Kultur. Daher erhielt es auch den "Prix littéraire Canada-Japon".
Anfangs ist Siebzehn Silben Ewigkeit noch die leise Geschichte eines einsamen Mannes mit einem ungewöhnlichen Hobby, sein heimliches Briefelesen ist Zeichen seiner sozialen Unsicherheit. Er verbringt seine Zeit mit dem Nachspüren anderer Leute Emotionen und Geschichten, während er die Annäherungsversuche von seinen Kollegen und einer in ihn verliebten Kellnerin in seinem Stammlokal ausschlägt oder gar nicht wahrnimmt. Doch als er versucht, sich das fremde Leben anzueignen und sich selbst umzuformen, um es leben zu können, kippt die Geschichte leicht ins Surreale und Unglauhafte und endet in der absurden Wiederholung der Ereignisse.
Literarisch ist der kleine Band interessant, der Sinn bleibt seltsam offen: Macht Einsamkeit verrückt? Lebe dein Leben, aber bitte dein eigenes? Jemand anderes werden zu wollen, funktioniert nicht? Liegt das Glück nie dort, wo wir es suchen?
Denis Thériault, Siebzehn Silben Ewigkeit. dtv, München 2012.
Kathy Reichs - Totengeld
Achtung, emotionale, genervte Rezension!
Vielleicht hatte ich es schon geahnt: Normalerweise schiebt man das Lesen eines Romans einer seiner Lieblingsautorinnen nicht auf. Bereits Nummer 15 der Reihe um Tempe Brennan ging mir quer, doch der Reihe nach...
Zunächst beginnt alles mit einem echten Fall und der Roman nimmt Tempo auf. Unsere forensische Anthropologin soll mumifizierte Hunde als nichtmenschlich identifizieren und beschäftigt sich mit dem Fall eines überfahrenen Mädchens, das seltsame Verletzungen aufweist, die auf Mord schließen lassen. Privat denkt sie viel an Katy, die sich zum Militärdienst in Afghanistan verpflichtet hat.Doch plötzlich landet der Fall des Mädchens in der Sackgasse und praktischerweise taucht Pete, der Ex-Mann, auf, um Tempe in Ermittlungen in Afghanistan (!) hineinzuziehen. (Vermutlich gibt es in den ganzen USA und Kanada nur diese eine wirklich qualifizierte Person für den Fall.)
Teil zwei zeigt Tempe in Afghanistan, wo sie zwei getötete Zivilisten ausgräbt (und dabei absurder und überflüssigerweise verschüttet...), um zu entscheiden, ob sie vor vorn getötet oder in den Rücken geschossen wurden. Später kann wegen ihrer Ergebnisse ein amerikanischer Offizier freigesprochen werden. Der Teil enthält detaillierte Darstellungen der Situation vor Ort und des amerikanischen Militärs dort. In den Danksagungen erwähnt Kathy Reichs, dass sie mit Hilfe der USO ("United Service Organizations" - eine Organisation, die dazu dient, Truppen in Einsatzgebieten moralisch zu unterstützen) gemeinsam mit einigen anderen amerikanischen Schriftstellern Afghanistan besuchen durfte. Es gibt sogar eine Fotoreihe dazu auf der Website der Organisation.Vermutlich wollte die Autorin die dort gemachten Erfahrungen auch literarisch verwerten.
Zurück zuhause wird sie bedroht, mischt sich aber weiter in die Ermittlungen um das überfahrene Mädchen ein, bastelt sich selbst eine Fallübersicht mit den vorhandenen Verbindungen und - Heureka! - entdeckt das entscheidende Detail und fährt selbstverständlich sofort zum entscheidenden Ort, ohne auf Verstärkung zu warten, da sie den Ermittler Slidell gerade telefonisch nicht erreicht - Showdown - und gerät selbstverständlich in eine Falle und muss sogar jemanden erschießen. Dumm irgendwie, oder?
Im persönlich-privaten Showdown sagt Pete dann seine angesetzte Hochzeit mit "Blondie" ab und steht bei Tempe vor der Tür, aber die steckt im emotionalen Chaos und schickt ihn erstmal weg.
Der ganze Roman wirkt wie unzusammenenhängendes Stückwerk, das nur am Ende notdürftig zusammengezimmert wird. Personen wirken inkonsequent bis unglaubhaft, die Aufklärung holpert und wird wieder mit plötzlicher Eingebung gelöst (was mich schon beim letzen Band genervt hatte). Der Zusammenhang muss dann auch noch mit moralischem Überbau und Fakten zum Thema Menschenhandel unterfüttert werden, damit es halbwegs plausibel wird.
Was tut Kathy Reichs da? Zu viele Drehbücher? Zu wenig Zeit, den Roman ordentlich zu konzipieren? Und die beiden schwerwiegenden Themen Afghanistan und Menschenhandel so beiläufig in die Geschichte zu pressen und sogar noch zu vermischen, finde ich problematisch. Kein gutes Buch, so leid es mir tut.
Kathy Reichs, Totengeld. Karl Blessing Verlag, München 2013.
Thursday, July 10, 2014
John Green / David Levithan - Will & Will
Zwei Autoren.
Zwei Erzählperspektiven.
Ein Name: Will Grayson.
Eine Stadt: Chicago.
Zwei Schulen...
- Will Grayson I: hetero, mit dem schwulen Tiny Cooper befreundet, intaktes Elternhaus, Schwierigkeiten mit Freundschaft...
Er braucht lange, um zu verstehen, wie wichtig sie ist und vor allem wie irrational, denn zunächst geht er davon aus, man könne sich seine Freunde objektiv auswählen, und schafft es nur langsam, sich die emotionale Komponente von Freundschaft einzugestehen und seinen eigenen Gefühlen allgemein (er ist verliebt in Jane) auf die Spur zu kommen. Insgesamt ist er ein gutes Beispiel für das pubertäre Durcheinander in der Seele eines Jugendlichen, Liebe versus Wahrheit und all das. Am Ende versteht er es aber und kann Tiny und Jane ein Freund sein, der die Bezeichnung verdient.
- Will Grayson II: schwul , depressiv und muss deswegen Medikamente nehmen, lebt bei seiner Mutter, finanzielle Schwierigkeiten, Bezugspersonen kaum vorhanden, verschlossener Einzelgänger...
Seine Mitschülerin Maura drängt sich ihm auf, will ihn aus seiner Isolation befreien, er blockt ihre Versuche weitgehend ab, will sich ihr nicht öffnen. Das tut er nur bei seinem Internet-Freund Isaac, in den er verliebt ist. Als es schließlich zu einem ersten Date kommen soll, stellt sich albtraumhaft heraus, dass hinter dem Profil von Isaac Maura steckt - aber am Treffpunkt lässt der Zufall die beiden Wills zusammentreffen - und Will II trifft den sehr realen Tiny Cooper, der ihn in eine wirkliche Welt mit Liebe und echten Gefühlen holt.
Das Schreibkonzept und beide Erzählstile haben mir gut gefallen. Beide Autoren schreiben mit Herzblut aus der Sicht ihres jeweiligen Will Graysons, unterscheiden sich aber hinreichend, nur anfangs benötigt man eine kurze Eingewöhnungszeit, um die Jungen und ihre Eigenschaften/Geschichten auseinander zu sortieren. Die Innensicht der zwei pubertierenden Jungen ist überzeugend, vor allem auch deswegen, weil beide - unabhängig von ihrer sexuellen Ausrichtung - das gleiche Grundproblem, die gleichen Grundfragen haben: Bin ich liebenswert? Lohnt sich die Liebe? Soll ich das Risiko des drohenden Absturzes und der Verletzungsgefahr, falls es nicht klappt, eingehen? Dreimal ja, ja, ja.
Manchmal hätte ich mir die beiden Wills etwas selbstständiger und reflektierter gewünscht, jeder auf seine Art neigt zum Selbstmitleid und hat nur geringe Möglichkeiten zur Selbsterkenntnis, oft sind es erst die Anstöße von außen, die sie dazu bringen, den nächsten Schritt ins Leben zu machen.
Eine filmische Umsetzung bietet sich praktisch an, gern leicht amerikanisch/Hollywood, aber vielleicht hilfreich, um Barrieren im Bereich Homosexualität abzubauen und die Normalität dessen zu zeigen.
John Green / David Levithan, Will & Will. cbt, München 2013.
Saturday, July 05, 2014
Colin Cotterill - Der Tote im Eisfach
Fall Nummer Fünf für Dr. Siri. Während dieser einmal mehr irgendwo in den Bergen von Laos verschwindet, bleibt es Schwester Dtui und Siris Verlobter Daeng überlassen, einen mysteriösen Mordanschlag auf ihn aufzuklären - denn Der Tote im Eisfach enthält eine Bombe. Während sich die Zuhause gebliebenen also darum kümmern, die Attentäter dingfest zu machen (in der üblich chaotisch-laotischen Weise), ist Siri Opfer einer Entführung. Eine kleine Gruppe von Hmong, einem verarmten laotisches Bergvolk, benötigt dringend einen Schamanen, um ein von einem Dämonen besessenes Mädchen zu retten. Da Siri einen alten schamanischen Geist in sich trägt, soll dieser den Job erledigen. Auch hier überlagern sich Mystisches und die Realität, denn die Dämonenaustreibung beschert Siri tatsächlich eine Vision - aber es ist schließlich doch sein Verstand, der die Situation und das Mädchen für die Hmong rettet.
Zwar weist auch dieser Roman die bereits erprobte Verbindung von Spannung, Mystik und Humor auf, dennoch fasziniert dieser hier ein Quentchen weniger, vielleicht weil der im englischen Titel verwendete "Fluch des Pogo-Sticks" (Curse of the Pogo Stick) als Objekt der Anbetung doch etwas sehr quer erscheint - selbst für das seltsame Laos des bemerkenswerten Dr. Siri.
Colin Cotterill, Der Tote im Eisfach. der Hörverlag 2012.
David Mitchell - Der Wolkenatlas
Dies ist wohl eines der Bücher der letzten Jahre, das ich am sperrigsten empfunden habe. Mehrfach habe ich es zugunsten anderer Romane beiseite gelegt, sogar über Monate pausiert, mich teilweise kleckerseitenweise vorangekämpft.
Warum eigentlich?
Das Buch ist nicht schlecht.
Mitchell entwirft sechs voneinander unabhängige Lebensgeschichten und ich bediene mich mal Wikipedias Übersicht dazu, um sie darzustellen:
Die Verknüpfung der Protagonisten und die Erwähnung von Reinkarnation an mehreren Stellen des Romans lässt auch die Deutung zu, dass die einzelnen Charaktere dieselbe Seele haben, also wiedergeboren sind. Dabei hat Mitchell großen Wert auf die Verschiedenheit der Erzählstile (siehe Übersicht) und des Erzähltons und der Sprache gelegt. Er imitiert die Stimmung und die Sprache der Zeit, dabei werden auch Orthographie und Satzbau entsprechend angepasst. Am deutlichsten (und auch am nervigsten für den Leser) tritt dies bei "Sloosha’s Crossin’ un wies weiterging", dessen mundartliche Transkription zunächst nur schwer lesbar ist, aber sicher den zivilisatorischen Zusammenbruch und die hilflose Naivität des Erzählers gut umsetzt - auch in der deutschen Übersetzung (das war sicher eine Herausforderung für Volker Oldenburg).
Abschließend lässt sich sagen, dass Der Wolkenatlas sicherlich ein extrem gut komponierter, sehr durchstilisierter Roman ist, über den man viel nachdenken kann, gerade weil er Geschichte und die gesellschaftlichen Probleme über diesen großen Zeitraum von mehreren hundert Jahren umspannt ("History will teach us nothing..." Sting, 1987). Wirklich fesseln konnte der Roman mich nicht, sonst wären eingangs genannte Leseschwierigkeiten nicht aufgetreten, vielleicht ist er zu konstruiert, zu glatt, bietet zu wenig Identifikationsfläche in den Charakteren, die mir fast alle fremd blieben, vielleicht mit Ausnahme der beiden weiblichen Protagonisten Luisa Rey und Sonmi. Die Sprache, obwohl ausgefeilt und gezielt eingesetzt, verfehlte ihre Wirkung, sie war eher ein Problem als ein Bonus. Ich bin durchaus zufrieden, diesen Roman kennengelernt zu haben, aber eher im Sinne der literarischen Erfahrung als im Sinne des Lesegenusses.
David Mitchell, Der Wolkenatlas. Rororo, Reinbek 2007.
Warum eigentlich?
Das Buch ist nicht schlecht.
Mitchell entwirft sechs voneinander unabhängige Lebensgeschichten und ich bediene mich mal Wikipedias Übersicht dazu, um sie darzustellen:
- Das Pazifiktagebuch des Adam Ewing
In den 1850ern (es wird keine genaue Zeit genannt, jedoch wird der Goldrausch in Kalifornien erwähnt); im Stile der Zeit verfasstes Tagebuch; - Briefe aus Zedelghem
1931; ein Briefzyklus; - Halbwertszeiten. Luisa Reys erster Fall
1975; ein Kriminalroman/Thriller; - Das grausige Martyrium des Timothy Cavendish
In der heutigen Zeit (keine genaue Zeitangabe); Memoiren/Essay, als Vorlage für ein Drehbuch zur Verfilmung; - Sonmis Oratio
In einer dystopischen Zukunft (um 2100); ein Protokoll/Dialog; - Sloosha’s Crossin’ un wies weiterging
In einer fernen Zukunft; eine Erzählung/Monolog
"So addiert sich vielleicht die Summe all diese Bemühungen gegen die Ungerechtigkeit der Welt doch zu einem bisschen Hoffnung.
Was aber ist ein Ocean anderes als eine Vielzahl von Tropfen?"
Die Verknüpfung der Protagonisten und die Erwähnung von Reinkarnation an mehreren Stellen des Romans lässt auch die Deutung zu, dass die einzelnen Charaktere dieselbe Seele haben, also wiedergeboren sind. Dabei hat Mitchell großen Wert auf die Verschiedenheit der Erzählstile (siehe Übersicht) und des Erzähltons und der Sprache gelegt. Er imitiert die Stimmung und die Sprache der Zeit, dabei werden auch Orthographie und Satzbau entsprechend angepasst. Am deutlichsten (und auch am nervigsten für den Leser) tritt dies bei "Sloosha’s Crossin’ un wies weiterging", dessen mundartliche Transkription zunächst nur schwer lesbar ist, aber sicher den zivilisatorischen Zusammenbruch und die hilflose Naivität des Erzählers gut umsetzt - auch in der deutschen Übersetzung (das war sicher eine Herausforderung für Volker Oldenburg).
Abschließend lässt sich sagen, dass Der Wolkenatlas sicherlich ein extrem gut komponierter, sehr durchstilisierter Roman ist, über den man viel nachdenken kann, gerade weil er Geschichte und die gesellschaftlichen Probleme über diesen großen Zeitraum von mehreren hundert Jahren umspannt ("History will teach us nothing..." Sting, 1987). Wirklich fesseln konnte der Roman mich nicht, sonst wären eingangs genannte Leseschwierigkeiten nicht aufgetreten, vielleicht ist er zu konstruiert, zu glatt, bietet zu wenig Identifikationsfläche in den Charakteren, die mir fast alle fremd blieben, vielleicht mit Ausnahme der beiden weiblichen Protagonisten Luisa Rey und Sonmi. Die Sprache, obwohl ausgefeilt und gezielt eingesetzt, verfehlte ihre Wirkung, sie war eher ein Problem als ein Bonus. Ich bin durchaus zufrieden, diesen Roman kennengelernt zu haben, aber eher im Sinne der literarischen Erfahrung als im Sinne des Lesegenusses.
David Mitchell, Der Wolkenatlas. Rororo, Reinbek 2007.
Robben Island
Robben Island is a small island just opposite Capetown, South Africa. It was used as a prison island and Nelson Mandela spent 20 years of his life in a small cell there. Since the 1990s the prison is transformed into a museum and the island can be visited as national and nature monument.
In postcrossing terms it is a quite unusual card. In more than 1200 received card there are only three from South Africa. And two of them arrived within two days. This one was sent by Janet.
Friday, July 04, 2014
Elisabeth Boehm
Elisabeth Boehm was a Russian artist who lived between 1843-1914. She was famous for her illustrations (e.g. of children's books) and postcards.
This card was sent by Anna from Russia.
This card was sent by Anna from Russia.
Thursday, July 03, 2014
Colin Cotterill - Totentanz für Dr. Siri
In Totentanz für Dr. Siri lässt Colin Cotterill seinen laotischen Leichenbeschauer und dessen Assistentin Dtui in der Provinz Houaphan,
einer abgelegenen Bergregion, ermitteln. Nach einem Erdrutsch ragt ein
mumifizierter Arm aus einem Betonpfad. Dr. Siri soll herausfinden, wie der Mann zu Tode gekommen ist, denn fraglicher Betonpfad führt zum Präsidentendomizil.
Bei den Ermittlungen, in denen es immer weitreichendere Verwicklungen mit Familiengeschichten, Intrigen und kubanischer dunkler Magie gibt, lässt sich Dr. Siri von der Geisterwelt leiten, zu der er seit dem vorangegangenen Band eine tiefe Verbindung hat, da er von einem alten Schamanen besessen ist bzw. seinen Körper mit diesem teilt. Das mutet interessanterweise nicht ganz so schräg an, wie es zunächst klingt, denn Siri nimmt dies - wie auch die üblichen Ecken und Kanten seines Heimatlandes und dessen Bewohner - mit einer großen Portion Humor. Er nimmt sich, den Fall und die beteiligten Geister nicht zu ernst. Und so gelingt dieser außergewöhnliche Genre-Clash von Thriller und Mystery. Zusammen mit Jan Josef Liefers Lesung führt dies zu einem lustig-spannenden Hörvergnügen, bei dem der tatsächliche Kriminalfall wohl eigentlich eine untergeordnete Rolle spielt.
Colin Cotterill, Totentanz für Dr. Siri. Random House 2010.
Bei den Ermittlungen, in denen es immer weitreichendere Verwicklungen mit Familiengeschichten, Intrigen und kubanischer dunkler Magie gibt, lässt sich Dr. Siri von der Geisterwelt leiten, zu der er seit dem vorangegangenen Band eine tiefe Verbindung hat, da er von einem alten Schamanen besessen ist bzw. seinen Körper mit diesem teilt. Das mutet interessanterweise nicht ganz so schräg an, wie es zunächst klingt, denn Siri nimmt dies - wie auch die üblichen Ecken und Kanten seines Heimatlandes und dessen Bewohner - mit einer großen Portion Humor. Er nimmt sich, den Fall und die beteiligten Geister nicht zu ernst. Und so gelingt dieser außergewöhnliche Genre-Clash von Thriller und Mystery. Zusammen mit Jan Josef Liefers Lesung führt dies zu einem lustig-spannenden Hörvergnügen, bei dem der tatsächliche Kriminalfall wohl eigentlich eine untergeordnete Rolle spielt. Colin Cotterill, Totentanz für Dr. Siri. Random House 2010.
Tuesday, July 01, 2014
Agatha Christie - Ruhe unsanft
In Ruhe unsanft von Agatha Christie findet eine junge Frau für sich
und ihren Ehemann an der englischen Südküste das perfekte Haus: Es kommt
ihr gleich vertraut vor und glücklich ziehen beide ein. Doch plötzlich
geschehen merkwürdige Dinge, sie erinnert sich an Stufen im Garten, die
nicht mehr da sind, an eine Tür, die es nicht mehr gibt, und entwirft im
Geist ein Tapetenmuster, das sich dann tatsächlich in einem
Wandschrank wiederfindet. Verwirrt besucht die junge Frau mit Freunden ein Theaterstück in London, um sich abzulenken. Dabei lernt sie Miss Marple kennen, die Tante eines der Freunde. Gegen Ende des Kriminalstücks erleidet sie plötzlich einen Schock. Zunächst glaubt sie, geisteskrank zu sein, doch Miss Marples Fragen gehen in einen andere Richtung - etwas in ihrer Vergangenheit löst all diese Dinge aus. Zusammen mit Miss Marple beginnt das junge Paar zu recherchieren und schließlich kommt die Licht in die Geschehnisse der Vergangenheit und ein alter Mord kann aufgeklärt werden.
Dieser Miss Marple Thriller ist vom Setting her typisch und dank der Verfilmungen mit Margaret Rutherford hat man alles bildhaft vor Augen. Dass der Mord so weit zurückliegt, ist weniger typisch, verändert Miss Marples Recherchetechniken jedoch kaum. Mit ihrem Charme und ihrer Kombinationsgabe findet sie schnell heraus, was wirklich geschehen ist und trennt die falschen von den richtigen Fährten. Ein Klassiker, wunderbare Agatha Christie.
Die Lesung von Katharine Thalbach mit ihrer einzigartigen Stimme passt sehr gut zur Atmosphäre des Romans - gelungen.
Agatha Christie, Ruhe unsanft. Hörverlag 2013.
Monday, June 30, 2014
Zur Ruhe kommen
Sunday, June 29, 2014
Lies was Gescheites
Åke Edwardson - Die Schattenfrau
Als eine unidentifizierte Frauenleiche auftaucht, muss Winter tief in der Vergangenheit graben, um die komplizierten Zusammenhänge von damals und heute aufzuklären. Es hat seine Gründe, warum kaum jemand die Frau kennt, aber sie hatte eine Tochter und Winter setzt alle seine Anstrengungen daran, das Kind zu finden.Auch in Die Schattenfrau ist es ein interessantes Rätsel, das Winter in seiner besonderen Art versucht, zu entschlüsseln. Der Leser wird auf mehrere Umwege geführt, dabei flacht die Spannung aber niemals ab.
Eben dadurch besticht Åke Edwardson als Krimiautor: Ein guter Plot, interessante Charaktere (Haupt- und Nebenfiguren) und eine sorgfältig konstruierte Spannungskurve. Funktioniert.
Åke Edwardson, Die Schattenfrau. Ullstein Hörverlag 2002.
Saturday, June 28, 2014
5. Challenge-Lesenacht
1. Welches Buch für welchen Punkt wird heute von dir gelesen?
Ich nehme mir dann meinen Dauerpflegefall "Der Wolkenatlas" von David Mitchell vor, den ich für Punkt 20, verfilmtes Buch, lese. Ich möchte es gern zuende lesen, aber es beschäftigt mich bereits seit Monaten. Zäh. Ich starte heute auf Seite 407 von 667.
2. Welche(s) Genre(s) liest du am liebsten?
Ich lese hauptsächlich Thriller/Krimis und Fantasy, durchmischt mit Kinder-/Jugendliteratur und aktuellen Romanen.
3. Hand auf's Herz: Aktuelle Zahl der Bücher deines Stapels ungelesener Bücher (insofern es einen gibt)?
Ehrlich gesagt ist das schwer zu sagen. Einige stehen im Regal, andere stapeln sich tatsächlich neben dem Bett... Das werden sicher so zwischen 40 und 50 sein. Aber dann sind da noch viele, viele e-books. Aber die stapeln sich natürlich nicht real!
4. Welches Buch wird in naher Zukunft als nächstes in deinen Einkaufskorb wandern?
Ich habe heute seit langem mal wieder eines gekauft, für den Urlaub die Gebrauchsanweisung für Schweden, aber sonst vermeide ich Neukäufe.
5. Welches Buch hat dich enttäuscht, obwohl so gut wie jeder begeistert war?
Shades of Grey und City of Bones fand ich beide unglaublich schlecht, Plot und Schreibstil grausam. Das sind wohl die krassesten Beispiele, bei denen ich von der allgemeinen Meinung abweiche.
6. Wie viel habt ihr insgesamt geschafft die Nacht und seid ihr zufrieden mit Story und Leseerfolg?
Ich habe morgens noch ein wenig Lesezeit angehängt und nun bin ich ganze 100 Seiten weiter. Damit bin ich ausgesprochen zufrieden. Da Der Wolkenatlas in verschiedene Geschichten aufgeteilt ist, ist es schwer zu sagen, ob ich mit der Story zufrieden bin. Zumal ich insgesamt Leseschwierigkeiten habe. Jetzt wiederholen sich die Settings aber und die Abschnitte werden kürzer, das macht das Ganze abwechslungsreicher.
Ich nehme mir dann meinen Dauerpflegefall "Der Wolkenatlas" von David Mitchell vor, den ich für Punkt 20, verfilmtes Buch, lese. Ich möchte es gern zuende lesen, aber es beschäftigt mich bereits seit Monaten. Zäh. Ich starte heute auf Seite 407 von 667.
2. Welche(s) Genre(s) liest du am liebsten?
Ich lese hauptsächlich Thriller/Krimis und Fantasy, durchmischt mit Kinder-/Jugendliteratur und aktuellen Romanen.
3. Hand auf's Herz: Aktuelle Zahl der Bücher deines Stapels ungelesener Bücher (insofern es einen gibt)?
Ehrlich gesagt ist das schwer zu sagen. Einige stehen im Regal, andere stapeln sich tatsächlich neben dem Bett... Das werden sicher so zwischen 40 und 50 sein. Aber dann sind da noch viele, viele e-books. Aber die stapeln sich natürlich nicht real!
4. Welches Buch wird in naher Zukunft als nächstes in deinen Einkaufskorb wandern?
Ich habe heute seit langem mal wieder eines gekauft, für den Urlaub die Gebrauchsanweisung für Schweden, aber sonst vermeide ich Neukäufe.
5. Welches Buch hat dich enttäuscht, obwohl so gut wie jeder begeistert war?
Shades of Grey und City of Bones fand ich beide unglaublich schlecht, Plot und Schreibstil grausam. Das sind wohl die krassesten Beispiele, bei denen ich von der allgemeinen Meinung abweiche.
6. Wie viel habt ihr insgesamt geschafft die Nacht und seid ihr zufrieden mit Story und Leseerfolg?
Ich habe morgens noch ein wenig Lesezeit angehängt und nun bin ich ganze 100 Seiten weiter. Damit bin ich ausgesprochen zufrieden. Da Der Wolkenatlas in verschiedene Geschichten aufgeteilt ist, ist es schwer zu sagen, ob ich mit der Story zufrieden bin. Zumal ich insgesamt Leseschwierigkeiten habe. Jetzt wiederholen sich die Settings aber und die Abschnitte werden kürzer, das macht das Ganze abwechslungsreicher.
Wednesday, June 25, 2014
Åke Edwardson - Tanz mit dem Engel
Krasser Einstieg in die Reihe um Kommissar Winter: In Tanz mit dem Engel geht es um Snuff-Movies. Zwei junge Männer werden kurz nacheinander ermordet und dabei gefilmt: Zunächst ein Schwede in London, dann ein Brite in Göteborg. Kommissar Winter kooperiert mit seinem London Kollegen McDonald und bittet gleichzeitig seinen Freund aus Jugendtagen aus der Göteborger Nachtwelt zu Hilfe.
Der Erzählstil ist ungewöhnlich, sprachlich sehr knapp, dennoch entwickelt sich eine Atmosphäre des Unbehagens.
Die Perspektive wechselt rasch zwischen den verschiedenen Kommissaren, was bei dem Hörbuch nicht immer auf Anhieb eindeutig zu erkennen war, da Manfred Zapatka hier stimmlich keine Unterschiede herausarbeitete.
Die Geschichte gewinnt schnell an Tempo und hält die Spannung. Bei der Aufklärung und vor allem bei dem Motiv des Täters fehlt ein bisschen die Authentizität, da plötzlich Psychologie und Winters Vergangenheit eine größere Rolle spielen, wo vorher der persönliche Werdegang des Kommissars wenig wichtig war und die Erzählung duesbezüglich eher Lücken ließ.
Unklar ist hierbei allerdings, ob hier bei der gekürzten Audiofassung vielleicht Dinge auf der Strecke geblieben sind.
Insgesamt solide Krimiunterhaltung.
Åke Edwardson, Tanz mit dem Engel. Randomhouse Audio 2001.
Der Erzählstil ist ungewöhnlich, sprachlich sehr knapp, dennoch entwickelt sich eine Atmosphäre des Unbehagens.
Die Perspektive wechselt rasch zwischen den verschiedenen Kommissaren, was bei dem Hörbuch nicht immer auf Anhieb eindeutig zu erkennen war, da Manfred Zapatka hier stimmlich keine Unterschiede herausarbeitete.
Die Geschichte gewinnt schnell an Tempo und hält die Spannung. Bei der Aufklärung und vor allem bei dem Motiv des Täters fehlt ein bisschen die Authentizität, da plötzlich Psychologie und Winters Vergangenheit eine größere Rolle spielen, wo vorher der persönliche Werdegang des Kommissars wenig wichtig war und die Erzählung duesbezüglich eher Lücken ließ.
Unklar ist hierbei allerdings, ob hier bei der gekürzten Audiofassung vielleicht Dinge auf der Strecke geblieben sind.
Insgesamt solide Krimiunterhaltung.
Åke Edwardson, Tanz mit dem Engel. Randomhouse Audio 2001.
Saturday, June 21, 2014
Tess Gerritsen - Grabesstille
Tess Gerritsens Grabesstille ist der neunte Band der Reihe um Maura Isles und Jane Rizzoli. Bereits die letzten zwei Bände hatten an Spannung und Plot zugelegt, doch Grabesstille besticht in vielerlei Hinsicht.
Auf dem Dach eines Hauses in Bostons Chinatown wird eine weibliche Leiche mit einer abgetrennten Hand gefunden. Offensichtlich ist sie mit einem Schwert ermordet worden. In eben diesem Haus wurde 19 Jahre zuvor ein Massaker unter den Besuchern eines Chinarestaurant angerichtet. Als Täter wurde der chinesische Koch identifiziert, der zunächst alle Anwesenden und dann sich selbst getötet haben soll. Doch Jahr für Jahr erhalten die Beteiligten Briefe und Kopien der Todesanzeigen, die sie daran erinnern, nicht zu vergessen und durchblicken lassen, der wahre Täter sei nicht gefasst worden.Neben Rizzoli und Frost stößt noch ein Polizist chinesischer Abstammung zum Ermittlerteam. Verwirrend durchmischen sich die aktuellen Vorkommnisse mit dem Fall von damals. Als auch noch einer der damals ermittelnden Polizisten getötet wird und auch Jane nur knapp einem Profikiller entkommt, ist klar, dass es einen Zusammenhang geben muss.
Erstmalig verwendet Gerritsen, selber asiatischer Abstammung, auch mystisch-kulturelle Elemente, die dem Leser zudem durch die für die Autorin ungewohnte Ich-Perspektive nahegebracht werden. Dies gelingt in großartiger Weise, da Jane Rizzoli, sonst sachlich und geradeheraus, sensibel-nachdenklich mit diesem Aspekt der Geschichte umgeht. Erst auf den letzten Seiten erfährt die Ermittlung dann aber die entscheidende Wende und rundet mit diesem Überraschungseffekt einen durch und durch spannenden und gut erzählten Roman ab.
Tess Gerritsen, Grabesstille. Limes. München 2011.
Jesper Juul - Aggression
Irgendwie sitzt mir Jesper Juuls Buch Aggression quer im Kopf. Vieles von dem, was er beschreibt und sagt, kann ich nachvollziehen. Aggression ist deutlich zu unterscheiden von Gewalt, Aggression ist Ausdruck von einem Mangel oder einem Problem, Aggression kann notwendig sein auf dem Weg zur persönlichen Entwicklung, vor allem bei Kindern, die ihren Emotionen und Bedürfnissen in gewisser Weise elementar ausgeliefert sind. So ist sie oft Symptom für etwas anderes, und man sollte dem Kind empathisch begegnen, um zum eigentlich Kern des Problems vorzudringen und etwas zu verändern. Reine Symptombekämpfung, also das Verbot von Aggression, ist nicht zielführend. Die Tabuisierung eines Gefühls, dass doch zur elementaren Gefühlspalettte gehört, hat negative Auswirkung auf das Selbstwertgefühl und behindert Kinder dabei, einen sinnvollen Umgang mit Aggression zu erlernen.
Juul sieht vor allem in staatlichen Institutionen wie Kindertagesstätten und Schulen eine stark moralischen Negierung von Aggression - sie wird schlicht verboten und unterdrückt. Darüber hinaus kritisiert er energisch den Umgang der Erzieher und Lehrer mit dem Problem und stellt diese als roboterhafte Maschinen in einem schlechten System dar. Empathie komme nicht vor, auf die Kinder und ihre Emotionen werde nicht ausreichend eingegangen, sodass die Kinder auch nicht lernen könnten.
Ich kann einen Teil seiner Kritik nachvollziehen: Natürlich wird aggressives Verhalten unterdrückt, natürlich werden Strafen und/oder scharfe Worte gefunden, wenn sich ein Kind aggressiv oder sogar gewalttätig zeigt. Und ja, dies mag in manchen Fällen auch eine Aggression oder Gewalt darstellen.
Verwehren möchte ich mich aber dagegen, dass Pädagogen sich grundsätzlich nicht bemühen, auch aggressiveb Kinder in empathischer Weise zu begegnen und nach den Gründen dieses Verhaltens zu suchen. Das mag in vielen Unterrichtsbegegenheiten nicht geschehen, das ist dem Alltag und dem notwendigen Ablauf von Unterricht geschuldet. Aber ist Lehrerarbeit, wie ich sie verstehe, immer Beziehungsarbeit, die auch von einem Großteil als solche wahrgenommen wird. Jeweils entsprechend den persönlichen Möglichkeiten der Lehrenden. Juul nimmt eine sehr therapeutische Perpektive ein, vergisst dabei aber, dass die Ausbildung der Erzieher und Lehrer einen solchen Bereich gar nicht umfasst. Natürlich, um empathisch zu handeln und auf ein Kind offen zuzugehen, brauche ich keine therapeutische Ausbildung. Aber die Momente, in denen Aggression offen ausbricht, bedeuten auch für Pädogogen eine Erhöhung des Stresspegels und nicht immer und jeder ist in diesem Bereich gleichermaßen belastbar. Ein professionellerer Umgang wäre wünschenswert, den wünsche ich mir für jede und jeden in diesem Beruf, aber der fällt auch nicht vom Himmel.
So ist es gut und richtig, dass Juul auf die Problematik in deutlicher und klarer Form aufmerksam macht - eine einfache und praktikable Lösung, vor allem vor den Paradigmenwechsel, der dafür in allen Pädagogenköpfen und Elternköpfen vonstatten gehen müsste, hat er leider nicht. Aber ich nehme einige wertvolle Denkanstöße mit und werde vielleicht anders hinschauen bei aggressivem Verhalten.
Jesper Juul, Aggression. Warum sie für uns und unsere Kinder notwendig ist. Argon 2013.
Saturday, June 14, 2014
Alex Rühle - Ohne Netz: Mein halbes Jahr offline
Alex Rühle (*1969) ist Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung. Als er einen Blackberry für seine Arbeit bekommt, ist er dauerhaft online und mit seinen E-Mails beschäftigt. Er beobachtet bei sich ein starkes Suchtverhalten und beschließt, dem entgegenzuwirken - mit einem halben Jahr Ohne Netz. Nicht ohne Hindernisse deinstalliert er E-Mail-Programme und Browser auf der Arbeit und Zuhause und gibt seinen Blackberry zurück. Während des Entzugs schreibt er Tagebuch und veröffentlich dieses anschließend als eine Art biographische Dokumentation des halben Jahrs offline.
Angereichert ist der Text mit Anekdoten und Fakten zu den Themen Sucht, Flucht vor Erneuerungen und Technik (auch anderer Autoren), Medienwissenschaft und vielem mehr. Natürlich schildert er auch die persönlichen Implikationen, die der Entzug hat. Mehr Zeit bzw. Entschleunigung, einige Momente der Ruhe, Schwierigkeiten bei analogen Recherchen, ...
Trotzdem scheint er am Ende des Experiments froh, wieder zu alten Gewohnheiten und dem Netz zurückkehren zu können, ohne geht es offensichtlich nicht. Tipps für den Leser für einen gesünderen Umgang mit dem Internet kann er nicht bieten. So ist Ohne Netz zwar unterhaltsam und lädt zum Nachdenken über die eigenen Gewohnheiten und Abhängigkeiten ein - aber nicht mehr.
Alex Rühle, Ohne Netz: Mein halbes Jahr offline. DAV 2010.
Friday, June 13, 2014
Isabel Allende - Die Stadt der wilden Götter
Isabel Allende stand schon länger auf der Liste der Autoren, die ich noch lesen wollte. Zudem besteht eine meiner Sub-Abbau-Challenge Aufgaben darin, ein Buch aus einem Sammelband zu lesen. Daher bot es sich an, endlich mit Allendes "Adler und Jaguar"-Trilogie zu beginnen.
Alex' Mutter ist schwerkrank, daher wird Alex zu seiner abenteuerlustigen Großmutter geschickt, die Journalistin ist und ihn mit auf eine Expedition in das Amazonasgebiet mitnimmt. Eine Art südamerikanisches Yeti treibt dort sein Unwesen und soll erforscht werden. Die Gruppe der Reisenden ist bunt gemischt, unter anderem lernt er dort Nadia, die Tochter ihres Reiseführers kennen. Schon bald wird die Gruppe von mystischen und realen Bedrohungen heimgesucht, einer der sie bewachenden Soldaten wird sogar getötet. Nadias besondere Talente, sich auf die Indianer- und Tierwelt einlassen und sich mit ihnen verständigen zu können, führen dazu, dass sie Kontakt zu einem geheimnisvollen Indianerstamm bekommen. Die beiden Jugendlichen werden von dem Stamm entführt und finden sich plötzlich in der Situation, dass sie den Indianern helfen sollen.
Der Roman schwankt zwischen fantastischem, traumhaftem, mystischem Erleben von Aguila und Jaguar (dies sind die Totemtiere von Nadia und Alex) und der realistischen Erzählung der Ereignisse. Einige Passagen mit den Schilderungen des Amazonas und der Atmosphäre sind sehr schön, einiges der mystischen Schilderungen funktionierte für mich leider weniger. Ob ich die andere Bände noch lesen werde, weiß ich noch nicht.
Isabel Allende, Die Stadt der wilden Götter. In: Die Abenteuer von Aguila und Jaguar. Drei Romane in einem Band. Suhrkamp, Berlin 2012.
Alex' Mutter ist schwerkrank, daher wird Alex zu seiner abenteuerlustigen Großmutter geschickt, die Journalistin ist und ihn mit auf eine Expedition in das Amazonasgebiet mitnimmt. Eine Art südamerikanisches Yeti treibt dort sein Unwesen und soll erforscht werden. Die Gruppe der Reisenden ist bunt gemischt, unter anderem lernt er dort Nadia, die Tochter ihres Reiseführers kennen. Schon bald wird die Gruppe von mystischen und realen Bedrohungen heimgesucht, einer der sie bewachenden Soldaten wird sogar getötet. Nadias besondere Talente, sich auf die Indianer- und Tierwelt einlassen und sich mit ihnen verständigen zu können, führen dazu, dass sie Kontakt zu einem geheimnisvollen Indianerstamm bekommen. Die beiden Jugendlichen werden von dem Stamm entführt und finden sich plötzlich in der Situation, dass sie den Indianern helfen sollen.
Der Roman schwankt zwischen fantastischem, traumhaftem, mystischem Erleben von Aguila und Jaguar (dies sind die Totemtiere von Nadia und Alex) und der realistischen Erzählung der Ereignisse. Einige Passagen mit den Schilderungen des Amazonas und der Atmosphäre sind sehr schön, einiges der mystischen Schilderungen funktionierte für mich leider weniger. Ob ich die andere Bände noch lesen werde, weiß ich noch nicht.
Isabel Allende, Die Stadt der wilden Götter. In: Die Abenteuer von Aguila und Jaguar. Drei Romane in einem Band. Suhrkamp, Berlin 2012.
Tuesday, June 10, 2014
Umberto Eco - Der Friedhof in Prag
993 Minuten gelesen von Jens Wawrczeck und Gert Heidenreich. Das ist lang. Das ist sehr lang. 519 Buchseiten wären das, die ich nie im Leben durchgestanden hätte.
Doch zuerst zum Inhalt, ausnahmsweise in Form des Info-/Klappentextes, wie er auf goodreads zu lesen ist:
Zunächst ist da der Italiener Simon Simonini, der in einer Pariser Wohnung ohne Erinnerung an die vergangenen Tage erwacht. Er beginnt Tagebuch zu schreiben, um sich wieder an sein Leben zu erinnern. Doch ein anderer kommentiert seine Einträge und stellt klar, dass Simonini ein Fälscher von Dokumenten aller Art, ein Agent und Antisemit höchsten Grades und sogar ein Mörder ist.
Hinzu kommt ein allwissender und ebenfalls kommentierender Erzähler, der einen sachlicheren Ton anschlägt und die Geschehnisse in ein Gesamtbild einzuordnen versucht.
Vor lauter Antisemitismus, Jesuiten, Freimaurern, Logen, Spionen und erlogenen, kopierten und verfälschten Dokumenten schwimmt einem bei Ecos Der Friedhof in Prag bereits nach kurzer Zeit der Kopf. Dabei reiht sich eine historische Verschwörung an die nächste, folgen Beschreibungen von Kochrezepten auf Zusammensetzungen von Sprengstoffen, Charaktere werden eingeführt, für eine Verschwörung oder als Auftraggeber verwendet, dann verschwinden sie wieder, um vielleicht - oder auch nicht - an späterer Stelle wieder aufzutauchen, das alles aber wahllos (oder zu komplex, um es zu begreifen) aneinandergereiht.
Ich fand keinen roten Faden, keinen Protagonisten, dem ich mich anschließen konnte, keine einzige sympathische Figur, keinen guten Charakter, nur Geld- und Machtgeilheit, blinden Hass und intrigantes und religionsverachtendes Geschwafel. Besonders das antisemitische Gedankengut, dass Simonini in seinem Tagebuch absondert, war schwer, extrem schwer, zu ertragen.
Klar kann man - wie im Klappentext erwähnt - in dieser Verworfenheit auch die heutige Zeit erkennen: Spioniert, gelogen und betrogen wird im großen Stil durch alle Zeiten hindurch und dabei gilt keine Moral und kein Gesetz. Von "mitreißend und spannend" kann leider keine Rede sein, da der Plot sich im Kleinen verliert, von einer historischen Anekdote zur nächsten springt, keinen Spannungsbogen hat und keine Identifikationsfiguren bietet, die doch vielleicht nötig sind, um den Leser mitzunehmen auf die historische Reise. Das einzig Beeindruckende ist vielleicht die Menge an historischen Details und Ecos große Kenntnis von den ideologischen Wirren Frankreichs im 19. Jahrhundert.
Umberto Eco, Der Friedhof in Prag. HörVerlag 2011.
Doch zuerst zum Inhalt, ausnahmsweise in Form des Info-/Klappentextes, wie er auf goodreads zu lesen ist:
"Mönche und Freimaurer, Verschwörer, Fälscher und Verräter walten im Paris des 19. Jahrhunderts. Ein Abt stirbt zweimal, ein paar unbekannte Tote treiben im Pariser Abwasserkanal, und am Ende tauchen die gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion“ auf, die eine Weltverschwörung des Judentums belegen sollen. Mit einem Attentat auf die Pariser Métro wollen die Verschwörer die Bevölkerung aufrütteln. Mitreißend und spannend erzählt Umberto Eco, der Meister des historischen Romans, von Antisemitismus und Geheimbünden und von einer Vergangenheit, in der wir unsere Gegenwart wiedererkennen können."Die Erzählperspektiven:
Zunächst ist da der Italiener Simon Simonini, der in einer Pariser Wohnung ohne Erinnerung an die vergangenen Tage erwacht. Er beginnt Tagebuch zu schreiben, um sich wieder an sein Leben zu erinnern. Doch ein anderer kommentiert seine Einträge und stellt klar, dass Simonini ein Fälscher von Dokumenten aller Art, ein Agent und Antisemit höchsten Grades und sogar ein Mörder ist.
Hinzu kommt ein allwissender und ebenfalls kommentierender Erzähler, der einen sachlicheren Ton anschlägt und die Geschehnisse in ein Gesamtbild einzuordnen versucht.
Vor lauter Antisemitismus, Jesuiten, Freimaurern, Logen, Spionen und erlogenen, kopierten und verfälschten Dokumenten schwimmt einem bei Ecos Der Friedhof in Prag bereits nach kurzer Zeit der Kopf. Dabei reiht sich eine historische Verschwörung an die nächste, folgen Beschreibungen von Kochrezepten auf Zusammensetzungen von Sprengstoffen, Charaktere werden eingeführt, für eine Verschwörung oder als Auftraggeber verwendet, dann verschwinden sie wieder, um vielleicht - oder auch nicht - an späterer Stelle wieder aufzutauchen, das alles aber wahllos (oder zu komplex, um es zu begreifen) aneinandergereiht.
Ich fand keinen roten Faden, keinen Protagonisten, dem ich mich anschließen konnte, keine einzige sympathische Figur, keinen guten Charakter, nur Geld- und Machtgeilheit, blinden Hass und intrigantes und religionsverachtendes Geschwafel. Besonders das antisemitische Gedankengut, dass Simonini in seinem Tagebuch absondert, war schwer, extrem schwer, zu ertragen.
Klar kann man - wie im Klappentext erwähnt - in dieser Verworfenheit auch die heutige Zeit erkennen: Spioniert, gelogen und betrogen wird im großen Stil durch alle Zeiten hindurch und dabei gilt keine Moral und kein Gesetz. Von "mitreißend und spannend" kann leider keine Rede sein, da der Plot sich im Kleinen verliert, von einer historischen Anekdote zur nächsten springt, keinen Spannungsbogen hat und keine Identifikationsfiguren bietet, die doch vielleicht nötig sind, um den Leser mitzunehmen auf die historische Reise. Das einzig Beeindruckende ist vielleicht die Menge an historischen Details und Ecos große Kenntnis von den ideologischen Wirren Frankreichs im 19. Jahrhundert.
Umberto Eco, Der Friedhof in Prag. HörVerlag 2011.
Wednesday, June 04, 2014
Tina Dico - Someone you love
You came to me in peace
I gave you what you wanted, but no more then just enough
And now I'm on my knees
Have mercy on my soul, I am here to return your love
I'm reaching to be found
Let anyone who trust in me be seen and be heard
And, Lord, if I had known
That love would be a punishment, I would have kept my word
Let anyone who trust in me be seen and be heard
And, Lord, if I had known
That love would be a punishment, I would have kept my word
Cause that's what you do
For someone you love
You do it all for someone you love
Someone you love
You do it right for someone you love
You do it all for someone you love
Someone you love
You do it right for someone you love
You came to me outta nothing
Your beauty almost killed me and the notion left me cold
I saw only your reflection
As always in this life I never saw the image whole
Your beauty almost killed me and the notion left me cold
I saw only your reflection
As always in this life I never saw the image whole
And now the little I can give
Is all my love into a song I'll never stop to sing
You've shown the will to live
And someday we'll meet face to face and I'll be born again
Is all my love into a song I'll never stop to sing
You've shown the will to live
And someday we'll meet face to face and I'll be born again
Yes you'll be born again
For someone you love
For someone you love
You'll be born again for someone you love
Someone you love
Let yourself be born again for someone you love
Someone you love
Someone you love
Let yourself be born again for someone you love
Someone you love
Let yourself be born again for someone you love
Someone you love
Someone you love
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